Fuld aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.
48. Zahrg
Samstag, 25. Zunl 1921
Nr. 144
Bezugspreis: MonauichZ.00 Mr. ovne Zustellgebühr. JvFu.üo bet unsabgeholt3,15 2ÜL Anzeigenpreis: Die 91«Iwäeile 'ffoioneimaß) 60 pig„ «. 1l?>« Zuschlag, die Reklnmezeile (TerthTeite> 1.80 ZRL, u. 10*-» Zuschlaq Bet Wiederhol. Rabatt.
Xiet anno ort lid} tür den rteanlontUen Teil: Dr. Lr am er, - füi bk Anzeige«: J. Par»e 11 er-Fulda. s
jtoterttmsbrud u. Vertag der Kwldaer Arllendruckerel in Fulda. Sfrnirtedtet Rr. U. Teieqt.-Bbrefl«: Fuldaer Aettum«
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Derselbr Redner tagte, jetzt fei « an der Zett, ohne Rachsucht den Handel wieder aufzunehmen. Beim Verzicht auf die Rache würde Frmrkreich auch endlich den deutschen Forderungen unb den englischen Wünschen nachkommen und bk Besetzung von DiM- dors-Dui-burg-Ruhrort sowie bk neue Zollink rückgängig machen.
Doch auch diese dun«e Wolke hängt noch cm west, llchen Himmel, ebenso wie die Gewitterwolken im Osten. Di« zwischenspielenden Sonnenstrahlen sind leider noch sehr spärlich und ditim, das politische Barometer kann noch nicht in die Höhe komm«.
Brianv vehgrrt a«f den Sanktionen.
Ministerpräsident vrland gab am Donnerstag im Kammerausschuß für auswärtige Angelegenhüteu Erklärungen über die Sanktionenab. Der Ministerpräsident soll von der Notwendigkeit gesprochen hab«, die Sanktionen, di« ergriffen worden seien, um Deutschland zu zwingen, seine Verpflichtungen zu erfüflen, aufrecht zu erhalten. Da» Kabinett Wirch stütze sich zwar auf aufrichtig, fried- willige Element«, aber jede Schwäche feiten» der Entente laufe Gefahr, die Rechtsparteien wieder ans Richer zu bringen, was einer Wiederbelebung de» alldeutschen Geists» gleichkäme.
Briand sprach dann noch über Me Maßnahmen, um den Amoerbunpen in Deutschland für Oberfchlesi« ein Mel zu fetzen, über die Entwaffnung Deuftchiand» und schließlich über di« Beratungen, die in Wiesbaden über die Reparationsfrage geführt ward« sind.
Was Oberfchlefien betreffe, fo berechtigt« die im Gange befindlichen Verhandlungen nach Briand» Ausführungen zu der Hoffnung, daß man zu einer günstigen und an sich Frankreich entsprechenden Ansicht gelange. Nach seiner Ansicht kann der Zusammentritt der Obersten Rates noch nicht bestimmt werden. । .
Eine Ansicht au- England.
Manchester Guardian' tritt in einem Leitartikel für di« Aufhebung der Zwanglmaß- nahme« ein. Das Blatt fragt, welche« Recht die alliiert« Truppen haben, ht Düffeldorf zu bleiben und mit welchem Recht man weiterhin bk Zollschranken der Alliierten zwischen dem besetzten und unbesetzten Deutschland aufnechterhält.
Die Räumung Gberschlesienr.
Blättermeldungen au« Oppeln zufolge scheinen die Verhandlungen der interalliierten Kommission mit Korfanth über die Räumung Oterschlesien! beendet worden zu fein. Der Unterhändler der Kommission, Oberst Japot, ist aus dem polnischen Hauplquartier noch Oppeln zurückgekebrt. Ter Verbindungsoffizier zwischen der interalliiert« Kommission und General Höser hat sich von Oppeln zu dem General Höfer zurückbegeben mit einem Schreiben der Kommission, das wahrscheinlich den endgültigen Räumungsdefehl enthält.
Nach Mitteilung der von Oberschlefien zurückge» kehrten deutschen Kommission toll die interalli»
Au» Oberschlesien wird gemeldet, daß der Räu- »nmgsplan, den General Höser und Henniker vereinbart haben, von der interalliiert« Kommission angenommen worden sei. Das lautet ja sehr schön, aber die Cache hat doch mehrere Haken.
Mi' Korfanty schweben noch Verharzungen. Sollte er sich für den ftaffelweisen Rückzug erklären, io bleibt doch noch zweifelhaft, ob er dm Vertrag ehr- Ach ausführ« will und kann. Wa» hilft der Rückzug her organisierten Polentruppe, wenn sich in dem ,,ge» »gumterf' Gebiet wieder Bonden auftun, welche die Deutschen ausplündern, verschlepp« und mißhandeln? fjern r bleibt e» noch zweifelhaft, ob bi« „Säuberung" des östlichen Teile» von Oberschlesien in der geplan- ten Frist überhaupt vollstäMg durchgeführt werten wird. Unsere schwer heimgesuckst« Volksgenossen müsse« also in ihren Hoffnungen sehr vorsichtig sein. Und das schlimmste ist, daß in der angeblichen Säuberung noch gar keine Gtwä^t liegt für die Zukunft de» Landes. Der Rückzug der Polen hat ja keinen dauerhaften Wert, so lange sie darauf rechnen dürfen, nächstens noch Entscheidung de» Obersten Rates mit Bauten und Trompeten in den ersehnt« Industriebezirt wieder einzurücken und dort die Vergewaltigung der Deutschen „von Rechtswegen" fortzusetzen.
Auf den Obersten Rat werden wir wenigsten» koch drei Wochen wart« müffen. Sein Zusammen- trel« wird zum 15. Juli angekündigt: ober wenn bie Franzosen ihrer Sache noch nicht sicher sind, wer» ben sie schon weitere Borwände finden, um die Ron« fenmz selbst zu verschiebe« oder bk Entscheidung hin- ieusr »ziehen.
Der englische ÜRirrifter Chamberlain erklärte ßmierding» im Unterhause, Frankreich und England wollten in enger Zusammenarbeit handeln, sowohl was Kleinasien als was Oberschlestm betrifft An dieser Redeblüte steck« für uns zwei Dornen: ersten» macht sich England zu sehr abhängig von der Gunst der französisch« Gewaltpolitiker, und zweitens ist es für Deutschland gefährlich, wenn die oberschbesische Frage Mit der kleinasiatisch« verkuppelt wird.
So bleibt es nach wie vor unsicher, ob wir auf Stands Hilfe rechn« dürfen bei dem Ränkespiel um Oberfchlesi«. Werwoller wäre ee, wenn sich in Pari» die Erkenntnis durchsetzte, daß Frcmkreich sich selber schädigt, wenn es Obcrschlesten den Polen aus- liefert. Sn dieser Hinsicht ist die Nachricht beachtenswert, daß man im Pariser Finanzministerium eine Rechnung aufstelle über den Schad«, den der Verlust Oberschlesiens für die deutsche Finanzwirtschast herdei- führen würde Man schätze die Einbuße an Steuern mtd sonstigen Abgab« auf 7 bis 8 Milliarden Papiermark, und die Verringerung Der deutschen Zahlungsfähigkeit auf eine Halde Milliarde Goldmark, so daß die Zahlung des jährlichen Tribut, an die (Entente gefährdet würde. Dfefe Schadenrechnung wird wohl nicht zu hoch, vielleicht aber zu niedrig sein. Es kommt noch der mittelbare Schaden für die btutithe Wirtschaft in Betracht, w«n durch die künftige polnische Wirtschaft im Industriebezirk die Zufuhr von Kohl« und Halbfabrikat« stock« und dadurch die Deutsch« Werkstätten in ihrer Produktion gehemmt würden.
Mit Recht hat unsor Aufbamniniste» Rakheuau Sei den Verhandlung« mit Loucheur wiederum daraus hingewiesm, daß Deutschland feine beabsichtigten Leistungen nicht verbürg« könne, wenn man ihm Oberschlesien entreiße. Die in Wiesbaden angesponnenen Verhanblungm über den Wiederaufbau sind noch in der Schwebe, und auch ihr Fortgang hängt wesentlich davon ab, ob man sich in Frankreich allmählich bewußt wird, daß ein verstümmeltes und gelähmtes Deutschland nicht zu zahben vermag, was man von ihm verlangt.
Es soll auch in Pari» bedacht worden fein, daß der Verlust Oberschlesiens den Sturz des Reichskabinetis
Bessert sich dar politische Wetter? \ b«r beitet?Sänbern auf, neue g^rtenjtonnte 51 unsene Regierutrgsverhältnisfe brauchen di« Franzos« sich nicht eiltzumisch«; sie soll« sich mir klar mach«, was für ihn eigenen Interessen vorteilhaft ist und mit ihrer Ehre sich verträgt oder nicht verträgt. Dann komm« sie schließlich zu terf eiben Erkenntnis, die in England wieder einmal vom Lordkanzler ausgefpro» cheir word« ist: „Man kann nicht eine große Nation zwingen, eine ungeheure EntschAüguny Anzahlen, wenn dieser Nation die Möglichkeit und bw Mittel rorent- halt« werden, um die Industrie fortzuführen, die sie allein in den Stand setzt, dir Entschädigung |H de-
iette KomMission fest entschlossen fein, I den Aufstand in Ober sch testen zu liquidieren. Bezüglich der Aufstellung einer zuverlä ftgen Polizei und der Beseitigung der von Korfanty ein- getetz « Behörden seien von der Kommi sion beruhigend« Erklärungen abgegeben worden.
Die nette Pollzefiruppr.
Hebet ble zu bildende Poliziltruppe ht dem von den Insurgenten und vom Selbstschutz geräumten vberschlesischen Gebiet meldet die „Doss. Stfl.', daß die Truppe aus angesehenen Bürgern gebildet werden soll. Auf je 100 Einwohner soll ein Mann mit Polizeigewalt ausgestattet werten. Der Plan für di« Bildung der Polizei ist von dem englisch« Major Keating ausgearbeitet worden.
polnische Mrlschafi!
Rach einet Meldung de» ,BerI. Lokakanz." au, Rybnik hat die dortige polnische Aufstandsbehörde we- gm einer Explosion auf dem Güterbahnhof den betrtfdien Kaufleuten eine Kontribution von 17 Millionen Mark auferleqt. Das Geld soll bt, Samstag 6 Uhr bezahlt sein. Ne Auf- ständig« hob« fünf der wohlhobendst-n Kaufleute verhaftet und drohen sie zu erschieß«, falls bie pefor- betten 17 Millionen nicht bezahlt würden. Einer ander« Meldung aus Tarnowitz zufolge hat ter dort eingefefcte neue polnische Magistrat die Auf- etlegung einer Kontribution in Höhe von 2 Missionen Mart zu Gunsten ter Insurgenten-Armee verfügt.
Eine neue deutsche Note.
Die deutsche Regierung bat an bie Botschafter- fünfer«» eine Note übermittelt, die auch den Regierungen tn London, Paris und Rom übergeben Wurde, in der unter Beifügung einwandfreien BeweiS- material« erneut nachdrücklichst Einspruch gegen die Unterstützung des polnischen Aufstau- bei in Oberschlesien durch bie Dienststellen und Angehörige der polnischen Armee erhoben wird. Die deutsche Regierung ersucht dringend, daß die alliierten Regierungen nunmehr durch geeignete Maßnahmen die endgültige Sperrung bet oberschlesisch-polnischen Grenze sicherstellen und damit den Uebertritt polnischer Soldaten und Truppenteile verhindern. Ferner erwartet sie, daß feiten! der Alliierten der polnischen Rerierunq wirkiam jede fernere, wenn auch nur verschleierte Unterstützung bei Aufstandes in Oberschlesien untersagt wirb.
Vom Kleinkrieg in Irland.
Infolge Explosion einer Mine ist der Hintere Teil eine» Militärzuges, in dem sich 104 , Husaren mit ihren Pferden befanden, die von Belieft urückkehrt«, wo sie al» Eskorte bei der Anfahrt de» Königs zur Eröffnung bei nord- rische« Parlament! gedient haben, entgleist. Drei Soldaten wurde« getötet, 20 verletzt; von den Pferde« wurden 80 getötet. Wäre die Mine wenige Sekund« früher explodiert, wäre der vordere Teil te» Zugel, der mit Soldat« voll besetzt war, vernichtet wo, den. Zwei Mä»ner, die von der Unglücksstelle fortliefen, solle« tzo« den Soldaten «rjchosjen worden sein. ___
Deutscher Reichstag.
Einladung des Lanzers Mr AMardeff am Sieusnverk.
Am F r e 11 a g erledigte ter Reichstag zunächst 12 Kn- fragen, lene, zeitraubende Geschäft, da, an jedem Dienstag unb Freitag den Gesetzesberatungen voraus zu gehen pflegt, bei seiner Langatmigkeit keinem rechte Freude bereitet und fast immer vor leerem Hause ftattfinbet. Welt- bewegende Dinge spielen sich da nicht ab, meist werden
Der Bing der Nuramaja.
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' Karin sah, wie Aaro Heinrich» Gesicht sich immer Äefer verschüttete. .Vielleicht heißt sie auch gar nicht mehr so, vielleicht hat sie sich mUtlenneil« verheiratet und ist nur fo unhöflich gewesen, den prophezeienden Geistern keine Dermählungsanzeige zu schicken," lochte sie spöttisch. „Das wäre eig«tlich die nächstliegende Q3. jung Ihre, unfruchtbaren Suchens, Stifter Macleton.*
lieber Han, Heinrichs Gesicht ging ein befreite. Auf- leuchten: «Wahrhaftig, so könnte e, (ein!* — «3a, da» könnte sein,* gab Macleton nachdenklich zu. „Ihr Spott, gnädiges Fräulein, trifft vielleicht in, Schwarze. Rur glaube ich nicht, daß mein Großvater zu solcher An. «ahme neigen wird. Aber erzähl« Sie doch aussühr. kch, Baron!*
Hans Heinrich sprang auf. Hier unb jetzt bie Ge. schichte seiner Familie zur Unterhaltung frember Leute vorzutragen, wäre ihm unmöglich gewesen. Er fühlte überhaupt ein heftiges Verlangen, allein zu sei«, Ord- nung in seine Gedanken zu bring«, Ruhe und Zusam- mensasien in sein Empfinden. E» trieb ihn in die Statur; der Sturm, der eben draußen tobte, paßte In seine Stimmung, und btt Regen, der kalt unb wind- verweht mederfprühte, mürbe die heiße Unruhe in ihm kühlen unb niedertchlagen. «Ein andermal, Stifter Macleton. Jetzt muß ich meiner Kopfschmerzen weg« einen Spaziergang machen. Verzeihung, meine Herrschaften, für die Fahnenflucht*
<Er verbeugte sich und verließ eilig bas Zimmer. Dann atmete er befreit auf. Die mit hundert Rätseln gefüllt« Lust, bie er nun hinter sich ließ, HStte ihn erstickt, wenn er noch länger geblieben wäre. Seine Nerven waren wohl noch immer nicht widerstandsfähig gegen Aufregungen. Es lag ein Druck auf ihnen, den er abwerfen mußte. Luft. Bewegung, ein gewaltsame» Abziehen von ben ihn bestürmenden Gedanken! Gar «icht mehr benten, am wenigsten an bie alte, fabelhafte unb ebenso neu und wahrheitsberechtigt aufge- tauchte Geschichte de» mystischen Ring--», den er an feiner Hand brennen fühlte wie Feucc. Vic tcch:tueti>
_!__L±I_I"I.1!!LJI 1U_____1 'E-IL"!!!!____L1" J-2JLL ILM'BJ der herbe Seewind über feine heiße Stirn strich! Vorwärts, weiter, immer weiter, am Strande entlang, w» bie Wellen mächtiger antobten, sich an einigen vorgelagerten Felsstücken aufsprühend brachen und ben weiße« Gischt empört weit auf bas Land hinaus warfen.
Einsam war *» ja bei diesem Wetter überall, den« die eleganten Kurgäste scheuten den Wintz ernt' Stege«; aber dort, wohin fein Fuß ihn trug, würde es noch ein- ferner fein; denn dort hinter der Ecke tobte der Sturm sicher am wildesten. (Eben bog er um die felsige Rundung. Hui! fuhr ihm der Wind entgegen, riß ihm im un. geftümen Spiel bie Rappe vorn Haupt, wirbelte sie hoch in der Lust herum, warf st« iw btt nächsten Sekunde nieder und sagte sie in tollem Utbermut jetzt ben Dellen zu, dicht vor die Fuß, einer dort stehenden einsamen Frauengestalt, die, vom Sturmgebrau,e taub ge. ge« den Schritt des Nahenden, ben Rücken gegen da» Land gekehrt, regungslos vor dem tobtnten Element stand..
Energisch schlug der Wind jetzt auf den Boden, bie flüchtige Kappe für einen Augenblick auf diesem fest- haltend, gerade lange genug, daß der Ihr nachstürmende Besitzer fie einhol« unb, im Sprunge sich bückend, sie erfaßen konnte. Debet glitt Hans Heinrich» Fuß auf dem schlüpfrig« Boden au», und mit gebeugtem Knie lag et plötzlich zu den Füßen der erschreckt zurücktau- melnd« Dame. Zwei Augenpaare blickt« in sprach- loser Ueberraschung und Verwirrung ineinander; ein er« kennender Aufleuchten in beiden, bann goß sich über Maria Fourriere» blasse» Gesicht ehre heiße Räte, unb ohne Uebenegung, unb ihrem augenblicklichen Impulse folgend, wandte sie sich um unb wollte fortstürze«.
Aber schon stand Han, Heinrich wleber auf feine« Füßen. «Verzeihung! Nein, bitte, flieh« Sie nicht! Habe ich Sie fo erschreckt? Es mar nicht mein Dille. Ich folgte nur dem Beispiel meiner Stoppe, bie sich Ihn« demütig zu Füß« legte. Höflicher kann man doch nicht sein!* Er lächelt« bittenb zu Ihr «lebet unb legte, nur ganz leise unb zart, um sie nicht noch mehr zu erschreck«, feine Finger auf ihre herabgesunken«, bänglich ineinander gefaltet« Hände, unb dabei überkam ihn »Über jene» wunderbare, köstliche Glücks- unb Wohlgefühl, bas er damals empfuntee, als diese» kremte, zarte, junge Srjchvpf« [emtm Her-Meegen
Aber plötzlich sah er, daß ihr Gesicht feucht van Xriü nen war. Sie hingen noch In den langen, dunklen Wimpern, bie sich jetzt verwirrt auf bie nun wieder erblaßt« Wangen legten. „Um Himmel» willen, Sie wein«? Sie leiden? Dollen Sie mir nicht sagen, war Ihn« fehlt? Kann ich Ihnen nicht helfen, Denken Sie, ich sei ehe alter Freund! Mir ist, al» wär, ich ,». Verstau« Sie mir!*
Er hatte unwillkürlich ihre Häute fester gefaßt, und sprach beschwörend, mit innigem Ton, auf sie ein; fein« Augen blickt« angstvoll, zärtlich unb doch voll Ehrerbietung und zarter Rücksicht auf fie nieder. Sie sah e» durch bie gesenkten Lider, sie hörte ben Klang seiner Stemme über dem Sturm, unb Wellengetobe, unb fie fühlte dasselbe berauschende, tiefe Glucksempfinden, das sie damals überflutet hatte, als sie in feinen Armen lag. In nie gekannter Willensschwäche fand sie keine Kraft, von ihm zu geh« unb ihm ihre Hande zu entziehen. Langsam ftieg wieder der warme Rosenschimmer in ihr weiße» Gesicht, und fie hob die gesenkten Lider; «in schüchterne», unbeschreiblich liebliche» Lächeln teilte die weichen, roten Sippen unb drückte in bi« Rundung der Wang« ein tiefe», schelmische» Grübchen.
«Ich weinte, well ich so glücklich war,* sagt- sie mit Ihrer längen, klingend« Stimm«, bie wie Blockenton zu seinem Ohr zog. »Ich liebe da» Meer unbeschreiblich und ben Sturm, unb wenn die beiden wild und iubelnb miteinander ringen, beide so voll Kraft und Uebermut und Seligkeit, bann wird mein Herz weit und stark, bann fällt alle» von ihm ab, was es sonst bedrückt; dann meine ich, all da, auch in mir zu fühlen, was da durch da» Spiel der Elemente klingt, Mut, Hoffnung, Kraft, eine ganze Fülle von stolzen £el gteiten. und bann muß ich wein«, wein« vor Glück, okelleicht auch vor Schmerz unb Sehnsucht — ich weiß nicht recht.*
Sie hatte fast unbewußt gesprochen, ganz im Banne ber augenblicklichen Empfindung, so tief und schleierlos aus diestt heraus, wie sie früher zu ihrer Mutter und bann zu ihrem Vater gesprochen halt«, zu bies-n beiden ihr Teuersten auf Erden, und sonst wie zu einem Mensch«. E» mußt« wohl der Zauber dieser Stunde fein, ber sie fortriß zu solchem Enthülle« ihr« geheimste«
tn ihnen große Kleinigkeit« en, Tageslicht gezs rt
Dann wendet man sich ben Gesetzentwürfen zu. Em Entwurf über den Staatsvertrag bett, den Uebergang ber Wasserstraßen von den Ländern auf bas Reich wird ohne Erörterung an ben 5. Ausschuß überwiesen. Endgültig angenom. men wird die Vorlage wegen Ueberleitung von Rechtsangeiegenheiten ber Konsular- gerlchtsbarkeit ohne Aussprache nach den vor. schläg« des R chtsauslchusses. Und nun folgt ein Entwurf, der dem Haus zur Klippe werden sollte: bie 93 e r- längerung der Gültigkeitsdauer de» Kohlen st euergesetzes. Schon im Ausschuß hat das Gesetz eine Umänderung erfahr«. Nun wettert ber Unabhängige Ryssel dagegen. Bei ber Abstimmuipz wirt da» Unerwartete Ereignis. Denn die Abstimmung bleibt zweifelhaft. Nun gehr» ans Auszählen. Sie ergibt 60 für die Resolution der Unabhängigen, 122 dagegen. Da» Hau» ist nicht beschlußfähig Die Sitzung ist au». Nach kurzer Paus, eröffnet ber Präsident tz' e neue 6 i tz ung. Auf der Tagesordnung steht zunächst die 3. Ls» ratung der Vorlage über die Verlängerung der Kohlen« steuer. Wiederum ist da» Hau» beschlußunfähig. Wa» fall ein kluger Präsident tun: Lobe erklärt, daß die Ab-, fttmmung über bie Entschließung betr. die Sozialisierung de» Kohlenbergbaues noch ausgesetzt werden würde. 6a geht», wenn im Plenum gähnende Leere herrscht. Nach solchen Hindernissen findet aber schließlich bas Gesetz, doch noch gegen die Stimm« der Unabhängig« une. Kommunisten im verlaus ber Sitzung feine Annahme desgleichen der Entwurf über den Staatsgut richt» hot in seinen einzelnen Bestimmungen. Die ©efamtabftimmung mutz ausgesetzt werden, da eine Mehrheit Im Hause nicht anwesend ist. <
Beim nächsten Gesetz über bie b ef chleunlgt» Erhebung de» Reichsnotopfer, unb die Kriearabgabe von Vermögen»zuwach» liegen sich Herr Helsferich unb Herr Ryssel von ben Unabhängigen in den Haaren. Ohne Lärmen geht» b» nicht ab. Auch der Reichskanzler spricht dazu. Da ein» Verständigung unter den Parteien des Hause» bereit» stattgesunden hot, wundert er sich darüber, daß dies« Sache nicht geräuschlos über die Bühne der Reichstage» geht. Man solle bei der ruhig« Obieklioität bleibe» und die Streitaxt begraben. Denn alle, die etwa* wisse» auf steuerlichem Gebiet, gleichviel ob fie recht» ode» link» stehen, und alle die posittv Mitarbeit« wollen, feie» berufen und willkommen, nur jene seien gefährlich, bi» nicht mitgearbeitet haben und sich jetzt fo bat Herstellen, wie e» hier in ter Sitzung teilweise geschieht» Da» Gesetz wirb angenommen.
Darauf wird die?. Beratungde-Nachtroginc e t a t s fortgesetzt und ohne wesentliche Debatte zu End» geführt. >\
3um Schluß wurde nach kurzer Aussprache bie erste, Lesung der Vorlage zur Aenderung de» Bersicherungrgesetze, für Ange st eilte $u Ende geführt. Die Dorlag« wird an den Sozialpolitische« Ausschuß verwiesen. ß
Samstag: Klein« Verlag« unb Haushallungsplän»/
Kommunistische Kinder-Derhetzun-.
Vom 26. Juni bi» 3. Juli ist feitet» der Äomtmmi^ sten dir „R »t« Kinberwoche* für Berlin in Au»» sicht genommen. Die Werbetätigkeit hat in vollem» Umfange eingesetzt. Da» kommunistische Kinw berblatt „Der junge Genosse* wirb in jetetz Hau, und he jebe Schulklasse getragen, um dort Stilttr mung zu machen.
Eo zkht ran burch maßlose Verhetzung ein mtw Geschlecht heran, da» ba» Werf« mit Hanbgrcm-«^ jede Verachtung der Slaatsautorttät sozusagen mit bei Muttermilch einsaugt. Nach ten bisherigen erlassene« Aufrufen zur Koten Kinderwoche wirb man bie Zeil vom 26. Juni bi, 3. Juli als eine große Kampfbew»» gung gegen ben bürgerlichen Staat ausfass«, in tec für die Rechte ter Äugend gestritten werben soll, no» lürlttf) bie Rechte, wie sie bie Kommunisten sehen. Man erftiebt u. a. bie Einführung ber Schülerrät«. Diese sollen voraussichtlich bie Vorfrucht fein für b» kommend, Rätediktatur. Unb wenn „Der junge Genosse* in einer Aufforderung an feine Leser sagt; „Denkt daran, was ihr sonst noch für Kamps»
Aber nun, auf einmal, wurde sich Mar a tefien bt» mußt, unb fl« erschrak. Der fremde Mann! Das Blut schoß ihr von neuem in die Wangen, unb sie wollte ihm ihre Hände entzieh«. „Aber ba, kann Sie doch nicht interessieren!* — „Ganz gewiß interessiert mich ba»* Er hielt Ihre Hände fest. „Sagt« ich Ihnen nicht schon» daß mir zumut« ist, nie wäre ich ein alter Freund vor» Ihnen? S, gibt wohl Sympathien, bie, vom erst« Sehen an, zwei Menschen kn gegenseitigem Verstehen und in Einklang verbinden. Fühlen Sie da, nicht auch?^ Da, Glücksgefühl, da, betörende, verwirrte ihren fonflj so klaren Sinn. „Ja*, sagte sie, ohne zu wissen, daß fl» e, sagte. E, klang unb fang au, ihrer Seele heraus hr jubelnden Melodien.
Seine Lugen leuchtet« auf. „Seh« Sie! Mir fön« nen Sie alle, sagen; ich verstehe Sie unb möchte Ihnen helfen. Sie miss« selbst nicht, ob es Glück war ober Schmerz unb Sehnsucht, wa» Sie meinen machte. Ich ab«» glaube, es ist kein Glück, von dem man nicht genau weiß, daß e» Glück ist; e, war Schmerz und Sehnsucht! Wollen Sie mir nicht sagen, worin beide wurzelten?* — „Wenn man allein strht in der Welt, ohne irgendein« Seel», zu der man gehört, niemand hat, von dem mmt gebraucht wird. —* „Der kranke Knabe gehört md* vrrwandtschafl! ch |u Ihnen?*
Sie schrak zusammen. Da, Märchenland, ln dem fl, eben, losgelöst vorn Alltag de, Leben», geweilt batte, versank mit einem Schlage vor seiner in bi« Wirklichkeit hineingreifenden Frage. Sie war sofort wieder Mari« Fourriere, die Pflegerin und Erzieherin von Alex L«. banoff, drin Bruder der fchöncn, blonden Karin, und de» vor ihr ftebenbe Mann, der noch immer ihre Händ« hiclt, unb dem ihre Seele mit ben starken Flügeln ber, Liebe unb Sehnsucht zuflog war ber reiche Kavalier, von bem bie Zofe lachend gesagt hatte: „Den wird bie stolze Hoheit wohl endlich erhöre«. Der hat ja alle», war sie haben will. Geld unb Namen, unb |» 'n lieber, schöner Mensch ist et nebenbei. 6r kann einem ordentlich leid tu«, daß «r der zum Opfer fällt. Aber er sitzt Ja schon halb m der Fall-, er will', wohl nicht e«tee»l*
Eorljetzung tclfllj *'**”*'