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Samstag, 4. Juni 1921.

Fuldaer Leitung

Druck der Fuldaer Aetieudrackerei in Fulda

8mm es M MskWiiMm?

Sprenguagsverfuch«.

Je mehr geredet wirb, desto schlechter sieht es mit der Sammlung aus.

Unter den gegenwärtigen Verhältnissen ist es doch das klarste und dringlichste Gebot der Stunde, daß sich alle Vvlkskräfte, die zur Erfüllung des Ultimatums entschlossen sind, ohne Unterschied der Parteien und Klassen vereinigen zur Rettung des Vaterlandes. Aber an Stelle der notwendigen Arbeitsgemeinschaft sehen wir wieder die dien Eifersüchteleien und Eng­herzigkeiten auftauchen. Es wird der alte Streit um dieKoalition" weilergeführt, als ob wir nr behag­lichen Verhältnissen lebten, die uns den Luxus von »Krisen" gestalteten.

Wenn in dem Stile weiter debattiert wird, so kom­men wir zu einer Auflösung des Reichs­tages und zu einem heißen Wahlkampf. Damit würde viel Kraft und viel Zeit verbraucht werden, die wir doch zur schaffenden Arbeit so bitternotwendig haben. Uni} daß aus der Wahl sich eine seste Koa­lition und eine starke Regierung ergeben würde, ist noch gar nicht ausgemacht. Wenn die FrageEr­füllung ober Okkupation?" durch einen einfachen Volks­entscheid mit Ja oder Rein zu beantworten wäre, so würde zweifellos das Regierungsprogramm der Er­füllung die große Mehrheit erhalten. Aber wenn nach den Parteilisten kunstgerecht gewähll wird, so können sich unter den Volksvertretern wieder eine Reihe von Abgeordneten befinden, die ihre angebliche Bereit- fchast zur Mitarbeit von allerhand Vorbehalten und Voraussetzungen abhängig machen, sodaß sich die alten Schwierigkeiten in der Koalitions- und Regierungs­bildung doch wieder einstellen.

Auflösung und Neuwahl wäre also noch ein Sprung ins Dunkle. Alle Umstände drängen darauf hin, daß die gegenwärtigen Volksvertreter sich zu einer brauchbaren Arbeitsgemeinschaft vereinigen.

Wo stecken die Hemmnisse und Hindernisse? Auf die Radikalen von rechts und auch die Kom- m u n i st e n von links ist von vornherein nicht zu rechnen, da diese Flügelparteien auf Agitation statt verantwortlicher Arbeit gerichtet sind. Die übrigen Parteien würden ausreichen, weint sie nur über die Kreidestriche sich himoegsetzen wollten, die zwischen ihnen gezogen sind. Die Sozialisten hallen fest an ihrem selbstgefälligen Verdikt, daß sie mit der Deut­schen Volkspartei sich nicht verbünden könnten, und die Deutsche Volkspartei schiebt so viele Wenn und Aber vor, daß man an den rechten Trieb zur vollen Teilung ber Mühsal und der Verantwort­lichkeit zweifelhaft bleibt. Nun kommt die d e u t s ch- demokratische Partei und erklärt, daß sie von vornherein ihre Teilnahme an der Regierung von einer Verbreiterung der Koalition abhängig gemacht habe und jetzt den Zeitpunkt für gekommen erachte. Wenn der Anschluß der Deutschen Volkspartei wieder vereitelt werde, so könnten sie (die Demokraten) auch nicht mehr mittun.

Das Zentrum wünscht bekanntlich ebenfalls den Ausbau der Koalition durch Anschluß der Deutschen Volkspartei; wenn es auch diese Forderung nicht gleich in einem Ultimatum formuliert. Was voriges Jahr schon für notwendig erachtet wurde »ist jetzt erst recht eine Staatsnotwendigkeit, nachdem bas Ultimatum uns eine furchtbare Last aufcrlegt hat, die nur mit vereinten Kräften zu tragen ist.

Allerdings kann das Kabinett Wirth auf eine zahlenmäßige Mehrheit im Reichstag rechnen, wenn dieunsicheren Kantonisten" sich der Stimmabgabe enthalten wollen. Unter den gegenwärtigen Umstän­den muß aber die Regierung nicht bloß eine relative, sondern die absolute Mehrheit des Reichstages hinter sich haben, um die gehörige Kraft für die innere Politik und das notwendige Ansehen im Auslände sich zu sichern.

Was folgt daraus? Daß diesmal das Verstecken- spielen hinter der Enthaltung von bet Abstimmung nicht zulässig ist. Der fianzösische Ministerpräsident fügte neulich in seiner Kammer: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich! Unsere Reichsregierung kann eben­falls sich das Ausweichen verbitten und allen, die sich nicht zu einem klaren Ja entschließen, als Gegner be­trachten. Wer so eint schwere innere Krisis her- beiführt, währenb die Gefahren von außen in Ober­schlesien und am Rhein das Vaterland so furchtbar belasten, der ladet auch schon durch die Stimment­haltung eine erdrückende Verantwortlichkeit auf sich. Sollte nicht doch das patriotische Gewissen schließlich den Ausschlag geben?

Unpolitische Zeitläufe.

Bon Fritz Äienkemper.

Berlin, 31. Mai 1921.

Es gibt Richter in Leipzig. Ihr Amt ist höchst ehrenwert, aber zu beneiden sind sie nicht. Sie kön­nen es so machen ober anders machen, angegrifsen werden sie auf jeden Fall, entweder von den Heißspor­nen im Auslande oder von den Heißspornen im Jnlande- Unter Umständen auch von beiden Seiten. Schon be1 den ersten Fällen ist dieses Kreuzfeuer in Gang gekom­men.

Es handelt sich um die nachträglichen Prozesse gegen die sog.Kriegsverbrecher", die auf Befehl der Sieger zur Rechenschaft gezogen werden. Mit Mühe und Not hat unsere Regierung durchgesetzt, daß die Angeschuldig. ten vor einen deutschen Gerichtshof kommen, vor einen Strafsenat unseres Reichsgerichts in Leipzig. Das ist gut für die Angeklagten, denn sie werden nicht den Vorurteilen und Leidenschaften ausgeliefert, die im Aus­lände noch vielfach herrfchen. Aber die deutsche Rechts­pflege wird dadurch schwer belastet. Das Reichsgericht hat eine große undankbare Arbeit. Wenn die Urteile nicht den Erwartungen ber Ankläger entsprechen, so werden die deutschen Richter der Parteilichkeit beschul­digt. 3m englischen Unterhouse hat man versucht, die ersten Urteile zu schelten. Auf die bloßen Zeitungs­berichte hin, die kein vollständiges und kein rein fach, liches Bild der Verhandlungen geben.. Die dortige Re­gierung sagt, man sollenicht voreilig" kritisieren. Es bleibt also die Ausssicht, daß nachher, wenn die amt­lichen Berichte vorliegen, in den betreffenden Parla­menten über die Leipziger Urteile hcrgezogen werden wird. Die Hetzer werben auf lange Zeit mit erwünschtem Stoff versehen fein; denn wer zanken und verdächtigen will, ber wiederholt die alten Anklagen, auch wenn sie vor Gericht widerlegt sind, und erklärt die Strafe für diel zu milde, wenn auch die gewichtigsten mildernden Umstände festgestellt sind.

Kürzlich hat der geschmeidige Ministerpräsident Driand in Paris gesagt, er habe Vertrauen zu dem guten Willen der gegenwärtigen deutschen Regierung. Es kann mal wieder anders werden, fo baß Herr Bruno »s für zweckmäßig erachtet, der deutschen Regierung »iedex sein Mißtrauen auszusprechen, Wir würben uns

M Öen MUMM 5t. NW.

Die Zentrums-ParlamentSkorresponbenz schreibt: Niemals ist die politische Stunde so ernst gewesen, niemals der von Dr. Wirth beabsichtigte soziale orientierte Kurs in der Politik so bedroht ge­wesen wie in der gegenwärtigen Stunde. Wollte man doch endlich einmal auf der Gegenseite den Mut aufbringen, klipp und klar zu sagen, daß das gegen­wärtige Kabinett und fein Führer deshalb so ver­haßt sind, weil Dr. Wirth in ehrlicher Weise bestrebt ist, die in dem Ultimatum übernommenen Verpflich­tungen in erster Linie auf die Schultern der Besitzenden abzuwälzen. Wie vor Wochen das Ja oder Neiist' bezüglich des Ultimatums, so steht heute dasWie der Durchführung" im Mittelpunkte der polnischen Diskussion. Hier werden sich die Geister scheiden, soweit sie bislang noch lavieren zu können glaubten. Man hat von der Seite der Reckten her die Programmrede des Reichs­kanzlers Wirth als verschwommen und nichtssagend dargestellt. Demgegenüber rst die eine Frage berech- tigt: Warum die Anfeindung der Persön­lichkeit Wirths, warum der Wunsch nach einem Ersatz für ihn im schlimmsten Falle aus den Reihen des Zentrums, wenn es ein wenig starker und zielbewußter Mann ist, der die Hand am Staatsruber hat. Gerade bei schwachen Per'önlich- keiten haben, tote die Erfahrung lehrt, die extremen Richtungen in der Politik manches Ziel erreichen können. Reichskanzler Wirth ist deshalb das Ziel des Hasses und der Anfeindung, weil er den Mut batte, in seiner Programmrede die scharfe Durch, führung der Besitzsteuer, starke Heranziehung der Sachgüter und Goldwerte zu verkünden. Das ist in Kreisen der Besitzenden, die nie so hohe Dividenden verteilten wie im letzten Jahre, wenig angenehm ins Ohr gedrungen. Man hat aus der Programmrede herausgehört, daß Wirth zunächst den Ueberfluß zum Wohle ter Allgemeinheit opfern will, ehe er in die Taschen des dürftig lebendenMenschen greift. Darum die Wut».Raserei. Darum aber auch haben alle sozialgench- teten Politiker die heilige Pflicht, in dieser schweren Stunde das Kabinett Wirth mit allen Mitteln zu stutzen, tote es der Zentrumsredner, der Abgeordnete Becker, tat, der keinen Zweifel darüber ließ, daß, ehe wir die anerkannten Menschenrechte und die so­zialen Errungenschaften preisgeben dürfen, der un­umstößliche Beweis erbracht sein muß, daß das große Kapital und auch entsprechend das mitt­lere geblutet, ja stark geblutet hat. lieber den ma­teriellen Gütern steht uns das Leben und die Ge­sundheit unserer Volksgenossen. Darum sollte man auf gegnerischer Seite frühzeitig erkennen, daß es mehr als gewagt ist, einen Ministerpräsidenten, der gerade wegen seiner sozialpolitischen Einstellung das Vertrauen weitester Kreise genießt, stürzen zu wollen.

5kMrr WM-

Die veutsch-UaUonalen beantragen ein Mißirauenrvolmn.

Die Aussprache über diegrotze Programm rede des Reichskanzlers fand am Freitag ihre Fortsetzung. Reben ber Minister wechselten mit solchen ber Parteidertreter. Die Ausführungen der Partei- rebner weichen zum Teil von der rein sachlichen Stellungnahme zum Regierungsprogramm ab und gehen stärker als am Vortage ineinerein^olilische Debatte über, die eine Gereiztheit zur Schau trägt.

Der Beginn der Sitzung zeigt die praktischeKonsequenz der am Vortage von deutschnationaler Seite gehaltenen Oppositionsrede. ES liegt nämlich von der deutsch- nationalen Fraktion ber Antrag vor:Der Reichstag wolle beschließen, der Reichstag versagt der Reichsregierung das Vertrauen, dessen sie nachArtikel S4derReichSverfassung bedarf." Die Sabotiernng der Regierung von deutschnationaler Seite ist nun einmal ..System"!

In ber politischen Debatte spricht zuerst ber Retchs- justizminister Schisser. Er sieht sich veranlaßt, bie Frage ber außerordentlichen Gerichte unb ber Gewährung einer allgemeinen Amnestie einer kurzen Betrachtung zu unterziehen. Danach sieht bie Reichsregierung bie Aus­nahmegesetze unb Ausnahmegerichte als eine uner. wünschte Erscheinung an. Ihr Abbau wirb er­folgen, wenn bie Voraussetzungen gegeben ftnb- In einzelnen Städten sind bie Ausnahmegerichte bereits aufgehoben, bie bleiben noch für Berlin, Halle, Bres­lau, Torgau, Rorbhaufen unb Naumburg.

Mit Spannring war bie Rebe Slrefemanns, der für bie deutsche Volkspartei sprach, zweifellos von allen Seiten erwartet worben. Denn nunmehr sprach er nach bem Austreten ber deutschen Dolkspartei aus der Re­gierung zum erstenmal wieder als Vertreter ber Opposition, allerdings das muß anerkannt wer-

nicht wundern, wenn im Verlaufe der Prozesse die deutsche Regierung für ein freisprechendes Urteil ver­antwortlich gemacht werben sollte, obschon bie Richter in Leipzig von ben Ministern unb von Abgeordneten vollständig unabhängig sind.

Die Richter selbst geht es gar nichts an, wel­chen Eindruck ihre Urteile auf die öffentliche Meinung machen, oder welche politischen Folgen sie überhaupt nach sich ziehen. Der Gerichtshof hat sich auch von vornherein auf ben richtigen Standpunkt gestellt: Hier wird keine Politik getrieben, sondern es wirb einfach ber Tatbestand in jedem Falle aufgeklärt unb bann bie geltenben Strafgesetze auf diesen Tatbestand angeroenbet. So gehört es sich. Sprich recht unb scheue niemand! Scheue weder die grimmigen Ankläger, bie auf bie aller­härteste Strafe bestehen, noch fdjeue bie übereifrigen Volksgenossen, bie alle Gewalttaten als Krlegsnotwen- bigkeit rechtfertigen und jede Verurteilung wie eine Liebedienerei gegenüber dem Auslände hinstcllen möch­ten.

Bisher sind zwei Prozesse erledigt unb mit beren Verlauf können wir zufrieden fein. Schöner wäre c® freilich gewesen, wenn ein Freispruch hätte erfolgen kön. nen unb Überhaupt keine strafbaren Ausschreitungen nachgewiesen wären. Aber bas war nicht zu erwarten, ba bie Ankläger so viel Belastringsmaterial zusammen- gestellt hatten, baß auf jeden Fall etwas hängen bleiben mußte. Doch zeigte sich sofort, baß hier von Kriegs­verbrechen feine Rebe fein konnte, fonbern höch­stens von Vergehen, unb daß die Mißhandlungen, fo bedauerlich sie auch sein mögen, doch weit entfernt waren von den fog. Kriegsgreueln, die man unfern Kriegern fo hartnäckig nachgesagt hat.

Es handelte sich um einen Unteroffizier unb um einen Hauptmann, ber von Beruf Rechtsanwalt war. Beibe hatten ein Gefangenenlager unter sehr schwieri. gen Verhältnissen zu verwalten. Der eine hatte mit einer Meuterei zu kämpfen, ba bie Gefangenen bie Arbeit verweigerten. Der anbere war in Bebrängnis, weit bas improvisierte Lager im zerstörten Gebiet, bicht hinter ber Front, an Einrichtung unb Verpflegung fast alles zu wünschen übrig ließ. Der zweite Fall sah nach ben Aussagen ber Voruntersuchung seh- böse aus, als ob ber Hauptmann wirklich ein leibenlchastlicher Men- jchenguäler gewesen wäre. Aber in der BeweisaufNLhme

ben einer maßvollen unb sachlichen Opposition. Seine Einstellung zur neuen Regierung ließ ihn zuerst bie Dinge hcrvorkehren, in benen er von ben Absichten unb Schritten ber Regierung abweichen zu müflen glaubte. Dabei roanbte er sich sowohl gegen einige Ausführungen bes Wieberaufbauministers Rathenau als auch gegen gewisse Deduktionen bes Reichskanzlers unb barin ver. nehmlich gegen bie Absicht, eine neue große Steuer auf bie Exportinbustrie zu legen. Er forh:rt entfchieben bie Beenbigung ber seinerzeit von ber En­tente eingeleiteten Sanktionen, ba nach Annahme bes Ultimatums jeher Rechtstitel für ihre Aufrechterhaltung erlebigt fei. Wichtig waren feine im Verhältnis zu ber großen Materie nur kurzen Ausführunaen über bie Stellung feiner Partei zur Regierung felbst. Er gab zu, baß bie Regierung bie von ihr übernommenen Verpflichtungen halten müsse unb baß jeher verpflichtet sei, ihr habet zur Seite zu stehen, er sprach davon, daß her Parteikarnpf auszuschalten sei unb tünbigt eine sachliche Opposition an, hie hie Sicherstellung her heuischen Zukunft nicht zu gefähr- hen beabsichtigt.' Damit bat Strefemann zum Ausdruck gebracht, baß bie Opposition nicht prinzimeller Natur sein soll, fonbern eine Entscheidung von Fall zu Fall vorsehe.

Der Demokrat Petersen wendet sich nach einer kurzen Rechtfertigung her Stellung ber hemr^-otischen Partei zum Ultimatum unb zum Eintritt in die Regierung so­fort in breiten Ausführungen ben einzelnen Parteien zu. Gegen ben heutschnationaten Reimer finbet er nicht mit Unrecht scharfe Worte Dom Präsibenten des Reichs­wirtschaftsrates, bem Edlen von Braun, Habe man etwas anderes erwartet. Starke Kritik unb kein positiocr Gedanke feien der Inhalt feiner Ausführungen gewesen. Die Unabhängigen kommen nach her Auffassung seiner Freunde für eine vernünftige demokratische Re. qierung nicht in Frage, solange sie noch auf bem Boden bes Rätesystems stehen, bie Demokratie ablehnen unb jetzt als wichtigste Forberung bie Amnestie unb bie Auf­hebung bes Belagerunazirstanbes aufstellen. Von starker politischer Bebeutuna ist zweifellos seine Stellungnahme einerseits zur Mehrheitssozialbemokratie. anbererfeits zur beutschen Volkspartei. In seinen weiteren Ausfüh­rungen betont Petersen, baß eine Verbreiterung her Regierungsbasis unbebingt nottoenbig sei. Die gegenwärtige Koalition könne nur vorübergehend sein. Wenn bie Sozialbemokraten ben Wiehereintritt her Deutschen Dolkspartei in bas Kabinett verhindern wollten, so würben bie Demokraten bie Konsequen­zen ziehen.

Nachbcm Reichskanzler Dr. Wrrth es als unrichtig erklärt hatte, baß auf Veranlassung ber Entente Ucbun- gen von Reichswehrsolbciien hätten eingestellt werben müssen, hielt zum Schluß her Kommunist Höll ein eine mehr als breiftünbige Rebe, allerbings vor leeren Bänken. Er richtete barin ben Appell an bas Prole­tariat, sich nichts gefallen zu lassen.

Anschlicßenb trat Vertagung auf Samstag ein: Wetterberatung.______

Die bemMMe WWAW.

Das Vertrauensvotum

für die Regierung Wirths.

Die Reichslagsdebatte über die Programmerklä­rung der Regierung Wirths dürfte lautVorwärts" heute zum Abschluß kommen. Das M i ß- trauensvotum der Deutschnationalen wird gegen eine kleine Minderheit, die vornehmlich aus K o m- munisten und Deutschnationalen bestehen wird, ab gelehnt werden. Da durch diese Ab­lehnung der Regierung indirekt dos Vertrauen aus­gesprochen wird, sind, wie die Blätter erfahren, die Koaiitionsparteien dahin übereittgckomomen, kein Vertrauensvotum einzubringen.

(WltM

Schwere Zusammenstöße zwischen Polen u. Franzosen.

Wie dieDost. Ztg." aus Oppeln meldet, ist es in Kattowitz zu schweren Zusammenstößen zwi- fd>n Polen und FrcnrzoZen gekommen. Ein von Franzosen geleiteter Lebensmitteitransport für die Katlowitzer Besatzung wurde von Insurgenten an der Stadtgrenze auf gehalten. Es kam zu einem Gefecht, in dessen Verlaut die Franzosen die polni­schen Straßenbarrikaden stürmten, die Insurgenten ver­folgten und das polnische Standquartier in Bogutschütz aushoben. Etwa 20 Insurgenten wurden gefangen genommen. Di« Franzosen nahmen eine S ä u d c - rungsaktion zwischen Kattowitz und Bogulschütz vor. Auch hierbei kam es zu lebhaften Feuer- gefechten zwischen Franzosen und Insur- getiten.

Bei den Schießereien in Kattowitz wurden mehrere Leute aus dem Publikum verletzt, darunter eine Frau tödlich. In der Nacht feuerten die Insur-

stellte sich heraus, daß ber Hauptmann alles mögliche getan hat, sogar unter Slnmenbung besonderer Kunst- griffe, um für feine Gefangenen bas Notwendige herbei­zuschaffen. Er meinte es gut, würbe aber vor Anstren. gung unb Sorgen nervös und ließ sich zu Mißhcmbltm- gen unb Schimpfworten hinreihen. Dafür muß er mit einem halben Jahr Gefängnis büßen. Es blieben Fälle von Roheit übrig, weswegen ihm bie Festungshaft ver­sagt würbe. Don ben unmenschlicher, Greueln, bie ihm bie englischen Gefangenen angeyängt halten, konnte er sich glücklicherweise reinigen. Nebenbei ein Zeichen, daß man ben Klatsch unb Tratsch, ber sich unter unzufrie- benen Gefangenen bilbet, nur mit ber größten Vorsicht behanbeln bars. In bem ersten Falle, gegenüber bem Unteroffizier Heynen, erwiesen sich bie englischen Zeu. genaussagen als stichhaltiger. Seine Gewalttätigkeit würbe vom Gerichtshof sehr scharf gebranbmartt, aber bie pflichimäßige Abwehr ber gefährlichen Meuterei ihm zugute gerechnet, sodaß zehn Monate Gefängnis als an» gemeßene Strafe verhängt wurden.

Wenn hie Englänber ober Frauzofen triefe Urteile als zu milbe bezeichnen wollen, so können wir sie nur ersuchen, sie möchten gefälligst alle ihre Korporale unb Offiziere, bie brutsche Gefangene gequält unb beschimpft haben, vor einem öffentlichen Gericht zur Verantwor­tung ziehen. Sic hüten sich eher wohlweislich, ihrerseits bas zu tun, was sie von uns verlangen. Unser Gerichts­hof kann sich um bie Gegenseitigkeit nicht kümmern. Die öffentliche Meinung aber muß, wenn sie ehrlich bleiben will, immer sich bewußt bleiben baß hier nur bie beut- schon Verfehlungen aufgestöbert, bagegen bie Mensch, lichkeiten unb sogar bie Unmenschlichkeiten auf her Ge­genseite mit bem Mantel ber Liebe zugeheckt bleiben.

Wir forbern mit Recht vorn Auslanbe, haß cs unser Reichsgericht respektiert. Dann müssen freilich auch alle Deutschen Respekt beweisen vor ihrem obersten Gerichts­hof, auch bann, wenn bas Urteil ihren Empsinbun- gen unb Wünschen nicht entspricht.

Im Gerichtssaal, wo bie Zeugnisse unb bie Zeugen selbst gründlich geprüft unb abgewogen »rben, ergibt sich vielfach ein anderes Bild, wie bei dr>- Vorunter­suchung, unb auch ein anderes Bild, wie i.t den nach­träglichen Prozeß«-.schtcrr,. Cs ist also immer ein ver- mefleats Wagnis, einem Gerichtshof in d« Rücken {ob

genten von Zalence Minen auf die Stadt ab. In Beuthen sind dir Insurgenten tief in das Weich­bild der Stadt eingedrungen und haben viele Geschäfte geplündert. Das in der Stadt anwesende französische Militär ist gegen die Plünderer nicht eingeschritten. In Tarnowitz hat der französische General dr Brandes den Bahnhof den Polen übergeben.

Nach einer Meldung desBerl. Lok.-Anz." tref­fen in Oberschlesien immer mehr reguläre polnische Truppen ein. Bei T a r n o w i tz wurde eine Kom­panie uniformierter polnischer Truppen unter Führung eines berittenen polnischen Offiziers gesehen. Auch bei Stof anberg «xhielten die Insurgenten Str» stärkungen durch reguläres polnisches Militär, das über Maschinengewehre und Artillerie verfügte.

Die kürzlich von Korfanty unter Zwangsverwal­tung gestellte Vergwerksdirektion Hinden­burg ist dem National-Polen Zielemicz unterstellt worden, der bis zu dem oberschlesischen Aufstand Leiter des polnischen Kohtenamts irr Warschau war. Es ist dies ein Zeichen für das planmäßige Zusammenarbei­ten der polnischen Insurgenten mit dem polnischen Staat.

Ein Dorrücken der englischen Truppen ist immer noch nicht erfolgt.

Reichstagsabg. Hartmann Wieder ans freiem Fuß.

Rach neuerdings eingegangenen Nachrichten aus Oppeln befindet sich der von den Polen verschleppr gewesene deutschnationale Abgeordnete Hartmann wieder auf freiem Fuß.

Das deutsche Hilsswerk für Oberschlesien.

Um das Hilfswerk wirksam zu gestalten, haben sich das deutsche Rote Kreuz, die vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier und der Bund der deutschen Grenzmarken-Schutzoerbände zu einer Zweckvereini­gungO b ers chl e sie r - Hi l f s w er k" zusammen­geschlossen.

Die Zweckoereinigung hat die alleinige Erlaubnis zu Sammlungen für Oberschlesien. Die Geschäftsstelle des Oberschlesier-Hilfswerkes befindet sich in Berlin, Unter den Linden 78. Die Vereinigung forbert olle deutschen Frauen und Männer und alle größeren Or­ganisationen auf, schleunigst Spenden ei'Tzuzahlen auf das KontoOberschlefier-Hilfstverk "bei u-. Deutschen Reichsbank. _

Der Frievenszustaud zwischen

Amerika «uv Deutschland

Der Auswärtig« Ausschuß' des Repräsentanten,- hauses in Washington Hot beschlossen, dem Hause die Resolution Porter zugehen zu lassen, die die Auf. Hebung des Kriegszustandes zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland und Oesterreich vorsieht. Die Resolution soll an die Stelle der Resolution Knox treten. Porter erklärte, seine Resolution werbe dem Repräsentantenhause in der nächsten Woche zur sofortigen Beratung unterbreitet

Der Raub her deutschen Kolonien.

Der australische Ministerpräsihent hat ben Generalsekretär des Völkerbundes telegra­phisch bavon in Kenntnis gesetzt, baß bie australische Re' gierungi am 9. Mai eine neue Verwaltung in her ehe­maligen beutschen Kolonie Neu-Gut nea einge­führt hat.

Das deutsche Eigentum in Südafrika.

Die Reparationskommission bat sich gegenüber ben beutschen Einwenbungen gegen bie Beschlüsse der füb. afrikanischen Regierung in ber Frage her ßiquibaiion her beutschen Güter in Sübafrifa hm Stanbjnintt bet sübafri konischen Regierung angeschlossen. Hiernach kann bas Ergebnis hiefer ßiquibationen Deutschlanb nicht auf bas Reparationskonto gutgeschriebcn werben.

Der englische Dergarbsflerslrrik.

Offiziell lvird mitgetcilt, daß der Vollzugsausschuß der Bergarbeiter die B e d t n g u n g e n der Reaierung ab gelehnt hat.

Aus dem besetzten Gebiet.

' Die alliiert«» Sollbeamten gleichberechtigt mit deutschen. Aus einer neuen Verfügung ber in­teralliierten R hein la n bkommifsion ist zu schließen, daß man in dieser Kommission noch mit einer längeren Itigkeit ber un bered), tigten Rheinzollbestimmungen rechnet. Sic hat nämlich verfügt, daß in Abwesenheit von deutschen Zollbeamten die änderten Zollbeamten dieselbe Mach! besitzen wie die deutschen Zollbeamten, soweit die Unter­drückung von Widerstand gegen die Zollbestimmungev in Betracht kommt.

len zu wollen. Bei ben gegenwärtigen Prozessen ge. bietet sogar ber Patriotismus eine vorsichtige Zurück­haltung.

Eine allgemeine Nutzanwendung brängt sich noch auf. Wir sehen schon aus diesen ersten Prozessen, mu leicht sich ein Klatsch und ein Tratsch bildet, ber über­triebene unb ganz ungerechte Anschuldigungen in Umlauf bringt unb in ben Gemütern sich sestsetzl. Sehe jeher, boß er nicht mitfchulbiz wirb an her grausamen EHr- abschneiberei, inhem er gehässiges Gerebe ungeprüft und unbefugt todterirägt.

Welches (Blieb am Körper macht sich zumeist ber Miß. hanhltmg am Mitmenschen schuldig? Die geschwätzig« Zunge!

Das Verschwinden des Humors.

Die nachfolgenden Zeiten, bie herKöln. Volksztg." entnommen sind, werben auch in unserem ßeserkreise Interesse finden und viel- leicht hie kleine Schar derjenigen stärken, hie um hie Erhaltung bes Humors im öffentlichen Leben, selbst in ben Fuldaer Stadtverordneten- fitzuncren, sich bemühen.

Als eines der wejentlid)en Talente, auf bas niemand verzichten dürfe, wenn er im öffentlichen Leben vorwärts unb zu Bedeutung kommen wolle, haben geistvolle Män­ner den Humor bezeichnet, den leichten Sinn unb bie leichte Lotme, mit der man im Privatleben, aber noch mehr im öffentlichen Leben, über schwierige Situationen viel leichter hinweg kommt, als mit pathetischer Geberde ober elegt» schein Gewinsel.

Humor ist ein schwer zu bestimmender Begriff. Das Wott selbst bedeutet eigentlich Feuchtigkeit, unb geläufig im Volksmunde wurde es erft im 17. Jahrhundert, als sich die Heilkunde jener Zeit eine Theorie zurechtlegte, die ähnlich wie die medizinische Wisicnschoft von heute her. guten und bösen Mikroben alle krankhaften Ver­änderungen im menschlichen Corpus damals dem Walten von vier Säften, Humores, beilegte, von denen, wie schon im Faust zu lesen ist, Blut als einganz besonderer Saft angefeben wurde. Das Wesen der Hmnoral-Pathologie ist von ber Schulmedizin in die Rumpelkammer geworfen, ober, das Wort itt aM-chell. um bedeutet er s. Lütt