FuldaerZeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadk Fulda.
Nr. 132.
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Samstag, II. Zum |92L
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48. Zahrg.
wachsam sein!
rte „Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer" hat zum Reichsschulgesetzentwurf Stellung genommen. Wer mit den Anschauungen und Zielen dieser Kreise einigermaßen vertraut ist, hatte von vornherein die lieber« zeugung, daß bei der Tagung die Bekenntnisschule im Mittelpunkt der Debatte und gleichzeitig im Brennpunkte religionsfeindlicher und gehässiger Angriffe stehen werde. Die Tagung hat dann auch den Beschluß gefaßt, eine großzügige Propaganda gegen den Reichsschulgesetzentwurf zu entfalten, der bekanntlich neben der sogenannten Gemeinschaftsschule als Regelschule und der weltlichen, d. h. religionslosen Schule auch der herkömmlichen christlich-konfessionellen Schule unter bestimmten Voraussetzungen Recht und Bestand sichern will.
Der Beschluß auf Entfaltung „einer großzügigen Propaganda" gewinnt noch an Bedeutung, wenn man berücksichtigt, daß der angeblich neutrale, in Wirklichkeit jedoch stark religionsfeindliche deutfcheLehrerverein bei seiner Pfingsttagung in Stuttgart eine halbe Million Mark aus seinen Bereinsmitteln ausgeworfen hat zum Kampfe gegen die Bekenntnisschule. Man muß zur Stenn« zeichmmg der Lage schließlich noch daran erinnern, welch starken unheilvollen Einfluß gerade die sozialdemokratische Lehrerschaft nach dem Zustandekommen des ersten Schulkompromisses in Weimar geltend machte, der ju einer für uns ungünstigen Revision der Beschlüsse über die Schulpolitik führte, um zu ermessen, daß die Stellungnahme der „Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer" unsere völlige Aufmerksamkeit und Kampfbereitschaft unbedingt erheischt.
Der uns angesagte Kampf — darüber sind sich unsere Gegner hoffentlich im klaren — ist nichts anderes, als die Fortsetzung der seit der Revolution in Erscheinung getretenen Bekämpfung der Religion in der Schule, die schließlich mit Rücksicht auf die Koalitionspolitik des Zentrums unb der Sozialdemokratie zu einem vorläufigen Abschluß kam, als der bekannte Kompromißartikel der deutschen Verfassung zur Annahme gelangte. Auf Grund des Artikels 46, Abi. 2 ist die Bekenntnisschule ausdrücklich genehmigt und anerkannt. Um so mehr muß es überraschen, wenn die eben genannten Streife hiergegen Sturm zu lausen versuchen. Ein solches Treiben kann der Einheit unseres Volkes keineswegs dienlich werden. Achtung vor der gegenseitigen lieber« zeugung muß bei allen Volksgenossen zu Hause sein. Man kann den christlichen Kreisen nicht vor- werfen, daß sie bei Beratung des Schulkompromisses engherzig verfahren wären, andererseits aber sollte und darf niemand von uns verlangen oder erwarten, daß wir die un<- verfassungsmäßig garantierte Bekenntnisschule irgendwo und irgendwie Preisgaben. Damit verschließen wir uns keineswegs den mancherlei berechtigten Reformwünschen aus dem Schulgehiete. Wir wissen ober, daß für einen Neubau in der Erziehungsarbeit der feste Boden einer Weltanschauung das unumgänglich notwendige Fundament darstellt. Wir erblicken nämlich in der Schule mehr als eine Statte, die lediglich einen Wissensstoff bearbeitet, also Wissen vermittelt. Die Schule ist in erster Linie für uns eine Charakterbildungs- stätte, die verantwortliche Seelensormerin der ihr anvertrauten Jugend, die Kammer, aus der der junge Mensch gestählt, gerüstet und erprobt ins Leben tritt und damit in den unvermeidlichen Kampf.
Der Ring der Nuramaja.
Roman von Käte van Becker.
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„Ach!" gähnte Ebba. „Wie langweilig es hier ist! Was tue ich mit der ganzen Riviera und den im dunkeln Laube glühenden Goldorangen, wenn ich feine interessanten Menschen kennen lerne, wenn wir in stolzer Unnahbarkeit thronen, wie der Adler aus seinem Horst." „Da wirst Du Dich wohl noch etwas gedulden müssen. Mama hat den sehr richtigen Grundsatz, erst die Leute zu prüfen, ehe sie ihnen gestattet, sich uns zu nähern. Uebrigens bin ich selbst überrascht, daß noch nichts von Bekannten hier ist."
„Ach, Bekanntes Das sind doch alles schon abge. brauchte Leute, entweder alte Damen und alte Herren, oder irgendein Jüngling, der sich schon an Deinem Glanz die Flügel verbrannt hat und von Dir als ungeeignet beiseite geschoben wurde. Ich will neue, will geeignete Bekanntschaften machen, Bekanntschaften wie eine Aden, teuertn, die auf Deute geht." „Ich finde das sehr unpassend, ganz aus dem Rahmen unserer Verhältnisie fallend-" „3m Gegenteil, ganz da hinein paffe d. Schließlich sind wir beide doch nichts anderes als Mädchen, die sich gut unter die Haube bringen wollen, weil sie dadurch festen Boden unter die Fuße bekommen." „Du bist brutal, Ebba!" „Blitze mich nicht so verächtlich und zor- nig an, ich bin eben anders als Du, ich mache aus meinem Herzen keine Mördergrube, wenigstens nicht in der Familie. Und meinetwegen soll dieser Grund nicht einmal mittpielen, denn ich bin ja noch so jung, ich habe noch Zeit, günstige Gelegenheiten abzuwarten, aber ich will wenigstens Vergnügen haben, wenigstens darin meine Jugend genießen!"
Ebba verstummte mitten in ihrer wild hervorgefpru- ftelten Rede. Was war denn das? Da stand vor Karin ein sehr hübscher, sehr elegant und vornehm ausfehender junger Mann, batte den Hut gezogen und sah sie er- staunt und en "d an. „Mein gnädiges Fräulein, ist das Wirklichkeit?"
Wie bestrickend Karin lächelte, wie ihre Farbe sich gerade nur um den richtigen Ton vertiefte, und die Lugen in goldenem Glanz ausleuchteten. Ach, sie war jo wunderschön, daß es eben doch zu den Unmöglich-
Dazu kommt die weitere Aufgabe der Schule ein lebendiges inneres Zusammengehörigkeits-Bewußtsein von Schülern und Lehrern herbeizuführen als Vorbedingung für die Solidarität des Lebens, die wir heute so schmerzlich vermissen. Was anderes könnte hierbei für die Ver- wirklichung des Ideals in Frage kommen, als die im Christentum wurzelnden Kräfte und Ideen? Diese rein verstandesmäßigen Erwägungen sollten auch dem Gegner der christlichen Weltanschauung, der es ernst meint mit Volksaufbau und Volksglück, dahin bringen, Achtung oor unserer Ueberzeugung zu beweisen.
Ein Ve» harren bei dem durchgesetztcn Beschluß der soziaidemokraiischen Arbeitsgemeinschaft heißt einen Kampf provozieren, der nach unserem Dafürhalten unnötig ist, wenn man loyal an die Aufgabe der Ausführung des ReichsschulgeseHes im Geiste der Weimarer Verfassung herantritt. Nichts tut uns mehr not, als daS Einigende zu betonen, nichts liegt mehr im Interesse unseres Staates, der religiös zerklüftet ist, als eine weitherzige, auf gegenseitiger Achtung beruhende KultuiPolitik. Derjenige versündigt sich an dem kostbaren Gute der Volksgemeln- schaft, der nur einer Doktrin zuliebe Gegensätze wachruft, die schon begraben schienen.
Das Echo der Münchener Mordtat.
Deileidskundgebung der bayerischen Regierung.
Der Zwang zur Auflösung der Einwohnerwehren hatte schon eine sehr schwierige Lage in Bayern herbeigesuyn. 3efct ist die Sache noch in verhängnisvoller Weis« verschlimmert worden durch den Meuchelmörder, der in der Nacht zum Freitag den Führer der bayerischen Unabhängigen, den Wg. Gareis, bei dessen Rückkehr aus einer politischen Versammlung erschossen hat.
Die Bestürzung und Entrüstung über diese neue Freoeltat wird allenthalben begriffen und geteilt. Wenn aber ein Au stuf der Münchener Linksparteien von einem „Anschlag auf die gesamte Arbeiterschaft Bayerns" spricht, und die Arbeiter zur „Bereitstellung" auffordert, so muß doch daraus hingewicsen werden, daß der Täter noch nicht gefaßt ist und seine Beweggründe zu der schändlichen Tat noch nicht klargestellt sind.
Die Wahrscheinlichkeit spricht für einen politischen Mord. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch noch keine Gewißheft. Es macht ferner einen wesentlichen Unterschied, ob der Mord dem Kopf eines einzelnen Fanatikers entsprungen ist, oder die Billigung ober gar die Mitwirkung oon Gesinnungsgenossen gefunden hat. So lange der wahre Charakter der Tat und ihre pvlili- tischc Bedeutung nicht aufgeklärt sind, solfte man keine Beschlüsse fasten, die für den Frieden im Londe gefährlich werden können. Die übereilte und überhitzte Protestbewegung kann unter Umständen auf eine Unterstützung des Verbrechers hinouslaufen, wenn es beften Absicht gewesen sein sollte, einen politischen Krach herbelzufuhren.
Ebenso handell es sich um eine unveraniwottliche Voreiligkeit, wenn der erwähnte Aufruf der Linksparteien behauptet, es handle sich bet dieser Tat „um ein durch den Polizeipräsidenten Ploehner geschütztes und durch die Regierung Kohr stillschweigend geduldetes S y st e m". Wer weiß denn bis jetzt etwas sicheres über das System des Meuchelmörders? Der Regierung v. Kahr ist zweifellos die Freveftat auch in politischer Hinsicht höchst fatal. Sie spricht offenbar nicht bloß aus Gefühlen der Menschlichkeit und Sittlichkeit, sondern auch aus der Besorgnis für das Gemeinwohl ihre aufrichtige Meinung aus, wenn sie
feiten gehörte, neben ihr eine Stellung zu behaupten- Jetzt geruhte Königin Karin, sich ihrer Aschenbrödel- Schwester zu erinnern. „Baron Selenburg, ein Berliner Bekannter, ehemaliger Kamerad Kurt Deltins," stellte sie oor.
Berliner? Aha, sollte das der „Gewünschte" sein? Sehr wahrscheinlich, denn diese Art von Liebenswürdig, feit, diese schelmische, entzückende Lieblichkeit pflegte Karin nicht für die Alltäglichkeit zu zeigen. Sie hatte sogar eine gewisse weiche Teilnahme in Ton unb Blick, als sie sich noch seiner Krankheit erkundigte. „Bevor mir Berlin verließen, sagte mir Ihr Freund Minb- gereit, daß Ihr Zustand hoffnungslos sei unb Sie viel, leicht schon nicht mehr unter den Lebenden weilten. Es hat mich damals wirklich erschüttert. Wenn man jemand so ganz frisch unb lebnsvoll in ber (Erinnerung hat unb dann plötzlich hört, er sei tot ober stehe dem Tode ganz nahe — das ist furchtbar!"
Ganz blaß war sie dabei geworden. Sie war eben riesig talentvoll, sie hatte sogar ihren Farbenwechsel in der Gewalt, dachte Ebba, halb bewundernd, halb em. pört, und horchte dann wohlgefällig auf den Klang der angenehmen Männerstimme, die einen dunkleren Tonfall erhielt, als er sagte: „Ja. ich stand wohl damals dicht vor dem geheimnisvollen Tore, das in die Ewigkeit führt. Aber der PförMer ließ mich nach nicht herein: meine Zeit war nach Nicht gekommen, die Männer meines Geschlechts pflegen erst nach dem vierzigsten Jahre dort einzugehen." -
Der letzte Satz sollte scherzhaft Hingen; aber gerade auf ihn legte es sich wie Schatten und Schwermut. „Ach", lächelte Karin, „ist das ebenso eine Stammeseigentüm- üchkeit, wie ber Abscheu vor den blonden Frauen?" „Ab. scheu? Verzeihung, so sagte ich nie." Sein blasies Gesicht. dem man die Spuren kaum Überwundener Krankheit noch ziemlich deutlich ansah, rötete sich leicht. „Ich sprach damals nur von einer warnenden Prophezeiung. Gnädiges Fräulein haben ein gutes, aber nicht ganz ge. treues Gedächtnis." „Das könnte stimmen," nickte sie heiter. „Ich behalte den Kernpunkt, aber nicht die Nebensächlichkeiten. Ich entsinne mich nur, daß Sie eine Art abergläubischer Scheu vor den b!o"en Frauen feststellten, und daher wage ich kaum, mich über das Be. gegnen mit Ihnen zu freuen; denn voraussichtlich machen Sie, wenn wir uns trennen, drei Kreuze hinter
in einer amtlichen Bekanntmachung die „ruchlose Tat eines gewissenlosen oder fanatischen Menschen" auss tiefste bedauert und eine Belohnung-von 10 000 Mark für die Ermittlung des Täters aussetzt. Auch der Präsident des bayerischen Landtags und die zur Zeit versammelten Lcmdtagsaus- schüste haben sosott den „bubenhaften Mord" gebrand- markt und ihre herzliche Teilnahme der Fraktion des Verstorbenen ausgesprochen. Wo bleibt da das angebliche „System"?
Sehr treffend ist die Bemerkung der „Berliner Nationalzeitung": Die Mordtat sei nicht nur ein in jedem Sinne verabscheuungswürdiges Verbrechen, sondern auch eine fluchwürdige politische Dummheit. Das Blatt erinnert daran, daß schon einmal ein politisch unreifer Mensch durch die Ermordung des damaligen Ministerpräsidenten Eisner gerade in dem Augenblick, als dieser dem äußersten Radikalismus Widerstand leisten wollte, Bayern der schwersten Katastrophe entgegenaesührt hat. In der Tat sollte das Andenken an die traurigen Erfahrungen mit der „Räterepublik" die bayerischen Arbeiter davor warnen, in der ersten Entrüstung über die neue Freveltat, die noch der Aufklärung bedarf, sich auf eine schiefe Bahn fort» reißen zu lassen, deren Ende nicht abzusehen ist.
Leider sind ja unser« innen- und außenpolitische Verhältnisie so gespavmt, daß jeder gewissenlose Bursche, jeder krankhaft erregte Wirrkops und jeder herostratisch veranlagte Wagehals durch eine Gewalttat eine ungeheure Verwirrung, Aufregung und oielkic^ einen Umsturz herbeiführen kann. Das ist ein bedauerliches Zeichen der Zeit. Um so mehr sollten alle gutwilligen und verständigen Eie- mente sich bemühen, angesichts solcher Zwischenfälle die Ruhe zu bewahren unb die gefährliche Gegenbewe- gcmg einzudämmen.
Einzelheiten über das Aflenlal.
Der Ermordete, ber im 32. Lebensjahre stand, war von Beruf Gymnasialoberlehrer und hatte seinen Dienstsitz in Aschaffenburg. Er hatte eine gewisse rednerische Begabung, die ihn, in Ermangelung eines anderen Führers, schnell an die Spitze der Münchener Unabhängigen gebracht hatte. 3n der letzten Zeit wurde Gareis beschuldigt, daß er b e t der Entente die bayerischen Einwohnerwehren angeschwärzt habe. Man nimmt allgemein an, daß der Mord damit in Zusammenhang steht. Mit der Versammlung, aus der Gareis am Freitag abend kam. dürfte dagegen keine Beziehung zu dem Attentat vorhanden sein. Es war eine Dersamm. hing des Freidenkerocreins „Darwin" gewesen. Zu dem Thema „Die Derfirchlichung der Schule" hatte hier nach einem ausführlichen Referat des Abgeordneten Gareis al» erster Diskussionsredner Pater Mayer das Wort ergriffen unb ausführlich erklärt, er freue sich über die Aeußerung Gareis', daß der Kampf zwischen den beiden Anschauungen ehrlich mit geistigen Waffen aus. getragen werden solle. Die Aussprache hat nach übereinstimmenden Berichten im allgemeinen einen ruhigen Verlauf genommen. Die Blätter aller Richtungen äußern sich über den Mord in der schärfsten Weise.
Ein dreitägiger Generalstreik.
Eine Kundgebung an die Arbeiterschaft, die oon den freien Gewerkschaften, den Betriebsräten und den drei sozialistischen Parteien gemeinsam erlösten wurde, sucht die Ermordung des unabhängigen Gareis als den Ausfluß eines Systems hinzustellen. Dieser Meuchelmord stelle einen Anschlag auf die gesamte Arbeiterschaft dar, den diese abzuwehren habe. Die Aufforderung hierzu geschieht in einem besonderen Aufruf zum Generalstreik, der drei Tage dauern soll und zwar von Freitag um Mitternacht bis Montag nachts 12 Uhr Die christlichen Gewerk- basten haben den Aufrus nicht unterzeichnet. Der Gerreralstreik wird sich voran-sichtlich nur auf M ün ch e.n erstrecken, zwar auf die Straßenbahn, ober meinem blonden Kopf unb bampfen bann in geschütztere Gegenden, wo nur schwarzäugige Teulelinnen wohnen "
Wie sie ihn dazu ansah! Ebba fiel aus einer Ver. rounbmmg in die andere. Wenn der arme, erholungsbedürftige Mensch davor seiner Sinne Meister blieb, dann konnte man auf die innerliche Kraft seiner Natur die besten Hoffnungen setzen. Nein, gnädiges Fräulein, ich gedenke der Gefahr zu ttotzen. Ich bin sehr glücklich. Sie hier getroffen zu haben, denn für einen Genesen, den gibt es nichts Böseres als Einsamkeit, die schwermütige Grübeleien weckt. Wenn Sie gestatten, stelle ich mich unter den Schutz Ihrer blonden Locken,, unter dem so anregende, kleine, schwarze Teufeleien sitze.»."
Ebba sah nachdenklich in bas hübsche, lachende Männergesicht. Dor blonden Frauen warnte ihn eine Prophezeiung? Der Warnung sollte er nur folgen! Aber Männer sind sa leider so grenzenlos eigensinnig und leichtsinnig; wovor fie gewarnt werden, bas suchen sie am liebsten, und das reizt fie am meisten! Karin würde das wohl auch roiffen, daher spielte fie fo keck mit ber Erinnerung an jene Vrovb-zeiuna Es war wirklich kein Vergnügen, so als überflüffige Dritte neben den beiden einberwaeben. Wenn das immer ihr Los fein sollte!
Glücklicherweise kam eben Mama, und nun wurde die Bekanntschaft zwischen ihr unb diesem Baron Sesenburg erneuert. „Ist bas der Gewünschte. Karin?" fragte Ebba leise die Schwester. Karin runzelte die Stirn; es war ihr jetzt unangenehm, baß sie damals in ihrer Er. regung mehr gesagt hatte, als fie wollte. „Der Gewünschte?" wiederholte sie gedehnt. „Darüber ändern fich die Ansichten mit der Umgebung, der Zeit, der De. leuchtung: ich kann da» setzt nicht mehr sagen. Er ist ein angenehmer junger Mann, wie andere auch, eine Ab. wechslung." „Du hast also keine Absichten auf ihn?" „Aber, Ebba! Bitte, stelle Dich doch lieber auf die Pro. menade und posaune solche Frage öffentlich aus. Ich habe nie gerne Knospen gewaltsam geöffnet, um in ihren Kelch zu sehen." „Wie poetisch Du sein kannst, wenn er gist. Deine Gedanken z» verschleiern! Don Dir kann man lernen." „3a, bitte, tue das, es könnte Dir in den meisten Hinsichten nicht» fchoden." „Wer weiß, ob mein lauteres Gemüt nicht vielleicht doch von zu viel Wisienschaft getrübt würde. Du, er empfiehlt sich schon. Er fürchtet hei Mama anscheinend die blon. den Frauen mehr, als bei Dir."
(Fortsetzung folgt)
wohl kaum die eigentlichen lebenswichtigen Betriebe umfassen.
Die Wirkung der Generaffkreikparole.
Wie die Blätter aus München melden, haben die bayerischen sozialistischen Parteien um die Genehmigung einer Masjenprote st Versammlung unter freiem Himmel nachgcsucht, die ihnen jedoch verweigert wurde. Die sozialistischen Parteien rufen trotzdem zu einer gemeinschaftlichen Protestkundgebung gegen die Ermordung Gareis auf, die Sonntag nachmittag in dem Ausstellungspark statt- finden soll. Nach einer Meldung des „Vorwärts" ist die Ausdehnung des Generalstreiks auf das gesamte Gebiet Bayerns beschlossen worden. Nach einer weiteren Meldung hat das Telegraphen- amt auf Befehl der Polizcidirektion alle Fern- fPreßleitungen nach dem Gewerkschaftshaus, dem Sitz der Eeneralstreikleitung, gesperrt Die Polizei hat im Gewerkschaft?!;aus Haussuchung nach Streikflugblättern vorgenommen. Aus den Straßen wurden die General st reikflugblätter beschlagnahmt und die Verbreiter sestgestellt.
Die Not Oberschlesiens.
Wie das „Bcrl. Tagebl." aus Beuchen meldet, wurde Tarnowitz von den bewaffneten Polenbanden geräumt. Der in der totatrt durch die Insurgenten angerichiete Schaden ist groß. 2m Norden der polnischen Front, wo die Engländer vorge- gangen find, ziehen sich die Insurgenten unter Mitnahme ihrer Artillerie und ihres Tttins langsam zurück. Die Blatter melden, daß in den Städten des Änduftriegebieles infolge der dort herrschenden Notlage Massenerkrankungen an Ruhr und Grippe vorgekommen sind. Besonders das Kinder» elend ist infolge des Milch- und Lebensmittelmangels beispiellos. 2n Beuthen wurden das Eifenbayn- maschinenamt und das Betriebsam! von den Insurgenten gestürmt. Der Obersekretär Krämer wurde in Ge- genwart von französischen Posten verschleppt
Vie KampflStigkeit läßt nach.
Amtlich wird verlautbart: Die Kampftätigkett 6et Aufrührer hat allgemein nachgelassen. Bei Zemdo- witz nahmen die Polen erneut Sprengungen vor. Die Artillerietätigkeit der Polen bei Rattbor ist schwächer geworden. Die Bevölkerung im Industriegebiet leidet immer mehr unter der Nahrungsmittelknapphett.
Uneinigkeit in-er Neparationskommiffion
Der ,Temps^ stellt fest, daß die Reparation-kom- mission sich über gewisse Fragen, die den Artikel 235 deS Friedensvertrags beireffen, nicht hat einige» können. Es handelt sich dabei um die Festsetzung des Preises der von Teuischland auf dem Wasserwege gelieferten Koh len und ferner um di« Verteilung der deutschen Zahlungen unter die Kleinstaaten.
Wieder eine Frist gewahrt.
Halbamtlich wird milgeteilt: Mit dem 9. Juni ist die von der Jnteraünerten Kontrollkommiision gesetzie Frist zur Ablieferung der schweren und eines Teiles der leichien Waffen der Einwohnerwehren abgelaufen. Es läßt sich jetzt bereits mit Sicherheit übersehen, daß es — namentlich im Verfolg der Entschließung der bayerischen Wehren zur freiwilligen Waffenabgabe — gelungen ift, diese Frist einzuhallen.
Ein Magggenzwifchenfall in Kamerun.
Am 6. d. M. HÄ der Bremer Dampfer „Wigbert" der Rederei Hamburg-Bremen Afrika-Linie den Hasen von D u a l a, den Haupthafen der setzt von den Franzosen besetzten deutschen Kolonie Kamerun, angelaufen. Er ist a m L a n d e n und Löschen der Ladung von der französischen Behörde unter der Begründung verhindert worden, daß er die s a l s ch e Flagge (!) führe; er müsse statt der reinen schwarz-weiß-rottn Handesflagge bre neue Handelsflagge Deutschlands führen. Der Dampfer hat den Hasen von Duala wieder verlosten müssen, obwohl er für französische Rechnung geladen hatte.
Sollte den Herren Franzosen nicht bekannt fein, daß aus sehr triftigen Gründen die deutsche Seehandelsflagge immer noch schwarz-weiß-rot ist? Oder fallt ihnen der Anblick der alten verhaßten Farben immer noch so stark auf die Nerven, daß sie ihn nicht vertragen können, weil er ihnen unangenehme Erinnerungen weckt?
Russische Befürchtungen.
Japans Absicht auf Sibirien.
Die französische Regierung hat vom russischen Volkskommissar für auswärtige 21 n ge» legenheiten, Tschitscherin, eine Note erhalten, in der Japan angeklagt wird, es habe die Absicht, Sibirien zu erobern, und Frankreich und England begünstigten Japan dabei. Man habe Beweise, daß die französische Regierung in ihrer unversöhnlichen Feindschaft gegen die Macht der Arbeiter und Bauern in Rußland beharre und diese neue Irtterventionskam- pagne tätig fördere. Sowjetrußlond mäste die Mächte der Entente für diese neue Kundgebung des Intervenier nngssystems verantwortlich machen.
Hus dem besetzten Gebiet.
Alkoholverbot für farbige Truppen. Wie der Höchst, tommanbierenbe der rheinischen Besatzung, General D e g o u 11 e in Mainz bekannt gibt, ist wegen ber hau. figen Fäll« von Betrunkenheit, die von farbigen Truppen gemeldet wurden, der Verkauf oon Wein, Schnaps unb Likör an afrikanische Militärperfonen je. bin Ranges mit sofortiger Wirkung verboten. Zu- rotberhonbeinbe werben vor bas französische Polizeigericht gestellt.