Fuld aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stabt Fulda.
Nr. ho.
Metaiuroortitdi iüi ben ceoautoneUen Stil: Dr. Str am et, - für bk Anzeigen: I. Parzeiier»Fu>oa. ä 3tetatton»orud u. Verlag der Fuldaer üdlenbru<ftrei in Fulda. Semiptedjet Nr. w. Deleqr.-Adresse: Fuldaer Z«iiuna
Dienstag, 2b Juni 1921»
tiejugeprei»: Monatlich 3,00 Äk. ahne Zustellgebühr. In gu.da bei uns abgeholt 3,15 ZHE. Anzeigenpreis : Sie St i e i n se i le Co'oneimaB) 60 Vlg^ u. 10° - Zuschlag, die Reklame zeile (lerthreirel 1.80 ZHk^ u. 10e;e Zuschlag. Bei Wiederhol.Nabalt.
48. Zahrg.
Die Verschleppungstakt Hör Entente.
Das Echo der pariser Besprechungen.
Die englisch-französischen Besprechungen in Paris find zu Ende gegangen, ohne eine Lösung der »rennenden oberschlesischen Frage zu dringen. Frankreich hat seine Taktik der Verzögerung aufrecht erhalten können.
Unser Reichskanzler Wirth hat in seiner großen Rede zu Essen soeben eindringlich dargelegt, daß die aHmrierr Regierungen sich selber ein Zeugnis der Schwäche ausstellen, wenn sie von dem kleinen Diktator Korfanty sich an der Nase herumführen lasten, und daß fie mitschuldig werden an einer neuen europäischen Katastrophe, wenn in Oberschlesien das klare Recht Deutschlands und die Selbstbestimmung des Volkes vergewaltigt wird. Die englische Regierung schien triefen Ernst der Lage auch erkannt zu haben, aber sie hat sich trotzdem nicht dazu ausgerasft, dem verhängnisvollen Treiben der Franzosen Halt zn gebieten.
Es wird freilich berichtet, daß Lord Curzon an dem Standpunkt der englischen Regierung festgehalten habe, das oberschlesische Industriegebiet wüste ungeteilt bei Deutschland bleiben gemäß dem Ergebnis der Abstimmung. Was nützt aber eine solche Erklärung, wenn Lord Curzon doch dm Franzosen nachgibt und die Entscheidung verschieben läßt, indem die drei alliierten Kommistare in Oppeln wieder aufgrsordert werden, ihre Berichte über die Grenzfrage abzustatten! Es heißt weiter, man habe diesen Kommistarcn „augÄtroht", es sollten ihnen Sachverständige betgegeben werden, wenn fie nicht unter sich einig werben könnten. Diese angebliche Drohung tarnt der französische Kommissar als ein weiteres Hilfsmittel für die Verschleppungstaktik betrachten.
Aehnlich gebt es in Sachen der Sanktionen Um Rhein. Die hätten von selbst rückgängig ge- macht werden müssen, als Dmtschland das Ultimatum angenommen hatte und zu feiner Durchführung geschritten war. Dieser Ansicht war auch Lloyd George, aber er hat bisher nichts getan zur Beseitigung des litt- rechts. Bei der Zusammenkunft in Paris Hai fein Vertreter sich der französischen Forderung gefügt, daß diese Angelegenheit durch den Obersten Rat geregelt werden müsse. Der Oberste Rat, dessen Zusam- menfttfen schon längst fällig war, wird setzt frühestens für Mitte Juli in Aussicht gestellt. Vielleicht gelingt es Herrn Driand, noch einen weiteren Aufschub durchzusetzen. Auf jeden Fall können die französischen Sol- baten und Beamten sich noch über drei Wochen lang in der neuen Herrlichkeit am rechten Rheinufer aufspielen.
Eine Einigung soll bei der Pariser Konferenz über bte Orient frage erzielt worden fein. Es könnte uns nur l’eb fein, wenn das wirklich zuträfe, denn aledann wäre die Gefahr beseitigt, daß Oberschlesien verschachert werden könnte. Aber leider scheint die Einigung noch nicht weiter zu gehen, als in der gemeinsamen Anbahnung eines Waffenstillstandes zwischen dm Griechen und ben Türken in Kleinasien. Die Erledigung dieser Wirren steht noch in unsicherem Felde, imd so kommen wir nicht au» der Befürchtung heraus, daß Lloyd George schließlich auf die asiatischen Interessen Englands (und auch die Beziehungen zu Amerikas für wertvoller erachtet, als das gute Recht Deutschlands und die Wohlfahrt von Oberschlesien, — also wiederum der französischen Gewaltpolitik Zuge- stän^niste macht zu unserem Schaden.
Ki. dieser Sachlage war es sehr zeitgemäß, daß der Reichskanzler Dr. Wirth in Esten vor aller Welt feststevte: Die oberschlesiscl-e Frage sei wahrlich nicht nebensächlich, sondern in ihr werde die Zukunft eon (Europa entschieden, da eine falsche Lösung eine neue europäische Katastrophe mit der Vernichtung des Restes der Kullur hcrbeiMren müsse.
Ob dieses ernste Mahnwort die englische Macht- hadcr reraniaffen wird, mm endlich auf ihre schönen Worte trie entsprechenden Taten folgen zu lasten? Vor- läuftg müssen wir zu unterem Bedauern feststellen, daß Vriand und Genossen mit ihrer zähen Taktik
die Oberhand bchalten gegenüber der schwankende» englischen Staatskunst. Die Franzosen verstehen es, Zeit zu gewinnen und in der Zwischenzeit „vollendete Tatsachen" zu schaffen, zu Gunsten ihrer polnischen Schützlinge. Die Franzosen finden dabei eine wirk- sa re Stütze an 31 a t i e n, bas für Oberschlesien ihnen einen heillosen „Lermittlungsvorfchtag" apportiert hat. Diese Dienstleistung des angeblich so friedlichen Italien hängt wiederum zusammen mit ben hochpolitischen SpÄ im Orient
Wird die En'enbckonferenz Mitte Juli zustande kommen? Wird sie dann Lösungen bringen ober wie- der neue Verschiebungen? Di« bedrängte und bekümmerte Welt bleibt in peinlicher Spannung: denn bte letzte Zusammenkunft in Paris hat nichts greifbares geleistet. _____
Oie oberschlefifche Stage.
Rach der gestrigen Sitzung des Reichskadi« nette, die sich mit Oberschlesien befaßte, sand eine Besprechung zwischen dem Reichskanzler und den Parteiführern ebenfalls über die oberschle- fische Frage statt. Die Beratung der Interpellation über Oberschlesien ist nicht aus die Tagesordnung der heutigen Sitzung des Reichstages gesetzt worden, sondern Dürfte erst Mittwoch erfolgen. Für die Regierung werde voraussichtlich bet Rsichsminister des Innern Dr. Rosen sprechen.
Blättermeldungen aus Oppeln zufolge Hai General Höfer geft'rn dem englischen General Henniker den von dem Zwölferausschuß der deutschen Parteien aus- gearbeiteten neuen Räumungsplan Wer reicht 3n dem Plan wird betont, daß derSelb st schütz in Dem Augenblick aufgelöst werden wirb, wo eine Gewähr für Ruhe und Ordnung in Oberschlesien geboten ist.
Ln Besprechungen mit dom Vorsitzenden des Jwöl- ferausschufses Ulitzka erklärte das italienische Mttgiiob der interalliierten Kommission, General de Marini, daß die deutschen Vorschläge im ganzen als eine geeignete Grundlage für weiter« Verhamdlungen angescheu werden könnten. Die Derhondtungcn werden heute fortgesetzt werden.
Drei Milliarden Schäden la Oberschlesien.
Wie die Blätter aus Oppeln melden, belaufen sich nach amtlicher Feststellung der zuständigen Handels- kammern die durch den Insurgentenauf- stand hervorgerufcnen Schäden auf mindestens drei Milliarden Mark und erreichen besonders im Sn« bufniegebtei täglich eine Höhe von 20 bis 30 Millio- neu Mark.
Eine weitere Folge.
Wie der „Bert Lokalanz." meldei, ist fast die ganze Schiffahrt zwischen Stettin und dem oberfchlesischen Industriegebiet ft i l l g e l e g t Bon ben etwa 2000 Kähnen liegen zwischen Cosel und Oppeln 1600 Kähne fest.
Ter Zusammentritt des Oberste» Rates«
Das Journal des DebatS bestätigt, baß für Milte Juli der Zusammentritt des Obersten Rates ins Auge gefaßt ist. Reuter meldet dazu aus Paris, bei den Beratungen zwischen Lord Curzon und Briand sei klar zum Ausdruck gebracht worden, daß der Oberste Rat auf jede» Fall die endgültige Entscheidung in der oberschlesijchen Angelegenheit treffen wird.
Dir Erfüllung des Ultimatums.
Im englischen Unterhause antwortete Chamberlain bejahend auf die Frage, ob Deutschland in jeder Beziehung die Bedingungen deS Ultimatums ausgesübrt habe. Er sagte, die Bedingungen des Ulttmamms leien entweder tatsächlich erfüllt woroen oder seien in der Durchführung begrilfen. Bezüglich einiger Bedingungen fei die S upauje , och nicht abgelaufen.
Der Bing der Nuramajrr.
Roman vo.i Säte d an See ter.
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"Denn Sie alle es wünschen/ entgegnete er, .werde ich st« erzählen. Eigentlich ist es gar keine richtige Geschichte, denn sie hat keinen Schluß, und non Liebe, die doch ols Kernpunkt in jede Geschichte gehört, ist bloß ein schwacher Rosendust vergangener Tage darin; aber für einen Regennachmittag reicht der vielleicht doch noch aus. Die Angelegenheit hetzt mich feit ein paar Monaten in der Welt herum auf der Suche nach etwas Derlorenge» gangenem, das nach meiner Ansicht überhaupt nicht mehr vorhanden ist. Aber Sie werden ja hören. Diel, leicht kann mir sogar einer von Ihnen auf die Spur Hel. fen. Man weiß nie, wie und wo sich geheimnisvolle Schicksaisfäden spinnen. Wenigstens ist das die Ansicht meines Großvaters Also: Mein Großvater, der jetzt ein Monn von achtundsiebzig Jahren ist, war auch einmal jung und hat ein schöne» Mädchen geliebt*--
da ist ja nun gleich zum Anfang von Liebe die
.Ja, mein gnädiges Fräulein.* — er verbeugt» sich vor Karin, warf aber habet einen schnellen Mick nach Ebba, die mit hartnäckig gelenkten Lidern sttll und anscheinend teilnahmslos für feine Worte langsam (Ine bet Rosen entblätterte, die er ihr heute geschenkt und die sie so lange im Gürtel getragen hatte. .Auf Lieb« tft eben doch alles im Leben gegründet, wenn es auch nicht im- mer danach aursieht — auch diese Geschichte,, nur 6a§ ge in ihr nie zu einem befriedigende» Auskmag kam: denn bas Mädchen, dem meine« Großvater, Liebe galt. er. widerte diese nicht, sondern heiratete einen anderen Ich muß aber eigentlich die Geschichte anders anfangen, eine Generation früher, bei der Mutter der betreffenben jungen Dame. Diese Mutter war näm( ch eine ältere Stjes. schwester meines Großvaters, und ich glaube seine Liebe Hot schon bei ihr begonnen und ist dann bei der Tochter, die ihr getreues Ebenbild gewesen lein muß. erst z>i not. ter Blüte gekommen. In dem 3 mnvr meines Groß- •cters hängen zwei Frauenbilder, von denen man beim
flüchtigen Hinblick annimmt, daß fie eine und dieselbe Person darstellen, liebreizende, zarte Gestalten in weißen Gewändern, fremdartig in ihrer Schönheit, denn ihre dunklen Haare und dunklen Augen, die wunderbar weich, sehnsüchtig und zärtlich blicken, stechen von den blonden, blauäugigen Frauen, die Generationen lang durch unsere Familie gingen, seltsam ah. In ihren Adern soll das Blut eines fremden Volkes rinnen, vielfach vermischt, aber immer wieder durchbrechend. Eine Urahne von ihnen soll, der Sage nach, eine Inderin gewesen sein, und ihre fremdartige, bunfle Schönheit soll sich von Toch- ter auf Tochter in immer gleichbleibender Reinheit vererbt haben. Sie alle, seit jener sagenhaften Keltennut. ter, starben jung und hinterließen immer nur eine Tochter, und die letzte dieser Töchter, das Kind seiner Stief. schwester, liebte, wie gesagt, meinen Großvater. Aber die schöne Maja — alle Töchter und Enkellüchter der fa» zenhaften Inderin hießen Maja — liebte einen amerikanischen Großkaufmann, mit dem sie schon im ersten Sabre ihrer Ehe nach Indien, ihrem sagenhaften Stamm- lande, ging. Dort sand sie aber wenig Glück, denn nach, dem sie da, einzige Töchterchen geboren hatte, begann sie 3U kränkeln, und mein Großvater, mit dem sie In steter brieflicher Verbindung stand, drang von da an mit vor. stellungen und Bitten in sie. das ungesunde tropttche Klima zu verlassen. Na'ürlich wollte sich die junge Frau aber nicht von dem geiiedttn Manne trennen, und den band Beruf und Neigung an das Land, in dem er geboren war. Die Verhandlungen über Gehen und Bleiben schleppten sich ein paar Jahre hin, und bann kam plötzlich die Nachricht, daß Majas Mann gestorben sei, tinrm Fieder erlegen und daß sie sich jetzt etnschisfen wolle und mit ihrem Kinde zu einer ergebenen Dienerin nach Amerika zurückkehre.
AI, dieser Brief meinen Großvater traf lag ton Cater auf dem Sterbelager Der einzige Sohn konnte also nicht, wie e, fein Wunsch und Wille war, der fron, fen Frau zu Hilfe eilen und sie 'et.ft hcrüberholen Don ■ ihr kam dann ein Brief mit Angabe de, Schiffes, da, sie zur Reise benutzen wolle, und de, ungefähren Zeitpunk- . tee, an dem sie diel» antreten würd» <
Keine französischen Materialbestellungen bei Deutschland.
DaS französische Ministerium für die befreiten Gebiete dementiert die von einigen Blättern ge- btachteMeidung, wonachFrankreich für 1800 Millionen Franks bei Deutschland Materialien bestellt habe. Vielmehr habe daS Ministerium mit Rücksicht auf die Lage der französischen Industrie die zugehörigen Dienststellen angewiesen, den geschädigten Industriellen von Materialtäufen für den Wiederaufbau abzu- raien.
Deutscher Reichstag.
Rechts- und linksradikale Landfremde als Unruhe- stister in Bayern.
Sm Montag ist nun die Besprechung der höchst übe-flüssigen, weil zwecklosen Interpellation über die Erschießung De» Äbg. Garet», dessen Mörder immer noch nicht gefaßt ist, zu Ende geführt worden. Der deutschnationaie Ädg. vazill'. der nach Ankündigungen in der Rechtspresse gewissermaßen den Reichs- tangier in Beantwortung der Rede, die dieser gegen die rechtsradikalen Verhetzungen gehalten hatte, mormisch .aufspießen» sollte, brachte kaum etwas neues. Theo- rchfdjc Ausführungen über Revolution, die er zum Vortrag brachte, und sonstige allgemeine RedenSaiten wuiden von der Linken mit Lachen und Heiterkeit ausgenommen.
Der zweite Redner, der Münchener General v. Steif, von der deutschen VolkSpartei, eine durchaus sympathische tzigur auf der Rednertribüne, weil jeder fühlt, daß hier ein Mann von Hebergeugung spricht, verurteilte die Mordtat aufS schäriste, tote er überhaupt angeht gegen die terroristischen Methoden, die sich in das politische Leben Deutschlands eingeschltchen hätten. Die Sühne des Morde» fei Sacke de» Gericht», die Auf- deckung be» Morde» und Auffindung de» Täters fei Sache der Polizei und des Slaa kanwalt». Für die Einwohn-rwehren bricht er eine Lanze und schützt sie vor den Anwürfen^die von Seiten der Linken erhoben werden.
Der bayerische Handelsminister Hamm, bet dann für die Demokraten sprach, bemühte sich, manche der unerfreulichen Erscheinungen, die tn der letzten Zeit in Bayern zu verzeichnen waren, au» den eigenartigen Stimmungen, die sich nach der Revolution noch ent- wickelt hätten, zu entschuldigen. Eine kleine Schar törichter Ultra», die Haß gegen Haß setzen, gibt e» überall. Der Umsturz war an vielem Schuld, aber nicht an allem. Unberechtigt find die persönlichen Angriffe, wenn die innerpotttische Zerklüftung de» Volkes und die Schwäche de» Reiche» an den Zuständen Schuld tragen. Es fehlt an einer richtigen Seelen- vsiege für unser Volk. Wir bekämpfen die politische Hetze, die da» Vaterland nicht kennt, die feine Bemühungen der ReichSregierung anerkennt, die in den Reichsministein nut AuSlandSknechte sieht. Die überhitzte Stimmung ist in München nur auf einen kleinen Teil beschränkt und zu einem guten Teil importiert. Bei dieser heillosen Agitation wird Mißbrauch getrieben mit den hohen Gerühle» unserer Jugend. Wir wollen tte Versöhnung aller derer, denen e» ehrlich um Staat und Volk zu tun ist.
Und nun beginnt Herr Remmele. feine» Zeichens Kommunist und ©etoaltathlet in den Hallen des Reichs, tage», mit puterrotem Kopf zu toben. Da» Haus hat zum größten Teil Reißaus genommen, der Rest läßt die Kannonade, die diesmal aber besonders viele Blind- gänner aufroeift, belassen über sich ergeben.
Abg. Dr. Pfeffer (Ztr.) wohl wie wenige Reicheboien mit München und seinen Derhältnissen vertraut, führte aus: Das Verbrechen verlangt Sühne. In die Macht- besugnisse des bayrischen Staates einzugreisen, hatten wir uns aber nicht für berechtigt. Wir bienen nicht der Reichseinheit, wenn wir einzelnen Tellen des Reiches mit Mißtrauen entgegentreten. Als die Revolution 1918 ausbrach, sahen sich die Bayern in die Hände landfremder Leute gegeben. Nun tritt merkwürdiger Weise wieder in Erscheinung, daß sich auch unter denen, die Führer der Gegenbewegung sind, «ine ganze Reihe von Männern nichtbayerischen Stammes befinden, die sich früher eigenllich auch recht wenig um die Stimmung in Bayern gekümmert haben. (Sehr richtig!) Wenn so oft gesagt wird. Bettln ist nicht das deutsche Reich, so ist in Bayern auch München nicht bas ganze Land. Es wird soviel gerodet von
Das war das letzte, was mein Großvater von Maja hier auf Erden hörte, oder vielleicht drücke ich mich falsch aus, das letzte, tpae er von ihrem irdischen Leden erfuhr. denn das Schiff, mit dem sie Ihre Fahrt nach Amerika anmeldete, mochte vielleicht fünf bl» sechs Tage unterwegs sein, da hatte mein Großvater einen sonder- baren Traum. In dem erschien ihm die geliebte Frau In weißem, feuchten Leichentuch, drei Nächte hinterein. ander, und winkte ihm traurig mit ihrer weißen, schönen Hand, an der»— jo, da muß Ich etwas nachholen, was Ich noch nicht gesagt habe. Die Nachkommen jener sagen- haften Inderin hatten als Erbteil und als einzigen Beweis ihrer Abkunft von dieser geheimnisvollen Frau einen Ring geerbt ein wunderbar schönes, seltsames Stück.'
Niemand achtete auf Hans Heinrich, der unw'llkür- sich erblaßt war; denn aller Augen hingen am Munde des Erzählers .Mein Großvater ichwor und schwört' auf die geheimnisvolle Straft tiefes Ringes Ich selbst habe ihn nur auf dem Bilde der beiden dunklen Frouen gesehen, an ihren wunderbar schönen, schlanken Hön. den.' — .Bitte, wie sah der Ring aus?* fragte Hans Heinrich hastig.
.Ich sah ihn, wie getagt, nur gemalt: ein breiter Nelsen und darin ein großer, blutroter Stein, eigentlich zu schwer für diese schönen, zarten Frauenhände.' berichtet« Maeleton und fuhr bann, angeregt von den gespannt an tbm hängenden Blicken seiner Zuhörer, lebhaft fort: .Und dieser Ring fehlte an her Hand des Traumbildes so daß mein Großvater von diesem Augenblick an be. stimmt glaubt, daß Maja gestorben ist. Eine qualvolle Unruhe war nun über ihm, wie und wo der Tod die Geliebte ereilt habe, und ob ihr Stint gleichlallr von ihm betroffen fei. Er glaubte an letzt ren Fall nicht, b'nn tt nahm an. baß bte lot« ihm sonst in Begleitung ihres Stinte» erschienen wäre. Nachrich en tarüber zu erhalten, war nicht eher möglich al, bei Eintreffen tes Schisses, bem bte junge Witwe sich laut Brief anoertraut hatte. So mußte mein Großvater warten, bis Nachricht über tiefe» einlaufen märte.
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tiefem furchtbaren Bayern, in Liebe und Haß werden bte Dinge übertrieben. Was man bei uns im Lande will, ist Ruhe zurArbeit. Nun sind eine Menge von Presseäußerungen vorgetragen worden, die nicht nur inhaltlich, sondern auch stilistisch schauderhaft sind, (fleiterfeit.) Gewiß, bei uns in Bayern herrscht ein rauher, aber herz» sicher Familienton. (Große Heiterkeit.) Was in diesen Blättern zum Ausdruck kommt, ist mißverstandenes baju- varisches Krostgefühl, aber irgend ein Problem bringt man auf tiefe Weise allerdings seiner Lösung nicht näher. Am allerwenigsten aber, wenn dazu noch die beiden polt« tischen Kampfmittel treten, tie wohl ben Tiefstand jedes politischen Kampfes bedeuten: Der Rassenhaß unh der konfessionelle Haß. Wir müssen es täglich ersehen, baß der politische Gegner heute einfach als vogelfrei angesehen wirb. Von her vornehmen Art, bie Kling» zu kreuzen, wie sie früher üdsich war, ist heute nichts mehr zu spüren. Freilich, solange von ber einen Seite bie Vernichtung ber Bourgeoisie angebroht wird und ausgerufen wirb zum Siege ber Internationalität, während von ber anderen Seite a!s Antwort sofort ber nationalistifche Gebanke betont wirb, solange hat es weste Wege mit bem Wunsche nach Versöhnung.
Abg. Essenberger (Bayer. Bauernbund): E, wirb soviel über bte Bayern hergezvgen, aber wir Bayern sind boch gute Kerle. (Heiterkeit.) Was zu tabeln ist, ist mehr von Nichtbayern geschehen. In erster Linie hat Bayern einen schlechten Ruf bekommen burch bie Bäte« regiening. Die Veranstalter waren Nichtbayern. Gegen unsere Einwohnerwehren wirb eine große Hetze getrieben. Die Schuld haben auch hier wieder Nichtbayern. Urib N! chtbay ePn haben ben Charakter unterer Einwohnerwehr verhunzt. Auch ber Ministervräsibent Kahr ist rin guter Kerl. (Stürm. Heiterkeit.) Er ist nur ben Einflüsterungen von norddeutschen Reaktionären zu sehr gefolgt; er war zu vertrauensselig, rote mir Bayern überhaupt sind. Mr Bayern sollen aber nicht bas Mistbeet fein, auf bem man bie Reaktion großzieht. (Heiterkeit.) Für ben „Miesbacher Anzeiger 'ist hier eine unn-’rbiente Reklame gemacht worden. Man sollte b:efem Provinzblättchen nicht fo viel Wert heileren. Er ist nur ein kleiner Kläffer. Viel gefährlicher sind her „Deutschvölkische Beobachter' und befonbers bie „Deutsche Zeitung* und bte „Deutsche Tageszeitung*. (Heiterkeit.) Bei uns zu Lande gilt bte Einwohnerwehr als zu nichts roelfer, als bem Schutz von Eigentum unb Perlon gewidmet. Und darum verstehen unsere Leute die Enlroasfnung nicht. Ich bin kein Freund ber 3üben, aber diejenigen, bte jetzt so über bte 3üben aufschnriben, haben dazu gar keinen Gnmb. Es ist furchtbar schwer, bie Grenze zu ziehen zwischen beschnittenen trnb unbeschnitienen Juden. (Stürmische Heiterkeit.) Ich habe pecen bas Ultimatum gestimmt, aber ich rann bie Borwürfe b-r Rechten gegen bte jetzige Regierung nicht verstehen. Sie hat den rechten Willen zum Wiederaufbau unb mir bürfen ihr feine Schwierigkeiten machen. Wir müssen dafür sorgen, daß die Demokratie und die Republik aufrechterhalten bleibt unb deshalb müssen wir Obacht geben auf bie Herren ganz rechts imd ganz links. ^Heiterkeit und Beifall.)
Nachdem ber Unabhängige Solbmann, ebenfalls rin Redner Bayerns, bte Forderungen ber Inttrpellat'on nach einmal zufammengefaßl hatte, wurde die A u s s p r a ch » geschlossen.
Dienstag: Abkommen mit Polen unb Danzig betr. ben freien Durchomwsoerkohr, beulich-polnischer Amnestienertrag. Vertrag betr. bie Grenzregnlierungen Im Searaebiet, Nachtragsetat für 1921, Entwurf eines Reichs» mlelrnoefetzes und Gesetz zur Einführung einer Abgabe zur Förberung des Wohnungsbaus.
Berliner Arbeitslosenkrawalle.
Dor dem Berliner Gewerkschastsgebäud» fanden am Montag erneut von den kommunistischen Erwerbelosenröten angeordnetr Demonstrationen statt. Dte Demonstranten drangen in das Gebäude ein, und versuchten die gerade tagende Betriebsräteversammlung zu sprengen. Die Schutzpolizei drängte die Er- werbslosen aus dem Gebäude heraus, und nahm einige Verhaftungen vor.
Bei den Krawallen ist der sozialdemokratische Gewerkschaftsführer S a b a t h von den Demonstranten schwer verletzt worden. Die Demonstranten verübten in den Bureaurönmen des Gewerkschaftshauses verschiedene Demolierungen. Die Demonstranten mußten durch zwei Hundertschaften der Polizei vertriebe» werden.__________________
Wer will eigentlich die „weltliche Schule"?
Die sozialistischen Kreise überbieten sich gegenseitig, wenn es gilt, dm Nachweis zu erbringen, daß die groß« Masse des Volkes für die weltlich» Schul« sei. Wenn man jedoch einmal der Frage tiefer nachgeht, so merkt man erfreulicherweise immer mehr, daß die Erwartungen der Sozialistm eigentlich überspannt sind. So ist beispielsweise i n S o l i n g e nt kein einziger Lehrer, auch nicht solche, die sich zu den sozialistischen Parteien bekennen, bereit, den Unterricht an den weltlichm Schulen zu übernehmen. In Remscheid find zwar 15 Prozent der Schulkinder für die weltliche Schule angometöct wort - üer es haben sich nur 4 Prozent der Lehrerschaft dazu verstanden. den Unterricht an den entsprechenden Schulen zu übernehmen.
Diese Darstellung gewinnt noch an Büdeutung wenn man bedenkt, daß Solingen und Remschcid ausgesprochene sozialistische Hochburgen darstellen. In den übrigen Siädtrn des Rheinlandes find die Anmeldu"gen für die weltliche Schule noch viel geringer, in Bochum betragen fie 7'/-. in Duisburg 4 unb in Köln knapp 3 Prozent. Aber auch für die verhältnismäßig geringe Anzahl der Kinder, die nach dem Willen ihrer Erziehungsberechtigten di« weltliche Schule besuch'n sollen, kann dir erforderliche Anzahl unterrichberester Lehrer nicht nachgewie- fen werden. Die katholischen Lehreroerbände, dir katholischen Schulamtsbewerber und Bewerberinnen eben jo mie tie evangelischen Lehrer lehnen den Unterricht an weltlichen Schulen aufs schärfste ab, ja fie wenden sich sogar und zwar mit vollem Recht gegen eine vorläufige und aushilfsweise Unlerrichtserleilung an weltlichen Schuten.
Die Folgen dieser erfreulichen Haltung brr Lehrerschaft ist, daß beispiel-weise in Wattenscheid-Wald, Solingen und Langendreer feine weltlichen Schulen errichtet werden können, In Setlsnlirchen, Düffeldort