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48. Zahrg

Mittwoch, 22. Zunl 1921

Nr. 14.

genau wie ihre Vorgängerinnen trägt, ist zwar fünft-

kn, insbesondere die Erziehungsberechtigten, muffen nachdrücklichst auf Ausführung des Absatzes 2 des Art. 146 drinnen Der Art. 120 der Verfassung, der da lautet: „Die Erziehung des Nachwuchses zur leiblichen, seelischen und gesellschaftlichen Tätigkeit ist oberste Pflicht und natürliches Recht der Eltern, über deren Betätigung dir staatliche Gemeinschaft wacht," stützt ihr Anrecht auf Schulen ihres Bekennt- niffes. Was den religionsfeinLlichen, linksliberalen Eroßstadttehrern in ihrer Forderung nach der religions­losen Schule recht ist, ist den gläubigen Christen (denn weite evangelische, namentlich rechts gerichtete »reife vertreten dieselbe Forderung) billig. Lei den E r • zirhungsberechtigten liegt die Entscheidung.

Cie gilt es aufzuklären. Die Gesamtheit der deut- scheu Bischöfe hat bereits gesprochen, das fitrtemDort unseres Bischofs mahnt zum Festhalten an der guten konfessionell-katholischen Schule, der Katholtsche Lehrerverband des deutschen Reiches tritt mannhaft und geschlossen dafür ein rote f:ine letzte Derireterversammlung am 27. und 28. Mai bewies. Le gilt eine geschloffen« Phalanx zu schaffen im Kampfe zur Verteidigung der konfessionellen Schule. Machen wir es dem D. L. D. nach: Bis ins kleinste Dorf muß die Aufklärung kommen. In allen katholischen Vereinen, bei Versammlungen der Elternbeiräte, an Elternabenden usw. muß diese wich­tige Frage Gegenstand von Vorträgen bilden, es gilt der Gegenseite zu zeigen, daß wir auch noch da fmb und einen uns erneut ausgezwungenen Kamps nicht scheuen, es gilt aber auch unseren erprobten Volksver- tretern, die bei den Beratungen des Gesetzentwurfes keine leichte Stellung haben werden, zu beweisen, daß das gläubige Christentum, insbesondere das treue katholische Volk hinter ihnen steht.

Denken, liebevoll im Handeln, und von seinen Mittnen- scheu und besonders von feiner Familie als maßgebend in allen Lebenslagen angesehen.

Ich sage das, damit Sie nicht glauben, mein Groß­vater sei ein unklarer Träumer, altersschwach geworden und geistig nicht mehr ganz vollwertig. Er hat nebst vielen anderen Liebhabereien auch eine große für Ge­mälde. Sein Leben lang hat er gesammelt, und die Kunsthändler aller Länder wiflen, daß er ein Kenner ist und daß ihm für eine neue schöne Erwerbung selten ein Preis zu hoch ist. Er ift and) bis vor wenigen Jahren noch immer selbst herumgereist, wenn es galt, etwas ihm besonders Angezeigtes zu prüfen. Jetzt hat er Gicht und das Reisen ift nicht mehr seine Sache: deshalb werde ich jetzt damit betraut, mir die Sachen anzusehen und zu beurteilen, ob etwa» für ihn geeignet sei. Ich habe einige ihn zufriedenstellende Treffer gemacht, und als vor fünf Monaten in Paris die Galerie eines be­kannten Sammlers zum Verkauf kommen sollte, trat ich wieder eine Reise nach dort an.

Diele schöne Sachen gab es da, aber nichts für den betonteren Geschmack meines Großvaters. Auf einmal steht da vor mir ein Bildnisi Ich taumele beinahe zu­rück — eine dritte 2Raja! Dasselbe Bild, das mein Großvater zweimal in seinem Arbeitszimmer besitzt und dessen Geschickte er mfr einst in einer vertraulichen Stunde wehmütig erzählt hat.

Rein, nicht ganz dasselbe! Frischer in der Farbe, leuchtender gemalt, ganz in Sonne getaucht ein blühen- des, lebensvolles Bild; aber aus dem zarten, lchönen Frauengesicht blickten dieselben dunklen Augen, lächelte derselbe schön geschwungene Mund, leuchtete in wunder, barer Schönheit, säst plastisch au» dem Bilde heraus» tretend, die schlanke, durchgeistigte Hand an der?" Ring, finger der schwere Gelbreif mit dem blutroten Stein glänzt Maja, die junge, schöne, glückt che Maja, wie sie die testen mir bekannten Bilder geigen, nur einer neueren Zeit angehörend, denn dos weiße Kleid, das sie

ternehmunasgeist Gleich wollte er hinüber nach Europa, um das Bild selbst zu holen und eigenhändig Nachfor­schungen nach feinem Schöpfer zu tun; denn — das war das Unangenehme an der Sache — ich hatte auf und an dem Bilde nirgendwo einen Namen oder ein Maler- Zeichen gefunden, eben nur jene besitzanzeigenden Worte' „Mein Weib." Und auch sonst hatte keine der bei dem Berkaus beteiligten Personen eine Ahnung oder einen Anhalt, von wem es stammen könnte. Der Besitzer bei Sammlung mußte es anscheinend erst kurz vor seinem plötzlich eingetretenen Tode erstanden haben; aber we und wie wußte niemand, da der betreffende fierr fast unausgesetzt auf Reisen lebte und bald hier, bald da seine Entdeckungen und Einkäufe machte.

Leider ließ die Spannkraft meines Großvater» ebenso schnell nach, wie sie gefrmmen war; feine Gicht machte sich gerade durch die Aufregung verdoppelt streng be- merkbar, und der Kauf des Bildes, sowie olle Forschun. gen darüb-r fielen auf meine Schultern. Ich bin bann wochenlann in allen Hauptstädten Europas und bei allen Kunsthändlern von Ruf mit einer künstlerisch genau übermalt n Photographie des Bi'des herumgercist. über» all nackhörend, ob man dieses Bild ober nach der Art seiner Autfasiung und Technik leinen Maler kenne. Das Bild kannte niemand; über den Maler gingen die An­sichten auseinander, ließen sick aber durch dir Rationali­tät dach einigermaßen etnfthränfen, denn die Worte .Mein Weid' deuteten Io bestimmt auf einen Deut'chm hin, daß andere In Betracht kommende ausländische Maler zurückgewiesen wurden.

Zuletzt blieben zwei, ein Paul Fettmann und ein Freiherr Kurt von Münchenhauten-Waldeneck, ersterer Bildvismaler. zweiter Landschafter Don beiden konnte der Nachweis nicht geführt werden, daß sie gerade dieses Bild gemalt hätten; nichts ihm Aehnliches war von ihnen bekannt, aber beide waren in Ma'art und Auf­fassung des Bildes sehr ähnlich und beide leit Jahren von bet B asische des ftunftlebcns spurlos verschwun­den

-Fortsetzung folgt.)

trägt sie einen Im Geschmack der neunziger Jahre ge- formt'n Goldfchmuck. Eine junge Maja lebt, muß le­ben ober gelebt haben, denn sonst könnte sie nicht ge­malt worben fein! Sie ist auch keine Nachahmung eines der Silber, die mein Großvater besitzt, denn in sein ge. fchwungenen, blutroten Leitern sieben unten in der einen Ecke des Gemäldes die Worte: .Mein Weib". Deut'che Worte. Also muß der Gatte und Maler ein Deutscher sein, und man kann ihn finden! Was wird mein Groß­vater fügen?"

Der Erzähler machte eine Pause und sah, ohne jede verständliche Beziehung, wieder nachdenklich nach Ebba hin, deren Augen diesmal auch voll selbstvergessener Spannung an ihm hingen. »Run?" klang e» in fein nachdenkliches Verstummen von allen Seiten hinein, und Frau von ßebanoff rief interessiert: „fiat er gar nichts baoon geahnt ober geträumt?" — „Nein," lächelte ber Erzähler, setzt wieder ganz bei ber Sache „Seit jenem bamafigen Traum, ber ben Tob feiner N'chte — denn bas war sie so wohl — meldete, hat mein Großvater nie Bieter ahnungsvolle Träume gehabt, wenigstens kerne, von benen ich wüßte. Ich tagte es schon, er war Zeit feines Lehens ein fehr nüchterner, oanz im Züchen ter Wirklichkeit ft-chenber Monn, ber erft in ter letzt-» Zeit eine Schwenkung In mystische Gebiete macht. Damals, als ich do, Bild fand, ahnte und träumte mein Groß, »ater nichts Ich überraschte ihn oollkommen, als ich mit bem Dorkauterecht bei ihm eintraf und meine Mir- teilimg machte Nie in meinem Leden ha'ne ich den sonst sehr beherrschten. Willensstärken alten fierrn so auf­geregt unb fassungslos geloben, wie bei me-ner Erzäh­lung. .Sie hot gelebt! Ihre Art chr- Rackkommen leben vielleicht noch, unb ich bem sie anvertrau« war. !ah sie nie; ich konnte nichts für sie tun! Unb ich habe doch f-m-r heimlich gefühlt daß do no» ein S ück von ihr au* Erden wandle, habe mich banach gelehnt mein geben lang, unb es nicht finben können Unb nun 'chon am Rembe be» Grabes, trifft mich ein Zeichen, und es bieter si« mir die Möglichkeit, ein Ebenbild von ihr nodi einmal hier auf Erden wieberzulehen!"

Ich habe me>n-n Großvater kaum wied-rerkanvt' ein ganz anderer war er. plötzlich verjüngt und voll Un-

rcits durch das Gesetz erledigt. Auch die Anträge bet Deutschen Dolkspartei und der Deutschnationoien, Er- leichlerungev für Gewerbetreibende unb lanbwirtsckaft» siche Betriebe anzustreben, bittet die Regierung abzu­lehnen. Die Reg-erung erfmbt vielmehr um Annahme des vorliegenden Gesetzentwurfes, weil er in feiner ge« genwäriioe» Faffung ber Förderung desW ahnu"gsbauei> unb ber M sberumi ber Arb-ttssosinkeit durch Wi-d-rhe. lebung her Bautätigkeit am besten zu dienen vermag.

Abg. Gulkneckl (Dn.): Die bisherigen Maßnahmen zur fiebung ber Bautätigkeit sind ohne Erfolg vebli-ben, obwohl bie Reaieru.ng d'sl-'ug 10 4 Milliard-- zur Woh- unusb-rstellung zur Verfügung ftent". Für ben oe- werblick-n Mittel'tond bedeutet das Getetz eine unge- heitre Belostunn. Erft bie Freigabe des Dcutw-fens kann wirk'ome Abhilfe 'chasfen. Die Zwangswirtschaft wirkt auck hier h-mmenb.

Abg. Silb-rlckmldt (Soz.): Der Gesetzentwurf ist lrbiglick eine Fola- ber Wobnunosnot unb Arhettslosta- Ht. Aus der Unterstützung ber Bautätigkeit burch S!aa*«mittel ergibt fick, baß auch das Bes * tzrecht rn ben Wkchwmaen ein Reckt der Allgemeinheit (ein muß.

Abg Dr. Maretzky ID. Vv): Eine Linderung ter Wohnungsnot ift nur durck Beiebunn her pri- vaten Bautätigkeit mögl'i ch Bereits em Diertel ber sämtlichen Reubaut-n bebürfen staatkich-r Zuschüffe. envalifimtnq des Baugewerbes ist ausge- Mosten. Ehe Re'ckauten in Angriff genommen werten, sollte man bie Mansarbenmohnunqen austzauen Die rücksick'stosen bebörblicheu Einariff» in dos Privatleben durch Abttennunq v"n Wnhnräumsn müllen u"bebmgt etngeftellt werben. Wir stimmen der Vorlage im gan- 3?n 8?hä. fiuhnt (Unabb.) verwirft alle diese Vorschläge als Stückwerk. Dollsozialisierung ist das Gebot der Stunde. „„ ,

Ab» henden'avn fSrnnnvmtff): Das Wohnimas-send hat Hofer gefedert, die an Zahl die Krteasvpfer bereits überffeiaen. Rur die Diktatur des Proletariats kann Deuffchlantz retten.

Abg. Frau Lanq-B-uhmann (Soner. Dv): Ein Z t. schlau zur Einkommensteuer märe insofern zmeckmahig, als sich bann eine soziale Abstufung von selbst ergeben hätte.

Ab«, Saht (Dem) wend-t sick a-eam die k-m-nu. vlstischen nebertreibunaen. Man sollt- das konft-lift'fck. Softem nichr n-rbnm-~en. denn es hat dock -etchlick Wob- mmgen zu b'lliaen M'etsvreisen zur Verfügung nestelt. Das Gesetz ift ein Fortschritt. Reftm-n Sie es boh-r an. Damit sM-ckt b’e Aussprache Der grundlegende § 1 wird anaenomm-n.

Aba. Frau Dr. Math ID. Vv) b-antra-t. daß öff-m. sich» Untrenebmungen. d-e einen G-w-rb'betrieb z"w G-genstanb haben, nickt abgabenfrei sei sollen, meit sonst bie gf-'ich-n privaten Iln'ernebmungen benvchte'siat wür- dsn. ®er Antrag wird abaes,ebnt. rbenfv ein fi e r a t lDnar. Vv). wonack öffentliche Gas-, Wasser, und Ekekttizi»ätsw-rke, D-rkehrsaufne-en, Mm-kr- unb Kühlballen, sowie Schlachthäuser vbaabssr-i fein fall-n. Abgel-hnt wird ferner bet unabllänoige Antrag, Dolks- unh Gemeokfckoftsbänser ft-i f 'taffen.

Bei § 8 b-grkinbef Aha. B-vIHi-n (D Bp.) einen Komnromißnntra» auf Cftnffihri'.ni eines § 8» ma-wch hfe oberste Lo"heshebtzrde beft'mm-n kann, daß anstelle der Abgabe Steuern vom Grunbnermögeu ober Zu- Wäge erhoben werben «-innen, weiche annähernd ben» felb-n Ertrag liefern muffen.

Refchsaobiütsmfnistcr Dr. Braun erhebt Bebenten gegen ben Antrag.

Diefer wird trotzdem angenommen, eben'o der Rest des Gesetzes mft einer Entschließung zur Förderung des Dohnunashaues auf dem Lande.

Mittwoch Interpellation T r i m b o r n (Ztr.) über ha» Grubenunglück bei fi e r n e, si-ine Dortag-n. na­mentliche Abstimmung über das Mißtrauensvotum ge­gen Dr. Wirch, dritte Lesung der WoHnungsabgabe.

Der Arbeitsplan des Reichstages.

Ter Aeltestenrat des Reichstage? bat bescktoffen, bah bei den Beratungen her Nachtrags- etatS nur die Aenderunaen be'ptocken werben sollen, damit bie'e Etatsberaiungen noch vor den Sommer­serien erledigt werden können. In die geordneten Ctcftsbcratnngen soll dann i rn derbst eingetreten werden. Ter ReichStga wird demnach am 2. Juli ben gegenwärtigen TagungSabfchuitt beendigen können.

chung der Interpellation verzichten zu können. Der Abg. Burlage beantragte die Ueberroeitung der Vorlage in den ersten Ausschuß. Nmi aber setzte die Obstruktion der Rechlen ein. Der Abg. Schiele beantragte die Besprc- chung, die Deutschnai ovalen und ein Teil der Dolkspartei erheben sich dasür, die Unterstützung reicht aber erst aus, cis sich noch unter brausender ficiterfeit des Hauses einige Kommunisten erheben. So mußte die Be- fprechu-ng über einen restlos und zwar zur Zusriedeiih-it von allen Teilen erlcbißten Gegenwand ausgenommen werden. Das nennt man dann Förderung der parlamen- torischen Arbeit. Run aber kam das Schönste: fiergt unb Fraktion beantragten das Mißtrauensvotum! Für D e Einbringung dieses Antrages erheben sich nur die an- w-senden 29 Deutschnationaten, unb die linterftütiung rtich-e erst aus, als sich die zwei im Büro sitzenden deuitch- nationafen Abgeordireten ebenfalls für den Antrag er» heben. Die Kommunisten Meiben sitzen! Aber damit immer noch nicht genug: nachdem stunden'ang vollständig zwecklos gerebet worden war. stellten bie Deuischnaftono 'M schließlich auch noch den Antmg auf namentliche Ab- stimmung über dos Mißtrauensvotum! Der Donall zeigt, wessen wir uns bei Umsichgreifen solcher „Politik näch­stens noch zu versehen haben werbenl

Dor Eintritt in die Verbandluna dorftehenber An- gelegenheii nedackte der Reichstagspräsident be? in der letzten Nacht verstorbenen Abgeordneten der U.«. V D. Aberhvlb, ebenso gedenkt er ber Grubenkata- sirophe bei Herne, der nach bisheriger Zahlung 78 Bergleute zum Opfer gefallen find. Da? Hau? er­hebt sitz zu (Ihren der Verstorbenen von den Piahen. In einem Schreiben sucht der ReichSministerS des InnerndieGenehmigung zur Strafverfolgung des Abg. v. d. Kerkbotf (bin.) wegen Steuer- bin terziebung unb Bestechung nach. Auf Antrag des deutschnationalen Aba. Schuitz-Bromberg wiid so­fort die Genetimwun, erteilt, oh,re daß der AuSschutz sich damit,u befaffen braucht.

Nach der Erledigung ber Beamien-Interpellatron werden die Gesetzentwürfe über ba? beutsch-poinifche Korridorabkommen, übet ben Er, änzungSverttag zum deutsch-polnischen Amnestievertrag, über die deutsch- chinesischen Vereinbarungen bezüglich Wiederberftellung br8 FriedenSzustandeS, über das bcuisck.franzosricke Abkommen bezüglich der Erstattung der von Elwß- Motbtimen aelersteten oußervrdentiicken RriegSauSgaoen und über bas Abkommen zwischen Deutschland und ben alliierten Hauptmächten bezüglich Festsetzung einrer Abschnitte bes Grenz- und oe» Saar .ebicte? ohne Aussprache in 2. und 3. Lesung angenommen. Der Nachtragsetat für 1921 wird an den HauShaltungS- auSschuß überwiesen.

Dann wendet sich da? HauS dem Ge,etz über bie Erhebung einer Abgabe zur Förderung des Wohnungsbaues zu. sMietsteuer.)

Die Abgabe bet 8«t b Prozent des NutzunaSwerter (Mietwert). Die Abgabe soll lediglich zur Förderunz der WohnungSbeschnffungund be? TiedlungS- wesens verwenbet werden unb sich nur auf Gebäude beziehen, die vor dem 1. Jul' 1018 ferti'^stellt fin^

Reichsarbeitsminister Dr. Braun: Die Vorlage ist das Ergebnis einer Wahl zwischen mehreren Hebeln. Sie bedeutet aber eine wesentliche Derbes- ferung gegenüber dem Rotges-tz vom 13. Februar 1921. Innere Gründe, die für die Vorlage sprechen, find die Beseitigung ber Wohnungsnot und die Belebung ber Dautätiakeit. Ne noch wie vor nur durch große Zuschüffe ermöglicht werden kann. Bei Freigabe des Wohiungs- markt-s müßte dagegen mH einer erheblichen Steigerung ber Mieten gerechnet werden. Das würde auf wenig soziale Zustände hinaustaufen. Im übrigen müßte lebe Art brr Sozialisierung des Wohnungswesens, sofern sie die Kosten ber Neubauten aufbringen soll, mit einer Steigerung der alten Mieten verbunden wr*cn. Di- in. folge unserer Geldentwertung steigerungsfähigen Woh- nungsmieten müßten zunächst der Allgemein- holt nutzbar gemacht werden. Soweit sich aus der Vorlage etwa Lohnerhöhungen ergeben, würden auch sie zux notwendigen Sanierung unseres Wirtschaft», lebens erfolgen. Dem Anträge der Soziatd-mokraien, öffentliche Bauten nickt in Privateigentum iiberqeh-n zu lassen, kann die Regierung zust'mmen Dagegen ist der unabhängige Antrag, wonach Dolkshänser usw von bet Abgabe ausgenommen werben sollen, für die Regie­rung unannehmbar. Die Entschließung der D»utschen Volkspartef. die beftimmt" BnrWäg» ühcr bl- Bennen« düng ber Wohnungsabgabe enthält, ist im übrigen be«

Ums Reichsichulgeletz. i

Der vor» legte Entwurf zum Reichrfchulgefetz, drr auch den im Art. 146 Absatz 2 der Verfassung niedrr- getegten Verhältnissen Rechnung trägt, hat alle Geg­ner 'der BekenntniLschulen auf Len Plan gerufen. Ins- betender: ist es irr Deutsche Lehrerverein, bet in seiner 29. Vertreterversammlung zu Stuttgart am 16. Mai schärfsten Kampf der konfessionellen Schule erneut onsapie. Die daselbst gehaltenen Reden smd in einer Schrift zusammengefaßt „Die Zer- trümmerung der deutschen Volksschule". Alle Redner sind sich darin einig, daß der vorgelegte Entwurf zu Fall gebracht werden muß, Tews forderte „zu einem restlosen Kampfe in jedem Orte, in jedem Lande auf." Er selbst „klärt" in einem Rrdnertournee durch alle großen Städte das Volk aus, in welch großer Gefahr die Einheitsschule ist.

Man hat zur Bekämpfung des Entwmfs ein neues Schlagwort erfunden, um dir Massen aufzurüttcln: Lews führte in Stuttgart und di ser Tage auch in Kassel aus: „Die alte Bekenntnisschule war immer noch eine S t a a t s schule, die Bekenntnisschule, die Weltanschauungsschule dieses Entwurfs ist eine Schul« der Kirchen . . es geht zurück tn die Kirchenschule". Begründung: Nach dem Entwurf darf nicht nur der Religionsunterricht, sondern auch aller übriger Unterricht in den Bekenntnisschulen bskenntniswäßig gestaltet werden.

Nun muß sich der Deutsch« Lehrerverein von der tinksliberalen „Frankfurter Zeitung", also riner unverdächtigen Zeugin, in ihrer Nr. 396 vom

Mai hierzu folgendes ins Stammbuch schreiben taffen.

„Der Deutsche Lehrerverein har sich zu dem Kampfe gegen den Gesetzentwurf ein Schlagwort zu- rechtgemackt: „Die nendeutsche Kirchenschule". Es ist nicht da» einzioe, was er vorbringt, aber der Kern, um den sich seins Agitation gruppiert ... In einem Ar- likes des Zeitungsdienstes des D. L. B. wird das noch dahin erläutert, daß nach dem Entwurf die kirchlichen Bekenntnisse von sich aus den Volksschulunterricht in die Hand nehmen, unb das sei nicht die alte vom Staate eingerichtete bekenntnismäßioe Trennung der (Lchnten, sondern die Kirchenschule. Ater das ist nicht die Ku- chensckule, sondern eine Entstellung der Tatsachen . . . Es ist ganz irreführend, die Bekenntnisschuie als Kir« chenschule zu bezeichnen. Denn es ist gar nicht der Fall, daß die Kirch« die Bekenntnisschule dem Staate gus der Hand nähme, sondern die Bestinmiungen, z. B. über die staatliche Aufsicht, die für die Schule über« Haupt gelten, finden selbstverständlich auch auf die Be­kenntnisschule Anwendung . . . Die Dekenntittsschule ist ebenso rote jede andere Volkeschulan in den vier untersten Jahrgängen Grundschule .... Wie kann man das Kirchensckuie nennen, da doch der Staat die GrunLlinien der Volksschule allgemein, also, auch für die Bekenntnisschulen festlegt und selber die Durch- sührung beaufsichtigt? . . . Men gewinnt den Ein­druck. daß diese Lehrerkreise in ihrer Enttäuschung da­rüber, daß ihr Schrlideal nicht verwirklicht wird, die rechten Maße verloren haben. Es ist aber an der Zeit, sie wieder zu gewinnen . . .*

Auf dem Stuttgarter Dertretertag wurde auch be- schloffen, den deutschen S t a d t e t a g mobil zu ma­chen, da durch die Beibehaltung oder Schaffung der Bekenntnisschulen unnötige Kosten erwachsen würden, die nach amerikanischem Muster von denen getragen werden sollten, i elch- die Einrichtung solcher Schulen sarbern. Dabei sind bis heute die konfessionellen schu­len die Regel, setzt sucht man diese zu einer Sonder­schule (auch der Gesetzentwurf nennt sie so!) herabzu- drücken. Hiergegen muß schärfster Protest eingelegt toerben.

Eines ist aber aus der Agitation des Deutschen Lchrcrvereins, der es verstand, die Lehrerschaft nahczu zur gefarten deutschen Bevölkerung in Gegensatz zu bringen, zu lernen: Alle Freund« der Bekenntnisschu-

Deutscher Reichstag.

Parlamenfs|obotafle van rechts.

Die Enreme berühren sich unb sie arbeiten sich gegen­seitig in die fiartb! Welche groteske Formen gerade da­nn politisch-parlamentarischen Leben annehmen form, zei- aen die Vorgänge dieser Tage im Reichstag. Rack »er mit außerparlamentarischen Mitteln versuchten Parla- ments-Sabotage der Kommunisten wird von dem entgegengesetzten Extrem, den Deut; chnativ- na len, mit parlamentarischen Finessen ber Reichsregie, rung beizukommen gesucht. _ ___

Wie ein Blitz aus heiterem firmmet — soweit man ben parlamentarischen Aimmd heut« als heiter bezeichnen mag — sauste im Reichstag« in ber Dienstag-Sitzn»g em — Mißtrauensvotum auf bas Kabinett Wirth hernieder. Gleich einem der eisigen Schauer, bie. auf bas fiaus herniederp raffel den, wirkte diese „Aktion . R:ch. handelte es sich um bas Ultimatum oder eine sonstig« hoch­politische Frage, bei der sich über Bertrauen oder Miß- trauen gegenüber ber Regierung hätte reden lassen, es stand vielmehr lediglich eine Interpellation betreffend die Ergänzungsprüfung von Beamten ber Be« foldungsgruppe VI zur Debatte! Aber auch diefer Anlaß war ben Deutschnaiionalen gut genug, zur Bekun­dung ihrer Obstruktion u. Opposition. Alles beide hatte um so nnn'ger Sinn, Äs der Reichskanzler, diesmÄ in seiner Eigenschaft ais Re!chssinanzminister unter stürmischer Heiterkeit ber erdrückenden Mehrheit des Hau­ses darauf Hinweisen konnte, daß die Interpellanten ge- rade ein Jahr zu spät kommen! Denn er, der Kanzler, ist damals Äs Reichsfimmzmlnister schon für Int Wünsche der Interpellanten eingetreten, und er hat da­mals Widerstände gerade aus den Reihen derjenigen ge- fimben, di« jetzt diese Interpellation an die Reichsregte- rang gerichtet haben. Mit Recht konnte der Kanzler dartmi darauf verweisen, daß eine M'ßtrauensbekundung aarnicht einmal die jetzige, sondern vielmehr die srüher« Regierung treffen wurde. Der Reichskanzler tat aber noch ein" übriges: Er tagte restlos zu, daß die Beamten sofort in die Bezüge von Klaffe VII eingesetzt werden sollen, und daß auch sonst alles geschehen werde, um die rück- wirkend« Zahlung zu sichern. Damit waren all« Bedenken ausgeräumt, alle, aber auch wirklich alle Wünsche erfüllt. Unter diesen Umständen glaubte man im Haus-, zumal angefufjt» ber sonstigen Geschäftetage, auf eine Beipre-

Fuld aer Zertung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

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Er Hai bann geheiratet, hat sich einen Ruf als Ge. genau wie ihre Vorgängerinnen trägt, ift Zwar turnt- lehrtet unb Erfinder erwerb n unb ift dabei alt unb lert'd) vereinfacht unb verschönt, aber doch bei Mode erst grau geworden, aber immer geistig sehr irisch, klar im 1 kurz verstossener Jahre angepaßt, um ben weißen Hal»

Der Ring der Nuramaja.

Roman von Käte van Beek er.

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Sie bllcb lange aus, länger als die ungünstigste Fahrt dauern konnte; bann mußte man annehmen, daß dem Schiff ein Unglück zugcstoßen sei, und so ergab es sich denn auch. Das Schiff war an der spanischen Küste bei einem entsetzlichen Sturm gescheitert, unb nur einige Leute der Besatzung hatten sich durch einen glücklichen Zufall gerettet. Von einem der Geretteten, den mein Großvater nach langen, mühsamen Nachforschungen er- kundcte, erfuhr er bann, daß Frau Maja schon schr front an Bord des Schiffes gekommen, nach wenigen Tagen verschieden unb ihre Leiche ins Meer ge'ertft worden war Die alte Dienerin und das kleine Mäd­chen. desien sich ber Matrose mit besonderer Liebe ent­sann, und von besten fremdartigem Aussehen und beton­terem Liebreiz er begeistert erzählte, feien bei dem Schilfbruch im Rettungsboote geborgen werten, aber voraussichtlich nicht an Land gekommen, denn man habe von keinem der Infasten dieses Bootes wieder et­wa» g'hbrt: es fei wohl -m Sturme untergegangen.

Damit gab sich mein Großvater aber nicht zufrieden. Sn tbm war die feite Uebcrjeugung. daß da« Kind noch lebe, unk daß e» feinePsticht sei. das feiner Obhut unb Liebe unterstellte D.rmächtms zu such n Jahrelang hat e? Aufrufe ergehen lasten in den gelefensten Z'itungen oller Länber Hai selbst Reisen unternommen nach jener flüftengegenb Spaniens, in deren Nähe bama's te.s Schiff gelcheiteri war, Belohnun-en ausgesetzt für Nach­richten über das genau beschriebene Kind oder doch wenigstens über die alte Dien'rin und deren D rbieib. aber nicht» ha! gefruchtet; bie kleine Moja mürbe nicht gesunden, sie blieb verschollen, und allgemach mußte mein Großvater sich darein finden, auch sie als Tote an» hujehen.