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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. H6

Dienstag, 28. Juni 1921

48. Zahrg

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®it Jnterpcllativnen im Reichrtagtzaurschutz.

Di« dir ,Deutsche Allgemeine Zeitung' mitieilt, werden im «»«schuß der Reichriagr für auswärtige Angelegenheiten, der heute vor­mittag zusammentritt, die Interpellationen über Oderschiessen und die Sanktionen von der Re. gierung beantwortet werden.

h. 59

I.

Regkeruna«rrise in Italien.

8n der Erörterung in der Italienischen Kammer über die Thronrede geißelt« ein Sozial'st die schwache auswärtige Politik Italiens, die das Instrument absurder französischer Gewaltpolitik gegen Deutschland sei. In Oberschlefien werd« durch Verba nvsbeschlliss« da» Ergebnis der Volksabstimmung gefälscht. Statt Polen aufzusortern, friedfertig zu sein, hätte Graf Sforza dies« Aufforderung an Frank, reich richten sollen. Die Deutschland aufgezwunHenen Reparationen schädigten nicht nur Deutschland, fondern auch Italien.

Hierauf verteidigten Giolittl und Sforza chr« Po- litik. Di« Tagesordnung über die auswärt'qe Politik, di« ein Mißtrauensvotum gegen Sforza ent­hielt, wurde dann auch mit 234 gegen 200 Stimmen abgelehnt. Anscheinend hat aber die Mehrheit von 34 Stimmen dem 79jähr. italienischen Staatsmann Giolittl nicht genügt. Infolge de» Ergebnisses der Kammer- abstimmung hat nämlich das Ministerium beschloßen, seine D e m I s s i o n zu geben. Der Rücktritt des Mi- nisteriums wird in Kammer und Senat bekannt ge- arben werden. Weiter wird gemeldet, daß Giolitti den Auftrag, da, neu« Kabinett zu bilden, ab. gelehnt Hot. Er wird dem Könige den derzeitigen Finanzminister Dono ml als di« geeignete Persön­lichkeit für die Bildung de« Kabinett« bezeichnen.

Polnische Requlstkionsmelhoden.

Die polnischen Insurgenten erpreßten von der Stadtverwotlung von Tarnowitz 400000 Mark für die Insurgentenkafse mit der Begrünung, daß die Stadt für die Beherbergung der preußischen Büro­kratie eine Straf« verdiene. Der Stadt Hindenburg wurde zum selben Zwecke eine Erhöhung der Gewerbe­steuer um 50 Prozent aufgezwungen.

Polnische Panzerwagen in Beuchen.

Sonntag vormittag passierten polnische Panzer- krostwagen, di« mit Maschinengewehren bewaffnet waren, di« Hauptstraßen der Stadt Deuthrn. Di« französischen Desatzungrtruppen ließen di« Kraftwagen unbehindert die Stadt passieren.

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Der Bing der Nuramsja.

Semen een Rat« een Bieter.

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Han, Heinrich, Herz hämmert«. Dl, «in schneiden- »«, Weh durchfuhr e, ihn, feine Augen sahen nicht mehr klar; er wollte vorwärts stürzen, den beiden, d!« eben um den Felsvorsprung bogen, nach, und bann fchtag er sich mit der Hand vor die Stirn und lacht» hart und heiser auf. Da, war der Schluß einer ihm seht unbegreiflichen Narrheit. Wa, hatte ibn nur ge. packt, daß er auf einmal einem fremden Mädchen mit heißer Dringlichkeit seine Freundschaft angeboten? Aber da fiel eine große, müde Enttäuschung über oll sein Denken und Empfinden. Nein, er konnte diesem frem­den Mädchen keinen Vorwurf machen, nicht den leisesten. Sie war auch kein kleine,, alltägliche, Rinderfräuleinl llebrr ihr lag ein geheimnirvolle. Etwa», da, zu ihm in einer rätselhaften Beziehung stand, dar auf ihn be. stimmend, und unbeschreiblich wohltuend und beglückend wirkte, vielleicht war e, ein» Heilkraft, »Ine rein kör- perliche Beeinflussung. Aber diese, Glück.gefühl, diese, über alle, Alltagrdenken und alle Formen hinaus» gehende Empfinden be, verstehen, unb Zusammeng«. fcären, sollte da, nur körperlich sein? Unmöglich das war auch seelische Heilkraft, do, war seine Gedanken stockten ein wundersame, Wort sprang in ihm auf: Lieb«? Nein, niemal,! Solch einen Gedanken durfte er gar nicht in sich erwachen lassen. Die da von ihm gegangen war mit dem herben Wunsch, ihn nicht wie. derzusehen, gehörte ja schon einem andern, hatte sich ju diesem geflüchtet, vor seinem kühnen verlangen, ihm Freundin zu sein und Ihm Glück und Leid ihr» Lebens |U offenbaren.

Müde, rote zerschlagen von den Aufregungen, die ihm der heutige Nachmittag gebracht hatte, ließ «r sich auf einem der großen Steine nieder und starrte auf da, Mrer hinaus. Der Sturm hatte plötzlich nachgelassen: aber die Dellen wollten sich noch nicht beruhigen, fi« schäumten unb rosten noch in vollem Zorn gegen den Strand. Sa, das, was un, bi, in Innerste erschüttert, Dbt sich nicht |» leicht wieder zur Ruh', selbst wenn

«m die «rfülluug de» Ultimatum».

Eine weitere deutsch« Zahlung

von <0 Millionen Galdmark.

Di« deutsch« Regierung hat bei der Reparation«, kommission in Pari« eine weitere Zahlung von 40 Millionen Goldmark in europäischer Währung ge­leistet, die al» weiter« «bichlagszohlung auf die erste Zahlung von einer Milliarde «Joldmar! ver­rechnet werden soll.

Ter Stand der Snttvaffnnna de» deutsche« Heere».

Die Reichstreuhandgesellschaft hat bi, zum 1. Mai 1921 erhalten (die erste Ziffer bedeutet zur Zerstörung erhalten, die zweite Ziffer zerstört, di« Dritte Ziffer noch aus Lager) an Gewehren und Karabinern: 4 808 300, 4 770500, 37500, Ma- schinengewehren: 91 042, 90465, 577, Mi- nenwerfern und Rohren von solchen: 22778, 22 384, 444, Geschützen und Rohren von solchen: 50 498. 59 883, 801, Lafetten 26 860, 26595, 285, scharf« Arlilkriegeschoss«» und Minen: 86800000, 28 500000, 8300 000, Hand«, Gewehr- und Wurf­granaten: 14650000, 14 000000, 650000, schar,en Zündern 65150000, 53600000, 1550000, Hand- waffenmuninon 390000000, 360000000, 30000000

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Da» Ziel dieser Staatskvnstler bleibt offenbar, Eng­land zur Auslieferung te» besten Teile» von Ober- schlesien an die Polen zu veranlasien unter der Aussicht aus Zugeständnisse Frankreich« im Orient. Im Hinter- gründ« winkt dabei bl« Drohung mit, daß Frankreich sich entschieden auf bk Seite von Nordamerika gegen England schlagen könnte, wenn England den Parisern nicht Deulschiand ansiieserte.

Segeüber dieser Bedrohung unserer wichtigsten In- trresscn finden wir keine Unterstützung, weder bei Italien. wo der gefährlich, .Vermittler- Gras Sforza allerdings durch di« Ministerkrisis erledigt sein dürfte, noch bei Nordamerika, besten neue Re­gierung sich durch do» verschleppen de» Frietensschlus- se, mit Deutschland schon «nirgend gekennzeichnet hat.

Also bleiben trotz der Meldungen vom Beginn der Räumung" in Oderschlesien di« Aussichten trübe, die Zukunft dunst l.

KriegOgefahr im Oste».

Hava» meldet au« Konstantinopel: Die armenisch« Press« gibt bekannt, daß die erste bolschewistische Arme« en der türkischen Grenze konzentriert sei. Sie stehe unter dem Kommando von Lewandowski und sei durch zahl­reiche Muselmanen und Tarraren verstärkt. General Kiazim Karabekir habe Befehl erhalten, sich dem Durchmarsch der Truppen nach Anatolien zu roibet- setzk".

Unsere diplomatischen flurfichten.

Griechenland hat di« Vermittlung der Entente ab- Gelehnt und will den Kampf gegen b« Türkei auf eigene Faust weitersühren. Da» berührt unsere Interessen «icht unmittelbar, da Kleinasien sehr weit und Thra- «t*n auch noch recht weit von Deutschland abliegen. Aber mittelbar geht diese Störung auch un» an, und zwar wegen der bekannten Gefahr, daß Ober- Schlesien zum Au,tauschwert gemacht werd«, wenn sich England, Frankreich und Italien über ihr« orientalischen Interessen auseinandersetzen.

In Griechenland ist dieselbe Krankheit ausgebro­chen, die sich in fast allen Cantern geltend macht, wo man sich fürSieger' hält. Die Griechen wollen nicht auf bte Eroberungen verzichten, die ihnen im Vertrag von Sevrrs verheißen sind, und auch die gegenwärtig« Regierung muß mit dem Größenwahn rechnen und mit der entsprechenden Begehrlichkeit, dir in den tensngebenden Volkskreisen herrschen. König Konstan­tin, der früher häufig seine Besonnenheit bewiesen hat, fcheint sich den Widerstand gegen diese Stimmung nicht guzutraucn und da» Hasardspiel te» weiteren Kriege» Aicht verhüten zu können. Di« Folge davon ist, daß in Kleinasien und im Rest der europäischen Türkei die Ordnung der Dinge verzögert wird und die Grund- lag« für die Aufteilung der griechischen Erbschaft von ungewissen Kriegsergebnissen abhängig gemacht wer- den. Die Entememächte sind also gezwungen, entwe­der abzuwarten, wa» bei der neuen Kraftprobe Kch herauskommt, oder ihrerseits mit neuen nsendungen sich einzumischen, vor einem sol- jlhen gewaltsamen Eingreifen werden die Beteiligten zurückscheuen, da sie ihre Streitkräfte meisten» anders­wo berri,halten wollen und obendrein mit der Gefahr wtfjnen müssen, daß dort in dem alten berüchtigten I Wetterwinkel auch di« Streitkräfte der verschiedenen Großtaten unter sich in Streit geraten könnten. Di« Vorbedingung einer gewaltsamen Orientpolitik wüßte offenbar sein, daß die drei Mächte sich erst voll­ständig und endgültig einigten über bte Verteilung der Brut«, und diese reinliche Scheidung der sich kreuzendn Interessen ist noch eine sehr schwere Aufgabe.

Also wird auf jeden Fall die Lösung des orten- talischen Problem» verzögert? Soll nun di« Entscheidung über dl« oberschlesischen Ver­hältnisse ebenso lange hinausgeschoben werden? Den Franzosen möchte da» vielleicht passen, denn ihr Mi- I nisterium Briand betreibt ja schon seit Monaten eine snstematisch« Verschleppungstaktik und hat dabei bisher viel Erfolg gehabt. Sowohl in der oberschlesischen An- I gelegenheit als auch in Sachen der Sanktionen am Rhein, di« noch immer aufrecht erhalten werden, ob- I schon die Ursache terselten (da» Schritern der Londo- mr Konferenz) durch die nachträgliche Annahme de« Ultimatums ausgeräumt worden ist. Frankreich hält hartnäckig alles fest, was es an wirklichen oder ver­meintlichen Machtmitteln in der Hand hat, und sucht durch die Verschleppung der schwebenden Fragen CEng- I land mürbe zu machen.

Es fragt sich nun, ob Lloyd Georg« sich dies« Geduldpr-te noch weiter gefallen läßt. Wenn er ge- I stattet, daß die Entscheidung über Oberschlesien und .über die Sanktionen am Rhsstr hinausgkschoben wird bi» zum höchst unsicheren Ablauf der orientalischen Wirren, dann ist di« Niederlage der englischen Politik «itafant. Daher sollte man denken, daß England nun I endlich energisch test'hm müßte auf dem rechtzeitigen Zusammentritt bet Konferenz und auf sofortiger Be- fchlußfassung wegen der schwebenden Fragen, die Deutschland und die Beruhigung von Mitteleuropa be- treffen. Aber tt>?r wciß, ob die zähen und geschickten Franzosen nicht doch noch meliere Kunstgriffe finden, I um ihre Verschleppungstaktik fortzusetzen, z. D. durch I die Dorschiebung von weiterensachverständigen" Er- witilungen und Vorverhandlungen.

teten bezüglich der Handelsflagge zur Be» sp echung kam. Nach dem Antrag soll Die alte Handel», singne, bie für den Wiede« aufbau der deutschen See­schiffahrt von größter Bedeutung fei, sowie auch für bie Llederanknüpsung überseeischer HandelSverbinduns,e>l zunächst beibebalten und die Verordnung der Negierung über die deutschen Flaggen vom 11. April 1021 bi« auf weitere« anher Kraft gesetzt werden. Den Antrag begründet der deutsche DolkSparteiler Dr. Ei.dt« mtifhr. Sr erwähnt beispielsweise, daß die Siuslund«. deutschen in Chile sich mit 05 Proz. und auch in Argen- tinien für die Beibehaltung bet alten Handelsflagge einsetzten. Man solle ihre Bedeutung für den Handel nicht unterschätzen. Dte sozialistischen Parteien wenden sich dagegen. Eie pochen auf die Neichrver. faffuna, sie Hütten gerade bei der Handelsflagge genug Entgegenkommen gezeigt, sie könnten sich mit dem Antrag nicht einverstanden erklären.

Die Redner bet Demokraten sprachen für di« alten Farben. Da« Zentrum beteiligte sich nicht an der Debatte, in der auch daraus hin tewiesen wurden daß die Annahme de« Antrages, die alte HandelSflaoge d.izuhalten, möglicherweise eine Verfassungsänderung bedeute unb brshalb Ziveidiitrel»Mehrheit erforbere.

Die namentliche Abstimmung ergab die A b l e h2 nung der Antiage« mit 121 gegen 120 Summen bei fünf Stimmenthaltung. Dagegen stimmten bte beide» sozialistischen Gruppen unb die Kommunisten sowie bie Demokraten Erkelenz unb Schuld».

Der schleunige Antrag der Sozialdemokraten übet bie Gteichiiellung der grauen in der Justiz wurde de« Rechtsansschutz überwiesen.

DienStag: Anfragen, Kapitalfluchtgesetz, Haushalts- plane.

veutschtt Kelchstag.

Um di« deutsch« Handelsflagge.

I Am Montag wurden im Retchttag zunächst einige I RachtragSelat« zum Reich«hau«haltSplan besprochen unb | erledigt. Ohne (Erörterung wirb unverändert anpe- nommen der Nachtrag«etat de» Ministerium« für Wiederaufbau, gleichfall« unveränderte Annahme findet I auch der Nachtrag zum Haushalt be» RcichSaroeit«. I Ministerium», zusammen mit einem Antrag be» Mehr- I heitSsozialisten Koch, wonach wie in einem früheren I Etat al» Beihilfe für bie Zwecke der Schulung von »etrieb»rat»mit9liebcrn 1 Million Mark eingesetzt

I werben soll. Außerdem wirb eine Entschließung ge­nehmigt auf Einstellung von -/, Million Mark in den nächsten Etat zur Errichtung von Heimstätten uno Unterstützung von Äaugenossenschaften. Der Nachtrag jum Hau«halt de« Neichlve kehr«. Ministeriums wirb sebilligt. »ine Debatte über dicke Dinnc fand nicht statt.

Umsomehr unb umso eifrige« wurde gesprochen, al» nunmehr ein Antrag der bürgerlichen Par-

sichtigen Wasser, da, still unb friedlich dalag, als wenn

I nie ein Sturm darüber hingetobt unb e» zu zornigem, weißem Gesicht aufgepeitscht hätte.

! Auch Han» Heinrich» gestrig« stürmische Erregung hatte sich gelegt und zitterte nur noch ganz heimlich in ihm nach. Er hielt sich ziemlich still zurück von der lebhaften Unterhaltung ber Gesellschaft. Er unb Ebba, sie waren beide nicht so angeregt und frisch wie sonst, st« hatten beide etwa» in sich zu verarbeiten, litten beide am gestrigen Tage. Unwillkürlich hatten sie sich zusam. mengefunben und schützten sich gegenseitig mit überein- stimmendem Schweigen und gelegentlich gleichgültigen Bemerkungen, denen fle ein« trügerische, interessierte Lebendigkeit gaben.

Stifter Macleton unterhielt sich sehr angeregt, er schien Ebba» veränderte» Wesen, ihre Schweigsamkeit und den Mangel ihrer sonstigen kecken Streitlust gar nicht }u vermissen, aber innerlich war er unruhig und ärgerlich unb fühlte sich so durchau» unbehaglich, daß er am liebsten gleich abgereift wäre. Denn wa, sollte er eigentlich in diesem Nest, wenn bie eitrige Anregung, j die e» bi» jetzt geboten, auf einmal launenhaft per. i sagte?

Haben Sie auch heute schon fleißig Umschau gehal.

ten nach den dunklen Äugen bet Gesuchten?" fragte

neben ihm lächelnd Rärin,ös ist heute bei dem herr­

lichen Detter so richtig «ine Gelegenheit dazu. Heu e zeigt sich auf der Promenade, wa, sich in den schlechten

Tagen vorher in den Hotelräumen verkroch Bielleichl

ist Ihre mystische Schönheit erst kürzlich etngetrcffen und

taucht erst jetzt au, dem Dunkel auf.Da, könnte stimmen,' fuhr Macleton angeregt auf.Da, wäre I eine Lösung.' (Er schielte nach (Ebbe, bi, sich eben mit heißen Dangen zu Eefenburg hinüberbeuzte.

Der Kuckuck soll sie holen I' vollendete e, grimmig feine Antwort auf Rärin» lachende Neckerei, dacht, dabei ebn weniger an die holde Unbekannte, al, an die un­hold, Bekannte.Di, unhöflich!' entrüstet.' sich Rärin belustigt.Da, wird sich alle» ändern, wenn Eie erst ! einmal in bi, bunflen, geheimnisvollen Augen geblickt \ haben.'3a, das könnt, schon fein,' änderte Macle. i ton plötzlich seine vorherige Abwehr.Dem Zauber bie- f<c Bugen wir» in Wirklichkeit wohl noch schwerer zu

Verantwortlich für den ntoauioneUen Teil: Dr. Kramer, 2 für di, rtnzeigen: X Varreller-Fuldo. t> Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Waieabruderei in Fulda, itftitipretber Rr. U. Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung.

Sozkalvemokrattsche

EinigungSdesiredungen.

I , Seit der Spaltung der Sozialdemokratie in Mehr- I heitrsozialtemokrati« und USPD, hat es trotz der hes- I tieften Fehde und trotz der zeitweilig geradezu haßer» I füllten Feitwschaft imrr.tr eint Anzahl fa cher Meiner I gegeben, die sich für den Gedanken einer Einigung oder I zum mindesten einer Annäherung der frinMiifyen Bru- I der, bie doch ehemals in einem Lager gekämpft haben, I einsrtzteir. >

Man erinnert sich noch an die Reden Scheid«. I m a n n », die er in diesem Sinn« gehalten hat und an I Antworten Letebour». Nunmehr gewinnt es den An- I schein, als ob in der Tat ähnlich« Versuche grrifbana«. I Gestalt annehmen. Die Mehrheitspariei in Chemnitz hat beispielsweise für den am 2. Juli in Leipzig te- I ginnenden sächsischen Landesparteitag den Antrag ge- I ft-Ht. von Partei zu Partei in unverbindliche Verhand­lungen zu treten zum Zwecke einer sofortigen B i l I düng einer politischen Arbeit-gemein« I schäft mit dem klargestrlllen Ziel einer organisatori­schen Wiedervereinigung. Dieser Zug, ter sich zu- I nächst im sächsischen Landesteil erkennbar I mochl und vor praktischen Konsequenzen nicht zuruck- I schreckt, scheint aber auch von ter übrigen Partei nicht I ungern, tz'denfall» aber nicht mit Mißbilligung gesehen zu werden.

I Denn auch das Hauptorgan der Mehrheit-sozial- I demokratie, derVorwärts', hat sich dieser Form ge­genüber nicht gerate auf einen völlig ablchmmden Standpunkt gestellt. Er glaubt nur daraus Hinweisen

I Au müssen und das scheint uns ein ganz natürliche» Hinweis - daß ein Ganzes geschaffen werden müsse, da» aktionsfähig sei und sich nicht im inneren Streit

I verzehre. Das Blatt fügt hinzu, es könne nur über bie I taktische Frag« Meinungsverschiedenheiten geben, wäh­rend über das Ziel selbst kein Streit bestehe. Und in der Tat schssnt diesmal ter Boten für eine Annähe­rung weit geeigneter zu sein, als dies in irgend einem früheren Zeitpunkt ter Fall war. Die Kommunisten

I haben sich von den Unabhängigen geschieden. Damit sind die tauten Schreier aus der USPD, h.'raus. Sirf« hat nicht verfehlt, den Trennungsstrich gegen die kom­munistische Linke mit aller Deutlichkeit zu zieh:» und die Sprach«, di« dieFreiheit' schon seit ten Tagen

widerst,den sein, als Ihren gemalten Ebenbildern. Viel­leicht hängt mein Glück doch an dieser mystischen Dame.'

Mit Genugtuung fing Macleton den hastigen, unbe­herrschten Blick Ebbas auf, in dem Angst und Zorn sich so köstlich mischten, daß er auf einmal eine große Er­frischung all seiner Lebensgeister spürte unb e« ihm warm und froh burch die Glieder floß. Uebermüfig und glücklich fühlte er sich auf einmal, und in dieser Stirn- mund sagte er lustig:Ich bitte, daß sämtliche An. wesende au, allgemeiner Freundschaft für mich jetzt ein bißchen nach bunflen, geheimnisvoll schönen Augen au,- schauen- Beim Zeus,' unterbrach er sich und sprang aus,dae ist sa nein, nicht Maja, bie Unsichtbare, sondern ein lieber Bekannter von mir! Dem muß ich nach. Entschuldigen die Herrschaften, er geht mir sonst verloren!'

Mit hastigen Schritten stürzte er sich in bie Meng« ber Dorübergehenden, hatte aber vorher doch noch schnell und mit erneuter Freude erfaßt, wie (Ebba» Blick ber Richtung be, feinen gefolgt war, und wie ihr Gesicht dabei Schreck und Spannung zeigte. Recht so, sie sollt» sich nur etwa, quälen, die kleine, eigensinnige Hex«, si» halte ihn auch genug gequält!

Aber Ebba« Blicke unb Gedanken galten nicht mehr ihm: so Diel sie sich auch bi, setzt mit seiner Versos und seinen Interessen beschäftigt hoben mochte, ini Augenblick war bas alles vergessen.>e hatte auf ber Promenade Tibor Revosceny erkannt. (Er war e», un. oerfennbar! So stolz trug kein anderer die hohe G» stall, und solch schöne, Gesicht fand man unter Tausen­den nicht wieder.

Unwillkürlich wandte sie sich setzt hastig nach Karin; Tibor, Rame schwebte schon auf ihren Sippen, um sie aufmerksam zu machen, aber er erstarb darauf. Karin hatte ihn Ichon gesehen. Um Himmel-willen, wie sah Karin au,! Nur gut, daß niemand auf sie achtete, baß aller Augen dem Daooneifenben folgten. Leichenblaß saß sie da, bleich bi, in die Lippen, und in den Augen einen Blick, so voll Seidenschaft, so voll Schmerz, Angst unb Schrecken, daß die goldenen Augen fast schwarz schimmerten. Karin, die Kühle, Beherrschte, so ganz cu» allen Fugen gehoben, daß ihr Empfinden dalag wie et» offene» Dlach

Der Rückzug in Gberichlefien.

Wie dieSoff. Ztg.' meldet, vollzieht sich der R ü ck- zug de» deuischen Selbstschutz«» in Ober- schl«sten ohne Störung. Verefnzelt« Versuch« jüngerer Offizier«, sich dem Rückzugsbefehl de» Generals- fer entgegenzusetzen, würbe sofort von älteren Dffi. zieren mit Erfolg entgegengetreten. E» ist anzuneh- men, daß zur vorgeschriedenen Zeit die erst, Linie de» Räumunysplanes von allen deutschen Kräften erreicht sein wird.

Wie derLokalanz." au» Deuthen meldet, ist ein Teil der in Rosenberg zusammengezogenen polni­schen Insurgenten mit Waffen und Munition in Richtung Deutsch-Pickar abgezogen. In Katww'tz haben die Insurgenten ten Südpark geräumt.

di, Ereignisse schon vergangen sind; unb wenn ter Sturm ber Empfindungen in sich zusammenflnkt, wühlt «» von unten heraus und quält e» weiter.

Die Nerven hatten ihm diesen unbegreiflichen Streich gespielt. Die alte, töricht« Geschichte, die er in feiner Krankheit halb vergessen, und deren drückenden Einfluß er fast überwunden hatte, hielt ihn nun wieder in ihrem Bann und ritz an diesen noch kaum wieder «rstarkten, empfindlichen Nerven. Er wurde vielleicht noch irrsin­nig über all dem mystischen Zeug! Jetzt durfte nur noch bie gesuchte Maja austauchen, dann war er ganz fertig.

vielleicht war es da» beste, wenn er sich schnell mit Karin verlobte. Karin patzte zu ihm, sie hatte eine ge. wisse kühle Stärke, die ihm wohltun, bie ihm Halt geben würde. Er brauchte eine Frau. Seit der Mutter Tod hatte er den weiblichen Einfluß immer entbehrt, «r war mit ihm erzogen worden, und er war ihm eine Notwen, bigteit. Wenn Karin nur nicht zwischendurch je ab. stoßend auf ihn wirken möchtet

Zerrissen in seinem Denken unb (Empfinben, in tau­send Widersprüche verwickelt, unzufrieden mit sich und der ganzen Wett, sprang Han, Heinrich auf und eilte den Weg zurück, den er vor kurzem gekommen war,, vielleicht sah er auf ihm das fremde Mädchen nach ein­mal, vielleicht. (Er wußte nicht was, aber wohin et seine Gedanken auch zwingen wollt«, sie flogen alle wie. der jenen bgtunen, sehnsüchtigen Augen nach Sie gin­gen alle unter in dem Grübeln:Wo sah ich fle doch schon einmal. Wo kannte ich früher diesen roten Mund und sein bezaubernde, Lächeln? war e, ein Traum? War e, eine (Erinnerung au» einem vergangenen Le­ben?'

Und keiner dieser grübelnden, suchenden Gedanken j flog hinüber zu dem alten Bilde im alten Stammhaus», zu den Träumen, in denen e, sich ihm schleierlos und lächelnd gezeigt hatte! Davor hing es wie ein dunkler, schwerer Vorhang, den feine (Erinnerung nicht zu lüften vermochte, vor dem fle ahnungslo, kehrt machte, um blind und verzweifelt an andere Türen zu klopfen und hinter feiner zu finden, wonach ihn verlangte.

Am folgenden Tage »ar herrliche» Wetter: die Sonne lochte über dem blühenden, blmnnrdurchwirkten Lande und tanzte in Äoldsunken auf de« blauen, durch-

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