Fuld aer Zeitung
AmMcher Anzeiger für den Kreis und die Lkadk Fulda.
Nr. 128.
Beramwonttch tüt den ceoauionellen Teil: Dr. Kramer, - füt die Anzeigen: I. ParzeUer-Fuida. 5; gtotattonsörud u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, ^trnim edier Nr. 9. Teleqr.-Ädresse: Fuldaer Zeirung
Dienstag, 7. Zum 1921«.
Bezugspreis: Monatlich3,00 Olt. ohneZustellgebühr. In Fu>do bei uns odgeholl 3.15 Olt Anzeigenpreis: Die Kleinzeile .ffoionelmaß) 60 pfg„ u. 10°>, Zuschlag, die Reklamezeile (2epbreiie) 1.80 21«., u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabali.
48. Zahrg.
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Die Dolksparkei und das Derkraueusvotum.
Soll es Mode werden, daß nicht bloß einzelne Abgeordnete, sondern ganze Parleien sich der Abstimmung im Parlamente enthalten? Dann muß man Las Kind mal beim rechten Namen nennen. Wer sich an dem Ja oder Nein vorbeidrückt, hat entweder Mangel an Verstand oder Mangel an Mut.
Der einzelne Volksvertreter, der nicht mit abstimmt. hat seinen Beruf verfehlt. Wenn er sagt, er habe sich bei der Abwägung der Gründe und Gegengründe kein tefttmmtes Urteil über die fragliche Maßnahme bilden können, so stellt er seiner Denkkraft und seinem Fleiß ein schlechtes Zeugnis aus. Mit seinem Ehrenamt hat er die Pflicht und Schuldigkeit übernommen, sich gewissenhaft zu orientieren in den schwebenden Fragen. Reicht dazu seine Geisteskraft nicht aus, so sollte er lieber rechtzeitig auf das Mandat verzichten und Platz machen für seinen Nachfolger aus der Liste.
Nun kann freilich nicht jeder ein Bahnbrecher auf oem Wege der Weisheit und Zweckmäßigkeit sein. Er findet aber Stütze und Hilfe bei feinen Fraktions- genossen. Nach dem gellenden Waylvcrfahren ist er ja nicht als reines Individuum, sondern als Nummer auf der Parteilistr gewählt worden. Er darf also sür seine persönlichen Kenntnisse eine Ergänzung suchen in dem Material und in den Anregungen, die ihm die Fraktionssitzungen bieten.
Wenn nun aber die Fraktion selbst nicht schlüssig werden kann? In einer Genossenschaft von mehreren Dutzend Volksvertretern finden sich natürlich immer kenntnisreiche, fleißige und erfahrene Leute, die ein klares Urteil über die jeweilige Frage sich gebildet haben. Eine ganze Fraktion, die sich der Stimme ent- hält, rann das nicht mit dem Mangel an Kenntnissen entschuldigen. Eine solche Selbstuusschaltung einer ganzen Partei pflegt nur einzutreten, wenn man entweder den häuslichen Zwiespalt bemänteln oder sich der Bcrantwvrtüchkeit entziehen will.
Damit kommen wir auf die zweite Ursache der Stimmenthaltungen: Feigheit. Höflicher ausgr- drückt: Schwäche des Willens, Mangel an Mut zur Uebernahme der Verantwortlichkeit und auf den sonstigen Folgen eines Ja oder Nein. Dieses Versagen der Willenskraft ist mindestens ebenso unschön, wie das Versagen der Geisteskraft. Wer di« Wahl in die gesetzgebende und kontrollierende Körperschaft angenommen hat, muß auch den rollen Mut seiner Meinung haben. Wie für den einzcinen Abgeordneten, gilt das erst recht für eine Fraktion, die ihrer Ausgabe gewachsen (ein will. Wie kläglich ist es, wenn eine ganze Partei erklärt: „Wir sagen nicht ja und wir sagen nicht nein, damit niemand sagen kann, wir wären verantwortlich."
Im jüngsten Falle, als dir Deutsche Volks- partei sich bet der Abstimmung über das Vertrauensvotum enthielt, handelte es sich um nichts geringeres, als um den Fortbestand der gegenwärtigen Regierung. Da die Volksvertretung über Sein oder Nichtsein der Minister zu entscheiden hat, muß sie ein Urteil abgeben über deren Tauglichkeit oder Untauglichkeit. Wer die betreffenden Minister für ungeeignet hält, muß mit Nein stimmen, um für bessere Kräfte die Bahn frei zu machen. Wer dagegen einen Regierungswechsel für nicht angebracht hält, muß die bestehende Regierung unterstützen. Eine Regierung muß Deutschland doch haben; vor allem jetzt, wo die schimmsten Gefahren von außen und die größten Schwierigkeiten im Innern zu bewältigen stnÄ. Also gebietet der Patriotismus: Entweder stürzen, wenn sich eine bessere Regierung bilden läßt, oder stützen, um die gegebene Regierung zu stärken.
Die Deutsche Dolkspartei wollte den Sturz nicht oeranlworten, aber auch nicht mit der Unterstützung
Der Ring der Nurarncrja.
Roman von Käte van Becker.
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„Hm — ja, ja, ich weiß; ich sage auch schon nichts.' Brummte der alte Herr begütigend. „Reden wir nicht weiter darüber. Sagen Sic mir lieber, ob Sie Erfolg hatten mit Ihren Gesuchen nach Stunden? Wie geht es dem kleinen Werner?"
Die Röte, dir schon im Abblasien war. schlug wieder hell m dem jungen Gesicht auf. „Dl), der Junge war zwar sehr ungezogen, aber ich hätte ihn mir doä) schon ganz gut zur Hand gezogen. Ich glaube, er hatte mich lieb, — aber der Baler kümmerte sich zu viel um die Stunden. Ich konnte nicht, — ich mußte, — ich habe sie aufgegeben.* — „So, so!* Der Geheimrat ballte heimlich die Faust. „Ich kenne den lieben Herrn, — ich war gleich nicht für Annahme der Stunden.* — „Ich muh und will aber doch verdienen* — „Ra ja, na ja, deshalb bm ich eben gekommen. Sie müssen überhaupt aus dieser rauhen Lust l, raus. Sie brauchen Wärme, Sonne, Erholung. Wenn es auch sonst vielleicht kein Paradies sein wird, aber darin hat es seine Vorteile. Hören Sie mal zu. liebes Kind!*
Und nun beachtete der Geheimrat von der Stellung bei Frau von ^ebanoff. 3n die mit gespannter Erwartung an seinem Munde hängenden dunklen Augen trat ein leuchtender Glanz. „Ein krankes, liebebedürftiges Kind. Oh, das ist ja wie ein Gottesgeschenk!* „Na. na! So ganz Gottesgeschenk wird es wohl nicht fein; der gute 2lli.x hat ganz empfindliche Launen und feine Familie besteht «id>t aus flöleblafenden Engeln", lachte der Geheimrat. „Bloß, mein liebes Baroneßchrn, m:r. den Sie sich auch darein finden, daß Frau von Leba- noff Sic nicht als Standesgenosiin betrachten will und wird?*
„Dh, lieber Herr Geheimrat, Sie wisien, wie wenig Wert ich auf meinen Titel lege, und wie wenig er mir such nützt. Er schadet eh:r, und wenn Sie meinen Na. pien noch nicht genannt Haden, so möchte ich Sie bitten. : mich einfach unter dem Namen meiner Mutt r, als Ma Ue Fourriere. «inzusühren Ich haoe vsnn viel freiere ‘
sich belasten. In einem demokratischen Staatswesen darf matt nicht auf einen solchen Ausweg sich drücken wollen. Der Zweck wird auch nicht erreicht, denn unter den vorliegenden Verhältnissen bedeutete die Stimmenthaltung tatsächlich eine Unterstützung der Regierung Wirth und ihrer Politik der Erfüllung, sodaß die rechtsradikalen Agitatoren der Demschen Volkspartei zurufen können: Ihr frid doch mitschuldig an den Lasten, die uns die Ultiimatums-Regierung auferlegt, denn ihr habt ihr das Dasein verlängert.*
Nein, die Stimmenthaltung darf keine Mode werden, weil sie auf Schwachheit des Geistes oder auf Feigheit beruht. Für die einzelnen Abgeordneten und auch für die Fraktionen muß die Regel gelten: Eure Abstimmung fei Ja oder Nein: was dazwischen liegt, ist vom Ucbel!
Der deutsche Selbstschutz in Oberschlesten.
Plättermeldungen zufolge erklärte der Kommandant der englischen Verstärkungstrnppen in Oberschlesien dem Führer des deutschen Selbstichutzes, General Höfer, daß er ausführendes Organ der interalliierten Kommissi on sei und er und seine Truppen keine eigenen Vollmachten hätten. Er fei verpflichtet, dem deutschen Selbstschutz vorläufig jedes weitere Vordringen zu untersagen. Ein Gleiches werde aber auch von den Insurgenten verlangt. Falls letztere dem Befehl nicht nachlommen, würden überall dort, wo sie angreifen, englische Truppen eingesetzt werden.
Polnische „Requisitionen".
Am 4. Juni erschienen etwa 200 bewaffnete Aufständische tn der Händlerfchen Brauerei in Hindenburg und durchsuchten die ganze Brauerei und die Wtrtschaftsräume. Sie erklärten, die Vorräte für das polnische Rote Kreuz adfahren laffen zu müssen. Es wurden nicht nur die Biervorräte, sondern nahezu alles, was man sonst an Eß-, Trink- und Rauchwaren vorfand, auf einem Wagen fortgefahren.______________ ____________
Die Entwaffnung der bayerischen Selbstschutz-Organisationen.
Der bayrische Entwaffnungskommiffar erläßt nunmehr die öffentliche Aufforderung an die bayerische Einwohnerwehren, die Waffen unter Einhaltung der festgesetzten Fristen unverzüglich abzuliefern. Er verweist dabei auf die schweren Folgen, wenn dem Beschluß der Leitung der Einwohnerwehren, die Waffen freiwillig abzuliefern, nicht auch von den einzelnen Wehrleuten Folge geleistet würde.
Die bayrische Einwohnerwehr beschloß, die Entwaffnung freiwillig durchzuführen und die Ablieferung an die Reichstreuhandgesellschaft so rechtzeitig erfolgen zu lassen, daß die von der interalliierten Militärkontrollkommission vorgeschriebenen Fristen eingehalien werden können.
Kommunisten-Prozeffe.
Der Vorsitzende der Vereinigten Kommunistischen Partei Deutschlands, Heinrich Drandler, wurde vom Berliner außer- ordenLichen Gericht zu 5 Jahren Festungs- haft verurteilt. In dem Urteil heißt es, daß durch die Aufrufe der Zentrale der Partei in der „Roten Fahne* und in Flugblättern eine gewaltsame Aenderung der Verfassung angebahnt werden sollte. Der Angeklagte habe sich einer Aufforderung zum Hochverrat in Verbindung mit Aufhetzung schuldig gemacht. Der Angeklagte habe jedoch nicht aus ehrenrühriger Gesinmmg gehandelt, sondern sei überzeugt von den kommunistischen Idealen.
und unbefangene« Bewegung und — ich glaube, mel. nein Vater würde es auch so lieber fein.* — „Ich verstehe, verstehe vollkommen und finde es sehr richtig. Ihre Stellung wird dadurch viel einfach und bequemer, für Sie und auch für Frau von ßebanoff. Nein, ich habe Ihren Namen noch nicht genannt, das geht also ohne Schwierigkeit. Wären Sie bereit, noch am heutigen Tage in Ihren neuen Beruf einzutreten?* — „Ja, mich hält hier nichts, und meine Habe ist rasch zusammengepackt.* — „Dann lasse ich Ihnen eine halbe Stunde Zeit, hole Sie dann ab. um Sie zu Frau von ßebanoff zu führen, und bespreche unterwegs mit Ihnen noch alles, was über diese Sache zu besprechen ist. Kopf hoch!* —
Als Karin und Ebba von ihrer sehr lange ausgedehnten Autofahrt zurückkehrten, sanden sie die Jungfer schon mit dem Packen der Koffer beschäftigt „Frau Ba. ronin hat gesagt, daß wir noch in dieser Nacht abfahren. Das neue Fräulein für den jungen Herrn Baron ist an. gestellt und kommt schon um acht Uhr. Frau Baronin sagt, daß uns dann nichts mehr hielte.*
„Ausgezeichnet!* nickte Ebba. „Je eher wir aus dieser Barbarenkälte hcrauskommen, desto bester. Ich habe von dem rauhen Winde eine ganz rote Nase bekommen. Es war eine verrückte Idee, bei dem Lüftchen im offenen Auto zu fahren, Karin, ganz rücksichtslos gegen unseren Teint* — „Meiner verträgt es,“ lächelte Karin ungerührt. — „Du denkst immer nur an Dich! Deine Samt- Haut mag cs vertragen, meine nicht, ffuni, wie steht denn die neue Samariterin aus?* — „Oh, gnädiges Fräulein!* Suni hielt im Packen ein und machte ein Gesicht, in dem ganze Romanbände von M tteilungs. durst lagen. „So eine haben wir noch nie gehabt! Wie eine verwunschene Prinzestin! Wissen gnädiges Frau- j lein, so eine auf der Erbse, so fein und zart, zum Zer- ! brechen- Aber sie hat den jungen Herrn gehoben, als wenn er ein Federchen wäre. Kräfte hat sie also. Und der junge Herr ist gleich ganz begeistert gewesen *
Die Schwestern gingen in das Empfangszimmer. Frau von Lebanoff, die eben auch eintrat, seufzte und ihre Augen wanderten ruhelos hin und her „Wir können wenigstens noch heute in der Nacht reifen, vorwärts kommen, in ein besseres Klima. Alex hat cs so not-
Der Prozeß Hölz.
Der Termin der Verhandlungen gegen Hölz vor dem Derüner Sondergericht ist auf den 18. Juni festgesetzt worden. Hölz wird sich wegen 50 Straf- ta ten, die er zur Zeit des Aufruhrs in Milteldeutsch- Ictti) begangen hat, zu verantworten haben.
Eine Grotzsrganisatton
„Deutsche Postgewerkschaft', wirb am 1. Juli mit dem Sitz in München ins Leben treten. Sic wird getiKret aus dem bayerischen Post- verband, Würiiemberoischm Postverband und der Deutschen PostMverkschast Berlln. Die Deutsche Post- gewerkschaft ist dem ®efatntDcrbanb der deutschen Beamten- und Äaatsanaestellten-Gewerkschaft und damit dem Deutschen Gewerks chastsbund (Vorsitzender Ministerpräsident Stegerwald) angeschloffen.
Die neue Groß-Organisation ist interkonfessionell und parteipolitisch neutral; sie umfaßt die in den Gehaltsklassen II bis VI der Reichsbe- fofbungsotbnung befindlichen unb daraus her- vorgsgangenen Beamten, sowie die Angestellten, Handwerker und Arbeiter im PofL-, Telegraphen- und Krastwagendienst des Reiches. Durch dies« grundsätz- kiche Einstellung und zweckmäß'ge Abgrenzung des Mitgliederkreifes ist die Gewähr gegeben, daß die Deutsche Postgrwerkschaft die Interessen des sog. unteren Po st Personals erfolgreich wahrst wird.
Aus dem besetzten Gebiet.
• Das gefährliche deutsche Sieb. Da? Verbot be- ftimmter deutscher Lieder im besetzten Gebiet wird mit einer Schärfe durchoeführt, die geradezu lädier« lich ist. Die französische Gendarmerie läßt sib keine Gelegenheit entließet*, um fangeSluftige Rheinländer, die eS wagen, diese Lieder zu fingen, als Verbrecher abzuführen. So wurden neuerding» zwei Bergleute au» dem Kreise Ottweiler in da» ffaiferlautener Gefängnis eingeliefert.
* Drakonische Fremdherrschaft. Auf Befehl de» kommandierenden General» des Düsseldorfer Brückenköpfe» ist da» Erscheinen des «Düsseldorfer Tageblattes' anfvierTageverbotcn. Der Chefredakteur Franz Weber wurde zu vier Tagen Gefängnis und taufend Mark Geld» strafe verurteilt. Er wurde beschuldigt, er habe in sein Blatt Aussätze ausgenommen, die verdächtige und feindselige Absichten gegen die Besatzungstruppen erkennen netzen und habe lügenhafte und verleumderische Angriffe gegen die BesatzungStrupven gerichtet, bte an- getan seien, der Sicherheit der Truppen Abbruch zu tun.
MWer Mfflg.
Temperamentvolle Etats-Debatte.
Aus der Tagesordnung der Montagssitzung des preußischen Landtages steht die erste Beratung des Haushaltsplans für 19 21. Die Etatsberatungen, die sich eigentlich nur mit den Einnahmen und Ausgaben des laufenden Rechnungsjahres zu befaffen haben, bieten mancher Partei und manchem Redner willkommene Gelegenheit, all das, was man im Laufe des Jahres auf Etourtb der Geschäftsordnung gegen feinen Willen im Innern verwahren mutzte, wohl- und planlos an den Mann zu bringen.
Dem ersten Redner des Tages, dem Mehrheitsfoz. Braun, lag anscheinend viel daran, die bislang ungeklärte KriegsfchuKftwge in den ihm als Redner der ersten Garnitur zugestandenen % Stunden klarzustellen. So schlug er eine zeitlang auf die Rechtsparteien ein, fand dann «ich passende Wörter zu unpassenden Einzelheiten im Haushaltsplan. Schließlich verlangt der Redner sofortige Vorlegung der Berwalürngsresorm im Sinne der De. sestiMng des republdkunischen Gedankens. Zum Schutz
wendig und ich auch. Ich bin wie zerbrochen. Solche Unruhe und Aufregung macht mich gatij elend* — „Mama, Du haft Ersatz gefunden und hoffentlich guten; der Geheimrat empfiehlt nichts Schlechtes.* meinte ffa. rin. — „Dl—nein — nur —! Es war aber auch gar nichts zu machen, Alex war ganz begeistert Erft sah er sie mit großen Augen an, ganz starr, — das war nun freilich nicht so verwunderlich, den sie ist leider ein entzückendes Persönchen —* „Aber, Mama, leider?*
„Ja, sie sieht wie unsersgleichen aus, und sie hat auch im Auftreten und Benehmen etwas, das nicht eine Spur untergeordnet ift* — „Aber, Mama, eine solche Person hätte ich nun doch nicht genommen. Da hättest Du lieber warten sollen*
„Sie ist bescheiden und zurückhaltend, aber es gibt eine Art, eine uneri.ärbare, die die Dame kennzeichnet, der man nicht bas zumuten kann, was man anderen zumutet, die unwillkürlich Rücksichten aufzwingt. Es ist mir sehr unangenehm *
„Ach, Mama, wenn Deine augenblickliche Aufgeregt' beit da nur nicht sieht und fühlt, was gar nicht vorhanden ist! Hat sie sich denn nicht zu allen notwendigen Dienstleistungen für Alex bereit erklärt?* — „Doch, mit größter Bereitwilligkeit, und der Junge, — nur einmal hat sie ihm mit der Hand über die Haare gestrichen — mit einer Hand, fo fein und schön, wie ich sie selten gefeiert habe —, nur ihn berührt, und da hat er aufge. strahlt, beide Arme um ihren Hais geworfen und gesagt: „Die will ich, die muß bei mir bleiben, immer, die hab' ich lieb!* Denkt nur, Alex, der gar nicht leicht zugäng- lich ift! Ich glaube, der Junge wäre in Krämpfe gefallen, wenn ich sie ihm nicht gelaffen hätte. Er wurde schon ganz aufgeregt, als sie nur soriging, um ihre Sa- chen zu ordnen. Es blieb mir gar nichts anderes übrig, als sie zu nehmen. Sie hätte Bedingungen machen können, wie sie wollte. Aber sie war auch darin sehr anständig. nichis von Ansprüchen mit Vergnügungen und freier Zeit und dergleichen, nur ein eigenes Zimmer und ein ziemlich hohes Gehalt; aber das hatte schon der Geheimrat vorher ausgemacht, und das ist ja schlietzlich auch Nebensache. Wenn sie bloß nicht fo wunderhübsch und eigenartig wäre!*
noch schnell einen temperamentvollen Nachruf der „ewig toten“ Monarchie, den die Rechte mit entsprechendem Geheul beantwortet und dann verläßt Stegerwalds Bor» ganger das Rednerpult.
Ihm folgt der Zentrumsabg. o. Popen, der ohne auf den Krieg und ähnliches Unheil einzugehen, sich sofort und in wirkungsvoller Art mit dem Etat beschäftigt. Er wünscht, daß die preußischen Finanzen auf den Boden äußerster Sparsamkeit und der Erhöhung der Einnahmen aufgebaut werden. Alle Ausgaben müssen nach ben Gesichtspunkten geprüft werden, ob sie dem Wiederaufbau bienen. Preußen bedarf der Vereinfachung der Dermal- tung, die Grundsteuer muffe den Gemeinden verbleiben. Auf diesen Standpunkt habe sich im wcst- fälischon Prooinziallandtag auch die Sozialdemokratie gestellt. Wenig erfreulich sei das allgemeine BiD des Bergetats. Dennoch erforderte die Bilanzierung des preußischen Etats äußerfte Steigerung der Ertrags- fähigke t bet Berg- und Hüttenwerke. Redner schloß mit dem Wunsche und unter bem Beifall seiner Freunde, daß Preußen den Kommunen, den Sandern und dem Reiche mit der Ordnung seiner Finanzen nach sparsamsten Grund- sätzen Dorbild werden möge. Doraussetzung dafür sei und bleibe allerdings, daß endlich der internationale Rechtsboden wieder hergestellt werde, daß die Sanktionen sofort aufgehoben würden und Oberschlesien ungeteilt bei Preußen verbleibe.
Der deuuschnattonale Hon v. d. Osten begann feine Ausführungen mit einer Polemik gegen ben Mehrheits- sozialisten Braun. Es fei kaum zu verstehen, meinte er, wie ein Mann, der auf ben Höhen des politischen Lebens stand, und in manchen Fragen wirklich großen Weitblick bewiesen habe, in solcher Stunde derart zum Parteimamt herabsinken fönna Seine Freuinde würden den Etat gründlich prüfen, aber auch so rasch wie möglich verabschieden. Der preußische Finanzminister müsse dafür sorgen, daß die Gruichbesitzsteuern nicht auch noch dem Zugriff des Reiches unterlieg«. Wir müssen wieder zu einer aktiven Handelsbilanz kommen. Die weiteren Worte des Redners galten der preußischen Landwirtschaft.
Ihm folgte der deutsche Dolksparteiler Dr. o. Dichlor. Auch bei ihm dauerte es einige Minuten, bis er sich und das Haus von der „Kriegseinleitung* zur Etatsbefvre- chung hinübergoleitet hatte. Im übrigen betonte der Redner, daß Preußen In dieser ernsten Stunde das Rückgrat und der Eckpfeiler des Reiches bleiben muffe.
Der Komimimst Dr. Meyer regt sich vor allem über die großen Ausgaben auf dem Gebiete des Heer- unb Polizeiwefens auf. Man kann sich leicht klar machen, daß solche Ausgaben den Kommunisten am wenigstem sympathisch sind. Nur sollte Herr Meyer nicht ver- geilen, daß die Polizei leider infolge kommunistischer Unruhen unbedingt in der bisherigen Stärke nötig ift.
Es folgen noch zwei Neiden, die des Abg. Leid (U. Soz.) urtb des Demokraten Oes er. Der letzteren kam erhöhte Bebeuhmg zu, da sie die grundsätzliche Bereitwilligkett der emokratischen Partei zu einer Regienmgs- erroeitenmg aussprach. Damit ift die erfde Rebnergamirur erschöpft.
Ministerpräsident Stegerwald erklärte, daß er beim Reichskanzler energisch tn der oberschlssischen Frage vorstellig und gleichzeitig seftstellen würde, daß die Entente in ihrer Schutzvcrpslichttmg versagt habe. In der Frage der Benvaltungsreform würden die grundlegenden Gesetze über die Kreis- und ©emeinbeoerorbnungen bis zum Herbst fertig werden. Experimente könne man vorher nicht gut machen. Die Grundsteuer müsse den Ländern imb Gemeinden zugute kommen. Die 11 m b i l- bunq der Regierung haste er angesichts der großen limwälzunaen die uns noch bevorstehen, für erwünscht und wirffchafUich notwendig. Angesichts der ablehnenden Haltung der Sozialdemokraten bei feiner zweien Wahl zum Ministerpräsidenten könne er jedoch die anderen Parteien nicht vor ben Kops stoßen. Wenn die Frage geklärt sei ,wer bet zukünftige Ministerpräsident fein werde, dann werde er seine Aufgabe als gelöft betrachten und z u r ü ck- treten, nicht aber vorher, da er der Welt nicht wieder das Beispiel einer fünfwöchigen Zänkerei um die Frage der Regierungsbildung bieten werde.
Finanzminister SSmisch erklärte sodann, daß in der Frage bet Reichssteuergesetze noch in dieser Woche rin Ausschuß von sechs Mitgliedern der Länder mit bem Reichs- finanzminister zusammentreten werde.
Nach wetteren Auseinandersetzungen des Abg. Biester (Welse) und des Abg. Leinert (Soz.) über die Bestrebungen zur Errichtung eines selbständigen Helfenftaaies vertagte das Haus die Weiterbcratung auf Dienstag.
Dabei sah Frau von Lebanoff so verzweifelt ans, baß nun doch beide auflachten. „Ich gehe, mir die Wunderbare mal anzusehen, um mir ein eigenes Urteil zu bilden, — ganz unparteiisch, ganz ohne Begeisterung,* erklärte Ebba Als sie nach kurzer Zeit wiederkarn, ließen beide ihre Bücher sinken, in denen sie geblättert hatten, und selbst in Karins Blick lag eine gewisse Spannung. „Nun?" fragte Frau von Lebanoff.
Ebba wiegte nachdenklich ben Kops und setzte sich bann neben die Mutter. „Sie gefällt mir, Mama, und Du hast recht: sie macht ganz den Eindruck einer Dame, trotzdem sich kaum sagen läßt, woran das liegt, beim sie ist gar nicht anmaßend Der Junge sieht sie immer ganz verklärt an. Ich kann machen, was ich will, ich bringe ihn wohl mal zum Lachen, aber so zutraulich, so, ich möchte sagen, zart, wie er mit der umgeht, ist er mit mir nie. Ganz lächerlich! — Du, Mama aber ausfallend hübsch finde ich sie nicht. Die Hände sind bezaubernd. Ich habe doch auch nicht üble Hände, aber ihre sind noch schöner, wie modelliert, Meisterwerke! Aber sonst? Ein bißchen verhungert sieht sie aus, blaß, bis auf ben Mund, der ist köstlich rot und weich, und die Augen sind hübsch, mtt so einem eigentümlich sehnsüchtigen Blick Aber so etwas sicht man doch oft Ich begreife Dich nicht, Mama!"
Frau von Lebanoff runzelte b:e Stirn. „Das verstehst Du nicht, Ebba; diese kleine Person hat einen Reiz, der sich nicht durch bas Aufzählen von Aeußcrlichkeite» ergründen läßt, er liegt im ganzen über ihr.*
(Fortsetzung folgt.)
— Die Handelsmark.n sind nach neuesten Forschungen fo alt tote die Industrie des Menschengeschlechts. Man fand, daß Alt-Babylon schon Schutzmarken in Symbolen batte, nn> bte C nnesen bebaup en, schon taufenb Jahre vor dirifh Geburt Handelsmarken gehabt zu haben. Gutenberg, der E sinder der B.tchdrilckerkuui't, führte w:gen einer Handelsmatke einen Peo;eß, und der Geb'auch einer nnterscheidenden Marke wurde schon im Jahre 1300 von dem englischen Parlamente anerkannt. ko#