Einzelbild herunterladen
 

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Julda.

Nr. 12k

Verantwortlich für Öen itjauionellen Teil: Dr. Kramer, für die Anzeigen: I. Parzeller-Fnloa. = Rotationsdruck u. Verlag der guldaer Actiendruckerei in Fulda. Rernipredier Nr. »- Telegr.-Ldreise: Fuldaer Zeitung

Montag, 30. Mai 1921.

Bezagsp! iionatlid; 3,00 Mt. ohne Zusteügedühr. In Fuido bei uns81- jii3,15 IRL Anzeigenpreis: DieKleinzeile ;ffotonelmau) 60 JJfg, u. 10°>, Zuschlag, die Neklamezetle (Tepbreitei 1.80 Ai?., u. 10% Zuichlaq. Bel Wiederhol. Rabatt.

48. Zahrg.

unterstellt, weil sie die Interesten der Bürger schützt und fördert, die oberste Interestenorgamsation, mit der die in Parteien organisierten Gruppen der Bürger ihre besonderen Geschäfte machen, wobei sie ihrer Partei weitaus mehr trauen und vertrauen als der staatlichen Volksgemeinschaft. Nicht aber ist ihnen Staat und Nation die Lolksfamilie, vom Schöpf ergewollt, von Ms-ren Vorfahren jahrhundertelang in guten unÄ

Bonifatius ruft!

Katholikentag

Fulda, Mai 1921.

Das Katholikenkomifee

ü

verstecktesten, kannte, sondern alles in tadellosem Stil

\ und ruhiger Vornehmheit. Karin stand schweigsam, fast < gleichgültig etwas abseits von den beiden Plaudernden.

als ihre Kinder b Alle jene Deut!

Wir brauchen Männer ohne Furcht und Zagen, Die glaubenstreu die Schlachten Gottes schlagen Für Kirche, Volk und Vaterland."

jeder Be- lied in

vor die Ofentür schieben. Ich werde Sie in kühlere und geschütztere 'Verhältnisse bringen. Ich will Sie meiner Mama vorstellen. Sie kennt Sie auch durch Kurt Deltins

zen zu halten.

Angeregt und 'm gehobener Stimmung folgte er ihr. Der Assessor hatte recht geschildert. Die Baronin von Lcbanofs war noch eine sehr schöne Frau; man konnte sich vorstellen, daß sie in der Jugend genau wie ihre Tochter ausgesehen hatte, dieselbe hochgewachsene, stolz getragene Gestalt, die durchsichtig feine Haut und das rötlich schimmernde Haar, nur dieses in einer dunkleren Schattierung und die Augen anders, ganz anders, samt­braun und tief doch mit einem unruhigen, zerstreut suchenden Blick. Sie war ganz große Dame, sehr ver­bindlich und geschickt in der Unterhaltung, die durch die Beziehungen mit dem Ressen eine leicht vertrauliche Färbung erhielt, aber dabei doch jene feine Zurückhal­tung und Unpersönlichkeit bewahrte, die die Meisterin der gesellschafllichen Formen zeigt. Nichts von beson. derem Entgegenkommen und bezwecktem Heranziehen, wie Sefenburg nach des Assessors Erzählungen fast ge­fürchtet hatte, nichts von schwiegermütterlichen Absichten die er schon in allen Arten auch in ihren feinsten und

Sie hatte ihn anscheinend nicht bemerkt, aber plötz­lich, mitten in einem Gesangsvortrage, dem sie reglos zu lauschen schien, wandte sie langsam den Kops und sah chn voll an, mit einem nachdenklich fragenden, fast traurigen Blick. Ntir eine Sekunde lang, dann sah er wieder nur die Profillinie und die Haarwelle. Er hatte

Für den Katholikentag ist folgendes Programm ausgestellt:

8 Uhr Prozession der Stadt Krlda und der bereits einzetrossenen auswärtigen Teilnehmer, Männer und Frauen, von der Stadtpfarrktrche aus zum Grabe des hll Bonifatius, Pontifikalamt und Fest­predigt im Dom.

2 Uhr S-stzvg aller katholischen Männer and Jünglinge und Huldigung vor dem Hochw. Herrn Bischof.

Danach Maffenoersammlnngen in mehreren Sälen, in denen hervorragende Redner sprechen werden.

Abends 8 Ahr findet im Stadtsaal eine große Frauenversammlung statt, zu der alle Frauen und Znngsranen eingeladen sind. Es spricht unsere Landsmännin Frau Ministerialrat Weber, eine der hervorragendsten Rednerinnen des katholischen Deutschlands.

Anmeldungen zum Festzug werden umgehend durch die Pfarrämter erbeten.

stmj. Im Wirrwarr der Zeit kann nur bas Ehristentum uns retten, seine Grundsätze leuchten wie ewige Sterne in die soziale Not unserer Zeit. Dem wilden Ruf: .Los von Gott, los von Christus" müffen wir machtvoll entgegensetzen den Ruf:

gin zu christur, hin zur Kirche, treu unÄ folgsam ihren Lehren.-

In dieser Gesinnung will der Katholikentag ans erneuern und festigen. Er soll eine eindrucksvolle Kundgebung katholischen Giaubenstebens werden. Das ganze katholische Volk

Männer und $rauen

Ihr,: Augen sahen mit eigentümlich leerem Blick über dic Menge fort, eie benutzte keine Gelegenheit, sich in das Geipräch zu mischen, und als Hans Heinrich, heim- llch verstimmt über ihre Teilnahmslosigkeit, sich schneller

.Wir brauch«» Männer heut in trüben Tagen Sie hoch des Kreuzes heilig Banne« tragen Trotz Haß und Hohn in starker, kühner Hand.

verabschiedete, als es unbedingt nötig war, neigte sie den Kopf so kühl und fremd, daß er flch fast wie ein unbe- rechtigter Eindringling in ihre Gedankenwelt vorkam.

Seine Derbeugung siel daher auch steifer und kurzer ans, als er beabsichtigte. Da lächelte sie und streckte ihm die Hand hin. .Ich hoffe, wir treffen uns noch öfter," sagte sie ganz einfach und sah ihn klar und ruhig an. .Es läßt sich mit Ihnen so angenehm plaudern: Sie oer. stehen, was und wie man es meint. Ich dachte cs auch jetzt, als Sie mit Mama sprachen. Freilich, mit Mama sich gut zu unterhalten, ist kein Kunststück; bei ihr läuft alles so glatt und gerade. Bei mir springt und fliegt es oft, aber Sie verstehen mitzuspringen und mitzufliegen. Ober ist das zu schmeichelhaft ausgedrückt? Darf man das einem jungen Herrn nicht sagen?" Wie- der zuckte es um ihren Mund wie Spott, aber die Augen blickten fast kindlich harmlos zu ihm auf. War das un­befangene Natürlichkeit, ober war es Koketterie? Ihm fehlte das Urteil dafür. Jedenfalls benahm sie sich an­ders als die Frauen, die er sonst kannte, souveräner, ganz ihren Augenblickseingebungen folgend und dadurch reizvoller und interefianter wenigstens nach feinem Geschmack. Er fand sie entzückend. .Wenn Sie recht haben, gnädiges Fräulein, und ich Ihrem geistigen Fluge wirklich folgen kann, so dürfen Sie mir das auch unbesorgt sagen; ich verstehe wirklich nicht, was und wie sie cs meinen." .Danke, es ist so angenehm, wen» man sich verstande.n fühlt; man geht dann in unbefan. gener Sicherheit. Hat Mama Sie nicht aufgcforbert, uns zu besuchen?"Nein, gnädiges Fräulein."Ahl Mama ist oft etwas zerstreut, und ich glaube, sie ist auch formstrenger als ich. Vielleicht fand sie es nicht passend- Sie wird bann wohl recht haben. Also, auf Wiedersehen irgendwo sonst in der Welt, sie ist ja hier nicht so aus­gedehnt!"

Da in diesem Augenblick das Konzert wieder begann, konnte Hans Heinrich bas Gespräch nicht weiterführen, fonbern mußte sich mit einer zweiten Abschiebsverbeu- gung und ihrem erw-dernden freundlichen Kopfnicken begnügen.

Er war unbefriedigt und unzufrieden. Dir Art und Weise wie Sarin ihn zuletzt behandelt hatte, war durch-

soll sich daran beteilige«.

Darum kommt alle am 5. Juni nach Fulda.

Kommt zum großen Aeflzug, vor allem ihr kakholischev Männer, ihr Laienapostel im Dienste der Kirche, kommt ihr katholische« Jünglinge, ihr Streiter und Führer der Zukunft. Ihr seid die Hoffnung unseres Volkes, laßt biete Hoffnung nicht zuschanden werden.

Kommt In Massen

tmb laßt euch erwärmen und begeistern sür die herrlichen Ideale unseres heiligen kathollschen Glaubens.

flm 5. Juni

findet auf Anregung des Hochwürdigsten Herrn Bischof, le Julda am Grabe unseres Glaubensvaters ein großer

rufsstarrd, so auch

der Bo l ks ge me i ns ch ast ist. Jedes Glied aber

Der Bing 0er Huramoja

Roman von State van Becker.

bösen Tagen betraut, der wir alle der freien Ent­wicklung unser völkischen Eigenart, unfern selbständi­ger: Volkswirtschaft und Kultur verdanken, in die wir hineingeboren werden und die uns bei unserer Geburt

dankt, die er selbst gegründet hat. Einen Vater, eine Mutter, einen Sohn, eine Tochter, die sich wie oben von ihrer Pflicht gegen dir Familie freisprechen woll­ten, würde man als jedes Familiensinns bar bezeich­nen. Ebenso dem Derussgenvflen, der ähnlich sein Sonderintercsir dem Wohle des Standes voranstellte, das Verständnis für Solidarität und Kollegialität ab« sprechen. _____________________

"nicht einmal grüßen können, es war zu kurz gewesen, __________

und der unerwartete, rätselhafte Blick hatte ihn auch I Erzählungen." Sie war kokett ganz sicher war sie so verwirrt, daß er gar nicht daran gedacht hatte, zu das, sie spielte immer mit dem Feuer, verstand, es an- grüßen. I mutig zu schüren und ebenso sicher in den richtigen <8ren-

1 Hans Heinrich sagte sich, er war ein Narr, damals fortzulaufen, sie später nicht energischer zu suchen! Wa­rum sträubte er sich gegen das starke Entzücken, das ihn zu diesem Mädchen hinzog wie kaum zu irgend einem anderen? Nur weil der Assessor einige von Eifersucht imb Haß gefärbte Bemerkungen über sie hing:worfen hatte? Nicht einmal solche, die ihr Bild weseiUlich trüb ten ober auf abstoßende Flecken ihres Eharakters und Lebens hinwiesen, sondern sie gaben sogar erst den rich. tigen Schatten, aus dem sich ihr lichtes, strahlendes Bild noch lichter und strahlender hervorhob. Ein Narr war er gewesen! ilnd doch ein innerliches Wider­streben blieb, ein Nichtwollen all dem Wollen gegen­über.

In der nächsten Pause bahnte er sich einen Weg zu Sarin. Sie stand, von einem Kreise von Herren um­geben, und erwiderte seinen Gruß kühl und fremd, so daß er betreten sich nicht zu nähern wagte, sondern in einiger Entfernung stehen blieb und nicht recht wußte, ob er gehen ober bleiben sollte.

Da löste sie sich mit verabschiedender Kopsbewegung aus der Herrengruppe und trat auf ihn zu. Ein klei­ner, feiner Spott spielte um ihre Lippen, als fie ihm die flanb entgegenstreck.e.Warnt die Schicksalsstimmc wie­der vor der bösen blonden? Sie sehen mich an wie der Hansel im Märchen die Hexe vor dem Bratofen. Mache ich wirklich einen io erschreckenden Hexeneindruck?"

So mich fehlt allen jenen Drückebergern der pflicht­bewußte nattcma!« Sinn als Voikspersönlichteitssinn, als Drang und Stolz, in feinem Volk einen Staatsgc-- danken tmd eigenen Staarsw-illen unter den anderen Völkern xr verwirklichen. Ihnen ist, wenn cs ernst wird mit der Pflichterfüllung gegen Volk, Staat und Nation, der Staat doch nur die Wach» und Schließgesellf ch aft, die Polini, der rnan sich

Dazu blickten die goldenen Äugen fo lockend imb oer. führerisch, so schelmisch und liebsich, daß ihm bas Blut zu Kopf schoß imb er nur mühsam seine Gedanken so weit zufammensaffen konnte, um ihr im gleichen Ion zu antworten:3a, gnädiges Fräulein, einen erschrecken­den Hcxeneindruck! Der arme Hansel fühlt schon das Feuer im Backofen brennen."

Sie lachte leise auf und ihre Wangen färbten sich etwas tiefer.Ah, da wollen wir schnell einen Riegel

WeW m5 Mtiowltt Sim. i

5n den Augusttagen 1914, da wir uns der vater­ländischen Not wie ein Mann bewußt wurden, haben wir den Vurgfrieden verkündet, den Kampf der Eolititoen Parteien abgesagt. Heute stehen wir noch m größter vaterländischer Not; um so notwendiger wäre uns eine starke, vom ganzen Volke getragene Regierung. Wir haben aber im Reiche und nun auch in Preußen eine Regierung, hinter der keine Mehrheit der Volksvertretung steht. Kamt es euren deutlicheren Beweis dafür geben, daß dir Mehrzahl der Deutschen noch nicht weiß, was nationaler Sinn vom Partei- lebm fordert?

Es gibt bei uns Parteien, die erklären, sie könnten es nicht mit chren Grundsätzen und mit ihren Programmforderung verein­baren, daß sie mit dieser und jener Partei, obwohl dieselbe aus dem Boden der Verfassung steht, in der Regierung zusammenarbeiten. Ein ande­res Mal sagt eine Partei oder läßt es deutlich merken, sie müsse fürchten, einen Teil ihrer Wähler zu verlieren, wenn sie in der Regierung die Politik mache, die von der Not des Vaterlandes gefordert werde Ihre Wähler könnten das noch nicht ver­tragen, zumal sie von einer anderen Partei verhetzt würden, die jede Gelegenheit benutze, erftgenannte Partei zu bekämpfen. Immerhin wolle sie, wenn auch außerhalb der Koalitionsregierung Reibend, dieser keine Schwierigkeiten machen. Wieder ein anderes Mal sagt eine Partei, ihr passe überhaupt nicht die Politik, die seit dem »mglücklichM Kriegsende von der großen .Mehrheit gemacht werde. Ähren alten Grundsätzen getreu müsse sie O p p o s i t i o n machen, wenn sie auch zugebe, daß nach ihren Grundsätzen in absehbarer Zeit nicht regiert werden könne. Einige Parteien sagen zum Ueberflusfe: Wir sind nicht schuld daran, daß das Saterlanb in den heutigen Nöten ist; mögen die Schul­digen nur die Suppe auslöffeln.

All; diese Volksgenossen sind einig in folgender Auffassung: Jeder Bürger ist zuerst für sich da. Er muß und kann verlangen, daß die übrige Welt sich um ihn wie um ihren Mittelpunkt dreht. Jeder Bürger erbt eine bestimmte parteipolitische Ueberzeu- gung oder er bildet sie für sich genau und allein pas­send auf seine politische Wettanschauung, seine politi- sche Liebhaberei, vor allem passend auf seine Standes- oder KlasseninteressM. Denn im Staate mit dem Staate, mit den anderen Parteien macht man Polttik doch zunächst für das eigene Wohl, zur Wahrung feiner wohlverstandenen eigenen Interessen und Rechte. Sott ich überdies für das Staatswohl eintreten, gar jetzt im Wslksstaate mitverantwortlich an der Regierung teil­nehmen, dann muß ich als uberzeugungstreuer Partei­mann im wohlverstandenen Parteiinterefle zunächst überlegen, ob ein Eintreten in die Regierung mit mei­nen Parteianschauungen und meinen ParteüMeressen zu vereinbaren ist. Mnde ich außerdem, daß diese oder jene Partei ragen dieser oder jener Eigentümlichkeit, hie zwar nicht gegen die Verfassung verstößt, mir un­angenehm ist, so daß ich meine Partei nidjt mit ihr zusammen auf der Regienrngsbank sitzen sehen mag, so kann mir niemand zumuten, in die Regierung einzu- treten. Wenn das Wohl des Staates danm- ter leidet, so mögen die anderen sich die Schuld zumesten, die es mir unmöglich machten, die Verant­wortlichkeit für den Staat zu übernehmen. Erst komme ich und auch meine Partei, darauf erst kann ich an Staat und Ration benten. Manche würdm sich schä­men, so schamlos von Staat itnb Nation zu reden, handeln aber genau so.

Wie wenig Verantworrtichkeit gegen Volk, Staat, Nation alle diese Deutschen fühlen, habm sie mit all jenen Entschuldigungen offenherzig zugestanden. Ihnen fehlt jeder Volkssamiliensinn, denn in jeder echten Familie denkt jedes Glied zuerst an das Wohl und Wehe der Familie, der er sein Leben ver­

denkt, wie uns die tägliche Erfahrung mit unserem eigenen Leibe lehrt, nicht zuerst an sich, sondern zuerst an das Ganze; wenn nötig, opfert es sich für das Ganze _________________

M MWWWMM Bflanös.

Dir Winkelzüge in Oberfchlesieu. Stärkere englisch» XruppenfenbangetL

Es wird jetzt bestimmt angekündigt, daß die K o n- erenzinBoulogne, die über die Zukunft Ober« chlesiens entscheiden sollte, n i cht v o r d e m 15. I u n i tattsinden werde, weil der französische Mmsterpräsi- >ent daran festhält, daß erst ein Gutachten von juristi- chen und wirtfchafllichen Sachverständigen vorliegea müsse.

Briand hält also, obschon er fein Vertrauensvotum von der Kammer eingeheimst hat, an der Bers chlep- pungstaktik fest. Das ist insofern ein gutes Zeichen, als er offenbar die Zustimmung Englands für die polnisch-französischen Wunsche noch nicht er­langt hat. Doch auf der anderen Seite ist es sehr bedenklich, daß Briand immer noch hofft, allmählich wieder bei Lloyd George einen Umschwung der Stim­mung herbeizuführen, und ferner ist es sehr bedauer­lich, daß die furchtbaren Leiden der Oberschlesier und die schweren Schäden dieses Wirtschaftsgebietes noch länger andauern sollen.

Die Entsendung der englischen Verstärkungen nach Oberschlesien scheint nach den bisherigen Berich­ten noch keinen Umschwung herbeizuführen, weder in der diplomatischen, noch in der militärischen Lage. Die englischen Streitkräfte für Oberschlesien sind jetzt auf eine Sioifion mit Artillerie, Pionieren und Tank heraufgesetzt worden. Es wird auch wieder einmal gemeldet, daß Korfanty zur Unterwerfung sich bereit erklärt habe. Doch hinterher wird gesagt, daß er diese und jene Bedingung gestellt habe. Das ist das alte Spiel dieses verschlagenen Rauber- hauptmanns. SeineBedingungen" sind unerfüllbar, und wenn man sie schließlich auch annehmen wollte, so würden seine Banden doch behaupten, was sie Haden, und er würde schmunzelnd sagen, an der vollen­deten Tatsache lasse stch nichts ändern. Es fragt sich nun, ob die verstärkten Engländer sich fortan ebenso an der Nase herumführen lasten werden, wie bisher die dortigen Franzosen. General Lerond scheint nach fernen jüngsten Auslastungen freilich zu glaubst, die Engländer würden sich auf einen harmlosen Posten an der Grenze beiseite schieben lasten. Es ist aber auch möglich, daß Lloyd George mit der Absendung der neuen Truppen die Absicht verfolgt, ein Gegen­gewicht gegen die französische Herrschaft in Oberschie- fien zu schaffen.

Daß Italien stch zu einer selbständigen,Vertre­tung seiner Interesten aufrafft, darf man freilich nicht erwarten. Die Italiener in Oberschlesien sind von den Polen am schlechtesten behandelt worden und haben die größten Opfer aus dem Korfantyschen Kriegsschau­platz losten müsten. Aber die italienische Regie­rung hat schleunigst die begreifliche Empörung ihres Volkes mit kaltem Wasser behandelt und ihrerseits sich durch sogenannte Vermittlungsvorschläge zum Gehilfen Frankreichs gemacht, zum Sekundanten des­selben Frankreich, das an dem Tode der italienischen Soldaten mitschuldig war. Jetzt wird berichtet, daß wieder 13 Italiener den Polen zum Opfer gefallen seien. Wird das klärend wirken? Wird das iten Grafen Sforza mm feiner Schleppenträgerei abbrin­gen? Das darf man kaum hoffen, da die Abhängig­keit der italienischen Regierung von Frankreich gar zu tief eingewurzelt ist.

Der einzige Mann, der gegen die französischen und polnischen Treibereien noch die Gerechtigkeit und die wirtschaftliche Vernunft zu vertreten vermag, ist L l o yd George. Doch ob er fest bleiben wird, wer kann dafür bürgen?

aus liebenswürdig, vertraulich und sogar sehr entgegen­kommend gewesen. Bei jeder anderen Dame hätte er letzteres entschieden gefunden, bei ihr aber war es, als hätte sie gerade durch dieses fo unbefangene (Entgegen, kommen eine trennende Mauer zwischen sich und ihn ge- zogen, eine Mauer, über die es kühl und gleichgültig herüberwehte wie eine Art von Kameradschaftlichkett, d^ sich gleich Mehltau auf blühende Frühlingsblumen legte. Und die Mutter? Korrekt, sehr korrekt, aber eigentlich hatte sie ihn doch abfallen lasten. Jede an­dere Mutter wäre ihm anders entgegengekommen.

Er war verstimmt und ärgerlich und mußte sich dabtt doch zugestehen, daß für solche Empfindungen gar kein, Veranlassung vorlag. Was wollte er denn? Wen« Frau von Lebanost sich anders benommen hätte, wär« fein durch den Assessor geweckter Verdacht sicher sehr üppig ins Kraut geschaffen, ebenso wenn Karin mit we­niger Unbefangenheit ihm ihr Wohlwollen gezeigt hätte. Wohlwollen, ja, wahrhaftig, dieses steifleinene, nüch­terne Wort war es gerade, das ihn ärgerte. Wohlwol­len hatten sie ihm beide erwiesen, etwas, das man dem Bettler am Wege und dem Pudel auf der Straße allen- falls auch erweist ein nichtswürdiges, erbärmliches Wort! Er würde sich hüten, den beiden wohlwollende« Damen wieder in den Weg zu laufen.

Der ungestüme Zorn legte sich aber bald, und ganz erstaunt sah Hans Heinrich auf ihn zurück. Ein Gefühl des Unbehagens beschlich ihn bei der Selbstkritik. Er kam sich fast krankhaft erregt vor. Seine gesunde Der- nunft schien gelitten zu haben. Er kannte dieses Mäd- chen ja gar nicht; das Wenige, womit sie sich bis jetzt charakterisiert hatte, das leichte, neckische Geplauder, das über ihn hingesprüht war wie knisternde Funken, konnte höchstens ein Strohfeuer in ihm entzündet haben. Oder betörte ihn nur ihre lichte Schönheit? War cs doch eine Stammesfchwäche der Sesenburgs, ihr Glück an de« goldenen Faden eines blonden Frauenhaares zu lnü- psen? Sollte sein Bestes sich an eine Aeußerlichteit binden, und zwar an eine Aeußerlichkeit, die gegen die glückliche Erfüllung feines Schicksals sprach? ,,

' Kortfetzusz foW