Fuldaer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
Nr. 139.
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48. Zahrg.
Der Reichskanzler über Deutschland; Zukunft.
Sine Rede in Essen.
Reichskanzler Dr. Wirch sprach aut Sonntag ir. Stner Massenvcrsllmmlang des deutschen Gewerk- Ichoftsbundes in Eisen über das Thema „Das ondoner Ultimatum und dessen Er- tü l l u n g s Möglichkeiten". Linksradikale Elenente versuchten in großer Zahl mit gefälschten Karten !ich Einlaß zur Versammlung zu verschaffen. Da dic- er Plom aber vorher bekannt geworden und infolge» dessen eim strenge ZugangskontroUr ausgeübt wurde, kam es nid)i zu der zweifellos beabsichtigten Störung der Veranstaltung.
Dr. Wirth ging davon aus, daß der Begriff Ultimatum ein unglückseliger sei. Seit Jahren ist dieses Wort, das in sich Gewalt schließt, brutale Gewalt, das Zeichen des unglücklichen Europas. „Gehen Sie um sieben Jahre zurück, da fommxn Sie in das Jahr 1914. Dort stand auch am Beginn einer neuen Lcra die das Ende des Glückes für Millionen von Menschen bedeutete, auch ein Ultimatum. Es war das unglückselige Ultimatum an Serbien. Was hat es gebracht, jenes Machtwort? Tod und Verderben in der ganzen Welt, nicht mir über uns und nicht nur über blühende Landstriche Frankreichs, Rußlands und anderer Länder, jenes Ultimatum war der Beginn der Zerrüttung der ganzen Weltwirtschaft. Und jetzt am Ende der Epoche dieser sieben Jahre steht wiederum ein Ultimaten. Das ist das Ultimatum von London. Wie hätten wir uns demgegenüber Vorhalten sollen? Die einen sagen, ihr hättet nein sagen sollen, andere sagen, es war richtig, daß ihr ja gesagt habt. Ich will mit niemanden rechnen, der nein gesagt hat. Don Gefühlen sich leiten lassen ist aber nirgends schädlicher, als in der Politik. Die Mehrheit unseres Volkes war für: ja. Wir haben das Ja gesprochen, und warum? Ich wiederhole es immer wieder und gerade hier im Ruhrgbiet, hier im Zentrum der großen schaffenden Stätten: Wir haben das Ja gesprochen der deutschen Einheit wegen und der deutschen Freiheit wegen." (Bravo).
Der Redner wies dann auf die Gefahren hin, die hie Einheit bedroht hätten u. tatsächlich bedrohen. Dann verbreitete er sich über die oberschlesische Frage. Die Bevölkerung hat abgestimmt. Glaubt jemand in Europa, glaubt jemand in England, in Frankreich, daß einer von den alliierten Machthabern an diesem Plebiszit vorbeigehen darf? Die Wunde würde sich im europäischen Leben nie schließen, wnn der Gedanke der demokratischen Freiheit und der Selbstbestimmung verletzt würde. Ein Brandherd für ein ganzes Jahrhundert müßte aus Oberschlesien heroorlodern, wenn das Recht der dortigen Deutschen tödlich verletzt würde.
Run zu den Reparationen. Wir sollen zwei Milliarden an festen Annuitäten pro Johr zahlen, wir sollen 26 Prozent der A u s f u h r bezahlen, und wir sollen drittens dazu die B e s a tz u n g s k o st en tragen. Die letztere Summe ist die unproduktivste. Wer in Europa Frieden, Ruhe, Wohlfahrt und Aufbau für alle will, der muß dem Gedanken schnell näher treten, die unproduktive Ausgabe des europäi- fchen Militarismus auf ein Minimum zu re- duzierrn. (Sehr richtig!) Der Ruf geht hinaus an die Arbeiterschaft aller Länder: Sorgt überall dafür im demokratischen Geiste, daß düs, was Deutschland zahlt, nicht zu unnötigen Ausgaben verwendet wird, sondern daß es verwende: wird zum wahren Segen für die werktätige Bevölkerung der gangen notleidenden Welt. (Beifall.) In diesem Sinne glaube ich auch, daß eine große Arbeiterbewegung aller Länder, ganz Europas und der ganzen Well von Segen für alle fein wird.
Der Mag der Nuramsja.
Roman von Säte oan Seeler.
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Karins Besicht verdunkelte sich. „Sagte ich das? Hübsch, daß Sie meine Worte so gut im Gedächtnis tragen; aber ich glaube, besonders diese waren das nicht wert. Ich fjabe sie wohl nur in einer augenblicklichen Stimmung hingcrvorsen, ohne selbst nn ihre Richtigkeit Zu glauben. Freilich," — sie hielt ein, ihre Augen harten einen seltsam dunklen, schmerzlichen Blick und ihre Wangen waren blaß —, .vielleicht kann man erst am Ende seines Lebens eine richtige Ansichf über beg Leben und über Prophezeiungne haben. Vielleicht erfüllt mein Schicksal sich wirklich so tragisch, wie meine Schwester es eben anzudeuten geruhte."
„Ach, Unsinn!" wehrte jetzt Ebba ab. „Ich Pfeise auf alle Prophezeiungen! Das heißt," verbesserte sie sich reuig, einen belustigten Blick Macletons ausfangend, „ich gebe gar nichts aus sie. Sein Schicksal macht man sich selbst." — .Der Ausspruch klingt sehr stark, sehr groß- geistig und lebensersahren," lächelte Mister Macleton, und nach Ebbas Ansicht wieder mit ausgesuchter Bosheit, „ich zweifle mich nicht, daß Sie an seine Wahrbeit glauben, gnädiges Fräulein, aber immerhin müssen Sie mir, dem älteren Mann, erlauben —"
„»eiteren Mann?" unterbrach (Ebba ihn, sehr rot, sehr ärgerlich und infolgedessen mit der schärfsten FSr- düng Spott, die sie aufbringen konnte. „Sie- tun, als wenn Sie Ihr eigener Großvater wären!" — „firn, augenblicklich fände ich es ganz angenehm, wenn ich der märe, ich könnte dann Ihrem weisen Ausspruch Ehre machen und mein Schicksal selbst bestimmen, während jetzt gerade mein Großvater gegen Ihre Ansicht verstößt und mein Schicksal oder meinen Weg, wie i an es nehmen will, nach seinen Wünschen lenkt. Ohne den Wunsch meines Großvaters hätte ich jetzt nicht das Glück, an Ihrer Seite zu sitzen und im Verkehr mst Ihnen meine geistigen Kräfte zu schärfen."
„Ser siebe, verständige Großvater!" dachte Ebba, hsimllch in Dankbarkeit für diesen braven, allen Herrn
Der Redner sprach dann über die Berufung Rathenaus zum Wiederaufbauminister und rief aus: Lassen wir doch alle öden persönlichen Kämpfe hinweg. Was hat denn das für eine Art, jeden Tag einen Mann, der in irgend einer verantwortungsvollen Position steht, in den Kot stimmt erzu- ziehen. Macht's besser, ihr Nörgler, und sammelt eure Scharen, kommt in den Reichstag, treibt Opposition, kritisiert auch erbarmungslos! Aber eins müssen sich die Herrschaften, die sich in Opposition befinden, gesagt fein lassen: im neuen Deutschland bedeutet Opposition die Bereitwilligkeit, an dem Tag, wo die Regierung zurücktritt, selbst die Geschäfte zu übernehmen. (Sehr richtig!) Das ist wahre Opposition, aber nicht jene Opposition, die nur meint, daß sie zurückblickt und kritisiert und über die ihren Hohn ausgießt, die der heutigen Republik dienen. Wir sind auf ein Trümmerfeld berufen worden und wir haben verjucht, auf diesem Trümmerfeld Ordnung zu schaffen.
Wer der Republik dienen will, fuhr Dr. Wirth fort, muß von seinen Anhängern Opfer verlangen. Wie werden wir die zwei Milliarden Gold aufbringen? In Berlin im Reichssinanzministerntm tagt seit drei Tagen die G a r a n t i e k o m m i s s i o n. Wir macken die Bücher auf. damit diese Kommission hinem» sieht in unsere Kasse, um zu sehen, was wir leisten können und leisten sollen. Es ist eine Vorfrage nötig: Werden wir unseren Haushalt in Ordnung bringen? Die Einnahmen des Reiches haben bereits im letzten Jahre über 45 Milliarden betragen. (Beifall.) Eine Riesenleistung für ein Volk, das zusammenae- brochen war unter dem Druck der ganzen Welt. Es ist keine Demagogie, wenn ich hier in Essen erkläre, daß unter dem gewaltigen Aufkommen der Reichscin» kommensteuer die Lohn- und Gehaltsempfänger an erster Stelle der Leistungen für das Reich stehen. Ilnd ich sage zweitens: Mögen die Hertickaften schimpfen über manche Erscheinungen unseres Lebens und gewisse Untaten, die geschehen sind: das ist b'e größte demokratische Tat, die ae* schehen ist feit Kriegsende, daß die Lohn- und Ge- haltsempsänaer einen Teil ihres verdienten Lohnes durch den festen Abzug dem Daterlande zur Rettung zur Verfügung gestellt haben. (Beifall.) Aber nun kommt der Finanzminister zu ollen und jetzt klopfen eben die Steuererheber an alle Türen, und keine Tür kann s i ch verschließen vor der großen Pfl'ckt des Opfers. Und da stehe ich auf dem Standpunkte: Wer sich entzieht, fft ein Verräter an unserem Volke. (Beifall.) An die gesamte Beamtenschaft des Reiches, sofern sie der Finanzverwaltung dienen, habe ich wiederholl den Appell gerichtet, ohne Rücksicht, ohne Ansehen der Person die Leute, die in Deutschland Geld verdienen, zu den Steuern heranzuziehen. (Beifall.) Ich sehe auch an dem Fließen der Einkommensteuer des letzten Monats, daß es nun alsickt. die große Veranlagung und damit das große Werk der Nationalversammlung einem glsicklichm Ende umführen.
Wirth führte bann aus, daß es nötig fei, den B e. trieb der Eisenbahn und Post wirtschaftlich zu gestalten und sprach über die Aufbringung der Reparation sl ei st ungen. Da müssen sich alle, die heute Besitz in Händen haben, die Goldwerte besitzen, die Produktionsmittel besitzen, klar machen, was es heißt, den Weltkrieg verloren zu haben.
Große Vorlagen seien in Vorbereitung. Das erste wird für uns fein, die Aufbringung der Mittel für die Wprozentige Ausfuhrabgabe. Ob es möglich ist, den Produzenten und Kaufmann ganz zu entlasten, das war für mich vom ersten Tage an fraglich. Wir komm<n auch nicht darum herum, aus der Kohle mehr her- auszuholen. Wir haben heute Verpstichlungen über 350 Milliarden. Hat sich aber nicht trotzdem schon in man
erglühend, setzte aber dabei eine durchaus gering« schätzende Miene auf und sagte laut: „Also der „ältere Mann" lähl sich wie ein kleiner Junge am Gängelbands des Großvaters führen! Das sieht fretüch nicht nach einem Charakter aus, der sich sein eigenes Schicksal schmiedet. Aber warum schickte Ihr Großvater Sie denn gerade hierher?" setzte sie in vollkommen natürlicher, un- gemachter Neugier hinzu.
Mister Macleton sah Ebba scharf in die neugierig fragenden blaugrauen Augen und sagte tangjam: „Mein Großvater wünscht, daß ich muh nach einer Frau um- sehe." Leuchtendes Rosenrot schoß in Ebbas blütenzartes Gesicht, die Lider sanken blitzschnell über die ausstrahlen, den Augen und verwirrt wiederholte sie: „Nach einer Frau umsehen?"
„Ja", nickte ihr Gegenüber und sah mit innigem Vergnügen in das rosig erglühte Gesicht Eine gute Schau, fptderin war sie doch nicht, trotz ihrer vorherigen eigenartigen Leistung. Ihre warmblütige, offene Natur ging immer mit ihr durch, und darin lag wohl gerade der große, herzgewinnend« Reiz, der sie umschwebte. „Ja, nach einer Frau soll ich mich umsehen, und zwar, laut Vorschrift, nach einer mit dunklen Augen und dunklen Haaren." — „Ah!" Ebbas Augen hatten sich wieder groß geöffnet. Es lag' ein Gemisch von Zorn, lieber, raschung und Schmerz in ihnen, von dem sie selbst keine Ahnung hatte, sonst wären die Lider wohl gesenkt geblieben.
„Und das lassen Sie sich von Ihrem Großvater vor. schreiben?" fragte Ebba. — „Warum nicht," entgegnete Mister • Maeleton mit liebenswürdiger Gelassenheit. „Wenn der alte Herr nun gerade eine Bestimmte von dieser Art im Auge hat?"
„Aber Sie? Sie haben doch einen eigenen Geschmack, wenn Sie auch vielleicht keinen eigenen Charakter ha. ben," zürnte Ebba mit funkelndem Blick. — „3dj? Oh, mein Geschmack und mein Charakter — denn ich habe trotz Ihres Zweifels beides — spielen dabei gar. keine Rolle; ich sehe mich ja nach der Dame nur für meinen Großvater um." — „Für Ihren Großvater?" Befreiung oan einem Druck und ungläubiges Staunen klangen ge> mischt aus ihrem Ton: .Will der denn noch heiraten?"
chem, in den Fällen, wo Not und Elend war, eine gewisse Erleichterung gezeigt? Allerdings, der U eber- gang zur freien Wirtschaft, zur freien Ge- treidewirtschaft ist unendlich schwer Ich weiß, daß neue große Bewegungen kommen können gerade in den Mo. naten, wo wir neue Stenern aufbringen. Aber dann nicht durch die Gassen laufen, nicht hinter jeden roten Fahne her laufen! Auch Streik allein schafft uns kein Glück und keine Wohlfahrt.
Zrrm Schluß sprach Dr. Wirch über Deutschlands Zukunft. Was liegt vor uns? Ein ZOjähriges Ringen, um in einem geordneten Staat durch Arbeit wieder zum Wohlstand zu gelangen. Drei Voraussetzungen gehören dazu: Unser Volk zu ernähren, es zu kleiden und es zu behausen. Aber auch die außerpolitischen Voraussetzungen müssen gegeben fein. Das sei den alliierten und ehemaligen Feinden gesagt: Wir wollen alles aufbieten, weil ro!r der Freiheit dienen, nicht nur der Freiheit des beut- fdjen Volkes, sondern der Freiheit der ganzen W e l t. Wir wollen leisten, erfüllen, aber eines dürst ihr uns nicht rauben: Ihr dürft uns nicht die Hoffnung nehmen, daß wir durch Arbeit wieder unser eigenes Glück gewinnen können. Darum geht noch der Ruf in die Welt hinaus: Legt die Flinte weg, glaubt dem neuen demokratischen Deutschland! Dient aber sechst, die ihr in Frankreich und England die Macht in Händen habt, dem Gedanken der Freiheit, indem ihr in Obersckstesien und am deutschen Rhein dem deutschen Volke das Recht gewährt und indem ihr am Rhein freie deutsche Männer in Handel und Wandel wieder über den Rhein ziehen laßt. (Beifall.) Der Wiederaufbau ist keine Arbeit nur für ein Volk, der Wiederaufbau ist das Werk der "<mzcn gefügten Welt. (Lebhafter anhaltender Beifall.)
Die Balifer Koitieren?
und Gberschlesien.
Lord Curzon für ein ungeteiltes deutsches Oberschlesien.
Wie der.Matitti meldet, haben die in Paris versammelten Staatsmänner den Beschluß gefaßt, die drei interalliierten Kommissare in Oppeln mit Nachdruck auf;uforvern, nun endlich ihre Berichte über die Gienzfestsetzung zu erledigen. Sie würden auf» gefordert werden, sich zu einigen und man habe ihnen sehr ernstlich mit der Entsendung von Sachverständigen gedroht, wenn die Kommissare nicht dazu gelangten, ihre Aufgabe zu lösen.
Pertinax gibt dazu noch Einzelheiten über bie Verhandlungen: Lord Curzon habe erklärt, daß dasJnduftriegebie'Oberschlef lenunteilbar sei und daß angesichts der von Deutschland erzielten Mehrheit dessen Zuerkennung an das deutsche Reich nicht verhindert werden könne. Er habe gegen General Ler ond nochmals ernstlich Beschwe-de geführt und vorgeschlagen, daß an ferner Stelle eine hohe Per önlichkeit, die außerhalb des Heeres stehe, treten solle. Man habe sich schließlich dahin geeinigt, durch ein Telegramm an ine Kommission in Oppeln die Lösung des Grenzproblems herbeizuführen. Wenn sich nach einer gewissen Zeit die Kommissare nicht einigen könnten, dann werden die von Briand vorgeschlagenen Sachverständigen, die nach Lord Cur.ons Absicht in Oppeln, nach Bnands Ab- sicht in Paris und London beraten sollen, in Tätigkeit treten.
Trr ,Petit Parisien' verzeichnet die Aeußcrungen Peltinaux' und schreibt, es icheine, daß Lord Cur»
Richtig, da haste dieser unbesonnene rasche Kind sich glatt hineingeritten! Halb amüsierte er sich, halb tat sie ihm leib, denn nun würde sie sich ärgern und schämen. Aber das Spatzenschnäbelchen mußte ihr klüger geschliffen werden; sie mußte durch Schaden klug werden und Barstcht und Ueberlegung lernen. Er sah sie mit spöttisch lachenden Augen an. „Heiraten? Wer spricht denn von Heiraten? So wilde Möglichkeiten spuken nur noch in de» Köpfen ganz junger Damen, die überall eine Liebes- und Heiratsgeschichte vermuten. Nein, mein gnädiges Fräulein, an Heiraten denken weder mein Großvater, noch ich! Hier handelt es sich um ganz andere Dinge!"
In Ebbas Gesicht schoß alles Blut und strömte dann wieder zum Herzen zurück. Wie unbeschreiblich albern und unvorsichtig hatte sie sich benommen! Direkt herausgefordert! Karin, die sich heimlich auch ärgerte und zugleich sah, das Ebbas sonstige Schlagfertigkeit versagte, kam ihr geschickt zu Hilse. „Sie fordern Scherzfragen heraus, Mister Macleton, und Ebba tut Ihnen auch wirklich ben Gefallen, sie anzubringen. Es handelt sich wohl um eine Gesellschaftsdame oder Pflegerin für den alten Herrn?" — „Nicht ganz, gnädiges Fräulein, nein, weder um so eine prosaische noch um so eine poetische Sache, wie Ihre Fräulein Schwester vermutete."
Er sah dabei verwundert und etwas beunruhigt nach Ebba. Sie war nicht auf seine Neckerei eingegangen; das entsprach gar nicht ihrer Art. Vielleicht hatte er doch ihre Unbefangenheit und Unbesonnenheit diesmal etwas zu sehr ausgenutzt, sie zu sehr als Kind behandelt.
Karin fragte lächelnd: ,4teine Gesellschaftsdame, keine Großmama in spe? Was bleibt da noch übrig, was so bestimmend auf die Wege eines Großfohnes einwirken kann, wie Sie es anbeuteten* — „Es ist eig-mt- sich eine Geschichte," antwortete er halb mechanisch, mit seinen G danken viel weniger bei seiner Antwort als bei Ebba, die noch immer keinen Blick für ihn hatte „Das klingt ja sehr geheimnisvoll," fiel Karin ein. „Mister Macleton, wollen Sie uns nicht den schlechten Nachmittag angenehm verbringen helfen mit der Erzählung der Geschichte von Ihrem Großvater und der Frau, die die» fer sucht?"
zon noch weit entfernt sei von der durch Graf Sforza vor« gefchlagenen Lösung, eine Teilung Oberschlesien vorzunehmen.
Zu dem Orientproblem
hatte die Pari er Konferenz vorher Stellung genommen. Es wurde nach der Frkf. Ztg. die Absendung einer Note on Griechenland beschlossen, in der die es aufgekorderi wird, den Abschluß des Fliedens mit der Türkei in die Hände der Entente zu legen. Die Role soll nicht den Eliarafter eines Ultimatums haben. Uebereinstimmung wurde darüber erzielt, daß Griechenland ganz Kleinasien einschließlich Smyrna zu räumen har.
Das Garantie-Komitee in Berlin.
Seit einigen Tagen befinden sich die Mitglieder des Garantie-Komitees der Alliierten, das die Ausführung der wirtschaftlichen Bedingungen des Ultimatums zu überwachen berufen ist, in Berlin und haben meh.ere Besprechungen unter Vorsitz des Staats ekretärs Schröder mit den Delegierten der einzelnen Mmmerien adgehalten. Zu Beginn der ersten Sitzung sprach Staatssekretär Schröder die ©Öffnung aus, daß die Beratungen zu einem für betoe Teile befriedigenden Ergebnis führen werden, namentlich wenn sie von beiden Seiten von dem Veistänonis für die Rechte, und Notwend'gkeiten des anderen Teiles aelragen werden. Die deutsche Regierung werde alles tun, um ihre Verpflichtungen nach besten Kräften zu erfüllen.
Der Präsident des Garantiekomiiees, Mauelere, dankte für diese Wotte und füate hinzu, daß der Geist, in dem das Garantie-Komitee die Durchführung des Zahlungsplanes beabsichtige, der oleiche sei, wie er von den Bei trete, n der deutschen Regierung angedeutet wurde. Das Garantie-Äomliee habe das Bestreben, die Ansprüche Der Alliierten zu erfüllen. ohne Teuttchland in feiner wirtschaftlichen Entwicklung zu stören.
Die französischen Wiederaufbau-Sachverständigen.
Der ,Jimansigeani' glaubt zu wissen, daß als Sackversläudige der französischen Regierung Chailes Lefebvre und Ciehsson nach Berlin obgereut sind, um mit Minister Rathenau Verhandlungen über den Wiederaufbau zu führen.
Tagung des VölkerSundrates.
Am 17. d. M. hat die Session des Völkerbund rotes in Genf begonnen. Es beteiligen sich dil Delegierten van mindestens 15 Staaten. Auch Der« tretet der vom Völkerbund verwalteien Gebiete der Freien Stadt Danztg und des Saarftaates sind anwesend. Folgende,Punkte standen auf der Tagesordnung: Die Frage der Aalandein eln, der Konflikt zwischen Polen und Liiaue», die Fragen der A ba« nilchen Grenzen und dec ö terreichischen Finanzen. Unterben zur Verhandlung kommenden Kommiuions- berichten befinden sich u. a. dec Bericht der Kommission für die Zujatzantröge zum Völkeibundspakt und der Bericht de> Kommission für Öie Verteilung der Kosten des Völkerbundes unter die Mitglred- staalen.
Die Tagung stand unter dem Vorsitz deZ japa« nischen Botschafters in Paris Tehil.
Deutscher Reichstag.
Wiederum Radauszene«.
Es war zu erwarten, daß nach den bedauerliche. Vot'ällen der ,>rertagsttzunii tm Reichstage das Jntereffc sowohl der Ocffentltchkcit als auch rn den Kreisen dc» Abgeordneten selbst für öen Verlauf der Debatte übe die Interpellation der Unabbän igen besonders grep fein würde. Demzrfolge waren die Tribünen am Samsta start besucht, der Sitzungssaat selbst wies eine stärker« Zahl der ribgeorönctcn auf, a.8 das sonst bei minder wichtigen Sitzungen der Fall zu sein pflegt. Vielleicht erwarte: man wieder eine neue Sensation.
Und wirtlich — die Zwischenfälle scheinen in deutschen Reichstag zur Gewohnheit zu werden, dir Besucher kamen auf ihre Kosten. Auch diese Sitzung hatte keinen glatten Verlauf. Die politische Spannung, die am Freitag zu jenen berurteilungStoürbinen Szenen geführt hatte, war zunächst abgeebt; bei Beginn der Sitzung war von ihr kaum noch etwas zu spüren. Aber der Verlauf der Debatte fachte wiederum neues Feuer an. Zunächst sprach unter ziemlicher Ruhe des HaujeS der mehrheitssozialistische Abg. Stuber-München. Seine Ausfüllungen galten vor allem der Orgesch und den Einwoherwehren, gegen die er sich mit Schärfe wandte.
Nach ihm spricht von der bayerischen Volkspartei der Ab^ Schwarzer. Schon der Beginn feiner Rede bringt heftiges Dazwischenlärmen der extremen Linksparteien. Der Hitzkopf Lededour zeichnet sich dabei besonders aus. Schwarzer packt die Linke mit derben fyäuiten an. Wie der Reichskanzler am Vortage bet Rechten ihr Sündenregister vorhielt, so rechnet Schwarz nunmehr mit der Linken ab. Es beginnt bereits wieder zu brodeln und zu sieden, die Linke'wird unruhig, fällt mit lauten Zwischenrufen ein und lärmt hier und da gegen die Worte des Redners an. Der Abg. Kuhnt zieht sich zwei Ordnungsrufe zu. Der Präsident muß Ruhe schaffen, bte Glocke kommt nicht aus seiner Hand. Auch Ledebour erhält einen Ordnungsruf. Die Zwischen!use fallen hageldicht. Adolf Hoffmann, D>. Mos«« und wie sie alle heißen mögen, unterbrechen den Redner wiederholt.
Schließlich Iommt’5 zum Klappen. Bei den Worten, die der Abg. Schwarz der Linken entgegenschleudert: „Wir sind keine Freunde von Ausnahmezuständen, meinen aber, daß man in Bayern gezwungen ist, den Ausnahmezustand wenn auch in milder Form aufrech- zuerhaiten. Sie sind aber schuld daran; solange Ihre Freunde nach Bayern fahren und dort aufreizende Reden halten wie Herr Remmele und Thomas . . da meldet sich einer, der schon allzulange geschwiegen hat. Kaum hört der kommunistische Abg. Bentntcle. bet Störenfried des Reichstages, seinen Namen, da braust er aur uns ruft dem Sprecher erregt entgegen: Elender Verleumder. Präsident Loede erteilt rhin einen Ordnungsruf. Der Abg. Remmele bleibt bet seinem Anwurf: 6'lyifc.ei PMechWÜer! kreischt er zum zweitenmal heraus.