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- Fuldaer Zeitung -

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M 135.

Mittwoch, 15. Jtttti 192L

Die Bonifatmstagung in Berlin.

Die Hundertjahrfeier der Delegatur (Berlin, Bran­denburg und Pommern) ist ht der schönsten Weise verlaufen und hat am Dienstag abend in einer groß­artigen Massenversammlung der Katho­liken einen wahrhaft imposanten Abschluß gesunden.

Die Zuschauer aus den anderen Reichsteilen möch­ten wir auf ein Doppeltes aufmerksam machen. Er- ftens bezweckte die Tagung nicht ein Ausruhen auf den bisher errungenen Lorbeeren, sondern war ziel- bewußt dem weiteren Auf- und Ausbau des Boni« fatiuswerkes gewidmet. Und zweitens beschränken sich die Anregungen keineswegs auf den Bezirk der Dele- gchir, sondern wollen der ganzen Diaspora in allen Teilen des Vaterlandes, den sämtlichen hilfs- bebürftigen Katholiken in den vorwiegend anders­gläubigen Gegenden zugute kommen.

Die Tagung fand in Berlin statt, aber sie hat all­gemeine Bedeutung für das ganze katholische Deutschland. Man begnügte sich nicht mit dem Rück- blick, sondern richtete das Sinnen und Trachten vor­wärts in der Erkermtnis, daß noch viel mehr za tun übrig bleibt, um den Besitzstand des Katholizis­mus in dem neuzeitlichen Deutschland zu retten.

In diesem Sinne wirkte vor ollem der Herr Weih- bifchos v. Hähling aus Paderborn, der geistliche Leiter der Zentrale des Bonifatiusvereins, tmrch feine Teilnahme und durch feine inhaltsreiche Rebe in der geschlossenen Versammlung. Es sei ein Heilandswerk, faxte et, wenn durch die gegenwärtige Tagung die Diaspora frage aufs neue in bot Vordergrund kirchlicher und volksgemeinschastlicher Interessen ge­rückt werde.

Aus seinen Erfahrungen heraus fegte der Weih­bischof die Schwierigteiten dar, die zu überwinden sind. Zunächst die Größe des Diasporagebietes, das sich ircüurgernäß ständig ausbreitet, wenn Katholiken auch in solche Gegenden ziehen, die früher nicht von ihnen besiedelt waren. Eine zweite Schwierigkeit bietet die Armut der versprengten Kachokikm; dabei schildert der Redner insbesondere die Kindernot in Berlin und im frühere» Königreich Sachsen. Ein weherer Rotstand ergibt sich aus dem Anwachsen der ge­mischten Ehm. Dazu kommen die Schuloer. h ä l t n i s s e, die neuerdings den Kacholiken neue Sor­gen und Lasten auferlegen, wenn der Nachwuchs der Versprengten dem Glauben erhalten bleiben soll.

Als neue Aufgabe des Bonifatiusvereins bezeich­net der Weihbischof ferner die weitere Versorgung der Diaspora mit provisorischen Gütesdienstraumen, die Errichtung von weiteren Komnumikantenanstalten und ton Herbergen für die Kommunikanten, wo die versprengten Kinder bett Sonntag zubringen können. Ferner die Vermehrung der Diasporahelfernmm, die insbesondere sich den Kindern widmen, und der Land- pflegerinnen, di« den Arbeiterinnen auf den großen Landgütern nachgehen, wobei sich furchtbares Elend in den Arbeiterkasernen ergibt.

„Was in Berlin möglich war, dos sollte auch in der gesamten deutschen Diaspora sich möglich machen lasten", sagte der Hochwürdigste Jtebner und richtete einen flammenden Aufruf an a lle, an die Männer und Frauen der Arbeiterschaft, des Handwerks, der Schule, der Wissenschaft und auch an die zarte Jugend, bte im Schutzengelverein Mitwirken kann.

Der Pfarrer Piontek setzte rm Anschluß daran di« Notwendigkeit auseinander, die Pfarrbezirke wieder zu teilen, die bis auf eine fünfstellige Zahl von Seelen «»gewachsen sind, damit die persönliche Fühlung zwi- schen dem Seelsorger und den Gemeindemitgliedern möglich bleibt. Den Faden des persönlichen Kontaktes spann Professor Blümel weher, der Vorsitzende des Berliner Dinzenzveveins, der das Laienapostolat als Zwischenglied zwischen dem Klerus und Gemeinde- angehörigen in praktischer Weise besprach.

Aus diesen Stichproben ersieht man schon, daß die Veranstaltung auf den weiteren Ausbau des ganzen zroßen Bonifatiuswerkes gerichtet war. Die Anregun- gen werden uns reichen Segen bringen in der schweren Zeh, wenn in allen Kreisen von der Notwendigkeit des Bonifatiusvereins und feiner Hilfsorganisationen die rechte Erkenntnis belebt wird und zur tatkräftigen Mit­wirkung sich verdichtet. Mh kleinen Opfern läßt sich Großes, Herrliches, Unschätzbares erreichen, wenn nur alle Gutwilligen sich beteiligen.

Sus dem Nachbargebiel.

k. Wüstenfüchsen (Rhön). Das Herrn Richard IWler-Fulda gehörende Braunkohlenberg.

werk Lettengraben", am Westcckhong der hohen Rhön nahe unserem Orte, das während des Krieges den Betrieb wegen Mangel an Arbeitskräften und Maschinen einfteDen mußte, soll jetzt wieder in Betrieb genommen werden, da wegen des großen Kohlemnangels der jhchlmbergbau ht Mittel- deutfchland wesentlich gehoben werden soll. Seh eini­ger Zeit werden ht diesem Bergwerke, das sich durch preußisches und bayerisches Gebiet erstreckt, die Stol- lengänye mh den Gleisanlagen wieder in einen be­triebsfähigen Zustand versetzt. Während des Krieges waren die Stollen, die bereits eine Gesamtlänge von 3 Kilometer haben, teilweise zusammenyestür^. An­sehnliche Mengen Braunkohlen sind bereits gefördett und von den Stationen Wüftenfochsen und Melperts zum Versand gekommen. Man beschäftigt sich auch mit dem Plane, zwecks Abtransvott der geförderten Rolfen eine besondere Drahts« ilbahn nach imse- rem Bahrchrf zu errichten.

fpd. Alsfeld. Die Stadt Alsfeld feiert im März 1922 das Fest ihres 700jährigen Be- stebens. Die Vorbereitungen für eine einfache würdige Gedenkfeier wurden dem Stadtvorstand auf Anregung des hiesigen Geschichtsvereins übertragen.

fpd. Gelnhausen. In den Räumen der ehe­maligen Kapelle des Arnsberger Hofes, die jetzt Lagerzwecken dienen, wurden alte Freskogemälde freigelegt

X Limburg. Der Diözesanverband Lim« b'urg des Albertus-Ma gnuS-Dereins hielt am 27. Mai feine erste Verbandsversammlnng nach dem Kriege ab: in dem neugewählten Vorstand wurde Herrn Gymnasialdirektor Dr. Jöris die Stelle des Vorsitzenden übertragen. In den nächsten Wochen wird der Generalsekretär des Zentralvor- standes, Dr. Brüll, zur Belebung des Vereinsge- danken einen Werbezug durch die Diözese beton, ftalten.

g Darmstadt. Am 11. und 12. Juni fand hier unter dem Vorsitz von Wesp-Darmstadt der Kon­greß der christlich-nationalen Gewerkschaf­ten im Frei staat Hessen statt. Zum Leiter deSLandessekretariats wurde F e r t e r. Mainz gewählt Den Abschluß der Tagung bildete der Vortrag des Gewerkschaftssekretärs Kaiser-Köln über „Die Aufgabe« der christlichen Gewerkschaften in der Gegenwart." Abg. Knoll begründete darauf eine Ent schli eßun g, in der u. a. Ge• rechtigkeit für Oberschlesien gemäß dem Abstimmungsergebnis und sofortige Aufhe. bung der Sanktionen gefordert wurde. Die Entschließung wurde von den Vertretern der 45 000 Mitglieder einstimmig angenommen.

vermischtes.

* AufgefundeneS Waffenlager. Zwischen Gera und Ronneberg wurde ein Lager von Infanterie« und Maschinengewehrmunition aufgefunden. Im ganzen wurden 30—40000 Patronen beschlag­nahmt. Mehrere den Kommunisten nahestehende Per­konen, darunter zwei Wachtmeister, wurden bet« haftet.

♦ Ein Prozeß von 28jähriger Dauer. Ein Pro­zeß, den die S t a d t B e r n b u r g gegen die Mans- selber Gewerkschaft geführt hat, ist jetzt nach 28jähriger Dauer durch friedliche Einigung beendet worden. Die Mansselder Gewerkschaft hatte seinerzeit einen stark salzhastigen See ausgepumpt und das Waffer in die Saale geleitet Dadurch war das Trinkwaffer der Stadt Bernburg versalzen wachen. Dernburg strengte damals nun einen Schade ns- ersatzprozeß gegen die Gewerkschaft an. Dieser Prozeß, der alle Instanzen in zahlreichen Terminen rmrchlauftn hat, ist jetzt auf dem Dergleichswege zu Ende geführt worden. Danach zahlt die Mansselder Gewerkschaft der Stadt Bernburg eine Million Mark und übernimmt außerdem die noch nicht be- zahlten Gerichts- und Amvaltskosten der Stadt bis zur Höhe von 15 000 Mark.

* Schließung eines Sporkkonzerns. Großes Auf­sehen erregte in Dresden die Verhaftung eines Seifers des sogenannten Germaniakonzerns, eines jener Sportkonzerne, die dem Publikum verspre­chen, eingelegtes Geld innerhalb 8 Wochen, ja sogar schon innerhläb 4 Wochen mit 100 Prozent Ge­winn zurückzuzahlen. Das ffsttblikmn beteiligte sich an diesem anscheinend mühelosen Treiben mh außer- ordentlich hohen Summen und hat bisher von allen Warnungen keine Notiz genommen. Jetzt ist dieser Gemmniakonzern geschloffen und eine Verhaftung vor­

Kleines Feuilleton.

— „Die Erziehung ist Sache der Familie*, sagt der Philosoph Joh. Friedr. Herbart, „von da geht sie aus, und dahin kehrt sie größtenteils zurück.* Der Mittelpunkt der Familie, der HauSgenoffeu. "schäft, wird immer nur die Mutter fein. Nach Hrem Ton und Temperament richtet sich das Glück der Ihrigen. Wohl hat auch bet Vater „etwas zu legen* aber den Ton im Hause, die Stimmung, fchasst nicht er, sondern die Mutter. Hat her Mann em pflichttreues Weib, dann fühü er sich selbst glücklich und froh, und kämpft mit ganz anderer Straft nn Kampfe ums Sofern, als wenn er weiß «ud immer von neuem erfahren muß, daß sein Heim kein Daheim für ihn ist. Der Mensch ist vas Prunkt seiner Erziehung. DaS Feld der Erziehung aber ist bte Familie, unb bet Mittelpunkt bet Familie ift bte Mutter. So sieht man, welche heilige, ernste Aufgabe ihr zugewiesen ist, was alles abhängt von ihrem Tuu und Denken, von ihrer Att und ihrem Charakter. Doch gibt's nichts DollkommneS in der Welt; auch die Mutter muß lernen, waS ihr in bet Kunst bet Erziehung noch fehlt. Das lernt sie aber nicht aus Buchern und Schriften , sondern nur durch Vertiefung in die Seele ihrer Kinder, in die Bedürfnisse ihres Mannes. So wird ein jeder befrie­digt; einer erzieht den andern, und das Gute pflanzt sich weiter fort. Wohl den Kindern, die ihre Erziehung in einer „Familie* erfahren, und wohl den Eltern, die nicht egoistisch zweierlei Willen haben, «ach zweierlei Ufern steuern, sondern einsehen, daß auch sie selbst sich ergänze« müffen zum Heil ihrer Sinder — und ihrer selbst. mo.

— Gibt eS einen Verbrechertypus? Der italie­nische Gelehrte Lombroso hat bekanntlich behauptet, daß alle Verbrecher, besonders in Hinsicht ihres Ge- sichles und ihrer Schädelform, besondere Merk­male aufweisen, daß man deshalb von einem be- falberen BerbrechertypuS sprechen könne. So z. B. sollten gewohnheitsmäßige Diebe eine kurze und breite Safe haben, Mörder ein gläsernes, kaltes und starres Auge ufw. Jetzt hat nun aber der Arzt des englischen ,Staatsgefängnisses in Packhurst, Dr. Goring, daS , Ergebnis jahrelanger Studien veröffentlicht, die bcS E^eute" beweisen. Danach gibt eS kerben b e-

sonbere» Verbrechertypus; Tausende von Personen, die ein sogenanntes Verbrechergesicht haben, sind tadellose Charaktere, und ebenso gibt es Tausende notorischer Verbrecher, denen jeder daS größte Vertrauen entgegenbringen würde. Wohl aber, so Hai Dr. Goring festgestellt, sind einige Durchschnittsmerkmale bei Verbrechern auffallend,;. B. ist daS durchschnittliche Körpergewicht bei Verbrechern be­deutend niedriger als daS durchschnittliche Gewicht der ganzen übrigen Bevölkerung. Alle anderen Maße, die ht Betracht kämen, stimmen vollkommen mit denen anderer Menschen überein, namentlich die Schädelform, der Gesichtsausdruck, auch die geistigen Fähigkeiten. mo

— Ein Nähzeug aus der Zett btt alten Germanen befinbet sich im AltertumS-Museum in Kiel. Es würbe von bet Direktorin des Museums hellenischer Altertümer, Fräulein Profeffor Mestorf vor 12 Jahren in einem Grabe aufgefunden, in dem eine Germanen- frau beerdigt worden war. Der Fund ist außer­ordentlich intereffant, denn er beweist, daß alle Bestandteile des Nähzeuges, die in einem Steinkasten lagen, genau dieselben sind, wie sie noch heute von bett Frauen benutzt werden, so z. B. eine Schere, die allerdings sehr groß, grob und plump ist, ferner ein Mefferchen aus Horn mit einer Scheibe au8 Eisen, ein Pfriemen und — anstelle unserer Nadeln — einige Dornen. Auch ein Glättstein zum Glätten der Nähte ist dabei, der, seiner Schwere nach zu urteilen, unser Bügeleisen ersetzt haben dürfte. Die Flächen dieses Steines sind jetzt noch sniegelglatt. mo

— Französisches Gebiet mitte« i« Deutschland- Es dürfte wohl nicht jedem bekannt sein, daß eS in der Nähe des kleinen badischen Städtchens Achetn ein Stückchen französisches Gebiet gibt, also ein Stückchen Land, das tatsächlich zu Frankreich gehört. Es handelt sich dabei um eine etwa 200 Meter lange, sorgsam gepflegte, mit Gebüsch und Tannen eingesäumte Allee, di« kurz vor dem Dorfe Sasbach recht- abbiegt und zu einem dunkelbewaldeten Hügel führt. Am Fuße dieses Hügels befindet sich eine rote Graniiphramide, auf weißem Granit flehend, die etwa 8 Meter hoch ist. Sie wurde errichtet zum Andenken an dem an diesem Orte am 27. Juli 1675 in einem Gefecht mit dem österreichischen Feldherrn ,. Momecuccoü vanLau-ueukuael getöteten Mars chall

genommen worden. Es haben sich bei der Polizei, trotzdem eine Veröffentlichwrg in der Presse noch nicht erfolgt ist, bereite Hunderte von Geschädigten gemeldet. Es sollen auch hier große Summen oerlorengegangen fein. Die zahlreich Geschädigten haben bis zu mehre­ren 100 000 M. emgezahlt. — Die Dummen werden eben nicht (rite!

* Liu jugendlicher Vatermörder. In Harburg wurde der Schlächtermeister Peters von seinem sieb­zehnjährigen Sohn durch einen Schuß in di« Brust getötet Der Mörder flüchtete und konnte bisher nicht ermittelt werden.

• Die größte Berliner Tomglocke gesprungen. Die größte Glocke des Berliner Doms ist am Samstag plötzlich gesprungen. Ein langer Riß, der sich quer durch das Metall zieht, hat ihren ehernen Mund für immer zum Schweigen gebracht, denn eine Reparatur der Glocke ist nicht mehr möglich. Sie war die schönste und wertvollste Glocke, die Berlin je beseffen hat Es wird nur wenige Glocken in Deutfchland geben, die ihr an Alter gleichkommen. Wie ein« Inschrift, die sie trägt, beweist, stammt sie aus dem Jahre 1471. Seit 1562 hängt sie in Berlin, ursprünglich befand sie sich int Dominikaner­kloster zu Wilsnack. Sie ist mit Jnichriften und biblischen Ornamenten geschmückt und hat ein Gewicht von 3510 Kilogramm. Ihr Durchmesser beträgt 184,5 Zentimeter.

• Deutschland als Reiseziel der Mtneritaner. In den nordamerikan. Zeitungen wird augenblicklich Deutsch­land und insbesondere Bayern als das vorteilhafteste Reiseziel in diesem Jahre bezeichnet. Die Hinweise schei. neu ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben; denn wie eine Schweizer Korrespondenz meldet, haben bereits 300 000 (!) Reisende Plätze zur Ueberfahri nach Europa belegt. Alle noch (Europa fahrenden Dampfer seien schon auf Monate hinaus völlig ausverkaust. Ganze Vereine hat. ten schon Hotels in Europa bestellt So komme ein Klub mit 3000 Mann, der für seine Ueberfahri zwei eigene Dampfer gemietet habe. — Na, na!

* Tödlicher Absturz zweier Hochlomistitmen. Sie reichsdeutschsn Student tuns« Charlotte Rehftid aus Gunzenhausen unb Frida Schünemann aus Dortmund, bte feit 17. Mai nach einer Gebftgstom vermißt sind, wurden jetzt im Hinteren Schnitztele bei Innsbruck in einer Schlucht aufgefunden. Beide waren infolge mangelhafter Ausrüstung abgestürzt und haben dabei den Tod gefunden.

* Profeffor Einstein aus Berlin hielt in London in dem bis auf bat letzten Platz gefüllten Saal des Kings-Colfege in deutscher Sprache seinen mit Span­nung erwarteten Vortrag über bte Relativ!- täts lehre. Bei dem Erscheinen des deutschen Ge- lehtte» erhob sich großer Beifall, der sich noch steigerte, als Lord Haldane, der auf dem Rrdnerpodium zwischen Prof. Einstein und dem deutschen Botschafter Schamer saß, in ferner Einleidmgsreide Einstein als ein Genie des 20. Jahrhunderts bezeich- netenete unb erklärte, die Wiffenßchast kenne keine Grenzpfähle. Rach der Vorlesung Einsteins tmirbe ihm von der Zuhörerschaft eine stürmische Kundgebung dar gebracht.

* Sturmschäden. Wie aus San Salvador gemeldet wird, hat ein heftiger Sturm int Bezirke San Miguel großen Schien verursacht. 1 2 Dörfer sol- len z e t st ö r t fein. Auch fei die Ernte vernichtet.

Amtliche Anzeigen.

Der Umstand, daß infolge des Krieges die Zufuh von Pflanzendrogen und Tees aus dem Ausland mefent lich verteuert ist. hat ersteulicherweife dazu geführt, der einheimifchen Arznei- und Teepflanzen mehr als bishs Pachtung zu schenken. „

Zur Förderung der Sammeltätigkett der Bevölkerung hat das Reichsgesundheitsamt in Gemeinschaft mit bet Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft in Berlin Merk, blätter der wichtigsten einheimischen Arzneipflanzen so. wie eins Anleitung zum Sammeln, Trocknen und Auide. wahren der Pflanzenteile ausgearbeitet unb in dem Der- lag van Julius Springer in Berlin W. 9, Linkste. 23/24, erscheinen lassen. Es hanbeli sich um ein werte olles Hufs, mittel bei künftigen Sammlungen, besten weiteste Der. breitung erwünscht ist , _ ,

Nachstehend bas Verzeichnis ber Arznetpflanzen-Merk- blätter:

1 Allgemeine Sammelregeln, 2. Bärentraubenblat. ter 3 HeLbftzeitlosenfomen, 4. Bitterkleeblätter, 8. Ar. nikablüten, 6 HuflattichblStter, 7. Kamillen, 8. Löwen- zahn, 9. Wildes Stiefmütterchen, 10. Kalmuswurzeln, 11 Schafgarbe, 12. Ehrenpreis, 13. Stechapfelplätter, 14. Tausendgüldenkraut, 15. Quendel, 16. Hauhechelwurzel, 17 Wollblumen, 18. Rainfarn, 19. Eisenhut (Akonit.) Knollen, 20. Maloenblüten und -Blätter, 21. Wermut- traut, 22. Tollkirschen und -Blätter, 23. Fingerhutblm ter 24 Pilsentrautblätter, 25. Wachholderbeeren 26 Bibernellwurzeh 27. Schachtelhalm, 28. Isländischer Moos, 29. Steintleekraut, 30. Bärlappsporen, 31. Katzen, pfötchenblüten unb 32. Blätter und Bluten zur Tee. bereitung.

Preis jedes Merkblattes 30 Pfg., 20 Exemplare em« Merkblattes 3,60 301t., 100 Exemplare eines Merkblatte- 12 Mart. Buchausgabe aller 32 Merkblätter auf besse­rem Papier in festem Umschlag Preis 5,40 Sulf.

Kassel am 3. Mai 1921.

Der Regierungspräsident

Wird veröffentlicht

Fulda, den 6. Juni 1921.

Der k. Laadrat 3. D.: Schuster.

Mehseucheupolizeiliche Anordurtitg.

Nachdem die Abheilung der Maul- und Mauenstuch» in den Gchöften dar Gemeinde Buchenrod mntstierärzt­lich festgestellt worben ist unb die Abnahme der Desimfek» tion stattgesunden hat, bestimme ich im Anschluß an meme viehseuchenpolizeiliche Anordnung vom 28. April b. 35., Fukdaer Zeitung Nr. 100, folgendes:

§ 1. Die über den Gsmeindebsztrk Dmhenr« ver­hängte Sperre wird hiermit aufgehoben.

§ 2 Die für den Gemeindebezirk Duchevrod und das verseucht gewesene Gchöst im besonderen angeordneter Bestimmungen werden zurückgezogen.

Fulda, den 10. 3tmt 1921.

Der Landrat 3. 33.: Schuster.

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Märkte.

fpd. Frankfurt e. Hl., 14. Juni. Aufaetrieben waren zum F r a n k f u r t e r V i e h m a r k t 1191 Rinder, darunter 228 Ochsen 81 Bullen, 885 Färsen und Kühe, 203 Kälber, 29 Schafe, 1101 Schweine. Es wurden be­zahlt für einen Zentner Lebendgewicht, Ochsen: voll- fleischige ausgemästete 725—825 M„ junge nicht aus« gemästete 625—725 M., altere nicht ausgemästete 550— 650 Mk.; Bullen: vollsteischige ältere 625—675 Mk., jüngere 550—625 M.. mäßig genährte 000-000 Mk.; Färsen und Kühe: vollfleischige Färsen 700—800 M., dito Kühe 650—800 Mk., wenig gut entwickelte Färsen und Kühe 600—700, ältere auSgemästete Kühe und wenig gut entwickelte Kühe 600—600 Mark, mäßig genährte Kühe und Färsen 300—450 Mk., gering genährte Kühe! und Färsen 200—300 Mark; Kälber: feinste Mast- iälbei 700- 800 Mk., mittlere Ware 600—700 Mk.,' geringere Tiere 500—600 Mark; Schafe: geringere Masthämmel und Schafe 450—550 M., mäßig genährte Hämmel und Schafe (Märzschafe) 276—350 Mark; Schweine: vollfleischige unter 80 Kilo Lebendgewicht 900—1050 M., über 80 Kilo 1100—1250 Mk., unreine Sauen und geschnittene Eber 950—1100 Mark. Der Markt verlief mäßig und hatte Hebe rftattb. Der Schweinemarkt beginnt für die Folge Donnerstag um 9 Uhr vormittags.

Türen ne. Die ganz« Allee sowie bas Denkmal ber Denkmallsplatz unb der Platz für ein links vom Denkmal stehendes hübsches Auffeherbäuschen ist zufolge einer internationalen Uebereinkunft Eigen­tum Frankreichs! Frankreich bezahlt auch den hier angestellten Aufseher, der, obwohl er ein Deutscher ist, doch französische Uniform trägt oder vielmehr tragen muß. In einem Zimmer des Häuschens befindet sich ein kleines Turenne-Museum, das gern jedermann gejetgt wird. Auch die Kugel, die den Marschall getötet, ift unter einer Glasglocke hier zu sehen. Die aufgelegten Besuchsbücher enthalten Tausende von Namen, darunter sehr viele hervor­ragender ftanzöüscher und deutscher Persönlichkeiten. Auch Kaiser Wilhelm I. und Kaiser Napoleon III. haben sich eingezeichnet. Neben der großen Pyramide stehen noch zwei kleinere aber später errichtete, welche in drei Sprachen, französisch, deutsch und lateinisch, an die hauptsächlichsten Begebenheiten in Turennes Leben erinnern. Zwischen ihnen steht noch heute unter einer, von einem Eisengitter umschloffenen Schutzhütte der Stamm des Nußbaumes, unter dem der Marschall sein Leben aushauchte. mo

— Die Glücksmrmmer am Telephon. Wie mancher wünscht sich eine „Glücksnummer* beim Telephon, wenn er zum sechstenmal eine falsche Ver­bindung bekommen hat! Aber wir armen Europäer haben eS leider noch nicht so weit gebracht. Die Japaner sind bester daran. Wie in „liebet Land und Meer* erzählt wird, gibt es im Lande des Mikado bestimmte Glücksnummern, die von den Teilhabern eifrig begehrt und sogar hoch bezahlt werben. Die Auswahl dieser Glücksnummern hängt mh bem japanischen Zahlenaberglauben zusammen. So ist die Telephonnummer 8 eine Glücksnummer, denn die Zahl 8 bedeutet, in Buchstaben geschrieben, so viel wie „Erfolg* und „Gelingen". Für diese Telephonnummer bezahlt der Inhaber 500 Dollar jährlich, und auch andere Nummern, in denen die 8 vorkommt, gelten für glückbringend. Eine andere sehr gesuchte Glücksnummer ist 357. Der Grund dafür liegt in dem alten Brauche, demzufolge die Japaner ihre Kinder an chrem 3., 5. und 7. Geburts­tag der Gottheit weihen. Andere Nummern dagegen sind gefürchtet, und kein Telephoninhaber in Tokio will sie habe». Solche verhäuMiSvollen 9äunnvxu

10000 Personen

beschäftigt Deutschlands größte Gummifabrik. Nur die große Beliebtheit der Continental- Erzeugnisse im In« und Aus»

land brachte dies zuwege. Fahr

Pneumatik

sind alle, bte mit 42 unb 49 zusammengesetzt sind. 42 heißt nämlich japanisch „Shini", und das bedeutet Tod; 49 lautet im Japanischen „Sqiku", und das heißt „Not" und „Sorge". Im allgemeine« zieht der Japaner die nngraden Zahlen den graben vor und versucht deshalb ungrade Zahle« bei den Anschluß« nummern zu bekommen. nr

— Glasperlen als Tauschartikel. Die Glasperlen, die früher aus Oesterreich i« alle Welt gesandt wurden und auch ihren Weg nach Afrika fanden,: werden jetzt au den großen Seen Jnnerafrikas, wo sie seit dem Kriege sehr rar geworden sind, statt der früher gebrauchten Kauri-Muscheln als Tauschartitel verwendet. (Claver-Korrespondenz, Salzburg.)

— Dttlehnszinseu in früherer Zeil. Das Geld ist ein seltsames Ding; es ist einte „Ware" geworden, unb wie jede andere Ware kann auch das Geld je noch Angebot und Nachfrage teuer ober billig werden, d. h. man bekommt Geld nur gegen mehr oder weniger hohe Zinsen. Wie mag das wohl früher gewesen sein? Die alten Griechen meinten, Geld sei das einzige, das „keine Kinder" bekäme, und bekam verborgtes Geld doch einmal Kinder, d. h. Zinsen, so nannte man das ein unsittliches Geschäft. Später herrschten srellich andere Ansichten, man nahm bald allgemein eine Vergütung, die aber in den verschiedenen Zeiten auch recht ver­schieden war. 3m alten Rom wurde schon gewuchert unb wurden, nach Tacitus, besondere Gesetze gegen den Wucher erlassen Das Zwölstafelgesetz z. B. berechnet den jährlichen Zinsfuß auf ein Zwölftel des Kapitals, also 8% Prozent, bei kurzen Geschäften nahm man aber 1 Prozent pro Monat. Ein uraltes Gesetz verbot dos Zinsennehmen ganz und gar, und als ein Prätor noch im Jahre 89 vor Christi auf Grund dieses Gesetzes die Gerichte aussordette, alle Zinsenforderungen adzu- weisen, mürbe er deshalb ermordet. Im Mittelalter kämpfte man ebenfalls, und zwar auf Grund des alten Testaments, gegen das Zinsennehmen, aber nur theo­retisch. In der Praxis sah es ganz anders aus. Sa­gar goldsichere städtische Anleihen, wie die der Stadt- Augsburg. Regensburg, Wien usw., mußten im 14, Jahrhundert mit 50 Prozent und darüber verzinst werden. Also loben wir die Jetztzeit! Letzt ist bas Geld sehr viel billiger zu haben, uni) man kann des­halb eigentlich gar nicht recht begreifen — wann «wp? jo wenig besitzt. Md

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