Fuldaer Zeitung
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habe in meiner Not an Sie telephoniert und bin so froh, daß Sie gleich gekommen sind. Tausend Dank dafür!" Frau von Lebanosf reichte dem eintretenden älteren Herrn ihre schöne, schlanke Hand und sah mir unruhigem Blick in sein kluges, ruhiges Gesicht.
„Ist Ihrem Sohn etwas Besonderes zugestohen? Er schien gestern doch ganz wohl."
„Nein, Gott sei Dank, das ist es nicht. Es gcht Alex nicht schlechter als gewöhnlich, es betrifft ihn nur mittelbar. Es ist nämlich, daß fein Fräulein — sie war ja gar nicht besonders, lange nicht das, was man van ihr verlangen konnte — Sie kannten sie ja,_ S)trr Geheimrat —, eigentlich war sie eine unzuverlässige Person, und das hat sich ja eben mieber «wiesen, ab« Alex war an sie gewöhnt, und Sie wisien, er gewöhm sich so schw«. 3a, also denken Sie nur, ihr Vater tft ganz plötzlich gestorben und die Schwester, die die gelähmte Mutter pflegt, schwer erkrankt. Sie ist sofort ab. gereist, und Alex sitzt nun ohne Fräulein da. Er, d« jeden Augenblick jemand um sich haben muß, der ft vieler körperlicher Umsörgung bedarf! Wo bekommet? wir nun eine zuverlässige Person für ihn her?
Sie rang die Hände, und ihre Augen irrten suchend und unruhig im Zimmer umher. Die vornehme Be- herrschtheit, die im Salon über ihr lag, «ar vollkommen verschwunden; sie zeigte sich setzt nur als nervöse, fieberhaft erregte Frau. Der Geheimrat schüttelte den Kopf. „Aber, verehrte Baronin, das ist doch kein Grund, um sich so aufzuregen. Sie tun sich damit mehr schaden, als die Sache wert ist " „Sagen Sie das mcht, Sie kennen Alex doch nun schon von unserem mehr- fachen Aufenthalt in München. Sie wisien, wie jeder Wechsel, jede Aufregung auf seinen Zustand wirkt, und Sie wisien auch, was mir die Erhaltung des Kindes wert ist." „Gewiß; aber Sie haben doch eine Sungfer mit, und die beiden jungen Damen —"
„Ich bitte Sie, lieber Geheimrat, welche Verkennung der Derhältnisie! Di« Jungfer ist ganz unbrauchbar zur Krankenpflege; sie ist ein Kleinod für alles, was in ihr Fach schlägt, aber doch nicht für das, was Alex braucht. Und meine Töchter? Lieber Geheimrat, kön. nen Sie sich Karin auf solchem Posten denken? Und Ebbe, das unbedachte Kind? Nein, nein, davon kann nicht die Rede sein." „Ich meine auch nur zur äugen-
Berufs- und Arbeitskleid der Frau.
Hand in Hand mit der Erschließung aller Frauenberufe ging der Wunsch nach passender Berufskleidung. In den schweren Kriegsjahren war die Kleiderfrage länglich eine Dekleidungsfrage geworden. ') Stoffknapp- heit, Bezugsschein und Innung konnten besondere Rücksichten auf Aussehen und ausgesprochene Zweckdienlichkeit des einzelnen Kleidungsstückes nicht genommen werden. Bei der Wiederbelebung auf dem Textilmarkt find für die deutsche Frau neue Ausführungsmöglichkoilen ihrer Staat geschaffen. Zweckmäßigkeit der Kleidung schließt Richtigkeit und Geschmack em. Wirkt logisches Denken und Schvnhertsgesühl vereint, so wird es möglich sein, ein hygienisch einwandfreies, standesgemäßes, praktisches und schönes Berufskleid zu schaffen, desien Anschaffung mit de« Einnahmen seiner Trägerin in Einklang steht. Einige Betrachtungen feien hier angestellt.
Für alle Berufskleidung gibt es allgemeine Richtlinien, je nachdem sich die im Beruf Stehende viel oder wenig bewegt, ob sie in geschlossenen Räumen oder in freier Lust tätig tft. Für alle Berufsarten, die eine körperliche Bewegung erfordern, ist das zusammenhängende Kleid, das in der Taille durch einen Gürtel leicht gehalten ist, unbedingt das Empfehlenswerteste, Der Halsausschnitt kann viereckig, spitz oder rmck> sein.
I Schmuck der Kleider mag durch Handstickerei, Borde« oder durch Besatz in abstechatdem Stoff angebracht werden. Derzierungstechniken aller Art mit ihrem lebendigen, fröhlichen Rythnms betonen die schönen Lmien der Zweckform und erfreuen, richtig angewendet, das Auge des
I Mitmenschen. Taschen aus dem Rock sind für Berufskier- I düng unentbehrlich. Es ist bedauerlich, daß die Mota I sie jahrelang gänzlich verbannt hat.
Für die Kontoristin, die eine ruhige Tottgketl ousirbt, !<mn Rock und Bluse beibehalten werden. Blusa, I find mit geringer Muhe herzustellen. Auch sind dieselben I schnell gewaschen. Erwünscht sind dreiviertellange Aermel I und kleiner Halsausschnitt. Sn den eintönigen Büro« I räumen ist eine farbige Bluse angebracht, dagegen wirkt I bei der Verkäuferin in bunten Warenlagern eine schwarz- I weiße Kleidung durchaus fein und wohltuend.
Dem Anzug der Lehrerin ist besondere Auf- I merksamkeit zuzuwenden, da die ausnohmesähige Jugend I in den jüngeren Schien unbewußt auch von dem Asutze- I ren der Lehrerin beeinflußt wird, unb die Schülerinnen I im Heranwachsenden Alter oft mit Absicht dem Beispiel I ihrer Nigrerinnen folgen.
I Das in den letzten Ichren in Aufnahme gekommen« I Dirndlkleid wird ost an unrichtiger Stelle getrogen. I Es gehört mit seinem lustigen Halsausschnitt >md den I kurzen knappen Aermeln weder in die Lager- und Bärw | räume eines Handelsgeschäftes, noch in die Fabrik, noch I in die Warenhäuser der Großstadt. Es paßt in länbl.chee I Gegend für junge Mädchen, die leichte Hausarbeit ver» I richten, wie z. B. für solche, die in Fremdenpensionen I bei Tisch aufwarten, ferner auch für Gärtnerinnen, denen hauptsächlich feinere Dluinenpflege obliegt. Für Gärt- nertmten, die Landarbeit tun, kommt nur wetterfeste, gui waschbare Kleidung in Frage.
Di« Hausbeamtin in der Stadt, deren TaNgkmt sich auf gröbere und feinere Arbeit erstreckt, kann sich den einzelnen Beschäftigungen durch Wechseln dmtkler mtd heller, derber und schmucker Schürzen anpasfen. Das Kleid muß praktisch und aus haltbarem Stoff angefer- tigt sein.
, Bei Laborantinnen und im Handwerk beschäftigten weiblichen Arbeiterinnen hat sich der weihe, gut wafch- , bare Kittel zum Ueberziehen gut bewährt._______________
dem Doktor sprechen," sagte Hans Heinrich erschreckt und vergaß im Augenblick sein eigenes Uebelbefinden.
Indem klopfte es, und der Arzt steckte seinen Kopf zur Tür hinein. „Verzeihung, Herr Baron, daß 'ch io hineinplatze, aber es war im Augenblick niemand da. der mich melden konnte." „Ditte, bitte, treten Sie näher, Herr Doktor. Was meinen Sie über Johann? Der alte treue Mann liegt mir sehr am Herzen. Der Doktor zuckte die Achseln und sah den Fragenden prüfend an. Er wird es wohl nicht durchhalten. Es wird schnell zu Ende gehen." „Ah, das täte mir unendlich leid! Kann irgend etwas Besonderes für ihn getan werden? Er käme auf keine Kosten an. Ich bleibe bann auch noch hier " „Nein, Herr Baron; deshalb komme ich eben zu Ihnen. Reisen Sie so schnell wie möglich. Es liegt An- steckungsgefahr vor. Johann hat Typhus, und es sind im Dorf schon mehr«e Erkrankungen vorgefallen. Wer nicht nötig hat, zu bleiben, soll gehen"
„Ah!" sagte Hans Heinrich und fühlte letzt wieder seinen Kopf und die Schwere in feinen Gliedern, und auf einmal brannte es in seinen Adern und brannte es in seinem Hirn, und überall waren Flammen. Er stand mitten darin, weiße Hände winkten, und Rosen dufteten. Aber dann kam ein anderes zartes Wesen mit braunen, tiefen Augen, in denen eine süße, zwingende Gewalt tag, und hob die Hand, daß der Rubin an deren Finger auffunkelte, und die Schlange ringelte sich auf Karin zu Die floh davon mit lautem Geschrei. Oder schrie er selbst so? Taufend Stimmen um ihn schollen und sein Kopf wollte fast zerspringen vor rasenden Schmerzen bei diesem Geschrei. Da hob die Urahne die Hand und alle Stimmen schwiegen. Es war ganz still um ihn, und in der Stile schwebte wieder die Gestatt mit den dunklen Augen und dem Grübchenlächeln im zarten Gesicht. Sie legte die weiße, kühle Hand auf seinen Kopf und fächelte ihm mit einet gelben Blume frische Lust zu. Da wurde ihm ganz frei und leicht, und er sagte laut; „Du bist die Erlösen. Nun wird mein Geschlecht wieder blühen, da es vom Fluch befreit ist." Danach kam eine große, dunkle Leere, durch die die Zeit mit schwerem Flügelschlage rauschte, eintönig, end. los, säst dicht bis an die Tore des Todes.
„Sieber Geheimrat, ich bin m flriCfe- Verlegenheit, beinahe in Verzweiflung. Stellest wissen Sie AG- W
Das nette Obertaunusheim.
In Falkenstein im Taunus am Fuße tes Altkönias, zwei Stunden vom großen Feldberg, 18 Kilometer von Frankfurt a. M. ist in diesen Tagen das ehemalige Offizierheim Taunus als ^etlftate f u r Kriegsbeschädigte des Mittelstandes vom Zentralkomitee des P reußtscheu L a n d e s v e r e i n nom Roten Kreuz m Betrieb genommen und eröffnet worden. Die Anstalt bildet ein Glied in der Kette einer Reihe von Fur- sorg Maßnahmen für den durch den Krieg und bte Geldentwertung besonders hart betroffenen Mittelstand.
Die Einweisung in das Heim zu einem merwochent- lichen Kurgebrauch geschieht auf entsprechenden Antrag durch das für die Kriegsbeschädigten zuständige Versorgungsamt, bei dem auch alle näheren Einzelheiten übcr Kurmittel und Arten der Krankheitsgruppen, die hier behandelt werden können, zu erfahren sind. Erwähnt sei hier nur, daß an Tuber-
Getmng. m ..
Man denke auch an gute und knappe Prägungen wie „Eigentum! verpflichtet" (Artikel 153).
Bezeichnend ist ein Vergleich der Artikel der alten und neuen Verfassung, die das Reichsrecht dem Nm- Lesstaatsrecht überordnen. Da heißt esm der alten Verfassung: „innerhalb des BundesgeblÄes ubt das Reich das Recht der Gesetzgebung nach Maß des In- Halts dieser Verfaffung und mit der Wirkung aus, daß die Reichsgesetze den Lantasgeschen vorgehM. (Berfaffimg 1871 Artikel 2). Diesen umständlichen Satz übersetzt die Verfaffung von Weimar kurz und Np^Wchsrecht bricht Sandrecht." Statt der 27 Worte drei! Und dabei ist noch mit dem Worte „brechen" ein alter deutscher Rechtsausdruck aufgerrom-
zeigt die Reichsverfassung von 1919 eine gute sprachliche Höhe. Es ist zu hoffen, daß sie auch als Sprachzeugnis wirkt, d. h., daß sie überall gelesen, I verstanden und beherzigt wird.
kulofe feibenbe, sowie ade Kurbedürsti^, die dauernde Bettruhe oder außergewöhnliche Wartung und Pflege nötig haben, nicht ausgenommen werden können Mid daß anderseits auf Anordnung der französischen Be- satzungsbehörde die hierher zur Kur entsandten Kriegs- beschädigten zu jedem Militärdienst untauglich fern mUSCT Kuraufenthalt ist für die Kriegsbeschädigten kostenlos, nur ehemals aktive Offiziere hoben als Selbstzahler den Betrag von täglich 20 Mark zu ent- ^Zu der vorzüglichen Ausstattung der Anstall mit Bädern aller Art, mit Apparaten zur elektrischen und Lichtbehandlung, sowie mit medikomechamfchen Appc^ raten, ist neuerdings noch die Anlage ein» Luft- und Sonnenbades in dem mehrere Hektar großen Park hinzugekommen, sodaß das 450 Meter hoch gelegene auch klimatisch begünstigt« Obertaunusheim so reckst eine Anstatt nach dem Herzen des Verfassers der, I „Ferien vom Ich" genannt zu werden verdient.
Die Wissenschaft soll keine Grenzpfähle kennen.
Die wisienschaftliche Literatur Dänemarks seit 1919, die von deutschen Bibliotheken btSher wegen der schlechten Valuta nicht beschafft »erden konnte und in allen wisienschaftliche» Kreisen stark vermißt wurde, ist jetzt als Geschenk der d-urschen Akademie der Wissenschaften bei der Not- gemeinschaft der deutschen Wissenschaft eingetr offen. Die unfangrerche Sendung umfaßt die wichtigsten Werke aller Wissenschaftsgebiete, zum Teil in mehreren Exemplaren, unb tft nach dem Willen der Schenkerin auf die Bibliotheken von Berlm, München, Leipzig, Kiel und Göttingen verteilt worden. Für diese Hilfe und tatkräftige Förderung des Ge- dankens der internationalen Zusammen arbeit kann die Kopenhagener Akademte des Dankes der deutschen Wisienschaften versichert sein.
Der Oberlcmdssgerichtspräsident D r o n ke be- i spricht diesen Erlaß in der bekannten Zestschrlft des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins und wvst be- fantars darauf hin, daß wir -fite, welchenBrÄmgr- gang wir auch genommen haben, eine und dieselbe I dxuffche Sprache sprechen und uns dessen bewußt blei- I ben müssen. „Es ist kein Zufall, daß gerade der Ar- I beitsminister, und zwar ersichtlich m feiner besonderen I Ausgabe als A r b e i t e r Minister, an diese Pflicht und mr die Wichttgkeit ihrer Erfüllung erinnert. I
In der Tat: einer sozialen Verständigung wird eine I volkstümlich, anschauliche Sprache, die von allen vec- I standen wird, vorarbeiten. Bemühen nur unsflar I L sein, so werden wir uns am ersten verstanden können. Es ist sehr erfteulich, feststellen zu können, I Uw Wer S-N-NU"«-----
non 1919 «Uten Mund gefegt Jnt.
I darf nicht unterschätzt werden. Von der L^barkeu I eines Derfaffungstextes nicht zuletzt hMigtes ab, ob er I mm Volksbuch werden kann. Man darf tut' ver- I treffen, mie schwierig es ist, Rechtsfragen tlu.jmi) tariflich Larzustellen. Umsomehr «Wett du vol s- tümliche Ausdrucksweife in der Verfassung die Anschauung der neuen staatsrechtlichen DerlMmsfe.
I Sorgfältig ist gar mancher gnmMegente Ausdruck I abgewogen. Konnte aus Gründende @enauigtett auchim Artikel 1 der fremdsprachliche Ausdruck „Re-
I vuttik" nicht gespart werden, da dies Wort geschichtlich I ganz eindeutig geworden ist, .so ist doch weit«hin der I Ausdruck „freistaatlich" (Artikel 17) .Staucht. An tarn alten, oollklingenden Worte „Reiche Mt man feft und ging in der Anlehnung an alten Sprachschatz
I soweit, das umständliche, aber genaue Wort „Bundesstaat" durch „Land" zu ersetzen. Damit ist auch em
I qmiffes Bekenntnis zu der ursprünglichen Reichsgliedemng nach L a n d s ch a f t e n * vusgespro-
I chew 2st ja auch der Ausdruck „Stamme in diesem I Werk wieder zu hohen Ehren gekommen. „Das mutsche Volk, einig in seinen Stämmen und von dem Willen beseelt, fein Reich ttt Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuen und zu festigen, dem inneren unü ^ii äußeren Frieden zu dienen und den gesellschaftlichen
I Fortschritt zu fördern, hat sich diese Verfaffung gegeben", lautet der Dorspruch zur Dersasstmg.
Wie „Reich" so ist auch „Land' «matter Ausdruck und wenn dieser Ausdruck in der Reichsversas- funa den Einzelstaat im Gegensatz zum Reich bezeichnet, so ist das kein Bedeutungswandel, denn Bezeichmmgen, wie Landesheer, Landeshoheit und desgleichen Land- I stände, Landtag, Landesrecht sind uralt. Altes beut» I sches Sprachgut kommt so zu neuem Klang, zu neuer
M 126.
Samstag, 4. Juni 1921.
Die positive Arbeit der Technischen Rothilse. i
Die Technische Nothilfe, die als freiwillige Ar- , beitsgemeinschast dem Reichsmintstenum des Arnem I < untersteht, ist im letzten Halbjahr — vom 1. Oktober I 1920 — nicht weniger als 264 mala lat* I miert und 195mat eingesetzt worden. Damit rcker- steigt feit ihrem Bestehen, dem 30. September 1919, I RfenS derEinsätze 700! Es wurtat u. mm 101 Fällen Elektrizitätswerke, 56mol Gas-, 57mal I Wasserwerke uirterftützt: 131mal wurde im Irans. 1 mrigiwerbe, 145mal in der Landwi^rtfchast, lOmd I auf Friedhöfen, ISmal in Brotbackereien und Ismat in Krankenhäusern eingesetzt. I
Es ist natürlich schwierig, den ganzen Umfang der I durch die Technische Nothiffe geleisteten pofttwen Ar- bett nachzuweisen. Aber in einigen Fallen gelang «, I die positive Arbeit der Technischen Nothilfe tatsächlich I zahlenmäßig festzustellen. Während des Bnmenschif- ferftreits im Mai 1920 wurden rn drei Wochen von | Nothctfem an Kartoffeln, Kohlen, Hermgm, Juck« und Fleisch insgesamt für 155 793 000 Mark vor dem I Verderben gerettet: fast ebenso große Sterte wurden I während des Streiks in Königsberg im Herbst vorigen I Jahres durch die Technische Nothilfe geborgen. ^Daß I diese positive Arbeit und die — leider immer noch un- bezweifelbare Notwendigkeit der Technischen Nothilfe I auch von den christlichen Gewerkschaften anerkannt wird, zeigt der Beschluß, den der Kongreß der christlichen Gewerkschaften am 20. 9h». vorigen Jahres in Essen faßte und in dem die christlichen Gewerkschaften für die Erhaltung und den zwechnäßigen Ausbau der unter reichsbehördlicher Leitung stehenden Technischen Nothilfe ausdrücklich em- traten. „Gemeinnötige Arbeiten, vor allem solche zur Erhaltung von Werken, die der Versorgung des Volkes mit den notwendigen Lebensbedürfnissen dienen, so heißt es in diesem Beschlüße, „muffen unter ÄfenUm- ständen getan werden. Wenn diese Arbeiten wegen Weigerung der am Kampfe beteiligten Arbeiter v«i der Technischen Nothilfe ausgeführt werden muffen, so ist das gemeinnötiger Dienst am (Sefamtoolte.
Aehnlich anerkennend haben sich die Redner des Zentrums im Reichstage wegen der Etatsdebatte über tae Technische Nothilfe Egefprochen.. S° Aba Schreiber' „Wir wessen der Technischen Ncthikfe großen Dank. Sie hat die Rettung von gro- ßen Dolksvermögen vollzogen, mehr aber noch eigentlich zm Retttmg von Dolksgesundhett getan. Sie hat ein Stück großzügiger Caritaspolitik getrieben, wenn sie auch Kranken und Müttern, Frauen und Kindern zugute kam." — Und Reichskanzler Fchrenbwh widmete der Technischen Nothllfe bei ihrem elitzahngen Bestehen diese Sätze: „Wenn der in der Tätigkeit der Technischen Nothilfe sich wiederspiegelnde GÄanke: giner für alle — Alle für Einen!, der Mglenh das Kernstück unserer caritatioen Nächstenliebe ist, von der überwiegenden Mehrheit des deut schm Kolkes richtig erfaßt fein wird, dann kann di« Technische Nothilfe ihre übernommene Aufgabe als erfüllt ansehen und zurücktreten. Dann wird auch das deutsche Bolk att der Schwelle einer besseren Zukunft sichen."
zrillile fit SrlmMnsl
■Bi 005
v Don Umv.-Pwf. Dr. Schreiber, M. d. R.
Die Zentral« für Heimatdienst gibt als Mttteflungs- Blatt die Zeitschrift „Der Heimatsdtenst heraus. Dte- fee enchätt im allgemeinen Beiträge, die sm nne Bolksaufflärung wertvoll sind.
M muh über bedeutsamere Gest ü^wurfe- ^n Nr Ll vom 29. Mai finden sich mm auch Alw afflMMn icher den Reichss chulges e tzentwur ftSle laffen bedauerlicherweise jene Zurückhaltung oeMlffen, di man von diesem Blatt m k^p?lttts^,FragenE fangen muß. Es finden sich ^"Mwittch folgende über den „geordneten Schulbetrieb . handett sich dabei um einen bereits frü- of” rÄtdemmichst umstrittenen Punkt des ^E^itzt also: „Das Verlangen der Erziehungs
berechtigten soll feine GrenzmfÜteen mder Aufre^- erfJuong des geordneten Schulbetriedes. Denn es an, daß in Er Gen.el^^der«i Schul«- aäaöe zu einer oollausgebauten sechsstuftgen Nk-ftale ausreicht, die eitern von m^rtcht 100 m^ksschülem kommen und für sich eine Bekenntnis «.ule unb die Eltern von 100 anderen eine weltliche Schule verlangen. Damit rmirde das einzig leistungs- fähige Shülsystem in drei verschiedene zwexklasfige Schulen aufgelöst, der geordnete Schulbetrieb roare ge» tert, die Leistungsfähigkeit der Schule wesentlich her- tbgemindert".
Dieses im „Heimatdienst" gebrachte BeisprÄ ist littchl etwa der Degründung des Reichsschulgesetzent- fourfe entnommen. Der Entwurf hält sich tn durch- !ims wohlerwogener kluger Jurü-chaltung von federn Kahlenbeispiel fern. Nur dem Jfetmatetcnft bfeibt L Vorbehalten, die vorsichtige Art des Reichsmmiste- rtums des Innern mft einem Kommentar zu begleiten, der einen Borstoß gegen bett Sltern« willen bedeutet.
Ebenso liegt in dieser Auslassung «ne Ege Der- tenramg der hervorragenden Leistungsfahigkett der encklassigen Schule. Diese Entgleisung ist gerade deshalb so bedauerlich, weil der „Heiinatdienst eine amtliche Stelle darstellt. Andererseits aber auch darum, weil gerade die Arbettsachgabe der Bolksaufflarung
die Verpflichtung zu taktvoller und größtmöglichster Reutralttät nahelegt. Wir wollen es bet dieser Gelegenheit offen zum Ausdruck bringen, daß wir be« ftimmt damit rechnen, daß in Zukunft fcllche Entglel- funaen unterbleiben. Gleichzeitig muffen wir es wir Vedlmem feststellen, daß die Zentrumsfraktron in der Berliner Zentralleitung Nicht in dem Maße vertreten ist, wie es der Bweutung me- jer großen Partei entspricht.
Lettische Sprachpflege.
Dor kurzem erließ der Reichsarbeit sm in i- I ft er Dr. Brauns für feinen Geschäftsbereich einen I Erlaß über die Amtssprache. Es wäre gut, I wenn sich mancher feine Worte merken würde: „Wer I klar denkt, drückt sich klar aus. „Die Behörden sollen ihre Vorschriften, wenn sie damit Beachrung finden I wollen — sagt der Erlaß — so fassen, daß feder, auch der weniger Gebildete, sie lesen d. h. verstehen kann. I weben aus ben Gedanken herausblasen, lieber Hmis I
Heinrich kam wieder ein rounberfames Heimatsgefühl. I indem er halb gedankenlos immer weiter vorwärts I schritt.
Auf einmal flieg der Weg fonft bergan. Er führte zu einem kleinen, umbuschten Hügel, der oben sanft abgeplattet war und dessen Rasen noch merkwürdig grün schimmerte. Die Sonne überschüttete ihn mit ihrem goldensten Glanz, die Luft schien hier milder zu wehen, und als der Wanderer etwas weiter vortrai, stand er neben einem großen Rosenstrauch, taffen Zweige noch eine Fülle grüner Blätter trugen. Mitten in ihnen hing eine einzige purpurrote »lute, noch ganz frisch noch ganz sommerlich, in der Sonne erglühend.
Und wie Hans Heinrich sich überrascht und entzückt vorbeugte und die Hand nach ihr ausftretfte, durchfuhr es ihn wie ein Schlag; er wußte, daß er aus tarn Grabe Nuramajas stand.
Das Bild stand wieder vor seinem Geiste. Die Zuge Nuramajas aber hatten jetzt Aehnlichkeit mit denen Ka- rings. Zum erstenmal seit dem Augenblick, als er die Todesnachricht der Ahne empfangen hatte, trat ihr Bild wieder in seine Gedanken, aber es hatte nichts Zwingendes mehr an sich, es war farblos und schemenhaft- Wun. derlichl — Vergebens bemühte er sich, ihre lichte, blühende Schönheit klar und deutlich vor fein geisttges Auge zu zaubern. Es lag wie ein grauer Schleier über seinem Denken. Der Kopf tat ihm weh, eigentlich schon lange, aber er fühlte es erst jetzt quälend, und di« Glieder waren U>m schwer wie Blei. Er wollte so schnell wie möglich abreifen, um sich zu Haufe ins Bett zu stecken und ordentlich auszuheilen. Hier war sowieso nichts mehr für ihn zu tun; und sich in diesem dunkeln, oben Hause behaglich zu fühlen, war schon im gesunden Zustand fast unmöglich, wieviel weniger in solch jämmerlichen, wie er jetzt über ihm lag.
Der Weg bis nach dem Hause wurde ihm beinahe schwer Es war auch alles so unfreundlich, die Sonne wieder hinter Wolken und der Wind fo käst, daß ihn fror wie sonst kaum im härtesten Winter 3m Hause erwartete ihn der junge Diener unb berichtete aufgeregt, bab Johann feit gestern Abenb in starkem Fieber läge und phantasiere. Eben fei der Arzt bei ihm, und der hätte gebeten, Herrn Baron sprechen zu dürfen- „Ich werde hinübergehen, selbst nach Johann sehe» und mtt
Der Preußische Landtag zählt nach der neuere« «rnsarnmenstellung 420 Mitglieder, von denen 11 zugleich dem Reichstag angehören. Dre mehrh etts- fozialdem okratifche Partei tft mtt rhren 114 Mitgliedern die stärkste Fraktion,dann kommt das Zentrum mit 84, die deutschnatronafe Volks- Partei mit 75, die deutsche Volkspartei mit 58, die Bereinigte kommunistische Partei mit 31, die unabhängige Sozialdem akratische Partei mit 28, dte Deutschdemokratische Partei mit 28 Mitgliedern. Die Deutsch-Hannoversche sowie die Wirtschaftspartei des deutschen Mittelstandes verfügen über 12 Man- bäte.
Der kommunistische Abgeordnete und Redakteur der,Roten Fahne', Schölern, ist der Benjamin des Hauses, er verfügt über das nach der Verfassung vorgeschriebene Alter von 25 Iahren Weitere drei Kommunisten und 4 weibliche Abgeordnete der Sozialdemokratie stehen im Alter unter 30 Jahren. Das Zentrum hat nicht weniger als 10 Abgeordnete, die bereits das 65. Lebensjahr überschritten haben. Das Durchschnittsalter beträgt 50 bis 59 Jahre, Seit 1903 gehören dem Landtag 10 Mitglieder an, darunter vom Zentrum die Abgg. Dr. Porsch, Herold, Am Zehnhof.
186 Abgeordnete des preußischen Landtages bekennen sich als evangelisch, 100 sind katholisch, 136 freireligiös oder religionslos und 4 mosaisch. Die Kommunisten sind sämtlich religionslos, von 173 Sozialisten und Kommunisten sind 36 Christen._________________________
Der Ring der Nuramaja.
Roman von Räte van Beeter.
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„Ah, so! Ja — aber — hm, bann hätte es doch zuerst unten brennen müssen, nicht oben." — „Ja, wirklich!" Der junge Mensch sah ganz verwirrt aus. Dann trat eine gewisse Unbehaglichkeit in fern Gesicht. „Herr Daran werden wohl wissen, von dem Bild ist immer viel geredet worden. Es hat so seine Bewandtnis —, da kann man nichts sagen. Ich weiß bloß, daß keiner von uns was vom Gewitter gehört und gesehen hat, und taub unb blind sind wir doch alle nicht"
Hans Heinrich fühlte wieder einen Schauer über den Rücken laufen. Es war am besten, an diese allen Geschichten gar nicht zu rühren; es kam dabei immer nur etwas heraus, was gegen alle Vernunft und moderne Auffafsung verstieß. Er wandte sich- winkte dem Diener voranzugehen und folgte ihm bann hastig, fast wie auf ber Flucht, um nicht noch einmal dem Verlangen nachzugeben, sich umzusehen unb das Bild zu prüfen. Mit Hartern Ruck drehte er ben Schlüssel im Schloß unb atmete bann auf. „Das Turmzimmer soll unberührt bleiben, bis ?ch weitere Bestimmungen treffe. Keiner soll es betreten!" — „Sehr wohl, Herr Baron!"
Der neue Schloßherr atmete auf, als er aus dem dunklen Gange heraus ins Tageslicht trat. Er empfand ein starkes Bedürfnis nach Lust unb Licht- Ihn fror, unb sein Kopf war wirr unb dumpf. Schnell entschlossen traf er ins Freie unb schritt tn ben Park hinaus.
Der sah anders aus. als bei feinem letzten Besuch- Die Wege durchweicht, keine Blumen, kein Dogeigesang, nur entlaubte Bäum; und die Tannen im dunkeln Kleide' dem die Sonne vergebens einen lichten Schim. mer zu verleihen suchte. Der kleine Weiher war bedeckt mit braunen, faulenden Blättern, und die kopflose Göt- tin deren Mängel im Frühling die llla Fliederttauben liebevoll deckten. Wen bi« halbzerbröckelten Fetzen ihres Gewandes wie fröstelnd an sich zu drücken Allen Rei- zes entkleidet, lag tar «eite Park do- aber über fen spannte sich ein blauer, wolkenloser Hunmel, in Duft lerschwimmende Bergspitzen über die lannenmip el. iS »ar doch schön hier, unb bte Luft wehte so erfri- -chMb unb belebend, al» wolle sie alle grauen Sxttm-