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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.

Bezugspreis: Monatlich Z,00 Rtt. ohne Zustellgebühr. In Fulda

Montag, 6. Juni 1921

Nr. 127

(Tert breite) 1.80 2Jlt_ u.

Verantwortlich mr den teüauionelkn Teil: Dr. Kramer, F. Par zell er-Fulda. r. suldaer Actiendruckerei in Fulda.

» für die Anzeigen: I.

Rotationsdruck u. Verlag der _____

Svemlpcedicr Nr. 9. Telegr.-Adresle: Fuldaer Zeitung.

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Zuldaer Diöresan * Katholikentag 1921.

SeiHflWet GmriWWM!

3m Zeichen des katholischen Gemein­schaftsgeist es und um der Pflege dieses ka­tholischen Gemeinschaftsgeistes mitten waren am gest­rigen Bonifwtiussonntag die Katholiken der Diözese ^ulte zu Tausenden in der Stadt, die das Grab des Apostels der Deutschen umschließt, zusammengeströmt. Die Tagung sollte sein mck> war eine öffentliche Be­kundung und ein monumentaler Lobpreis des katholi­schen Grmeinsthastsgristes. dieses akwellftsn Gedan­kens unter den vielen herrlichen Idealen, die der katholische Glaub-! in sich schließt. Wenn anders sich mühen, das Volk zu zersplitern, auszulösen in Stände und Schichten, die sich befämpfen, dann fetzt die ka­tholische Kirche alles daran, ihre ganze gsrnal- tige Macht über die Seelen, die sie von ihrem Stifter, von Christus, erhalten hat, um die Einheit zu wahren, Stande und Schichten des Volkes zu ver­söhnen, in allen das lebende Bewußtsein jener G e- meinschaft der heiligen Hervorzurusen, die tiefgehenden Zwist rurd Streit und tzah gar nicht cufkommen lassen kann. Um die gottgewollte Einig­keit überzeugend zu predigen, dcyn bedarf es solcher Katholikentage; da tritt sie deutlich vor jedes Auge, auch vor das, das sich verschließen will. Und wer die gewaltigen Massen in ihrer MamrigfaltigLeit und Zcchl schaut, wer den G:ist der Einigkeit gespürt hat, der über den im gemeinsamen Glauben und in der flammenden Gattesliebe um ihren Bischof vrrsmmnel- ten .Katholiken einer Diözese schwebt, der erkennt in der Möglichkeit einer solch glänzenden Veranstaltung Las göttliche Zeichen für die Echtheit unseres Glau- benkbeketmtnisses und faßt den mannhaften Entschluß, zu leben, zu arbeiten und zu sterben in diesem schönen katholischen ©kneten und mit Begeisterung stimmt er ein in das Barmerlied der Katholiken: Fest sott mein Tcmfbund immer stehen!

Abendfeierglocken.

Heber der Stadt, die im wqrmen Glanz der Sonne liegt, des Glutballs, der allmählich am west- lichen Horizont hinuntergleitet, jauchzt plötzlich Glocken- klv.-lg. Vem hohen Sorte beatmten rh Ofanna und ihre zahlreichen Schwestern chr melLdisches Lied zu fingen, um am Vorabend des Festtages wuchtig, ernst, erschütternd und erhebend Gott zu preisen. Die vielen, vielen Männer und Frauen, Kinder und Greise, fremde Gäste und mit den Bräu­chen ter Heimat behaglich vertraute Bürger, sie alle, die in lebhaftem Verkehr die Straßen bevölkern, hier und dort das festliche Bild vollendend, dos die Natur selbst mit sommerlicher Pracht und auch eifrige Men- schenhakD mit Fahnentuch und Festesgrün geschaffen haben, sie horc^n auf; es ist, als ob überirdische Welten in den feierlichen Glockenklang die Bewohner des Erdentales _ grüßten. Hinauf zum Himmel den Blick' Svharentöne schwingen aus Himmelsweiten zur Erde! Fromme Schauer der Andacht im Menschen- herz, St. !Boi nifatius fleht am Himmelsthron für sein deutsches Volk, dem er vor 1200 Jahren die Botschaft des Heilands gebracht hat: Cornmumo fanftorum!

Dk MllMkllz.

Vom Michaelsberg dr^nt m die feierliche Somr- kagsmorgen-Stille ter erste Schuß der Böller und bald rühren sich Trommeln imb Pfleifrn ter Jünglinge ter Siadtpfarrei, um des Festtages Beginn ter allmählich erwachenden Stadt zu verkündigen. Schon beginnen Scharen auswärtiger Gäste vom Bahnhof aus in die Stadt zu strömen, schon eilen weißgekleidete Mädchen Mr Stadtpfarrkirche» dir Fahnen der Vereine sam­meln sich im Bannkreis ter ehrwürdigen Türme, die so wuchtig im Mittelpunkt ter Bonifatiusstodt aufragen.

Die VomfatiuswallfahrL

bet Stadtpfairei soll nach altem Herkommen zu Be- ginn der Bonifatiuswoche nach dem hohen Dome ziehen. Brausend seht die Orgel der Kirche ein, mächtig löst sich aus der Fülle ter Töne das Lied, das wm wieder eine Woche lang durch Fuldas Straßen klingen wird: Wir heilig hast Du, Gottes­freund, hier nach dem Heil gestrebet! Schulkinder ziehen voraus, Jünglinge, Männer folgen, vorbei am Bonifatiusdenkmal, das in schönem Schmucke prangt, bin zum Tdm. Unvergeßliches Bild: schon sind wir m das Portal des hohen Gotteshauses eingezogen, doch ter Blick muß zurückschauen, hinaus durch das hohe Portal auf den Domplatz, den sttahlender Somien- schein überglänzt, den das saftige Grün ter hohm Kastanien und Linden umrahmt und ter im Kranze wimmelnden Ledens den feierlichen Zug der Fah­nengruppen zeigt: wuchtig, festosfroh, in stolzer Männ­lichkeit die Chargierten der katholischen Studentenkorporationen der benachbarten Universitätsstädte, dann die Geistlichkeit ter Stadt­pfarrkirche, und in unabsehbarer Zahl Fahr» auf Fahne, dir Wallfahrer aus dem Geisaer Amt, die alle Schwierigkeiten ter Berkehrsverhälmisse überwunden baten um zu zrigsn. wie katholischer Gemeinschaftsgeist Raum und Zeit überwindet, um ten zu ehren, ter uns alle m ten Schoß der heiligen Kirche geführt enb zu Kindern Christi gemacht hat.

Das bischöfliche Hochamt

beginnt. Bis auf den letzten Platz hat sich die wette Kathedrale gefütti Während zum Brausen der Orgel mächtig das Lied ter Taufende ertönt: Ich glaub an Gott in aller Not! Hal der Hochw. Herr Bischof, inmitten tes Domkapitels seinen Einzug gehalten.

Festliche Sonnenlichter glänzen über tem herrlich ge­schmückten Hechallar; ein unendliches Spiel von Farben durchflutet das Gotteshaus, hart an hundert Fahnen füllen den Raum unter ter großen Kuppel. Kyrle eleison uni) Gloria erklingen in feierlichem! Kir­chengesang und nach dem Beni creatur, das dem Evan­gelium folgt, hält Domkapitular Dr. L c n h a r t - Mainz die

Feslpredigi.

Dem SntroitiD des Bonifatius-Osfi hm ■ ■ entnimmt er den Vorspruch: „Meine Auserwählten sollen nicht vergebens arbeiten, noch Kinder haben mit Schrecken; denn sie sind die Nachkommenschaft ter Gesegneten des Herrn, und ihre Enkel mit ihnen (Is. 65)." Bon ten Auserwählten spricht er, von St. Bonifatius und tem seligen Petrus Kamsins, dessen Lebensarbeit vor 400 Jahren das bedrohte Werk des hl. Bonifatius in ten Gewitterstürmen der Reformation gerettet hat. Er tröstet das deutsche Volk und timtet ihm Errettung von den Schrecken tu;feier Zeit, wenn es die aposto­lische Sendung, die einst St. Bonifatius und der selige Kamsius erfüllten, mmmchr als Aufgabe ter Ge­samtheit ter deutschen Katholiken auf sich nimmt: in katholischem Glauben, in katholischer Sittlichkeit, in der Arbeit an tem Werk des Bonifatiusr«si«s für die katholisch; Diaspora, nicht weicht rh; wteth trotz aller Bemühungen ter Feinde.

Saude Fulda, lauda Germ^.t...

Das hl. Opfer nimmt seinen Fortgang. Na h her s Opferung singt ter Chor das „Gaute Fulda", dessen ! Wucht und Glanz immer wieder die Seele emporreißt. - Und hochgcstimmt bleibt das Herz, wenn die heilige Handlung fortschreitet und die feierlichen Augenblicke sich folgen. Angesichts ter gewaltigen Massen katho­lischer Christgläubigen in ten Hallen des Gotteshauses graben sich die Worte tes Kanons noch tiefer in das Gemüt als sonst: GLenke, o Herr, Deiner Diener und Dienerinnen mrd aller Umftchenten, teren Glaube und Andacht Dir bekannt ist. . . . Gedenke auch, o Herr, Deiner Steuer und Dienerinnen, die uns mit dem Zeichen tes Glaubens oorangegangen sind und mm schlafen im Schlummer tes Friedens. . . . Auch uns Sündern, Deinen Dienern, die wir auf die Fülle Deiner Erbarmnngcn certrauen, würdige Dich, die Teilnahme und Gemeinschaft Deiner heiligen Apostel und Märtyrer zu verleihen. . . . Als das hl. Opfer vollendet, ter bischöfliche Segen erteilt und nach tem Tantum ergo, tatter tem Neigen ter Fahnen, das Volk mtt dem Allecheiligften gesegnet werten ist, braust durch die Kathedrale der Dolksgesang: O Glcmbens- vater, sieh die Not, in ter wir uns befinden!

Die Rückkehr zur Skadlpfarrkirche gestattete sich bei herrlichem Sonnenschein zu einem glänzenden kirchlichen Schmigepränge. Die noch in­zwischen eingetroffenen zahlreichen Fahmntepulatio- nen, namentlich ater ter Pilgerzug aus tem Geisaer Amt, die Oberhessischen Vereine, die studentischen Fah- nengruppen, 8 cm ter Zahl, und alle die anderen, wall- tat gar kein Ente nehmen. Das Chor ter Pfarrkirche faßte, als die Prozession wieder ihren Einzug gehalten hatte, nicht die Masse ter Abordnungen. Allen Teil­nehmern wird gerade dieser Rückweg vom Dom zur Pfarrkirche als eine großartige öffentliche Bekundung katholischer Glaubensfreute und Glaubenstreue immer in der Erinnerung bleiben.

Der Festzug

Kurz vor Mittag fing es an aus schweren Wolken, die in verschiedenen Richtungen ten Himmel bedeckt hatten, zu blitzen tmb zu krachen. Auch regnete e« zeitweilig. Gleichwohl eilten die Vereine zum Sam­melplatz tes Festzuges an der Kurfürstenstraße. Diele Tausente kamen. Ein Fahnenwvld baute sich auf. Die Leiter tes Festzuges, die schon bei ter Prozession am Vormittag eine überaus glatte Durchführung in die Wege geleitet hatten, brachten auch diesmal wieder schnell Ordnung in die unabsehbare Schar der Teil- nehmet. In ten Festzugstraßen standen die ZuschEr, darunter zahllose Fremde, Kopf an Kopf.

Gerade als sich ter Zug in Bewegung setzte, kam ein Gcwitter über die Stadt gezogen, das ter Ent­faltung des Zuges zwar Abbruch tat, aber den ge­waltigen Eindruck dieser Massenkundgebung nicht ver­hindern konnte. Der Zug wurde auch völlig pro« grammäßig durchgrführt. Die Zugordnung wat die- lenige, die wir schon veröffentlicht haben. Eine ganze Reihe von Vertretungen, die gar nicht angtmdtet ge­wesen war, vermehrte noch die in der Ordnung be­reits gen-rnnten Teilnehmer. U. a. nahmen außer ten bereits Samstag genannten Stutentenkorporationen noch teil, UnitW-Frankfurt und Unttas-Würzburg. Nach den Jüngliirgen, die tem Regen wohl einige Konzessionen gemacht hatten, kamen, unerschüttert durch die Witterung, unter tem kräftigen Gesänge des Kolpingsliedes die Mit­glieder der Gesellenvereine. Die Schar ter Männer­vereine von auswärts Motz sich an und die Fuldaer Vereine machten ten Schluß. Die Straßen, die ter Festzug berührte, trugen durchweg ein geschmackvolles FestgAvand. In ter Kronhosstraße waren überaus sinnige und schöne Dekorationen von ten An­liegern geschaffen worden, die von ten Festzugsteil, nehmern mit herzlicher Freute begrüßt wurden. 3m vorderen Hofe ter Bischöflichen Wohnung auf tem Mi- chaelsberg erwarte ter Hochw. Herr Bischof im Kreise ter Herren des Ehrenpräsidiums, tes Präsi­diums les Katholikenkomitees und der Redmr den Zug. Es kam 311 lebhaften Ovationen, Hochrufen und Begrüßungen aus ten Reitzxn des Feftzugss, ter in

tat riloser Ordnung durch ten Bischofshof hindurchzog, | um sich dann in ter Pcmluspromenaüe aufzulösen. Die einzelnen Gruppen marschierten sofort geschloffen zu ten für sie vorgesehenen Dersammlnugslokafen.

3m SMW

l-' ttschen Männer unserer Vatcrstadl haben immer ■ ' Züchtendes Beispiel gegeben, wenn es galt

für ihre '.Lauben Zeugnis abzulegen und elnzutreten für die höchsten Güter. So füllte denn auch den Stadt, saal eine überaus stattliche Schar von Männern, die gekommen waren, um sich zu begeistern für die brennen­den Fragen auf dem Gebiete von Kirche und Schule. Es war eia herrliches Bild katholischer Glaubenstreue und kaihol. Glaubensüberzeugung, das dis Versamm­lung bot Ihr war ein glänzendes Gelingen beschieden. In dem Gruße „Gelobt fei Jesus Christus", den der Borsitzende, Amtsgerichtsrat Rhiel, der Versammlung entbot, liegt dis Ursache unseres Zusammenseins, eir ist der Grundgedanke der Reden, die die Anwesenden zu hören gekommen waren, er ist überhaupt das Leit­motiv aller Darbietungen, die auf dem Programm des Katholikentages stehen. Einen freudigen Dank und ein herzlictes Willkommen hatte der Vorsitzende für alle, die aus Nord und Süd, aus Ost und West unsrer Diö­zese hier erschienen; sein besonderer Dank galt den kath. £iubententorparationen, die aus der Diaspora grkom. men, um zu bekunden, daß sie nicht nur Deutsche, svn. dem' auch Katholiken sind. Aus der Diaspora erfreute sich die Versammlung übrigens einer sehr zahlreichen Beteiligcmg. Amtsgerichtsrat Rhiel dankte ihnen von ganzem Kerzen dafür. Wir versprechen Ihnen, fomcit es in unseren Kräften steht, zu helfen, damit die Ge- meinten auch weiter bestehen können (Bravo!). Der Redner lenkte hierauf die geistigen Blicke der Versam­melten auf das Oberhaupt unserer Kirche, auf Papst Benedikt XV., dem er wärmsten Dank sagte für alles, war er unserem Vaterlande, insbesondere unseren ar­men, gebrechlichen Kindern Gutes erwiesen; diesen Dank ließ er ausklingen in einem begeisterten ist och auf den Stellvertreter Christi. Der Vorschlag des Borsitzenoen, an den Heiligen Vater ein Huldigungs- telegramnt zu richten, fand jubelnde Zustimmung.

Ein Begrüßungstelegramm auf dem Drahtwege ging ein v om Hild esheimer Katholikentag, das der Borfitzende umgehend dankend erm.terte

Ans Rednerpult trat Universitätsprofeffor

Dr. Lauscher

aus Sonn, Mitglied des Reichstages und des preußi­schen Landtages. „Kampf um die Schule" über, schrieb er sein Thema, das er mit Gründlichkeit und Sachlichkeit und hohem Emst behandeüe. Packend waren seine Gedankcngänge und eindringlich wußte Prof. Sau- scher es seinen Hörem vor die Seele zu stellen, was für Deutschlands Katholiken im Schulkampf auf dem Spiele steht. Dor dem Kriege liefen insbesondere der Deutschs Lehrerverete intb die Sozialdemokratie, welche die roelL siche Schule, die jedem Religiösen vollkommen entzogene Schule will, Sturm gegen die Bekenntnisschule. Die nachrevolutionären Parlamentswahlen brachten uns den kulturpolitischen Linksblock, der an Radikalismus die So­zialdemokratie fast noch Überboten hat. Pas Staatsschiff geriet nicht in die Hände des Linksblocks, das Zentrum hat im entscheidenden Moment den Mut gefunden, in die Koalition einzutreten und so war die christliche Schule gerettet, für die das Zentrum sich mit aller Ent. schiebenheit einsetzte, indem es sich auf den Boden der Elternrechte und der Gewissensfrei­heit stellte. Wäre das Zentmm der Koalition nicht bei­getreten, dann hätte es die Bekenntnisschule schutzlos sei­nen Feinden ausgeliefert. Der Redner trat mit aller Wärme und vorbehaltlos für die Wahrung der (Eltern, rechte auf die Schule ein und zollte herzlichen Dank der katholischen Lehrerschaft für die Treue, mit der sie in der Stunde ernster Entscheidung den Kampf für die christliche Schule ausgenommen. Bon unseren braven katholischen Lehrem lassen wir uns sehr gern beraten. (Sehr wahr!- Die weltliche Schule wäre bas größte Unglück für eine Nation, ein schweres Unrecht gegen bas Kind, ein Garten ohne Sonne. Die Reichsverfas. sung hat bie Neuordnung des Schulwesens in ihren Grundlinien festgelegt imd bet- Simultanschule. mit bereit „Segnungen" wir in unserer Nachbarschaft, im Nassauischen tmb in Hessen beglückt sind, eine Vor­zugsstellung zwischen ber Bekenntnisschule und der roett- sichen Schule eingeräumt. Der geordnete Schulbetrieb nach der Reichsversaffung ist vorläufig bas ungeklärte I, an bas sich fetzt bie Deutungskünste heranmachen. Unterrichtstechnische Vorteile, bie mit Preisgabe be« Dekermtnischarakters errungen werben, sinb zu teuer erlauft und was den Relf gi onsunterr i ckt be­trifft, so darf er selbstverstänblich nur nach den Grunb- sätzen der betreffenden Religionsgemeinschaft und unter Leitung ter Kirche erteilt werden. Die Kirche muß sich Gewißheit darüber verschaffen, baß ber Refigions. unterricht in ihrem Geiste erteilt wirb, aber sie wirb nicht an ber alten Schale kleben. An bem Reicbsfcbul- gcfetzentwurf beklagte Redner die namenlose Zerklüf­tung bes beutschen Volkes, zu ber er führen wirb. Er sieht vier Schulsysteme vor: Die Bekenntnisschule,, mit ihr torrefponbierenb bie sog. Weltanschaunngssch <!e und zwei Simultanschulm: bie sog. Gemeinschaftsschule unb bie weltliche Schule. Die Gemeinschmtssch'ile, von ber ber Reichsschulgesetzentwurf rebet, ist flicht mehr bie alte Simultanschule, weil sie nicht nur Kinber ber christ­lichen Bekenntnisse, onbern auch Kinber Andersdenken, ber aufnimmt. Die Gemeinschaftsschule ist hier im we. senilichen dasselbe wie die weltliche, bie religionslose Schule. Heiße Kämpfe werden sich um das Reichs- schulgesetz entfesseln. Die parlamentarischen Vertreter bes katholischen Volkes können nur bann etwas errei- chen, wenn hinter ben Abgeordneten, welche ben christ­lichen Glauben unb bie christlichen Elternrechte hochhal­ten unb verteibigen, ein millionenköpfiges, tarfrcubiges unb kampfwilliges Volk steht. (Lebh. _ Zustimmung.) Jetzt ist nicht Zett zu konfeffionellem Gezänk; jetzt heißt es sich gernelnsam die Hände reiichen gegen die Mächte des Umsturzes. Christlicher Glaube unb christliche Siebe unb bie Erziehung zu beiden ist unb bleibt bas Programm, bas herrscht unb maltet in unsr. rer christlichen Schule. Im Geiste christlicher Siebe unb christlichen Lebens müssen untere Kinber erzogen werden unb bi cs er Geist muß hinausstrahlen aus unserer Stadl in y* Drörrie« namentlich zu den treuen Katholiken ter

Diaspora, deren Sorgen und Wien uns im Parlament ganz besonders am Herzen liegen. Wir wollen opfern, mit einander kämpfen und ringen, daß bie Diaspora bi« gegenwärtige Prüfungszeit glücklich übersteht.

Möge ber Entschluß zur Tat reifen: Die christliche Schule soll uns heilig unb teuer sein; wir laten sie nicht vergewaltigen, wir reichen einanber die Hände und schließen ben Ring um bie christliche Schule — bann wirb ber Katholikentag ein Tag des Glückes und der Segens sein nicht nur für unsere Diözese, sondern dar. über hinaus für unser deutsches Vaterland. (Stürmischer, lanaanhaltenber Beifall.)

Während bcr Rebe bes Prof. Dr. Lauscher betrat der Hochw. Herr Bischof ben Saal, dem ber Sorftfeenbe den Dank der Versammlung für sein Erscheinen ab- stattete.

Dann sprach ber hier wohlbekannte hessische Zen-- irumsabgeorbnetc

Rechtsanwalt Ruß

aus Worms über „Die Kutiurfraft der katho- lifchvn Kirche in Gegenwart und Zu­kunft." Er wußte zu entflammen, zu begeistern; feine Worte waren von einer von innen herausstrahlenden Ueberzeugungslraft. Durch feine Ausführungen ging eine pruste Erörterung ber Kulturwerte, mit benen wir vor bem Krieg- ausgestattet waren. Wir hatten eine Außenkultur, eine Fassadenkultur. Nach 1871 hat man bas Schlagwort

Wisstn" unb nicht bas Kulturmort „Gewissen nicht nur in Dsutchlanb, sondern in bie ganze Welt hinaus, gerufen. Unsere Außenkultur ist unter den Schlagen des Weltkrieges zufammengeborsten, well man versäumt hatte bi» Seelenkultirr. bie Herzenskultur zu hegen und zu pflegen. Wahre Kultur ist lebten Endes nur im Schatten bes Kreuzes zu finden. Die katholische Kirche bringt uns bie wahre Kultur. Wir haben alle Seron- faffung. uns auf Grund bes Kulturprogramms, ms rechte Licht zu letzen unb frei in ber Oeffentlichkeit zu bekennen: Ich bin stolz barauf, katholisch zu sein. Her­aus, Ihr beutschen Katholiken, aus allen Ecken unb Winkeln ins öffentliche Leben, nicht um zu heben oder sich pharisäerhaft und breitspurig auf ben Markt zu stellen ober tathotifd) sein durch den tiefen Glauben unb durch eine frohe Hoffnung unb was noch großer ist als beides durch eine warmherzige, opferbereite Liebe, bann haben Sie cm Kulturprogramm des Katho- lixismus praktisch gearbeitet- Sie Kulturkraft bes Ka­tholizismus besteht in ber Klarheit unb Reinheit der kompromißlosen Lehre der -Kirche, in der Lauterkeit und ber perfönlicMeftbilbenbcn Macht ihrer Moral, unb in bem tiefen Ewigkeitswerte schaffende,, Erleben ihrer Heilsmittel. Der Redner wies nach, daß durch snn« Verankerung im Ewigen und Uebernatürlichen der Ka­tholizismus'ein ganz' eigenartiges Verhältnis zuyi KuI-‘ furfdiaffen der Zeit bekommt tmb betonte, baß wir uns angesichts bes Trümmerhaufens fog. Kulturgüter oor dem ganz Europa steht, vergegenwärttgen muffen, daß der Schlüssel zu einer Beffergestaltima unserer Wirtschaftslage nur auf dem Gebiete des Ethos, nur auf bem Gebiete sittlicher Erneuerung von der Familie aus liegt. Für ben Katholizismus in Deutfchlanb proklamierte Rechtsanwalt Ruß nicht, nur bas Recht, fonbern auch bis sittliche Pflicht zu einem positiven Radikalismus im Sinne des katholischen Hub htribcals. Hie Moskau — hie Rom! Auf ber einen S<üte der Gedanke bes Radikalismus, der den Klaffen­baß predigt unb alles in Trümmer legt, ohne an besten Stelle neues fetzen zu können, auf der anderen Seite die lieb- und femmsreiche Kulturarbeit des Papsttums für bie aanze W-At. Rom, ber sittliche Mittelmrnkt aller oufbimenben Kräfte im katholischen Lager. Der Katho- V^fsmus predigt uns ben Gebauten der sozialen Versöhnung unb den Gebauten bes christlichen Solina- rismus in einer Zeit bes ödesten Kastengeistes unb be, unchristlichen Sozialismus.

Nachbem ber starke Beifall, ber ber Rebe bes Rechts, anroalfs Ruß felgte, sich geleat hotte, nahm ber Hochm Herr Bischof zu einer Ansprache bas Wort.

Die gewaltigen Eindrücke ber Versammlung faßte Herr Amtsgerichtsrat Rhiel in einem kermgm Schluß­wort zusammen; er untreftricb kräftig bie Ausführungen ber Reimer unb gab ber Hoffnung Ausbruch baß vom Katholikentag reicher Segen auf bie ganze Diözese aus- strömen werte. Wie ein machtvolles Bittgebet brauste hierauf bcr Gesang der Schlußstrophe bes JBontfahus« liebes „O Glaubensoater. sieh bie Not" durch ben Saal, unb bie glanzvolle Versammlung hatte ihr Enbe er» reicht. .

Sie vm'MvrltW im Mgerverein

stand unter ber Leitung des Gswerkschaftssekretärs Pet« Stahl. Als erster Redner sprach

Schriflleiier Lmil Ritter

«ms M.-Gladbach über „Neuheidentum u christk. Familienideal". Am Strenge Christi scheiden sich setzt unb immer bie Geister. Die neue Zeit ist bas christliche Zeit- alter, lieberen grüßt das Kreuz in bas alltäglich^ Leben hinein, dieses Ühiichic Symbol des Leidens unb «chmer- 3;En5, aber auch das Symbol der Erlösung, des eieges. Der Lebensinhalt für die gesamte Menschheit ist der Ien- seitsgedcmke, es ist ihr Leitstern, ter Rettungsanker, ter Maßstab für alles, was gut und recht ist. Mit vollem Recht hat man den hl. Bonifatius den Apostel Deutsch- lunbs genormt, term er pffanite überall bas Zeichen tes Kreuzes auf: dos deutsche Volk wurde ein christliches Volk. In volkstümlicher Weise ging Redner dann auf die iiefgcbenden Wandlimoen im Jahre 1919 in Deutschland ein Dor Liberalismus war der Dorlirufer tes Somalis- mus; letzterer hat in Millionen von Schriften den Stau­ben an Christus systematisch ausgerottet. Er hat b« MiKonen unserer Dottsgenosien das religiöse Gefühl zum Absterbon gebracht, ihm ist die Religion nicht Prnxrtsoche. Der Sorialisnms ist bei vielen nichts anderes als tapitu- listtfche Selbstsucht, er ist deshalb ohnmächtig im Kampfe, gegen ben Kapitalismus. Das Neuheidentum, wie es ber. Sozmlismus darstellt, zerstört bie Grundlage ber FamWe, die Gefahren für unser christliches Volk sind groß. Arm und fselenlos ist das Familienleben, aus tem bie Religion verbannt ist und es ist trostlos bei SchickfalssMägen. da es ja nach foziasistilcher Lehre kein Wiedersehen mehr geben soll. (Der Hochw. Herr Dsichof tritt in den Saol und wird von dem Vorsitzenden herzlich begrüßt. Er richtet sofort herzliche Worte an die Versammlung unb ertast ytm Schluß ben Segen.)

In ter Fortsetzung seiner Rete sprach Emil Ritter über die Sehnsucht des menschlichen Herzens nach bae