Einzelbild herunterladen
 

üfefttrnmunq nicht verzichten zu können glaube«. Die endgültige Entscheidung haben sie sich aber noch Vor­behalten^________________ _________________

Der deutsche Stävtetag

i« Stuttgart wurde Freitag geschlossen. In einer Entschließung fordert er Selbstverwaltung der Gemeinden, Befreiung von überflüfliger Staats­aufsicht und Beseitigung des die Verwaltung ver­zögernden und verteuernden Instanzenzuges. Das UaatSaufsichrliche BestLtigungsrecht dürfe, fo- iange eS besteht, nicht nach politischen Gesichtspunkten ausgeübt werden.

Der Städtetag beschloß die Ausdehnung der Mitgliedschaft auf alle Städte von mehr als 10000 Einwohnern.

Evangelische Kundgebung

zum Reichsschnlgesetz.

Der volkskitchliche Laienbund von Sachsen, die evangelische SchulberatungesteLe für Sachsen, der All­gemein« evangelisch-lutherisch« Schulverein, der Der- band christlicher Etternvereine Leipzig, der Gesamt- eldernrot christlicher Ellernröt« an Leipziger Volks­schulen, die Vereinigung evangelisch-lutherischer Lehrer und Lehrerinnen in Sachsen und die Gesellschaft für Christl-zentrischen Religionsunterricht in Dresden ha­ben ein« gemeinsame Kundgebung an die sächsisch« Bevölkerung «lasten, in der Protest gegen den von der Reichsregierung cmfyrstellten Entwurf ei­nes Reichsschuigesetzes erhoben wird. Die Bevorzu- gimg der sogenannten Gemeinschaftsschulefirr .Sachten wird darin abgelehnt. Der größte Mangel Sm Entwurf ds Reichsschulgesetzes wird darin erblickt, Svß ftt verschiedenen wichtigen Punkten die letzte Evt- ffcheiüung der Gesetzgebung der einzelnen Länder überlasten wird. Dadurch werden die christ­lichen Eltern l^rsenigen Länder, in denen die Feinde der Bekenntnisschuhs Lte Mehrheit haben, der Gewalt preisgegeben. , ,

Has -cm besetzten Gebiet.

Sperrung der Rhelnjchssfrchrt wegen «ikttLrstcher Mtfamgen. Di« Pioniertruppen der französischen Rhrinorrnce halten vom 10. bis 23. August bei St. Goar Hebungen ab. Für bestimmte Tage ist die Rheinschiff» fahrt wegen der Hebungen gesperrt.

Zpessartfahrt.

Die Darbarossasladt Gelnhausen.

3n dem waldigen Hügellande zwischen der einsamen, großartigen Rhön, dem eichenrauschenden Spessart und dem breiten, zertalten Vasaltschild des DogÄsberges ent- ftcht die Kinzig, die in lieblichem Tale unaufhaltsam gen Süden eilt. Von jeher sah das muntere Flüßchen «ine wichtige Derkehrsstraße hier vorbeiziehcn, aus Thü» t in gen und den hessischen Waldbergen zu der reichen Fruchtaben« von Main und Rhein. Doch kein« machtvolle Kulturstätte erstand; nur kleinen Städtchen strömt sie vorbei und drängt nach der offenen Landschaft.

Kurz vorher verengt sich das Tal bei W i r t h e i m; bann tritt der Fluß hinaus in die breit und breiter aus« ladende Ebene, die sich blühend und fruchtreich, wiesen- grün und Korn spendend zwischen Spesiort und Vogelsberg spannt. Reichste Fülle erquickt hier dir Gefilde; schon dämmert die Ahnung auf von jener unerhörten Frucht- barkeit, die die große Rheinebene zu Deutschlands blühend­stem Garten macht. Das Flüßchen, das bisher munter rauschend, wenn auch nicht wild, dahingeströmt zwischen walddunklen Hängen, wird zum Fluste, der schon träumend fast zwischen saftgrünen Wiesenufern dahingeht, m besten dunklen Wassern in stillen Buchten sich hie und da alte WeDenstümpfe oder hohe, schlanke Appeln spiegeln.

Da nun, wo die Kinzig hinaustritt ins blühende Le­ben, sich willig der weiten Ebene öffnet, do liegt sein« mtttelalterliche Hauptstadt an letzten Hang des Dogels- berges, besten Wälder steil darüber dunkeln, desien Sunt- sirMteinfockel weithin grüßt: Gelnhausen. Es schmiert sich traulich cm den Abhang; seine Straßen klet­tern hinauf wie muntere Kinder. Eingehüllt ist die dicht gedrängte Häusrrmast« in wogendes Grün, in duftige, bunte Vlütenschleier, und hoch überragt von dem edlen Turm der eiten Marienkirche, die Zwischen Spessart und Vogelsberg wohl das schönste Kulturdenkmal deutscher Vorzeit darstellt. Das Bild dieser allen Reichsstadt ist MM ohne großartige Schönheit, geschmückt schon mit etwas

Zentrum und Getreidewirtschaft.

Don Generalsekretär Diehl, Mainz.

Der Wunsch der Landwirtschaft auf volle Freiheit In der Getreidewirtschaft konnte von dem Reichsernäh« rungsminlster nicht voll erfüllt werden, vielmehr soll vorläufig als Urbrroang zur vollen Freiwirtfchaft noch eine beschränkte Umlage zur Sicherung einer notwetÄügen Reserve und zur Regulierung gegenüber den unverhältnismoßigen hohen Weltmarktpreisen er­hoben werden.

Die Stellungnahme der Zentrumspartei zu dieser Frag« war besonders schwierig, weil hierbei die An­schauungen und die Interessen der Erzeuger und der Verbraucher gegenüberstehen. Die iZentrumspartei und auch der ihr angehörige Reichser« vährungsminister Hnmes steht grundsätzlich auf dem Standpunkt, daß die Zwangswirtschaft, sobald es ir­gendwie dis wirtschaftlichen Verhältnisse ermöglichen, befeftigt werden soll. So ist auch die Zwangswirt» ischast für Vieh und Milch beseitigt worden. Dur s o fertigen vollen Freiwirtschaft mit Getreide stehen gegenwärtig noch große volkswirtschaftliche Bedenken gegenüber.

Zunächst wäre die Sicherung des Bedarfs für die verbrauchende Bevölkerung in den Städten und in den Induftrirbezirken sehr gefährdet, weil dir jetzige Er­zeugung gegen die Friedenserzeugung »m 60 Prozent zurückgegangen ist. Dies bedeutet, daß bei voller Freiwirtfchaft, wo der Ser« frauch umittgefchränkt ist, das Getreide durch allerlei Kanäle den minderbemittelten Volksschichten entzogen jvevden könnte. Auch dürfte dann der Preis für sämtliches inländisches Getreide sich den hohen Welt» tnarfipreifen anpassen, was für die weite Kneife des rerbramhenden Publikums eine unerträgliche Belastung bedeuten würde. Ilm den Preis einigermaßen erfrag« sich zu gestalten, wäre dann eine Derbilligungs- Ittion des Reiches notwendig, dis etwa 15 Milliar­ven Mark betragen würde, was bei der Finanzlage des Reiches unmöglich ist. Es bleibt demnach nichts anderes übrig, als auch hier wieder nach bewährten Zentrumsgrundsätzen einen mittleren aus« gleichenden Weg einzuschlagen, der den berechtigten Interessen der ßartirwirte und der Verbrau­cher soweit wie möglich Rechnung trägt.

Auch hier stehen sich wieder die Extremen Im schärf- flen Kampf gegenüber. Auf der Linken die Sozialdemo­kratie, die ohne Rücksicht auf dir Interessen der Land­wirte uni) der Förderung der Erzeugung die volle Bei­behaltung der Zwangswirtschaft fordert und auf der Rechten Deutschnationale und Deutsche Dolks- partei, die ohne Rücksichtnahme auf die verbrauchende.

mtrflfetbeimtifelf# Bevölkerung' o o fle F r e Ho! r T«~ schäft verlangt. Die jetzt beschlossenen Uebergangs» maßnahmen finden auch die Zustimmung praktischer gemäßigter Landwirte, d» einsehen, daß für die lieber- gongszeit zur freien Wirtschaft noch einige Sicherungen geschaffen werden müssen, damit di« Vrotoersorgung zu erträglichen Preisen nicht gefährdet wird. Die Zen- trumspartei ist dafür tingetreten, daß das im Umlage- verfahren ci^ulbesernde Getreide aus ein möglichst geringes Maß beschränkt wird. Die Sozialdemo­kraten forderten, daß 4% Millionen Tonnen abzu­liefern sind, die Regierung weiße 3V* Millionen Ton­nen erfassen, während nur 2% Millionen Tonnen fest­gesetzt wurden. Weiter wurde beschlossen, daß kleine Betriebe von der Abgabe vollständig frei sind und den mittleren Betrieben durch Festsetzung einer Staffelung bei der Abgabe besonders Rechnung getra­gen werden soll.

Damit ist der Landwirtschaft soweit wie möglich entgegenoekommen worben. Auf der anderen Seite muß es nun Aufgabe des Reiches fein, daß die Brot­preise jür dir minderbemittelten Bevölkerungsschichten in erträglichen Grenzen bleiben, in welchem Sinne auch eine Entschiießrmg angenommen wurde. Ein aus agi­tatorischen, taktischen Rücksichten gestellter sozialdemo­kratischer Antrag, der Bedangt, daß der Mehrerlös, den di« Landwirtschaft aus dem von der Erfassung freige­lassenen Getreide erhält, dem Reiche zufließen soll, mußte sowohl aus Gründen der Produktion als auch aus Gerechtigkeitsgründen abgelchnt werden. Der Ge­danke, die Uebergewinne, die in der Produktion oder auch im Handel und Gewerbe erzielt werden, steuerlich für die Allgemeinheit ju erfassen, ist bei der heutigen Rot des Reiches berechtigt und gerecht, aber solche Maßnahmen dürfen nicht einseitig nut einem Stand auferlegt werden, wie es die Sozialdemokraten der Limdwirtschast gegenüber tun will, fordern sie müssen dann gleichmäßig auf alle Pro- duklions- und Eewerbezweige ausgedeW werden. Die wichtigste Frage des ganzen Problems, die Lanbwirt- fchaft produktionsfreudig zu machen, dadurch die Er­zeugung zu starken, und damit eine durchgreifende Ver­besserung der Ernährungsverhältniffe und der Preis­gestaltung herbeizuführen, haben die Sozialdemokraten noch nicht erfaßt.

Deutsches Keich.

* Berlin, 27. Juni. Reichspräsident Ebert ist auS Bad Mergentheim nach Berlin zurückgekehn. Der Ausnahmezustand in der Provinz Sachfen wird vom 28. Juni ab für die Bezirke Magdeburg, Erfurt und Merseburg ausgehoben. In einigen Kreisen bleibt er bestehen. Im Aufsichtsrate der Reichskartoffelstelle wurde mitgeteilt, daß die Ver­waltungsabteilung der Reichskartoffel­stelle zum 1. Juli aufgelöst wird, während die Geschäftsabteilung sich bereits in Liquidation befindet. Zum Nachfolger des zurückgetretenen Reichskom» miffars für die besetzten Gebiete, v. Starck, ist der bisherige Plcbiszitkommisiar für Oberschlesien, Fürst Hatzfeldt ausersehen.

* Mam-Donau. ReichsverkehrSminister Gröner wird anfangs Juli in München erwartet. Wie die ,,München-Augsburger Abendzeitung" wissen will, soll sein Besuch u. a. mit der Gründung einer Main- Dona u-G esellschaft in Verbindung stehen, die nach dem Vorbili) einer gleichen bereits in Württem­berg bestehenden Organisationen sich die Förderung des Kanalprojekts zu ihrer besonderen Aufgabe machen will.

* Sozialdemokratischer Parteitag 1921. Ter nächste Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands wird auf den 18. September nach Görlitz einberufen.

* Der Freistaat Sachsen hat bei feinen Lebens­mittel-Einkäufen in und nach dem Kriege ins­gesamt einen Verlust von 180 Millionen Mark erlitten. Die Verhandlnngen des Landtages über diese Angelegenheit fandeii unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt.

Ausland.

* Die Schweizer Sozialisten haben durch ein Referendum mir einer geringen Mehrheit beschlossen, sich der Fachvereivigung der 3. Internationale anzuschließen.

* England und Irland. Lloyd George rich­tete an den Präsidenten der irischen Republik de Balera ein Schreiben, in dem de Balera und seine Parteigenossen unter Gewährung freien Ge­leits eingeladen werden, nach London zu kommen, um dort mit dem Premierminister für Nordirland, Sir James Craig, alle Möglichkeiten einer Lösung der irischen Frage zu prüfen. Tas Sckrciben fügt hinzu, die britische Regierung sei von dem heißesten Wunsche beseelt, den verderblichen Streit zu beenden.

* Halsstarrigkeit Griechenlands. In Paris ist die Antwort Griechenlands auf den Vermittlungs- Vorschlag der Entente eingeitoffen. Danach vertritt Griechenland die Ansicht, daß auf keinen Fall

südlichem Glanz einer reichen, frühlingsfrohen Natur, die im Mai dies Fleckchen Erde mit einem köstlichen Gewoge von Blüten, Duft und Grün überschüttet. Lange schon erblickt man vorn Frankfurter Zug aus dos anmutig hin- gefogerte Städtchen, dos zum Besuche lockt und ruft, und so zogen wir denn an einem sommerlich frohen Maimittag durch den mächtigen Torturm, der sich jenseits der Kinzig erhebt. Bucklig mrd krumm winden sich die Gassen umher, manch altes Haus grüßt aus ferner Zeit; wirkungsvolle, anheimelnde Stroßenbllber und Ausblicke öffnen sich über- löschend. Zwischen Mouertrümmcrn schlummern warme Gärten, wo die Bienen summen, altmodische Blumen düsten mrd vergehen und knorrige Obstbäume bieten ihren Segen willig dar. ,

Heber allem aber thront beherrschend die romanische Kirche. Auf stattlicher Tveppe zwischen zusammenge- drmigten Häusern und verschwiegenen Höfen, köstlichen Plätzchen voll gerrchsamcn Friedens, steigt man em­por. Der alte Friedhof lagert sich mouergeschirmt um bas hochragende Bauwerk, das in Gestalt und Schmuck an manche romanische Kirche des Mittelcheins erinnert, nur gibt hier der rote, satte, warme Ton des bunten Sand­steins dem Bau einen sonnigheiteren Charakter, der den grauen Kirchen am Rhein, in Bon» und Maria Laach, Anbeniach und Remagen fehlt.

Ms wir oben standen, leuchtete der volle, warme Glanz eines heißen, pfingstseligen Tages über den harmo­nisch gegliederten Steinmassen, wie südliche Glut fast floß es von dem stahlblauen Himmelsgewölbe hernieder, an dm Türmen herab, zu uns staunenden Menschen, di« wir lois erschauernd zu den Füßen dieses Denkmals frommen Glau­bens standen, das bi« Vorväter in längst versunkenen Jahrhunderten hier über dem fruchtbringenden Tale er­richtet hatten. Dann traten wir ein. Drinnen ruhte eine köstliche Kühle wie ein stilles Meer; rein und schlicht offen­barten sich uns die schönen, edlen Maßverhältmss« des Inneren. Der wundervolle Lettner vor allem enizückte uns, jenes seltene Stück Zwischen Chor und Schiss, bas sonst meist eine spätere Zeit entfernt, bas hier aber mit reichem, bübrrcrischem Schmuck erhalten ist, der schon die

6Fe "tnTTTf2111Bfen JIFTionen aTgebroHen oder verschoben werden könnten. Diese Halsstarrig« keil Griechenlands schafft neue orientalische Verwick­lungen und läßt ein Ende deS Kriegszustandes im Osten in weite Ferne gerückt erscheinen. Es ist das um so bedauerlicher, als von türkischer Seite betont wird, daß man zu einer gütlichen Einigung bereit sei, wenn Griechenland einen ehrlichen DerständigungS- willen zeigte und der Bestand der türkischen Macht im Orient gesichert werde.

* Araberattentat ans General Gouraud. Die Franzosen, zu deren Interessensphäre Syrien gehört, erfreuen sich dort ungefähr derselben Beliebt­heit, wie die Engländer in Irland. Tas mußte der französische Oberkommiffar in Damaskus, General Gouraud, am eigenen Leibe recht unliebsam erfahren. Auf einer Reise zu einem franzosenfreundlichen Stamm am See Tiberias wurde nämlich sein Auto- mobil durch Reiter angegriffen, die 15 Gewehr­schüsse auf den General abgaben. Tie An­greifer gaben auch Gewehrschüsse auf den zweiten Wagen ab, dessen Insassen das Feuer erwiderten. Tie Angreifer ergriffen darauf bte Flucht. Der General blieb unverletzt. Ter ihn begleitende Gou- verneiir von Damaslus erlitt leicht« Verletzungen. Ein Dolmetscher wurde getötet.

* Neues anS Indien. AuS Sim la wird gemel­det: Die Konferenz deS BelgaumbezirkeS Hai eine Entschließung angenommen, wonach sie nach Bera­tungen mit dem nationalen Kongreß eine indische Republick verkünden werde, wenn Großbritannien entweder direkt oder durch die Griechen, ,ei e8 offen oder geheim, gegen die türkische Regierung in Slngora kämpfen sollte. Die Konferenz ver­schiedener anderer indischer Bezirke haben ähnliche Entschließungen angenommen.

Anlda, deu 27. Juni 1921.

Lin herrlicher SommersonnLag zog gestern über das Heffenland. Man freute sich ordentlich nach den Wochen des Regens und der Kühle, die in manchen Defen Feuer prasseln sahen, daß jetzt die Sonne die Wärmeversorgung wieder übernommen hatte und ihren großen Befähigungsnachweis in strahlender Weise ablegte. Die Rhön und der Vogelsberg sahen viele, viele Wanderer und die nähere Umgebung der Stabt wimmelte von Spaziergängern. Auf den Sport­plätzen ging es lebhaft zu. Borussia veranstaltete eine große Olympiade, die zahlreiche auswärtige Teil­nehmer anzog und erfreuliche sportl. Leistungen aufzu­weisen hatte. Die I u n g d y, die von dem Johannis» feuer auf der Wasserkuppe am Sonntag vormittag zu­rückkehrte, voft Musik begleitet, brachte Leben ins Sira» ßenbild. Auch die Schützen, die bekanntlich am Feiertag ihr Fest feiern, machten sich schon in ihrer Schützen- tracht bemerkbar. Sonntagsstimmung überall! Der Opti­mismus des Reichskanzlers scheint durchaus nicht auf so schwachen Füßen zu stehen, wie manche Leute es glau­ben machen wollen. ,

wieder eine drahtlose Opernüdertragung.

Große Erfolg« der deutschen Aunktechmk.

Gestern abend konnte auf der drahllosen Empfangs, station des Herrn Ingenieur Ford. Schneider wieder eine Opernaufführung, die von Königswustrrhausen bei Berlin gefunkt wurde, deutlich in ihrem ganzen Ver­lauf ausgenommen werden. Außer dem Hebergeräusch der Fortestellen machten sich keinerlei Störungen be­merkbar.

Wie aus Berlin gemeldet wirb, hat di« deutsche Funktechnik wieder einen gewaltigen Erfolg zu verzeichnen, der sie auch auf dem Gebiete der drahtlosen Telephonie an die Spitze samt, licher Großstationen der Welt stellt und gleichzeitig auch die große Üeberlegenheit der drahtlosen über die Draht, telephonie erweist. BerlinRom, LondonParis find bisher die weitesten Strecken, auf denen die Drahttele« phonie noch mit Erfolg benutzt werben konnte. Das ist aber nur ein kleiner Bruchteil der (Entfernung, die jetzt drahtlos überbrückt ist; denn die 4340 Kilometer, über die jetzt von Nauen aus gesprochen wurde, entsprechen ungefähr der (Entfernung Naue nA m e ri t a (Neu. Fundland). Es darf daher erwartet werden, daß die Fortsetzung der Versuche den Beweis der Möglichkeit einer telephonischen Verbindung Berlin Ncwyork erbringt.

Schon bei den mit der Hauptfrmkstelle des Reichs­postministeriums Königswusterhausen angestellte" draht, losen Telephonieversuchen war nach der »Berl. Morgen­post" sowohl das gesprochene Wort als auch die Musik. Übertragung einwandfrei aufgenommen worden, trotz­dem hier nur mit höchstens 10 Kilowatt-Antennen-Ener- gie gearbeitet worden ist. Die sich daran anschließenden Versuche von Rauen aus bebienten sich dagegen einer Telefunken-Hochsrequenzmaschine mit 130 Kilowatt in der Antene. Die Empfangsstationen in Athen, Buda.

beginnende Freude des späteren gotischen Künstlers am Leben der Natur in schönen Darstellungen aus der Pflan- zenwelt aufzeigte.

Wir ließen ans durchströmen und erfüllen von der wahrhaft köstlichen Kühle, die hier von den Säulen und Pfellern herniederrann und die Seele leise wiegte und die müden, heißen» staubigen Stirnen erfrischte, denn noch war der erste Tag einer Wanderfahrt, die uns der Stille und dem Frieden der mütterlich milden Natur zusühren sollte. Dem Chor, bas hinter bem Lettner sich verbarg, fehlte nur eins: der Hochaltar aus aller, katholischer Zeit; so sah es nun etwas kahl und leer auf uns herab. Kein ewig Licht leuchtete mehr zwischen den Säulen und Bog«.

Still und leicht ergriffen traten wir wieder hinaus auf den Kirchplatz, wo die ungemilberte Glut eines Juli- haften Mainochmittags sich vollendete. Sinnend stiegen wir hinab zum Ober- und Uniermarfi, sichen das uralte romanische Haus, und dann zur Kinzig, wo leichte Kühle mrfschroebte vom dunklen Wasser. Wir schellten hinüber zur Kinziginsel; und wieder grüßten uns ferne Jahr­hunderte, diesmal weltlich-froh Die glanzvolle Zett stau- fischer Kaiserpracht geisterte auf, als rott die Heberte st e der Batbatossapfalz betraten. Ein stimmungs­volles Plätzchen ist es; wucherndes (Brün deckt Hof und Gemäuer; Blütenbäume in mailicher Pracht leuchteten auf. Dom Turm aber trug der entzückte Blick die Sehn­sucht weit hinaus in blühende Land, das unter bem Glanz der Sonne lag, imb dessen sprossende Aehrenselder reichen Gottesfegen verhießen. Dort oben mühte man stehen, wenn klarer Schein des vollen Mondes über die Dächer fließt und still uttb rein die erhellten (Bebreiten bedeckt. Dann würden such die versunkenen Gestalten großer Dor- zeit aufsteixcn aus duftigem Nebel und den erschauernden Enkeln lebendig durch die Seele gehen, $ßir konnten den silbernen Nachtwandler hi« nicht erwarten, da rott heute noch tief in die schweigende Waldeinsamkeit des Spessartgebirges hineintauchen wollten. So schieden wir dem- nach einem U-rten, vollen Blick. ... ?

pest, Bukarest. Haag, Helsingfors, .Kopenhagen, Ehrt, stiania, Madrid, Prag, Stockholm unb Zürich hörten diese Gespräche Wort für Wort mit vollkommener Deut­lichkeit, unb zwar ohn« Empfangsoerftärker. Um nun aber festzustellen, auf welche (Entfernungen die drahtlose Telephonie überhaupt noch aufnehmbar ist. hat der der argentinischen Regierung gehörende DampferBahia Bianca" auf seinem Rückweg nach Amerika, soweit, es die atmosphärischen Verhältnisse zuließen, regelmäßige Aufnahmen gemacht und hierbei festgestellt, daß die Tele- phonie mit dem 10 Kilowatt-Telefunken-Röhrensender von Königswusterhausen noch auf eine Entfer. nung von 3500 Kilometer unb die mit der 130 Kilowatt-Hochfrequenzmaschine in Nauen gegebene auf 4340 Kilometer gut aufzunehmen war.

Ein Empfang auf noch größere Entfernungen ist nur aus dem Grunde nicht mehr möglich gewesen, weil der Dampfer inzwischen eine Stelle des Atlantischen Ozeans erreicht hatte, in der atmosphärische Störungen wettere Versuche unterbanden. Da nun aber Nauen bei diesen Telephonieversuchen noch lange nicht mit der vollen zur Verfügung stehenden Hochfrequenzenergi« gesendet hat, steht wohl außer Frage, daß unter Ausnutzung der vol- len Leisttuigsfähigkeft Nauens noch bedeutend größere Entfernungen auf drahtlos, telephonischem Wege über­brückt werden können.

Promotion. Der Zahnarzt Herzig zu Ober­ursel am TaunuS, Sohn deS Lebrers Herzig dahier, promovierte an der Universität Würzburg zum doktor med. dent.

§ Meisterprüfung. Vor der hiesigen Meister» prüfungskommiffion bestanden ihre Meisterprüfung die Schuhmacher: Philipp Klüh-Schmalnau, Jos. Jahn-Rommerz; die Schreiner: Wilh. Schöne­wolf Hersfeld, Ad. Hehr-Raboldshausen, Heinrich Strauch-Nua, Georg Fuchs-Friedewald, Konrad unb' Heinrich Ehd-Baiershausen und Georg Spangenberg- Heringen.

---- Vcrsassungswahien in der evangelischen Kirche. Am25., 26. und 27. Surrt fanden in Preußen die Wah- len zur verfassunggebenden Kirchenver- sammlnng statt. Zur Vermeidung unerquicklicher Wahlkämpfe sind von den verschiedenen Richtungen fast in allen Provinzen Einheitslisten flufgcfteUi' worden, so auch bei uns in Hessen-Nassau.

(a) Die Forstkasse Fulda ist wegen Holzversteige­rungen am 28. Juni unb 2. Juli und wegen Ab- schlußarbeiten am 27. und 30. Juni geschlossen.

-- Siebenschläfer ist beute. Dem alten Volks­glauben nach wird e8 7 Wochen regnen, ober doch tröpfeln, wenn der 27. Juni Regen bringt. Die ganze Bedeutung dieser Wetterlegende ist die, daß es in einem regnerisch veranlagten Sommer täglich regnen, in einem trockenen Sommer aber trocken' bleiben kann. Nicht bet Siebenschläfertag macht das Wetter, sondern das Weller macht den Charakter des SiebeuschlafertageS.

L- Die Heuernte ist im Fuldatale «nd in der, weiteren Umgebung jetzt im vollen Gange. Bei der günstigen Witterung, die zurzeit herrscht, geht eS' mit dem Einernten sehr flott. Das GraS, daS z. 58. am Samstag Morgen der Senfe zum Opfer fiel, konnte bereits gestern als duftendes Heu geborgen werden. Da die Landleute von der Erlaubnis, am gestrigen Sonntag auf den Wiesen zu arbeiten, reichlich Gebrauch machten, sahen wir u. a. in der Gegend von Steinhaus emsiges Treiben auf den Wiesenmatten und viele hochbeladenen Wagen fuhren' den Scheunen zu. Dafür kamen die Landleute abends zahlreich zur Wendelinnskapelle, um ihren dankbaren Gefühlen gegen den Geber alles Guten freudigen Ausdruck zu geben gemäß dem alten Spruche; Bete und arbeite!"

tG? Die Postanstalten nehmen zum 1. Juli wiederBestellungsn auf englsscheZeitunge^ entgegen.

Postverkehr mit Oberfchlefien. Infolge Frefr' werdens einiger Orte an der We^t- und Nordseiiß des oberfchlesischenAufstandEgebiets sind Postsendungen aller Art nach Orten an den Eisenbahnstrecken OppelnKandrzin, OppelnGroßstrehlitz, Oppeln Vossvwska unb KreuzburgRosenberg wieder un­beschrankt zugelassen. Dagegen hat die inter­alliierte Kommission die Versendung von Zeitungen in das Ausstandsgebiet verboten.

(a) Keine zollfreien Liebesgaben mehr auS bet Schweiz. Die Abgabefreiheit für Liebesgaben nach Deutschland, die in Tabakerzeugniffen, Wern, Schaum­wein oder Spirituosen bestehen, wirb vom 1. Juli! b. I. ab aufgehoben. Von diesem Zeitpunkt ist! die Einfuhr der genannten Waren als Liebesgabe»! wegen der hohen Belastung durch Zölle und innen» Steuern fast durchweg nicht mehr ratsam.

Die Zahlung der Militärversichernngsgebühr- niffe beim hiesigen' Postamt für den Monat Julr findet am 28. und 30. Juni, die der Invaliden-, Unfall- pp- Renten am 1. und 2. Juli statt. Die Zahlstellen sind geöffnet von 812 unb 36 nach­mittags. Um Zahlungen an Unbefugte zu vermeiden, ist es unbedingt erforderlich, daß jeder bei Entgegen­nahme des Geldes feine Ausweisnummer vorzeigt.! Einer Bescheinigung der monatlichen Quittungen bei den Invaliden« pp- Renten für Jult bedarf e3 nicht.

= Kunstfreunde feien auf eine Ausstellung in den Räumen bet Firma A. Maier an der Pfarr­kirche (altes Rathaus) aufmerksam gemacht, bir Grabmalentwürfe des Bildhauers Friedrich' W ngner zeigt. Es handelt sich um eine ganz eigen­artige Kunst, die große Monumentalität durch äußerste Knappheit der 'Ausdrucksformen anstrebt. Es ist nicht zu verwundern, daß bei dem vielen Minder­wertigen unb Unschönen, ja Verletzenden, was sich häufig auf den Friedhöfen findet, immer wieder der Versuch gemacht wirb, Neues unb Befriedigendes zu bieten. Am glücklichsten für unser Empfinden ist beim Suchen nach der neuen Grabmalkunst Wagner, der hier seine Entwürfe zeigt, in den Fällen gewesen, in denen er an alte Bildstöcke unb Heiligenhäuschen anqeknüpft hat. Dort ist eS nicht unmöglich, daS Zeichen des Glaubens" einzufügen, ohne das uns katholischen Christen jedes Grabmal feines wahren Zweckes entbehrt, nämlich der Absicht, der stark« Ausdruck unserer gläubigen Hoffnung auf Wieder­sehen und ewiges Leben zu sein. Dr. K.

Aus der Tarifbewegung in der Kali-Induslrie. Der Arbeitgeberverbanb der Kali-Industrie hat sich nunmehr bereit erklärt, sowohl den Arbeitern als auch den Angcstellten die seinerzeit ergangenen Schieds­sprüche mit bem Tnge der Gültigkeit zu erfüllen.

Ucber die Verunreinigung der Fulda ist be- kannilich in der letzten Siadiverordnetenfitzuno Klage geführt worden. Bei der jetzigen gründlichen R e i n t» gung des Mühlgraben s cn ber Frankfurter­straße finb zwei Anlieger entdeckt worben, die nicht an d ie Kanalisation angeschloffen sind und zum Teil die Fäkalien direkt dem Wafferlauf znführen. Die Polizei verfolgt diese Angelegenheit. Aber schlimm ist es auch, wenn man glaubt, diesen Mühlgraben als Ablaqerungsstätte von allen möglichen Geräten,Töpfen, Kehricht, Garten- und Laubabfällen benutzen zu dürfen, wie daS seither gescheiten ist. DoS Wassergejetz beibietet bieS unter Strafe. Die