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Fuld aer Zeitung

Amklicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Fulda.

fir. 133.

Verantwortlich für ben ceOautonellen Teil: Dr. Kramei, s sül dit Anzeigen: 3- Parzeiier-Fuioa. 2. glotatlonsbrud u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. iTemipiedier Nr. Ö. Telegr.-Adresie: Fuldaer Zeitung

Montag, )3. Zuni 1921.

Bezugspreis: Monatlich Z.00 UU. ohne Zustellgebühr. In Fuldo bei uns obgeholt Z,1S Mk. Anzeigenpreis: Die Kleinzeile (Solonelmaß) 60 pfg., u. 10" . Zulchlag, die Reklamezeile (Terttneite' 1.80 Iftt, n. 10*'» Zuschlag. Del Wiederhol. Rabatt.

48. Zahrg.

Was wir brauchen.

Der Ruf nach Stetigkeit und Ruhe.

Zur Wochenwende sind chrrge beruhigende Nach­eichten gekommen. Die Entrüftungswelle in Bayern scheint abzuebben, der Generalstreik in wenigen beschränkten Arbeitseinstellungen zu versan­den. Aus Oberschlesien wird berichtet, daß auch General Le Rand jetzt angewiesen sei, mit der Verdrängung der polnischen Banden Emst zu machen. Andererseits wird die A l a r m n a ch r i ch t, daß Frankreich die irrtümliche Beschießung seiner Trappen zu einer neuen Bedrängung Deutsch­lands ausbeuten will, wieder in Zweifel gezogen. Wenn man dazu noch die Rebe Churchills rechnet, die immerhin einen Fortschritt des Friedens- gedankens bezeichnet, so kann man verhältnismäßig zu­frieden sein.

Trotz aller inneren und äußeren Schwierigkeiten können mir den Kopf noch oben behalten, wenn nur die Festigkeit der Regierung und die ruhige Fortarbeit der Gesetzgebung gesichert bleiben. Das hängt wesentlich von dem Verhalten der Volksver- treter ab, und darum kann man nicht ost genug und nicht laut genug die Mahnung wiederholen (ober sagen wir höflich: die Bitte wiederholen): Die Fraktionen im Reichstage und im Landtag möchten sich entschie­den zusammenschließen zu einer breiten und festen Koa­lition, die ims Ruhe und Stetigkeit verbürgt.

Der fdtfimmfte Dorwurf, der gegen die Dcmokra- fen erhoben wird, geht auf den Mangel an Ruhe und Stetigkeit. Das Volk in seiner großen Mehrheit hat von den Krisen und Agitationen, die uns die letzten Jahre gebracht haben, genug und übergenug. Es fin­det kein Verständnis und kein Gefallen mchr an den parteipoütifchen Treibereien und den fortgesetzten ^Um­bildungen". Am wenigsten Anklang findet der Ruf nach Neuwahlen, den einige sozialdemokratische Eiferer jetzt erhoben haben.

Wer die demokratische Verfassung stürzen will, kann an solchen Zeremonien und Aukungen vielleicht Gefallen finden. Damit erklärt sich das Verhalten der Radikalen auf bctben Flügeln, die einen nmn Umsturz wünschen, sei es nach der kommunistischen oder nach der monarchistischen Seite hin. Das sind gefährliche Pläne, aber sie haben doch eine gewisse FÄc^richtigkeit in sich. Doch wenn jemand als dos einzig mögliche System zur Rettung in dieser schweren Uebergangszeit die Demokratie anerkennt, so Han- delt er nicht folgerichtig bei der fortwährenden Er­regung von Krisen.

Insbesondere sollten das die Mehrheitsso­zia l i st e n beherzigen, die aus persönlicher Liebhabe­rei ober aus vermeintlichem Wahlinteresse die Koa­litionsbildung erschweren und aus Neuwahlen drängen. Sie untergraben kamst den Boden, auf den sie sich selbst gestellt hasten, nämlich die demokratische Der- fasiung, und wenn sie wirklich einige Wahlstimmen den Unabhängigen abjagen könnten, so würden sie das Vielfache von dieser Ziffer den Konservativen zu- treiben. Denn der Zuzug von Stimmen nach rechts kommt hauptächlich aus den Kreisen, wo man die Rache und Ordnung als die ersten und besten Früchte einer Staatsordnung betrachtet.

Die Demokratie muß uns zu der erforderlichen Steigkeit in der Regierung verhelfen, oder sie wird an ihrer Unzulänglichkeit selbst zugrunde gehen.

Der Generalstreik itt München.

Der Generalstreik hat am Samstag keine Aus­dehnung erfahren. Die Straßenbahnen und Eisenbahn- Werkstätten arbeitete. Don dem Mörder de» Abg. Garels wurde noch keine Spur entdeckt. Ein aus Anlaß der Leichenfeier geplanter Umzug wurde

Der Bing der Nuramaja.

Roman von Käte »an See ter.

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Hans Heinrich empfahl sich wirtlich, aber nicht aus dem Grunde, mit dem Ebba ihn heimlich verspottete, sondern weil er sich einem längeren Zusammensein mit Menschen körperlich und geistig noch nicht gewachsen fühlte. Er war doch erst vor kurzem aus der Krankheit entlasten. Die unerwartete Begegnung mit Karin hatte ihn außerdem aufgeregt. Das Bild des schäum Mäd- chens war in seinem Denken fast ausgelöscht gewesen, so daß die Gedanken gar nicht zum Erwachen gekommen waren.

Richtiges, erwünschtes Genesungsstadium, hatte der Arzt zufricdm gemeint, jede Störung dieses Hindäm. merns zu verhindern gewußt und ihn, sobald fein kör­perlicher Zustand es erlaubte, gleich nach dem Süden geschickt.

Da war dann freilich die Erholung, von seiner 3u- gendkrkast unterstützt, mit großen Schritten vor sich ge- gangen; aber immerhin bedurfte er noch der Schonung, das hatte er eben peinlich empfunden. Ein gewistes Angstgefühl war über ihn gekommen und ein geistiges Ermüden. Sie auf und ab wandelnden Menschen be­engten ibn, das blendende Sonnenlicht über der weißen Promenade, das Glitzern des Wassers, all dar tat ihm weh und beunruhigte ihn. Oder war es nur die Benennung mit dem schönen, blonden Mädchen, die ihn seelisch so beeinflußte, daß auch sein körperliches De. finden darunter sitt?

Er wußte es nicht und dachte auch nicht darüber nach: er fühlte nur das Bedürfnis nach Ruhe und Alleinsein, fort von den Menschen und fort von dem Zwange des geistigen Zuonimenrasfens unb, der Unterhaltung. Auf- at nert tra er nach der Ve-c bschiedung von den Damen in einen schattigen Seite: weg. der ihn von den Men- schm, dem Meere und der Sonne fortführte und jene stille, grüne Einsamkeit bot, nach der er sich körperlich und geistig sehnte.

Ah, das tat gut, nichts mehr zu sehen und zu hören! Die Anspannung seiner und) immer krankhaft empjinb-

durch die Polizei verboteir. 3n einem Vororte wurde eine kommunistische Versammlung aufgehoben. Die vom Streik betroffenen bürgerlichen Blätter haben ein gcme'msamrs Nachrichtenblatt ausgegeben.

Die politische Ausschlachtung des Mords.

Die Neichstagsfraktion der unab­hängigen sozialdemokratischen Partei brachte eine Interpellation ein, in der es u. a. heißt: Was gedenkt die Regierung zu tun 1. um eine aus­giebige Sühire für die Ermordung des Abgeordneten Gareis zu bewirken, 2. die der Sicherheit Dratschlands im Inneren und Aeußercn gefahrbringenden Eimooh- trerw-ehren und Orgefchformationen zur sofortigen Aus­lös u n g zu bringen ur") ihre Entwaffnung zu sichern, 3. in Bayern verfassungsmäßige Zustande Herdei­zuführen durch Beseitigung des Ausnahmezustandes und der Dolksgerichte. Was gedenkt sie 4. zu tun, um die verfassungswidrige, allen reaktionären Umtrieben in Bayern Vorschub leistende Kahr-.Regierung daran zu hindern, weiteres Unhell anzurichten."

Auf der Suche «ach den weittragenden Geschütze».

Die int er all. Militärkommission er­suchte die deutsche Regier» ng um Auskunft über den Verbleib der lehr weittragenden G eschÜtze, die während des Krieges von dem deutschen Heere ver­wendet wurden. Ihre Anfrage wurde tote folgt be­antwortet : Während deS Krieges wurden im ganzen sieben sehr weittragende Geschütze erbaut. Von ihnen sind vier während de» Kriege« unbrauch­bar geworden und zerstört worden. Bei ÄriegSab- bruch waren noch drei solcher Geschütze vorhanden, von denen ein Rohr Ende 1919 in Esten zerschnitten, da« zweite am 18. November 1919 auf dem Ver­suchtplatz in Meppen ge prengt und da« dritte am 22. November 1919 in Magdeburg zer schnitten wurde Die Telle dieser drei Rohre sind verschlottert.

Heraus mit de» letzten Kriegsgefan geuen.

Für die Freilassung der sogenanntenVerbre­cher von Avignon", 115 deutschen Soldaten, die nvch immer 2!4 Jahre nach Beendigung des Krie­ges" in französischer Gefangenschaft schmachten, ver. anstclltete gestern im ganzen deutschen SBatedanbe die Reichsoereinigung ehemaliger Kriegs­gefangener, die eine halbe Million MUglieder rihlt, eine riesenhafte Kundgebung. In Groß-.Ber» i n versammelten sich die einzelnen OrtsgrupS» an zwölf verschiedenen Plätzen und zogen dann unter klingendem Spiel nach dem Lustgarten, wo bereits Tausende alter Stände, Parteien und Bekenntnisse sich eingefunden hatte, um gemeinsam mit den ehemaligen Kriegsgefangene» ihre Stimme zu erheben für Msnsch- lichkät und Menschenrechte. Es sprachen u. a. der zweite Vorsitzende der Reichsvereinigung, Borsartti, Reichstagspräsident Paul Loeb«, Prof. Schücking, L a w e r e n 3, Frhr. v. Serener, der Zentrumsabg. Fleischer und Redakteur Vetter. Ihre Ausfüh­rungen wurden mit starkem Beifall ausgenommen ud> fanden ihren Ausdruck in einer Entschließung.

Arbüitslosenkirndgebmtg in Berlin.

Am Freitag nachmittag zogen über 2000 Ar­beitslose mit roiett Fahnen vor das Hau« des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, deffen sämtliche Ausgänge und Treppen sie besetzten. Darauf schickten sie eine Abordnung zu dem allein anwesenden Vorstandsmitglied Knoll (Mehrheitssozialist), der ge- Sagt wurde, wie sich der Gewerkschaftsbund zu den orderungen der Arbeitslosen stelle. Als Knoll spre­chen wollle, wurde gerufen:Ersäuft doch die ganze Bande!" Nur dem Einschreiten besonnener Elemente war es zu verdanken, daß Knoll nicht in

lichen Nerven ließ nach, und die Gedanken begannen nun, sich mit der eben genossenen wunderbaren 58 eg eg. nung zu beschäftigen. Sie blühte jetzt erst in ihrem Dol­len Reiz auf. Ein köstlicher Zufall war es, der ihn hier mit der zusammenführte, die sein Empfinden vor der Krankheit schon so tief beeinflußt hatte. Damals war all fein Sinnen und Denken gerade darauf gerichtet, ihr nüherzutreten und dadurch ihrem Zauber entweder zu entrinnen, ober ihm mit jubelnder Seele ganz zu er­liegen, An beibem hatte ihn die tückische Krankheit, die ihm nach des Arztes Ansicht schon lange im Körper steckte, gehindert, hatte sogar den Eindruck, den er da­mals empfing, vollkommen verwischt. Wie sie ja über- Haupt vieles verwischt hatte, was vordem sein Empfindeu beeinflußte, und was, wie er jetzt fest annahm, eigenllich schon in ihr wurzelte.

Die ganze, unglaubliche Empfindlichkeit für und die Beeinflussung durch jenen abergläubischen und wunder, lichen Bericht der Urahne war nur erflärlidj durch den geistigen Niederdruck, den die im Körper sitzende Krank, heit schon monatelang vorher auf ihn ausgeübt hatte; denn jetzt, nachdem der böse Saft aus ihm herausge- trieben war, wirkte all das gar nicht mehr auf ihn, er dachte nicht mehr einmal mehr daran- Das war überwunden, und der Ring, das einzige, sichtbare Ze chen des Märchens, galt ihm nur noch als das interessante Kunstwerk, das er nun einmal vorstellte. Da klappte etwas ganz derb auf seinen Schuh, fprang ab und rollte weiter. Eine große Drange war im Fluge auf seinen Fuß gefallen, schon kam die zweite und dritte, unb dazu schrie eine dünne Kinderstimme halb klagend, halb lachend auf:Meine Apfelsinenl Meine Apfelsinen!"

Hans Heinrich, in seine Gedanken verloren, hatte nicht darauf geachtet, daß vor ihm ein kleiner Rollstuhl fuhr, von einer Dame gelenkt unb geschoben: jetzt, auf ben Ruf der Kinderstimme hin, wandte sich diese Dame hastig um, wollte den entfliehenden Drangen nacheilen, stolperte über die eine die dicht vor ihren Füßen lag, schwankte, verlor das Gleichgewicht, taumelte haltlos vorwärts unb fiel «m nächsten Augneblick in seine un.

uurgatienb geöffneten Arme,

den Landwehrkano! geworfen wurde. Schließlich ver­lief sich die Menge mit dem Versprechen, täglich in ver­stärktem Maße wieder zu kommen.

Wie berickstet wird, forderten kürzlich die Arbeite- losen in NeukcUn, daß sie cm Stelle derjenigen gesetzt rurben, die bereits längere Zeit m Arbeit sind. Die Forderung wird nun auch in Berlin immer lauter er­hoben.

Plumper Schwindel «nd kein Ende.

Ein Reln fall der deulschnat. Erzberger Hetzer.

Eine recht eigenartige, aber Erfolg versprechende Taktck beobachten in neuerer Zeit die Gegner des Poli- tikers Erzberger. DerReichsLoie", das sattsam be­kannte kulturkämpserische Organ früherer Tage, wartet feinen Lesern uni allen aufhorchenden Erzbergergeg­nern mst D r i e f e n auf, die von A:rremplungen gegen Erzberger strotzen und die offenkundige Tendenz ver­folge, den katholischenSozialdemokraten" Erzberger in Gegensatz zu den geistigen Würdenträgern zu bringen.

Dabei wird sorgsam vermieden, irgendwelche An- gccken zu machen, die eine Nachprüfung des Brief­wechsels ermöglichten. Erfreulicherweise begegnet der angebliche Briefwechsel in Zentrumskreisen einem sehr gerechtfertigten, an völlige Ablehnung grenzenden Miß- trauen. Snzwichen hat sich der Pseudo-Bnrstchreiber in seinem blinden Fanatismus trotz manchmal hervor­ragend angewandter Vorsicht das eigene Grab geschaufelt. Der vom Reichsboten veröffentlichte Brief des Kardinal» von Bettinger trägt nämsich das Datum des 12. Dezmber 1917. Dem entgegen kann sich jeder Interessent überzeugen das Handbuch des Iesuitenpater» Kröte gibt bar» über Astrstchluß, daß Kardinal von Bettinger be­reits am 12. April 1917 gestorben ist. Am 26. des darauffolgenden Monat» war bereits der jetzige Kardinal von Faulhaber Erzbischof von Mün­chen. Wieder einmal bewahrheitet sich das Sprich- wort:Lügen haben kurze Deine", hoffenüich aber auch dar andere:Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen."

Was von dem eben erwähnten und bereits nachge­wiesenermaßen gefAschten Brief des Kardinals von Bettinger gift, gilt auch auf den in derselben Nummer desReichsboten" zmn Abdruck gelangten Brief eines angeblichen Hesuitenvatsrs S. . Auf eine Anfrage teilt der Reichsrmnister a. D. Erzbsrger mit, daß ihm ein Iefustenpater S., mit dem er 'm dem angeblich sehr intimen Briefwechsel stehe, überhaupt nicht be­kannt fei.

Bezüglich ehrte Briefes des Kardinals 0. Hartmann, in dem dieser sich geäußert haben soll, er wolle von Erzberger nichts mehr misten, er­klärt E., er habe bis zum Jahre 1919 mit dem Kardinal in Driefverkehr gestanden.

GS ist vielleicht gut, saß es so gekommen ist."

Die Deutsche Volk-Partei hat bis auf sechs Mitglieder der Fraktion bekanntlich gegen die Annahme des Ultimatums übet die Wiedergut- machungSleistungen gestimmt. Doch scheinen die VolkSpar teilet im Grunde ihre« Herzens recht froh zu sein, daß sich eine Mehrheit be8 Reichstages gefunden bat, die im Gegensatz zu ihnen eine be­jahende Stellung eingenommen hat und die Partei so der Verantwortung für die unabsehbaren Folgen eines Nein- ent oben har. DaS kam unter anderem in den Verhandlung n des volkSparreilichen Wahl- kreisderbandeS zu Lennep zum Ausdruck- In der Tebatle wurde, Zeitungsberichten zufolge, das folgende ausgeführt:

Die sechs Abgeordneten, die mit Ja gestimmt haben, seien milde zu beurteilen. Sicher hätten sie nach ihrer Ueberzeuaung nur in vaterländischer Ge»

So leicht unb zierlich das Persönchen auch schien, war bet haltlose, heftige Anprall doch so kräftig, daß er auch ihn einen Augenblick zum Wanken brachte. Seine Arme schlossen sich fest um die an seiner Brust Ruhende, teils um sie, teils um sich aufrechtzuerhalten. Dabei durch, strömte ihn plötzlich ein so wunderbares, entzückendes Gefiihl, baß er in vollkommener Verwirrung vergaß, feine Arme gleich roieber zu öffnen, unb erst burch den roiberftrebenben Druck zweier Seinen Hände gegen seine Brust erschreckt zusammenfuhr und nun freilich augen­blicklich feine Arme sinken lieh.Verzeihung!" sagten er unb sie wie aus einem Munde, unb eine Sekunde lang sahen sie einander In die Augen, kaum lange ge­nug, um einen Eindruck der gegenseitigen Gesichtszüge zu empfangen, aber doch genug, um Hans Heinrich emp­finden zu lasten, baß in diesen dunklen, sammetweichen Sternen ein unbeschreiblicher Reiz liege, ein Reiz, der irgendeine Erinnerung in ihm weckte, ein Gefühl aus­löste, über besten Ursprung unb Eigenart er sich in ber Geschwindigkeit nicht klar werden konnte, bas aber fo merkwürdig fesselnd war, daß es ihn vollkommen in sei. neu Bann schlug.

Dabei vergaß er das scherzende, entschuldigende Wort, bas ihm auf ber Zunge schwebte, unb schon hatte sich die junge Dame gewandt unb hob ben Fuß zum Weiter- eilen, augenscheinlich getrieben von dem in gellenden Tönen aufftingenben Rus:Meine Apfelsinen! Meine Apfelsinen!" Aber kaum hatte sie einen Schritt getan, ba brach sie. fast noch in gleicher Linie mit Hans Hein, rich, ber sich gleichfalls schnell gewandt hatte, um ihr beim Einholen der rollenden Drangen zu helfen, in ein helles, jugendlich frische, Lachen aus.Dh, dieser Schlingel!" 3m selben Augenblick sah Hans Heinrich, was ihr Lachen und Ausruf entlockt hatte, und unwill. küttich mußte auch er auflachen.

Einer ber überall herumlungernden kleinen Stra­ßenjungen war blitzschnell aus dem Gebüsch aufgetaucht, hatte ebenso blitzschnell und geschickt die drei luftig vom Fußweg in ben. Stand ber Mittelstraße springenden Drangen aufgefangen, sie in sein loses, schmutziges Hemb geschoben, schlug mit grinsendem Gesicht einen Purzel­

sinnung gehandelt und da sei es vielleicht gut, daß efr so nelommen fei. Der Einmarsch tn5 Ruhrgebiet werde doch das Ziel der Franzosen bieiben. Wäre das Ruhr­gebiet besetzt worden, so hätte der Verband auch Ham. bürg, Bremen unb Lübeck besetzt und bann wäre in' Berlin eine kommunistische Republik gekommen unb Deutschland wäreauSemandergefallen. DaS sei ver­mieden worden.

Tiefe einsichtige Auffassung dürste in weiten Kreisen ber Deutschen VoikSparter geteilt werden. Nur wenige aber wagen eS, daS, tote hier, auch laut auSzu sprechen.

70. Geburtstag Lambert LenfingS.

Der namentlich in Westfalen weitbekannte Zen- trumsführer, der Verleger der DortmunderTremonia", Lambert L e n s i n g stiert morgen, ben 14. Juni, sei­nen 70. Geburtstag. Lensing hat in der Kulturkampfs- zest alle Leiden eines Zentrumsjournalisten durchge­macht. Wegen angeblicher Dismarckbeleidigung erhielt er sechs Wochen Gefängnis, wegen einer Broschüre im Dergarbeiterstreik dreieinhalb Monat Gefängnis. 2m Jahre 1887 wurde er hn Septennatswahlkampf ver­haftet und zehn Tage eingesperrt. Alle diese zmn Teil auf schlimmen GesetzesbeuHUng fußenden ©trafen wur­den von den politischen Gesinnungsgenossen und auch von gerecht und loyal denkenden Mitgliedern anderer Par­teien länglich als Ehren st rasen gewertet. Biete tausend Mark hat er an Geldstrafen während des Kulturkampfes zahlen muffen. L. ist Vorstandsmitglied der westfälischen Zentrumspartei und Vorsitzender bet Zentrumsfraktion des westfälischen Zentrumslandta­ges. Stadtverordneter ist er in Dortmund fest über dreißig Jahren (mit zweijähriger Unterbrechung), seit 1919 stellvertretender Stadtvervrdnetenvorsteher. Er zählt zu den Gründern des Augustinusvereins zur Pflege der katholischen Preste in Deutschland und ist seit 1912 Vorsitzender dieses Vereins.

Freispruch in Leipzig.

Der Student der Rechte, Ramdohr, der fünfte Kriegsbeschuldigte, bet wegen angeblicher Mißhandlung belgischer Jugendlicher vor dem Reichs­gericht stand, ist freigesprochen worden; di» Kosten wurden der Staatskaste auserlegt.

In der Degrürtoung des sreisprechmden Urteils wird u. a. ausgeführt: Der Angeklagte war dringend verdächtigt, jugendliche Personen, um sie zum Oeftimfr nis zu bringen, mißhandelt zu haben. Aber ein aus­reichender Beweis für einen bestimmten (Ein* zelfall wurde nicht erbracht. Gerade die Gleich­mäßigkett der Beschuldigungen und der Umstand, daß verschiedene Zeugen bewußt unwahr aussagten und Vorgänge schilderten, die erwiestmmnaßen nicht vorgekommen sind, mußten dazu führen, Äe Fest­stellung eines strafbaren Tatbestandes als ausge­schlossen erscheinen zu lasten. Ob die angeblichen Mißhandlungen durch den Angeklagten oder sonst je­mand begangen mürben, war nicht festzustellen. Ande­rerseits bekundeten glaubwürdige deutsche Zeugen, daß sie niemals Mißhandlungen bemerkt haben.

Äur dem besetzten Gebiet.

Kiesenfehlbekrag In den Saatbergwerten! Hebet skandalöse Vorgänge im Saarbetrieb unb über Fehl­beträge in ber Verwaltung ber Bergwerke in Höhe von 60 bis 65 Millionen Franken wissen die Lothringer Blät. ter zu berichten. Unter deutscher Verwaltung er­brachten bie Minen bem Reich bebeutenbe Mehr­erträge, heute unter ber Verwaltung Frankreichs weisen sie Fehlbeträge auf. Die meisten der Angestell­ten sind Dffiziere im halben Sold oder in Erwartung ber Pension ober zur Verfügung gestellte Unterpräfetten- Alle diese Leute fahren in Autos umher und erhalten durchschnittlich Gehälter von 10 000 bis 60 000 Franken.

Eine Sühneaktion in Biebrich. Sn Biebrich war vor etwa acht Tagen die französische Flagge von dem dortigen Soldatenheim, einer früheren deutschen Turnhalle, heruntergehott worden. Die Stadt Biebrich bäum, unb in luftiger Frechheit ben Verfolgern eine lange rote Zunge ausstreckend, verschwand er ebenso schnell, rote er gekommen war, im schützenden Laube des kleinen Gehölze».

Das alle, war so rasch und mit so verblüffender Ko­mik vor sich gegangen, daß an eine Verfolgung de, küh­nen Räubers nicht zu denken war, besonders ba bas herzliche Lachen ber jungen Dame weniger drohend als billigend klangEs ist aber doch eine Spitzbüberei!" rief Hans Heinrich trotzdem, sich besinnend.Sch jage sie ihm ab!" Unb schon war er auf dem Wege dazu. Da fühlte er, wie eine leichte Hand sich auf seinen Arm legte.Bitte, nein; bemühen Sie sich nichtl Sie holen ihn nicht ein, ber ist leichtfüßiger als Sie, ber kleine broUige Spitzbube!"

Der Zurückgehaltene sah in ein reizendes, junges Ge- sicht mit einem vom Lachen eingedrückten Grübchen in der einen Wange. Wo hatte er dieses Gesicht nur schon einmal gesehen? Doch ehe er sich besinnen, ehe er ein Wort beim erbringen konnte, hatte die Dame schon Kehrt gemacht unb eilte zurück zu dem kleinen Wagen, aus dem jetzt in kreischenden Tönen eine Flut zorniger Worte in frember Sprache ertönte.Aber. Alex, Liebling, still! Wer wirb so häßsich schreien," hörte er bie sanfte, be­ruhigende Stimme unb dazwischen das Gezeter des er- regten Knaben.Er hat si« gestohlen, der Senget! Sck will meine Apfelsinen haben!"Wir kaufen neue!" Rein, ist will meine!" Kreischend, in ber Höhe sich über- schlagend, klang die Kinderstimme. Hans Heinrich sah, wie die schmächtigen Arme unbehilflich um sich stießen, wie der Körper sich krampfhaft wand.

Erschreckt eilte er auf den Wagen zu. Jtann ich Ihnen irgendwie beistehen," fragte er. hastig an ben Wa­gen tretend. Sie winkte, ohne nach ihm hinzublicken, abwehrend mit ber einen Hand, während bie andere, unbekümmert um den wilden Widerstand des Knaben« leise über seine glühende Stirne strich.Danke, nein,* flüsterte sie rückwärts, ohne den Kopf zu wenden.Das arme Kind braucht nur Ruhe. Sitte, gehen Sie weiter, ohne uns zu beachten."

Gortjejumg folgt)