Flüd aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Lkadl Fulda.
Ur. 138.
üeraniwcriltd; iüi Den uroauioneUen Teil: Dr. Kramer, - tüt bti Unzetgen: I. Parzetler-Fuloa. u Äoiattoasörud u. Verlag der Fuldaer Acllendruckerei in Fulda, rerntmechet 'Jh. ^elear.-Sldre ie: Fuldaer Heilung
Samstag, !8. Zum 1921»
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48. Zahrg.
Handgemenge im Reichstag.
Det Reichskanzler mahnt zum Frieden.
Eine Schande für Deutschland vor der ganzen fielt, daß es in unserer Volksvertretung zu Tätlichkeiten gekommen ist!
Wer ist schuld daran? Wie gewöhnlich des solchen Zusammenstößen ist der eine Te- schuldig und der andere Teil nicht ganz unschuldig. Schimpfreden sind toon längst üblich geworden. Wenn aus die groben Angriffe mit einem derben Zwischenruf geantwortet wird, so steigt die Erregung in Siedehitze. Der Präsi- dent ist ohnmächtig, denn in den letzten Jahren ist der Respekt vor dem Präsidium auf ein Minimum ge. funken, und der Ordnungsruf, der früher als ein öffentlicher Verweis gescheut wurde, wird jetzt von manchen Lt^eordneten wie eine Medaille für Tapferkeit ge°
Die Gegensätze unter den Parteien haben sich im» mer mehr verschärft, die Disziplin ist gelockert und das Gefühl für Anstand ist weiterhin abhanden gekommen. 2n den Parlamenten wie überhaupt im Parteigetriebe hat sich ein« erschreckliche Verrohung der Um» gcngsfonr.cn entwickelt. Man scheut nicht mehr zurück vor Ausdrücken, die kein leidlich erzogener Mensch in nüchternem Zustande über die Zunge bringen kann, und das Ende vom Liede ist dann eine Raufcrei, als ob der Reichstagspalast eine Schnapskneipe wäre.
Was ist dagegen zu machen? Mit Gewalt ist der Rohheit kein Abbruch zu tun. Auch eine Auflösung und Neuwahl würde nicht helfen, da bei der bestehenden Verhältniswahl die größten Radauhelden bei ihren leidenschaftlichen Anhängern die erforderliche Stimmen» zahl finden würden. Es bleibt schließlich nichts anderes übrig, als daß sich in den Parlamenten eine Art Cinheitsblock des Anstandes bildet, d. h. eure feste und zielbewußtc Gemeinschaft aller derjeni» gen Volksvertreter, welch« die Verhandlungen unter Wahrung der guten Sitten, in anständigen Formen führen wollen.
_ Das erste Gebot für einen solchen Anstandsblock müßte lauten: Keine aufreizenden Zwischen- r u f e! Aus den Zwischenrufen entwickelt sich leicht em häuslicher Kroch. Auch in dem vorliegenden Falle hätte der Ausfall des linksradrkalen Redners wahrscheinlich keinen Skandal erregt, wenn nicht e i n Hitzkopf von den Rechtsparteien einen Zwischenruf gemacht hätte, der im Zusammen klingen mit der Schlußwendung des Redners eine aufreizende Bedeu'ung erhielt, an di« der Urheber nicht gedacht hatte.
Ein geschickter Zwischenruf kann unter Umständen fehr nett wirken, wie ein Korn Salz in einer Suppe, die fade wird. Aber bei den zugespitzten Parteigegen- fützen wirkt er oft wie em Pfefferkorn, das ins Auge geworfen wird. Die radikalen Kraftredner entrüsten sich gern über einen Zwischenruf, aber sie lieben ihn doch, wci. er die Aufregung steigem Hilst, auf die sie ja gerade hinarbeiten.
Den Hetzrednern form nichts Unangenehmeres passieren als wenn ihre Schmäh- und Drohnoten mit Stillschweigen aufgenommen werden. Der übliche Beifall ihrer eigenen Gesinnungsgenoffen ist für sie längst nicht so wertvoll, wie der laute Widerspruch von der ® genfeite. Sie spekulieren auf dir Erregung der Leidenschaften, und dabei helfen ihnen die Gegner, wenn die sich lebhaft entrüsten.
Eine richtige Taktik war es, wenn bei lang angelegten kommunistischen Dauerreden dir übrigen Abgeordnete» den Sitzungssaal verließen. Eine solche stillschweigende Mißachtung der radikalen Beredsamkeit wir'?, wie ein kalter Wasserguß Die Zwischenruf; der E^riistung dagegen spritzen Del ins Feuer.
Man kann nicht immer eine gähnende Leere im Sitzungssaal herbeisührcn: wohl aber läßt sich den Hetzreden eine langweilig« Stille entgegensetzen. Was zur
Der Bing der Nuramaja.
Roman von Käte van Beeker.
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Beschämt und herzklopfend bog sich Marie hastig wie- »«r zurück hinter die blühenden Drangen, die den Blick auf den Balkon verwehrten. Sie hatte auch sein Gesicht erkannt, ein Gesicht, das sie nie wieder vergessen »ürbe, das wie die Verwirklichung irgend eines fernen, köstlichen Traumes vor ihr aufgetaucht und seitdem nicht mehr aus ihren Gedanken gewichen war. In ihrem Leben hatte noch kein Mann eine Rolle gespielt, und ihr eigenes Herz war kühl und rein wie eine eben vom Himmel gefallene Schneeflocke gewesen, bis zu Dem Augenblick, wo ein kleiner lächerlicher Zufall sie einem Fremden in die Arme warf.
Sic schämte sich, sie schalt sich, daß der Fremde, der wohl nie wieder an ihrem Wege stehen würde, der im Augenblick, da er seinen Schritt rückwärts von ihr wandte, sich wohl schon nicht mehr entsann, daß sie eben en seinem Herzen gelegen hatte, der sicher kaum wußte, »ie sie aussah, daß der einen Eindruck in ihr hinter» lasten hatte, der ihr das Blut zu Kopse trieb und das Herz wild schlagen machte, wenn sie nur fe:ne St mme wieder hörte. Er mußte eine besondere Kraft an sich haben, eine, die nah und fern wundersam auf sie wirkte. Gestern, da sie in seinen Arm-n lag, waren Ahnungen des Glücks und des seligen Geborgenseins über sie gekommen. Und das Glück jenes Augenblicks hatte in ihr nachzezitteit den ganzen Tag lang, und als feine Stimme zu ihr aufklang, crlchrak sie tief. Konnte das die Liebe fein? Konnte Liebe fo schnell, so blind über alles hinfluten?
Seitdem war ein Kampf und eine heiße Not in dem sonst so klaren, starken Sinn Marl s. Sie stand vor einem Rätsel; sie war sich selber ein Rätsel, und sie ra g mit sich und dem Ungeheuren, Unv'rständlichen, das so plötzlich und verwirrend über sie bekommen war. Was so schnell entstand das mußte auch schnell zu überwinden sein; und was so stark war, dem mußte man »rnsten Will'n und volle Kraft entgegensetzen, ihm fernen Zollbreit Platz und Macht einräumen. Lunge Pflanzen
sachlichen Berichtigung gesagt werden muß, läßt sich nachher sagen, wenn der Redner zu Ende gekommen ist Während der Hetzrede ist die Ruhe die erste Pflicht für alle, die auf Anstand und Ordnung hallen.
Es gehört Selbstbeherrschung dazu, andauerick» den Mund zu halten gegenüber groben Reizungen. Aber sic lohnt sich. Denn allmählich wird der Ton sich bessern, wenn die Hetzredner sehen, daß sie mit dem Poltern und Schimpfen keinen Effekt machen können.
Voraussetzung ist freilich, daß dir Verrohung des Tones sich nur auf einen Flügel des Parlamentes befchränkt. Wenn Heißsporne von der Rechten ebenfalls auf die Erregung der Leidenschaften ausgehen, so werden die Linksradikalen sich von ihrer Radau- beredtsair-keit nicht abbringen lassen.
Die Koalition des Anstandes muß recht breit und recht fest sein, damit sich die Radauhetden isoliert und mißachtet fühlen.
Der Declans der Sitzung.
Nach Beantwortung einiger kleiner Anfragen wurde in der Freitagssitzuna in die Beratung der unabhän« gisch-fozialistischen Interpellation über die Ermordung des bayerischen Land, tagsabgeordneten Gareis eingetreten. Der unabhängige 2lbg. Unterteilter begründet in langer Rede diese Interpellation. Es ging dabei noch leidlich ruhig her, trotzdem Unterleitner mit der allergrößten Schärfe sprach. Er brachte zeitweilig sogar das Haus in eine sehr heitere Stimmung durch das Verlesen ganzer Ze!- tungsartikel des rechtsradikalen „Mießbacher Anzeiger". Im übrigen nahm das Haus nur sehr geringen Anteil an Unterleitncrs Ausführungen. Nur von Seiten der Rechten kommen verschiedene Zwischenrufe. Am meisten betelFat sich daran der deutschoolkspartes. liche Abgeordnete Mttelmann Er bringt schon dadurch den Redner in eine immer größere Aufregung, aber auch die Unabhängigen und Kommunisten, die d'cht gedrängt vor der Rednertribüne stehen. Unterleitner bc bouptetc dann, daß Münchener Studenten dies. Tage erklärt hätten, es müßten noch 5000 von diesem Gesindel umgebracht werden, damit Ruhe werde. Auf eine Entaegnung, daß man doch Kommunisten nicht so ohne weiteres umbringen dürfe, hätten sie erklärt, „Kommunisten seien keine Deutschen, die erledigen wir kalt." Der oolksparteiliche Abgeordnete Mitte'mann machte hier den Zwischenruf: „Da haben sie recht!"
Nun setzt der Hexensabbath ein. Wie aus einer Kanone geschossen stürzte sich der kommunistische Abge- ordnete R e m m e l e auf die Seite d->r Rechten hinüber, fällt über den Abg. Mittelmann her, stößt ihn vor die Brust, daß er zurücktaumelt und versetzt ihm einen Hieb über Brust und linke Kopfseite. Die Abgeordneten der,Recht >n. vor allem Dr Becker tmd Ge- nerat von Schoch, die sich dazwischen gedrängt hatten, konnten den Zusammenstoß nicht verhüten. Cs bricht ein furchtbarer Tumult los, da im selben Augenblick auch andere kommunistische Abgeordnete zur Rechten hinüber sprangen und die Abgeordneten mit Tätlichkeiten bedrohten. Es kommt auch verschiedentlich zu kräsik. gen Püffen. Remmele ist außer sich vor Wut. Er springt zum Reichskanzler, der an feinem Platze sitzt, dann zum Präsidenten schlägt mit den Fäusten auf die Pulte und ruft wütend aus: „Das Taffen mir uns nicht gefallen!" „Der Kerl muß rausk" Der Präsiden» sieht sofort das Kritische der Situation, er bemüht sich «rst garnicht lange. Ruhe und Ordnung zu scharfen, sondern verläßt sofort seinen Präsidenfensitz Was sich nun über eine Viertelstunde lang im Saale abspielte, läßt sich nicht beschreiben. Die ganze Fraktion der Unabhängigen wie her Kommunisten drängt auf die Rechte mit ae. ballten Fäusten ein. unter einem furchtbaren Lärm und brüllendem Geschrei, daß kein Wort mehr zu verstehen ist. Die beiden Gruppen drängen auf das heftigste gegeneinander und durcheinander, es kommt zu einem r egelrechten Handgemenge, in das sich schließlich auch die weiblichen Abgeordneten, vor allem die deutschnationale Abg. Frau Behm und die unabhängige Abg. Frau Agnes milchen. Sie sind schließlich so zwischen die kämpfenden Männer gekeilt, daß sie selber aus das drifte bedrännt sind. Der Abg. Simon be’onunt emen förmlichen Wutanfall. Er stürzt sich mit erhobenen Fäusten mitten in die. fast kompakte, Körper an Körper zusammengeballte Gruppe, die er mit aller Macht auseinanderreißt, um auf den Abg.
entwurzelt man leicht, und junge Torheit darf man nicht wachsen lasten!
Mit hundert klugen Worten und hundert streitbaren Gedanken zoa Marie gegen ihr im russiges, aufgsschreck- tes Herz zu Felde. Frauenstolz, Scham, Vernunft, aH-s stand in Waffen und kämpfte, und angstvoll floh sie die Möglichkeit, den fremden Mann, der all die Unruhe und Verwirrung über sie gebracht, wieder zu treffen. Sie suchte die entlegensten Wege auf, sie fuhr zu den einsamsten Stellen der Umgebung, ste merkte sich die Stunden, in denen er sich der Gesellschaft Karins widmete und sie sicher sein konnte, daß er ihre Pfade nicht kreuzen würde; sie tat alles, um ihn zu vergessen, und in dem steten Bemühen, nicht an ihn zu denken, dachte ste Tag und Nacht an ihn.
Auch ihm war es manchmal, als streifte ihn ein weicher Luftzug, als lege sich eine feine, liebe Hand auf bie feine, sekundenlang und, kaum empfunden, auch schon wieder verweht, aber so hold und erquickend. daß wieder eine Ahnung jener unbeschreiblichen Seligkeit über ihn hinzog wie damals, als die dunkeläugige Fremde an feiner Brust lag, und mitten in einer leb. haften reizvollen Unterhaltung mit der Zauberin Karin überfiel ihn eine starre Gedankanvcrlorenheit, ein Versessen ihrer Gegenwart, und wenn sie ihn dann sch-r» zend ober zürnend wieder zum Bewußtsein ihrer Gegenwart zurückrief, faßte ihn eine Art Haß und Widerstand gegen den Zwang, den dieses schöne, gefährliche Mäd- chen auf ihn ausübte Aber wenn dann Karin zu ihm hinlächelte und ihre goldenen Augen strahlten wie lauter Sonne, verbrannte in ihrem Feuer alles, was eben noch widerspenstig und unruhig durch feine Gedanken ge- zogen war.
Er seufzte im halb beglückenden, Huld bedrückenden Gefühl feiner Hilflosigkeit. War sie doch fein Schicksal? „Welch ein lieblicher Gedanke beschäftigt Sie fo vollkommen, daß Sie nichts von Ihrer Umgebung sehen und hören?" fragte Karin spöttffch in feine Gedanken hinein und runzelte oerftin mf die dunklen Brauen. „Das Lächeln iah kaum nach einem Schatten aus!" — „Und war doch ans einem solchen entstanden, aus einer Warnung." — „Ah! Wieder die vor den blonden Frauen?" — ,5a und nein." — ,22er wagt es, vor
Mittelmann emzudringen. Es hätte nicht viel gefehlt, so hätte ein wuchtiger Schlag Simons Mittelmann getroffen. Mittelmann ist kreideweiß, er wird von feiien Freunden zurückgedrängt und aus den Wandelgängen kommen andere Abgeordnete zu Hilfe. Schließlich aer» sucht es auch der Reichskanzler, die streitenden Gruppen zu trennen, wiederum ohne Erfolg. Die Abgg. Adolf Hoffmann, Dittmann, Höllein besetzen die Rednertribüne, jeder fängt für sich unter tosendem Gelärme eine Rede an, vielen steht förmlich vor Wut der Schaum vor dem Mund.
Immer von neuem brechen btt leidenschaftlichsten Szenen los und immer von neuem scheint es, daß es zu schweren Tätlichkeiten kommen wurde. Die unbeteiligten Abgeordneten sind geradezu niedergeschlagen und erschüttert vor. dem. was da vorging. Erst als Präsident Lobe erklärte, daß der Aeltesten-Ausschuß den Tatbestand scst» stellen werde, gibt es einigermaßen Ruhe.
Der Reichskanzler spricht.
Nach zweistündiger Pause eröffnet Präsident £3be wiederum die Sitzung. Er erklärt, der Aeltestenausschuß habe versucht, den häßlichen Zwischenfall auf» zuklören. Unterleitner habe erzählt, bayerische Stu- deuten hätten erklärt, in Bayern müßten 4—5000 Kommunisten an bie Wand gestellt werden. Dann erst würde Ruhe sein. Auf die Frage, ob sie feine Versöhnung wollten, hätten sie erwidert: „Wir wollen feine Versöhnung; Kommunisten sind feine Deutschen, die erledigen wir falt!" Dr. Mittelmann habe da den Zurus gemacht: „Da haben sie recht!" Wärt dies« Darstellung des amtlichen Berichtes unbestritten, so wäre für diese Billigung des Mordes, die in dem Zuruf liegen mußte, die schärfste Rüge am Platze. Dr. Mittelmann habe aber erhärt, fein Zuruf habe sich nur auf den ersten Satz bezogen: Die Kommunisten sind feine Deutsche. Den weiteren Sah. daß sie feit gemocht werden, müßten, habe er und feine Freunde gar nicht vernommen. Der Präsident bebauert, daß Dr. Mittelmann die gespannte Stimmung durch fernen Zuruf mir noch verschärft habt. Er erteilt D r. Mittelmann eine Rüge. Eine schärfere Rüge läßt er noch dem Abg. Remmele zuteil werden, der den tätlichen Angriff auf dm Abg. Mittelmann unternommen hat.
Nachdem Unterleitner seine unterbrochene Rede zu Ende geführt hot!t. sprach Reichskanzler Dr. Wirth: Die Ermordung des Abg. Gareis ist eine feige, schmähliche Tat. die ihre Sühne finden muß. (Zu» ftimmimg.) Wir wollen aber nicht in ein schwebendes Verfahren eingreifen. Der Reichsfanzler verliest die amtliche Mitteilung der bayerischen Negierung über ben Gang her Untersuchung. Darnach wird die Untersuchung mit dem größten Eifer geführt. Es sind feine besonderen Merkmale und Kennzeichen von dem Mörder bekannt. Die Tat geschah in einer dunklen, menschenleeren Straße. Di« Po- ’'3*i >rrci;» mit Eifer irden Verdacht auf, um den Spuren nachzugehen. Das Mitleid mit der Familie und den Freundm des Opfers bringe ich Wer im Namen der Reichs- legrerung zum Ausdruck. (Beifall.) Das ist allerdings noch feine Sühne. In dem Mord kommt eine Verwilderung der Sitten zum Ausdruck, namentlich, da er noch von einzelnen verherrlicht wird, was ae. eignet wäre, unserem Vaterlands den Todesstoß zu ver» setzen. Wir können »ns die kommende politische Entwicklung nur in der Erzielung einer friedlichen Demokratie verstellen. Der. föderalistische Charakter des Reiches legt her Reichsregierung mm eine gewiße Zurückhaltung auf. Wir dürfen in die rechtmäßige Recherungsautorität eines Landes nicht Eingreifen, solange sie veriasirmasmaßrg ist. Aber in Bayern soll man sich darüber klar fein, daß dos. was in den letzten Wochen unb Monaten dort an riniaen Plätzen aeschehen ist. neewmet ist, die Einheit des Reiches xu, reritören. (Beifall links.) Selbst die Person des Reichspräsidenten ist in einer Art nerungttmnft worden, die iefcer Staafsoirtori'tät ickträgl'ch fein muß. In ganz Deutschland mutz man diesem Mann nachsagen, daß er vom ersten Tage feiner Amtsführung cm seine Pff'cht in einem Maße wahrgenommen hat. tre ihm den Dank des o»mzen deutschen Dorfes sichert. (Beifall links und in der M'tte) Diese Verwilderung der Sitten hat schsieß'ich eine Atmosphäre geschaffen, die zu Entladungen führen mußte, ob di? Herren das nun beabsichtigt haben oder nicht. (Große Unruhe rechts.) Die Hauptfrage ist setz»: Wie sieht es mit der Entwaffnunasaktion in Dauern? Nach den vorlreoendeu Zahlen ist sie durchaus gsinsich strigefchrstten. (Beifall.) Ich hoffe, daß in kurzem der Ausnahmezustand m Preußen verschwunden sein
blanden Frauen zu warnen, hier, in unserer Gegen, wart?" fiel Ebba, die sich eben wieder einmal mit Mister Maeleton gründlich gezankt hatte und ihren bren- nenden Haß gegen diesen unverständigen Mann, der fie oft noch wie ein Kind behandelte, unter irgend einem Vorwande unbeachtet herunterschlucken wollte, dringend ein.
„Meine Urahne tat es, gnädiges Fräulein." — „Weiter nichts, Ich dachte doch wenigstens, daß die Prophezeiung einer Zigeunerin dahinter steckte, etwas wirklich Interessantes, wobei einem leises Gruseln über den Rücken läuft. Weißt Du, Karin, wie damals das, was die Zigeunerin Dir sagte!" — „Ach. der Unfinn!" Karin zuckte qerimffchätzend die Schultern, ober über ihr Gesicht fiel ein Schatten. — „Na, ja, Unsinn. Nicksis konnte weniger für Dich paffen, als was sie faate, aber die Art, In der sie es verbrachte, hatte doch etwas Zackendes. Du bist damals auch ganz blaß geworden und hast Dich geärgert.” — „Ich dachte nicht an Aerger, kaum hlngehört habe ich." — „O, Karin, leugne doch nicht: damals hat es Dich sehr ergriffen! Mich auch! Ich weiß noch fast wörtlich, was sie sagte und wie sie es sagte!"
Ebba war aufgesprungen, vor Karin getreten, faßte deren Hand und ihr suaendfrischrs, weites Gesicht wurde mit einem Schlage seltsam streng, ernst und fremd, als sie, die Widerstrebende festhaltend, auch mit fremdem, dumpfem Tone sprach: „Alles Glück, das Du Dir wünschest, o Herrin, wird in Deine Hand gegeben werden, in diefe schöne, unglückliche Hand —", die zuckte und wollte sich aus der Ebbas befreien, während ihre Besitzerin mit zusammengezogenen Brauen und erblaßten Wangen saß; aber Ebba achtete nicht darauf, i- dem. selben dumpfen, strengen Ton fuhr sie fort: „Und diese Hand wird all das Glück wieder von sich stoßen u-id es fallen lassen und wird den dürren Stob nehmen, der aber in ihr grünen und segensreiche Früchte tragen wird, da Du ihn mit Tränen begießen und mit Buße und Reue düngen wirst." — „Ebba, laß die Komödie!" Mit blitzenden Augen und erblaßten Wi^oen riß Karin nun gftoaltfam ihre Hand aus der der Schm ster. „Du ' fabelst, um Deine schauspielerische Kunst zu zeigen!"
wird. In diesem Sinne wird die Reichsregie-rung eine demokratische, positiv« Politik treiben. (Beifall llnks unt in der Mitte.) Leider standen wieder sinnlose Aktionen m bedrohlicher Nähe. Unsere Politik perenüber Bayern wollte bi« Reinhaltung der Atmosphäre sich aus den innersten
."chcu Kräften Bayerns selbst entwickeln lassen. Das ist in einem gewissen Sinne geglückt. Lesen Sie bie Aeußerungen der bayerischen Volkspar- t e ! gegen den Rechtsradikalismus. Ich freue mich, daß sich jetzt diese Entwicklung zum legalen Staats» gedankon in ganz Süddeutschland bemerkbar macht. Wir werden mit den Ländern möglichst freundschaftlich zusammenarbeiten. Verzeihen und vergessen, das ist die Parole, die ich befolgen werde.
Samstag: Weiterberatung; kleine Vorlagen.
Ententebesprechungen in Paris,
Deutschland soll die Zech« bezahlen.
Während die Konferenz des Obersten Rats als vorläufig aufgeschoben und aufgehoben betrachtet werden muß, findet heute eine andere wichtige Konferenz zwischen England und Frankreich in Paris statt. Der britische Außenminister Lord Curzon begab sich nach Paris, um mit Briand über die P r o b l e m e des nahen Ostens zu konferieren. Auch Italien wird jedenfalls auf der Konferenz vertreten fein. Wie die Pariser Presi« mitteilt, wird auch die o b e r s ch l e- fische Frage besprochen werden.
Englischen Dlättern zufolge rechnet man damit, daß England sich zu der Haltung Frankreichs in der oberschlesischen Frage sympathisch verhal» ten werde, während Frankreich bezüglich der Türke» der britischen Politik entgegenkommen werde.
Frankreich und die Saargruben.
Die französische Kammer beriet den Gesetzentwurf zur Schaffung eines Amtes für dir staatlichen Kohlengruben im Saargebiet. Durch den Emwurs werden die Saararuben unter St aatskon trolle gestellt und direkt verwaltet uni ansgebeutet. Der Berwaltungsrat hat seinen Sitz in Paris. Nach 15 Jahren soll die Verwaltung von einer Aktiengesellschaft übernommen werden.
Die amerikanische s^rievenSresolution
Nach einem Funkspruch aus Washington kündigen die republikanischen Führer des Repräsentantenhauses und des Senats eine baldige Beilegung der Meinungsverschiedenheiten über di« Resolution betreffend die Wiederherstellung des Friedenszustandes mit Deutschland an.
Gberschlefien.
Der 12er-Ausschuß der deutschen Parteien will weitere Strecken vorn Selbstschutz räumen lafien, wenn vorder die Insurgenten toeiiere Strecken d«S Zentralreviers räumen. Damit sind die Hindernisse für eine baldige Räumung des Industriegebiets aus dem Wege geräumt.
?lm 15. Ium fand in den Vorstädten von Beuihen eine heftige Schießerei statt. Die Insurgenten bringen immer weiter in die Stadt vor und verüben zahlreiche Gewalttaten.
Durch Vermittelung des Genfer Roten Kreuzes wurde int oderschlesiichen Aufstandsgebiet ein Austausch polnischer u. deutscher Gefangener vorgenommen. In Rosenberg sind 359 interniert gewesene Deutsche eingetroffen.
Verbot einer Gleiwiher Zeitung.
Der Eleiwitzer Stadtkommandant hat die „Ober- schlesische Volksstimme" in Gleiwitz verboten. Di« Drurrerei wurde geschloffen unb versiegelt. Hierdurch sind über 300 Personen brotlos geworden. Die fo- ihblisch: Volkspartei (Zentrum), deren Standpunkt das
Im Nu hatte sich Ebbas Gesicht wieder zu dem gewandelt, war es sonst war; sie lachte hell auf und drehte sich auf dem Absatz herum. „Habe ich es nicht gut gemacht? Genau wie damals die düstere Person mit den abwesend blickenden Augen. Ja, wenn es mal nicht weiter geht, werde ich Schauspielerin. Aber, Karin, gefabelt habe ich nicht, genau so hat sie gesagt. So etwas vergißt man nicht Du hast es auch nicht vergessen " — „Ich bitte Dich. Ebba", fuhr Karin auf, „laß jetzt ben Unsinn! Du machst gar keinen guten Einbruch wenn Du Dich als tragische Prophetin vorführst; Dein natürlicher Backfischübermut steht Dir viel besser. Nicht wahr, Mister Wlaereton?”
Srf)on wieder eine Anspielung auf Ebbas junge Hahr?» di« doch schließlich mehr ein Vorzug, als eine Veranlassung zu Spott und Entwertung ihrer Perlon, lichkeit waren' Und sie erwiderte ebenfalls erreg!: „Was hast Du Mister Maeleton zu fragen, Karin? Du weißt doch, baß er nach meiner Ansicht kein Urteil über Frauen hat. Und augenblicklich ist von Frau-n auch gar nicht die Rede, sondern von Prophezeiungen." — „Nein, bitte, meine Ungnädige, bas Gespräch ging gerade von einer Frauenfrage aus, von einer Frage nach blonden Frauen und einer Urahne, die vor ihnen gewarnt hat. Si« sind wieder einmal nickt ganz logisch und nicht ganz bei dem Kernpunkt der Sache."
Mister Maeleton sah neckend in Ebbas erzürntes (Ae. sicht und freu'e sich schon im voraus ihrer geharnischten Antwort. Aber Karin ließ sie zu dieser nicht kommen. „La, richtig, die bösen blonden Frauen! Baron Sefen« bürg ist uns noch die bezügliche Zusammenstellung von ber Urahne und Den blonden Frauen schuldig " —- „Ach”, wehrte Hans Heinrich ab u"i> sah nachdenklich aus, „bas würbe zu weit führen" Er hatte dar Bemühen, da» Gespräch von biescm ihm peinlichen Thema abzulenken. „Uebrh.ns entsinne ich nrch jetzt, gnäbiges Fräulein, bah Sie bei unserem ersten Gespräch über Prvph«. jeiungen eine ganz andere Ansicht entwickelten als jetzt. Sie sagten damals: „Prophezeiungen sind vorausgefag. tes Sch'ck'al." Ich habe tos Wert behalte«, weil M mich Damals so selilam berührte."
(Loirjetzunp folgt.)