M141.
Mittwoch, 22. Juni 192L
Fuldaer Zeitung
Druck der Fuldaer Netieudrmkerei in Fulda
Jugendpflege und Versicherungswesen.
P a p p e r t, Kreikjugendpfleger.
f Der MMer für Volksroohlfahrt hat im Interesse 6er Jugendpflege neue Verträge mit der Frankfurter Allgemeinen Versicherungsgesellschaft und dem Allgem. Deutschen Derslchenmgsverein A.-G. in Stuttgart ab> geschloffen, deren Kenntnis für die an der Jugendpflege beteiligten Vereine und Organisationen von Intereffe fehl dürste. Ich gebe deshalb an der Hand der amt- Scheu Verträge im folgenden einen Auszug der roesent- Schsten Bestimmungen. Die Verträge sÄbst können Derzeit bei dem derzeitigen Kreisfugendpfleger (Lehrer Pappert, Bachrain) oder auch beim Landratsamt ein* tzesehen werden. Eine beschränkte Anzahl der Verträge jann von mir auf Antrag größeren Organisationen und Vereinen zur i sügung gestellt werden. Für Heinere Vereine dürfte sich die Aufbewahrung vor* Begruben Zeitungsausschnittes empfehlen.
Die Verträge treten ab 1. April 1921 in Kraft und freien an Stelle der bisherigen vom Jahre 1913 und 1914. (gegenüber diesen Verträgen weisen die neuen Verträge erhebliche Aenderungen zugunsten der ver- ficherten Jugendlichen und Jugendpfleger auf. Be- merft fei nach, daß der unten erwähnte Beitrag von 25 Pfg. für jeden Jugendlichen vom Kreis getragen wird.
I. Versicherung der Jugendlichen gegen Unfall. (Vertrag eom 28. Februar u. 14./17. März 1921.) Die Versiehe- rung umfaßt alle Jugendlichen männllchen und weiblichen Geschlechts im Alter von 14 bis 20 Jahren, die Mitglied ier den Orts*, Kreis* und Bezirksausschüffen für Jugend- pflege angeschloffenen Iugendvereinimingen sind. Die Der. pcherung erstreckt sich auf all« Unfälle, die den Jugend* kichsn beim Betriebe der Jugendpflege im Sinne der ein* schlägigen Ministerialerlasse zustoßen emschl. der Unfälle auf dem Wege unmittelbar zu und von der Tätigkeit. Eingeschloffen sind ferner Unfälle, die sich während einer beim Betriebe der Jugendpflege eintretenden Ruhepause ereignen.
Dre Kosten der Versicherung betragen für jeden Jugend* Ikchen jährlich 25 Pfg. Sie sind von dem versicherten Jugendlichen' bezw. seinem Verein aufjubrinnen und im Anfang des Versicherungsjahres an die vom Regierungspräsidenten (in Berlin dem Oberpräsidenten) bestimmte Stelle abzuführen.
Ms Entschädigung werden gewährt 2500,— 'M für den Todesfall, 25 000,— M für den Jnvoliditätsfall und 7,50 M. Tagegeld bei vorübergehenden Unfallfolgen.
Richt versicherungsfähig und trotz für sie geleisteter Prämienzahlung nicht versichert sind Personen, die an Geisteskrankheit, Syphilis oder Epilepsie leiden, siech, Mnd, taub oder schwer nervenleidentz sind oder Glied* maßen entbehren, deren Verlust nach den Bestimmungen dieses Vertrages mit einer Invalidität von 60 Prvz. und darüber «nzuschätzen fein würde. Dasselbe gllt für Personen, die in den vorangegangenm fünf Jahren an Geisteskrankheit, Syphilis, Epilepsie oder schwerem Nervenleiden gelitten haben oder von einem Schlaganfall betroffen war* den sind. Personen, die mit sonstigen erheblichen körperlichen oder geistigen Krankheiten oder Gebrechen behaftet sind, sind dann nicht versichert, wenn sie diese gekannt haben oder hätten kennen müssen.
Ausgeschlossen von der Versicherung sind:
1. Unfälle infolge von Schlag*, Krampf- Ohnmachts* crtb Schwindelanfällen, von Geistes- oder Bewußtseins* pSnmgen, es fei denn, daß die Unfälle oder Störungen durch einen DersicherungsfÄl hervorgevufen waren.
2. Unfälle, soweit durch sie Bauch* oder Unterleibs* brüche irgendwelcher Art. Wasserbrüche, Unterschenkelge* schwüre, Krampfadern, Darmverschlingungen oder Dann* Verschließungen, Entzündungen des Blinddarmes oder fei* «ter Anhänge herbeigeführt oder verschlimmert worden sind.
3. Beschädigungen infolge von Eingriffen, die der Versicherte an seinem Körper vornimmt und bei Operationen, soweit diese nicht durch einen Unfall bedingt sind.
4. Unfälle bei Benutzung von Flugmaschinen und ande» een Luftfahrzeugen.
Auf die noch §§ 18 und 19 des Vertrages als anderweit versichert gellenden Jugendlichen findet der Vertrag keine Anwendung.
& Verhalten bek Unfällen.
\ Hat «in Unfall stattgefunden, so ist
1. unverzüglich den Gesellschaften (Anschrift: Frankfur- ker Allgemeine Versicherungs-Aktiengesellschaft in Frankfurt a. M.) schriftliche Anzeige zu machen und binnen zwei Wochen nach dem Eintritt des Unfalles eine Schoden* omneldung auf dem von den Gesellschaften zu liefernden Formular unter wahrheitsgemäßer Beantwortung aller Fragen desselben an die Gesellschaften abzusmden. Etwa weiter von den Gesellschaften oder deren Beauftragten ver- langte sachdienliche Auskünfte sind wahrheitsgemäß zu er- teilen.
Ist durch den Unfall der Tod des Jugendlichen herbeigeführt worden, so hat die Anzeige binnen 24 Stunden an die Gesellschasten, zu Händen der Frankfurter Allae- meinen Versicherungs-Aktiengesellschaft in Frankfurt a. M.
Ausstellung der Deutschen tandwirt- schastr-Gesellschaft in Leipzig.
In Hannover, vor 7 Jahren, unmittelbar vor Krlegs- msbruch 1914, war die letzte Leistungsprüfung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft. Unter großartiger Beteiligung der nordwestdeutschen Landwirtschaft und Intereffenten aus allen Gauen des deutschen Reiches konnte gezeigt werden, was rastlose Arbeit der Wiffen. schäft und der Praxis zu erreichen vermocht haben.
De« Krieg unterbrach die Reihen der Ausstellun« gen. Er hatte den Viehbestand ruiniert, die landwirt» schafüiche Maschinenfabrikation eingeengt, der Wiffen* fthast das Waffer abgegraben. Jetzt mußte, trotz aller finanzielle.n Gefahren einer derartigen Ausstellung für fcie Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft, ein Wiederauf- richtungsversuch gemacht werden.
Seuchengefahren und der Mangel an paradefähigem Lusstellungsgetier ließen das Großvieh einstweilen au», scheiden. Aber die Maschinen sprachen dafür um so deutlicher'.
Die Großvieh-Ausstellung wurde ersetzt durch Dor. führungen des Vereins für deutsches Halbblut, durchweg beweisend, daß das Halbblut pferd eigentlich das einzige Tier bei uns in Deuffchland ist, das den Krieg ohne Schaden überstanden hat. Sogenannte „Materialprüfungen" von schweren Kraftpferden in schwerem Zug ergänzte diese Veranstaltungen: sie werden sicher bald Nachahmung finden, weil bisher ernslliche Versuche dieser Art zur Hochzüchtung des Arbeitspferdes fehlten.
Da» Rindvieh konnte wegen der Seuche, die im »*igen Jahre so gräßliche Lücken geriffen und die Milch- produktion des vergangenen Winters auf das elendeste ,'edergedrückt hatte, nicht zu einer Ausstellung versammelt werden, ganz abgesehen davon, daß sie das Ausstel- lungsriffko um das Vielfache vergrößert hätten. Aber der Film ist ja da. Er konnte — ob von heute ober von ftüher, steht nicht dabei — einige erlesene Hochzucht- proben vorführen, Tiere aus den großenSch'ägen, „hoch, adlige" Tiere mit langer Ahnenreihe und hohen Leistun- gen der Vorfahren. Diese Filme, die später auch wohl im ganzen Reiche den Intereff»"sen zugänglich gemacht »erden, boten das Bild der Tier« eigentlich neck des.
unmittelbar telegraphffch (Teleannmn-Adresse: Fronkona werden, boten das Bild der Tiere eigentlich noch bef* Franksurtmoin) zu erfolgen und zwar «ich dann, wenn der Unfall bereits ongemeldet ist.
2. unverzüglich, spätestens am zweiten Tage nach dem Eintritt des Unfalls und demnächst dauernd bis zum Abschluß des Heilverfahrens ein approbierter Arzt zuzuzichen und für angemessene Krankenpflege sowie für Abwendung und Minderung der Folgen des Unfalles noch Möglichkeit zu sorgen.
Wegen des sonstigen Verhaltens wird auf die näheren Bestimmungen in 8 9 des Vertrages verwiesen.
Die Kosten der von den Gesellschaften geforderten Zeugnisse des von dem Versicherten zugezogenen bchan- delnden Arztes werden von den Gesellschaften tnsoweft getragen, als die betreffenden Aerzte für ein Anfangszeugnis nicht mehr als 10 M, für ein Zwischenzeugnis nicht mehr als 6 M und für em Schlußzeugnis nicht mehr als 8 M berechnen.
II. Versicherung der Jugendpfleger und Iugendpflege- rirnien «regen Haftpflicht. (Vertrag vom 21. Januar u. 11./15. llärz 1921.) Die Versicherung erfolgt m Preußen auf Staatskosten und umfaßt sämtliche auf dem Gebiete der Jugendpflege im Sinne der einschlägigen Ministerios- erlöste wirkenden männlichen und weiblichen Personen (Jugendpfleger und Jugendpflegerinnen, Leiter und Leiterinnen der den Orts-, Kreis- und Bezirksausschüssen für Jugendpflege angeschlostenen Vereinigungen, Vereine und Verbände sowie deren Stellvertreter und Stellvertreterinnen). Sie schließt auch die Stoots- und Gemeinde* beamten em, soweit ihnen eine Haftung aus ihrer dienstlichen Tätigkeit im Jnt-ereste der Jugendpflege erwächst. Die Versicherung tritt ein, falls die Vereinigungen oder die Jugendpfleger usw. auf Grund gesetzsicher Haftpflicht- bestimmungen in Anspruch genommen werden.
Die Haftung der Gesellschaften ist für Personenschäden unbegrenzt, für Sachschäden einschließlich Tierschäden begrenzt auf 20 000 M. Beschäd'gungen von Sachen durch Explosion oder Feuer sind in die Versicherung eingeschloffen. Ausgeschlossen von der Versicherung sind:
1. Versicherungsansprüche oller derjenigen Personen, die den Schaden oorfätziich herbeigeführt haben;
2. Hastpflichtansprüche von Angehörigen der versicher- tat Personen. Als Angehörige sind nur anzusehen: Ehegatten, Eltern, Schwieger* und Großeltern, Kinder und Enkel, Adoptiv«, Pflege- und Stiefeltern und -kinder;
3. Hastpflichtansprüche, soweit sie aus ®mmä> des Vertrages oder besonderer Zusage über den Umfang der gesetzlichen Haftpflicht hmausgehen:
4. die noch den §§ 15 und 16 des Vertrages als ander* weit versichert geltenden Vereinigungen bezw. Personen.
Verhalten bei Haftpflichtfällen.
Wird gegen den Versicherten ein Haftpfsichtanspruch erhoben, der Gegenstand der Versicherung ist. so ist Innerhalb zweier Wochen den Gesellschaften (Anschrift: Frankfurter Allgemeine Versicherungs-Aktiengesellschaft in Frankfurt a. M.) schriftliche Anzeige zu erstatten. , Die Frist beginnt mit dem Zeitpunkt, an dem der Hastpflichtanspruch geltend gemacht worden ist. Durch die Absendung der Anzeige wird Me Frist gewahrt.
Wird der versicherte zu einer gerichtlichen Derhand- lung über den Anspruch geladen, so fft, wenngleich die Frist noch läuft, die Anzeige unverzüglich nach Empfang der Ladung zu erstatten.
Der Versicherte ist verpflichtet, den Gesellschaften alle Schriftstücke, die sich aus den Hastpfsichtanspruch beziehen, zu übermitteln und jede von ihm verlangte Auskunft zu erteilen, die Nachweise, die er kiefern tarnt, zu verschaffen sowie die Gesellschaften bei der Abwehr unbegründeter oder zu west gehender Hastpflichtanfprüche noch Kräften zu unterstützen.
Die gleiche Anzeige- und Auskunftspflicht besteht, wenn wegen eines Ereignisses, aus dem ein Haftpflichtanspruch hergeleitet werden könnte, ein polizeiliches ober strafrechtliches Verfahren eingeleitet wird.
Dem Versicherten ist es nicht gestattet, irgendwekche Haftpflichtansprüche, die gegen ihn erhoben werden, ohne vorherige Genehmigung der Gesellschaften anzuerkennen ober zu befriedigen oder einen Vergleich abzuschließen, es sei denn ,daß die Befriedigung und Anerkennung nicht ohne offenbare Unbilligkeft verweigert werden kann.
Entsteht aus einem Versicherungsfall ein Prozeß, so daß er von den Gesellschaften im Namen des Versicherten zu führen. Die erwachsenden Unkosten bestreiten die Ge» fellschasten.
Im übrigen wird auf die näheren Bestimmungen in den §§ 5 ff. des Vertrages verwiesen.
III. Versicherung der Jugendpfleger und Jugendpflege, rinnen gegen Unfall. (Vertrag vom 24. Febr. u. 12./17. März 1921.) Die Versicherung erfolgt in Preußen auf Staatskosten. Sie erfaßt olle jeweiligen Leiter und Leiterinnen, Jugendpfleger und Jugendpflegerinnen fowie deren Stellvertreter und Stellvertreterinnen derjenigen Vereinigungen, Vereine und Verbände innerhalb Preußens, die den Orts-, Kreis- und Bezirksausschüsten für Jugendpflege angegliedert sind.
Die Versicherung erstreckt sich auf alle Unfälle, die den genannten Personen bei dem Betriebe der Jugendflege im Sinne der einschlägigen Ministerialerlasse zustoßen einschl. der Unfälle auf dem Wege unmittelbar zu und von der
ser, als diese selber es in den Ständen auf der Ausstellung vermocht hätten; denn sie erschienen in Bewegung und von allen Seiten, ließen alfo ihre Formen und ihren Charakter bester als auf einer Ausstellung hervortreten. Kolostale Serie, in ihrer ganzen Erscheinung zur Hochleistungs-Nachahmung anregend, wichtige Dor. bllder für den Wiederaufbau der Viehzucht.
Getragen wurde die diesjährige Ausstellung von der Industrie landwirtschaftlicher Maschinen. Der Katalog verzeichnet fast 9000 Nummern. Natürflch sind das nicht alles verschiedene Maschinen, aber selbst wenn dabei viele Dutzend Eggen und Pflüge und viele Dutzend Kraftpflüge und Dreschkästen waren, so blieb das Ganze doch noch eine fast unübersichtliche Fülle von Anregungen aller Art. Neu waren neben den kleinen Motorpflügen, deren Wert vorläufig noch nicht über allem Zweifel erhaben ist. die Kartoffelernte- Maschinen, die die Kartoffeln ausaraben, durch Ele. vatorsieb- reinigen und hochführen, um sie dort in Ein- füllbehälter fallen zu lasten. Auch sonst bot die Ausstel- lung viel neue Gedanken auch an alten, schon vorhan. denen Maschinen. Die Vorbereitung der Industrie auf umfastende Ausfuhrtätigkeit in solchen Maschinen ist je. densalls mit größter Emsigkeit betrieben worden, und es ist anzunehmen, daß es ihr gelingen wird, sich auf dem Weltmärkte zu behaupten.
lieber eine Spezialindustrie kann nicht hrnweggcsehen werden, well sie in der letzten Zeit In erhöhtem Grade an versorgungsberechtigte Kriegsteilnehmer und entwur. zelte Angehörige anderer Stände heran tritt. Es ist die Fabrikation für Geflügelzucht. 3n der Eierpro- duktion sollen ja alle yie, die da in anderen Berufen nicht unterkommen können, heute ihr Hell versuchen. Brutapparate, die da Tausende von Eiern ousbrüren, werden mft größtem Getue angeboten. Es ist ja zweifellos allerlei erreicht worden, aber man tut gut, mehr als 50 Prozent „Schlüpfer" aus den eingelegten Eiern nicht zu erwarten, nur dann geht man einigermaßen sicher; dann aber ist es mit der Rentabilität meistens fehr schlecht bestellt.
Allez in allem ist die Ausstellung ein Beweis für ben glänzenden, festen Willen der deutschen Landwirtschaft, im Wiederaufbau des Vaterlandes Höchstes zu leisten; und man kann nur hoffen, daß ihre Anregungen überall auf guten Boden falten werden, .
Tätigkeit. Sie erstreckt sich auch auf Unfälle, die sich wäh- renb einer bei dem Betriebe der Jugendpflege eintretenden Ruhepause ereignen, sowie ferner auf Unfälle der Teilnehmer und Teilnehmerimten an Aus- und Fortbildungs» lehrgängen zur Förderung der Jugendpflege.
Als Enffchädigungen werden gewährt 5000 M für ben Todesfall, 30 000 M für den Invalid itätsjall unb 15 M Tagegeld bei vorübergehenden Unfallfolgen.
Im übrigen gelten die Ausnahmebestimmungen persönlicher und sächlicher Art, die unter I bei der Unfall- Versicherung der Jugendlichen angegeben sind, auch für die Unfalloersicherung der Jugendpfleger.
Die noch §§ 19 und 20 des Vertrages als anderweit versichert geltenden Iugerchpfleger fallen nicht unter diesen Vertrag.
Verhalten bet Unfällen.
Für das Verhalten bei Unfällen gelten die vorstehenden Bestimmungen unter I über die U-falloersicherung der Jugendlichen bezw. die näheren Bestimmungen in § 9 des Vertrages.
lieber die Aufhebung bestehender Settrage be- stimmt der Vertrag folgendes:
§ 19. Verträge, die von Iugendpflegevereinen und -verbänden mit einer der beiden Gesellschaften geschlossen sind, treten, sofern diese Vereine usw. den staatlicherseits angeregten Organisationen für Jugendpflege ungegliedert sind und einen Antrag auf Aufhebung ihrer bisherigen Verträge bei der betreffenden Gesellschaft stellens außer Kraft.
§ 20. Die anderweit versicherten Leiter und Leiterinnen, Jugendpfleger und Jugendpflegerinnen sowie deren Stellvertteter und Stellvertreterinnen der den Orts- usw. Ausschüssen angegliederten Jugendpflege- Vereinigungen werden für di« Dauer ihres mit einer andern Gesellschaft geschloffenen Vertrages bei dem vorstehenden Vertrag nicht berücksichtigt.
---- —-
Aus der katholischen Welt.
--- kardinal Bertram an die katholischen Akademiker. Anläßlich der Bonisattustagung in Berlin fand eine Versammlung der katholischen Akademiker statt. Aus der Schlußansprache des Kardinals Dr. Bertram erwähnen wir folgende Sätze: Wirken Sie überall, wohin das Leben sie führt, für den Bonifatiusverein, namentlich im Lehrberuf und in den Akademikerbe- fprechungen. Stolz und hochmütig sprach ein Dichter: „Sos gewöhnliche Volk halte ich fern von mir." Wir wollen so nicht sprechen. Uns soll voranleuchten das Wort Jesu: „Ich habe Mitleid mit den Masten." Gemeint ist das schlichte, einfache Volk. Lasset die Verbindung zwischen denAkadernikern und dem Volk immer inniger werden! Das ist namentlich in diesen Tagen notwendig, wo der Kampf um die Grundlagen des christlichen Glaubens so heftig geworden ist . . . Sagen Sie nicht: ich haste das gemeine Volk, nein: teilen Sie aus den Früchten Ihrer Studien dem einfachen, schlichten Mann mit! Suchen Sie dem irrenden, wankenden Bruder nützlich zu sein! Die Mahnung des Heilandes an die Fischer: „Werfet das Netz tiefer, sie gilt auch für die Akademiker. Nun eine weitere Bitte: Höret auf die Sprache der Kirchei Sie ist unsere Mutter! Auch für sie gilt das Dichterwort: „Muttersprache, Mutteriaut, o wie wonnesam, wie traut!" Vertieft euch in die Liturgie; sie ist die Sprache der Braut Jesu Christi, eine Sprach«, die vom hl. Geist ausgeht. Wie mancher Akademiker hat schon darüber geklagt, daß er unter der steten Beschäftigung mit der Bildung des Inielletts und der Sorge um das tägliche Leben leide. Auch er braucht Taborstunden, wie sie der Heiland so oft suchte und fand. In diesen Stunden macht euch vertraut mit der Liturgie der Kirche! Studiert sie. Es gibt kein herrlicheres Lied als das Gloria in excelisis in seinen einzelnen Teilen. Di« Literatur aller Völker hat fein schöneres Gebilde als das Ave märte ftella, und nichts Wunderbareres als das Tedeum. Studiert di« Schönheit der Liturgie in den einzelnen Teilen der hl. Meste, ftubiert die Zeremonien der Kirch«, den Aufbau des Kirchensahres! Vertieft euch in das Studium und ihr werdet es finden, rote fo mancher junge Soldat, der aus dem Felde heimkehrend zur Mutter sprach: Bei dir ist es am schönsten! So wir, wenn wir die Sprache unse- rer Mutter, die der Kirche, hören. Studiert di« Kirchengeschichte und verfolgt die Entwicklung aller Kulturstaaten. Sie zeigt, daß die gcroaltige Entwicklung der Kultur von den Bischofssitzen und Klöstern ausgittg. ... So werdet ihr Zug um Zug ein gewaltiges Wirken der katholischen Kirche erkennen, ein Wirken, von dem Me sittliche Hebung, das geiftige Leben, die Wissenschaften und die Wohlfahrt des gan* zen deutschen Volkes feinen Ausgang nahm.
Kleines Feuilleton.
— Tägliches Frühsaften sollte sich jeder Mensch angewöhnen, besonders jeder mit schwachem Magen, denn es gestört zur naturgemäßen, die Gesundheit erhaltenden Lebensweise. Bei Körperpflege denkt man zumeist an die Pflege der Haut und der Muskeln durch Baden, Bewegen usw. und man vergißt nur zu oft, daß auch der Magen gepflegt werden muß, denn er ist eins der allerwichtigsten Organe. Ist der Maae« krank, dann ist eS der ganze Mensch. TeS Nachts entleert sich langsam der Magen und legt sich in Falten. Diesen Magenfalten klebt nun ein zäher Schleim an, der sie vor Druck schützt. Frühmorgens, wenn man aufgestanden ist, sieht der Magen innen wie ein mit Schleim austapezierter Raum aus. Deshalb füllte jeder ohne Ausnayme früh nüchtern erst reichlich frisches Wasser trinken, im Winter etwas temperiert, nie zu falt. Dadurch löst sich der zwecklose Mogenschleim, gelangt mit in den Zwölffingerdarm uud von da weiter in die Dünndärme, auf die er abführend einwirkt, was an sich von besonderem Vorteil ist. Durch daS Wastertrinken wird der Magen gereinigt und hierdurch wieder die wichtige Magensaftab on- dernng bedeutend gefördert. Das geschieht aber nun eben nicht plötzlich. Man warte deshalb mit dem ersten Frühstück, bis sich ein wirkliches Hungergefühl einstellr, etwa eine halbe bis eine Stunde, die man ruhig mit Arbeiten oder Zeitunglesen auSfüfien kann. Ißt man gleich noch dem Aufstehen, so mischen sich Schleim und Speisen durcheinander, und die Magen- iaftabionberung wird zum Schaden einer geregelten Magentätigleit gehemmt. Versuche man also, sich das Frühfasten anzugewöhnen, und man wird stet« auch Appetit haben, wenn man Hunger bekommt, weil der Magen hübsch gesund ist. mo.
— Warum man recht viel Zucker effe« soll. Ein Stück Wür elzucker hat gewiß jeder einmal in der Hand gehabt, aber wohl" kaum sonderliche Studien damit getrieben. So ein kleines, süßes Ding ist jedoch gar nicht so uninteressant. Zucker besteht bekanntlich auS Kohlenstoff, unb mit Kohle kann man Wärme erzeugen. Durch die Wärme wiederum lassen sich motoujche Kräfte hervor bringe«. Verbrennt mau
aas dem klachdargeviet.
spd. Salmünster. Die Staatsanwaltschaft Hanau hat nunmehr gegen den 32 jährigen Artisten Karl Liberum, auch Herzberger genannt, der vor einigen Tagen seine Geliebte ermordete, die steck» briefliche Verfolgung ausgenommen.
me Bad Orb. In der Kinderkolonie auf der Wegscheide, die von der Frankfurter Kinder» Hilfe ins Leben gerufen wurde, spielten Jungen mit der außer Betrieb befindlichen Förderbahn. Dabei stießen zwei Wagen zusammen und vier Jungen der Merton-Oberrealfchule verunglückten schwer. Etn Junge dürfte kaum mit dem Leben davonkommen.. Den Kindern war übrigens strengstens jede Berührung der Bahn verboten worden.
A Aus dem Werratale. Die Holzfirma Weibler tt Eo. In Kassel hat in den Westthüringer und in den Werraforsten bedeutende Mengen Duchennutzhölzer an» gekauft, die in den verschiedensten Arien zu Eisenbahnschwellen zubereitet werden. Gegenwärtig werden täglich Hunderte von Festrnetem Buchen zu diesem Zwecke verarbeitet. Im Monat Juli muß die erste größere Anlieferung zur Wioderinstcmdsetzung der französischen Bahnen an Frankreich erfolgen.
A Würzburg. Ein ebenso verdienstvolles, wie eigenartiges Unternehmen zur Förderung der Kunst und des Haimatgedankens wurde am Samstag vormittag in Würzburg eröffnet Es stehen jetzt in ben Residenz die Prunkräume, die Zeugen vergangener Pracht und kunstfroher Zeiten, zur musealen Besichtigung offen: die Balthasar Neumann-Pläne sind aufgelegt und eine Ausstellung fränkischer Künstler führt uns ein in das Schaffe« der Gegenwart _________
ttusGberheffen und den hessischen Aeinteru.
A Marburg. Das Berufs- und Dergünsiigungs» amt des Allgemeinen Studenten-Ausschusjes Hai folgerten Aufruf erlassen: Bürger, Akademiker! Hunderte von Studenten sind brotlos! Es ist wirklich ein Märchen, daß die Studierenden alle reich« Mittel haben. Der größte Teil von ihnen muß hungern. Vergebens wenden sie sich an unsere Ge» schästüstelle. Wir können ihnen kein« Arbeit _ Nachweisen. Jeder Arbeitslose erhall seine Unterstützung, nur der arbeitslose, aber arbeitswillig« Student wird nicht berücksichtigt. Helft uns! Gebt uns Brot! Wi» wellen keine Almosen, wir wollen Arbeit! Wir wollen billig und doch sorgfältig arbeiten. Unsere akademische Jugend führt ein Leben, das sie kn kurzer Zett dem Ruin entgegenführen muß! Der Tuberkulose ist Tur und Tor geöffnet. Wenn hier nicht sofort ge* halfen wirb, ist der Schaden nicht mehr gut zu machen.) Unzählige Studenten können nur ein oder zwei Mahl- zeitm am Tage zu sich nehmen! Sucht jegliche Arbeit, auch körperliche. Besonders erwünscht sind Angebote in: Nachhilfestunden, Korrekturenlesen, Garten- und Landarbeit. Helft uns! Es ist die höchste Zettl
vermischter.
• Starke Erdstöße in Unteritalien. Yn Messina und Reggio ereignete sich eine Reihe stärkster Erdstöße, die von unterirbifeben Geräuschen begleitet waren. Ein Teil der Bevölkerung kampiert unter freiem Himmel, indessen sind infolge neuer Bauart der Wohngebäude vorläufig keine Schäden zu verzeichnen.
* Am und en auf offener See aufgesunden. Der norwegische Nordpolforscher Amundsen ist auf offener See von einem amerikanischen Schiffe auf» gefunden worden. Wie au8 San Francisco gemeldet wird, war Amundsen voy Alaska aus zu einer Expedition abgefahren, die eine Dauer von sieben Jahren haben sollte. t
Sommersprossen — weg! ""WU 2etbenlaef8bttinnen teile «nentgelttiltz mit, auf welch einfache Weise ich meine Sommersvroiien gänzlich beseitigte.
Stoa Elisabeth Ehrlich, »ranksnrt a. M. Schlietzfa» 41
LjBcirol beledigt idmell.sidier und schmerzlos ^Hühneraugen ./‘nomhaut.SdwIeten „Warzen, Jn flpelheken * Drogerien e-KÄtdch
Zenfral-Droger le, Zentral-Paiiage.
ein Stückchen Würfelzucker, so bleibt nichts übrig als ein kleines Häufchen tiefschwarzer Asche. Was aber ist verloren gegangen? Man hat eine bedeutende „Energie" wie die Gelebrten sagen, nutzlos eniweichen lasten! Ein Stück Würfelzucker von nur 5 Gramm Gewicht repräsentiert nämlich 20 Kalorien oder 8480 Meterkilogramm, d. h. einen Energtewert, der hinreichtt um eine 84 Kilogramm schwere Last 100 Meter hoch zu heben! Nach statistischen Berechnungen wurde vor dem Kriege pro Jahr und Kopf in Deutschland ca. 12 Kilogramm Zucker verbraucht, oder täglich 33 Gramm. Damit könnte man also ein Gewicht von fast 2 Zentnern fast 900 Meter hoch heben, das ist zweimal so hoch, wie der Pariser Eiffelturm. Diese gewaltige Energiemaste verbraucht der Mensch jährlich nur allein im Zucker, eigentlich noch viel mehr, denn jede mehlhaltige Nahrung, die er zu sich nimmt, Brot, Kartoffeln, Hüliensrüchte usw. wird im Magen ebenfalls in Zucker umgesetzt. Sv sieht man also, wie vorteilhaft, ja sogar wie notwendig es gesundheitlich für die Erhaltung der Muskelkraft ist, wenn man mit Zucker nicht gar zu sehr spart. Este man reichlich Kompotts, Marmeladen usw., vor allem aber auch Honig! Hoffentlich bestem sich allgemach die Zuckerverhältntsse, so daß man die schöne Mahnung auch wirklich befolgen kann.
— Allerlei Weisheit. In ben Pariser städtischen Pfandhäusern sind ständig 50 000 bis 60000 Trauringe vorhanden, die aus Not als Letztes von den armen Leuten versetzt werden. — Bei Ausgrabungen in der Gegend von Theben hat man Mumien gefunden? deren Zähne teilweise mit Goldplomben versehen waren. Es muh a'so schon im alten Aegypten Zahnärzte gegeben haben. — Die Geschwindigkeit eines Gedankens beträgt nur ungefähr 30 Meter in der Sekunde. — Jedes Dorf auf Samoa hat eine Herberge, eine sog. Faletale, wo Wanderer völlig freie Aufnahme finden. —DaS älteste Kochbuch, das man kennt, ist bereits 1475 in Venedig erschienen. — Beim Begräbnis einer unverheirateten Brasilianerin gilt scharlachrot al# Trauersarbe. — Die Erfindung des Füllfederhalter# geht auf da# Jahr 1780 zurück. Damals konstruierte ein Leipziger Mechaniker eine solche »gefüllte Feder".
bewahrt, Schachtel M 3 -