Fuldaer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.
Nr. 136.
tietamroortlid) tüt Den tteauionellen Teil: Dr. Kramer, - tüt die Anzeigen: I. Parzei ler-gu.oa. u Rotationsdruck u. Vertag der guldoer Äciiendruckerei In Fulda, ttfmiDiedier Nr. 9. Teiear.-Adretsr: Fuldaer Zeitung
Donnerstag, 16. Juni 1921.
Bezugspreis; Monatlich 3,00 Mr. odne Zustellgeduht. In Fu>do bei unsadqeholl 3,15 Mk. Anzeigenpreis: Die Kleinzeile iTotonelmag) 60 u. 10° , Zujchlag, die Reklamezeile (lerthrpitel 1.80 Ulf, u. 10°-» Zuichlaa. Bet Wiederhol. Rabatt.
48. Zahrg.
Uritifche Augenblicke in -er ober-chlefi'chen ztage.
Vorstellungen der Alliiertcn in Berlin.
Der französische und der englische Botschafter erschienen am Mittwoch beim deutschen Neichsminister deS Aeufern, um Vorstellungen in der oberschlesischen Frage zu machen. Die Verantwortung für die jrilische Lage suchten sie dem deutschen Selbst, schütz zuzuschreiben. Reichsmininer Rosen trat diesen Ausführungen mit Nachdruck entgegen und teilte mit, daß eine Note an die alliierten Regie- runaen abaegangen fei, tn der die unerträgliche Laae in Oberscklesien geschtioerl und das Verlangen gestellt wird, Oberschlesien von den Jnsurgenien zu säubern. Jnzwilchen scheint sich eine Verständigung der alliierten Truppenführer mit General Höfer vm zubereiten.
Wenigstens wird aus Oppeln gemeldet, General Höfer habe dem alliierten General Henniker die Ort» schajten östlich der Linie 13 Km. nordwestlich Dollna- Annabof-Westrand-Lichinia-Ostrand-Kuichnitzka zur llnte'biingung englischer Truppen für die Eäuberungsakrion zur Verfügung gestellt
Die deutsche Note.
Die deutsche Regierung richtete nach Pari f, London und Rom eine Note, in der die unerträgliche Lage der Deunchen in Oberlchlesien geschil. dert wird. Die Menschenverluste seien g,oß. Tie Aufständischen häuften Greuel auf Greuel, verschleppten Hunderte von friedlichen Bürgern, der» nichtelen zahlreiche historische Bauten, raubten den Bauern das Vieh und zerstörten viele Gebäude und Geräte. Ebenso traurig lägen die Verhältnisse in der Industrie und im Verkehr. Das dauere schon sechsWochenan, ohne daß die interalliierte Äommiffion Mittel zur N>ede:werfung des Auf- lftandcs gefunden habe. Die deutsche Regierung müsse gegen diese Zustände die schärfste Verwahrung einlegen und verlangen, daß mit Nachdruck durchgegriffen und Obeischlesien von den Zn- surgenien geläutert werde. Nach dem Abstimmungs- ergkbnis stehe der oderichlestichen Bevölkerung las .Recht zu, restlos von der Jn^urgentenyerrfchast be- jreit zu weiden.
Bolschewismus in Oberfchlesieu.
Nach einer Meldung aus B e u t h e n liegen dort Nachrichten aus den Landgemeinden vor, die besagen, baß die nationalistische Insurgenten- bewegung immer mehr in bolschewistisches Fahrwasser gerät. Sogar Ko rs anty trägt tiefem UmftonLe Rechnung und erklärt in seinem Matte „Wrgwciier". tc[< der Aufstand n.ht nur nationalen, sondern auch politisch-revolutionären Charakter habe. Der Kampf gelte vornehmlich den preußischen Großindustriellen, den Großagrariern und den Verwaltungsbehörden.
Kämpfe in Beuchen.
Dem „25erL Tagt bl." zufolge finden in Beuchen Kämpfe zwischen in die Stadt eingedrungenen In- furgenten und dvm Selbstschutz statt. Die Insurgenten verloren mehrere Tote und Verwundete. Durch Handgranaten wurde bedeutenüyr Sachschaden ungerichtet.
Areilassvng eines verschleppten Abgeordneten.
Der von den Insurgenten verschleppte Reichstags» obaeordnete Bias ist nach einer Meldung des „Vorwärts" nach drei Tagen Haft wieder frergrlasf «n worden.
Bestialisch« polnische Mordtat.
In M y s l o w i tz wurde der Buchdruckerei bestach Rolle von den polnischen Insurgenten verschleppt und auf bestialische Weise ermordet.
Der King der NuramLja.
Roman von Käte van Beeter.
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Karin selbst war davon nicht ganz so überzeugt wie die Schwester. Sie hatte ein sehr feines Gefühl für die Macht, die sie über Männerherzen ausübte, und sie spürte bei den besden, die augenblicklich ihren täglichen Umgang und eine gewisse Leibgarde ihrer Schönheit büdeten, heimliche Gegenströmungen, die ihr sonst nicht leicht in ihren Einfluß hincinkamen Bei Macleton gingen diese Gegenströmungen wohl nur aus seinem Tem. perament hervor. Er war fischblütig. skeptisch und an- scheinend sehr lebcnsklug und erfahren. Der Flirt mit den schönen Mädchen war ihm ein anregend Tazes. spart, aber er schien nicht die leiskste Neigung zu haben, ihn zu einer ernsten Lebensbeschästigung answ^chsen zu lasten. Karin, die sich mittlerweile überzeugt hatte, daß der junge Amerikaner eine durchaus standcsgemäße Partie sei, erkannte auch bald die Geschicklichkeit, mit der Mister Macleton sich gegen Angriffe auf seine Freiheit zu verteidigen wußte, und hätte nach dieser Erkenntnis kaum mehr einen ihrer sehr fein berechneten und spür, lichen Huldbeweise an ihn verschwendet, wenn sie — ja wenn sie Hans Heinrichs Liebe vollkommen sicher gewesen wäre!
• Aber obgleich dieser viel fester im Banne ihrer Persönlichkeit zu liegen schien als der überlegende Amerikaner, so war doch irgendwie gerade in ihm ein W drr. stand gegen ihre Macht, dessen Ur'prung sie nicht entdecken konnte und der sich manchmal n cin-r Schärfe kundtat, die bann an Abneigung grenz e. Gerade das aber fesselte und belustigte Karin. W.verstand zu be. siegen, reizte sie mehr als alles andere: cs gab ihr die Lebenskraft, die sie brauchte, um den Gedanken an den Ernst einer fcsken Beziehung zur Ausfüh-"ng zu bringen. Denn eigentlich graute ihr davor. Ihr Hrz war so falt, ihr Herz widerstrebte so heftig, cs bäumte sich auf gegen diese Festes, die von der Not des Lebens ihr auferkegt werden sollte.
Dann dachte sie, daß noch Zeit vor ihr läge, in der J!e sich frei machen konnte von einem alten Schmerz, von
Ein französisch-polnisches Abkommen.
Ter »Manchester Guardian" ist in der Lage, die drei Haupipunkte des von der AuSla dspresse mehrfach ei wähnten polnisch-ft anzösischen Abkommens, das demnächst rat fiuert werden soll, rnitzuteilen. Frankreich soll das Recht zur Ausbeute, der galizischen Erdölvorkommen erhalten. Ueberhaupl scheint Polen bet diesem Abkommen nur der leid- tragende Teil zu fein, denn es verpflichtet sich erneut, ein stehendes Heer von GOOuüO Mann unter den Waffen zu hallen, ferner eine bestimmte Zahl von Fiaukreich zu erwählender Generalstabsoffztere in seinem Eencraistab einzu chreiben.
Auch ist es Polen nicht gestattet, L xuswaren einzufüiren, die über ein Jahreskontingent von höchstens 2000 Millionen Fronten französischer Erzeugnisse hinausgehen. Inwieweit die obenchlesiiche F>age im neuen Abkommen eine Rolle spielt, ist noJ) nicht bekannt.
Die finanzielle Liquidation des Krieges.
Jnlcrolliierke Ainonzkonfereuz.
Heute beginnt in Poris unter dem Vorsitze von Seydoux eine Konferenz von Vertretern der Finanzminister der alliierten Länder. Die Konferenz wird sich mit Fragen zweiter Ordnung beschäftigen.
Die Finanzlage Frankreichs.
Flncmzministec Säumer erläuterte in der französischen Kammer die Finanzlage Frankreichs. Sie l e tz t e A n le i h e sei bereits vollständig auf gebraucht. Jnzwische-i habe sich die Finanzlage noch verschärft und es mußten neue Schatzbons cusgegeben werden. Doch fei setzt die schwierigste Zeit vorüber.
Das Defizit der Eisenbahnen hoffe er zu beseitigen. Sie Heeresausgaben müßten vermindert werden und andere Anleihen als eine Konsolidierungsanleihe müßten abgelehnt werden. Ser Minister kündigte eine Herabsetzung der Staatsausgaben von 26 auf 23 Milliarden Franks an. Die voraussichtlichen Einnahmen beliefen sich auf 17V- Milliarden Frank-, wozu noch drei Milliarden Zolleinnahmen und Kriegsgewinnsteuer kämen, sodaß man mit einem Defizit von 2% Milliarden durchkommen forme. Der Minister kündigte schließlich eine Erhöhung der Einkommen- und der Umsatz st euer an.
Die deutschen Schuldverschreibungen.
Die Reparationskonimiision teilt mit, daß die deutsche Regie« ung demnächst eine Gesa ml sch ul d- verjchreibung über 12 Milliarden Goldmark übet reichen weide. Tie Schuldvertchteidung oll später tn Obligat orten etnpe eilt werden und soll 5 % Zinsen tragen und mit 1 °/o amortisiert werden. Die deutsche Regierung toll ferner an die strenge Einhaltung derHolzlieferungen erinnert werden. Bis zum 28. September b. I. Hube Deutschland 960000 Kubikmeter Holz zu liefern.
Die Zollgrenze nm Rhein.
Einhekkszoll für Postpakete.
Das Zollkomitee der Rheinlandkommiffion hat nach der „grff. Zig." in Abänderung der bestehenden Bestimmungen über die Verzollung von P o st- Paketen mit Wirkung vom 10. Juni a b folgendes bestimmt:
Von Postpaketen bis 5 Kita werden bei der Einfuhr in das besetz!« Gebiet 2 Mark, bei der Ausfuhr 1 Mark erhoben, bei Postpaketen von 5 bis 10 Kilo werden bei der Einfuhr in das besetzte Gebiet 4 Mark und bei der Ausfuhr 2 Mark erhoben. Del Postpaketen rann 10 bis 15 Kilo beträgt der Einfuhrzoll 12 Mark, der Ausfuhrzoll 6 Mark, bei Postpaketen von 15 bis 20 Kilo der Einfuhrzoll 16 Mark, der Ausfuhrzoll 10 Mark. Es werden also die Pakete ohne Rücksicht auf ihren Inhalt nur nach dem Gewicht verzollt werden, einer Erinnerung, gegen die sie kämpfte Tag und Nacht und die doch neben ihr ging zu jeder Stunde und an jedem Ort.
Karin preßte die Hände zusammen und war schöner, verführerischer und siegender als je, und Edda fühlte in solchen Augenblicken einen Zorn in sich, der riefenhoch aufioderie und sich merkwürdigerweise nicht gegen die sieghafte, rücksichtslose, schöne Schwester richrete, sondern geradezu gegen diesen langweiligen, unangenehmen Menschen, diesen Mister Maeleton, mit dem sie, getreu ihrer ersten Begegnung, in einem steten, zwischen schelmischer Neckerei und ernsthafter Unzufriedenheit und Auflehnung schwankenden halben Kriegsoerhältnis lebte, das von beiden Seiten dem bekannten Reigen von Her. zen zu Herzen so wenig ähnlich sah wie ein kahler Dorn- dusch dem blühenden, duftenden Rosenstrauche.
Hans Heinrich erholte sich in diesen Tagen mit überraschender Schnelligkeit. Seine Jugendkraft kam endlich zum wirksamen Durchbruch, und da« Gefühl ihres vol. len Besitze, hätte ihn sehr glücklich machen sollen, wie denn überhaupt die ganzen augenblicklichen Verhältnisse ihn so recht begünstigten, wie er es sich nicht besser wün- schon konnte. Aber trotzdem fühlte er sich durchaus nicht glückt ch und zufrieden. Ueber und in ihm war eine stete Unruhe, eine Spannung und Unzufriedenheit, zu deren Erkenntnis er vielleicht selbst nicht einmal tarn, die ihn aber fo stark beeinflußte, daß aus ihr wohl auch der heimliche Widerstand gegen die Macht Karins entsprang. Er empfand diese oft wie einen quälenden Druck und konnte sich ihr doch nicht entziehen; wollte es wohl aud) nicht, denn der Reiz, den das schöne, ihn geschickt an- zieh'nde und zurückwoisende Mädchen auf ihn ausübte, umkpnnn ihn jetzt mit demselben Zaube- dem er schon br;r ersten Begegnen mit ihr erlegen war.
Aber dabei das Unbefriebigtfein in i.: m? Woher kam es: Er fühlte es oft fast körperlich, und dann kam ihm jmm:r wieder die Erinnerung an ein Paar fanftblickonde braune Augen, an ein schelmisches Grübchen in einem ! lachenden jungen Gesicht und an eine wunderbar schöne, ! zarte Franknhand, von der Ströme des Glücks und 1 körne- 'ich-n u,nh Jeelifdjen Wohlgefüh.s ausgingen, eine
sodaß Waren, die bisher einen höheren Zoll fofteten, mm- mehr nach den Einheitssätzen abgefertigt werden. Aus der anderen Seite tritt eine starke Teuerung für solche Waren ein, die bisher ohne jeden Zoll über die Rheinzollinie ein- bezw. ausgeführt werden konnten. Ein Gewinn der Neuregelung (wenn von einem Gewinn bei der ungeheuren Belastung des rheinischen Wirtschaftslebens durch Ne Zollgrenze überhaupt gesprochen werden kann) liegt nur darin, daß eine schnellere Zollabfertigung erreicht wird. Eine Ausnahme von diesem Einheitstarif machen nur die nachfolgenden Waren, die in der bisher üblichen Weise verzollt werden müssen: Edelmetalle und Gegenstände aus solchen her- gestellt, Edelstein«, Wertpapiere, Kunstwerke und Kunst- gegenstände, Seide ober aus Seide gefertigte Gegenstände, Tabak, Zigarren an> Zigaretten, synthetische Farbstoffe, chemische und pharmazeutische Erzeugnisse. Sacharin, Pelze und alle Kürschnerwaren, Elfenbein und Imitationen, Ga- gat, optische und Präzisionsinstrumente, Uhren.
Für den Geldbeutel der Enteule.
Sie Zollsanktionen am Rhein haben nach dem „Matin" im ersten Monat das Ergebnis von 170 Millionen Franks geliefert.
Schutz des unbesehleu Gebiets vor Luxuswaren.
Ser Reichswirtfchaftsminister legte dem wirffchaft- lichen Ausschuß des Reichswirtfchastsrats einen Gesetzentwurf über die Ueberwochung des Paketpostverkehrs zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet vor, durch den die Ueberschwemrnung des unbesetzten Gebiets mit ausländischen Luxuswaren verhindert werden soll. Stefer Zustrom beziffert sich geaenwärtig auf fast eine Milliarde Mark. Vermutlich ist auch die Schwächung der deu scheu Valuta darauf zurückzuführen. Set Ausschuß genehmigte einstimmig den Entwurf.__________________
Deutsch-russischer Handel.
Dem .Tageblatt^ zufolge beginnt sich der pral- tische Handels aus tausch zwilchen Deutfchland und Rußland schon anzulassen. In Berlin sei ein Prodepoften russischer Pelze, Felle und Häute eingeiroffen, der voraussichtlich in Leipzig zur Auktion gestellt wird. Einst« Partien Flachs und Hans sollen demnächst eintreffen. Außerdem lagert eine größere Holzlikferung ausfuhrbereit in Riga. __________ _
Deutscher Reichstag.
Der Ienirmrssiandpunkt zur Gekreidebewirlschastung.
Der Reichstag erledigte zunächst 'n feiner Sitzung am Mittwoch den Gesetzentwurf über Aend-rung des Wehrgesetzes vom 23. März 1921. Das Ge- setz ist, wie der Rcichswehrmin ster Geßler aussüh-te. notwendig geworden durch das Ultimatum der Entente. 3n § 2 soll ausdrücklich festgesetzt wird n, daß in die Zahl von 100000 Mann 4000 Offiziere und im Offizierrang stehende Beamte als Höchstzahl eingeschlossen sind. Weiterhin soll die Zugehörigkeit zur Wehrmacht fest umschrieben werden; sie soll dauern vom Tage des Diensteintritts bis zum Ablauf des Enilas. sungstages. Man will hierdurch verhüten, daß die Re- truten einer Probezeit unterworfen werden. Es folgen noch Bestimmungen über besondere Versorgung derjenigen Heeresangehörigen, die infolge des neuen Gesetzes entlasten werden mästen. Die Frist für Der- obschiedung dieser Gesetzesvorlage ift auf t> e n 15. Juni gesetzt. Der Reichstag stimmt daher ohne Aus- spräche dem Entwurf in allen drei Le f u n g e n zu.
Danach setzt er die zweite Beratung des Gesetzes über ble Regelung des Verkehrs mit (Betreibe für die Ernte 1921 fort. Als erster spricht der Zentrumsabg. Sornefelb - Eltmann. Er wünscht bei der Bedeutung der Materien eine s a ch- liche Auseinandersetzung. Man solle endlich davon Abstand nahmen für die Nöte und für die Entbehrungen tn der Kriegs- und Nachkriegszeit die Landwirtschaft oer. antwortlich machen zu wollen. Auch in dieser Frage muß nach einer Verständigung zwischen den oer» fch» ad «nen Bevökkerungsschichten gestrebt werden. Das erste Gebot zur Lösung der Schwierigkeiten sei die He b u n g der landwirtschaftlichen Hand, die alle Unruhe bannen, alle Zwiespältigkeit lösen und Harmonie in jeden Mißklang dringen könne. In ben ersten Tagen nach jenem Begegnen hatte er nach besten Wiederholung mit Eifer und Ungeduld gesucht; er war den Weg, auf dem er damals ben kleinen Wagen getroffen hatte, roieber unb wieder gegangen, hatte alle Nebenpfade nach rechts unb nach links verfolgt unb sich die Augen fast blinb geschaut, um ben kranken Knaben unb besten Begleiterin zu finden. Aber es war alles oer. gebens gewesen; von dem schlanken, reizenden Mädchen schien jede Spur verlorm, unb unter bem Einfluß Karins unb bei bem vielen Zusammensein mit ihr ver- wischte sich bas flüchtige Bild, da» er fast ohne greifbare Deutlichkeit mehr nur in seinem Gefühl, von der dunklen Fremden gehabt hatte, schneller, als er anfangs nach besten damaliger Kraft geglaubt hatte.
Aber als Alex, bet mehrere Tage nach jenem kleinen Abenteuer starkes Fieber gehabt unb nur auf seinem Balkon in der Sonne gelegen hatte, bann wieder zur Ausfahrt wohl genug war und Marie mit ihm in fas Freie konnte, suchte Han, Heinrich schon nicht mehr so eifrig noch ihr, und sie fuhr mit ihrem Schützling so weit ab von den Promenaden, daß ein zufälliges Zusam. mentreffen mit ihm kaum zu den Möglichkeiten gehörte. Und selbst wenn sie jetzt dort am Strande gesessen hätte, von wo das herrische Verlangen Karins sie damals vertrieb, und selbst wenn er dann an ihr vorübergekommen wäre, zusammen mit der schönen, hochmütigen Schwester ihres Zöglings, er hätte sie wohl kaum gesehen, denn er sah ja nur diese!
Marie wußte bas, sie hatte den jungen Mann, dem eine dahinrollende Orange sie für eines Atemzuges Länge an dos Herz warf, nicht vergesten, hatte ihn trotz der Flüchtigkeit jenes Augenblicks wiedererkannt, ais er sich nm folgenden lag? vor bem Gafthou'e von den Knngen- sttwschen Dame" verabschiedete. Der Klang seiner । Stimme, der nur so kurz ihr Ohl berührt hatte, war ! doch in diesem haften geblieben; er flog empor z" dem : Balkon, auf dem sie neben Alex faß, unb schreckte sie I auf. Er hatte in ihrem Heizen nachgehallt — sie wußte j selbst nicht warum. Ober wußte sie es?
1 (Fortsetzung folgt/
Probuktion. Diese könne nicht erreicht werben burch bie Verewigung der Zwangswirtschaft, ©erabe in ihrem (Befolge zeigten sich Schleichhandel und Wucher. So weit bis jetzt ein Abbau der Zwangswirt, schäft oorgen-immen worden sei, seien wir dabei gut gefahren. Die Befürchtung, bei freier Wirttchoft würden bie Preise ins Ungemefjene steigen, hat sich als unbegrünbet erwiesen. Die Landwirtschaft verlangt die freie Wirtschaft nicht aus Gewinnsucht, sondern weil sie selbst das größte Interesse daran hat, baß bie Bevölkerung hinreichenb mit Lebensmitteln zu erichwing- lichen Preisen beliefert werbe. Das Umlagever- fahren, bas man jetzt als Uebergang wähle, fei zwar kein Ideal, sondern das kleinere von zwei liebeln. Aber man könne sich umsomehr damit ab« finden, als dabei der Kleinbetrieb nach Möglich- h t geschont werden solle. Der Gesetzentwurf findet darum die Zustimmung des Redners und zwar mit der Maßgabe, daß, wie der Ausschuß in seiner ersten Lesung beschlossen hat, die Umlegesumme von 3 Millionen auf 2% Millicnen Tonnen herabgefetzt wird. Die Umlage fall eine Uebergangsmaßnahme zu dem erstrebten Zu st and der freie« Wirtschaft sein ।
Für bie Deutsche Bolksp artei spricht der Abg. Dusche. Er setzt sich für die sofortige Wiedereinführung der freien Bewirtschaftung des (Betreib's ein.
Bon ben Unabhängigen behauptet der Abg. Dr. Hertz bas gerade Gegenteil. Der Vertreter einer „reoo. lutionären Freiheilspartei" redet stundenlang vom Zwang unb von nicht enbenwollenbcm Zwang. Ihr Ideal ist unb bleibt bie Zwangswirtschaft. Das Haus ist bei biefcn ftunbentangen Redensarten leer.
Nachdem für die Demokraten Dr. Böhme sich für di, freie Wirtschaft ausgesprochen hatte, obwohl sie bie Besorgnisse der Regierung hinsichtlich biefer Wirtschaft teilen, würbe die allgemeine Aussprache geschlossen. Dr. Heim halte aufs Wort verzichtet als ein Vertagungsan. trag obgelehnt worben war. >
Der Gesetzentwurf über bie Aeraütung von Leistun- gen für bie bewaffnete deutsche Macht (Quartier. I e i ft u n g e n) wird an den Haushallsausschuß, der Ge- f-tzentwurs über die Ueberleitung von Rechtsangelegen, heilen der Konfulargerichtsbarkeit infolge Aufhebung derselben dem Rechtsausichuß überwie. sen. Das Gesetz über vorübergehende Herabsetzung oder Aushebung von Zöllen, wozu die Regierung für alle dringenden wirtschaft!. Bedürfnisse für bestimmte Warenarten ermächtigt wird, wird in allen drei Lesungen debattelos angenommen.
Donnerstag: Weiterberatung. Kohlensteuergesetz.
preußischer Landtag.
Juslizreformeu.
Nach Eröffnung der Mittwochsitzung des preu. sischen Landtage» wurde das Strafverfahren gegen den Abg. Robotd (U. Soz.) wegen Beleidigung der Reichswehr unb gegen den Abg. Buchhorn (D. Dp.) wege« Beleidigung des Kaufmanns Georg Sklarz ge« maß dem Anträge der Geschästsordnungskommisfion für die Dauer der Sitzungsperiode aufgehoben; ferner wurde die Genehmigung zur strasgerichtlichen Verfolgung der Frau Ege (Soz.) wegen öffentlicher Beamkenbeleidr- gunq versagt. "
Brschiedcne auf der Tagesordnung zur Beratung stehende Gesetzentwürfe wurden den entsprechenden Ausschüssen überwiesen. <
Hierauf trat das Haus in die zweite Beratung des HausHalts b er Justizverwaltung für das Rechnungsjahr 1921 ein. Iustizminister Dr. Mm Zchnhof entwickelte (ein Programm. Er plant eine Iustizreform, bie zunächst ein vereinfachendes Verfahren und die Beseitigung aller überflüssigen ober vermeidlichen Formalien onstrebt Der soziale G danke im Recht soll mehr als bislang betont werben- Es ist ein neues Arbeitsrecht geschaffen, auch sind bie Best m- mungen über Geldstrafen mit Rücksicht auf bett gesunkenen Geldwert einer Aenderung zu unterz ehen. Besondere Worte widmete der Minister der Mitwirkung der Laien in der Rechtsprechung unb der Auswahl der Schöffen unb Geschworenen. Er st lll weiterhin eine Neuordnung des Beqnadigun''srkch'es in Aussicht und verspricht das ju r i st i s ch e Studium möglichst weiten Kreisen ter Bevölkerung zugänglich zu machen. Im übrigen sei der Richterstond in i der Hinsicht gegen unberechtigte Vorwürfe zu verteidigen-
Der Abg. Dr. Berndt (Dem.) fordert die Gleichstellung der weiblichen Aufsichtsbeamten mit ben männlichen in ben Dienstbezügen.
Nach ihm hielt ber Sozialdemokrat Heilmann eine vom Hause mit Spannung unb Interesse entgegenge. nommene Rede, die in den Forderungen gipfelte, Männer des Volkes, die sich auf autodidaktlsch em Wege die nötigen Dorkenntniffe verschafft hätten, zu den juristischen Prüfungen zuzulasien.
Dann kam der Zenttumsmann Oppenhoff zu Wort, ber sachkundig zum Etat sprach und bie Wünsche feiner Freunde vortrug. Das herabfetzend« Urteil bet Sozialdemokratie über untere Rcchspflege und unsere Richter habe keine sachlich- Begründung. Richter undStaatsan» wälte sollen sich vorbehaltlos auf ben Boden derr republik o n i > ch e n Dersassung stellen, ober man soll von ihnen keinen Gesinnungswechsel verlangen. Wir lehnen solche Gesinnungsschnüffelei ab. (Beisall.) Der sozialdemokiatische Antrag auf Zulassung non_ Arbeitersekretären ist praktisch undurchführbar. Es würde dann nur noch Richter zweiter Klaffe geben. Wir halten fest an ber Doraussetzung des Univerjltätsstu» b i u m 9 für olle Richter unb wünschen die Verbilligung dir les Studiums. Die Zusammenarbeit von Laien und gelehrtm Richtern muß geförberl werden. Es ist nicht zu billigen, wenn Staatsanwälte Arbeiter nur wegen ihrer Arbeitereigenschaft ablehnen. Die veralteten Schwurge- geriete sollten ob geschafft unb burch bie große« Schöffengerichte ersetzt werben. Die Arbeitsge- richt« müßen den Amtsgerichten angegliedert werden. Gegen die Zulasiung der Frauen als Schöffen und Geschworene bestehen lebhafte Bedenken.
Don ber beutschnatiomven Dolksvarlti äußerte bet Abg. Dr. Deerfcerg nach längeren Ausführungen über «ine etwaige Klasienjusti.z von links ben berechtigten Satz: Wenn unserem Dolk« bie Religion erhalten wirb, bann werben die Gerichte weniger zu tut haben und wird sich unser Volk wieder fähig zum Wiederauf- bau fühlen.
Donnerstag: Weiterberatung des Haushalts; Kleine Vorlagen^___ __________
Die geplanten Stenern.
Das Körperschaftrst«'.'.«rgefey wird dem Reichsi at und dem NeichswirtichaftSrat zugeheil, nachdem cS im Kadwett veredjchieder warben ift. ^'eitert