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Fuldaer Zeitung

Druck der Fuldaer Retieudruckerri kn Fulda.

Ans dem kkachdargeditt.

== Aus dem fireife Gersfeld. Sm Kreise Gersfeld find über 70 Stadtkinder aus Hanau un- tergebracht. Sie fühlen sich durchweg recht heimisch und passen sich den ländlichen Verhältnissen gut an.

f>Ä> Franksuri a. 2IL Frankfurter Ausflügler, die in Alzenau etwas zu tief in die bayerischen Biergläser geguckt hatten, gerieten auf dem Bahnhof Alzenau hort aneinander. Stöcke, Schirme und Fäuste prasselten in wenigen Augen­blicken auf die Häupter von Freunde und Nachbar wahllos nieder. Ein Altstädter, der ein Messer zog,

mer aber erringen manche männlichen Wesen den Preis in der unsinnigen und häßlichen Tracht?

Zu meiner Freude sche ich, alter Freund, daß Shr Gehirn und Ihr Mundwerk noch keinen Hitzschlag er­litten hat. Nun sagen Sie bitte schließlich noch, wie Sie über das Trinken denken?

Nach meiner Ansicht darf man km Sommer oft trinken, aber nicht viel auf einmal. Wer Dmst spürt, glaubt leicht, die Masse müsse es bringen. Das ist Mch. Das schnell hinuntergestürzte Glas Bier oder Wasser beschwert oder gefährdet den Magen, aber die Schleimhäute im Halse werden bald wieder trocken, Ser Durst ist wieder da. Am schnellsten nach dem Bier. Darum trinke ich immerschluckzessive", d. h. in ein- zelnen Schluck mit Pausen dazwischen. Und man nutzt das kühle Getränk am besten aus, wenn man jeden Schluck eine Welle im Munde behält und recht langsam durch die Kehle schlürfen läßt. Dieses be­dächtige Trinken sollte man auch den Kindern van Anfang an angewöhnen. Aber wirklich angewöhnen durch Vorbild, Belehrung und wiederholte Anleitung: denn das einfache Kommando:Trink nicht zu hastig" oderTrink nicht zu kalt" pflegt das durstige Kind nicht zu beachten. Seäertfofls soll der Menschen be­denken, daß er kein Kamel ist, das im Leibe ein Wasserfaß für viele Tage hat. Er soll seinen Durst bedächtig löschen, aber nicht seinen Magen aufschwem­men. Am wenigsten mitgeistigen" Getränken. Denn der Alkohol ist ein Heizstoff, aber wahrlich keine Kältemaschine."

Na, verehrter. Nachbar, ich werde mal Shre Nat- schläge zu Papier bringen.

Meinetwegen; aber fügen Sie bitte noch hinzu, an den tropischen Tagen die Leute sich auch an >ie Sitte der Tropenbewohner halten möchten, nämlich in den heißesten Nachmittogsstunden eine Arbeits­unterbrechung, eine Ruhepause, eineUnterstünde" eintreten zu lassen. Am frischen Morgen und am kühlen Abend läßt sich leicht das Versäumte nachholen."

Ade. Cut Schweiß!

»katholischen Arbeiter aus Lüttich errichtet, I die Friedrich Wilhelm I. für die dortige Gewehrfabrik I benötigte, und die sich nur unter der Bedingung zur I Verfügung stellten, daß man ihnen die religiöse Betä. I tigung gestattete. ,

Politische Erwägungen waren es denn auch, die I Friedrich den Großen nach der Eroberung Schlesiens I bestimmten, den Bau der bekannten St. Hedwigs, kirche zu fördern und den Baugrund dafür zu liefern. I 1747 wurde mit dem Bau begonnen, aber erst im Jahre I 1773 konnte das Gotteshaus etngeweiht werden. Jahre- I lang (17551773) stand der Bau still, da die Mittel aus den Sammlungen versiegten, als bekannt wurde, daß Friedrich der Große, entgegen seinem Versprechen, diese Kirche nicht als Pfarrkirche mit pfarrlichen Rechten an. erkennen wollte. Erst als der König sein Versprechen von neuem bestätigte und der Kirche pfarrliche Rechte zugestand, flössen reichliche (Baben, die schließlich die Dol- lenduug des Baues ermöglichten. Dominikaner, patres fungierten als erste Geistliche an der St. Hed. wigskirche. Sie kamen, nach langer Unterbrechung ihrer Tätigkeit, im Sommer 1869 wieder nach Moabit, um di" Seelsorge unter den dortigen sehr armen Katholiken zu übernehmen. Aber der antikatholische Fana. t i s m u s des Volkes führte zu dem bekannten K l o» I stersturm von Moabit, dem Auftakte zum bald I folgenden Kulturkampf!

Rach dex Säkularisation im Jahre 1810 und den Be. freiungskriegen 1813.14 ergab sich die Notwendigkeit, die kirchlichen Verhältnisse in Preußen zu ordnen. Dos ge. schah durch die BulleDe Salute Animarum" int Jahre 1821. Durch diese Bulle wurden die Provinzen Bran» denburg und Pommern (mit Ausnahme der Lausitz und eines kleinen Teiles von Pommern), die bislang als nordisches Missionsgebiet von Hildes, heim administriert wurden, zu einem eigenen kirchlichen Verwaltungsbezirk zufammengefaßt und dem Fürst, bifchof von Breslau als apostolischem Delegaten unterstellt, der diese durch den jeroeiligen Propst von St. Hedwig in Berlin als apostolischen Sub- belegaten oder fürstbischöflichen Delegaten verwaltet. Als fürstbischöflicher Delegat wirkte eine Zeit lang auch Emanuel Freiherr v. Ketteler, der große Bischof von Mainz. Erst in den neunziger Jahren setzte der große Aufschwung im katholischen Leben Berlins und der Delegatur ein. Heute zählt die fürstbischöfliche Delegatur unter rund 7 Millionen Einwohnern 550 000 Katholiken; davon entfallen auf Berlin 450000. Damit ist Berlin, so paradox es klingen mag, diejenige Stadt Deutschlands, welche die meisten katholisch ge. tauften Einwohner zählt. Die Seelsorge der Delegatur umfaßt 9 Archlpresbyteriate mit 134 Pfar- reien bezw. selbständigen Seelsorgestellen. In die Seel- sorgearbeiten teilen sich 253 Geistliche. In allen Pfar. reien herrscht intensives kirchliches Leben, wovon sich je- der, der von auswärts nach Berlin kommt, überzeugen kann; die Zahl der im letzten Jahre ausgeteilten hl. Kom- munionen betrug annähernd 3 Millionen. Den Welt, klerus unterstützen feit langem Ordensleute: Domini, kaner, Jesuiten und Salvatorianer, die eigene Niederlassungen besitzen, und die Ale x i an er und Franziskanerbrüder, die segensreich in karitativen Anstalten wirken. Neben diesen wetteifern insgesamt 16 verschiedene weibliche Orden mit 95 Niederlassungen in Krankenhäusern. Erziehungs­anstalten, Kinderhorten, Fürsorgeheimen usw.

Es geht also rüstig vorwärts mit dem Katholizismus. Neben Gottes Hilfe verdankt die Delegatur viel den einzelnen Gebern aus dem ganzen katholischen Deutsch, land, den hochherzigen Spenden der Fürstbischöfe van Breslau und nicht zuletzt der tatkräftigen finanziellen Unterstützung der Bonifatiusvereine. Ohne letztere wäre es nicht möglich gewesen, das katho- lische Leben in der Delegatur fortlaufend zu unterhalten. Darum sind auch die Erinnerungstage an das hundert­jährige Bestehen der Delegatur als Bonifatius, fagting gedacht. Möge auch im kommenden Säkulum der katholischen Kirche der Delegatur eine erfreuliche Weiterentwicklung beschieden fein!

M 132.

Samstag, 11. Juni 1921.

vermischter.

* lieber den Wiederaufbau des deulschen Fern- sprechwesens sprach bei der Essener Tagung des Reichs­bundes deutscher Techniker der Staatssekretär Bre­dow, der Setter der Reichstelegraphie. Der feit dem Kriege bestehende Zustand im Fernsprechwesen sei, so führte er aus, äußerst unbefriedigend. Die frühere Verwaltung habe in Zusammenarbeit mit einer pflicht­treuen Beamtenschaft alles getan, um das herabgewirt­schaftete Fernsprechwesen wieder in die Höhe zu brin- gen, aber die nach dem Kriege einsetzende Derkchrs- steigerung, die den Friedensverkehr um 50 bis 60 Proz. überstieg, habe den Wiederaufbau außerordentlich ver­zögert. Zurzeit kämen auf 100 Köpfe der Bevölkerung etwa 2,7 Fernsprechanschlüsse. Es müsse unter Ver­zicht auf Flickwerk mit Energie an die durchgreifende Erneuerung und den Aufbau der technischen Betriebs, mittel herangegangen werden. Der Redner ging dann näher auf die Einführung der Gebührenzähler ein. Auf­klärungen über die bereits geleisteten technischen Aus­bau- und Wiederherstellungsarbeiten wurden von ihm gegeben und besonders die Einrichtung eines Fern- kabelnetzes auf den Hauptoerkehrslinirn gefordert.

.... Vorsicht bei Ausstellung eines Zeugnisses. Gibt man einem abgehenden Angestellten ein Zeugnis, so kommt man nicht gar zu selten in eine arge Der- legenheit: einerseits soll man die Wahrheit sagen.

100 Jahre fürstbischöfliche Delegatur.

Eine Bonifafiusfagung in Berlin.

Die Katholiken der Mark Branden. burgundPommerns feiern vom 12. bis 14. Juni in Anwesenheit Er. Eminenz des Hochwürdigsten Herrn Kardinal Fürstbischofs Dr. Bertram von Breslau das hundertjährige Bestehen der Fürstbischöflichen Delegatur. Da verlohnt sich schon ein kurzer Rückblick auf die Ge- schichte der Delegatur, die auch über die Grenzen des Delegaturbezirks hinaus einiges Interesse beanspruchen darf. Wer heute als Fremder nach Berlin kommt, der mag nicht wenig überrascht fein über das blühende katholische Leben, das er hier vorfindet. Es ist tilge, mein bekannt,, daß der sandige Boden der Mark Jahr, hunderte lang ein recht undankbares Feld für ka­tholische Betätigung gewesen ist. Wenig weiß man über das, was ihm in den letzten Jahrzehnten in mühevoller unermüdlicher Arbett abgerungen wurde.

Das Christentum hatte im Osten Deutschlands (Schle­sien und Polen) schon lange festen Fuß gefaßt, als Brandenburg und Pommern noch heidnisch waren. Erst dem hl. Bischof Otto von Bamberg (t 1139) war es be. schieden, Apostel der Pommern zu werden, und die Zisterzienser und Prämonstratenser vollendeten das Werk der Christianisierung im 12. Jahrhundert. Die k a. tholischen Klöster sind es gewesen, die das Land nicht nur dem Christentum, sondern auch der Kultur er. schlossen. Prächtige Kirchen mit großen Lieganschasten, viele Klöster prägen dem 13. und 14. Jahrhundert ihren Stempel auf. Mit der Reformation wurde das katholisch, kirchliche Leben aber vernichtet. Das Kirchengut wurde säkularisiert, die Männer, und Frauenklöster wurden, wenn sie nicht protestantisch werden wollten, zum Aus. sterben verurteilt, indem man ihnen verbot, neue Mit. glieder aufzunehmen. Am 4. Januar 1571 starb der letzte Franziskaner von Berlin. Bereits um die Mitte des 16. Jahrhunderts war auch in Pommern das blühende katholische Leben gänzlich vernichtet. Branden, bürg und Pommern waren katholikenrein!

Fast ein ganzes Jahrhundert hindurch haben jene Gegenden keinen katholischen Priester gesehen, und doch hiellen sich ganze katholische Dörfer, versam. metten sich allsonntäglich m einem Detsaal, hielten dort gemeinsam katholischen Laiengottesdienst und bewahrten so durch JahrzehMe ihren allen katholischen Glauben. Erst um dos Jahr 1680 sah sich der große Kurfürst aus politischen Gründen gezwungen, gegenüber der katholi- schen Kirche eine etwas mildere Praxis ausjuüben. Den Gesandten Frankreichs und Oesterreichs konnte man die Errichtung prio ater Gesandt, schaftskapellen nicht gut untersagen, und so bil­deten sie dann lange Zeit hindurch den katholisch-relj. giösen Mittelpunkt Berlins. Die Zivilbevölkerung pflegt® diese Gotesdienste zu besuchen, das konnte man schiech, terdings nicht unterbinden. Aber die Geislllchcn dursten pfarramtliche Funktionen an Mitgliedern dex Zivilbe. völkerung nur vornehmen, wenn den reformierten bezw. lutherischen Pfarrern die üblichen Gebühren entrichtet waren. Erst im Jahre 1724 entstand wieder eine katholische Kirche; sie wurde in Spandau für die

Aus Geisa und Umgebung.

Dermbach. Der normalspurige Ausbau de? etwa 30 Kilometer langen Feldaeisenbahnstrecke Dorn» dorf-Dermbach-Kaltennoricheim, dir die wichtigste Ver­kehrsader für den nördlichen Teil des Rhöngebirge» bildet, dürfte in absehbarer Zeit nicht zur Verwirk­lichung kommen, trotzdem die Weimarer Regierung alle Hebel in Bewegung setzt, um den Ausbau zu er­reichen und den in der Kaliindustrie beschäftigungs­losen Arbeitern Gelegenheit zur Arbeit zu verschaffen. Nach neueren Berechnungen sind die Kosten für den Umbau oder Ausbau dieser Linie unter den jetzigen Verhältnissen auf rund 60 Millionen Mark veranschlagt worden. Eine Verzinsung dieser so hohen Summe ist trotz des sehr starken Güter- und Personenverkehrs nicht zu erwarten. Um aber das kostspielige Umladen aller Gütersendungen in Dorndorf etwas einzuschränken, sind neuerdings von der Eisen- bahnverwattung Vorschläge gemacht worden, die Strecke teilweise, vielleicht bis StadümgsseL oder Dernbach mit einer dritten Schiene in Nor- malspur versehen zu lassen, damit die Güterwagen der Hauptbahn bis nach und von den Kaliwerken und sonstigen Industrieanlagen geleitet werden können. Voraussichtlich dürfte sich die Regierung mit dieser einstweiligen Regelung einverstanden erklären.

wurde darob von seinen Busenfreunden derart miß- hcmdell, daß er schwer verletzt ärztliche Hilfe in An­spruch nehmen mußte.

fpd. Frankfurt a. M. Zum Leiter de§ städti­schen Reklamewesens wurde durch Vermitt­lung deS Stadtrats Landmann ein Herr Brose auS Berlin berufen, dem für die Durchführung der städtischen Reklamepläne ein Jahresbezug in "Höhe von 150000 Mark zugestanden wurde. Tie Reklamegesellschaft, die eine Tochtergesellschaft der Frankfurter Meßgesellschaft ist, hat den städtischen Reklamebetrieb mit übernommen. Die Bürgerschaft, Magistrat und Stadtverordnetenversammlung wur­den bisher von der Ausstellung nicht unterrichtet Die Bewilligung deS Riesengehaltes ist eine treff­liche Illustration zu dem SchlagwortSparsamkeit und Vereinfachung städtischer Betriebe". Tas Gehalt des Herrn Reklamedirektors aber hat der zu zahlen, der die Reklame macht.

fpd. Mühlheim a. M. Im hiesigen LebenS» mittelamt ist man größeren Schiebungen von Kleie auf die Spur gekommen, in die auch Bür­germeister verwickelt sein sollen. Der Bürger­meister hat einen Urlaub angetreten. Das gesamte Material wurde dem Kreisamt und der Staatsan­waltschaft überwiesen.

fpd. Kassel. Durch Funkenauswurf einer Loko> moiide entstand im Bahndreieck ein Brand, der in kurzer Zeit einen Schuppen und große Holz- und Kohlenlager in Flammen setzte. Erst nach langer Zeit gelang es der Feuerwehr, des Brandes Herr zu werden. Ter Schaden beläuft sich auf etwa eine Million Mark. Eine Anzahl Ställe mit Kleinvieh, Kaninchen, Hühnern und Schweinen, die Eisenbahnern gehörten, wurden gleichfalls ver­nichtet. Ebenso brannte ein mit Kohlen beladener Eisenbahnwagen völlig nieder.

dungsheim gewähü. Das Programm sieht vor­läufig also aus:

Samstag, 27. August (Vorabend): Begrüßungs- Versammlung in einem noch zu bestimmmden Saale.

Sonntag, 28. August, 9 Uhr: Pontifikalamt im hohen Dome, 11 Uhr: 1. geschlossene Versammlung im Bolksbildungsheim, nachmittags 3 Uhr ösfenlliche Versammlung im Schumanntheater und im Hippc^rom, abends 8 Uhr: musikalische Festandacht im Dom mit Weihe an das Heiligste Herz Jesu.

Montag, 29. August, 8 Uhr: im Dome feierliches Requiem für die verstorbenen Mitglieder der General­versammlungen, um 1 Uhr: geschlossene Versammlung; 5 Uhr nachmittags: öffentliche Versammlung im Schumanntheater.

Dienstag, 30. August, 8,30 Uhr: Volksmreirrsver- famntlung im Schumanntheater, 6 Uhr: öffentliche Versammlung im Hippodrom.

Da vereinzelt die Meinung herrscht, es handle sich bei der Katholikenversammlung in Frankfurt nur um eine Diözesan- oder Landesversammlmrg, so sei aus« drücklich darauf hmMwiesm, daß es die erste große allgemeine Katholikenversammlung Deutschlands nach dem Kriege fein wird, bei welcher auch das Ausland vertreten fein wird. Anmel­dungen sind möglichst bald zu vermÄassen, hauptsäch­lich die Anmeldungen für die Wohnungen, damit das Wohnungskomitee einen Ueberblick über die Zahl der Besucher erhallen kann. Wohnungsanmel- düngen unter Angabe der Besuchstage werden bis spätestens 25. Juli an den Vorsitzender des Wohnungs- komllees, Turninspektor Lenz, Stadtverordneter Frankfurt a. M., Rathaus, erbeten.

Unpolitische Zeitkäufe.

Don Fritz Nienkemper.

Berlin, 7. Juni 1921.

Wenn es doch wieder Weihnachten wäre!" stöhnt mein Nachbar. Er fuhr sich mit seinem großen, windel- artigen Taschentuch zweimal über das Gesicht, einmal über die glanzende Glatze.Es lebe der Winter!"

Warum?

Weil man in der sogenannten rauhen Jahreszeit ein angenehmes Wetter hat. Die Kälte kann ich ab- schüttein, aber die Hitze nicht. Muß ich zu Weih- nachten über die Straße gehen, so ziehe ich mich deck an, wie ein Eskimo, und bin vergnügt. Sonst sitze ich am warmen Ofen und bin erst recht vergnügt."

Aber wenn die Kohlen alle nach Frankreich gehen?

Nun, dann lege ich mich ins Bett. 2m Wntter ist das Bett ein Stück Paradies. Aber jetzt in der Sonnenglut ist das Bett ein Stück Feg feuer und der Som er,schein ein Gruß aus der Hölle.Hitzewelle" nennen die gelehrten Laubfrösche diese Art von Sün- denstrafe Kaum ist die eine Hitzewelle mit einem Donncrkrach abgeschlossen, so wälzt sich schon eine neue heran. Dor der Källe kann ich mich schützen, vor der Hitze nicht."

Darin haben Sie recht, aller Brummbär. Die viel­gepriesene Technik versteht sich besser auf Heizapparate wie auf Kühlvorrichtungen. Ein universaler Eis­schrank ist noch nicht erfunden worben.

Leider ist auch der Einzelmensch ohnmächtig in seiner Selbsthllft gegen die Hitze. Wenn es toll wird, kann ich erstens nach Belieben meinen Körper um­polstern, und zweitens kann ich durch Bewegung und Muskelarbeit das Blut in Wallung bringen, also die Warmwasserheizung des Leibes in Schwung bringen. 2m Kampf gegen die Hitze klappe ich zusammen, wie Deutschland ror drei Jahren. Die leichte Kleidung? Das Ausziehen hat seine strengen Grenzen, und wenn ich in de: Badehose herumlausen wollte, so würde mir bald die Sonne den Rücken mit Brandblasen Der« Ahlen. Verschlinge ich Eis ober eiskalte Flüssigkeit,

Medizin gegen die Hitze. Schwitzen muß nützen. Darum soll man die Poren der Haut offenhalten, damit die überflüssige Feuchttgkett heraus kann, und bei der Wahl her Kleidung darauf achten, daß der Schweiß ohne Gefahr und Schaden ausgenommen werden kann. Nach meiner unmaßgeblichen Ersah- nrng ist das beste Erfrischungsmittel in der Hitze die kalte Abreibung. Schr einfach und billig oder viel­mehr gratis. Ich stelle mich einfach auf einen Fleck, der nicht wasserscheu ist, tauche einen Schwamm in ab­gestandenes Wasftr unb reibe mich recht kräftig vom ! Kopf bis zu den Füßen ab. Natürlich eigenhändig;

denn gerade die Arbeit beim Abreiben sichert die heil- ferne und angenehme Reaktion. Je mehr man dem gesottenen Krebs ähnlich steht, desto Vesser. Wer sich dabei erkällen will, muß es schon sehr dumm anstellen."

Schön. Wie hallen Sie es mit her Kleidung?

Die meisten Leute glauben, sie könnten sich in der Leichtigkeit und der llnzulän^ichkett ihrer Kleidung nicht genug tun. Das ist bedenklich, auch vom ge- simdhettlichen Standpunkt aus. Wer tm Sonnenbrand von Haufe fortgeht, muß immer darauf gefaßt sein, daß sich bei seiner Heimkehr ein Gewitter oder wenig­stens ein kühler Wind auftut. Auf die schnelle Per- änderlichkeit unserer Witterung muß er eingerichtet sein. Also immer etwas Mantelartiges mitnehmen, oder wenigstens sich so lmziehen, daß man auch etwas Wind, Regen, Abendkühle usw. aushalten kann. Auf die LeichttgLit der Kleiderstoffe kommt es schließlich weniger an, als auf ihre Geschmeidigkeit, Lwftdurch- lässigkeit und Bequemlichkeit. Ein poröses Wollen­hemd ist in der Hitze noch besser zu ertragen, wie ein gestärktes, steifes, undurchlässiges Faltenhemd. Ein Marterinstrument ist der Stehkragen. Auch die Stulpen sollte man sich tm Sommer ersparen. Je mehr Freihett der Hals, die Arme unb die Deine haben, desto besser kommt man mit der Hitze aus. Für den Rumpf muß immer der nötige Schutz für alle Fälle besorgt werden, namentlich für den unteren Teil bes Stumpfes, denn die Bauchhöhle ist vom unb hinten empfindlich. Wissen Sie, im allgemeinen ist ja, die MMrmvbe eiee Lrutstätte von Torheitzn. Am. Se-w

Das Programm für den

61. UathollLentag, ter vom 28. bis 30. August m Frankfurt a. M. stattfindet, ist jetzt ferliggestrllt. Die Verhandlungen finden im Schumanntheater und im Hippodrom statt. In diesen beiden Räumen gehen am Sonntag unb am Dienstag Parallelversammlungen vor sich. Für die geschlossenen Versammlungen hat man bas Bolksbil-

3ur pfarrerbesoldung in Preußen.

Von zuständiger parlamentarischer Seite wird der Katholischen Korrespondenz nachstehendes geschrieben:

Die Auszahlung bet erhöhte« Gehälter fa die katholischen Pfarrer für die Zeit oom 1. April 1920 ois 31. März 1921 ist leider immer noch nicht erfolgt, ob« chohl_ die Not außerordentlich groß ist. Es ist durchaus verständlich,. daß die Unzufriedenheit m den beteiligten Streifen täglich wächst, und daß immer wieder die Frage gestellt wirt», wer die Schuld an der Verzögerung der Auszahlung trage. Nach Einsicht amtlicher, sowohl kirch- Betret wie staatlicher Aktenstücke können wir folgendes fest­stellen:

Durch Gesetz oom 17. Dezember 1920 sind m cf erd» stch dank der Arbeit der Zentrmnsfrattion ber Preußischen Landesoerjammlung 41,5 Millionen Mark aus Staats­mitteln bereitgestellt worden, die gemäß Verfügung vom 24. März 1921 den Regierungen anteilig zuzuweisen find. Aus dieser Summe sollen für das Jahr 1920-21 den ka­tholischen Pfarrern Beihilfen gewährt werden, sodaß chre Bezüge sich den Bezügen der Beamten in Gruppe X der Defoldungsordn-ung anpassen. Ar bemerken ist, daß das Pfarremkommen sich zusamimnsetzt aus drei Teilen: Grundgehalt, Ortszuschlag und Teuenmgszuschlag. Mst 'Hilfe des Staatszuschufles soll in der bisherigen Weise idas Grundgehalt der Pfarrer auf die Sätze der Gruppe X der staatlichen Besokdungsordmmg gebracht werben. Orts­zuschlag und Teuerungszuschlag sind jedoch in erster Linie von den Gemeinden aufzubringen. Hierzu gewährt der Staat für jede Pfarrstelle einen Zuschuß von 1000 Mark.

Aufgabe der Bischöflichen Behörden ist es NUN, den Pfarrern die Deihilsen zu chren Bezügen nach bem neuen Pfarrerbesollnmgsgesetz festzusetzen und zu de- ! willigen, die dann nach Prüfung von den zuständigen Re- gierungspräftberrten angewiesen werden. Zu diesem Zwecke muß eine Besoldnngsordnung ausgestellt werden, die mög- stchst für alle Bistümer einheitlich fein soll. Um bas zu er­reichen, finden Verhanblungen zwischm dm Di- schäft. Behörden statt, die nahe vor chrem Abschlüsse stehen. Wenn man bedenkt, daß die zur Verfügung ge­stellten 41,5 Millionen Mark bei weitem nicht ausreichen, um die Psarrei-nkommen auf die Höhe der ©nippe X ein- schließlich der Ortszulage unb des TÄlsrungszuschkage, $u bringen, daß vielmehr die Bistümer selbst noch viele Millionen aafbringen müssen, so wird man begreifen, daß große Schwierigkeiten zu überwinden sind, ehe die Auszahlung der neuen Zuschüsse angewiesen wer. den kann. So tief bedauerlich das ist, so hart er von allen Befestigten empfunden wirb, von einer SchMd kann man weder bei der Regierung sprechen, die schon am 24. März d. 3. die ganze zur Verfügung ftehende Summe auf die einzelnen Bistümer verteilt hat, noch bei den Bischöf­lichen Behörden, die aufs Angestrengteste arbeiten, um die mit der Dertestung auf die einzelnen Stellen ver- bunbenen Schwierigkeiten zu überwinden.

Am allerwenigsten trifft natürlich der Zentrums­fraktion des Preuß. Landtages eine Schuld an der Verzögerung der Auszahlung. Ihre Mstglieder tat Besoldungsausfchusse haben in zäher Arbeit bedeutende Bsrdeflerungen gegenüber der ursprünglichen Regierungs­vorlage erreicht, die dann auch in der Vollversammlung des Hauses durchgefetzt wurden. Htagsniesen sei nur, daß tat Rsgicrungsentwurf lediglich Merfünftel der Ge- Sfötze der Klasse 10 vorgesehen waren, daß ferner keine

äge für die emeritierten Pfarrer au «geworfen waren vnd bergt, mehr. Daß die Ausführung des Gesetzes Schwierigkeiten machen mürbe, ließ sich voraussehen. Die katholischen Pfarrer sind keine Staatsbeamten, sollen und iwollen es auch nicht ro erben. Es ist darum auch nicht .eigentlich Aufgabe des Staates, für den Unterhalt der Pfarrer zu sorgen; das ist vielmehr Ausgabe der Kirchen- gemeinden. Um diesen zu Hilfe zu kommen bei dem Man- gel eigener Leistungsfähigkeit hat der Staat die Derpstich- tung übernommen, Beihilfen zu den Gehältern der katho- lischen Pfarrer zu leisten, wie dieses auch Art. 1 des Ge- fsetzes oom 17. Dezember 1920, ber hier nochmals wärt- stch roteborgegeben sei, klar ausspricht.

Um die Bischöflichen Behörden in die Loge zu fetzen, hie Desoldungs- und Rrchegehaltsbezüge ihrer preußischen Pfarrer den veränderten Verhältnissen entsprechend zu er­höhen, wird vom 1. April 1920 ab seitens des Staate* den Bischöflichen Behörden ein Betrag von jährlich '41500 000 Mk. überwiesen."

Well asso das Einkommen der katholischen Pfarrer aus verschiedenen Quellen fließt: Stiftungen, Kirchensteuern, Stotiszufchusse, wird die Berechmmy immer gewisse I Schwierigkeiten bieten.

Sicherem Vernehmen nach stehen die Bechandkungen I zwischen den zuständigen Stellen vor dem Abschluß, sodaß mit einer Auszahlung der Beihilfen in nächster Zeit ge- I rechnet werden kann.

fo hole ich mir einen Magenkatarrh. Trink ich recht viel Bier oder Wasser, so mutz das Herz als Pump­station erhöhte Arbeit leisten, und das gibt wieder innere Hitze und neuen Durst. So kann der Kultur­mensch singen: Auf dem Boden heiß, sitzt ein Greis, der sich nicht zu helfen weiß."

Wre ist es denn mit dem Bad in kühler Flut?

Ja, da laufen viele in die sogenannten Freibäder, tummeln sich eine Zettlang im Wasser, lassen sich dann aus dem Sand wieder anbraten, gehen von neuem ins Wasser, und so weiter. Für den Augenblick kommen sie sich erftischt vor, doch schließlich schwitzen sie wieder ebensogut wie ich. Es |ei denn, daß sie zu lange im kalten Wasser geblieben sind und sich einen Frostschauer geholt haben. Dann bringen sie ein Andenken nach Hause, das noch schlimmer ist, wie die Hitzewelle. Der Mensch ist kein Fisch- der andauernd im Wasser bleiben kann. Das gelegentliche Bad im Freien ist nur eine Erfrischung für den Augenblick, mit Vorsicht zu genie­ßen und für schwächliche oder alte Leute überhaupt nicht ratsam. Das dümmste fft ein kaltes Bad in der Wanne In diesem engen Bottich kann sich der Kör­per nicht bewegen, also nicht gehörig reagieren gegen den Kältereiz. Das Blut wird zu sehr in die inneren Organe zusammengettieben. Die Haut und ihre näch­sten Unterlagen werden blaß unb kalt; das darf aber nicht sein, auch bei den Kneippschen Güssen und Wickeln nicht. Die Hauptsache ist, daß das Blut immer sieg­reich ankämpft! gegen die äußere Abkühlung, daß sich kein Frösteln einstellt, sondern die aufgemunterte Haut wieder glänzt wie Morgenrot."

Na, lieber Nachbar, Sie hätten eigentlich Babe» doktor werden sollen.

Nicht in die Hand! Auch noch die Gebrechen anderer Leute kurieren? Ich habe genug mtt meiner eigenen Schwäche zu tun." Aber Sie werden zugeben, daß gerade m den heißen Tagen die Reinlichkett eine sehr zeitgemäße Tugend ist.

Ja, und nochmals ja. Wir muffen die Haut pflegen; denn der Mensch unterscheidet sich vom Hunde dadurch, daß er eine Schwitzhaut hat. Der Schweiß ist nicht bloß eine Folge der Hitze, sondern auch fiiflB