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Samstag, 4» 3uni 192L
Nr. 126
Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Dr. Kramer, :: für die Anzeigen: I. Parzeller, Fulda. -
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DiözesaN'Lalholikenkag in Fulda 5. Juni 1921
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48. Zahrg.
Wenn Blitze sprühen
Cor inquietum est . .
lands!
Atzert.
Der Alltag schweigt! — Sein müdes, hartes Hämmern Verstummte vor dem Feierglockenklang, Der jubelnd sich aus Worgennebeldämmern In tausend glaubenshelle Herzen sang---
Ls floh der Sturm, der von den Maienbäumen Die ersten Blätter grausam schon gestreifi. . . Und in die Seele sinkt ein süßes Träumen, Das auf zum Himmelssternenreigen schweift. Wo uns nach dieses Daseins Herbststurmwehen Verklärt ein Frühlingsmorgenauferstehen.
Lin Festtag ruft! — Aus irren Vebelpfaden Heb' deinen Blick zu lichtem Sternenziel!
Vertrauend wirf an ewigen Gestaden Die Anker in des Lebens Wellenspiel!
Verachte dieser Erde feilen Plunder, Erschauernd vor des Todes Grabesgraun, Flieh' ans dem Schatten staubverfallner Wunder Zum Sonnenglanze goldner Himmelsaun!
Empor aus dumpfem Erdengualendunkel Zu reiner Freude Demantlichtgefunkel!
Diaspora, in dem das Diözesangebiet voir zirka 200 0Ö0 Katholiken neben 1 '200 000, also 6mal so viel Andersgläubigen bewohnt wird. Die Kreise Fulda, teilweise Hünfeld und Gersfeld, di« Dekanate Geisa, Amöneburg, Orb, Salmünster und das Freigericht sind so ziemlich die einzigen zusammenhängenden katholischen Gebiete, alles übrige ist Diaspora und darunter sind unermeßlich welle Seelsorgebezirke mit großer fortwährend zunehmender katholischer Bevölkerung bei unzureichender Zahl von seelsorycrlichen Kräften. So zählt z. B. die über 6 Amtsgerichtsbezirke ausgebreitete Pfarrei Weimar nmd 4000 Katholiken, von denen zirka 1600 auf die Stadt Weimar selbst entfallen. Sn dem einen Amtsgerichtsbezirk Blankenhain allein wohnen in 160 Ortsasten 300 Katholiken. Sm Amtsbezirk Allstedt wohnen über 500 Katholiken, davon zirka 160 in dem Städtchen selbst. Aehnllche BerhLtmsse bestehen in der Pfarrei Sena. Ueberaus schwierig sind auch die Derhältnisse in der Pfarrei Bockenheim (Frankfurt-West). Nach einer Schilderung des dortigen Pfarrers auf dem Mis- sicmsfest an der Wendelrmiskapelle am Dreifaltigkeitssonntag wohnen in Bornheim heute 15000 Katholiken
Bonifatius lebt.
Wohl ist er schon seit 1200 Sohren tot und ruht in der stillen Gruft, über die die Kuppel des Fuldaer Domes sich wölbt, aber er lebt auch noch. Der Bonifatiusverein ist der fortlebende Bonifa» tius, was Bonifatius begonnen, will der Bonifatius- verein fortsetzen, was Bonifatius unseren Borfahren gebracht — den hl. katholischen Glauben, — will der Bonifatiusverein erhalten in der Diaspora. Was ist Diaspora? „Diaspora" heißt Zerstreuung. Ueber- oll, wo Katholiken, tosgerissen von der Gemeinschaft geordneter kirchlicher Verhältnisse, wie zerstreute und verirrte Schäflern auf der Heide unter einer erdriicken- Mehrheit von Andersgläubigen leben, da ist Zerstreu- ung, da ist Diaspora.
Was ist Diasporanot? Das ist Seeiennot, Schiffbruch am Glauben und oft Untergang in sittlichem Elend. Schiffbruch am Glauben! Davon reden die Mischehen, die ungetauften Kinder, die protestantisch getauften und protestantisch erzogenen Kinder katholischer Herkunft. Sm letzten Sahrzchnt vor dem Krieg haben allein im preußischen Diasporagebiet beinahe drei Fünftel der eheschließenden Kacho- liken sich mit Andersgläubigen verheiratet. Es ist daher kein Wunder, wenn von 207 613 Kinder aus Mischehen beinahe 150 000 evangelisch erzogen wurden. Was wird aus all den Kindern werden, di« ohm Mutter durch die ersten und gefährdeten Sahre des Lebens gehen?
Auf Schiffbruch des Glaubens folgt nur zu oft Schiffbruch der Sitten. Die Diaspora ist ein unergründlicher Abgrund sittlichen Elendes. Davon reden die Zahlen der unehelichen Geburten und der Ehescheidungen, davon reden aber am eindringlichsten die Schilderungen vorn Seelenelend zahlloser Glaubensgenossen, von getäuschten Hoffnungen, oeri»reinem Glück. Davon reden die Tränen katholischer Mütter und die Wehmut klagender Diasporakinder. Schiffbruch des Glaubens und Schiffbruch der Sitten ist Schiffbruch des Lebens. Als auf der Katholikenver- sammlung in Bonn P. Bonaventura das Wort ergriff, um über die katholische Diaspora zu reden, ries er aus: „Sch komme mir vor, wie ein Mann, der von einem Schiffbruch gerettet am Lande stehend um Hilfe ruft. Er weiß, daß draußen Tausende von seinen Brüdern noch mit Wind und Wogen auf den letzten Planken kämpfen, um sich dem sicheren Verderben zu entreißen." Dieser Gedanke hatte einst den hl. Bonifatius erfüllt, als er von seinem Kloster in England drüben den Seherblick schweisen ließ, über die weite See bis hinein in die tiefen Urwälder Germaniens, wo seine Stammesbrüder in der Nacht des Heidemums wandetten, und ihn angetneben und begeistert, sie für Christus und seine hl. Kirche zu gewinnen.
Dieser Gedanke lebt fort im Bonisatiusverein und ruft immer wieder neue Helfer auf zu dem großen Werk der Erhaltung des hl. katholischen Glaubens in der Diaspora. Gebet ist dabei das erste große Hilfsmittel. Sn den Palästen der Reichen und in den hätten der Armen steigt der Ruf zum Himmel: „Hell. Bonifatius, bitte für uns!" Der fromme Priester am Altar« und der schaffende Arbeiter in der Werkstatt, sie beten: „Heiliger Bonifatius, bitte für uns!" Das Kind in der Schule hat von dem großen Apostel der Deutschen gehört und weiß, wer seine kleinen Brüder und Schwestern im Lande der Diaspora behütet; vs betet: „Heiliger Bonifatius, bitte für uns!"
Doch auch materielle Mittel sind notwendig, ohne diese baut man keine Kirchen und Schulen. Das wissen seine Mitglieder, darum haben sie, seit es einen Bonisatiusverein gibt, mehr als 60 Mill. Mark für die Diaspora aufgebracht, darum haben sie auch in der schweren Kriegszeit nicht aufgehört, ihr Scherf- lein zu spenden, darum werden sie auch in Zukunft dem Bonifatiusverein ihrs Hilfe nicht versagen.
O, was könnten die 3000 Orte, wo feine Hände Segen gespendet haben, erzählen, von gelindertem Elend, von wiedergefundenem Frieden, von seligem Glück großer Gemeinden und zahlreicher Geschlechter. Keine Geschichtsschreibung wird davon berichten, wieviel Großes der Bonisatiusverein in den weiten Gebieten der Diaspora grundgelegt, wie viel Berfall mrd Untergang er aufgehalten mid verhütet hat.
Dcch wie die ehrwürdigen Dome und Kirchen aus dem Mittelalter als stumme Wahrzeichen zum Himmel ragen, um* Zeugnis abzulegen für die belebende Wun- derkraft unserer Kirche, so teerten in späteren Zeiten gir manche Kirchen und schulen und Waisenhäuser von den Mutterhänten des Bonifatiusvereins erzählen, der einstens durch die Lande ging, wie der Herland durch die Dörfer unt Städte des Sudenlandes. „Pertranjiid benefaeiendo. Er ging umher, Wohltaten spendend."
Sn der Tat, Bischof Hassner von Mainz hatte recht, als er zum goldenen Subiläum des Bonifatiusvereins im Sahre 1899 auf der Fuldaer Dum kanzel ausries: „Bonisatius ist nicht tot! Bonisatius lebt unter uns, in unserer Mitte." üRöge ter bevorstehende Katholikentag auch für den Bonifatiusverein ein reicher Erntetag werten, intern alle Teilnehmer sich auch wieder aufs neue begeistern für die großen Aufgaben des Vereins, die er vor allem in unserer Diözese zu erfüllen hat.
Bekanntlich hat die an Seelenzahl nahezu kleinste Diözese Fulda verhältnismäßig fast die größte
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Don P. Dr. Ewald Müller, O. F. M., Frauenberg
Fulda's Katholiken und die Männer und Frauen unseres Fuldaer Landes sammeln sich zur großen Heeresschau am Tage ihres hl. Apostels und Patrons St. Bonifatius. Religiöse Verinnerlichung, Stärkung des katholischen Gesamtbewußtseins, freudige Mitarbeit am großen Ganzen unserer hl. Kirche und unseres Vaterlandes, das sind die Schlagworte, unter denen diese Tage stehen.
Aber mir will scheinen, daß es nur Schlagworte sind, die einen endlosen Subet und Beifall erzeugen, wenn sie in begeisterndem Ton unter die Menge gerufen werden, daß es aber echtes Feuer sein müßte, lebendiges, wahres, frifchlodemdes und nicht zuletzt opferfrohes Himmelsfeuer, das in diesen Tagen vom Geber alles Guten m die Menschenherzen der Tell» nehmer hinfallen müßte; daß die Taufende von Men- schm, die kommen werten, von dem gewaltigen Evangelium der christlichen Gottes- und Nächstenliebe un- widerstehllch erfaßt werten, und dieses Feuer der Gottes- und Nächstenliebe in ihren Herzen hineintragen müßten in die Häuser ter Stadt, hinaus in die Dörfer und die Städte, in die Höfe und die Hütten, in die Täler und auf die Berge, daß überall der Flammenstoß der christlichen Ovferliebe auflodere und weiterbrenne gut Ehre des Allmächtigen und zum frohen Heile der armen Menschheit.
ÜBie mag das geschehen, ihr lieben Männer und Frauen der Fuldaer Lande?
Daß wir hineingehen in unsere Gotteshäuser, diese wahren, echten Gottes Häuser, in denen ter Allmächtige thront, und dort vom Altäre uns die Opferfreute und Tatenkraft, die den Christen charakterisiert, holen. Daß der rounterbare Opferakt am Sonntagmorgen und in den Frühstunden des Alltags, das hl. Meßopfer, für uns ein Erlebnis werde all ter großen Wahrheiten und Freuten unserer unvergleichlichen hl. Rellgion. Das ist Liturgie, und das ist und muß letzten Endes ter Zweck der sogenannten liturgischen Bewegung sein. Ganz falsch wäre es, wollte man Liturgie oerwechfeln mit schöner, künstlerischer „Ausführung" des Gottesdienstes, mit großartigem Genuß und künstlerischer Feinschmeckerei, die man in den Gesängen oter den altehrwürdigen Zeremonien beim Altardienste ober im Orgel-
Sursum corda!
Zum ersten Fuldaer Katholikentag
Verrauschen lodernd sie im Weer des Lichts. Versunkner Sterne Flammentrümmer glühen Im Sturm der Rächt — und gleiten jäh ins Nichts. Zum Woderstaub zerfällt des Alls Getriebe Im Worgenschauer der Unendlichkeit---
Unruhig ist das Herz — bis Gottes Liebe Dem ungestümen Wünschen Ruh verleiht. . . Ein ungestilltes Sehnen ist das Leben, Dem nur der Himmel kann Erfüllung geben.
„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!" O daß durchglute uns dies Heilandwort, Wenn uns umflort der Kirche Andachkbeben, O daß es feurig lohe fort und fort. Erleuchte diese Segensfeierstunden, Vergolde noch des grauen Alltags Tun, Und hoffend unsre Seele laß gesunden!--
Die Glocken schweigen!---Andachtsskille nun!
Hell flammen auf des Hochalkares Kerzen — Die Orgel braust! — Zu Gott empor die Herzen!
H. L.
unter 45 000 Andersgläubigen. Es sind zumeist Familien zugezogener Arbeiter aus der Gegend von Aschaffenburg, Würzburg, aus dem Spessart und aus tem Fuldaer Land. Die dortige Pfarrkirche ist von Pfarrer Heinrich Fidelis Müller, der 1861 als erster Seelsorger nach Bockenheim kam, erbaut worden. 1871 wurde sie eingeweiht. Damals zählte die Pfarrei 1500 Seelen, heute ist sie zehnmal so groß. 2000 Schulkinder Men allein die kleine Kirche mehr als zweimal, nicht zu denken an die Erwachsenen. Bon morgens 6’Ä bis 12« Uhr sind 5 Messen, außerdem zwei im Elisabethenhaus, und von morgens 6 bis mit- tags 1 Uhr wird die Kirche nicht leer. Aber trotzdem ist es nicht möglich, daß die Katholiken dort die heilige Messe besuchen können. Sechstausend tonnen keinen Platz in ter Kirche finden. Unter solchen Umfamten ist es nicht wunderlich, wenn viele von Haus aus schwache Katholiken, die aus den oerschietensten Grünten gar feine oder nur ungenügende religiöse Anregung empfangen, nach und nach ter religiösen Gleichgiltigkeit, ja tem Unglauben verfallen, da ist es erklärlich, wenn [e viele Kinder aus gemischten Ehen, auch solche, die
nach dem Dersvrechen ihrer Eltern und nach dem Gesetze ter kdholischen Religion ^geführt werten müßten, ihr entzogen werden und viele Familien, ja ganze Generationen der Kirche verloren gehen. Da heißt es helfen und opfern, damit Kirchen gebaut, Schuleir eingerichtet, Priester und Lehrer in die Diaspora gesandt werden können. Erfreulicherweise ist gerate in den letzten Jahren ein tieferes (Einbringen des Bonifatius gedankens in die weitesten Schichten unseres katholischen Volkes nicht zu verkennen. Wiederholt sind unsere Bischöfe in den letzten Jahren warm für den Bonifatiusverein eingetreten, so im August 1918 und Ostern 1919, ter gonge Jammer unserer Diaspora wurde da »or der breiten Öffentlichkeit ausgedeckt. 3m Jahr 1919 sind zirka 8y4 Millionen Mark ei «gegangen, das sind 3% Millionen Mark mehr als im Vorjahr. Mit ter wachsenden Teuerung hat die Einnahme freilich noch nicht gleichen Schritt gehallen, da müßten sie auf 15 bis 20 Millionen steigen. Auch unsere Diözese ist an tem Mehrertrag beteiligt. Für das Jahr 1919 rangiert sie unter 15 Diözesen an 8. Stelle mit 0,49 Mk. auf den Kopf ter katholischen Bevölkerung, ten Höchstbetrag weist Hildesheim mit 75 Pfg. auf, dann folgt Limburg mit 65 Pfg., Osnabrück mit 56 Pfg. usw. Soweit sich jetzt schon für 1920 eine Uebersicht gewinnen läßt, sind die Einnahmen weiter gestiegen, so daß Fulda in der nächsten Statistik vielleicht noch besser abschneitet und wenigstens die Nachbardiözese Limburg erreicht. Jedenfalls sei die Förderung des Bonifatiusvereins einer ter ersten und wichtigsten Vorsätze, die ter Katholikentag zeitigen soll. Einführungder „Einigungen" in allen Gemeinden, Sammlungen in den Schulen im Anschluß an den Kind- Heit-Iesuverein. (Archer ten 5 Pfg. für die Heitenmffsion soll jedes Kind noch 5 Pfg. für die deutschen Diasporakinder geben). Veranstaltung von Bonisatiustagen, Hinweis auf den Verein in sonstigen Versammlungen, zweimalige Kirchen-Kollekt« für den Verein, außerordentliche Gaben, Erwerbung der lebenslänglichen Mitgliedschaft (100 Mk.), SchenkungenmitZinsenerhalt, Legate in Testamenten. Das sind die v«ffchiedenen Wege, auf denen ter Bonifatiusverein unterstützt werten kann, ein oder ter untere davon ist für Jedermann gangbar. Darum auf zur Tat, damit immer mehr sich erfüllt, was Dr. Donters auf ter Katho» likenversarnnMng in Mainz vom hl. Bonifatll-s fegtet „Einmal ein Apostel — auf immer gin Apostel! Einmal ein Vater — au# immer ein Vatc ' Einmal ein Gründer solch großer Werke — auf immer ein Gründer für die Katholiken Deutsch-