JK 146.
Dienstag, 28. Juni 192L
* Fuldaer Ejeitung
<*+ Druck der j?«n>itec Aetiendruckerei itt Fuld«
Zum zefte Peter und Paul.
„5efus Christus fordert« alle Menschen ohne Aus- lnchme auf, ihm als Führer und Erlöser zu folgen, nicht jeder sich und getrennt von den anderen, sondern Mit vereint, durch Tat und Gesinnung verbunden, als »in« Gesellschaft, von einem gemeinsamen Rechls- isnd umschlungen; eins durch die Gemeinschaft des Klaubens, des Zieles, der Mittel und durch die Unterwürfigkeit unter ein gemeinsames Oberhaupt." Diese Dort« bilden den Mittel- und Höhepunkt in dem herrlichen Rundschreiben „Uebet di« Einheit der Kirche", das Papst Leo XIH. vor 25 Jahren am Feste Peter und Paul an den Erdkreis richtete. Sie sind di« kurze Formel für Wesen und Gestalt der katholischen Kirche. Die Kirche hat Jahrhundert für Jahrhundert immer neue Völker in sich ausgenommen, sie, die geborene Weltkirche, hat den Charakter einer solchen gleichsam immer vollkrmv- rnener verwirklicht. Slber dieses Vordringen in reue Länder, neue Sprachen hat die innere Einheit der Kirche nicht gelockert. Heute, im Zeichen des vatikanischen Konzils und des neuen kirchlichen Rechtsbuches, ist die sichtbare Organisation dieser Einheit fester denn je.
Diese Einheit wäre indes unfruchtbar, würde sie nicht beseelt von der Einigung aller Kinder der Kirche durch die Liebe. Das Höchste ist die Liebe! Deredikt XV. hat uns das eindringlich ans Herz gelegt in seinem Friedensrundschreiben vom 23. Mai 1920 über die Einheit in der Liebe. Seine Worte hüben sozusagen die Ergänzung dessen, was Leo XIII. vor 25 Jahren zu uns gesprochen hat über die Einheit im Glauben. Die letzten unglückseligen Jahre mit ihren Mißverständnissen, ihrem Mißtrauen, ihrem Haß haben diese Ergänzung notwendig gemacht. Das wissen wir alle. Wenn leider auch Katholiken hier gefehlt haben, so taten sie es freilich „gegen Petrus", im Widerspruch mit dem Seifte der katholischen Kirche und dem Beispiel des Stellvertreters Christi.
Denn Benedikt XV. hat gedacht und gehandelt wie der Heiland. In Konstantinopel, der Stadt des Sultans, steht heute ein Denkmal des römischen Papstes. Es tragt die Inschrift: „Dem Wohltäter der Söttet ohne Unterschied der Nationalität und der Religion als Anerkennung aus Dankbarkeit der Orient." Mohammedanische Würdenträger haben Benedikt XV. dies Denkmal gesetzt. Seine alle Notleidenden umfassende Liebestätigkeit während der letzten Jahre, in ihrer Ausdehnung wohl ohne Beispiel in der Kirchengeschichte, hat ihnen dies ehrfurchtsvolle Bekenntnis abgezwungen. Im Vatikan gehen heute statt der ewa 15 Vertreter fremder Regierungen über 30 Gesandte und Botschafter ein und aus. Der große moralische Ein- sluß, den sie damit dem Souverän ohne Land ein- räumen, das Vertrauen, das sie ihm aussprechen, sm- sicher nitbt in letzter Linie die Frucht des ehrlichen Bemühens Benedikts XV., allen gerecht zu werden, allen zu helfen, alle zu lieben. Das mar ja auch der Oe- danke feiner Friedenstätigkeit: fein Friede sollte di« Selbständigkeit und ruhige Entwicklung aller Staaten schützen.
Wir müßen dem Beispiel unseres obersten Hirten folgen: Einheit im Glauben und in der Liebel Die heutige Politik der Völker kann ihrem Wesen nach nicht versöhnen, weil sie «inseitig Macht und nur Rücksicht auf dm eigenen Staat ist. Ein widerstrebenden Völkern aufgezwungener Völker- bunb wird die Menschen einander ebenfotoenig innerlich näher bringen. Die beiden letzten Jahre haben das bewiesen. Aber die weltumspannende Kirche trägt das Gesetz und die Kraft allgemeiner, ehrlicher und übernatürlicher Menschenliebe in sich. Gott sei Dank, diese katholische Liebe, die übrigens auch im Kriege gewirkt hat, treibt wieder neue Blüten und Früchte! Was uns, um nur ein Beispiel zu nehmen, an dem Ergebnis der katholischen Weltspende für bk Not Mitteleuropas, was uns an den Liebesgaben der amerikanischen Katholiken, die gerade jetzt so reichlich fließen, fast noch mehr wohltut ajs die materielle Hilfe, das ist bk Liebe, die aus ihnen spricht. Ueberall wirkt diese Liebe. In Öen sozialen Zusammenschlüssen, in den Sugentoereinigungen, in der Presse, in der Wissenschaft, überall hört man den Ruf: Katholiken, kommt einander wieder näher, versteht euch, schließt euch zusammm! Ein neues Glied in der Kette dieser Annäherungsversuche ist die jüngst erfolgte Gründung eines internationalen Caritasverban»
Speffartfatyrt
/ 3m nächtlichen Dolde.
Em kleines Bahnlem führte uns am Spätnachmittag k cm genehm beschleunigter Fahrt von Gelnhausen erst fai Stück das Kinzigtal aufwärts, dann nach Süden das Biebertal, in den Spessart hmem. Nach einer Stunde ®ar die Haltestelle Lochmühle erreicht, und nun begann der Marsch, dessen Ziel Heigenbrücken an der Bahn LsihafsenburgEohr. fein sollte. Noch stand dk liebe Sonne freundlich lächelnd da, doch ihre grimme Glut war Engft von kühlem Schatten ausgesogen, die uns jetzt um- fingen. Der uralte, mächtige Wald nahm uns in fein dämmrig Dunkel auf. Langsam stieg die Straße an, aus dem Grund empor. Riesige Stämme, Buchen und Fich- ten, reckten sich empor; ihre Lest« und Zweige verschlangen sich hoch über uns zum grünbelaubten Schutzdach, das einzelne Strahlen der rotglühenden Abendsonne durch- brachen. Nach dem lärmenden Gedränge der Bahnfahrt, dem Stmtzenstaud der Stadt, der Hitze der freien Ebene, erquickte uns die feierliche Stille hi« unendlich. Nm- hoch in den Kronen schwang em unablässig Rausche«, nhmnennübe; wie herrliches Orgelbrausen erschwoll es durch den kühlen Raum und flutet« wie ein erfrischend Meer in unsere durstigen Seelen.
Der Schall bet eignen Schritte km weichen Moos ver- sank ungehört, und wenn das fern und nahe Brausen einmal sanft verklang, dann riefen die letzten Dogelstm,. men süß und lockend durch den Abendsrick»n. Wir empfanden köstliche Befriedigung, und langsam stieg der Wonnerausch in uns auf, den die Natur mit ihren unendlichen Geheimnissen und tiefen Schönheiten uns immer gab, zahllose ähnlich festliche Stunden gemeinsamen Naturlebens «wachten wie lebende Wesen und zogen lächelnd vorüber.
Nach einem Stündchen traten mir aus dem langsam sich verdunkelnden Wald heraus und fajen cin seines Speflartdörschen liegen. Hier herrschte noch der lag, wenn auch die Nacht schon hinter fernen Bäumen stand. Kn den Hängen blühte gelb und schimmernd der verschwenderische Ginster. Schnell ließen wir die Menschen, ihre Häuser und Gärten und die kläffenden Hunde hinter uns und drangen tief und tiefer in das Reich des Spessart •k- Zu leichtem Auf und Ab ging's durch den abendlich ruhenden Wald. 2m Diesentai dämmerte schon feiner Rebel, doch zwischen den Stämmen auf der Höhe blieb $! Klarheit froh, erholte».
b«s. Nur kein Zurückschrecken vor „unüberwindlichen" Schwierigkeiten. Die Liebe wirb sie olle überwinden.
Und diese Liebe ist unser eigen, wie bi« Einheit im Glauben; sie ist ja bk Seele und die Frucht unserer Elaubenseinheit. Dann wollen wir sie aber auch betätigen in wahrer Versöhnung und innerer AnnähÄntng der getrennten Klassen und Rationen!
Der Sieg der kathol. Schule in Holland.
Aus Holland wird uns geschrieben:
In einer Zeit, die den Katholiken Deutschlands aller Voraussicht noch die schwersten Kämpfe um die Erhaltung ihrer katholischen Schulen bringt, wird es gewiß nicht ohne Interesse sein, einiges über die Art und Weile zu hören, tote in Holland dos Schulwesen geordnet ist. Der Kampf um die Schule ist bei uns setzt abgeschlossen, und wenn auch nicht alle unsere Wünsche erfüllt sind — insbesondere soweit der mutiere und höhere Unterricht in Frage kommt — so können wir doch mit gutem Grunde von einer siegreichen Beendigung dieses Kampfes reden.
Vor dem Jahre 1848 war unS die Errichtung katholischer Schulen so gut tote unmöglich gemacht, die katholischen Eltern hatten nicht einmal Gelegenheit, ihre Kinder in der katholischen Religion unter- richten zu lassen. Erst daS Jahr 1848 brachte uns das Recht, katholische Schulen zu bauen; freilich stand dieses Recht, zunächst wenigstens, lediglich auf dem Papier, denn die Errichtung mußte auf eigene Kosten borgenommen werden und zudem hatten die Katholiken neben den eigenen Schulen auch noch die neutralen Schulen mitzubezahlen. Aber trotzdem setzte allmählich, dank der Ermahnungen und Ermunterungen des Episkopats und der Freigiebigkeit wohlhabender katholischer Kreise, eine rege Bautätigkeit ein, die nach der Veröffentlichung deS gemeinsamen HirtenschreibenS bet holländischen Bischöfe vom Jahre 1868 einen Höhepunkt erreichte. Doch weiter kam man vorläufig nicht, die Regierung zeigte, wie eS im Grundgesetz heißt: „eifrige Besorgtheit" um daS Wohl der neutralen Schule, kümmerte sich aber nicht im geringsten um die katholischen. Im Jahre 1878 ging sie ouS der Passivität sogar z u m A n g r i f f über; die sogenannte „scharfe Vorlage" wurde Gesetz, die für die Errichtung katholischer Schulen schier unerfüllbare Bedingungen aufslellte. Nach und nach wurden dann wieder einige Erleichterungen erkämpft, doch im wesentlichen blieb eS noch bei dem alten System.
Der Endkampf um die Schule setzte 1914 ein. Man bildete die sogenannte PazifikalionSkommis- sion und Mitte 1920 wurde im Parlament mit einer Mehrheit von 73 gegen 3 Stimmen die jetzige Regelung gesetzlich festgelegt. Heute ist nicht bloß der neutrale Unterricht „ein Gegenstand unaufhörlicher Fürsorge seitens der Regierung", sondern schlechthin der Unterricht, also auch derjenige an katholischen Schulen. Der katholische Unterricht wird in demselben Maße geldlich unterstützt wie der neutrale. Zur Errichtung oder zur Vergrößerung einer katholischen Elementarschule genügt der Antrag eines eingetragenen Vereins an den Magistrat, das Geld für die Baulichkeiten muß alsdann bereitgestellt werden. Artikel 97 des Schulgesetzes besagt: „Am Ende jedes Jahres vergütet das Reich den katholischen Schulen die Lehrergehalter" und — Artikel 101 — „die. Gemeinden die Kosten für den Unterhalt der Gebäude, für Bucher, Lehrmittel, Heizung, Reinigung usw." In der Zusammensetzung deS Lehrprogramms ist die katholische Schule ganz frei; sie darf soviele religiöse Bilder, Statuen, Bücher usw. zur Anwendung bringen, wie für nötig befunden wird, um sowohl den Schulräumen, wie dem Unterricht selbst einen rein katholischen Charakter zu geben. Die Ernennung der Lehrkräfte geschieht lediglich durch den Schulvorstand. Das Gesetz geht hierin soweit, daß eS dem katholischen Schulvorstand in einer Gemeinde, die aus irgend einem Grunde für die neutrale Schule überzählige Lehrkräfte anstellt, oder fich sonst außerordentliche Ausgaben erlaubt, die Möglichkeit offen läßt, dasselbe auch für seine katholische zu verlangen. DaS Schulwesen wird zwar von einem Reichsschulinspektor überwacht; dieser hat aber kein Recht, die Richtung des Unterrichts irgendwie zu beeinflussen. Die Kirchenregierungen haben daneben ihre eigene Schulaufsicht.
Der schmale Mond stand über den Bäumen, deren Laubkronen keine tiefe Finsternis umschlossen, wie der Tannemvald sie kennt. Die Frische der nahenden Nacht umfächelte uns mit linder Hand; mir grüßten die träume- rische Freundin der Seelen, die vom Lärm des Tages nichts weiß und der Glut der Sonne, die im Silberglanz des Mondes nur lebt und dem stillen Funkeln der Sterne, deren glitzernde Saat zu uns herabblinkte. Die leisen Stimmen dieser bämmetigen Stunden erwachten mit ihrer unnennbaren Melodie, die sich nicht jedem erschließ! und nicht zu jeder Stunde. Immer mehr versank uns bas (Betriebe ferner Städte, dem wir vor kurzem noch angehört; die Stimmen der Vögel waren nun auch verklungen, versunken in der allmählich empörstoigenden Dunkelheit. Kein Dach murmelte; in den niedrigeren Bäumen, die dem Hochwald gefolgt waren, Mteb der Wind kam» hörbar.
Das Wegezeichen, das uns nach Heigenbrücken führen sollte, hatte sich mittlerweile im Busch verloren; rote lie- ßen's uns nicht anfechten und wanderten der Richtung nach weiter. Der Wald blieb schließlich zurück, und bald wachte Hundegebell auf, dem wir bald näher kamen. Schüchterne Lichtlein blinkten auf und kündeten von menschlichem Sein: ein bescheiden Spessartdörflem war es, roo wir einzogen, und roo uns das freundliche Wort der erstaunten Bewohner bald klar machte, daß wir abseits gekommen und Heigenbrücken für heute, im Dunkel der Nacht nicht mehr zu erreichen war. So setzten wir uns denn ein ander Ziel: Wiesthal, von Heigenbrücken die nächstwestliche Station der Seflartquerbahn. Noch eine Stunde roar’s bis dahin, und herrlich sollte sie wer- den. Mit „Grüß Gott!", dem lieben Gruß der Bayern, schte- den wir. Das Dörflein war bald durchschritten; schier zahllose Sessarthunde von etwas struppiger Art bellten uns nach; sie schienen kaum Fremde um 9 Uhr des Abends gewohnt zu fein. Tin Talgrund mit einem Bächlein zog sich nach Wiesthal hin, dem unsere Strohe auch folgte. Bald aber stiegen wir sachte empor. Im Grunde blieb die Mühle hn zarten Dust und Dämmer zurück; dann führte der Weg am Hang entlang im tiefen schwarzen Wald. Gewaltige Fichten wölbten sich finster und düster über uns; alles Licht schien verschluckt, der Mond versunken. Stell stürzte links der Hang zum Wiesengrund hinunter, wo das Wasser laut und eindringlich durch die nächtliche Stille rauschte, bei dem Dunkel, bas uns umfloß, doppelt hörbar und stimmungsvoll. Wieder sauste und brauste die Stimme des Windes in den Fichten die mit mwelllichtt! Klang gewaltig«^ gxojd». ®4pin@ (an-
Aus dem llachdargedlet.
8 öfdjtoege (Werra). In der Kreistagssitzung beantragten die sozialdemokratischen Kreistags» abgeordneten die Verwaltung des KreiseS Eschwege ihrem Parteigenossen, dem bisherigen kommts- sariscken Landrat Langer, früher Genossenschafts, sekretär in Kassel, endgiltig zu übertragen. Die bürgerliche KreiSarbcitSgemeinschaft lehnte diesen Antrag ab und beantragte mit der Verwaltung des KreiseS eine Persönlichkeit zu beauftragen, die ihre Befähigung für die Stelle als Landrat durch Ab- leguna der Prüfung für daS höhere Derwaltungs- oder Richteramt erbracht habe. Rach längeren Er- Srterungen wurde die Beschlußfassung mit 12 gegen 10Stimmen vertagt. Der Kreishaushallsvoranschlag für das Rechnungsjahr 1921 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 3112701 Mark ab. Die direkte Kreissteuer für da? genannte Rechnungsjahr wurde auf 600 Prozent der Realsteuern festgesetzt. (Also noch höher als im Kreise Fulda!)
-» Kijsingeu. Eine Protestversammlung von Interessenten der schon seit langem im Bau befindlichen Linie Hammelburg—Kis singen befaßte sich neuerdings mit der Verzögerung im Ausbau dieser wichtigen Strecke. Es wäre endlich an der Zeit, daß die direkte Verbindung Frankfurt—Kissingen, ohne den bedeutenden Umweg über Schweinfurt, fertiggestellt würde. Hier sei Gelegenheit für Notstandsarbeiten. — Tie Zahl der Kurgäste beläuft sich nach Nr. 107 der Kurliste auf 21 4 02 Personen
vermischter.
♦ Nicht weniger als 14 Bräute hatte nach eigenem Geständnis ein Heiratsschwindler, der bereits von 24 Städten aus gesucht wurde, bis es jetzt gelang, ihn in Erlangen zu verhaften. ES ist der frühere Forstaufseher auS Züllichen Erich Grubert. Nach Verbüßung einer längeren Gefängnisstrafe nahm der Verhaftete seine Spezialität wieder auf und fand wieder 14 Witwen und Mädchen, die ihm in die Falle gingen. In der Uniform eines Forstau fseherS spiegelte er ihnen vor, der Vater seiner verstorbenen Frau fei Forstmeister, und seine Laufbahn in der Forstverwaltung sei sehr aussichtsreich. Sobald er die eine Braut oder auch deren Eltern genügend auSgebeulet hatte, verschwand er plötzlich und suchte in der nächsten Stadt nach neuen Opfern.
* Schwere Unfälle in der amerikanischen Marine. Es wird jetzt gemeldet, daß bei den Borbereitungen zu den Flottenmanövern, bei denen frühere deutsche U-Boote vernichtet wurden, auch sonstige Unglücksfälle vorgekommen sind. Es haben dabei 22 M ar i'n e- offiziere und Mannschaften ihr Leben eingebüßt.
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Märkte.
fpd. firanfcfnrt tu m., 27. Juni. Der heutige Vieh, markt war beschickt von 245 Ochsen, 60 Bullen, 1082 Färsen und Kühen, 312 Kälber, 217 Schafe und 1068 Schweine. In allen Viehgatlun-rcn herrschte gedrückter Handel; überall verblieb Ueberstand. Es wurden bezahlt für einen Zentner Lebendgewicht: Ochsen: vollfleischige 700-800 Ml., ältere Tiere 600—700 Mk., junge nicht auSgemästete 600—700 Mk , mähig genährte junge und gut genährte ältere 450—500 ML; Bullen: vollfleischige ausgewachsene 675--675 Mark, vollste,fange jüngere 600 —675 Mk.; Färsen u. Kü he: vollfleischige auSgemästete 600—800 Mk., wenig gut entwickelte Färsen 500—675 Mk., ältere auSgemästete Kühe 400—500 Mk., mäßig genährte Tiere 250—350 Mk., gering entwickelte 200—800 Mk.; Kälber: feinste Mastkälber 700—800 Mark, geringere 600 - 700 Mark; Schafe: geringere Masthämmet und Schafe 450—500 Mk., mäßig genährte Hämmel und Schafe 100—500 Mk.; Schweine: dvll- fleischige unter 80 Kilo 1000—1100 Mk., über 80 Kilo 1200—1300 Mk., Sauen und Eber 1000—1200 Mark.
mr. Frankfurt a. m. 27. Juni. Auf dem heutigen Fruchtmarkt herrschte bei festen Preisen rege Nach, frage. Insbesondere Hülsenfrüchte und Futtermittel waren gesucht. ES kosten im Einzelnen 100 kg. Rangoon Bohnen Mk. 150 — 180, Weizenkleie Mk. 100 — 110, MaiS Mk. 130 — 140, Baleneta Mais Mk. 610, Hafer Hülfen Mk. 42, Burma ReiS Mk. 490 — 500, Wicken Mk. 120, Erbsen Mk. 135 — 170, Maismehl Mk. 145 — 150, Maisfuttermehl Mk. 118 — 120, Kartoffeln alte Mk. 160. Heu altes Mk. 70, Stroh Mk. 60. Oelkuchen waren gesucht, konnten aber den Bedarf nicht decken.
Sottesdienstordnung.
Mittwoch, 29. Juni. (Fest PetruS und Paulus.) (Kollekte f. d. PeterSpfennig.) Dom. Vi6,6, */»7 u. 7 M. In der 6 Uhr-M. Gen.-Kom. d. christl. Müttervereins. 8 Pfarramt m. Pr. u. Segen, */»10 Bischöfl. Hochamt, l/il2 M. u. Pr., V»2 sakramentale Andacht, */«3 Vers. d. christl. MüttervereinS, 4 Bischöfl. Vesper. — Etadtpfarrkirch«. (Kollekte f. d. hl. Pater.l n>/, Kom., 5'/« u. 6'/« M., 8 M. u. Pr. (1. Schulgd.), SV, Pfarramt u. Pr., 11 M. u. Pr. (2. Schulgd.), 2V, A. — Pfarrkirche zum hl. Geist. 7 Frühm., 8 Pr. u. Amt m. Kom., 5 A. — Severikirche. */,7 M. — Frauenberg. 5, 6, 6V* u, 7 M., 8 Rosenkranzm. m. Pr., 9 Levitenamt m. Pr., nachm. 2 Kreuzweg-A. m. Pr. (auf dem Kalvarienberg«), abends V,8 Herz-Jesu-Andacht mit Predigt.
Donnerstag,30. Juni, grauenberg. Abend» v»8 Schluh d. Herz-Jesu-Monat» m. Pr., 81. u. Te De um.
Amtliche Anzeigen.
Aus verschiedenen in letzter Zelt uns zugegangenen Nachrichten haben wir ersehen, daß des öfteren Gemeinden von Schwerbeschädigten Handdienste verlangen, trotzdem diese nach ihrer ganzen körperlichen Beschaffenhett hierzu nicht In der Lagst ne d.
Dies gibt uns Veranlassung, den Gemeinden nahe legen zu lassen, von der Ermächtigung des § 68, Absl K. A. G. Schwerbeschädigten gegenüber keinen Gebrauch zu machen.
Berlin, den 10. Mai 1921.
Zugleich im Namen des Finauzmlnisters
Der Mnlster des 3nnern.
Wird veröffentlicht.
Fuida, den 20. Juni 1921.
Der L Landral. Fchr. v. (Bagern.
Bekanntmachung.
Die Räude unter den Schafen der Herde des M. Storch in Giebelsrain ist erloschen.
Fulda, den 21. Juni 192L
Der k. Landrat. I. D. Schuster;
Die Diensträume des Landratsamtes, Kreisausschusses, Versicherungsamtes, Kreiswohlfahrlsamtes und der kreis- kornstelle sind Mitlwoch-It ichmittags geschlossen.
Ich ersuche die Herren Bürgermeister, dies ortsüblich bekannt zu machen.
Gleichzeitig ersuche ich erneut darauf hinzuweisen, daß Sprechstunden für das Pub ikum nur Mittwochs und Samstags von 8—12 Uhr stau finden. Im Interesse der notwendigen Arbeitszeit für den umfangreichen Schriftverkehr dürfen die Beamten und Angestellten außerhalb der genannten Stunden nur in besonders dringlichen Angelegenheiten in Anspruch genommen werden.
Fulda, den 20. Juni 1921.
Der Vorsitzende des Lreisansfchnsses.
Frhr. v. (Bagern, t Landrat.
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gen. Es war, als brauste der Obern Gottes durch den nächtlichen Bsrgwald. Ergriffen und entzückt lauschten wir und tranken die prächtigen Klänge, in die sich das Knorren der allen Saumtiefen kraftvoll mischte.
Nichts Menschliches mischte sich ein, kein Tierlatrt erklang; die leblose Statur nur war zum Leben erwacht und feierte eine festliche Stunde, die von der Frische der Schöpsungstage erfüllt zu sein schien. Während wir immer roeiterschrttten, erglänzte aus dem schwärzlichen Dunkel plötzlich ein knorriger Stamm herrlich auf; durch eine Schneise, die tief in den Wald hineinschnitt, brach gerade das Leuchten des Mondes und umfloß unendlich schön und silbrig gerade den einen Baum, der nun rote ein König geschmückt erschien ober wie eine zarte, reine Braut. Lange noch zitterte uns der Strahl des nächtlichen Gestirnes nach wie ausgegossenes, blinkendes Metall in dünnen Rstmfal. Wir dachten nichts, kein Wort fiel zwischen uns, denn auch die Bäume sprachen ja nicht, unsere Seelen schwangen nur in der hohen Melodie des Waldes, die uns dahintrug rote die auf- und abwogende Welle den Kahn im schwarzströmenden Fluß.
Doch auch dies« unvergeßllche Stunde mußte zu Ende gehen. Neues Hundegebell zerriß plötzlich die feierlich schwebende Sttlle, und Wiesthal war erreicht. Mtt einiger Mühe fan&en wir auch ein bescheidenes Unterkommen, denn schon wollte die fleißige Wirtin zur Ruhe gehen. Doch Hieb uns ein wohlverdientes Lager nicht versagt, unb während rings auf den Höhen das klangvolle Rauschen des Dpessartwaldes weiterbrauste und die silberne Sichel des Mondes langsam wieder hinabstieg, umfing uns lind und kosend der süße Schlaf; wir faßten ihn an beiden Händen und ließen uns willig in sein zauberisches Iramnland führen. Studienassessor D. 5L Podlech.
— Drahtloser Verkehr zwischen Deutschland und England. Nachdem schon in den letzten Monaten Versuche stattgefunden haben, deren Ergebnis günstig war, ist man nunmehr zur Beförderung von Telegrammen durch Wellentelegrophie zwüchen Deutich- jand und England übergegangen. Die englische Gegenstation ist S t o n e h a ve n in Schottland, während in Deutschland das Senden und Aufnehmen beim Haupttelegrophenamt in Berlin erfolgt. Durch eine sogenannte Ferntasiung ist es möglich, sowohl die als Sendestation in Frage kommende Station Königs- wlllterhLüitn unmittelbar vom Berliner Azyt zu be
tätigen, als auch die auf der Teltower Empfangsstation aufgenommenen Telegramme auf gleiche Weise dem Haupttelegraphenamt zu übermitteln. Der Betrieb wird mit Schnelltelegraphenapparaten durchgeführt. Die Gebühren sind die gleichen wie auf dem Kabelwege. L.
— Ueberanstrengung bei der Erholung. Es ist durchaus zweckmäßig, wenn Leute mit sitzender Arbeitsweise ihren Körper durch Bewegung und physische Arbeit in der Frei- und Ferienzeit kräftigen. Nicht selten aber wird in der Erholung solcher Art das rechte Maß überschritten. Leibesübungen, die hygienischen Zwecken dienen sollen, dürfen nie bis- zu völliger Erschöpfung betrieben werden, niemals überanstrengend sein. Es stellen sich sonst leicht Nachteile ein, die je nach ihrer Eigenart das Herz," die Muskeln oder die Nerven irritieren, und was daS Schlimmste ist, man macht alles andere dafür verantwortlich, nicht aber die maßlose Anstrengung bei der Erholung! Man treibe deshalb seine Sport- Übungen, Rad« und Fußwanderungen, Bergsteigen, Schwimmen, Rudern, Turnen, Gartenarbeit usw. systematisch und fange mit Kleinem an! Tüchtige Leistungen sind ja nicht das Ziel und der Zweck, sondern Gesunderhaltung des Körpers, und hierzu genügen schon bescheidene Krüflespiele! rno
— Allerlei Weisheit. In der preußischen Provinz Hessen-Nassau beträgt der Waldbestand 3S Prozent der ganzen Landfläche, in der Mark Brandenburg 33 Prozent, in Württemberg 31 Prozent. Es sind die drei waldreichsten Gebiete Deutschlands. — Fleischextrakt oder doch etwas ganz Aehnliches gab es unter dem Namen Bouillonkuchen schon vor 160 Jahren in England. — Kanarienvögel bekommen ein rotes Feder Heid, wenn man ihnen etwas Cayenne-Pfeffer unter das Futter mischt. — Zur Herstellung von Taschenuhren machen sich 24 verschiedene Beschäfttgungsarbeiten notwendig. — Im Jabre 1757 wurde Prag von den Preußen belagert. Bezeichnend für die damalige Artillerie ist es/daß auf den Tom 22000 Schüsse abgefeuert wurden, ohne sonderlichen Schaden anzurichten. — In der großartigen Mammuthöhle in Kentucky befinden sich gangbare Wege und Pfade in einer Gesamtlänge von fast 225 Kilometer. — In Baden bei Wien werde» jährlich rund 2 Millionen Pfeifenrohre her- gestellt und hierzu gegen 400000 Kirschen stämmche« gebraucht.