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Frrld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 145

Verantwortlich für den redauionellen Teil: Dr. Kramer, - für di« Anzeigen: I Parzeller-Fuldo. ; Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, vternfprettjer Nr. 0. Telegr.-Adrelsr: Fuldaer Zeitung

Montag, 27. Zuni 1921.

Bezugspreis: Monatlich 3,00 Mk. ohne Zustellgebühr. In tzu Ido bei uns abgeholt 3,15 21tt Anzeigenpreis: DieKleinreile (Colenelmob) 60 Pfg u. IGi» Zuschlag, di» Reklamezeile sTextbreite) 1^0 Mk n. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.

48. Zahrg.

Deutscher Reichstag.

Die Zuschüsse zu den Messen.

Die Samstagssitzung des Reichstages war nur von kurzer Dauer Die Tagesordnung wies nur einige klei­nere Gesetzesvorlagen auf, die sehr schnell Er. ledigung sanden. Ein Entwurf zur Sicherung von Ge. werbeschutzrechten der deutschen Reichsangehörigen im Auslande wird auf Antrag des Zentrumsadg. Marx dem Rechtsausschuh überwiesen. Das Gesetz über die

hatte sie in Ketten gelegt, und diese schnitten nun hart und mahnend in ihr Herz. Es waren Vorurteile, sie hatte sie bis setzt als solche erkannt, hatte mutig mit ihnen gebrochen, sogar ohne Kampf, trotzdem sie wohl wußte, wie wenig sie damit im Sinne ihres stolzen, standesbewußten Vaters handelte. Sie mußte ja den Forderungen des Alltags folgen, mußte, und war stark und frei genug gewesen, dieses .Muß" zum Willen zu gestalten, aber nun bauten die Folgen ihres tapferen Handelns eine unüberfteigliche Mauer auf zwischen ihr und dem Mann, dem sich ihr Herz zuneigte.

Nur diese Folgen? Nein, er liebte ja auch eine andere, er wollte nur ihr Freund fein! Wie das alles in wildem Wirbel durch ihre Gedanken flog und darüber das eine klare, zwingend. Erkennen, daß sie ihn meiden, daß sie jedes Band zwischen ihnen zerreißen müsiel .Meine Pflicht ruft", endete sie unvermittelt, in hartem Ton den schwankend begonnenen Satz, neigte hastig den Kopf und schritt an ihm vorüber. .Aber so bleiben Sie doch, mein Fräulein! Verstehen Sie mich doch! Ich fühle es so bestimmt, so zwingend, daß zwischen uns eine seelische Verbindung besteht, die uns aufeinander anweist, auf gegenseitige Freundschaft. Es mag seltsam klingen, ja, ich gebe es zu, aber sagten Sie nicht selbst, daß Sie auch an dergleichen glauben?"

Er hatte wieder die Hand nach ihr ausgestreckt; da fuhr sie zurück, und ihre Augen starrte» wie gebannt auf dies« ausgestreckte Hand. »Der Ring!" stammelt, sie entsetzt und stieß seine Hand zurück.Das greuliche Ding, es erschreckt jeden," rief er zornig. .Ich hasse den Ring; er ist mein Fluch!" stieß er heiser hervor. Sehen Sie ihn nicht an, sein Anblick ist Grauen!" __

Aber"Nein, nein, bitte, kümmern Sie sich nicht um ihn; sehen Sie nicht ihn, sehen Sie mich an, sogen Sie, daß Sie, daß Sie mir glauben!"

Maria starrte trotzdem mit großen, erschreckte» Auge» noch immer auf den Ring.Die Schlange" __ .Ich

bitte Sie, laste» Sie den verhaßten Ring! Sagen Sie mir lieber, wo Sie sich so lange versteckt hielten? Ich habe Sie immer gesucht."

man doch die Bereitwilligkeit heraus, auch neu« Ad» I gaben vom Massenverbrauch zu bereinigen, wenn nur di« besitzenden Klassen entsprechende Opfer bringen. Bon der anderen Sette kann ebensogut die Erklärung tommen: Wir stimmen für feine Besitzsteuer, wenn nicht die Verbrauchssteuern angemessen ausgebildet werden. Wirklich gefährlich sind nur die Extreme auf beiden Flügeln, die ein unbedingtes Nein bereit halten gegenüber jeder Steuer, di« ihrer Wählerschicht unangenehm ist.

Die Regierung kann ihre Steuer pfäne in den Ein­zelheiten nicht eher verkünden, ins die schwierigen Ent» mürfe sämtlich aufgestellt find; aber sie scheint die verlangte Uebersicht über das geplante VerhÄtnis zrei-

I scheu Besitz- und Verbrauchsabgaben noch vor den [ Ferien geben zu wollen. Das ist auch sehr zweck­mäßig, da alsdann der Meinungsaustausch sich nicht auf Schlagworte zu beschränken braucht, sondern immer das Ziel der Sammlung und des Ausgleichs auf einer mittleren Linie im Auge behalten kann.

Die Hauptsache ist, daß j e d e r Bürger ohne Unter- schied des Standes oder der Partei sich bewußt wird: Auch i ch muß Opfer bringen in dieser Not des Rei­ches; es ist nicht möglich, die Last vollständig auf die Schultern der anderen zu schieben." Von den Linksradikalen wird ja noch versucht, der Maste der Besitzlosen einzureden, daß der ganze Bedarf vom Kapital" gedeckt werden könne und müsse. Unsere ausländischen Gegner sind allmählich schon zu der Erkenntnis gekommen, daß Deutschland die Zah­lungen, die man ihm aufgezwungen hat, nicht aus dem vorhandenen Vermögen zu leisten vermöge, son­dern nur aus dem lausenden Arbeitseinkom­men , das sich für Deutschland bei der Ausfuhr feiner Erzeugnifle ergibt Zu solcher Einsicht wüsten auch alle gutgesinnten Dolksgenoflen kommen, indem sie auch vom Ertrag« ihrer Arbeit willig die direkten und indirekten Abgaben zahlen und nicht sich einbilden, daß von der Beschlagnahm« des Besitzes alles Heil zu er­warten fei. Das Reichsnotopfer, die Vermögens­steuer, die Körperschastssteuer usw. lassen sich noch zeitgemäß ausbauen; aber es kommt ein Punkt, an dem die weitere Beschneidung des Betriebskapitals für die gesamte Volkswirtschaft und für die Wohlfahrt aller Klasten verhängnisvoll werden müßte. Auf der anderen Sette muß anerkannt werden, daß man den Familienvater, der auf Arbeitslohn oder Gehalt ange- wiesen ist, nicht stärker belasten darf, wie es sein aus­reichender Lebensbedarf verträgt

Das fachliche und unbefangene Urteil in Steuersachen zu fördern, wird eine verdienstliche Auf­gabe in diesem Sommer und Herbst fein. Der Re­gierung und den Gesetzgebern darf man die saure ar­beit nicht noch erschweren.

Der Oberste Rat.

Wie der ,Slatin' mitteilt, hat Driand im KammerauSschuß für auswärtige Angelegenheiten erklärt, die nächste Sitzung des Obersten Rates werde in Paris stattfinden.

Die wiederanfbavaerhandkimse».

5» Paris werden in dieser Woche di« Staatssekretäre Bergmann »md Guggenhei- m e r mit dem ftanzösifchrn Wiederaufbauminister L o u ch e r die in Wiesbaom begonnenen Beratungen fortirtzen. Ende der Woche treten die beidersintigen Sachverständigen wegen der deutschen Vieh liefe- rungen an die Entente zusammen.

65 Millionen verstcherungsgelder für Elsatz- Lolhrlugen.

Der Rat des Völkerbundes hat die Vorschläge der Kommission, betreffend die Regelung für die Ueter» tragung von Reserven, die das deutsche Reich auf Grund der sozialen Dersichcwungsgesetze für Elsaß-

Der Sfeuerpian als zerienarbeit.

Das umfangreiche Bukett bet Stever- »orlagen es handelt sich mn em reichliches Dutzend werden jetzt vom Rsichsfinanzmimstermm fertig gestellt. Sn pa Lamento rischen Kreisen neigt man der Auffassung zu, daß die einzelnen Steuervorlagen ein .Ganzes darstellen und zweckmäßig nicht gesondert von einander behandelt rverden können. Die Vorlagen wer­ben zunächst dem Reichsrat zugehen und nach ihrer Verabschiedung Anfang September dem Reichstag zugehen. Um aber die bakdige Verabschiedung der Steuervorlagen zu ermöglichen, ist der Ältestenrat des Reichstages dahin überemgekommen, daß Anfang September mehrere interparteiliche Aus- ffchüffe des Reichstages zur Vorberatung der S t e u e r n o r I o g e n zusmrnnentreten. Man Hoist auf diese Weise die Verabschiedung der Steireruoriagen fo beschleunigen zu können, daß der Reichstag, der noch seiner Sommerpause Anfang Oktober wieder zu- fammentreten wird, sie in erster Lesung erledigen und dem Steuerausschuß überweisen kann.

Den Schülern, die sich der schulfreien Wochen freuen wollten, pflegte man früher recht ausgiebige .Ferienaufgaben aufzuhalsen. Die Schuler smd ent­lastet worden; aber wenn die Volksvertreter :am 2. Juli in die Ferien gehen, so bekommen sie eine igewichtige Portion Arbeit auf den Weg. Ws zum ^Herbst soll die große Steuergesetzgebung vor- 'beraten und möglichst spruchreif gemacht werden. Eine igetDaltige und dornige Aufgabe für alle Arbeitsbienen des Reichstages.

Man muß sich nicht allein in taufend schwierige Probleme des Finanz- und Wirtschaftslebens einarbei» ten, sondern auch mit Geschick und Geduld den Aus- Ul e i ch suchen zwischen den abweichenden Interesten und Stimmungen, die sich bei dieser Ausgabe aus den sozialen und parteipolitischen VerhAtnistenl mit Natur­notwendigkeit ergeben.

Bei der Nottage, in der sich Dsutschkand befindet, fit mit schönen Theorien nicht mehr au3?irfommen, am wenigsten mit der alten Vorliebe für Einseitig­keit. Als Ende der fiebziger Jahre Fürst Bismarck feine Steuerreform möchte, schwärmte er von der Auf­hebung der direkten Steuern und glaube allen Be­darf durch die ausgebauten indirekten Steuern allein decken zu können. Windthorst trat in seinem gesunden Menschenverstand fckfort dieser Einseitigkeit entgegen und prophezeite richtig, daß künftig wie bisher di« beiden Steuerachen nebeneinander notwendig fein würden. Jetzt devckt ein Teil unserer Mitbürger, die neuen schweren L-asten könnten ausschließlich vom B e s i tz" getragen werden, und auf dem anderen Flügel gibt es /Gertte, die alles auf denSer- brauch" schieben möchten. Der Reichskanzler Dr. Wirth hat unlängst in einer kräftigen Rede schon davor gereimt, den Gegensatz zwischen Besitz und Nichtbesitz wie eine Brandfackel in die Derhandluv.gen zu werfen. Es kann sich hier in der Tat nicht um ein .Entweder oder" handeln, sondern wir brauchen heutzutage erst recht alle Steuer- quellen und rille Steuerarten: direkte und indirekte Abgaben, Vermögenssteuern und Einkommensteuern, Opfer von den Desitzem und von den Lohn­empfängern.

Die Sozialdemokratie, die als Kastenpar­tei besondere Neigung hat für Besitzsteuern und de- sondere Wneigung gegen allgemeine Verbrauchs­steuern, fyjt sich (wenigstens in ihrem besseren Teil) schon zur Erkenntnis aufgeschwungen, daß es mit der Einseitigbut nicht geht. Ihr Wortführer im Steuer« ausschuß des Reichstags gab jedoch die Erklärung ab, daß die sozialdemokratische Partei für fehle neue De- I fteuerung des Verbrauchs stimmen werde, bevor die I Regierung eine programmatische Uebersicht gebe, wie I das Verhältnis der Besitzsteuern zu den Verbrauchs- I steuern geplant sei. Das klang wie ein bedenkliches Partei-Ultimatum, doch bei näherer Betrachtung hörte I

Gberfchlefie«.

Freilassung der Geiseln verlangt.

Dem deutschen Botschafter In Paris ist eine Note der Dotschafterkonferenz zugegangen, in der diese be- könnt gibt, daß sie bei der polnischen Regierung vor­stellig geworden sei, um die Freilassung der wlllkür» lich festgenommenen Personen zu erwirken. Gleich- zeitig wird auch die deutsche Regierung aufgefordert, die in einer beigefügten Liste auf- ^führten 117 Personen, die angeblich in Deutschland interniert seien, ebenfalls fnfyugeben. In Wahrheit befinden sich in deutscher Internierung nur einige be den Kämpfen in Oberschlesien Verhaftete, die zum «roßen Teil aber bereits der Interalliierten Kommis, sion in Oppeln zugeführt sind.

Lothringen zurückgelegt hatte, gutgeheißen. Die Kom­mission hat mit allen Stimmen den Wert dieser Re- fernen am 31. Dezember 1920 auf 65 Millionen festgesetzt. Di« erste Rate davon soll Deutschland am 1. 3uli zahlen.

Die Ves-rtzurtsiSkosten.

Der Bnisteler Soicherkorresondent desTemps" teilt mit, daß gegenwärtig von Sachverständi- gen der verbündeten Regierungen die Kosten der Defatzungsarmee im Rheinland geprüft und daß di« Ange­legenheit demnächst in London bei der Zusammenkunft der alliierten Finanzminister geregelt werden soll. Bel­gien wünsche angeblich, daß die Kosten für leben eng­lischen Soldaten auf zwei Goldmark herab- gesetzt würden und daß für die Desatzungskosten eine Gesamtpauschalsumme von ungefähr 250 Millionen Goldmark festgesetzt werden.

Die Auflösung deS Selbstschutzes.

Mit Rücksicht auf den am 80. Juni bevorstehen­den Ablauf der im Ultimatum für die Auflösung der Telbstschutzorganisationen gesetzten Frist hat die Reichs- regietung nunmehr die formellen Bekannt- machungen über die Auflösung der Einwohner­wehren in Bayern, der Orts- und Grenzwehren in Ostpreußen und der Organisationen Escherich erlassen. Durch die amtliche Veröffentlichung dieser Bekannt- machungen sind die Organisationen aufgelöst. Ihre Eintragung im Register ist von Amt» wegen zu loschen. Die Beteiligung an den aufgelösten Organi­sationen ist strafbar.

Eteser Bekanntmachung wird amtlich hinzugefügt: Zuständig für die Auflösungsverfügung sind nach dem Gesetz vom 2. März 1921 die Landesregierungen und wenn diese von der Auflösung absehen, die RetchSregierung. Die beteiligten Landesregierungen baden es zum Teil vorgezogen, die Verfügung der terung zu überlassen. Sie wollen jedoch selbstverständlich, getreu der Verfassung und rn Anerkennung der Zwangslage der NeichSregie» rung, dieser Verfügung Rechnung tragen. Die RelchSregrerung richtet nunmehr an alle Beteiligten « drulgende Aufforderung, auch ihrerseits sich mit Rücksicht auf die Zwangslage in die gegebene Not- Wendigkeit tm vaterländischen Interesse zu fügen.

Unwillkürlich vertrat der Baron dem jungen Mäd- chen den Weg, und aus feinem Jdeengange heraus rief er:Rein, nein, warum wollen Sie gehen? Warum sind Sie plötzlich so schroff und abweisend zu mir: Ich dachte. Sie suhlten wie ich, daß mir Freunde fein woll- ten?" Der seltsame Blick, der ihn aus ihren Augen traf, aus diesen wunderbaren, sehnsüchtigen, dunklen Augen wo hatte er ihn doch schon früher einmal ge­sehen? Aber seit seiner Erkrankung in Sesenburg lag es über seiner Erinnerung an das, was er dort gehört und gesehen hatte, wie ein verhüllender Schleier. Das Euchen nach einer Erinnerung, die mit diesen Augen, mit diesem ganzen liebllchen Gesicht zusammenhing, mar. terte ihn geradezu, es nahm ihn so gefangen, daß er kaum hörte, wie sie in mattem Tone seine Worte wie. derholte:Freunde sein wollen? Es gibt Umnöglich- feiten.*

Die Lippen preßten sich hart auseinander. Der Er. wühlte Karins, der Mann, der dieses Mädchen liebte, der sollte ihr Freund sein? Beinahe hätte sie lachen mögen und dabei weinen, bitter meinen, keine Tränen des Glücks, wie sie einen Augenblick lang, in einer Art Seligkeit, gemeint hatte, sondern Tränen heißen Wehs und tiefster Enttäuschung. Was war nur über sie ge­kommen, als sie plötzlich, weit über die harte, grausame Wirklichkeit hinausgehoben, sich so unbeschreiblich, so wunschlos glücklich gefühlt hatte? Noch bevor er vor ihr stand, noch eh, der Druck feiner Hand, der Blick seiner Augen sie wieder in jenen Rausch bet Seligkeit versetzte, der sie rettungslos in seiner Gegenwart er. faßte? Wirkt« er allein durch seine Nähe so stark auf sie? Trug er ihr Glück so ganz in feinen Händen, daß es sie schon überflutete, bevor sie noch seine körperliche Nähe fühlte ihr Glück und ihr tieffte« Weh, so ge­waltig, so zwingend, daß davor kein Wille bestand, keine Wirklichkeit und Grtenntnis. Sie mußte ihn fliehen, sie durste gar keine Bertraulichkeit zwischen sich und ihm ouffommen lassen. Wie wäre bas überhaupt möglich, Freundschaft zwischen ihnen beider,, dem Freunde ihrer Drotherrin und ihr, der b-zahlten, mit Hochmut über- sehen», Dienerin? Sie war ja hinauszcstoßen aus der

Der Bing der Nuranwja.

Roman von Räte van See ter.

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Sie hatte es nicht hören wollen, das Dienftbotenge- schwätz, auf das sie sonst nicht achtete; aber es war ihr doch wie ein vergifteter Pfeil ins Herz gefahren und hatte sie hinausgetrieben in Sturm und Stegen, hatte ihr Tränen erpreßt, jene Tränen, die sich im Ausblick auf ben Kampf der Elemente so seltsam stolz gewandelt har­ten, daß sie sich und ihr Leid vergaß und es wie eine Prophezeiung von Glück und Hoffnung aut si« hernieder- sank sinnlos, ohne Grund und Berechtigung, aber wundersam tröstend und erhebend. Und mitten in die- fern köstlichen, seelenerquickenden Empfinden stand er vor ihr, faßte ihre Hände und fragte, warum sie meine? Da hatte sie in voller Wahrheit gesagt:3ch meine, weil ich glücklich bin!" All bas war wie ein Traum über sie hingezogen, wie etwas außerhalb ihrer selbst Stehen­des, ein Wunder, eine Offenbarung! Und nun erlosch her süße 2>aum von der Glückseligkeit; nun stand sie auf einmal wieder nackt und arm in der Welt und sah sich selbst und ihr Leben in all seiner Verlassenheit und Erniedrigung.

Der ganze Wandel währte eines Atemzuges Länge. SJtit kurzem Ruck entzog sie ihm ihre Hand und richtete sich stolz auf.Nein, ich bin nur die Pflegerin jenes kleinen Knaben; und nun muß ich meiner Pflicht fol­gen und wieder zu ihm gehen."

Dabei zuckten die Sippen des roten Mundes so herb, vnd der Ton der Stimme war so abweisend, daß er er. schreckt einen Schritt zurücktrat. Ihm galt es ja ganz gleich, ob sie die Schwester oder die Pflegerin des fron, len Knaben war. An solche Nebensächlichkeiten hatte er kaum gedacht. Die Frage war ganz belanglos von f:i- «en Sippen gefallen, und er verstand nicht einmal, daß oon ihr eine Wirkung auf sie ausgehen konnte. Erer- ftenb nur, daß die liebliche, beglückende Vertraulichkeit, die sie ihm ebenso selbstoerstänblich geschenkt hatte, plötz^ sich oon ihr gewichen war, daß sie ihn verlassen wollte. Ml er sie, laum gesunden, wieder verlieren sollte.

Jetzt schoß wieder eine heiße Röte ht ihr Gesicht. Er Gleichberechtigung, aus dem Streife, zu dem sie ihre Ge. , hatte sie gesucht, und sie war ihm oft so nah' gewesen, burt und berechtigt Not des Lebens j wenn ti von Kari» vor tzem Gasthaus flbjMetz nahm,

Zuziehung von Hilfsrichtern beim Reichsfinanzhof wird ohne Aussprache in allen drei Lesungen dahin geändert, daß die Gültigkeitsdauer bis zum 1. April 1923 hinaus» geschoben wird. Angenommen wird ein Entwurf über die Ausgabe von Schuldverschreibungen zur Ausführung des Zahlungsplanes der Reparationskommisston für die Sicherstellung und Erledigung her Reparationsverpflich­tung Deutschlands nach Art. 231 bis 233 des Versailler Vertrages. i

Darauf folgt der Bericht des 13. Ausschusses über ben Entwurf eines Gesetzes betreffend Verlängerung der Geltungsdauer des Gesetzes über Maßnahmen ge­gen den Wohnungsm angel. Die Vorlage wirb ohne Aussprache in allen 3 Lesungen angenommen.

Darauf tritt da« Haus in die 2. Beratung eines Nach, träges zum Reichshaushaltsplan für das Rechnungsjahr 1921 ein und zwar behandelt es ben Haushalt des Reichswirtschaftsministeriums. Im Hauptausschuß sind die für bas Meßamt für Mustermessen in Leipzig geforderten 12 Millionen auf 10 Millionen her­abgesetzt worden. Die Erhöhung der Beiträge für di» übrigen Messen (Frankfurt a. M., Breslau und Stutt­gart) sind gestrichen worden. Der Reichsrat hatte für 12 Millionen Reichsbeitrag für Leipzig plaibiert. Von den Deutschnationalen setzt sich Dr. Helfferich, von der Deut­schen Volksvartei v. Rheinbaben und von ben Demokra­ten Professor Schücking für Wiederherstellung des Reichsratsbeschlusses em. Der Negierungsvertreter. Mi­nisterialdirektor von Schlichen, bittet aus finanziellen Gründen bei voller Anerkennung der großen wirtschaft­lichen Bedeutung der Messen die Beschlüsse des Aus- fchusses anzunehmen. In der Abstimmung werden bte Etalsfummen nach ben Reichsratsbeschlüssen bewilligt, ba das Haus besonders auf der Linken sehr schwach be- etzt ist. Der Präsident bemerkt hierzu, es könne eine ehlerhaste Abstimmung bei besserer Besetzung des Han­es korrigiert werden. (

Der Rest des Nachtragsetats für das Reichswirt- schaftsministerium wstd genehmigt. Darauf vertagt sich das Haus bis Montag. Auf der Tagesordnung steht der Nachtragsetat des Ministeriums für Wiederaufbau, des Arbeitsmimsteriums und des Derkehrsministeriums, fs. wie zwei Anträge, der eine über Außerkraftsetzung der Verordnung über bie deutsche anbeis« flagge und der andere über die Gleichstellung der Frauen in ber Justiz.

Die Länderfrage.

Artikel 18 bet ReichSverfassung sieht bekanntlich für die Länder bezw. Provinzen die Möglichkeit ber Abstimmung bet Bevölkerung über eine staatliche Neugestaltung vor. Die in dem Artikel vorgesehene. Sperrfrist von zwei Jahren läuft am 11 August d. IS. ab, sodaß an sich die Möglichkeit gegeben wäre, sich durch Volksabstimmung vom Staate Preußen loSzuIösen und als selbständiges Land im Rahmen der Bestimmungen der ReichSver» fassung zu erklären.

Das würde beispielsweise auch ffit das Rhein­land zutreffen können. Die gegenwärtige Lage deS Reiches aber würde einem solchen Schritt nicht günstig sein. In Anerkennung dieser Tatsache sind auch, wie seinerzeit gemeldet worden ist, die Par­teien deS Rheinland«» mit Ausnahme der Kommunisten zu dem einmütigen Entschluß ge­kommen, für die Dauer der Besetzung, also für IS Jahren, eine Abstimmung nicht vorzunehmen. Die ReichSregierung hat jetzt ihrerseits wegen dieser Frage mit den Parteien Fühlung genommen.

In den stattgehabten Verhandlungen waren alle Parteien einmütig der Auffassung, daß außenpolitische Gründe zunächst die Vornahme der Abstimmung ver­bieten. Andererseits ist man aber in parlamenta­rischen Kreisen der Ansicht, daß der erwähnte Beschluß der rheinischen Parteien, die Abstimmung auf 15 Jahre zu verfchieben, zu weit geht. Die Besprechung führte vielmehr zu dem Ergebnis, daß die Parteien des Reichstages unter sich vereinbart haben, au» außenpolitischen Eiünden für mindestens ei» Jahr von der Abstimmung abzusehen. Dieser Ver­einbarung haben sich jedoch die Deutsch» Hannoveraner nicht angeschlossen, da sie auf bie

dicht unter dem Balkon, auf dem sie mit Alex saß. Karin! Darüber vergaß sie alles andere, auch den Ring, dessen Anbllck sie so seltsam berührt hatte. Die Mauer, die sie von dem neben ihr Stehenden trennte, wuchs bei diesem Namen wieder riefenhoch in ihrem Erkenne» auf.Es ist gut, wenn Sie mich nicht finden; unsere Wege laufen weit auseinander," sagte sie hart. ,Zch gehe jetzt den meinen, leben Sie wohl!"Das ist nicht möglich! Sie müssen mir sagen, wo ich sie wieder, finden und sprechen kann!"Nein, ich wünsche das nicht." Sie hatte sich jetzt wieder ganz in der Gewatt. 34 bin in abhängiger Stellung, und es wäre sehr nachteilig für diese, wenn man mich im Verkehr mit einem Herrn ber Gesellschaft sähe."Ahl Aber"

Er stockte, ihm tarn erst jetzt, durch ihre Worte her­aufbeschworen, das Seltsame ihres Begegnens und fei­nes Verlangens zum Bewußffein. Er fand nicht gleich eine Antwort, die ihren Einwurf entwaffnen konnte, und sie benutzte feine augenblickliche Verwirrung, fein zauberndes Uebertegen und Bemühen, sich in die Lage zu finden, um rasch vorwärts zu schreiten.

Er stand wie gelähmt da. 3a, sie hatte recht, es war es konnte sein! Nein das war alles Kleinlich, keit und Vorurteil, an das man sich nicht kehre«, mußte. Cs würde einen Ausweg geben. Er war doch kein Wüst­ling, der auf ein lockeres Abenteuer ausging, er meinte es aufrichtig! Was denn? Was meinte er aufrichtig? Gleichviel, jetzt durste er nicht nachdenken, jetzt mußte er handeln, ihr Nacheilen, ihr erklären, ihr versichern! Schnell! Sie war schon dicht vor dem Felsenstück, das dieses Plätzchen so günftig von der übrigen Wett ab« chloß!

Ah! Sein Fuß blieb an der Stelle haften, auf ber er ftanb. Um biefen Vorsprung bog eben eine schlanke, ugenbliche Männergestalt; die beiben prallten fast an- einanber, feine Unbekannte mit bem Unbekannten, und die zwei schienen einander gar nicht unbekannt zu sein. Sie stutzten nur einen Augenblick, dann streckten sich vier Hände einander entgegen; der Sturm trug Laute freudi­ger Begrüßung zu ihm herüber, die Hände ruhten noch immer ineinander. Jetzt zog der Unbekannte den Arm der Unbekannte» in den seinen, und sie ließ es ruhig oelckehs» ^Fortsetzung strlatH