Fuld a er Z eitun g
Amklicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.
Nr. 130.
Veramworttich tüt den icüauioneUen Teil: Dr. Kramer, - tüt dir Anzeigen: I. *1' a r $ 111«t - Fuivo. z
SRgtattonsDrud u. Verlag der Fuldaer Acliendruckerei in Fulda. serninitätet Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung
Donnerstag, 9. Zum 1921,
I Bezugspreis: Monatlich 3.00 Alt. odne Zustellgebühr. InFuido bei uns abqehoil 3,15 IRL Anzeigenpreis: Die Kl, in zeile (CoionelmaB) 60 Vlg^ u. 10° o Zuschlag, die Reklomezrile (Itnbreite) ILO Mk., u. 10% Zuschlag. Bet Wiederhol. Rabatt.
48. Zahrg.
SW SSüSVÜüSW MlllW mit WzlsÄ.
Nach dem Abschlüsse des Waffenkrieges hatten bs- iLintlich die Franzosen sich ausbedttngen, daß die Eng. länder und Amerikaner ihnen die Errungenschaften garantieren sollten durch ein Schutz- und Tmtzbündnis gegenüber Deutschland. Der Plan entsprang dem rich- ligm Gefühl, dah die Franzosen nicht aus eigener Kraft gesiegt hatten. Unsererseits hatten wir demgegenüber das Gefühl, daß Frankreich durch die gründliche Entwaffnung Deutschlands und durch die andauernde Lähmung der deutschen Volkswirtschaft mehr als genug gesichert sei, auch wenn es an den Friedenswillen Deutschlands nicht glauben wollte.
Der erwähnte Schutzoertrag wurde zwar von Eng» land angenommen, aber nicht von Nordamerika, Las überhaupt die Ratifikation des Friedensvertrages abiehnte. Die Zustimmung Englands verlor ihre praktische Bedeutung, well sie von dem Anschluß Amerikas bedingt gewesen war.
Inzwischen haben die Franzosen sich vergeblich be- müht, Nordamerika zu einer solchen Garantie für die französische Herrlichkeit zu bewegen. Da jedoch Frankreich sich immer noch schutzbedürftig fühlt, strebt es neuerdings mit erhöhtem Nachdruck dahin, England zu einem „f e st u m s ch r i e be ne n" Schutzbündnis auch ohne Anschluß von Amerika zu bewegen. Ein Pariser Blatt berichtet jetzt, der Gedanke sei in drei Sitzungen des englischen Kabinetts zur Sprache gekom- men, und zwar in der Form, daß England sich verpflichten solle, im Falle eines deutschen Angriffes Frankreich beizustehen, und Frankreich als Gegenleistung die englischen Bedenken gegen die Besetzung des Rul^osbietes berücksichtigen und mir England im Orient zusammenarbeiten soll. Zwei oder drei Minister in London seien für diesen Plan eingetteten, aber die Mehrheit habe er nicht gefunden.
Bei dem diplomatifchen Schachspiel zwischen London «nd Paris wird gewiß diese Frage des Schutzbündnisses eine wichtige Rolle spielen, und Lloyd George müßte ixhr unbeholfen geworden sein, wenn er die Furcht der Franzosen vor einem deutschen Angriff nicht auszunützen suchte. Er wird vermutlich die Frage offen halten und sich zum AbMuß eines regelrechten Bündnissen höchstens dann verstehen, wenn damit die all- fettige gründliche Erledigung sämtlicher Streitfragen gekrönt werden könnte. Dazu würde auch die Re» gelung der oberschlesischen Frage gehö- r en müssen in Verbindung mit der gesamten Zukunfts- polftik gegenüber Polen und Rußland.
Wir haben nichts dagegen, wenn Lloyd George alle Trümpfe, die er in der Hand hat, geschickt ausnutzt, um den französischen Gewaltpolitikern ihr gefährliches Spiel zu vereiteln. Wir würden auch keineswegs in Schrecken geraten, wenn wirklich ein Schutzbündnis der bezeichneten Art zwischen England und Frankreich zustande käme. Dieser aufgebauschte »Plan" kann uns katt lasten, weil wir überhaupt an einen Angriff auf Frankreich nicht denken können und nicht denken wollen, wett wir auf absehbare Zeit mit dem Wiederaufbau im geretteten Vaterlande genug und übergenug zu tun haben. Was wir zur Zeit wün- schon und brauchen, ist Ruhe und Arbeit. Frankreich braucht keinen Schutz gegen das ohnmächtige Deutschland, aber Deutschland möchte geschützt sein gegen die französischen »Sanktionen" im Westen und im Osten.
Was die weitere Zukunft bringen wird, wer weiß das? Der grausame Vertrag von Versailles wird ge- wiß revidiert werden müssen; doch kann man nicht behaupten, daß dazu unbedingt ein neuer Krieg notwendig wäre, und eben'fowenig kann man den Zeitpunkt vorausbemessen. Wir wollen hoffen, daß ter Gedanke des wirklichen Friedensbundes und der Solidarität der Kulturvölker solche Fort- schritte macht, wie sie zum Ausschluß des Krieges notwendig sind.
Auf jeden Fall ist der Plan einer friedlichen Verständigung unter den Völkern besser, äs der fragliche Plan des Schutz- und Trutzbündnisses.
. Deutschland hat ja einige Erfahrungen mit den Bündnisvertrügen gemacht. Der Drei-Kaiser-Dund (Deutschland, Oesterreich urtb Rußland) vor 50 Jahren hatte einen kurzen Bestand. Der spätere Dreibund veranlaßte uns in unserer Niedekungentreue zu der verhängnisvollen Solidarität mit der österreichischen Dallanpolitik, und der dritte „Verbündete" fiel, uns dann im kritischen Augenblick in den Rücken.
Würde ein englisch-französischxs Bündnis dauerhafter feim wie das deutsch-italienische Bündnis?
Sind überhaupt solche Schutz- und Trutzverträge wirksam auf längere Dauer, wenn inzwischen die In- reressen und die Stimmungen der betreffenden Völker sich ändern?
Im Grunde genommen ist es nur ein Zeichen der Schwäche, wenn die Franzosen so eifrig um eine schriftliche Garantie von feiten Englands sich bemühen.
Sicherer Verlaß ist nur aus die eigene Kraft und die Gerechtigkeit seiner Sache.
Die Neueinteilung Europas.
D'e Landkarte Europas zeigt ein durch den Welt- frteg völlig verändertes Bild der Verteilung des europäischen Bodens. Große Lander sind ausgestellt, andere toet'en eine völlig beränhcrte Gestalt auf, nette Länder finn entstanden. Die Abgrenznnnen sind zum Teil noch in Fluß; Volksgemeinschaften streben nach Zusammenschluß, Bälle, ringen um den Besitz von Boden mit gemischten Volksstämmen. Mit den (Sebietebeiänbeninaen und Neubildungen von Staa en hat naturgemäß eine zum Teil tiefgreifcrtbe Umgrupp erung der Bevölke- rung statiaefunden.
($5 ,st noch nickt möglich, für sämtliche Länder d<-s neuvet teilten Europas neue Zahlen anutgeben.
möglich sind, sind die Ergebnisse im Folgende» zu- jammengeitelli:
Deutschlands Gestalt ist durch die Gehiels- befttmmungen des FtiedensvertrageS von Versailles vor allem im Westen und Osten stark vei ändert. Im Westen ist der Rheinstrom von Ba el bis zur Pfalz zur Grenze zwischen Deutschland und Frankreich geworden. Im Osten ist Teutschland durch den sogenannten polnrschen Korridor, den Zuoang des neuen Polenreiches zur See in zwei Teile ge palten worden und durch eben dieses Land sowie die neu gebildeten, von dem alten rusftichen Reich losgelösten Ransstaalen weil von Rußland, seinem ehemaligen Grenznachbar getrennt. £»eute umfaßt Deutschland 473314 qkm, auf denen 60837 570 Menschen wohnen.
Die langgestreckte T sch ech o - S low a le i (141632 qkm, 13701000 Einwohner), ein neues Land auf der Weltkarte, schiebt sich wie ein Reil weit hinein in das von Deutschen bewohnte Gebiet. Die kleine Küsten strecke Deuischlackbs ist verringert. DaS Mcmelgebiet (2 447 qkm, 140675 Einwohner), die freie Siadt Danzig 1920 qkm, 830 252 Einwohner), Polen 360000 qkm, 27000000 Einwohner) und Dänemark (38 969 qkm, 3268 897 Einwohner) teilen sich in den Küftenverlust Demschlands.
Von den Oesterreich-Ungarischen Nachfolgestaaten ist die Tschecho-Eiowakei schon genannt. Deuksch-Oesterreich umfaßt heute 81 500 qkm und 6670430 Einwohner, fast ebensogroß in Ungarn mit 92 500 qkm und 7840832 Einwohnern, sehr viel größer dagegen ist Jugoslawien mit seinen 225000 qkm und 14500000 Einwohnern. Der größte Balkanftaat ist Rumänien (292000 qkm, 15400000 Einwohner), ihm folgt Jugoslawien, dann Griechenland (150884 qkm, 5600000 Einwohner), dann Bulgarien mit 87445 qkm und 4860000 Einwohnern und schließlich Albanien mit 28000 qkm und 800000 Einwohnern.
lieber die Türkei, der ja ein kleines Stück noch auf dem Balkan »erblichen ist, lasten sich ebenso wie über Rußland noch keine Angaben machen. Die Randstaaien Esthland und Lettland umfasten 67750 qkm b;w. 64856 qkm mit 1750000 bzw. 1629000 Einwohnern. Hebet Litauen fehlen Angaben. Frankreich wuchs auf 550986 qkm mit nur 38000000 Menschen an. Die übrigen Staaten Europas erfuhren keine wesentlichen Veränderungen.
Set Wer eotöemWsroitWßt«.
Die Sleuervoriagen.
Nach längerer Pause trat gestern der Reichswirr» schaftsrat in Berlin wieder zu einer Vollsitzung zusammen. Vor Eintritt in die Tagesordnung stellte sich Reichskanzler Wirth dem Hause vor und sprach über das Schicksal Oberschlesiens und über die Mithilfe des Reichswirtschaftsrotr zur Lösung der uns durch die Annahme des Ententoulttmatums gestellten Aufgaben.
Von dem Recht, das Oberschlesien durch den Friedensvertrag verbrieft ist, so führte er aus, können und dürfen wir nicht ablassen. Wir dürfen aber omh nicht die Nerven verlieren. Da» deutsche Volk und der Selbstschutz in Oberschlesien haben eine wahre Engelsgeduld gezeigt, die die Welt kaum noch verstehen kann. Sie muß auch weiter ausharren. An dem offenen Bekenntnis des oberfchlesifchen Volkes, das sich mit großer Mehrheit für Deutschland entschieden hat, kann tone Macht, die sich zur Demokratie bekennt, vorbeigehen. Das Recht Oberfchlesiens muß Gehör finden.
Der Kanzler kam dann auf die E r f ü l l u n g d e s Ultimatums zu sprechen, zu der er um die Mitarbeit des Reichswirtfchaftsrats bittet. Jetzt werde sich entscheiden, ob der Reichswirtschastsrat im deutschen Volke eine große Bedeutung bekommt ober nicht.
Heber die Steuerpläne sagte Dr. Wirth: Die Zucker- und die Zündstoff st euer liegt beim Reichstag, die Branntwein Vorlage Ist bereit» in seinen Ausschüssen durchberoten und wird dem Reichstag schon in der nächsten Woche zugehen. Die Kapitalverkehrssteuern sind im Finanzministerium fertig und dieses wttd Ihnen die Vorlagen in den nächsten Tagen zur Beurteilung vorlegen. Die Getränke st euer ist auch vvrberaten. Dasselbe ist der Fall bei der U m s a tz st e u e r, die auch in weni- gen Tagen in der Beratung soweit fortgeschritten ist, daß mit Ihren Ausschüsten Fühlung genommen werden kann. In dieser letzten Frage siegt em außerordentlich großes Problem, das sich mit der Frage berührt, inwieweit die Ausstchrabpabe mit dem Inneren Umsatz In Verbindung gesetzt werden kann.
Das wichtigste der Probleme, zu deren Lösung der Reichswirckchaftsrat berufen sei, sei die Einführung eines neuen Index für die A u s f u h r a b g a b e. Dann handelt es sich um die Lösung der Steuerpro- bleme und die neu einzuführenden Steuern. Schließlich werden neue Probleme auftouchen im Zusammenhang mit der Kohle, irrtb auch die Frage der Ausnützung der Goldwerte muß eingehend diskutiert werden. Wirtschaftliche Experimente dürfen auf keinen ^all gemacht werden, aber ohne Opfer wird es nicht den. Nicht der Gedanke der Schlachtfelder und er Kämpfe weist der doulfchen Regierung Ziel und g, sondern durch Arbeit, durch Produktion allein kann die Freiheft dem Vaterlande wieder gewonnen werden.
Der vorläufige Reichswirtschastsrat trat dann In die Besprechung des Gesetzes über die Entsendung von Betriebsratsmitgliedern in den A u f s i ch t s r o t ein. Im Ausschuß kam darüber ein Kompromiß zustande. Hiernach finden auf die In den Aufsichte rat entsandten Betriebsratsmitglieder die gesetzlichen Bestimmungen Anwendung, welche für Aufsichtsratsmitglieder gelten. Die Be-
die übrigen
Soweit Zählungen stattgefunden u. soweit Schätzungen tatung wird heute, Do-werstag, sortgesetz»
Eine Rede Scheidemanns.
Die Soziakdemokraken zu den Skeuerplänen.
In einer Versammlung in Kassel sprach Scheidemann über dar Ultimatum und seine Ersül- l u n g. Er führte u. a. au», daß den Gewinnern des Krieges die Formulierung Ihrer Rechte an Deutschland sehr leicht geworden sei. Wir brauchen nur die deutschen Forderungen der Stresemann, Westarp, chergt und aller ihrer chelsserlche an die Entente ins Entmtifch- zu übertragen. Die Vorwürfe gegen die Sozial, b e m o f r a H e, sie hätte ledialich aus Parteiinteresse gehandelt, sind unberechtigt. Wenn es eine Partei gibt, die bei allen der Nation an Herz und Nieren gehenden Fragen an ihre Parteiinteressen nicht gedacht hat, dann ist es die Sozialdemokratie. In einer Kasseler Partei- Versammlung habe ich vor einiger Zeit gesagt, daß, wenn es nicht gelänge, eine Regierung mit dem Zsnttum und dcn Demokraten zustande zu bringen, in diesem Notfall die SPD die Reichsregierung ganz allein übernehmen wollte, um den vaterländischen Boden zu retten vor dem Einmarsch fremder Truppen.
Die Stellung der jetzigen Reichsregke- r u n g sei überaus schwierig. Der Reichstag war u n. erfreulicherweise zu schwach für ein Mißtrauensvotum, aber auch bedauerlicherweise zu kraftlos für ein klares Vertrauensvotum. Das fei ein wenig erbaulicher Zustand, zu dem noch die enormen fachlichen Schwierigkeiten treten. Die Mehrzahl unseres Volkes hat kaum eine rechte Vorstellung, was wir leisten Müssen. Bei den zu erwartenden Steuern werden auch indirekte Steuern sein. So habe er von glaubwürdiger Seite gehört, daß allein die Zucker st euer 1 M l- liarde mehr bringen soll als bisher. Auch der Brotpreis solle sich um 2,50 Mk. pro Laib verteuern. Es sei ganz selbstverständlich, daß die Sozialdemokratie derartigen Belastungen unseres Volkes erst zustimmen werde, wenn alle Geldquellen, aus denen noch Mittel gewonnen werden könnten, zum Versiegen gebracht sind und der Steuerdrückebergerei ein kräftiger Riegel vorgeschoben ist. ।
Scheidemann sprach sich bann für eine direkte Beteiligung und Mitbesitz des Reiches an der Großindustrie, dem Großhandel und Großgrundbesitz aus. Die Sozialdemokratie werde die Regierung stützen, solange sie es sachlich recht- fertigen könne. „Wenn aber einmal der Appell an bas Volk gerichtet wird, dann wird es einen Kampf auf Tod und Leben im Reiche geben um Sie politische Macht."_______________ _
Set MMfie MM.
Eine neue große Gefahr droht Oberschlefien durch die Franzosen. Hatte es in den letzten Wochen den Anschein, als wenn endlich die Vernunsl wenigstens in England sich durchsetzen würde und nach einer eingehen- denSauberung des Ausstandsgebietes durch die neu ein- getroffenen englischen Truppen eine einigermaßen ge- rechte Entscheidung erwartet werden dürfe, so befürchtet man in Oberschlesien selber nach den langen Vorbereitungen der Engländer und der Erklärung des Generals Heimicker, daß er der Internationalen Kommission unterstehe, daß man diesen Plan wieder auf« gegeben und daß Pari« letzten Endes doch wieder gesiegt habe. Die sranzösische Absicht, die Insurgenten angsam zurückzudrängen, eine neutrale Zone zu schaffen und die Aufrührer gerade in dem wichtigsten Teile des Landes, im Industriegebiet ungestört zu lassen, chemt schon fast zum Entschluß geworden zu sein. Hiergegen muß schärf st er Einspruch erhoben werben, denn eine solche Beilegung der Ausstandsbewegung würde in Wahrheit für DÄrtschland den Verlust des ganzen Industriebezirkes und für Oberfchlesien die Fortdauer furchtbarer Kämpfe, Greuel und Elends bedeuten. Von deutscher Seite kann vor allem ober auch eine Entscheidung niemals anerkannt werden, die gefällr werden würde, wenn das Lantd weiterhin von polnischen Räuberbanden drangsaliert wird. Immer und immer wieder muß betont werden, daß die alliierten Mächte die Derpslichtung übernommen haben, jür Aufrechtci Haltung der Ordnung zu forgen.
Die Ansicht des General Höfer.
Der Führer des oberfchlesifchen Selbstschutzes, Gsveraileutnant Höfer, erklärte im Verlauf einer Unterredung mit Pressevertretern, daß er die Entsetz - ungvon Gleiwitz durch dieEngländer für den Anfang der Säuberungsaktion halte. Sollten die interalliierten Truppen für die energische Säuberung des Lndmstriegebietes nicht ausreichen, so sei der Selbstschutz bereit, sich dem interallierten Befehl unn>rzuordnen und jede ihm übertragene Aufgabe loyal durchzuführen. Höfer betonte, daß er mit offenen Karten spiele. Er habe seine sämtlichen Pläne dem englischen Oberbefehlshaber ausgeliesert. Zum Schluß betonte Höfer, daß der Selbstschutz keine partclpolitische Färbung trage.
Polnischer Dandakksmns.
Der oberfchlesische Berichterstatter der „Voss. Ztg." berichtet über grauenhaste Verwü st ungen, die die polnischen Insurgenten in der Stadt Kandrzin angerltfret hoben. Die Polen haben besonders in den Beamten- und Arbeiterhäusem alles vollkommen verwüstet. zerschnitten und beschmutzt. Auch die evange- lische Kirche in Kandrzin ist durch polnisches Granatfeuer erftört worden.
:■ Verschiebung der Voukogner Konferenz.
N dem letzten englisck-französischcn Noten* wech! ist die vorauSzri sehet de Verschiebung der Konferenz deS Obersten RneS nunmehr zur Gewißheit geworden. Tie Franzosen haben alio ihr Ziel, auf das sic mit allen Mitteln hinai beiteten, erreicht, sie haben Zeit gewonnen, um im Bunde mit den Polen noch recht tüchtig im Trüben fischen zu können und „vollendete Tmsacken" zu schaffen. Die cngli'che Regierung ro:U vor bet Entscheidung erst noch den Bericht ibreS neuen Kommissars für Ober- schlesten, Eturnt, obwaiten. Die Wiederherstellung der Ordnung in Oberschlesien ist ihrer Ansicht nach die Frage, die zunächst gelöft werden muß, ehe man an die Entscheidung des ganzen Problems Herangehen kann. Es bürite demnach alS sicher gehen, daß der Oberste Rar nicht vor Abschluß der britischen Reichskonferenz, al|o Mrtte Juli, zusammemreten wird
Ter oberfchlesische Lagebericht.
Mit Ausnahme einiger örtlicher Kampfhondlunc,ez herrschte am Mittwoch im allgemeinen an der vot den Polnischen Binden besetzten Linie Ruhe Stärkere Feuertätigkcit wurde von Wissoka gemeldet, Angriffe der Jnsurgernen gegen dcn Güterbuhnhof von Kandrezin scheiterken. Die Siadt Rotibor wurde morgens vop der polnischen Artillerie be« schone n.
Belglsch-ftanMsche Mrkschaflsverhandlungen.
Der bügische Minister des Aeußern, Iafpar, berät zur Zeit mit den zuständigen französischen Pcrfönlich- keften über den Abschluß eines Handelsvertrages zwischen Belgien und Frankreich. Bricmd wurde von belgischer Seite in Anbetracht der bevorstehenden französischen Zollsätze auf die Folgen aufmerksam gemacht, die diese wirrschaftlichen Maßnahmen aus die freundschaftlichen Beziehungen der beiden Länder ausüben könnten.
Der Waldenburger Bergarbeiterskreik.
Der Ausstand im Waldenburger Dergrevier, der von der Streikleitung als beendet bezeichnet worden war, erfuhr dadurch eine Verschärfung, daß die r a d i- kalen Elemente beschlossen, w e i t e r zu- st r e i k e n. ________________
bin neuer Leipziger Prozeß.
Am Mittwoch begann in Leipzig der fünfte bet KriegsbeschiMgtenprozesse. Angeklagt ist der Stuben! der Rechte Ramdohr aus Leipzig, der beschuldigt wird, als Unteroffizier und Feldpolizei, beamtet in Belgien vorsätzlich ohne jede Berechtigung Verhaftungen vorgenommen und die Dauer dieser Freiheitsentziehungen verlängert, ferner Körperverletzungen begangen und Zwang angewendet zu haben, um Geständnisse zu erpressen.
Rarndohrs Name steht unter Nummer 182 auf der belgischen Auslieferungsliste. Dort wird ihm zur Last gelegt, er habe als Agent der Geheimpolizei in Grammont im Dezember 1917 verhaftete Kinder mißhandelt. Es sind 11 inländische und 15 belgische Zeugen geladen. Die letzteren — darunter recht jugendliche, noch die Schule besuchende Knaben — stammen aus Overboulaere, Ne» derbsulaere und Geerardsbergen.
Aus dem besetzten Gebiet.
• Arbettslosigkelk im befehlen Gebiet. Die Arbeit», lofigfeit im neubesetzten Gebiet greift infolge der Absatzschwierigkeiten immer weiter um sich. In Duisburg mußten drei größere Werke zu Betriebseinschränkungen schreiten. Auch in Düsseldorf mußten zahlreiche, Arbeiter entlasten werben. Der wirtschaftliche Ausschuß der Ehrlstllchen Gewerkschaf-i ten des deutschen Gewerkschastsbundes fordert daher in! einer besonderen Kundgebung die sofortige restloser Aufhebuno der Sanktionen und erwartet von der deutschen Reichsregierung, dah ihrerseits zur CErrei« chung des Zieles nichts unversucht gelosten wird.
Deutsches Reich.
*• Berkin, 9. Juni. Eine Konferenz der deutschen Fl n an zm i n ist er findet in den nächsten Sagen in Berlin statt. Auf ihr wird vor allem die Frage besprochen werden, wie Länder und Gemeinden itne Finanzgebarung einrichten sollen. Diese Frage muß besonders in der Richtung, wie wett das Reich beabsichtigt, seine Finanzhoheit auf die Steuerqutllen der einzelnen Länder auszu- dehnen, nefiärt werden.
(b) Für die Ansammerrarbeil mik der Dolksparksk in Preußen soll sich nach einer Meldung der „IägL Rundschau" der sozialdemokratische Reichsinnemninister Gradnauer ausgesprochen haben. Rach dem Be- rlcht des Blattes Hotts der Berichterstatter des „Figaro" eine Unterredung mit Herrn Dr. Grabnauer. Darin soll et folgendes gejagt haben: „Dr. Wirth hat die Absicht .seiner Regierung die breiteste Grundlage zu geben, und in dieser Absicht hat er die Tore nach rechts und nach links geöffnet. Es wäre aber schwer, die Mftarbeit der Deutschen Volkspartei anzune;men, wenn diese nicht im voraus gewisse Sicherheiten geben würde. Eine große Zahl der Sozialdemokraten hielt* Neuwahlen für unvermeidlich. Gradnauer ist periön* sich überzeugt, daß bte Sozialdemokraten einen Stimmenzuwachs erhalten würden, der jedoch nickt genügte, um ihnen eine überwiegende Mehrheit zu sichern. Es wäre bester, eine Zusammenarbeit der Sozialdemokratie und der Deutschen Volkspartei zu erreichen, weil Neu- wählen nicht wünschenswert seien."
* Freie Getreidcwirtsaiaft 1922? In den Verhandlungen über die ©etreibeberoat ebaftung tn 1921 erklärte Minister Hermes, er glaube ver sönlick, daß, wenn nicht ganz unvorbetgeiehene Umstände einträten, das Umlageverfahren der Schritt in die freie Wirtschaft für 1922 fein werde. m ,,
♦ Die „Vereinfachung" bet deutschen Rechtichterbnng bildet den Gegenstand einer parlamentarischen Anfrage, die jetzt der ptenßi che Kullusmin ster beant« mottet hat. Aus dieser Ankwoit gehl hervor, daß die zahlreichen h-gründeten Bedenken gegen die Verhunzung der Rechtschreibung wenigstens teilweise nicht üngehött geblieben sind. So wird nur noch von einer Vereinfachung in mäßi cn Grenzen gesprochen, die erst langsam und allnrähl ch mit dem in der Schule Heranwachsenden Gefchleckr emgesührt werden soll. Für die vorhandenen B stände an Büchern und Platten soll eine lmajä rige Schonzeit eingesübi t werden, außerdem soll die Neureaelung in solchen Gienzen gehalten sein, daß »e Bicher und Platt n auch nach der Neuregelung o me Beein- trächiigung w.iter verwendet werden lö inten. Die Ai beiten des Sachvetständlgenausschufies sind abge- schlosten, doch, so wird hinzugefüot, Die endgültige EmiäeibuFo darübe- w-»-- »uo ob Die Neuregelung