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JE 120.

Samstag, 28. Mai 192L

Fuldaer Zeitung

Druck der Fuldaer Aetieudruckcrei ie Feld

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Die grundsätzlich« Gegnerschaft-

Wtt einer der letzten Nummern streift der „Vor- chärts" unter der Ueberschrift „Christentum und So­zialismus" das Verhältnis der Sozialdemokratie zu den christlichen Bekenntnissen. vor allem zum Ka­tholizismus. Er kommt zu der Feststellung, daß gerade in den letzten Jahren sich eine bedeutsame Milderung der Glaubenskämpfe erfreulicherweise be­merkbar mache. In der Presse und auf den Kanzeln seien die „Straf^edigten gegen die glaubenszersiö- renbe, materialistische Sozialdemokratie" seltener ge­worden. Die Sozialdemokratie halte sich ferner denn je von aller Pfassenfresserei. Ein katholischer Prie­ster sitze als Reickstarbestsminister neben sozialdemo­kratischen Ministern und cs würde von keiner Seite aus an diesem Verhältnis Anstoß genommen. Solche Verhältnisse seien vor zwanzig, selbst vor zehn Jahren noch ganz unmöglich gewesen. Es ist unbestreitbar richtig, daß in Bezug auf die Stellung des Zentrums gut Sozialdemokratie nach außen hin eine vielleicht auf zunehmende Respektierung gegenseitiger Meinun­gen beruhende Abschwächung der Kämpfe zwischen den beiden Parteien eingetreten ist.

Die Koalition zwischen Zentrum und Sozialdemo­kratie hat dazu geführt, daß fettere bei Behandlung der für uns äußerst wichtigen Mckturfragen von der bis dahin allgemiein geübten sozialdemokratischen Re- ligionsfeindlichkeit teilweise abrückte. Eine solche Er­scheinung kann nicht überraschen, denn sie liegt im Wesen der Kompromisse begründet. Man darf noch wester gehen. Bei dem Zustrom, den die Mehrheits­sozialdemokratie gerade in den Revolutionstagen empfing, waren auch solche Wähler und Wählerinnen in die Gefolgschaft des Etfurter Programms abge- schwenkt, die bei aller Verärgerung über die bislang getriebene Politik dennoch nicht auf den für jedes le­bensfähige Staatsgebilde notwendigen religiös betonten Unterbau verzichten wollten, sei es mm aus innerer Uebrrzeugung oder lediglich aus Der- nunftgründen. Wie stark solche Elemente in der Mehrheitssozialdemokratie vorhanden sind, ersieht man aus der Tatsache, daß man bei den sozialdemokrati­schen Fraktionen heute von einem religiösen Flügel spricht.

All das aber kann und darf uns nicht hindern, wiederum erneut auf die grundsätzliche Geg­nerschaft des Sozialismus zum Chri­sten tum hinzuweisen. Wir machen bekanntlich einen Unterschied zwischen der sozialistischen Idee und ihren Vertretern, den Sozialdemokraten. Unsere Geg­nerschaft gilt lediglich dem Sozialismus, der sozialistischen Idee, die auf Karl Marx zurückgreift und auf materialistischer Weltanschau­ung beruht. Solange die Mehrheitssozialdemokratie in ihrer überwiegenden Mehrhest an den Aeen eines Karl Marx und einer Betonung der materialistischen Weltanschauung festhält, bringt sie sich in Gegensatz zu der christlich orientierten Zentrumspartei. Die so­zialistische und christliche Lehre stehen sich nach wie vor wie Feuer und Wasser gegenüber, mpg Mch der politischem Gebiete herrschende Opportunismus die feindlichen Richtungen noch so oft WsammenfühireK. Eine Versöhmmg zwischen Zen­trum und Sozialdemokratie ist nur dann möglich, wenn matt in Programm und Praxis der Mehrheits­sozialdemokratie die Rückkehr zum christlichen Glau­ben und zur chrisllichen Stttenlehre findet.

Eine kurze Ueberlegung belehrt darüber, warum man in unseren Kreisen dem Sozialismus feindlich gegenüberstehen muß. Es soll ruhig zugegeben werden, daß die Sozialdemokratie gleich dem Zentrum den Wunsch hat, die materielle Lage der wirtschaftlich Schwächten zu verbessern. Während jedoch die Zentrumspartei dies auf dem Wege über das Gebot der Nächstenliebe zu erreichen sucht, also eine Reform mit Hilfe der Kräfte miregt, die in jedem Christenmenschen, ob reich, ob arm, wurzeln, glaubt der Sozialismus, daß die gegenwärtige Wirtschaftsreform gar bald im Wandel der Zeiten notwendigerweise zusammenbrechen müsse, auf daß der Zukunftsstaat mit der Sozialisie­rung der Produktionsmittel Eingang finden könne. Wir stellen der Sozialisierung der Produktionsmittel die­jenige der christlichen Gesinnung entgegen. Während wir die Seele im Mensche» in den Mttel- pmckt jeglicher Politik stellen, wird dieselbe von kär

Katholikentag

Fulda, Mai 1921.

Das Katholikenkomitee.

Wir brauchen Männer ohne Jutdjf und Zagen. Dir glaubenrtreu dir Schlachten Gastes schlagen Jfir Kirche, Volk und Vaterland.'

treu und folgsam ihren Lehren."

erneuern und festigen. Er soll eine eindrucksoolle

statt. Im Wirrwarr der Zeit kann nur das Christentum uns retten, seine Grundsätze leuchten wie die ewige Sterne in die soziale Not unserer Zeü. Dem wilden Ruf: .Los van Goll, las von Christus" müssen wir machtvoll entgegensetzen den Ruf:

Kommt in Massen

und laßt euch erwärmen und begeistern für die herrlichen Ideale unseres helligen katholischen Glaubens.

Für den Katholikentag ist folgendes Programm anfgesteM:

8 Uhr Prozession der Stadt Fulda und der bereits eingetroffenen auswärtigen Teilnehmer von der Stadtpfarrklrche aus zum Grabe des hl. Bonifatius, Pontifikalamt und Festpredigt im Dom.

2 Uhr Festzuz aller katholischen Männer und Jünglinge und Huldigung vor dem Hochw. Herrn Dffchof.

Danach Massenversammlungen in mehreren Sälen, in denen hervorragende Redner sprechen werden.

Anmeldungen werden umgehend durch die Pfarrämter erbeten.

Darum kommt alle am 5. Zuni nach Hulda.

Kommt vor ollem ihr katholischen Männer, ihr Laienapostel im Dienste der Kirche, kommt ihr katholische« Jünglinge, ihr Stteiter und Führer der Zukunft. Ihr seid die Hoffnung unseres Bolles, laßt diese Hoffnung nicht zuschanden werden.

Bonifatius ruft!

flm 5. Juni

findet auf Anregung des Hochwürdigsten Herrn Bischofs in Fulda am Grade unseres Glaubensvaiers ein großer

L. bekennt sich zum Gedanken der Arbeitsschule. Wir sehen in der Selbsttätigkeit des Schülers auf allen Stu­fen des Lernvorganges das Wesen des Arbeitsunterrich. tes. Die Arbeitsschule hat Erziehung zu leisten. Durch Arbeit zur Arbeit und zum Gemeinschaftsgedanken im Geiste unserer Weltanschauung. — Die Arbeitsschule ist kein Gegensatz zu der von uns geforderte» Konfessions­schule, denn gerade in der Durchdringung der gesamten Unterrichts- und Erziehungsarbeit mit einem großen einheitlichen Erziehungsgedanken ist die beste Hilfe für die Willensbildung gegeben, die das Ziel der Arbeits­schule darstellt." i

In den Sitzungen der einzelnen Ausschüsse wurden oll die Fragen besprochen, die für beftimmte Schulgat. tungrn bezw. für einen bestimmten Kreis der Lehrerin, nen gegenwärtig besonders wichttg sind, z. B. die Lage der Privatschulen, der neue Grundschullehrplan, das Reichsschulgesetz, das Reichsjugendwohlsahrtsgesetz die Lesebuchftage usw. Don allgemeinem Intereffe ist die

Die katholischen Lehrerinnen

und die Schulfrage.

Vom 16. bis 18. Mai wurde in Frankfurt o. M. die diesjährige Haupto erfammlung des Ver- e in s katholischer deutscher Lehrerinnen abgehalten. Mehr als je sind heute die Erzieher des Volkes, und zwar die katholichen Erzieher berufen, un­serem Volke das bewährte Alte zu erhallen und das gute Dteue zu vermitteln. In diesem Sinne ist die Haupt. Versammlung des Vereins katholischer deutscher Lehre­rinnen auch für die Allgemeinheit wichtig.

Der erste Vortrag „Don der Seele der Arbeitsschule" (Fräulein B r e u e r-Dortmund) erfaßte das Problem in seinen Tiefen. Der Inhalt des Vortrags zeigt sich am besten in der einstimmig gefaßten Entschließung über die Arbeitsschule: „Die Hauptversammlung des D. k. d.

„f)in zu Christus, hm zur Kirche,

In dieser Gesinnung will der Katholikentag uns Kundgebung katholischen Glaubenslebens werden.

„Wir brauchen Männer heut in trüben Tagen Die hoch des Kreuzes heilig Banner tragen Trotz Haß und Hohn in starker, kühner Hand.

Sozialdernokrafte nicht nur vernachlässigt, sondern systematisch vergewaltigt. Indem die Sozialdemo­kratie Klassenkampf und Klassenhaß pre- digte, setzte sie sich in Widerspruch mit der christlichen Lehre. Konsequenterweise sagte sie letzterer den Kamps an. So begann die Beschimpfung der Kirche und ihrer Diener. Breiter und breiter wurde die Kluft zwischen Zenftum und Sozialisten.

Vielleicht bringt uns die nächste Zukunft ein neues Programm der Mehrheitssozial­demokratie. Wenn man endlich hierzu den Mut finbd, sollte man auch noch einen Schritt weiter­gehen und, nach Abkehr von der materialistischen Weltanschauung, sich zu einem Bekenntnis zur christlichen Lehre, zur Volks- und Schicksals­gemeinschaft auftaffen. Richt zuletzt würden die eigenen Wähler hierfür dankbar fein müssen.

Behandlung der Fragen, zu denen folgende Entschließun­gen gefaßt wurden: ।

Zur Mischung bet Geschlechter in der Schule: „Die Hauptversammlung des V. k. d. L. erhebt im Interesse der Mädchenbildung und -erziehung Ein­spruch gegen die in verschied. Gegenden neuerdings wie­der einsetzenden Persuche, getrennte Knaben- und Mäd. chenschulsysteme in gemischte umzuwandeln. Sie hält mit aller Entschiedenheit fest an der grundsätzlichen Forde­rung der Trennung der Geschlechter, besonders auf der Oberstufe und der Klaflenführung der Mädchen durch eine Lehrerin."

Zur Frage bei stellenlosen Lehrerin- nen: „Die Hauptversammlung richtet im Interesse ber stellenlosen Lehramtsoewerberinnen an die Gemeinden die Bitte, die an vielen Orten zu hohe Klaffenfrequenz herabzusetzen und neue Stellen zu errichten, um so die

Unpolitische Zeitläufe.

Bon Fritz Nienkemper.

Berlin, 24. Mai 1921.

Gehörm^wir zur Fortschrittspartei?

Wenn wir die Festprozesion mümachen, so paßt ter Name. Denn Prozession bedeutet m wörtlicher Uebersetzung Fortschritt.

Die „Aufgeklärten" behaupten freilich, es seien lau­ter rückschrittliche Leute, die sich da in der kirchlichen Prozession bewegten. Dieses Gerede Über den Zaun stört uns nicht. Wir setzen ruhig und zielbewußt den einen Fuß vor den anderen und wissen, daß wir vor­wärts schreiten. Vorwärts hinter dem Feldzeichen, das fett neunzehnhundert Jahren den größten Teil der Well nach und nach erobert hat. Wir fühlen uns als marschierende Truppe des wahren Friedenskaisers, der nicht ein Reich der Gewall, sondern ein Reich der Lftbe errichten will. Wir bilden eine Kompanie von der wahren Heilsarmee, die das Menschengeschlecht er­retten will, aus den Trümmern des Krieges und aus den Sümpfen falscher Verträge zum wirklichen Frie­den zu neuer Wohlfahrt an Leib und Seele.

Das ist der Fvrijchritt, der die Nachkommen Adams aus dem furchtbaren Elend Schritt vor Schritt wieder hinaus- und Hinaufführt auf den festen Boden, wo unter dem Strahl der himmlischen Sonne die Nächsten­liebe wieder Wurzeln treiben und Früchte bringen kann.

Der K r e b s bildet sich ein, er ginge vorwärts und die anderen Wesen seien rückschrittlich, — während doch in Wirklichkeit die Sache umgekehrt sich abspielt. Mö­gen die Krebse uns verlästern, bis sie rot werden, — wir marschieren vorwärts, weil uns der Erlöser der Welt vorangeht.

Erlösung ist ja der gellende Notschrei der Zeit. Di« Erfahmng von drei grausigen Jahren zeigen immer deutlicher, daß die verworrene Welt nicht imstande ist, sich selbst zu erlösen. Herr, hilf uns, denn wir sinken immer tiefer, wie ein Unglücksmensch, der in bas tückische Moor geraten ist und um so mehr hinabge- zogen wird, je krampfhafter er an seiner Sclbstrettung arbeitet.

Die Hilfe muß von oben kommen.

*

Ist die Prozession eine „Demonstration"?

In den Zeiten des Kulturkampfes war das ein be­lebter Dorwurf, der die polizeiliche Verfolgung be­gründen sollte. Die „Demonstration" still als eine

Herausforderung, als eine Friedensstörung. Jetzt ist man auch in dieser Hinsicht auf den StandpuM ge­langt: LÄen und leben lassen! Wer eine entschiedene Ueberzeugung hat, der will sie auch sinnfällig bekun­den, und wenn er das in ordentlicher Weiss tut, so läßt man ihm dieselbe Freihell, die man für sich in Anspruch nimmt. Heutzutage gehören Demonstratio­nen aller Art zu den nicht mehr ungewöhnlichen Tages­ereignissen. Es geht auch so. Bedenklich sind nur die Auszüge, bei denen „Nieder! nieder!" gerufen wird. Wenn die Demonstranten ihre eigenen Ideale oder ihre verehrten Dorkärnpftr hoch leben lassen, ertragen die Andersdenkenden das leichter, als wenn Sachen oder Personen heruntergerissen werden, die den Zu­hörern am Herzen liegen. Diejenigen Leute, die sich in Nieder-Rufen austoben, verraten damit, daß bei ihnen nicht die aufbauende Kraft, sondern der Zer- störungstrieb vorwallet.

Bei einem Aufzuge der gläubigen Christen kann natürlich von feindseligen Rufen keine Rede jein; nicht einmal von feindseligen Gedanken. Denn die Präzi­sion ist freilich insofern eine Demonstration» als die Teilnehmer ihren Glauben friedlich bekunden, aber sie ist zugleich ein gemeinsames Bittgebet, das um Gnad; und Segen fleht für alle Menschenkinder, auch für die irrenden Brüder, auch für die Feindselig­keiten, für alle ohne Unterschied der leiblichen oder geistigen Farbe, für die Gerechten und Ungerechten, auf die der liebe Gott feine Sonne scheinen läßt, und zwar in dem Sinn«, daß kein Teilnehmer pharisäisch sich selbst zu den Gerechten zählt, sondern vielmehr an die eigene Brust schlägt, wenn er Gnade erbittet für die armen Sünder allzumal.

Die kirchlichen Bittgebete bei der Fronleichnarns- pro.zcssion sind in diesen schweren Jahren besonders zeitgemäß. Sie beschränken sich nicht auf die himmli­schen Gaben oder auf die idealen Güter, sondern er­flehen insbesondere den Segen und den Schutz für die Früchte ter Erde, für die Ernte, auf die wir bei ber Pilgerfahrt durch das Erdental angewiesen sind. Scit- die Hungersnot mit ihren dürren Knöcheln an unsere Türen geklopft hat, wissen wir erst recht, wie abhängig wir find von der Gnade des Himmels, der auf unserem Acker das Wunder der Brotvermehrung wiederholen ober durch Dürre, Hagelfchlag oder Fäulnis uns das täg- liche Brot entziehen kann. Auch die Zweifler im Glauben müssen erkennen, daß der Mensch in diesem lebenswichtigen Punkte der Ernährung abhängig ist van einer höheren Gewalt, gegen die er mit allen sei­nen Kräften und Künsten ohnmächtig bleibt.

Sie folllen lieber In das Bittgebet der Prozession ein» stimmen, statt an der „Demonstration" zu nörgeln.

Not lehrt beten, sagt das Sprichwort. Muß denn die Slot noch größer werden und noch länger an­dauern, um das deutsche Volk im ganzen wieder beten zu lehren?.

In Berlin und in der übrigen Diaspora formen wir keine Prozesion im Freien veranstalten. Das ist eine Beschränkung, die eigentlich in die neuen Verhält­nisse nicht mehr hineinpaßt. Früher war es polizei­liche Regel, daß alle Versammlungen in geschlossenen Räumen stattfanden. Jetzt sind auch Versammlungen unter freiem Himmel zulässig und Aufzüge auf den Straßen unter getroffen leichten Vorsichtsmaßregeln. Daraufhin könnten die Katholiken auch Bewegungs­freihell für ihre Fronleichnamsprozeffion verlangen. Vor allem in Berlin, wo bei manchen Kirchen die näch­sten Straßen oder Plätze Raum genug bieten, daß sich eine Prozession ohne bedenkliche Verkehrsstörung entfalten kann. Selbstverständlich müßte ein Versuch nach dieser Richtung an den maßgebenden Stellen erst wohl überlegt und vorsichtig eingeleitet werden; aber ich glaube nicht, daß wir andauernd hier darauf ange­wiesen sein sollen, einen kärglichen Ersatz für die rich­tige Prozession zu schaffen durch den mühsamen Gang zwischen den Bänken oder höchstens über einen inneren Lichthof. Es wird auch hier und in der Diaspora überhaupt iwch einen Durchbruch geben für den be­greiflichen Drang, daß wir wenigstens einmal im Jahre den Gottesdienst hinaus verlegen unter den gewaltigen Himmelsdom, wo die Sonne selbst das ewige Licht vertritt.

In Berlin pflegt man am Nachmittag und Abend tes Fronleichnamstages (der hier kirchlich, aber nicht taatlich gebotener Feiertag ist) ein Gemeindefest ür die einzelnen Pfarreien zu veranstalten. Ein all­gemeines gemütliches Seifammenfein der sämtlichen Glaubensgenossen, ohne Rücksicht darauf, ob sie bei diesen ober jenen Vereinen eingeschrieben sind. Eine solche zwanglose Geselligkeit unter den Glaubensge­nossen ist in mehr als einer Hinsicht sehr schön und nützlich. In dieser Steinwüste der Großstadt ist ost sogar bei den Leuten, die in nächster Nachbarschaft wohnen, der gesellschaftliche Verkehr unterbunden. Die gesmige Annäherung kann reiche Früchte bringen, nicht bloß für bas religiöse Leben, sondern auch in sozialer unb wirtschaftlicher Entwicklung. Auch das Gemeinde- fest ist fortschrittlich,

Möglichkell für eine Mehranstellung katholischer Jung lehrerinnen zu schassen."

Fortbilbungsschuslo: „Die Hauptversamm­lung bes V. k. b. L. setzt sich basür ein, baß die in Aus­sicht stehende Pflichtsortbildungsschule für Mädchen zu einem vollwertigen Erziehungsfaktor für die weibliche Iugenb ausgebaut wird. Dies erfordert, daß sie nicht lediglich Berufsschule in dem Sinne werde, daß nur der Erwerbsberuf bestimmend auf ihre Ausgestaltung ist, sondern daß jedes Mädchen neben der erwerbsberufli- chen Ausbildung auch jene Geistes- und Willensschulung erhält, die es befähigt, ihren Aufgaben als Hau s- frau, Gattin und Mutter gerecht zu werden und für Familie und Volk die dem weiblichen Geschlechte eigenartige höchste Kulturarbeit zu leisten. „Die Haupt. Versammlung fordert weiterhin, daß mehr Ausbildunas. Möglichkeiten für Dolksfchullehrerlnnen geschaffen wer- den, damit diese hauptamllich oder nebenamtlich in den Lehrkörper ber Fortbildungsschule ausgenommen werden können."

Zu der letzten Versammlung, in der die Reichstags- abgeordnete Fräulein Teusch-Köln über religiös-sitt­liche Erziehungsausgaben der Gegenwart sprach, waren auch die Frankfurter Ellern eingeladen. Am Schlüsse wurden folgende Entschließungen angenommen:

Bekenntnisschule: «Die am 18. Mai im Volksbildungsheim in Frankfurt a. M versammelten ka­tholischen Eltern und Lehrerinnen halten unentwegt fest an der Forderung ber katholischen Schu- len für katholische Kinder. Sie verlangen, daß aus dem Entwurf des Reichsschulgesetzes alle Bestim mungen beseitigt werden, die eine Forderung der Ge, meinschaftsschule ober eine Erschwerung der Gründung von Bekenntnisschulen darstellen. Die gesamte Arbell in unseren Schulen muß von der katholischen Weltan­schauung erfüllt sein und kann daher nur von überzeu­gungstreuen katholischen Lehrkräften geleistet werden."

Für die Mitglieder des Vereins gill besonders die letzte Entschließung: „Die Mitgliederversammlung des V. k. d. L. zu Frankfurt fordert in Anbetracht der gro- ßen, religiös.silllichen Erziehungsaufgaben unserer Zeit alle Bezirksoereine auf, Einrichtungen zu treffen, durch welch« die religiös vertiefte Lebens- und Berufsaus- fassung ihrer Mitglieder gepflegt wird."

Di« wachsende Arbeitslosigkeit.

Heber 800 000 llnferffüfjuugsempfänget.

Das Reichsarbeitsministerium schreibt: Die Zahl der männlichen Hauptunterstützungsernpsänger betrug am 1. Mai 318 448, die der weiblichen 81 649, zusam­men also 400 097. Hinzu traten 440 377 Zuschlags­empfänger (unterstützte Familienangehörige von Voll­erwerbslosen), so daß sich die G e f a m i z a h l der Hauptunterstützungs- und Zufchlagsempfänger auf 840 474 stellt.

Berücksichtigt man, daß diese Zahlen nur bedingten Wert haben, bei weitem nicht alle Erwerbslosen Unter­stützung beziehen, baß ferner die der Erwerbslosenzis- fer nahe kommende Zahl der Kurzarbeiter von der Statistik nicht erfaßt wftd, und daß endlich in er­heblichem Umfange in den Betrieben an sich entbehr­liche Arbeitskräfte noch durchgehalten werben, fo muß die Lage des Arbeitsmarktes auch weiterhin als ungünstig bezeichnet werden. Sie würde es noch ungleich mehr fein, wenn nicht durch die pro« duktive Erwerbslosenfürsorge durch­schnittlich 200 000 Erwerbslose bei Notstandsarbeiten untergebracht wären. Wie wenig aber die Entwick­lung des Arbeitsmarktes im laufenden Jahre befrie­digt, zeigt ein Vergleich mit dem im Vorjahre.

Wahrend nämlich in der Zeit vom 1. Februar bis 1. Mai 1920 die Zahl der Erwerbslosen von 431000 auf 292 000, also um rund 150 000 gefallen ist, ha! sich in btefem Jahre die Ziffer von 423 000 aus 400 000, also nur um 23 000 gesenkt. Sm Monat April 1920 insbesondere hat die Abnahme rund 28 000 betragen, im Monat April 1921 nur 16 000, also etwa die Hülste, wobei die weiblichen Erwerbslosen sogar eine Zunahme zeigten.

Obgleich die fortschreitende Belebung des Laumarktes in denjenigen Berufen, die in engerem Zusammenhänge mit dem Bauwesen stehen, unverkennbar günstig gewirkt hat, haben doch die Auswirkungen der Weltwirtschafts­krise unb besondere wirtschaftliche Schwierigkeiten im Inlanbe die sonst alljährlich mit dem Frühjahre ein» tretende Besserung bes Arbeitsmarktes in diesem Jahre weitgehend hintanhalten, und wir haben in einer Jah­reszeit, in der alljährlich die Erwerbslosenziffer am niedrigsten zu fein pflegte, eine wesentlich höhere Zahl als zu Beginn des letzten Winters.

Ein Führer zu religiöser und sittlicher Erneuerung.

Don t Professor H. Wagner in Wiesbaden

Die Frage nach der besten Möglichkeit der sittlicher! Erneuerung unb religiösen Vertiefung unseres Volkes, besonbers auch des katholischen Telles, verdient wegen ihrer ungeheuren Wichtigkeit immer von neuem unb von einer möglichst neuen Seite aus behandelt zu wer. den. Heute möchte ich auf dem Wege zu diesem Ziel einen Mann nennen, der wie kein anderer uns Führer­dienste dabei leisten kann und um keinen Preis ver. gessen werden darf: es ist Alban Stolz. Schon bei den bisherigen Erörterungen lag es nahe, an ihn, den Gatt uns als Gnadengeschenk in trüben Tagen gegeben und der zu seiner Zell eine Well voll Segen um sich verbreitet hat, zu denken und auf seine unvergleichlichen Schriften von neuem aufmerksam zu machen.

Und doch ist Alban Stolz jetzt zeitgemäßer al» je; et kann nicht veralten, weil er die Sonde fest gerade an die Wunden gelegt hat, an denen unser armes Volt heute besonders krankt und an denen es zu Grunde zi» gehen droht. Gewiß, neue Bücher und Blätter tun un­ter den veränderten Verhältnissen not, gut ausgebaute: Sonntogsblätter werden heilsam wirken. Manche Schrift- steller bemühen sich nicht ohne Erfolg, volkstümlich — Stolzisch möchte ich fagen — zu dem Volke zu reden, aber alle diese Bücher und Blätter kommen nicht ent­fernt gleich dem kleinen, unscheinbaren, trockenen Mann« mit dem Dichtergemüt, dem weiten, mildtätigen, from­men Herzen und feinen wunderbaren Schriften, be- fonbers seinen Kalendern. Mit flammender Schrift und hinreißender Sprache verfolgt er immer wieder das eine große Ziel: die chrisllichen Grundsätze auf allen Ge- bieten, besonders auch des öffentlichen Lebens, wieder zux Gellung zu bringen, scharf, rücksichtslos, unbeküm. wert um die Meinung des Tages. Aus feinen Schriften paßt eigentlich alles gerade für jetzt.

Er lehrt uns wieder die heute ganz verloren gegan­gene Achtung vor der von Gott eingesetzten Autorität, der geisllichen und welllichen, schärft den Kindern Ehr- furcht vor den Eltern, diesen die Pflichten gegen ihre Kinder ein, drängt unablässig auf eine christliche Er­ziehung, legt das Berhältnis zwischen Herrschaft und Dienstboten in gottgewollter Weise klar und zeigt sich dabei als einen chrisllichen Sozialpolitiker. Er warnt überzeugend vor der Anbetung des goldenen Kalbes, var Genußsucht und dem verderblichen Schnaps, preist dem- gegenüber aber die stillen Freuden des Naturgenusses und trauter Häuslichkeit. Alles Falsche, Erlogene, Ge.