Fuldaer Zeitung
0.*+ Druck der Anldaer Aetiendruckerei ht Fnlda
Montag, 6. Auni ISA.
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sammenbleiben werde. Wenn er bis zum Wtgust tagen würde, sei die Möglichkeit der Erledigung gegeben. Auf eine Anfrage des Dr. Becker (DD.) nach den Ausführungsbestimmungen zu den Dorschristen der Novelle zum Einkommensteuergesetz beir. die Forderung des Kleinwohnungsbaues und die Steuerfreiheit für Erneuenmgsfonds und Ersatzbeschaffung antwortete der Regierungsvertreter, daß die Dorarbeiten nahezu abgeschlossen seien. Der Ausschuß für die Ausfüh- rungsbestnmnungen werde übernächst einberufen werden. Abg. Dr. Heisser ich (DN.) rügte, daß einzelne Finanzämter bei der gesetzlich vorgeschriebenen Stundung des Rotopfers für Kleinrentner mst großer Härte auf der Stellung von Sicherheiten bestehe, herauf erwiderte Ministerialdirektor von Laer, daß das Reichssinanzministerrum Anordnungen erlassen habe, um solche Härten zu beseitigen.
Miesbach toteri den Reichstag, die Luxussteuer für Lederhosen aufzuheben.
* Für die olle Handelsflagge. In Bremen und m Hmnbmg haben große Bersanrmlungen von Schiffahrtskreisen stattgefunden, die flch für Beibehaltung der alten Handelsflagge ausgesprochen haben.
* Generalstreik in Norwegen. Seit Freitag nacht herrscht in Norwegen Gener alstrerl. der feine Ursache in der Erfolglosigkeit der Verhandlungen zwischen den norwegischen Seeleuten und den Reedern wegen eines neuen Lohnabkommens hat.
• Das Recht zu schimpfen, — am Telephon nämlich — haben sich die Bürger des Staates Missouri im freien Lande Amerika erworben. Wir denken an heimische Zustände, wenn wir hören, daß dort die Beleidigungsklagen der gekränkten Telephonistinnen gegen die Teilnehmer, die jede parlamentarische Ausdrucks, weise am Telephon mißachteten, derartig zugenommen haben, daß sich die Regierung veranlaßt sah, eine be. grenzte „Schimpffreiheit" in Missouri einzuführen. Ein- mal wenigstens darf nun der verzweifelte Bürger, der ob Falschoerbinbungen oder ähnlicher telephonischer Quä* lereien ergrimmt ist, seinem Temperament in wenig schmeichelhaften Worten Ausdruck geben.
Dank. v
Schließlich wollen wir noch darauf aufmerksam ma- chen, -daß auch Kinder angeschlossen werden können, deren Wern bereit sind, die 300 Mk. für das Kind betragenden Derpflegungskosten ganz oder zum Teil selbst'zu bestreiten. Die Anmeldungen hierfür müßten bis zum 20. Juni d. 3. erfolgen.
Fulda, den 10 Mai 1921.
Freiherr von (Sagern. Dr. Antoni. Karl Arnd.
Reihert Dr. Raabe. Köhler.
Deutsches Reich.
* Ein Reichskommissar für die Arbeitslosen? Das Problem der Arbestslosenfürsorge wird immer dringender. Im Schoße der Reichsregierung prüft man die Frage, wie der Arbeitslosigkeit, namentlich unter dem Gesichtspunkte der Nutzbarmachung aller Kräfte für die Produktion beizukommen sei. Der volkswirtschaftliche Ausschuß des Reichstages hat sich mit bissen Fragen in den letzten Tagen eingehend beschäftigt. Man denkt an einen zwangsweisen Schichtwechsel in der Privatindustrie, am den Arbeitslosen Erwerbsgelogenheit zu geben. Es ist nun von sozialdemokratischer Seite angeregt worden, einen eigenen Reichskommiffar für die Bearbeitung des Problems der Arbeitslosigkeit emzusetzen und diesem Kommissar weitgehende, ja selbst diktatorische Dollmacht zu geben. Eine Entscheidung über diesen Antrag steht noch aus. Die Regierung hat sich über die Frage noch nicht schlüssig gemacht. Auch uns erscheint es notwendig, diese völlig unproduktive Posten, die dem Reiche und damit der Gesamtheit des Volkes durch die Ausgaben für die Erwerbslosenfürsorge erwachsen, so rasch als möglich eingestellt werden. Aller- dkngs scheint uns ine Schaffung eines neuen Reichskommissar-Po st ens dafür das unge- eignetfte Mittel zu fein.
(h) Die Novelle zum Einkommensteuergesetz. In der Sitzung des Steuerausschusses vom 3. Juni erkundigte sich der sozialdemokratische Abg. Keil nach dem Zeitpunkt der Einbringung des Lohnsteuergesetzes, dessen Erledigung nach früheren Zusagen bis zum 1. Juli erfolgen soll. Staatssekretär Zapf wies in seiner Erwiderung auf die großen Schwierigkeiten der Materie hin. Im übrigen sei die Erledigung von dem Umstand abhängig, wie lange der Reichstag setzt zu-
Aus dem llachdargediet.
Ä Hersfeld. Der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Hauschild-Kassel teilte in einer Parteikonferenz mit, daß der neue Minister des Innern beabsichtige, den Landratsposten in Hersfeld alsbald mit einem Sozialdemokraten zu besetzen. In Vorschlag seien gebracht Dr. Theiß-Kassel und Parteisekretär Schnabrich-Hersfeld.
— Gießen. Am Donnerstag, den 2. Juni fand hier im kalb. Vereinsbaus eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Herr cand. rer. pol. Müller- Marburg einen fesselnden Vortrag über „Student und Auslandspolitik" hielt, wobei er auch die Auf- gaben der auswärtigen Diplomatie, die Handels«, Seeschiffahrts- und Kolonialpolitik, sowie die Stellung der Ausländsdeutschen und die Auswandererfrage behandelte. In der folgenden Besprechung wurde die Wichtigkeit intensiver politischer Schulung hervorgehoben und hierauf eine studentische Ortsgruppe her Zentrumspartei, besonders zur Veranstaltung von Vortragsabenden gegründet. Vorsitzender wurde Herr cand. ehern. Hofmann- Gießen, Wolfstraße 12 II.
mo. Frankfurt a. M. Die Frankfurter Kriminalpolizei war im letzten Monat stark beschäftigt. Sie mußte 782 Personen festnebmen, darunter 41 steckbrieflich verfolgte, 842 Diebstähle, 261 Einbrüche wurden hier gemeldet, 136 Betrugsfälle, 77 Unterschlagungen, 18 Hehlereifälle, 20 Schleichhandelssälle und nicht weniger wie 41 Münzverbrechen kamen zur Anzeige. Außer- dem ereigneten sich 2 Raubanfälle, 3 Mordversuche und 15 Selbstmorde. Die Sittenpolizei mußte bei 144 Vergehen eingreifen.
*e Heiligenstadt. An VergiftungSerschei- nungen erkrankten mehrere hiesige Einwohner, welche sogen. Enzianlikör getrunken hatten. Die Personen sind nach dem Genuß des Likörs nach ganz kurzer Zeit bewußtlos zusammengebrochen und wurden von Tobsuchlsan-fällen befallen. Zur Zeit sind die Personen jedoch außer Lebensgefahr.
Löffler, Kl.: Die Fuldaer Klosterbibliothek. 8. JL 1919.
Meyer, B.: Gleit- u. Segelflug-Wettbewerb m de Rhön. S. A. 1921.
Oesterreich, I.: Die arme Rhön. Hamb. 1919.
Rasenberg er-Koch, F.: Der neue Weg (betr. die Schule in Loheland). Dresd. 1919. S. A.
Rhön, Die, in Wort und Bild. Fulda 1920.
Rhön, Die. Monatszeitschrift fttr den Rhönklub. Eisenach". Jg 9. 1920.
Riedesel z. Eisenbacl^, A. Frh. v.t Aus dem Vogelsberg, Marb. (1920.)
Schneider, J.: Führer durch die Rhön. Würzb. 1920.
Schottler, W.: Der Vogelsberg. Braunsehw. 1920.
Stern, F.: Main-Spessart-Rhön. Marb. 1920.
Urkunden buch des Klosters Fulda. Marb. Bd 1, L 1913.
Verzeichnis
von Neuanschaffungen der Landesbibliothek zn Fulda
aus dem Jahre 1920/21.
(Schluss.)
X. Fuldensien.
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Geschichtsblätter, Fuldaer. Fulda. —- Jg 14. 1920.
Goepfert,G.: Castellnm . . . [betrifft auch Hammel- bnrg.] Würzbg. 1920.
Haas, Th.: Alte Fuldaer Markbeschreibungen. 1—13.
(Fulda 1911-21.)
Kahle’s Höhenschichten-Karte der sfldl. Rhön. Eisenach 1920.
Kunstdenkmäler, Die, von Unterfranken. Mch — H. 10 (Kissingen.) 1914.
Leben des hl. Bonifazius . . ., der hl. Lioba u. des Abtes Sturmi. Uebers. v. M. Tangl. U. 1920.
werden können.
Der Erfolg der Kur bei den Ferienkolonisten war durchweg wieder ein recht guter. Bei vielen ist eine völlige Heilung ihrer Krankheit eingetreten, während bei einer Anzahl, obgleich bei ihnen eine bedeutende Besserung ihres Allgemeinbefindens festzustsllen ist, die Kur wiederholt werden muß. Außer den letzteren sind arme und kranke Kinder angemeldet worden, denen zur Besserung ihres körperlichen Zustandes ein vier- wöchentlicher Kurgebrauch in Orb ober Soden sehr zu wünschen wäre, umsomehr, als die Verpflegung im Clternhause keine so ausgiebige ist, wie es bei dem Zustande der Kinder erforderlich wäre.
Ohne reichhaltige freiwillige Spenden können bte entstehenden Kosten nicht gedeckt werden. Dis jetzt fie. gen schon ärztliche Atteste für eine größere Anzahl von Kindern vor, denen eine Badekur nötig ift Je reicher die Spenden fließen, um so größer wird die Zahl derer, denen die Wohltat einer Badekur zuteil werden kann.
Wir bitten daher wiederholt diejenigen unserer Mitbürger, die uns seither geholfen haben, um ferneren tatkräftigen Beistand, und die der guten Sache noch Fernstehenden, um Zutritt zu unseren Bestrebunge-
Sei träge bitten wir an den Schatzmeister des K< tees, Herrn Rechnungsrat Köhler ober einer der übrigen Komiteemitglieder gelangen zu lassen.
Allen denjenigen, welche unser Bestreben fetther unterstützt haben, sagen wir hiermit unseren herzlichen
Vi» Freispruch in Dem Leipziger Kriegs» beschuldigten-Prozetz.
AIS vierter .Kriegsverbrecher" hatte sich auf Grund der vom Verband überreichten Liste derKaPitän- leutnant a. D. Neumann, jetzt Kaufmann in Breslau, vor dem zweiten Strafsenat des Reichsgerichts zu verantworten. Ihm wird vorgeworfen, daß er am 26. Mai 1917 im Mittelmeer als Kommandant deS Unterseeboots 67 das englische, von mehreren Unterseebootszerstörern begleitete Hospitalschifs Dover Cast le torpediert habe. DaS Schiff hatte 141 Mann Besatzung und 632 Kranke an Bord. Der Angeklagte gab zunächst einen Torpedoschuß auf das Schiff ab, dos sich auf die Seite legte. Er ließ dann der Besatzung eineinhalb Stunde Zeit, die Retinngsarbeiten auszu- führen. Dann erhielt die Dover Castle einen zweiten Schuß, der sie sofort zum Sinken brachte. Im ganzen sind sechs Personen ums Leben gekommen.
Des Gericht sprach den Angeklagten frei. In der Begründung des Urteils beißt es: Maßgebend ist, daß der Angeschuldigte in den Grenzen des ihm erteilten Befehls handelte und daß der Untergebene durch den Befehl feines Vorgesetzten gedeckt ist. Im Recht sämtlicher Kulturstaaten ist dies anerkannt. DaS deutsche Gesetz ist in dieser Hinsicht strenger alS andere Strafgesetze. Irgendeine Grausamkeit, chie es in den An- ichuldigungen der Alliierten heißt, ist nicht er- eief en.___
Die sozialistische Bergarbeiter
und die Sozialisierung.
Am 6. Berhandlungstag des in Gießen tagen- den Bergarbeiterkongresses sprach der sozialdemokra- tffche Reichstagsabgeordnete Huä über die Sozialisierung im Kohlenbergbau. Die So- ziÄisierungsftage habe eine weltpolitische Bedeutung. Die unerhörten privaten Kapitalver- taiftungen der letzten Zeit, die bald einen übermächtigen Staat im Staate bilden würden, forderten die Sozialisierung der volkswirtschaftlich wichtigen Berg- werksindustrie im Interesse des ganzen Volkes. Die Sozwlisierung bedeute vollkommene Uebertragung der Verfügungsgewalt über die ganzen Bodenschätze an die Allgemeinheit. In England, der Tschecho- Slowakei, in Belgien und Frankreich werden die gleichen Bestrebungen verfolgt. Höchste Arbeitswilligkit würde die Folge der Sozialisierung der Bergwerke sein. Die Dergarbeiterschast wolle statt Ausbeutung die foziakistische Gemeinwirtschaft.
Borläufig wird es gut fein, in Deutschland nicht so sehr barauf zu rechnen, daß in den Ententeländern mit der Sozialisierung der Bergwerke Ernst gemocht werden wird.
Die Strohhut- Wäsche für 1,50
Unter den Händen wird der schmutzigste und vergilbteste Strohhutblütenweiß und wie neu des der Behandlung mit dem verbessertenStrobin mit seiner verblüffenden Bleichkraft Verlangen Sie bitte ,
in Drogerien und Apotheken ausdrücklich die neue Packung mit Aufdruck Mk. 1,50.
Aufruf.
Seither hoben wir allährlich einen Aufruf zur Spendung von Beiträgen erlassen, um mit deren Hilfe unbemittelten Kindern, welche durch schlechte Wohnung, mangelhafte Derpflegung und schwächliche oder skrophu- löse und rachitische Körperanlage in Gefahr sind, be. drohlicher Krankheit zu verfallen, auch Rekonvaleszenten von schweren akuten Krankheiten durch mehrwöchigen Aufenthalt in gesunder Luft durch entsprechende Der- pfkegung und den Gebrauch von Badern, dauernde Kräftigung und Widerstandsfähigkeit des Körpers zu verschaffen. , ' 1
Infolge dieses Aufrufs und durch die abgehaltenen Hauskollekten sind von Wohltätern aus hiesiger Stadt und Umgebung in 1930: 3 967,20 Mk. angegangen. Es sind im verflossenen Sommer 37 (im vorgehenden 35) arme und elende Kinder zum Gebrauche einer Badekur in den Badern Soden bei Salmünster und Orb während der Dauer von vier Wochen untergebracht worden, was einen Kostenaufwand von 5 500 Mark verursacht hat. . , „
Wenn uns nicht durch eine Stiftung und durch Zu- Weisung vom Kreise und von der _®tabt Fulda Mittel zur Verfügung gestellt worden wären, hätten die im Vorjahre zur Anmeldung gebrachten kranken armen Kindern der Wohltat einer Badekur nicht teilhaftig
. Heue Bücher.
Berufsstudium und „Allgemeinbildung" aus der Uni- versttSt. Don Prof. Dr. Th. Litt. 55 Seiten. Geheftet M. 3,—. Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig. 1920.
Mit Recht begründet der Verfasser, der Nachfolger Sprangers auf dem Lehrstuhl m Leipzig die Notwendig- feit eines Festhaltens an den streng methodischen Grundlagen der wissenschaftlichen Ausbildung. Er zeigt aber anderweit bte Wege, auf denen von eben dieser Grundlage her zu einer umfassenden tuftur.' und sozialphilosophischen Betrachtung emporgestiegen werden kann. Nm so wird die Universität, ahne ihren eigentümlichen Charakter aufzugeben, dem Bildungsbedürfnis der Zeit entgegenkommen.
Die Rechts- und iusbesondere die VermSgensfShigkett des Apostolischen Stuhl« nach internationalem Recht von Dr. Arthur Wynen P. S. M., Advokat am Trttnmal der Römischen Rota. Freiburg L Br. 1920, Herder. M. 8.80 und Zuschläge.
Verfasser sucht, gestützt auf Theorie und Pmxis des Völkerrechts, nachziuweisen, daß dem Apostolischen Stuhle die Rechts- und insbesondere die Dermögensfähigkeit nach den Grundsätzen des Völkerrechts zttkommt. Dabei wer- den manche allgemein interessierende Fragen behandelt, so daß diese Schrift nicht nur eine wissenschaftliche Spe- zialuntersuchung bietet, sondern allgemeine Grundsätze des Staats- und Völkerrechts erörtert, die ausführlich begrün- bet werden.
Die JJffanje hn Landschaflsbilde. Don Gartenarchitekt H. Maasz. (Naturwissenschaftliche Bibliothek.) 163 Seiten mit 21 Abbildungen und 4 Tafeln. Geb. M 6,—. Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig. 1920.
Hier spricht ein Fachmann, einer der anerkanntesten Garten- und Landschaftsgestalten. Nicht als laienhafter Führer, sondern als tiefer und liebevoller Beobachter, als Gestalter selbst, dem in jahrelanger Führerschaft unter den Landschaftsgestaltern die große und kleine Pflanzenwelt in die Hände gegeben ist, um mit ihr Stäürte zu verschönern, Parkanlagen und (Bärten zu schaffen, und bte große Erde da draußen vor den Toren mit Schönheit zu schmücken. Es weht durch das ganze Buch ein Hauch star- fer Sehnsucht noch Erhaltung und Pflege vorhandener heimatlicher Schönhett, nach Deroollkommmmg und Wiedergewinn durch Kultur mch Industrialisierung, durch Lebenshast und Verständnislosigkeit zum Opfer gefallenen NaturherrlichkeAen.
vermischtes.
* Das Drama einer Morphinisten-Familie. Der augenblicklich in Berlin gastierende Schauspieler Harry Walden, früher eine vielgefeierte Persönlichkeit sowie feine Frau und deren 20 jähriger Sohn öffneten sich nachts in der Wohnung gemeinsam mit einem Rasiermesser die Pulsader. Dem vernehmen nach sind alle drei Morphinisten.
* Krawall im Lazarett. In dem orthopä- bischen Versorgungskrankenhans „Schloß Charlottenburg^ in Berlin kam es zu schwere» Ausschreitungen der Lazarettinsassen. Ein Assistenzarzt wurde schwer mißhandelt. DaS Hauptversorgungsamt hat die Verlegung der Aufsässigen in ein anderes Lazarett verfügt. Die Gemaßregelten weigern sich jedoch, der Anordnung Folge zu leisten. Daraufhin ist ihnen die Ver Pflegung gesperrt worden. Es ist zu befürchten, daß das Hauptversorgungsamt sich zur S ch l i e ß u n g deS Lazaretts gezwungen sehen wird.
* Freie Bahn dem Tüchtige«. Für die ausgeschriebene Stelle des Oberbürgermeisters in Altona haben sich 25 Bewerber gemeldet, darunter zwei S t a a t s m i n i st e r, und für die Stelle des besoldeten Senators 68 Bewerber, darunter ein K e s se lre i n iger.
* (Ein Flug-Rekord. 200 Kilometer Stunden ge- schwindigkeit legte ein Flugzeug der Deutschen Luftree- derei auf einem Sonderflug von Hamburg nach Warnemünde mti einem Fluggast zurück.
* Die Oberbayern im fianrps um die Lederhosen. Die Gauverbände des Bayerischen Oberlandes in
Der Ring der Nuramaja.
Roman von Kate van See ter.
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Gähnend warf sich Ebba auf einen Sessel und sah mißmutig hinüber zu Karin, die ein Buch ergriffen hatte und sich darein vertiefte. Ein Weilchen herrschte Ruhe, dann fragte Ebba: Sag' mal ehrlich, Karin, warum bfft Du nicht schon verheiratet? Ist es so schwer, einen Mann zu bekommen?" „Das wirst Du am besten an Dir selbst ausprobieren,* lächelte Karin. „Was mich an- betrifft, so finde ich nicht, daß es schwer ift, einen Storni Zu bekommen. Zehn kann man für einen haben; aber bett Mann zu finden, den man haben möchte — das ist freilich schwer." „®oti, ja. Du wirst wohl unsinnige Ansprüche machen. Ich würde bescheidener und gescheiter fein; ich würde schnell zugreifen. Du, Rärin,“ — unter halb gesenkten Wimpern sah sie zu jener hinüber, mit dem gespannten Blick des Jägers, der ein scheues Wild beschleicht — »wenn Tibor Revosceny reich und berühmt gewesen wäre, hätte er der gewünschte sein können?“
Karins Gesicht war tief erblaßt; ihre Hände zitter, ten, und sie lehnte sich kraftlos in den Sessel zurück. Aber nur eine Sekunde lang, dann richtete sie sich auf und zwang ein Lächeln auf ihre weißen Lippen. „Kleine Närrin, wie kommst Du auf solche Albernheiten? Es ist fast eine Beleidigung, eine Karin von Klingenstur in Beziehung mit einem kleinen, unbekannten Maler zu bringen; ich »erbitte mir das für künftighin. Was den Gewünschten anbetrifft, so will ich Dir »erfreuen, da Deine Neugier doch nicht eher ruht, daß, als wir jetzt in Berlin waren, ich ihn beinahe gefunden hätte. Nur wurde er leider krank, lebensgefährlich krank, so daß dadurch die Fäden zwischen uns zerrissen. Vielleicht ist er jetzt schon tot. Ein lieber Freund von ihm, einer, der mich haßte, weil ich ihn zurückgewiesen hatte, erzähtte mir das. Ich weiß nicht, ob es richtig war. Wahr, fcheinllch, denn ich sah ihn nicht mehr. Unser Aufent. hast war auch nur noch kurz; aber, ich wußte, daß ich ihn gewinnen würde, — ja, sicher!“
Sie war aufgesprungen und schritt hastig im Zim. mer umher. Sie sprach auch hastiger mb mehr als
sonst. Ebba sah und fühlle das alles. Also doch, da war der verwundbare Punkt in dieser Siegfriedshaut: Tabor Revoscenyl Wie mußte der Pfeil in der Wunde brennen, daß Sarin sich, um zu verbergen, daß er traf, sogar zu Vertraulichkeiten hinreißen ließ, die sonst nie einen Blick in ihr Inneres gestattete, nie über ihre Erlebnisse, Ziele und Aussichten sprach. Noch jetzt, nach zwei Jahren, diese leidenschaftliche Empfindlichkeit! Sein Mensch würde das der beherrschten, kühlen Karin zu« trauen. Selbst Mama hatte keine Ahnung davon. Nur sie, bas Kind, wie man sie albernerweise noch jetzt oft nannte, hatte schon damals als kaum Sechzehnjährige so etwas herausgefühlt. Karins lichte Schönheit hatte er gemalt, sie geliebt und ihr Herz erobert!
Zu dumm, daß sie gerade damals in Pension geschickt wurde und nicht miterleben konnte, wie sich die Sache »eiter entwickelte, ob Karin zum Bewußtsein ihrer Liebe erwachen und was bann geschehen würde. Jetzt freilich hatte sie eben erfahren, daß Sarin erwacht und daß da ein Kamps und Schmerz durchgefochten war. Eigentlich konnte sie sich, auch ohne habet gewesen zu fein, ungefähr denken, wie alles sich abgewickelt hatte; Sarins hochmütige Worte gaben eine genaue Erläuterung zu ihrem Handeln. Abfallen hatte sie ihn lassen, ihr widerspenstiges Herz bezwungen. Ja, Sarin war klug und zielbewußt und doch so schwach, daß sie noch nach zwei Jahren keine Anspielung »ertragen konnte!
Ebba sprang auf. Sie hatte kaum gehört, was Sarin sprach. Ihre Gedanken waren so vollkommen mit dem, was sie eben erlauscht hatte, und mit sich selbst beschäftigt gewesen, daß Karins Worte nur noch halb in ihr Bewußtsein fielen. Ein Gefühl junger, stolzer Kraft durch, riefelte ihre Brust, sie fühlte sich Karin überlegen, stärker und freier als diese. Sie nahm keinen Ballast der Erinnerung mit in ihr junges geben, sie würde leichter und sicherer an ihr gewünschtes Ziel gelangen. „Pah, man muß nur wollen und wissen, was man will! Unter Öen vielen Männern muß sich doch einer finden, der zu mir und meinen Wünschen paßt, und dann nehme ich den einfach!“ >
Karin zwang sich zu einem Lächeln. Sie war noch blaß, und in ihren Augen tag e« rote ein dunkler
Schmerz, aber die Lippen lächelten. „Jawohl, greife nur zu; hoffentlich tust Du einen guten Griff. Mir eist es nicht.“ „Wir müssen doch leider ernsthaft daran denken, unsere Zukunft zu versorgen, wix armen Kir- chenmäuse. Wenn Alex heute stirbt, fitzen wir morgen da und können Hungerpfötchen saugen. Gräßlich, immer das Damoklesschwert über sich zu fühlen! Die arme Mama! Ihre Aufregung und Sorge ist doch berechtigt!“
„Sprich nicht davon! Es ist genug, daß man es jeden Augneblick fühlt, daß die Kette, an der man liegt, immer klirrt. Wenn Mama klüger und vorsichtiger ge. wesen wäre, hätte so etwas nicht vorkommen dürfe» Unfern Vater und sich hätte sie besser In Zucht und Ordnung hatten müssen. Die Ettern waren reich; und da sie Pflichten gegen ihre Kinder hatten, durften sie nicht verschwenden.“ „Ach, geh'! Papa und Mama waren eben noble Naturen!“ „Jawohl, ebenso wie Roderich, der schon jetzt die Hälfte vom Einkommen des fremben Mannes oergeubet!“ „Der fremde Mann? Aber Karin, er war doch unser zweiter Vater!“ „Mir niemals! Mir war er stets der fremde Mann. Ich habe ihn nicht leiden können vom ersten Augenblick an. Ich habe auf» geatmet, als er tot war.“ „Ader Karin; das ist ja eigentlich schrecklich! So habe ich das nie empfunden.“
„Ich war auch älter als Du“ — Karin atmete schwer — „und anders geartet Ah, reden wir nicht davon. 3Benn man etwas in Worte kleidet, sieht es vielleicht fchsimmer aus, als es im Grunde ist. Glücklicherweise liegt das ja nun hinter uns, Mama ist jetzt berechtigte Besitzerin des Geldes, das für uns ausgegeben wird. Man kann es genießen, ohne sich feiner Charakterlosigkeit zu schämen; man ist im Recht “ „Wie man es nehmen will,“ behauptete Ebba hartnäckig. „Aber des- hall» brauchst Du Dich doch nicht so aufzuregen. Ich bin ganz erstaunt über Dich! Du bist ja ein heimlicher Feuerbrand!“ -
Jetzt zuckte Karin zusammen, strich sich hastig mit der Hand über bas heiße Gesicht und lachte kurz und ge- zwungen auf. „Du bist eben eine Meisterin darin, Funken aus dem Stein zu schlagen. Wenn man auf Dqin kunterbuntes Geschwätz eingeht, kommt man schließlich in Aufregung. Dir wollen spazieren fahren.
damif man etwas anderes sieht und hört als die Pflegerinnengeschichte.“ — — —
Der Geheimrat hatte, als er Frau von ßebanoff ver- ließ, dem Kutscher gleich den Weg angegeben, den er einschlagen sollte, und bald darauf hielt sein Wagen vor einer jener hochstöckigen, häßlichen Mietskaserne, wie die Großstadt sie schafft. Im vierten Stock saß er wenige Minuten darauf in dem Hinterstübchen einem jungen Mädchen gegenüber, dessen zierliche, schlanke Gestatt in buntle Trauergewänder gehüllt war. Sie sah mit großen, dunklen Augen halb ängstlich, halb erwartungsvoll zu ihm auf, als er, eine ihrer fast durchsichtig zarten Hände fassend, sagte: „Ich glaube beinahe, daß ich Ihnen eine erwünschte Nachricht, oder besser gesagt, einen Vorschlag für Ihre Zukunft bringe. Aber ich möchte erst wissen, wie-sich die Gegenwart gemacht hat? Sie liehen sich so lange nicht bei uns sehen.“
In das liebreizende, blasse Gesicht der vor ihm Sitzenden schoß eine schnelle Röte, und die Augen senk- ten sich verlegen. „Ich dachte . . . Ach, lieber Herr Geheimrat, rechnen Sie es mir nicht als Undankbarkeit an, wenn ich nicht kam. Ich wollte Sie nur nicht immer wieder mit meinen Angelegenheiten belästigen.“ Der Blick, der flch jetzt wieder voll zu dem alten Herrn auf. hob, war tieftraurig und von einem Tränenschimmer verhüllt.
Der Geheimrat faßte die zuckenden schmalen Fing« fester in die seinen. „Sie närrisches Kind! Sie wissen doch, wie Sie mir ans Herz gewachsne sind, und wie meine Sorge um Sie nicht nur dem Versprechen ent. springt, bas ich Ihrem Vater gab, sondern auch meinem eigenen Empfinden. Wenn Sie nicht so eigensinnig mären —“ „Verzeihen Sie mir den Eigensinn, mein lieber, verehrter Freund! Aber Sie wissen, es liegt nun ein. mal eine Steigung zur Selbständigkeit in mir. Vater« lange Krankheit hat sie entwickelt. Ich war immer aus mich selbst gestellt, und außerdem — ich brauche Arbeit und bestimmte Pflichten; ich konnte und durste tein^ arbeitslose Zuflucht in Ihrem Hause suchen, so gütig sie auch geboten wurde.“
(ForÜetzung folgt)