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Lrronttoortlich für den crdoutonellen Zeil: Dr. Strcmer, “ für dir Lnzeigen: I. Parzriler-Fuios.

Stotatlonshrud u. Bering der yuldner adienbratfere: in Fulda.

Fernlprecher Nr. S. Telegr.-Ldreis«: Fu lbaer Zeitung,

Dienstag, 31. Mai 1921.

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Lezagspreis: 'Monatlich 3,00 Mk. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns adgehoit 3,15 M. Anzeigenpreis: Die Kleinzeile lLotonelmatz) 60 pfg, u. 10°>« Zuschlag, die Reklomezeiie (Xe^t breite) 1.80 Alk., u. 10°-° Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.

48. Zahrg.

— diesmal war es Herr Tcheidsmarm — mir dem Gedanken der Reichstagseuflösung und dem Gedanken der Neuwahlen ge­spielt wird, als ob hierin in jedem Falle Rekümg find Heil b7gründel liege. Es ist selbstverständlich, daß es Fälle tm politischen Leven des Sinai es geben kann, wo die Dotksdefrmpmg auj^rhatb dec g-esetzilchea Frist das einzige Mittel ist, irm eiito SmfdjeiOung zu fällen. Wir hegen aber derechilgte.i Zcvelsrl, ob bei der MtMtblick- lichen außenpolitischen SiNraiion der Gedanke einer Auflösung des Reichstages überhaupt möglich ist. Denn nachdem der Reichstag tn feiner jetzigen Hrsimmen» fttztmg durch fein zultimmendes Urteil zum Ultimatum die Berpflsthttrng yt dessen Erfüllung auf sich genoin- NW hat, wird es murmchr seine Pflicht und Aufgabe sein, auch die Realisierung des Ultimatums zu be- schlicHen. 2n diesem Augenblick etwa aus parteipoli- tischen Grimden ohne Not Wohle» propagieren zu wollen, utts hieße doch die politische Situutiott nicht nur nicht erkenne», sondern auch in einem Zeitpunkt verschärfen, in itm es in elfter ßtmt mrd gerade gegen­teilig gebeten erscheint, ttnigenbe Kräfte für bat Wie- bCTatrfbaugr.barJeu zu sarnmein.

Erst men» alle Versuche hi dieser Richtung seht- schlügen und es richt gtiitage, die große positive Front zu schaffen, dann würde einmal ine Zeit kommen, wo diese Frage sich von selbst aitfrollt Man muß auch denjenigen, dir vielleicht irn UederschwMg ihres Ge­fühls mehr als in ruhiger, sachlicher Erwägung aller politifchen Konsequenzen der Regierung, der sie eben noch «mgrhörien, die Gefolgschaft kündigen zu müssen glaubten, die Zeit lasten, um sich zurückzufinden, wenn sie an den Auswirkungen des gewiß schweren Schrit­tes der Regierung nnd der Reichstagsmchrheir er» könnt haben werden, daß der eingesckflagme Wsg po­litisch nicht mir notwendig, sondern auch gerechtfertigt und nützlich war.

Reichsmiutster Dr. Rathenau.

Die amtliche Bestätigung der Ememiung Dr. Walter Rathenaus zum Wiederaufdaumimfter ist mmmehr erfolgt

Die Ernennung Walter Rathenaus zum Wiederauf- daummister bedeutet in zweifacher Hinsicht eine bemer­kenswerte Tatsache. Ztmächst noch ihrer per fön» lichen Seite hin. Es ist das erste Mal. daß sich tat neuen Deutschland ein Führer aus der deutschen Industrie für ein Reichsamt zur Verfügung stellte Die fachliche Bedouümg dieser Ernennung besteht darin, daß damit der Gedanke der Wiflell-Möllendorisch«, Planwirffchast wieder in den Dordergrm» geruckt wird. MM wird nun abznwarten haben, was davon verwirklicht werden soll in der Absicht, auf diesem Wege dem Räche neue finanzielle Mittel zur Ein­lösung feiner Verpflichtungen gegenüber der Entente zu erleichtern.

Walther Rathenau steht im 54. Lebens- jähre. 1867 Äs Sohn des Gründers der Allg. Elektr. Ges. in Berlin geboren, studierte er in Berlin und Straßburg Physik tmb Chemie, und dann nach Ab» legmrg seines Doktorexamens in München MascWen- bau und praktische Chemie. Rach mehrjähriger prak­tischer Tätigtet: m der Schweiz, in Polen unb in Frarckreich trat Walthrr Rathenau 1899 in die A. L G. in Vertin ein. 1907=08 bereifte er zusammen mit Dem» bürg die deutschen Kolonien. Bei Kriegsbsginn schuf er die Rvhstoffabtrilung des Krtegsmimstermais, deren Seltung er berat auch übernahm. Nach dem Tode feines Vaters 1915 wurde er Präsident der A. L. G. Rathenau hat auch eine erstaunliche schriftstellerische Produktivität entroitfeü. Seine Bücher zeichnen sich durch einen großen Reichtum an Gedanken aus, die er in stark philosophischer Formung zmn Ausdruck zu bringen pflegt.

E-geil die Berufung des Dr. Rathenau als Minister für d>m Wiederaufbau meldet sich bereits eine Opposition em, nämlich vom Hansa-

NikMlMMtM.

\ Jam Z/.samr-rentrilt des Reichstages.

■ Mil der schwersten unb verantwortmtgsvoliste» Entscheidung, die jemals ein Dolksparlamrnt ha: ttef- fen misten, war der bratsche Reichstag zu längerer. Pause ouscimmdergeyangen. Er nimmt mm:iThr seine Arbeiten wieder auf imb wird in feinen Berarunmn Mchr denn je das Ohr der gesamte» Welt Haber:. Drmt fci erster Linie wird sich der deutsche Reichst^ in der ttttu sÄgendrn Sitzungsperiode mit den Slurgaben zu besafien hoben, die ihm vorgezeichnet sind durch die Unterzeichnung der Dokumentes von London.

Reue Belastungen nnibett dem deut­sche n' Volke mrferkcat werben müssen, neue nicht gelinge Opfer werden sich auf die Schultern des deut- schert Volkes bürden. Das Ziel, das die Regierung kor sich sehen muß, ist klar und eindeutig: Erfüllung der. eingegawgenen Verpflichtungen mit dem gleichzei­tig« Bestreben, die Kräfte zufammsnztlfasten, die ernst- ttaft gewillt sind, ihr auf diesem Wege zu folgen. lTrotz aller noch irr Deutschland vorhcnümren chmwi- ßfistijchen Kreise, deren es in jedem Volk zu jeder Zeil Immer gxmrg gegeben hat, zweifeln wir doch nicht Jaron, daß die große Mehrheit des deut- ^n Volkes, die sich ein einsichtiges imö ruhiges

l noch bewahrt hat, dem 5kurs einer Regierung Gefolgschaft leisten wird, die ztelbervnht darauf hin- jtrebt tn ehrlichem ,aufrichtigen Willen beitragen zu jfctifen, daß dir Welt befreit wird von dem Süßeren Zwist und dem äußeren Hader halmrch, daß sie sich einfetzt für ein Bekenntnis des Rechtes m:d ein Bekenntnis zu einer freien tntb gro- fen Arbeitsleistung. Es ist notwendig, daß bas deursch: »alt sich einmal losreißt von feiner früheren Träumt« «et, daß es der Wirklichkeit ins Auge zu sehen wagt und vor sich selbst eingesteht, der große Sßdffengang ist tont einmal für uns oerlonm. Run aber nach bief’m furchSwrm Erleben gibt es nur noch einen Weg: in friedlicher ©amtn’ung aller rwch im deutschen Volk pochandenen Kräfte uns crufzunchten an uns selbst, cm «nferer Arbeitskraft, an unserem Arbeitswillen und an unserem Glauben, daß letzten Endes in der Geschichte der ganzen Menschheit immer rwch die gerechte Sache den Sieg davon getragen hat.

; Siran wir nunmehr in ben temmeriben Tagen die pro gra mm otischen Erklärungen der Regier ungim Reichstag erwarten, nach denen der Steuermann das Staatsschifi zu lenken gewillt ist, st wissen wir, daß uns von brr Regierungsbant nicht Berte entgegettfimgen können, die darauf ausgchcn, Popularität .zu erhaschen: beim schwerere Lasten als Wit sie bisher schrn vom deutschen Volte getragen wurden, werden die Grundlage bilden, auf der das Aktionsprogramm ber ganzen künftigen Wrederambou- Politik aufgebaut fein wird. Wer die Hand zu positi­ver Mitarbeit bieten will, wirb willkommen fein. So «sie dir Dinge in ber Gegenwart für das deutsche Volk fliegen, muß ettdlich einmal die Einsicht obsiegen, daß das große gemeinsame Ziel vornehmlich !d«s wirtfchaflichen Wiederaufbauge­dankens hinweghelfen muh über bett kleinlichen Parterhader, daß wir große verbindende Gesichtspunkte fmben müssen, die imstande sind, btejentgeri politischen Parteien, die den festen Willen haben, an: Wiedercuif- bau positiv und tatkräftig mitzuwirken mti> milzuar- brilen, zu einer aus Klugheit imd Opportunttät ge­botenen nützlichen Arbeitsgemeinschaft auf längere Zeiten hinaus zirjamDsnzu führen, damit ein Kurs ge- ftenert werden kann, der nicht in jedem Augenblick von wechselnden Mehrheiten abhängig, eine gewisse Kontinuität erhält. Denn nichts ist fckMicher als eine m dauerndem Wechsel der Parteikonstellation hin- und herschwankende politische Linie.

Umfo eigenartiger muß es berühren, wenn !>■«■ unb da dni fast feder größer-.n Schwierigkeit und paftenben ,»bvr impaffenben Gelegenheit von irgenb einer Gruppe

Der Mng der Nuramsja.

-iomrm non Käte oan Beek ec.

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.Haris flseirrrich tonnte keine Klarheit und Ruh- in sein« Stimmung bringen. Ohne es richtig zu erkennen, - fühlte ex sich auch körperlich »ndehaglich; irgend etwas log ihm schwer in den Gliedern und quälte ihn. Seine Verstimmung wuchs, ule es ihm nicht gelang, Karin I» schnell wiederzusehen, rote er es heimlich doch ge­wünscht und gehofft hatte. Er wollte das Jntereffe, das Pe zweifellos in ihm weckte, ernsthaft prüfen, um durch eine bestimmte Erkenntnis dos Gleichgewicht feiner Gerte wiederzugewinnen; so oder so wollte er Klarheit tmb Ruhe hoben, ober natürlich mutzte er dazu öfter mit ihr zusammen kommen, und gerade bas wollte sich seinen Wünschen nicht fügen.

Witten in diele ihm bis setzt so fremde Unsicherheit und Zerrtsfcnhei: seiner Wünsche und llebertegunpen traf die Nachricht esm Ableben seiner Ahne ein. Sie kam. nachdem Hans Heinrich sie fast täglich rrwartet hatte, jetzt ganz überraschend. Der Erbe von Sefenburg nahm augenblicklich Urlaub und reifte ab, nach dem Srauerort.

Es war eine andere Fahrt und Ankunft als damals Im Frühling Herbstlicher Sturm riß die letzten gelben Und roten Blätter von ben Säumen, und der Regen gotz in Strömen. Fröstelnd schritt chcns Heinrich vom Eisen­bahnsteig ber wartenden Xiitschr zu. Ein junger, frent. her Diener hatte ihn etnprangen und berichtete in ge­dampftem Tone, daß Lohann den Heern Baron um Entschuldigung bitten lofle für sein Fernbleiben: der grofee Schreck habe ihn niebergeroorfen, er fühle sich zu schwach, um feinen Mlichten nachzukommen. .Ja," nickte ber Baron, und schr'lt hastig durch den Regen, „ich kann e$ mir denken. Der alte Ketreur hing an feiner Herrin, shn wird es fiert getroffen haben. — ,3c. und der Schreck mit dem . • •"

Äons Heinrich Lappte seinen Schirm zu unb stieg so schnell wie moglfch tn den Wagen. Er hörte nicht wei­ter, was der Diener sagte; ihm lag tm seiner Trocken- Jrtt mehr als an ben Mitteilungen, die er im Schloß

noch immer zeitig genug erfahren würde. Die Fahrt dünkte ihn diesmal noch länger, als damals. Während brr schwere Wagen langsam durch den aufgeweichten Schmutz der Landstrahe schwankte, gingen allerlei dunkle Gedanken mit ihm Die Erzählung der nun Derftorbe- nen lobte in voller Schärfe wieder vor ihm aus. Er dachte all bei Leides, Das sie in ihrem langen Leben er­litten, er dachte an ben aßen Fluch, an den sie und ihr« Vorgänger geglaubt und unter dem sie gelitten hatten, und unheimliche Schauer schüttelten ihn. Der Ring an seinem Finger brannte, und die dunklen, sehn­süchtigen Lugen des alten Bildes blickten wieder in seinen Erinnern hinein, nachdem bas Licht zweier gol­dener Sterne sie eine Zeitlang vcEändig aus diesem gelöscht hatte.

Run wurde das Bild sein Eigentum unb er konnte alle seine damaligen Pläne mit ihm aurführen. Aber es lag ihm nicht mehr so viel daran, wie damals, es »ar ein totes Bild, und die lebendige Wirklichkeit legte sich dämpfens auf die Sehnsucht von einst und ltetz sie nur matt ausichinimern. Der Wagen rollte in den Schloß* bot hinein, Lichter flackerten auf. Sie warfen aus der .stalle heraus ihren Schein über die nassen Steine, und sie funlrlten aus den Fenstern jener Zimmer, in denen die letzte Sefenburg gelebt hatte und gestorben war.

Dar alte Schloß machte beute, da eine tote in ihm ruhte, einen leb.-ndigeren Eindruck als damals, wo noch die Lebende in Ihm weilte. In ber schwarz ausgeschla- genen rtalle stand die gesamte Dienerschaft des Hauses, vom jüngsten ÖJärtnerjungen bis hinauf zum alten Jo­hann — ein firincg, ernstes Häuflein, das den neuen Hebirter ehrfurchtsvoll begrüßte. Dem alten, getreuen Diener der verstorbenen zitterten die Sinter, al, ar feinem jungen Herrn entgegentrat Er sah sehr blaß und zusamm^ngesoven aus, tmb Hans Heinrich, seine kalte -stand ergreifend, schntti die von Tränen erstickte Begrüßungsrede mit den freundlichen Worten ab: „2tber Johann, warum sind Sie nicht in Ihrer Ruhe geblieben? Sie hätten doch an stÄ denken sollen; Die muffen sich schonen, aller Freund'"

Jobann schüttelte den grauen Rupf und neigte sich zum Stufe auf die 'lm, -^sichte Hand, ^ttein, Herr

Kunde. Dessen Prästdunt mach: Froiü ßtgen die Pianwirlschastsxedankcn, die Rathenau s. Zi. entwiaelt halte, lieber die Steen der Planwirtschaft läßt sich seidstverständlich streiten, und man kann nichts da- xr§-n dnioenbeii, wenn der Hcmsadund auf der Wacht dteibt, um bedenkliche llntrritehmungen zu h-nnmen. Wcr ist es rtöiig, dem neuen Minister sofort dir Drohung einer scharfen Opposition cnk- tiifien zu fchletrdM, ehe er das geringste getan oder auch nur gesagt hat, was . auf eine Betätigung seiner „Planwirtschaft"' deuten köwne?

Das Ressort des Wiederaufbaues wird ihm Arbeit genug geben. (Berate jetzt kommt die praktische Be- teiügung Deutschlands an dem Wiedermtfbau in Frarckouch in Fluß. Es fcheiirt, daß die Franzosen endlich die Liefernng von deutschem Äiateriol und die Zuziehtmz von dANschen Arbeitskräften zulasien wol­let,. Wmn Dr. Rathenau diese LeistungAl in Gang bringen will, so wird er sich nicht nach seinen früherer: Theorien frei carstummeln können, sondern wird iir erster Linie auf die Bedingungen und die Wünsche der Franzo.fm vorsichtig Rücksicht nehmen müssen. Ist die Gefahr wirklich so groß, daß nebenbei mrt diesem großen Umwege die befürchtete Planwirtschaft in Deutschland selbst durchgefrchrt werden könnte?

Sicherlich nicht so groß, daß nicht der Hansaburch erst die Taten des neuen Ministers adwarten dürfte. Das sollten wir uns überhaupt zur Regel ma­chen, daß wir bei der Heranziehung von neuen Per­sönlichkeiten für den Reichs- ctrer Staatsdienst nicht Herumstochern in ihrer Vergangenheit, um aus dieser dann jode Einzelheit tendenziös auszubeuten, sondern uns einfach sagen: Wenn der Mann guten Willen und Erfahrung mitbringt, ft» wollen mir im ruhigen Vertrauen seine Toten abmarten, um ihn noch feinen Leistung.'n im Amt zu beurteilen.

Deutschland zahlt 200 Millionen Dollars.

Am Montag übermittelte Regienmgsrat Meyer als Stellvertreter des abwesenden Staatssekretärs Bergmann der Rsxarationskommission in Paris 20 Stück Reichswechsel im Betrage von 200 Millionen Dollars mit folgendem Schreiben:

Im Auftrage memer Regievtmg beehre ich mich hiermit in Ausführung des Artikels 5 des Zählunospimies vom 5. Mai unb in »er van ber Reparationskommilston ge­wünschten Fassung zwanzig Stück Relchswechsel mit dreimonatiger Laufzeit über je 10 000 000 Äeich 200 000 000 Standard Dollar der Bereinigten Staa­ten Amerikas zu übermitteln, die sämtlich das Biro der Deutsch« Bonk, der Bart für Handel und Industrie, der Shvsbner Bank urtb ber Di Skonto-Gesellschaft tragen. Reihe 40 Nr. 1 bi» 8 ist zahllmr in Stewyork, Reihe 41 Nr. 1 bis 6 in London und Reihe 42 Nr. 1 bis 6 in Paris. Ein Betrag von 35 733 000 Dollar wurde bereits, wie ich der Reparationskvmmission in meinem Schreiben vom 28. Mai mitteilte, der Federal Reserve Bank in Newyork in der von der ReporationsksmmWon gewünschten Art und Weise zugunsten der Dank os (Engiart) aus Konto der Rcpara- tionkkommiflion bei diesen Danken überroiefen. Die deutsche Regierung bietet ferner der Reparationskommission sofort 15 Millionen Goldmmck in franzosischeln Franken an. ,

Bayern und die Entwaffnung.

Sm bayerischen Staotshau shaüs-Ausschuß sollte am Montag Ministerpräsident v. Kahr die ver­sprochene Erklärung über die politische Lage und über bte Einwohnerwehrfrage abgeben. Der Vor­sitzende, Abg. G i e h r l, erklärte jedoch vor Eintritt in die Tagesordnung, der Ministerpräsidertt teile mit, daß er heute noch nicht in der Lage sei, die versprochene Erklärung aozugeben. Er werde morgen ftüh zu der Angelegenheit Stellung nehmen.

Aus Berlin wird dryu gemeldet, der Reichs­kanzler werde sich nach der Besprechung des Re- gierirngsprogranrms im Reichstage nach München begeben, um mit der bayerischen Resierrmg direkt über die Einwohnerwehr frage zu verhandeln. irtMWBiBieawMaat'iiwi iwirrir,iniTtiwiiiii Mh.irT-raMiii m

Baron, erst meine Pflicht unb dann ich. So hab' ich's mein ßeben lang bei der ©nötigen gehalten." — „Ge- miß, Johann, aber ich verlange das nicht. Sie hätten Ihre Pflicht jetzt, nach dem Tode der Gnädigen, getrost auf btt Schultern eines Jüngeren laden können. — „Stein, Herr Baron, das ging nicht, das hätte meine Ehre nicht gelitten. Solange meine Herrin noch im Schlöffe weilt, steh' ich in ihren Diensten unb sorge für alles. Herr Baron finden alles bereit, und wenn Herr Baron sich erfrischt haben und danach die Tote noch einmal sehen wollen, bitte ich, mich mit ber Füh. rung in da» Sterbezimmer zu betrauen. Ich würde Herrn Baron bann Bericht erstatten." — „Gut, Jo. bann. Gewiß, fein anderer als Sie kann und soll das. Aber ruhen Sic big dahin noch etwas: Ihre Kräfte scheinen mir wirklich sehr mitgenommen."

Der Alte nickte. „Ja, bas sind sie. Er mar auch zu furchtbar." Dabei lief ein Schauer über feine Gestalt, und dem jungen Baron war es, als ob alle, die hinter ihm standen, auch schauerten unb sich scheu zusammen- brängten. Ja, der Tod wirft feine Schatten und weckt unheimlichr Gefühle. Er merkte es an sich selbst, ihn schauerte auch, und der Gedanke, nachher zur Leiche der alten Dame geführt zu werden, hatte gar nicht- Behag­liche- für ihn. Diel fieber hätte er die Erinnerung an sie bewahrt, wie sie Ihm zuletzt begegnet war, mit der noch stolz und gerade getragenen Gestalt v.nb den klaren, blaffen Augen im hagere», faltigen Greisenantlitz. Aber diesem letzten Abschied von ihr war wohl nicht zu ent- gehen: es war eine Pieiätspflicht, die man von ihm er­wartete tmb verlangte, er mußte sie erfüllen.

Sfl&Jefne Mahlzeit beendet war, erschien denn auch, ohne auf weiteren Befehl zu warten, wieder Johann, winkte dem jungen Diener, der lauttos unb schweigsam beim Essen bedient batte, sich zu entfernen, unb blieb bann mit einem eigentümlich gespannten Zug im hage­ren Gesicht wartend an ber Tür stehen. Sians Heinrich war beinahe ärgerlich über diese Dringlichkeit des sonst so geschickten, taktvollen Mannes. „Gleich. Johann. Ich wollte nur nicht mit dem letzten Bissen im Munde auf- fprtngen.* (Forts, folgt)

Die südbayerischen Gewerkschaften fordern neuerdings energisch die Auflöfung und Ent­waffnung der Einwohnerwehren. Der Landesvorstand dcr U. S. P. D. schließt sich in einer Kundgebung der Forderung der Gewerkschaften an und erklärt, wen» die Regierung Kahr die Einwohnerwehren nicht auf­löse, dann würden die Parteiangehörigen tm ganze« Lande aufgefprixrt werden, den Weisungen des San« desvorstandes geschlossen Folge zu leisten.

Die Lage in Oberschlesten.

Wie die Blätter meiden, ist dir Stadt Kattowitz erneut ohne Wasser. Die Polen haben wndermn die Wasserleitung unterbrochen.

Wegen der Erschießung harmloser Spaziergänger durch Insurgenten in den Außenbezirken non Glei- witz kam es in der Stadt zu großen^Demon­strationen d:r deutsch gesinnten Bevölkerung, i» deren Verlauf englischen und italienischen Offizieren bcZriftrrte Huldigungen dargebrachi wurden.

Die Oppelner Ortsgruppe der tommuttt» stischen Partei erläßt in der „Oppelner Ztg." eine Erklärung, in der sie sich gegen die Meidung aus­wärtiger Blätter über eine Verbrüderung der Kom­munisten mit den Insurgenten wendet. Mitglieder der kommunistischen Partei seien btt der Abstimmungs­polizei and beim Selbstschutz vertreten. Wie die Orts­gruppe erklärt, seien die Kommunistm in den Selbst­schutz eingetteten aus Gründen der Menschlichkeit und um zu verhindern, daß aus Oberschlesten ein Trum merhausen wird. Die Ortsgruppe betont weiter, daß sie sich dm Vorstellungen der anderen deutschen Par- teien bei der interalliierten Kommission angeschlossen Hobe.

Der deutschnationals Reichstagsabgeo-rdnete Dr. Hartmann, leitender Arzt des Knappschafisloza- rettes in Königshütte, ist von den Polen gefangen ge­nommen und nach unbekanntem Ort verschleppt worden. Es handelt sich um einen 65 Jahre alten Herrn. Der Reichspräsident hat Schritte unternom­men, um die Interalliierte Kommission zur Gnnttk- lang und Befreiung d:s Abgeordneten zu oermttasien,

Danziger Fischer und polaische Grenzsoldaten.

Der Berl. Lokalanzeiger meldet aus Danzig: Auf Danziger Fischer, die in den Danziger Gewäsier» filchten, sind von polnischen Grenzsoldaten Schüfst abgegeben toorben. Die F scher retteten tdr Le­ben nur dadurch, daß sie ihre Netze im Suche ließen.

TaS zweiie Urteil in Leipzig.

In dem Prozeß gegen den Hauptmann a. D. Emil Müller wurde gestern baS Urteil des zweiten Straf« fenatS des Reichsgerichts verkündet. Es lautet: Der Angeklagte Hauptmann a. D. Diüller wird wegen Gefangenenmißhandlung, vorschriftswidriger Behand­lung von Untergebenen und Beleidigung von Unter­gebenen zu sechs Monaten Gefängnis bet* urteilt. Die Kosten werden für die Fälle, in denen Freisprechung erfolgte, von der Reichskasse über­nommen.

In der Urteilsbegründung heißt es, der Borwurf ehrlosen Handeln« treffe den Angeklagten nicht. Für die überaus traurigen Zustände in dem Gefangenen» läget sei er nicht verantwortlich zu machen. Er habe im Gegenteil bei seinen Berrachen, die Sage der Gefangenen zu Seffern, seine Pflicht voll erfüllt. Dagegen hält daß Gericht für erwiesen, daß Haupt­mann Müller die Gefangenen in neun Fällen mit einem Siock oder mit der Hand geschlagen hat, daß et zwei Leuie hat anbinden laffeu, ohne daß habet der Tatbestand versuchter Meuterei vorlag, der allen­falls eine solche Maßnahme rechtfertigen könne.

Die Kriegsbefchnldiglea-Vrozeffe und das englisch« Unterhaus.

Im Unterhause erklärte der Generalstaats­anwalt in ErwidermV auf die Kritiken verschiede­ner Abgeordneten bezüglich der ersten Urteils des Reichsgerichts Leipzig, die intercffierten Mächte war­teten, bis das Reichsgericht die Prozeffe gegen di« KriegsdcschuLdigiden btdntiQt hätte, um sich übet ihre Stellungnahme zu den gefällten Urteüssprüchs» schlüssig zu werden. Inzwischen erscheine es nicht wünschmswett und untunlich, in dir Verhandlungen des Reichsgerichts einzugreifen. Die Entrüstuna über das erste gefällte Urteil scheine etwas voreilig zu fein. Man müsse die in ßeipgig gefällten Urteilssprüche nicht nach den schr unvollkommenen Berichten in ber Tagespreise beurteilen, sondern man müsse den aus­führlichen Bericht abwarten. ;

Aus dem besetzten Gebiet.

" Der Reichskommisiar für die besetzten Gebiete von. Stark hat fein Abschiedsgesuch eingereicht, welches ge­nehmigt wurde. Bis zur Ernennung seines Nachfolgers vertritt ihn Ministerialdirektor v. Brandt.

* Aus dem Saargebiet Durch Verfügung ber Re. gierungskornrnission des Saargebietes ist die geistliche Schulaufsicht im Saargebiete aufgehobe» worben.

Des Relchsmletengefeh.

Die Reichsregierung hat dem Reichstag jetzt bei tm Reichswirtfchaftsrat bereits oorberaienen E-rwur; eines Gesetzes über die Regrlmig der Mietzins- b i l d u n g fRüchsmirtengesetz) vorgelegt. Der Qnl- wurf strebt, wie in der Begründung ausgeföhrt ist. einen Ausgleich in dem Intereffenkonflikl zwischen Mieter und Vermieter an, der sich aus der Beibehal­tung der Zwangswirtschaft auf dem Gebiet der Miet» Preisbildung von selbst ergibt. Der GrundgÄranke des Gesetzes ist, daß Mietpreissteigerungen nur insoweit zugelasien werden sollen, als sie durch die Steigerung der für das Haus aufzuwendenden Ausgaben notwen­dig geworden sind.

Di« Abstimmung itt Salzburg.

An dem Gesamtergebnis der Volksabstimmung üteF den Slnstüluß an Deutschland fehlen nur noch die