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Fuldaer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadi Fulda.

Nr. 129.

Verantwortlich für den itOauioneUen Teil: Dr. Kramer, - für Mi Anzeigen: J. Par - ri > er - Fulda. z Rotationsbruck u. Verlag der Fuldaer Actienüruckerei in Fulda, itemipiedier Nr. 9. Telegr.-Adrefle: Fuldaer Zeiluna

Mittwoch, S. Zuni 192L

Bezugspreis: Monatlich 3,00 M. ohne Zustellgebühr. In Futdo bei uns abgeholt 3,15 2HL Anzeigenpreis: Die Kleinzrile Colonelmav) SO pig, u. 10° , Zuschlag, die Reklamezeile tTertbreitel ILO Bit., u. 10e-o Zuschlag. Del Wiederhol. Rabatt.

48. Zahrg.

Der Wim kos Itos.

Das Ziel des preußischen ZHinifterptSfiöenlra.

Kaum hat der Reichstag sich durch den Strudel 6er Regierungskrisis hurdurchgeivunden, da wird im preußischen Landtag wieder das.leidige Kapitel von der Umbildung der Regierung angeschnitten. Das Reichskabinett Wirth ließ sich nicht erschüttern, nun wurde der Hebel angesetzt bei dem Staatsministerium Etegerwald.

Als letzteres in andauernder Mühsal gebildet wurde, gatt als das höchste Ziel die Gleichartig­keit der RegieriMgen uni) der Koalitionen im Reiche und in Preußen. Das war vorläufig nicht zu erreichen, und da doch eine Staatsregierung nicht noch langer entbehrt werden konnte, muß« Herr Etegerwald, der zweimal mit wechselnder Mehrheit gewählte Ministerpräsident, eine Staatsregierimg mit provisorischem Charakter bilden. Inzwischen hat mm das Reichskadinett, dem man damals wehr Stetigkeit zutraute, unter dem Druck der außenpoli­tischen Entwicklung sich mnbildcn müfsrn, und in Preu­ßen besteht das Provisorium Stegenvald noÄ immer.

Diejenigen, die auf Krisen und Neuwahlen speku­lieren, greisen Stegenvald wegen seines Beharrungs­vermögens cm. Dabei kommen sie aber schlecht an, denn Stegenvald ist einsPersönlichkeit", die sich weder durch Schmeicheleien verlocken noch durch Vorwürfe abschrecken läßt, sondern auf dem einge­schlagenen Wege ruhig weiter geht, so lange er es für richtig hält.

Er läßt sich auch nicht dadurch irre machen, daß man ihn alsKleber" hinstellt. Daraus antwortet er mit dem schneidigen Schlagworte, er sei nicht Minister aus Neigung, sondern Minister aus Trotz. Das soll heißen: er hat das Amt übernommen, weil kein anderer daffir zu finden war, und er will das an ge­fangene Werk auch durchführen allen Schwierigkeiten zum Trotz, bis sich ein« regiewngsfähige Mehrheit geeinigt hat auf ein Programm und auf einen Mini­sterpräsidenten. Er tritt den persönlichen ober partei­politischen Sonderbestrebungen nicht bloß durch sein Wort, sondern auch durch sein Vorbild entgegen. Er sagt:

Die Hauptfrage für mich ist: rote kommen wir all- mählich zu ebner stetigey Politik? Wir dürfen In den Parlamenten nicht mehr von einem Tag auf den andern fortrourftetn. Für jaden Weg, der zu einer stetigen Politik führt, bin ich zu haben. Die Koalition, die sich dafür feilten wird, imiß auf Gedeih und Verderb zu- sammemarbeiien in dem Ziel: Wir wollen schaffen, wir wollen opfern, wir wollen aufwärts!"

Das ist das rechte Wort zur rechten Zeit, und wir wollen es gern zum guten Zeichen machen, daß der nachfolgende Redner der Deutschen Dolkspar- tei erklärte, biefe Ausführungen hätten seine Partei sympathisch berührt.

Einen gewissen Anklang finden wir auch in einem Zeitungsartikel, den der Abg. S t r e s e m a n n» der Vorsitzende der Deutschen Dolkspartei im Reichstag, soeben veröffentlicht. Er empfiehlt als Stavtsnotwen- dgikeit sehr eindringlichdie Zusammenfassung aller positiv Schaffenden zu einer nationalen Einheitsfront". Das wäre ja die richtige Grundlage für eine stetige Politik nach den Plänen von Stegenvald.

Der Abg. Strefemann bedauert, daß der Weg zur notwendigen Einheitsfront über so viel Enttäuschungen und so viel versäumte Gelegenheiten führe. Das Be­dauern teilen wir; aber Herr- Strefemann will die Schuld daran ausschließlich bei den Sozialdemo­kraten suchen, insbesondere in deren Sprkuiarioll auf Neuwahlen vor der Verhängung neuer Steuer­lasten, so muß man doch darauf Hinweisen, daß art mehr als einer Stelle gesündigt worden ist. Zu den Enttäuschungen und den versäumten Gelegenheiten muß man auch die Stimmenthaltung der Deutschen Volkspartei bei dem jüngsten Vertrauensvolum im Reichstcige rechnen. Die Deutsche Volkspartei will doch zu denpositiv schaffenden" Parteien gezählt werden; also hätte sie auch in diesem wichtigen Augen­blick in die nationale Einheitsfront einschwcnken|- fen, ohne sich aus Scheu vor der Verantwortlichkeit und aus Furcht vor den konservativen Wahlagitatoren an dem klaren Ja vorbeizudrücken.

Hoffen wir, daß in der Deutschen Bolkspartei der patriotische Wagemut wieder erwacht unb zugleich bei den Dlehrheitssozialisten die gefährliche Spekulation auf Neuwahlen auf gegeben wird. Wir können zu einer breiten Koalition und einer stetigen Regierung nur kommen, wenn alle sich bessern, die Mr positiven Mitarbeit berufen sind.

Es ist ferner klar, daß der Grundstein für eine stetige Politik im Reiche gelegt werden muß. Von Preußen mrs kann man nachhelfen, aber rricht bahn- drechen Der tapfere Stegerwald wird gewiß seinen persönlichen Einfluß nach Möglichkeit geltend machen, um d'e Entwicklung im Reiche zu fördern; aber in seiner Eigenschaft als preußischer Ministerpräsident kann er vorläufig nichts unteres tun, als ausharren und durchhalten in feinem Provisorium, bis sich die schaffende Einheitsfront gebildet har.

Es ist ja auch möglich, daß dieserStaatsmimster aus Trotz" noch berufen wird in ein Reichsministerium, wo es gilt den feindlichen Gewalten zu trotzen. In­zwischen aber sollten sich alle, die guten Willens sind, ein Muster nehmen an dieser großzügigen, wagemuti­gen und ausdauernden Persönlichkeit.

Die Koalition kann uns nur aufhelfen, wenn alle Glieder sich wirklichauf Gedeih und Verderb" in die nationale Einheitsfront und Arbeitsgemeinschaft rinreihem___ _____________

MlMtt LMU.

Schluß der Senerald-bakk» mm Glat

Der preußische Landtag trat am Dienstag gegen 9612 Uhr zusammen, um nach der Erörterung vo.r vier Keinen 'Grasen fub der Sortf tgung der Be­

ratung des Haushaltsplans für das Jahr 1921 zu widmen.

Abg. Dr. Vredt von der Wirtschastspartei, der noch zur ersten Rednergarnitur gehört, hatte den Borzug, % Stunde lang reden zu dürfen, war aber so vernuns. tig, das was ihm zu sagen notwendig erschien, in kür­zerer Frist dem Hause vorzutragen.

Dann kam der streitbare Herr Hellmann von der Mehrheitssozialdemokratie, der geschickt mit den Rech s- parteien abzurechnen wußte. Niemand ro!rb behaupten wollen, daß durch die Rede des zweiten sozialdemokra­tischen Fraktionsredners der Boden für ein Zusammen­arbeiten mit der deutschen Dolkspartei erbreitert worden wäre. Das war aber auch nicht des Sprechers Absicht, denn er führte unumwunden aus:In das Joch der Negierung mit der deutschen Dolkspartei bringen Sie uns jetzt noch weniger als vorher. Es bleibt also dabei, entweder Sie regieren mit uns ober Sie regieren gegen die ganze sozialistische Arbeiterklasse."

Der Abg. Kiosk vom Zentrum führte demgegenüber mit Recht aus, daß der scharfe politische Kampf nicht möglich wäre, wenn wir uns alle auf die Tagesnot­wendigkeiten einstellen wollten.

Ein Siedlungsprogramm.

Landwirtschastsminister Darmhold entwickelt hierauf sein Siedelungsprogramm, das darauf hinausläuft, 4000 neue Siedelungsstellen für 1921 zu schaffen, an gemein, migige Siedklungsaescllschaften Zwischenkredite zu ge­währen und das Siedelungsgesetz so abzuändern, daß Kredite für Bodenverbesierung gegeben werden können. Der Mnister bezeichnet als wichtigste Ziele seiner Sie- delungspolitik: 1. die Vermehrung ter ansässigen Landbevölkerung durch dichtere Besiedelung des vorhandenen mrb Gewinnung und Besiedelung neuen Kulturlandes, 2. die schnelle Hebung der lanbroirt. schastlichen Erzeugung mit dem Ziel, unsere Bevölke­rung möglichst bald aus eigener Erzeugung ausreichend zu ernähren. Um den Ueberschuß der landwirtschaft­lichen Bevölkerung auf dem Lande seßhaft zu machen, muffen die Bauernstellen vcrmehrt werden. Den Landarbeitern muß der Aufstieg zur Selb, ständigkeit erleichtert werden durch eine Erhöhung tes Einkommens für tüchtige Kräfte. Binnen kurzem wird eine Gesetzesvorlage vorbereitet, durch die eine namhafte Erhöhung der staatlichen GFmlogen bei gemein­nützigen Siedelungsgesellschaften und eine Vermehrung ter Zwischenkredite ermöglicht wird- Die Verbindung der produktiven Erwerbslosenfür­sorge mit der -Kultivierung von Moor- unb Deb» länbereien sowie ber Lanbgoroinnungsarboiten an ber Küste muß fortgesetzt werben. Es schweben Verhand- lungen über bie Bereitstellung eines befonberen Kredits zur Förderung von Bodenverbesierungcn. Die Sicherheit für Leben unb Eigentum aus bem Lande muß erhöht werten. Der wirtschaftliche Frie­den in ber Landwirtschaft müsse aufrecht erhalten wer. dun burch Förderung des Arbeitsgemeinschaftsgodan- kens, des Schlichtungswesens. Die Zwangs­wirtschaft mif landwirtschaftlicher Erzeugung ist ein schweres Hemmnis für bie Erzeugung. Durch die Gewäbrung eines größeren Realkredit» muß der Landwirtschaft das nötige Betriebskapital zu. geführt werden. Die Vermehrung und DerbiMgung ber Lieferung künstlichen Düngers ist notwendig, aber auch ter Ausbau des landwirtschaftlichen Fachschul- wesens, um eine Verbesierung der landwirtschaftlichen Produktion zu erzielen. Durch ein möglichst dichtes Retz bäuerlicher Veispielswirtschaften soll die fachgo- mäße Bciriebssührung gefördert werden. (Deifall.s

Der deutschnationale Abg. Dallrnf fand gute unb treffende Worte zum Etat.

Dann nahm Ministervräsidnt Stegerwald das Dort, um noch einmal seine Stellung zur Politik im allge. meinen und der Regierungsbildung hn besonderen bat* zulegen.

Der Abg. Dr. von Kampe lobte bie sympathische Rete bee Ministerpräsidenten, um dann gegen die Sozialde­mokratie zu polemisieren.

Ihm folgte der Kommunist Schulz unter großem Lungenaufwand und desto weniger Erfolg am Redner, pult.

Schließlich erhebt sich noch Dr. Lohn van den Un­abhängigen, ber es vorzieht, von feinem Platze aus zu toben und dann kommt der Schlußakkord, den ber Demokrat Dr. Schreiber-Halle anschlägt. Rock ein paar persönliche Bemerkungen unb dos Haus geht ausein­ander bis zum Dienstag, den 14. Sunt

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«MWM.

tim dm deulfchr» Selbslfchnh.

Die HaposciArniur trift inst, bee dnHche 2st° schäft« Dr. Maner beim Sre-raTfetretST bes Mini­steriums für auswärtige ArtxekZenhrikn einen Schritt tmternomw.cn Hobe, um gegen bie Drohrmy Einspruch zu erhetett, die in dem Ultimatum der intet» a 11 i t er t e ii Kommissisn gegen Genet al Höfer ausgesprochen wird. Es hantelt sich um das Auf geben der Industriestädte mitdeut» cher Mehtheit, die dadurch bet Bedrohung ter wlnifchen Aufständischen ausgesetzt würden. Zu bte- er Verlautbarung sagt Hnvas, es fei bem deutsch?« Soischafter in klarer Weise deutlich Mnockfi worden, daß die interalliierte Kommission durch den Fried: ns- oertrag bas Recht erhalten habe, jede Maßnahme zu ergreifen, um bie Ordnung aufrecht zu ertmthn, unb zwar könne sie dies in voller Unabhängigkeit tun.

Auch in L o n b o n ist burch den dortigen deutschen Botschaft« im gleichen Sinne Einspruch «folgt

Eins neutrale Zone.

Wie derVorwärts" meldet, beginnt sich die Bil­dung einer neutralen Zone in Ober* schloffen zwischen den polnischen und deutschen Streitkräften zu vollziehen 3m Norden haben die englischen Truppen Rosenberg besetzt, nn Süden ist ein Bataillon Italiener in Krappitz eingerückt. I n der Mitte der Front stehen englische und französische Truppen zwischen deutschem Selbst­schutz unb polnischen Insurgenten. Dadurch ist es wohl auch zu erklären, daß während eines Gefechts zwischen Selbstschutz und Polen bei Kalinow drei verwundete Franzosen durch den Selbstschutz gefangen genommen wurden. Die Franzosen wurden sofort bem nächst­liegenden französischen Kommando zur Verfügung gestellt.

Mehreren Mattern zufolge kämpfen auf Seiten der polnischen Insurgenten jetzt nur noch sehr wenige Oberschlefier Die polnischen Berg­

arbeiter, bie fampfesmübe sind, sind fast überall 'n die Betriebe zurückgekehrt. Die polnischen Star : Tnien bestehen fast nur noch aus Kongreßpolsn.

Das kriegerische Polen.

Nach einer Meldung der «Voss. Zig.' aus War­schau sieht der polnische Staarkboranschlag für drei Viertel aller Ausgaben für die Seeresbedürfnis se vor. Tie Eefarntschuld Polens an das Ausland zur Ernährung unb Aus­rüstung bet Armee beläuft sich nach dem heutigen Kurs der polnischen Mark auf rund 259 Milliarden Polenmark. ------- ---

Die deutsche« Zahlungen,

Tie Reparation Lkommission in Paris teilt mit, daß die deutsch« Regierung tu Ausführung des Art. 5 über die Zahlungsbedingungen bis zum heutigen Tage für rund840MillionenK olD^.ari! in Reichsschatz wechieln, die am 31. tÄA-t fällig sind, sowie ungefähr 200 Millionen «M.tark i« ausländischen Devisen bezahlt hac* "

Guter Fortgang der bahrrifchep EnttoeflnungSaktiou.

Tie Entwaffnung der bayerischen Einwosinsr- weyren hat bereit« Fortschritte gemacht. Dir im Besitz ber Einwohnerwehren befindlichen Waffenlager sind zum größten Teil an die Treuhandgejellschast abgeftihr! Worten. Mir der E.uwaffnung der einzel­nen Vjehrleute ift begonnen worden.

In München wurde versehentlich der franzö­sische Gesandte Darb auf der Straße von einem ehemaligen sächsischen Off-zier angehalten. DaS Staatsministerium des Aeußeren nahm Veranlassung, dem Gesandten das lebhafte Bedauern über den Vorfall auszusprechen.

Auslösung der Selbstschutzorganisationen.

Die interalliierte MMärkontrollkommission, ber die deutsche Regierung entsprechend bem Ultimatum vom 5. Mai die List «deraufzulösenden Selb st- schutzorganisationen erugereicht hatte, Hot nunmehr erwidert, daß die Liste unvollständig sei, da sie rricht alle Selbstschutzorgcmisationcn enthalte, bie aufzulösen seien. Die deutsche Regierung Hai geantwortet, daß nach ihrer Kenntnis und den Mitteilungen der Ärndesregrerungen die überfanbte Liste sämtliche in Deutschland bestehenden und nach den genannten Bestimmungen aufzulösenden Or­ganisationen (Escherrch, die ostpreußischen Wehren und bie bayerischen Eimvohnerwchren) umfasse. Durch ein Rundtelegramm seien aber die Regierun­gen der Länder nochmals aufgefordert worden, nach­zuprüfen, ob sich riwa Organisationen der Verpflich­tung der Auflösung entzogen hätten.

DieKriegsverbrecher"

vor dem Reichsgericht.

In ber Strafsache des Generalleutnants a. D. Stengerund des Majors a-D. CrusiuS wegen Kriegsverbrechen ist auf Ansuchen der französischen Regierung der am 15. Juni vor dem zweiten Straf­senat des Reichsgerichts anstehende Hauptver- handluugstermin auf den 18. Juni verlegt worden.________________

Die neue Getreide-Bewirtschaftung.

Im ReichstagsauSschuß für Volkswirtschaft in Berlin wurde der Antrag Dupp auf sofort!ge Einführung ter freien Bewirtschaftung des (Se­ite iS eg gegen die Stimmen der Deutschen Volks- Partei, der Deutschnationalen und Demokraten mit 14 gegen 12 Stimmen abgelehnt. Ab gelehnt wurde aber auch der Antrag auf Fe st halten an der Zwangswirtschaft gegen die Stimmen der Sozialdemokraten. § 1 des Gesetzentwurfes wurde sodann gemäß dem Antrag Blnm in der Fassung angenommen, daß im Inland im Wirtschaftsjahr 1921/1922 2:/e Millionen Tonnen Getreide im Wege der Umlage mifzubringen seien. ____________________ ____________________

Air? Frage der reltgiö-en K'-udeverziehung.

Der Rechtscmssihuß des Reichstages nahm in einer seiner letzten Sitzungen mikdenStimmen aller bürgerlichen Parteien gegen die der Sozialdemokraten sollenden § 1 an:

liebet die w&gtöfe Erziehung eines Rsetes bestimmt hi erster Linie Me freie, t«eezeit wibsrrufltche, auch durch bett Tob eines Ehegatten non rechts wegen gdöfic Emi» gung der Eltern, soweit diese« die Perkcm.wsvrp- zusteht. Besicht eine solche Einigung nicht ober nicht mch:, so gelten amh für die religiöse Erziehung die Vorschriften de» BGB. über das Recht mck> die Pflicht, für be Perfon bes Kmtes zu sorgen. Es tarnt jedoch ivährend Bestehen der Che can keinem Eheteil ohne die Zustimnumg des entern bestimmt werden, daß das Kind m einem andern als dem zurzeit der Eheschließung g-meinsame« Bekennt­nis erzogen, daß das Bekenntnis tes Kindes geändert ober daß ein Kind vom Religionsunterricht abgemeibet weiden soll. Im Falle eines Mißbrauch? im Sinne des § 1666 des DGB. Mette fitem Teil unbenommen, bas Dormmtbschastsgericht um Vermittlung ber Entscheidung anzupehen. Dor ter Entscheidung sind die Ehegatten so­wie Verwandte, Verschwägerte und die Lchrer dos Kindes zu hören, wenn es ohne erhebliche Verzögerung und ohne imvechältmsmäßige Kosten geschehen kann. Auch bas Kind ist zu hören, wenn es dos toter von 10 Jahren erreicht hat. (UnterLehrern tes Kindes" sind nach der Mei- nung der Kommission auch die Relicstonslchrer zu verstehen.)

Aus vem besetzten Gedret.

Smn Schutze ber deutsche« pst'tebefltzkt. Tie ZevtrumSabcieoidneten haben im preußischen Landtag folgenden Antrag eingebracht: Im besetzten Gebiete werden die Pferde von ber Militärbehörde der Defa tzungStruppen gemustert, um sie pe-ebenen, falls für die'Heeresdienste zu rrquirieren. Ter Land­tag wolle beschließ en, die StacitSre icrung zu ersuchen, dafür Sorf.e zu tragen, daß im Falle von Requisitionen die betroffenen Eigentümer in einem Umfange entschä­

digt werden, der ihnen den Einkauf völlig gleichwer» tigcn Ersatzes möglich macht.

Sester flcfterboltit als Lrerzierplatz. Nach einer Meldung des .LokalanzetgerS' aus Ludwigshafen mutzten tne Eigentümer der Grundstücke zwischen Oggersheim und Mundenheim thre Felder der französischen Besatzungsbehörde zur Verfügung stellen. ®8 handelt sich um 600 Moraen besten Acker» tobend, die für einen französischen Exerzierplatz be­stimmt sind. Die Kosten in Höhe von 50 Millionen Mark gehen auf deutsches Konto.

* Wirerjpruchsvolle Urteile. Don bem KtiegSgerickt inLandan wurden dretfranzösischeArttileristen zu fünf d-zw. drei Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie einen Deutschen, der sie zuvor freigehalten hatte, zum Dan! auf der St raße nieseischiugen und aus raubten.

der gleichen Sitzung wurde ein deutscher Mechaniker zu acht Monaten Gefängnis verurteilt, wcil er einem französischen Wachtposten, ter ihn vom Trotwir herunterstiep, einen Schlag vor bte Brust ver­setzt haben soll. Der Mecbaniker stellte die Tat in Ab- rede und behauptete» von dem Soldaten noch zweimal mit Steinen beworfen worden zu fein.

Deutscher Bauerntag.

Der von der Vereinigung der Dsnischen Dausrnver- ehte veranstaltete Deutsche Sauemtag 1921 in R e n d s - bürg sSchleswig) war von prächtigem Wester begünstigt. Unter den Ehrengästen befanden sich die Führer ter ein- zolnen Bauernvereine und Abgeordnete sämtlicher bürger» Ahrn Parteien. (Eirogoleitet wurden die Bauerntagsver» arrstccktungen mit der Eröffnung einer großen Ausstellung lanbwirtschcffllicher Maschinen, Geräte und Bebarfsartikel, die dem Besucher, namentlich tem Landwirt, Belehrung und Gelegenheit zu Kausirbschlüsien in reichem Maße boten.

Der Vorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Bauern. Vereins, Stamerjohann, sowie ter stellvertretend- Dor- sitzende, Hinselmann, begrüßten herzlich die Gäste, insbe­sondere den Vorsitzenden ber Bereinigung der Deutschen Bauernvereine, Baron von Kerkenik, und ten^ bayerischen Bauernführer Dr. Heim, smvie das geschäftsfiihrenüs BorstandsmitgliÄ der Deremiaung ter Deutschen Sauern« vereine, Abg. Dr. Ervne-Münzri»rok. 3m Nomen bee Stadt Rendsburg begrüßte Bürgermerster Timm die Gäst« in plattdeutscher Mundart. In seiner Ansprache berührte er die tieferen Zusammenhänge zwischen Vergangenheit unb Gegenwart, und hob den Wert auch der Vergangen­heit für die Gegenwart hervpr. Kerkerink dankte namens der Gäste für die herzliche Begrüßung. Geheim- rat Dr. Heim hob in einer Ansprache insbesondere test Zusammenhang zwischen Nord und Süd hervor und gab der Hoffnung Ausdruck, demnächst Schleswig-Hofltemer auch in Bayern bogrüßen zu können, wo man sich sicher­lich ebenso wohl filtert werte, wie bte bayrischen Gaste in der Nordmork. Der Deutsche Bauemtag werde, fo sagte Dr. Heim noch u. a., beherrscht von trefflichem Ein­klang zwischen ten Bauern aus Nord und Süd. einer Sitzung der Dereinigimg der Deutschen Bauernver­eine und bes Gesamtvorstandes des Schleswig-Holstei­nischen Bauernvereins wurde zu den wichtigsten Tages« fragen Stellung genommen.

Ans der christl. Gewerkschaftsbewegung.

Eine Vertreterversammlung der christlichen Ge­werkschaften des Industriegebietes befaßte sich am 6. Juni in Elfen mit wirtschaftlichen Fragen des Wiederaufbaues. Dis Versammlung nahm int An­schluß hieran auch kritiich Stellung ;u der in der letzten Zeit durch den Neichsministsr a. D. Erz­berger in Masienversammlungen erörterten Idee eines sogenannten christlichen Solidarismus. Das Ergebnis dieser Versammlung ist das Folgende; Die Vertammlung stellt fest, daß bet voller Würdigung der Grundgedanken der Erzberqerschen Vorschläge die Propagierung derselben in der bisher angewandten Art und Form große Bedenken erweckt. Not­wendig ist, daß vor der Vertretung solcher Ideen in Massenversammlungen die Prüfung der praktischen Durchsührbaikftt durch die für die Führung det» Wirtschaftslebens verantwortlichen Ocgantiationen ei folgt. Die christlichen Gewerkschaften können ins­besondere auf keinen Fall auf eine gründliche Nach- Prüfung des Gedankens der W e r kge n o s f e n s cka f- ten verzichten. Ohne eine zweckmäßige Verknüpfung mit den großen gewerkschaftlichen Ge amtzielen besieht die Gefahr, daß der werksgenossenschaftltche Gedanke zur Zersplitterung und Schwächung der Kräfte führt und praktisch sich in gleicher Weise nuStoirlt, tote die gelben Bestrebungen. Die Konferenz ersucht deshalb die zuständigen Stellen der Gesamtbewegung, möglichst bald in eine sorgsältige Prüfung der auf­geworfenen Fragen einzutrelen unb das Ergebnis in geeigneter Weise den Mitgliedern zu vermitteln.

veulscher Reich.

* Widerstand gegen die Fernsprechvorlage. Die neue Erhöhung der Fernsprechgebühren wird an­scheinend vom Reichstage nicht so glatt ange­nommen weiden, wie das Reichspottministerium es erwartet. Wie aus parlamentarischen Kreisen be­richtet wird, erregt die geplante gewaltige Erhöhung der Fernfprechgebühren doch rrhevliche Be­denken. Man nimmt an, daß der Reichstag dem Postminister die hohen Sätze nicht bewilligen, sondern niedrigere einsetzen wird. Man rechnet auch mit einer besonderen Rücksichtnahme auf die Be- dürsn'sse der Preis<.

* Drolgetreide und Lrannlwelnerzrugung. Im Reichstagsausschuß für Volkswirtschaft gab ein Regie- rmrgsvertrelcr über die Verwendung von Brotgetreide zur Branntweinerzeugung eine Erklärung ab, wonach bfe von den Gulternplern geforderten radikalen Verbote die Ernährungslage nicht günstiger beemflusien könnten. Dis Freflaffung einer gewissen Menge Kartoffeln zur Branntrveini)«rstcllung hat sich schon deshalb als notwendig erwiesm, um wenigstens diejenigen Mengen von Branntwein zu sichern, die zu gswerkstichen und technischen Zwecken unfcbmgt er­forderlich sind. Abgeschen davon würde ein gänzliches Verbot ber Branntweinerzeugung aus Kartoffeln die schwerste Schädigung für die auf Schlempe und Stall­dünger angewiesenen landwfttjchajüichen Brennerei*