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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadl Fulda.

m. 13 j.

XSeranttDonlto für öen .euantonellen Teil: Dr. Kramei. :: füi öii Anzeigen: I. or ze 11er-gv.üa. z

Roiartonsöruct u. Verlag der gulbaer Acliendruckeret in Fulda * ernt pi edier Nr. 9. Tetegi.-Adreife: Fuldaer Zeitung

Freitag, IO, Zuni 1921

Lezngsprew: MonarttchZ,00 Mr. ogne ZulteUgevuhr. InFu-do bei uns abgeholr 3,15 ZHL Anzeigenpreis: Die Kleinzeile Co'onettnas) 60 pig^ u. 10°i, Zwchlag, die Reklamezeile denhreite' 1.80 Mk^ u. 100-o Zuichlaq. Bei Wiederdoi.Rabatt.

48. Zahrg

YMSkWMSfW?

Schon feit geraumer Zeit hotte man in den Wan- belgängen des Reichstages den Eindruck, daß ge­wisse Kreise sich mit dem Gedanken einer Reichslagsauslösung trügen. Anläßlich der testen po­litischen Aussprache im Reichstag ist dieser Gedanke erstmalig seitens einiger Parteien e r n st h a f t zum Aue druck gebracht worden. Der Beweggrlmd dieser Forderung ist, abgesehen von einzelnen Gruppen, nicht so sehr die Hoffnung, gelegentlich von Neuwahlen dir Partriinteressen zu fördern, Äs vielmehr der G:° danke, aus den unleugbar vorhandenen innerpolitischen Schwierigkeiten, die sich aus den schwankenden Mehrheitsverhältnissen im Reichstag ergeben, her­auszukommen.

Tos Kabinett Fehrenbach verfügte bekarart- kich über eine Reichstagsmehrheit überhaupt nicht und nur die wohlwollende Neutralität der Sozialdemokratie gab ihm die Möglichkeit, die Ge­schäfte des Reiches zu führen. Das Kabinett Wirth verfügt zwar über eine Mehrheit, ober diese Mehrheit ist doch sehr gering. Diese schwa­chen Grundlagen der Regierung haben zur Folge, daß wir im Innern nicht zu stetigen Berhältnissen kommen und daß die Außenpolitik des Reiches von den fortge­setzt schwankenden Mehrhcitsverhaltnissen auf das empfindlich sie beeinträchtigt wird. Dazu kommt, daß sich das deutsche Volk vor außerordentlich schwere Opfer und Aufgaben gestellt sieht, die ihm der verlorene Krieg aufgcbürdet fcat. Der Wiederaufstieg Deutschlands aus dem Zusammenbruch des Krieges urÄ der Revolution kann aber nur dann erfolgen, wenn die Reichsregierung sich stützen kann aus die Per- tretung der überwiegenden Mehrheit des Volkes selbst.

Aus diesen Erwägungen heraus ist der Gedanke einer Reichstagsatiflösung erwachsen. Zweck einer Reichstagsauflösung soll also nach den Erwartungen chrer Befürworter der sein, eine feste Regie- rungsmehrhcit int Reiche zu erhalten. Man mag zu dem Gedanken einer Reichstagsauflösung ste­hen wie man will, jedenfalls aber wird man sich doch ernsthaft die Frage vorlegen muffen, ob denn der be­absichtigte Zweck mit ihr überhaupt erreicht werden kann. Es ist natürlich nicht möglich, mit absoluter Sicherheit vorauszufagen, zu welchem Ergebnis Neu- Wahlen führen würden. Wer das wird man doch zu- ,geben müssen, daß Reichstagsueuwahlen eine we - fentliche Verschiebung der Mehrheitsverhäli- niffe im Reichstag kaum bringen werd«. Wohl wäre damit zu rechnen, daß einzelne Parteien, z. B. die Sozialdemokraten und die Deutsch- nationalen einen Zuwachs an Mandaten erhalten würden, aber dieser Zuwachs würde keines­wegs so stark sein, daß er die Mehrheitsverhältniffe im Reichstage wesentlich beeinflussen würde.

Reichstagsneuwahlen würden also u. E. eine ein- ,schneidende Verschiebung der Parteiverhällniffe im Reichstag nicht bringen und damit würde ihr Zweck verfehlt sein. Auf der anderen Seite wird sich aber niemand verhehlen wollen, daß die Vornahme von Neu w a h l e n doch auch gewisse Gefah­ren in sich birgt. Ganz abgesehen davon, daß sie im­mer eine Beunruhigung im Innern mit sich bringen, würden sie doch nur zu einst Auspeitschung der Parteileidenschaften führen und damit ihren Zweck, feste und geordnete Mehrheitsverhältnisse im Reichstag herbeizusührcn, erst recht verfehlen.

Darüber hinaus aber würden Reichstagsneuwahlcn gerade jetzt, wo die Regierung und das Volk sich an- fchlcken, die schweren, harten Forderungen des Frie- tzensvertrages und feiner Zusätze zu erfüllen, das lang­sam schwindende Mißtrauen des Auslandes aufs neue beleben. Namentlich in dem uns feindlichen

Der Bing der Nurccmaja.

Roman von Käte van Beeker.

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Da klang es hinter ihr leise, man Hörle, wie schwer er über die Lippen kam: „Du, Fräulein, — nein, nichr Fräulein, wie heißt Du denn eigentlich?" „Ich heiße 'Marie." „Und darf ich Dich auch so nennen?" „Ja, öas darfst Du." „Marie, Ich bin ungezogen zu Dir ge­wesen. Bitte, sei mir nicht böse Ich kann es nicht aushalten, wenn Du böse mit mir bist."

Seine Stimme zitterte, und die Tränen, die er vor­her fo. tapfer zurückgehalken hatte, hingen nun doch in fcen Wimpern. Marie wandte sich zu ihm herum, ihr Dlick war umflort. „Ich bin nicht böse, nur traurig." »Nein, nein, das sollst Du nicht fein, gerade das nicht! Ich will ganz gut fein, nur glaub' mir, die andern ver­dienen das nicht, und sie werden bloß denlen, ich wäre feig und schwächlich, und sie werden mich noch mehr verachten." „Rein, das werden sie nicht, denn ich werde immer neben Dir stehen, und wir beide wollen ihnen beweisen, daß wir nickt feige und schwächlich sind, mein lieber Junge. So etwas mußt Du gar nicht denken."

Er lehnte feinen Kopf- an ihre Schulter und seufzte: „Du weiht das noch allez nicht. Als mein Later noch lebte, war es anders. Das heißt, sehr lieb hatte er m«ch auch nicht. Bielleicht früher, als ich noch gesund war und gehen konnte. Da war das Leben viel besser, viel! Warum muß ich denn krank fein und häßlich, wo olle anderen Kinder gesund imd hübsch sind?"

Verzweifelt klang die Frage zu Marie auf. Sie drückte den wie in heimlichen Sch:nerzen zuckenden Kin- derkörper fest an fick. „Richt alle, Alex. Gar viele Menschen auf Erden sind krank und müssen leiden, und die meisten von ihnen können sich ihr Leben dab-'i nicht fo leicht und bequem gestatten wie Du. Weil sie arm sind, muffen sie hungern und frieren, in dunklen, dump­fen Stuben liegen und sehen nie das schöne, goldene Himmclslicht »nd die grünen Bäume, und das blaue, köstliche Waffer, das hier so luftig auf Dich zuspringt und Dir lauter weiße Rosen und Perlen vor die Füße wirft.

-Sie wollte seine Gedanken ablenken von dem düsteren Gegenstände, unter dem seine junge, grübelnde S:c>e

Ausland würden die deutschfeindlichen Kräfte zweifellos dcn Entschluß, Neuwahlen vorzunehmen, als einen Versuch der Reichsregierung bezw. des deutschen Volkes, sich auf diesem Wege der übernommenen Berpflichtml- gen zu entledigen, betrachten.

Aus allen diesen Gründen kommen wir zu dem Er­gebnis, daß Neuwahlen nicht nur über­flüssig, sondern auch für die nächste Zeit von ge­radezu verhängnisvollen Folgen sein würden. Gewiß tarnt eine Lage eintreten, aus der ein anderer Ausweg nicht gefunden werden kann als die Auflösung des Reichslage-. Aber ehe das geschieht, müßten doch erst alle anderen Möglichkeiten erschöpft fein.

Das ist aber u. E. nicht der Fall. Die Derhältniffe im Reichstag liegen zurzeit so, daß im Grunde ge- ncmir.cn, abgesehen von der grundsätzlichen Opposition der Deut s ch n a t i o na l en und der K o m m u n i st e n. die Gegner der Derfaffung sind, eine große Mehrheit im Reichstag vorhanden ist, die auf dem Boden der Verfassung steht und die in dem Wiederaufbau des Vaterlandes eine gememfame Aufgabe und ein gemeinsames Ziel haben. 9Jtan sollte doch wirklich glauben, daß gerade dieses gemeinsame Ziel ein stärkt Band zwischen den Par­teien sein sollte und auch sein tonnte.

Alle Parteien der Mitte haben sich ausdrücklich bereit erklärt, am Wiederaufbau des deut­schen Vaterlandes niitzuarberten. Diese Be­reitwilligkeit sollte die Grundlage für gemeimemes Arbeiten zum Wohle des Ganzen sein. Hier ist eine Aufgabe gegeben, die für die beteiligten Parteien nichts Trennendes in sich hat. Sie alle muffen an ihr mit» arbeiten, ohne daß sie dadurch gezwungen werden, ihre Parteigrundsätze preiszugeben.

Ansätze zu einer solchen, wenn man sagen darf, Arbeitsgemeinschaft der vierParteien der Mitte sind genügend vorhanden lmd es ist jo bekannt, daß besonders das Zentrum sich alle Mühr gegeben hat, die sogenannten beiden Randpar- teien, d. h. die Sozialdemokratie und die deutsche Volkspartei, in der gemeinsamen Arrfgabe des Wiederaufbaues des Vaterlandes zu einen. Leider ist es bis heute nicht möglich gewesen, das Verständnis für die Dringlichkeit dieser gerne infanen Arbeit bei den beiden Parteien zmn Durchbruch zu bringen. Wohl gibt es in ihnen beiden Kreise, und es sind nicht ihr« schlechtesten, die den ehr- lichen Willen zu gemeinsamer Arbeit haben. Avec es sind auch Kräfte am Werke, die aus reinen Partei- intereffen eine solche gemeinsame Arbeit zu durch­kreuzen versuchen.

Wir wollen mit diesen nicht weiter rechten, aber die Zell wird cs lehren, daß gerade sie diesenigen sein werden, die sich eine unabwälzbare Schuld aufladen. Es ist auch zuzugeben, daß hie und da manche Un­geschicklichkeit begangen ist. Aber aus dem bisherigen Mißerfolg, di« vier Parteien der Mitte zu gemein­samer Arbeit zu einen, ist noch lange nicht die Schluß- folgerung gestattet, daß dies Bemühen endgültig zum Scheitern verurteilt ist.

Man darf mit gutem Recht bei allen in Betracht kommenden maßgebenden Faktoren den guten Willen voraussetzen, in gemeinsamer Arbeit das große Ziel zu erreichen. Es wird jetzt nur darauf ankommen, die Umsetzung des guten Willens in die Tat nicht zu stören und zu erschweren. Eine Reichstagsmrs- lösung aber würde auf diesem Wege zur Einigung das schwerste Hindernis sein und darum sollte sie u. E. vermieden weiden, wenigstens solange, bis sich wirklich nach ersthastester Prüfung ein anderer Aus­weg nicht mehr finden läßt.

litt, sie sah, wie es ihn aufregte, wie er zitterte und auf dem mageren Gesicht rote Flecke brannten. Aber es wäre ihr wohl kaum gelungen, wenn nicht gerade eben, schon ziemlich in ihrer Nähe, die beiden Schwestern Klingenstur aufgetaucht wären. „Deine Schwestern kom­men, Alex!" Sie . zog den Arm von seinen Schullern, fühlte ober wohl, wie er zusammenzuckte, und sah in seinem Gesicht das hastige Bemühen, seine Erregung zu verbergen und gleichgültig arlszusehen. Es gelang ihm auch, trotz der kurzen Frist, die er dafür hatte. Man sah, wie sehr er daran gewähnt war, seine Empfindun­gen vor anderen zu verbergen.

..Sie hätten auch einen anderen Weg gehen können", stieß er hastig und unfreundlich aus. Da standen sie schon neben seinem Wagen und Ebba rief fröhlich: „Morgen, Alexkind! Morgen. Fräulein! Nun, bist. Du froh, so sein in der Sonne zu sitzen und dem Spiel der Wellen und der Waffer zusehen zu können?" Sie strich dabei flüchtig über den Kopf des Knaben und sah ihn freundlich an. Es lag über ihrer ganzen Erschci. nung ein Hauch köstlicher Frische und Lugend, fast wie ein Frühlingswind, belebend und hoffnungsfroh.

Auch das Gesicht de« Knaben erhellte sich unwillkür­lich: ein schwaches Lächeln huschte darüber hin, und die Gestatt der vor ihm Stehenden mit vollem Blick mu­sternd, sagte er anerkennend: „Du siehst sehr gut aus, Ebba, jo frühlingsmäßig. Du verstehst, Dich sehr gut anzuzichen."

Ebba lachte hell auf „Bravo! Früh übt sich, wer ein Meister werben will. Du wirst einstmals ein ge. schickter und verständnisvoller Kavalier werden. Dein. Anerkennung ehrt mich, junger Mr.nn, und stärkt mein schwaches Selbstbewuhtscin. das neben Königin Karin sich sonst ganz duckt." „Rede nicht wieder Dinge, die unpasiend im allgemeinen und unpassend im besonderen für das Verständnis eines Kindes sind", verwies Karin stirnrunzelnd und wandte sich nun auch dem Bruder zu. „Du siehst erhitzt aus, Alex; die Nähe der Promenade ist zu aufregend für Dich. Sie werden besser tun, Fräu­lein, künftig nicht auf Ihr Vergnügen zu sehen, sondern lieber weniger belebte Plätze auszusuchen, mehr ins Land hinein." „Nein, das werden wir nicht tun", fiel Alex heftig ein. „Wir lieben das Meer, und wir wer- ben fahren, wohin cs uns beliebt, nicht wahr, Marie?"

eine neue lomm uns «WM.

kolonialmiuifter Churchill für Verständigung.

Der Koloniolminister Churchill hielt in Man­chester eine Rede, die einen ganz ungewohnten Ton anfchlägt.

Churchill erklärte: Die einzige Bürgschaft für den dauernden Frieden beruhe aus der Errichtung einer Zusammenarbeit zwischen Großbritannien, Frank» reich und Deutschland. Churchill sagte, wir muffen Frankreichs Standpunkt mit einem feindlichen Deutschland jenseits ferner Grenze begreifen. Frankreich hat von bri­tischer und amerikanischer Seite keine Zusichcrurrgen der Hilfe für den Fall erhallen, daß bie Ereignisse von 1914 sich wiederholen sollten. Begreifliche Besorgnis I)<rt die französische Politik in einer Bahn geführt, die Mei­nungsverschiedenheiten zwischen uns hervor- gerufen hat. Möge Großbritannien bestrebt sein, die Zwie­tracht zwischen dem französischen und dem deutschen Volk zu mildern.

«Churchill sagte weiter: Wohin gehen wir in Europa? Hat der große Krieg die Sicherheit eines dauernden Frie­dens gebracht? Wenn wir den besorgten oder erregten Völkern ihren Anteil an bte wiederkehrenden Sicherheiten nicht geben, ist es nicht gut, sich auf das Papier des Döl» kerbrrndes zu verlassen. Wenn wir Europa wieder auf die Füße stellen wollen, gibt es meiner Meinung nach nur einen Weg: Es muß aufrichtiger Frieden zwi­schen Großbritannien. Frankreich und Deutschland be» sichen. Wir müssen den Standpunkt Frankreichs verstehen fernen, weil cs tief im Herzen Deutschlands sicher­lich von neuer Monarchie trämnende Ideen geben muß, dis betn Frieden Europas gefährlich sind. Wenn wir uns die vollen Fruchte des Sieges sichern wollen, so müssen wir Vereinbarungen treffen, die die Zusammen­arbeit Frankreichs, Englands und Deutschlands gemein­sam zum Zweck der Wiöderaufbauarbeit sichern wer­den. Lassen Sie es bie Aufgabe Großbritanniens fein, treu gegenüber Frankreich zu fein und nicht ungerecht gegenüber Deutschland, lassen Sie es unsere Aufgabe fein, uns zu bemühen, Frankreich jenes Gefühl btt Sicherheit zu geben, das ihm zur Ruhe verhilft und Deutschland das Gefühl, mit aller Gerechtigkeit behandelt zu werden. Lassen Sie es Großbritanniens Aufgabe fein, die gefährlichen Zündstoffe zu beseitigen, die noch reichlich in Emopa vorhanden sind und so die Welt auf der Grund­lage des Sieges sestigm, den unsere Jungen erfochten hoben. Chmchill sand lebhaften Beifall.

Am Schlüsse feiner Rede erklärte Churchill noch: Soweit die Exportwarvn für den Wiederaufbau der zerslötten Gebiete in Frankreich verwendet würden, müßten sie für den Empfänger durchaus nutzbringend sein, da ein durch den Krieg geschaffenes künstliches Vakuum dadurch gefüllt würde, eine Ausfuhr großer Mengen deutscher Waren nach England würde zweifellos den «nglischen Aus­fuhrhandel ernstlich schädigen. Dieses gelte auch von den Bereinigten Staaten. Deutschland werde durch feine unter» ernährte Arbeiterschaft, um Kriegsentschädigungen zu be­zahlen, Ueberftunben machen, indem es feine fertigen Waren auMhre. Je länger dieser Prozeß dauere, um jo größer würde die industrielle Führerschaft Deutschlands werde,: auf Kosten der Ledens- und Arbeitsbedingungen der industriellen Bevölkerung Englands. Wenn es Deutsch­land gelingen sollte, während der nächsten 40 oder 50 Jahrs seine Schulden an jedermann zu bezahlen, so würde Deutschland imnf) bkfen Prozeß Herr jeden Marktes in der Welt und die größte Aus fuhr Nation, die man je erlebt habe, geworden fern. Die Vereinigten Staaten würden andererseits, wenn sie alles, was ihnen geschuldet werde, erffietieii, dadurch den eigenen Ausfuhrhandel zer- stören. Es fei zwecklos, da« Vertrauen auf einen Paplervölkerbund zu setzen. Wenn verhindert werden solle, daß in 20 oder 30 Jahren wieder ein furcht­barer Krieg ausbreche, dann gebe es feiner Ansicht noch nur ein Mittel: Zwischen England, Frankreich und Deutschland müsse wahrer Friede herrschen.

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Wenn eiu englischer Minister In einer großen Rede einen Bund zwischen Großbritannien, Frankreich und — Deutschland empfiehlt, so ist das wahrlich ein auf­fallendes Zeichen der Zeit. Wer dem Friedensplan des Lord Churchill nicht recht traut, wird doch feine Rede höchst interessant finden und zu einem großen Teil

Das junge Mädchen hatte sich beim Herantreten der Schwestern erhoben, sie stand neben dem Wagen des Knaben, sehr ungezwungen und unbefangen. „Vollkom­men gleichberechtiat," dachte Ebba bei sich. Marie hatte die Hand ihres Zöglings ergriffen, sie drückte sie be­ruhigend. „Dor allen Dingen werden wir uns nicht un­gezogen und taktlos benehmen. Alex. Deine Fräulein Schwester meint es doch gut mit Dir, warum sollen wir nicht ihrem Rat folgen und künftig eine weniger be­lebte Gegend aussüchen? Wir haben doch beide die Ein. samkeit lieber, nicht mein Junge?" „Ja, wenn es Dir recht ist, mir ist es auch lieber, wenn ich keine Menschen zu sehen brauche." „Dann wäre ja die Sache erledigt, und wir können weiterog-;en, Ebba. Guten Morgen!" Karin nickte kühl über die Kruppe hin und wandte sich dann dem belebteren Dell der Promenade zu.

Ebba strich wieder mit der Hand über Alex' Kopf und nickte dem Fräuleln lächelnd zu. „Da haben Sie sich einen tapferen Ritter erworben, Fräulein, ich gratu- fiere; mit dem können Sie des Lebens Unbill getrost l'nt= geq-ntreten. Auf Wiedersehen, mein Junge, auf Wie- dersehen, Fräulein."

Lachend sprang sie d«r Dorangeschriüenvn nach. „Du, Karin, sie hat er Dir sehr fein gegeben: aber gegeben hat sie'- Dir dock! Ich glaube, Du tust klüger, wenn Du Dich in keinen Kleinkampf mit dem Mädchm einläSt. sie ist Dir 3um mindesten gewachsen." „Welch eine Idee. Ich mich in einen Kampf mit solch einer Derion ein'asfen! Du träumst. Ebba!" Karins Lippen schürzten sich ver­ächtlich „Nein, zu solchen Kttinlichkeiten taffe ich mich nicht herab; aber daß die Person mir unsympathisch ist. will ich Dir ruhig zugeben." „Aber, Karin, warum? Zu­rückhattender und bescheidener als sie kann man nicht fein" „Das ist alles Heuch'lei! Dieses Mädchen hält sich für ganz dasselbe, was ro;r sind, stellt sich innerlich auf eine Stufe mit uns, und ihre Bescheidenheit und Zurück. Haltung ist nichts a's verkappter Hochmut und höchster Grad des SelbstbewußUeins. Das auf den richtigen Standpunkt herabzudrücken, halte ich für meine Pflicht." „Glücklichttweise kommst Du zu der nicht viel, denn Alex und fein Fräulein führen ihr Leben für sich und kreuzen nicht oft unseren Weg." „Sie taten das heute dock> wahrschcin'ich, weil Fräulein es wünsckte. Ich finde übriatns bas Duzen sehr unpassend." (Forts, folgt.)

feiner Sätze „sehr richtig" rufen. Dor allem sieht man aus der Rede, daß der Gedanke der Solidarität der Völker Fortschritte macht und nicht mehr, wie einst in Versailles, die Vernichtung der besiegten Nation als der Gipfel der Staatsweisheit betrachtet wird.

Churchill wünscht einen dauernden Frieden und erwartet denselben nicht von Völkerbunüspara- graphen, sondern von einer ehrlichen Zusammenarbeit zwischen England, Frankreich und Deutschiond. Eng­land soll noch seiner Ansicht dm Vermittler machen, der die beiden Festlandsmächte versöhnt und mit sich in einem neuen Dreibund vereinigt.

Für die englische Politik zieht Churchill die Richt­linien: treu gegen Frankreich und nicht ungerecht gegen Deutschland. Das klingt recht schön, wenn auch mehr Artigkeit gegen Frankreich wir gegßn uns aus dieser Parole Hingt. Wir wären ja schon froh, wenn wir nur von der Ungerechtigkeit erlöst würden. Ader ob Churchill ein ganz ehrlicher und gerechter Makler ist, bleibt noch zweifrihast. Er verweist «uf die fran­zösische Angst vor einem deutschen Revaruhekrieg und dabei tut er fernen französischen Freunden den Ge­fallen, die „militaristischen" Regierungen in Deutsch- land zu übertreiben, was wiederum Waffer auf die Mühlen der Gewaltpolitiker liefert.

Churchill verspricht uns Deutschen „faste plag'*, ehr­liches Spiel; doch damit steht es schlecht im Einklang, trenn er die englische Scheu vor dem wirtschaft­lichen Wettbewerb Deutschlands so scharf hervor- kehrt. Wie fest Deutschland zur Ruhe kommen oder gar Dreibundsgenoffe werden, wenn Entstand sich zur Abwehr der deutschen Waren rüstet?

Das Hindernis der Versöhnung ist also nicht ausschließlich bei Frankreich zu suchen. Allerdings muß zuerst die Gewaltpolitik nebrochen werden, bie unS am Rhein und an der Oder in unteren Lebensbedtngungen bedroht. Doch neben dieser fran­zösischen Angst vor der deutschen Wehrkraft muß auch die alte englische Scheu vor der deutschen Wirtschaftskraft aufgeräumt werden, ehe man auf einen wirklichen Frieden rechnen darf.

Will England den Vermittler spielen, nun gut, bann möge es zunächst die schutzzöllnerische Engher­zigkeit oblegen, die leider den Krieg überdauert hat. Tie Bot chaft von dem gemeinsamen Wiederaufbau des Kulturlebens unter Beteiligung DeutichlandS lören wir gern; nur der G aube an die baldige Durchführbarkeit fehlt uns noch.

Von der Rede Churchills gilt unser Sprtchwort: Eine Schwalbe macht noch feinen Gom­mer. Wir muffen abwarten, welchen Anklang seine Friedensidee findet, und zwar nicht bloß in Frank­reich, sondern auch in England! Unterdessen bleibt uns nichts weiter übrig, als fleißig weiter zu ar­beiten, damit wir leisten können, was man von uns erpreßt. ;

Augenblicklich sollten Churchill ttnb alle sonstigen Friedensfreunde ihre ganze Kraft einfetzen, damit bie ob er sch le fische Frage bald nach Recht und Vernunft gelöst wird. Wenn die englische Regie­rung zugibr, daß Teutschlaud dieses unentbehrlichen Jndustriebezirks beraubt wird, dann sind alle Frie­densreden nur hohle Worte.

Maui nie MkMflm.

Keine neutrale Zone. — Wiederherstellung de, Atckorlläl. — Ruf nach Konferenz.

Wie Reuter von maßgebender Melle erfährt, ist der Vorschlag der Errichtung einer neutra­len Zone zwischen Polen und Deutschen in Ober- schlefien als undurchführbar aufgegeben worben. Obschon der Bericht Sir Harold Stuarts noch nicht abgeschlossen ist, ist bie englische Regierung doch im Besitze genügender Nachrichten, um die lieber» zeugung zu gewinnen, daß der erste Schritt zum Frie­den in der vollständigen W i e de r h e rst el - lung der Autorität der interaliierten Kommis­sion bestehen müsse.

Man glaubt in London, daß Beschränkung« bezüglich des Gebrauchs der Streitkräfte gegen bie In­surgenten in Kürze aufgegeben werden, um ein« vollkommene Zusammenarbeit unter der Alliierten in Oberschlesien zu erreichen. Eine in diesem Sinne abgesaßte Nate ist von London nach Paris und Rom abgefandt worden.

Inzwischen ist in der Ueberzeugnng der englischen Regierung keine Aenderung eingetreten, daß ein bal­dig e s Zusammenkommen des Obersten Rates von größter Bedeutung fei. Wahrscheinlich ist, daß die Idee rittet Zusammenkunft von Sachverständigen nicht verwirklicht werden wird.

Notschrei ber Frauen von Lollowitz.

Die Arbeitsgemeinschaft der Frauenvereine der Stabt Kattowitz rufen in einem Aufruf an die deut­schen Frauen deren Hilfe an und bitten sie, dafür Sorge zu tragen, daß den unhaltbaren Zuständen endlich durch bie Alliierten ein Ende bereit® und mit der Be­freiung von Iren Insurgenten die Not der Bevölkerung gelindtttt werde. Sie geben ein erschütterndes Bild der entsetzlichen Hungersnot, ris deren Folge viele Neugeborene blind zur Well kämen, und unter der die Kinder und Kvanken unerträglich zu leiten hätten Waffer und Licht, kurz alles zmn Leben Notwendige fei ihnen entzogen.

Notorische Verbrecher unter den poletzchen 3nfurgenl«t

Die Blätter berichten aus der von beit Polen be­freiten Stabt Rosenberg über die Disziplin, lojigkeit der polnischen Insurgenten. In einem Bericht heißt es: Unter ben Insurgenten befin« ben sich nur wenige Leute aus Rosenberg Stabt und Land. Außerorbentlich groß war bte Zahl ber not ort. scheu Verbrecher. Nach unb nach änderte sich bas Bild. Die Anzahl ber in Halteruniform gesteckten Leute wurde immer größer. Am 2. Juni waren fast nur noch Leute in Halleruniform zu sehen.