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Samstag, 2S. Mai I92L
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48. Zahrg.
Ser M m StMLlrM.
Französische und italienische Teilungspläne.
Wie trügerisch war der Glaube, daß mit der Ab» ftimmung das Schicksal von Oberschlesien zugunsten Deutschlands entschieden sei! Wie voreilig war die Erwarttmg, daß Lloyd George mit feiner Entrüstungs- rede vom „ehrlichen Spiel" der Gerechtigkeit freie Bahn gebrochen habe! Der Kampf um Oberschlesien ist nicht zu Ende, sondern fängt jetzt erst richtig an.
Briand hat sein Vertrauensvotum erhalten mit 419 Segen 171 Stimmen. Wird er nun nach den Wünschen der Gemäßigten sich richten, die seine Adehrheit begründet haben? Oder wird er der Minderheit sich gefällig erzeigen, um möglichst viel von den augenblicklichen Gegnern für die Zukunft sich zu sichern? Seiner Natur nach und in Anbetracht der Verhältnisse ist das letztere wahrscheinlich: die 171 Stimmen der wacht- und ruhmsüchtigen Nationalisten siird nicht bloß der Zahl nach bedenklich groß, sondern wegen ihres starken Rückhaltes in den Volksleidenschaften für die Zukunft besonders gefährlich. Briand wird sich bemühen, diesen Heißspornen etwas angenehmes zu bieten, und da er auf die heißersehnte Eroberung der Ruhr vorläufig verzichten muß, wird er sich mit um so größerem Eifer der Raubpolitik in Oberschlesien widmen.
Das Vorspiel dazu waren schon die ausführlichen und schlau abgewogenen Auslassungen über Oberschle- fien in seinen letzten Reden. Er glaubt offenbar, ohne Bruch mit England den Hauptteil dieses wertvollen Landes den Deutschen entreißen zu können. Wen« das Industriegebiet nicht sofort den Polen überantwortet werden koim, so geht der geschmeidige Priand auch auf eine
Dreiteilung
«n, die nach seiner Berechnung nichts weiter bilden soll, wie den llebergang zur polrschcn Besitzergreifung.
Dieser raffinierte Plan der Dreiteilung bildet für uns die größte Gefahr. Angeblich soll Graf Sforza, der allzu französische Minister in Italien, den Gedanken aufgebracht haben. Als Vorschlag zur Güte, zur Vermittlung; auf dieser bedenklichen Dahn bewegt sich nämlich fortwährend die italienische Politik, die für Deutschland gelegentlich schöne Worte hat, aber tatsächlich den Franzosen die Kastanien aus dem Feuer zu holen pflegt. Graf Sforza, so heißt cs weiter, stützte sich auf die Berichte und Vorschläge der italieni- fchen und englischen Vertreter in Oberschlesien, und Lloyd George sei bereits für diesen Plan gewonnen.
Sollte letzteres zutreffen, so würden wir aus die Entsendung der neuen englischen Bataillone nach Oberschlesicn keine Hoffnungen fetzen dürfen. Diese Verstärkung der englischen Wacht im strittigen Gebiet hätte nur dann Wert, wenn die Engländerr ohne Vorurteil und ohne gebundene Marschroute dorthin kämen, um unbefangen nach dem Rechten zu sehen, der französischen Verbrüderung mit den Polen ein Gegengewicht zu bieten und ihrer Heimatsbehörde einen ehrlichen Bericht über die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisie zu erstatten. Es wäre sonderbar, wenn Lloyd George sich schon vor der Absendung der englischen Verstärkung auf den Plan der Dreüeilung fest- q^egt hätte.
Andererseits ist es begreiflich, daß Lloyd George «ngesichts der übrigen wellvolitischen Sorgen die Entscheidung über Oberschlesien zu beschleunigen wünscht. Doch ist eine Uebereilung immer noch schlimmer wie eine Verzögerung. Darum würden wir es zwar für ein Uebel, aber doch für das k l c j n e r e Uebel halten wenn zunächst der von Frankreich gestellte Bors »lag durchginge, die Angelegenheit durch einen Ausschuß von Sachverständigen untersuchen zu lasftn Jede solche Verschleppung ist ein Unrecht gegen die Gerechtigkeit, gegen den Friedensvertrag und gegen
Der Ring der Nuramaja.
Roman von Käte van Becker, ö' _____________
Stau von Lebanoff wußte, daß sie Vormünderin khres jüngsten Sohnes und unbeschränkte Verwalterin aller Einnahmen fei. Ihr Mann hatte kurz nach der Geburt des Knaben in ihrem Beisein ein entsprechendes Testament gemacht, das außerdem die Bestimmung enthielt, für den Fall, daß der Sahn unverheiratet vor der Mutter stürbe, sollte diese ohne Einschränkung und Bedingungen als Unioersalerbin das ganze Vermögen erhalten. Die Zukunft der drei Klingensiurs schien also vollkommen gesichert, denn auf ein langes Leben des jungen Lebanoff konnte man kaum rechnen. Dann erwies es sich aber leider, daß der alte Lebanoff tückischcr- weise kurz vor seinem Tode heimlich das erste Testament umgeändert hatte, und zwar in seinem Schlußsatz, der jetzt folgendermaßen lautete: daß. im Falle Alex Lebanoff unverheiratet vor der Mutter stürbe, dieser nur eine im Verhältnis zu den sonsttgen großen Einnahmen sehr bescheidene Rente zufiele, und das übrige, ihrer Verwaltung vollkommen entzogene Vermögen zu gemeinnützigen und^ volkswirtschaftlichen Stiftungen verwandt würde. — So, lieber Sesenbura, das ist die Geschichte der schönen, blonden Karin."
Der sah ihn ganz verständnislos an. „Ja — was heißt das denn? Ick) sitze immer und warte, mann nun endlich eine Mitteilung über die junge Dame, wann Ihr versteckter Hinweis nur Bedeutungsvolles und Inter, ejfantes kommen soll, und Sie erzählen mir eine ganz abseits liegende Familiengeschichte. Die Mutter interessiert mich doch gar nicht! Meinetwegen kann sie noch mehrere Männer heiraten."
„Halten Sie ein, Grausamer! Bedenken Sie, diese Dame kann Ihre Schwiegermutter werden!" — »Ach Unsinn! Ich glaube wahrhaftig, Sie haben wieder ein. irol Ihren absonderlichen tückiichen Tag, genau so wie Ur alte Lebanoff, und haben mich nur tüchtig uzen neuen."
die wichtigsten Interessen der Deutschen in Oberschlesien und im Reiche. Wer die DreitÄümg wäre der Gipfel des Unrechts, weil der Zwischen st aat, den man angeblich aus dem Kern des Lndustriegebie» tes bilden will, nichts weiter darstellen würde, wie em reserviertes Geschenk für Polen.
In der alliierten Kommission, die dm Zwischenstaat verwalten soll, würde der sattsam bekannte General Le Rond nicht den Vorsitz haben, versichert man uns zur Beruhigung. Aber ein Franzose soll sein Nachfolger sein, und der wird nackt Anweisung aus Paris sicherlich das Kompamegxfchaft mit den Polen weiter führen. Oberschlesien würde dasselbe Schicksal haben, wie das Saar gebiet.
Wenn die Italiener keine besseren „Vermittelungsoorschläge" haben, so kann uns ihre vermeintliche Freundschaft gestohlen werden. Unsererseits müssen wir einfach auf dem Rechtsboden stehen bleiben, den wir durch die Volksabstimmung gewonnen haben. Wenn auch leider sonst in der Ements Macht vor Recht geht, so können wir doch unftren Standpunkt in diesem Fall mit einer gewissen Aussicht verfechten, da auch bei den Gegnern, und sogar in den Reden Driands, die volkswirtschaftliche Erwägung sich geltend macht, daß die für Eesamteuropa unentbehrlichen Kohlen- und Metallschätze von Ober- schlesien der Menschheit verloren gehen würden, wenn die hochentwickelten Werke in die Hände der ungeschulten Polen fielen.
Polnische Räuber.
Blättermeldungen auS Kattotvitz zufolge drangen am Donner Stag in das Nnterkommissariat für Deutschland in Kattowitz mehrere Männer mit vorgehaltenem Revolver ein und stahlen 100000 Bi art. Einer von den Räubern konnte festgenommen werden. Es ist der bekannte Pokensührer Mucha aus Kaitowitz.
Engländer auf dem Weg nach Oberschlesien.
Die Eisenbahntransporte der englischen Truppen haben am 27. begonnen. Sie dauern bis 1. Juni. Die vier in Frage kommenden Bataillone werden in 10 Zügen, von denen täglich ein bis zwei abgelafsrn werden, befördert. Die Route geht über Mainz, Bebra, Erfurt, Leipzig und Breslau nach O b e r s ch l e s i e n.
Korfanty legt die Waffen nieder?
Die Agence HavaS meldet: Der Führer der polnischen Jcksurgeuteu, Korsanty, hat mitgeteilt, daß er die Waffen niederlege und die Amtsgewalt der interalliierten Kommission anerkennt.
Sie Tilgung ver ersten Milliarde.
Die Reparationskommission hat die erste Anzahlung auf die eine Milliarde Goldmark, die von der deutschen Regierung in Höhe van 150 Millionen Goldmark irr Form von verschiedenen ausländischen Devisen angeboten worden war, in Dollars verlangt. Wie wir hören, ist der Umtausch jetzt durchgeführt und die 15 0 Millionen Goldmark sind in Dollars vollständig an die Federal Reserve Bank in Newyork überwiesen worden.
lieber die Zahlungsweise der restlichen 850 Mill, ist jetzt, wie das^„Berl. Tagebl." erfährt, Beschluß gefaßt worden. Freitag gingen 20 Schatzscheine nach Paris ab im Betrage von je 10 Millionen Dollars, deren Gesamtwett rund 850 Millionen Goldmark entspricht. Den Londoner Bedingungen gemäß, tragen sie das Indossament anerkannter deutscher Banken und sind teils in London, teils in Paris, teils in Newyork .zahlbar. Damit sind die Bedingungen des Artikels V des Zahlungsplanes der Reparationskommission restlos urrd in Einhaltung der oorsseschrirbcr.cn Frist erfüllt.
Der Assessor lächelte. „Aber, mein Lieber, sind Sie begriffsstutzig! Verstehen Sie denn nicht? Ich gab Ihnen den Rahmen für das Lild, den goldenen Rahmen, in den bie' blonde Schönheit gehört und den sie für ihre Zukunft braucht."
„Also der langen Rede kurzer Sinn war der, daß die junge Dame auf eine gute Partie losgeht und ich mich in acht nehmen soll, ihr nicht in die aufgestellten Schlingen zu gehen?"
„Sie irren sich," erwiderte der Assessor, „warnen wollte ich Sie nicht. Sn solchen Dingen heißt cs „Ent. weder — oder". Entweder Ihr Interesse ist so groß, daß eine Warnung nicht hilft, ober so gering, daß sie nicht nötig ist. Nein, ich wollte Ihnen nur Anhalts- punkte geben, deren Sinn und Folgerung Sie sich selbst machen können. Wären Sie ein armer Bursche, so würbe ich Sie wirklich warnen, sich Finger und Herz zu verbrennen. Bei Ihrem Reichtum liegt kein Grund dafür vor. Sie würden voraussichtlich angenommen, und vielleicht könnte sich das kalte Herz der Schönen sogar für Sie erwärmen, denn Sie sind wirklich nicht Übel. Cs könnte angenehm klappen." „Danke, danke!"
Der Affessor sah nachdenklich zu seinem jungen Kollegen hinüber. „Sie sind in diesem Augenblick sehr giftig auf mich zu sprechen. „Tut mir leid, bestätigt außerdem meine Annahme, daß Ihr sonst ziemlich ruhiges Gemüt etwas erregt ist. Ra, na, fahren Sie nicht wieder auf! Ich will Ihnen nun wirklich sagen, was mich bewegte, den getreuen Eckehardt zu spielen. Karin Klingenstur wird einen Mann, wie Sie, nie glücklich machen. Sie hat mehr Verstand als Herz, sie ist, soweit ich sie beobachtet Hobe, kalt wie eine Amphibie. Dabei ist in ihr eine heimliche, wilde Unruhe und Unzufriedercheit, gepaart mit bitterem Pessimismus und vielleicht sogar mit einem tiefwurzelnden Leid. Alles das brennt minutenweise in ihrem Blick, zittert hinter dem Goldton ihrer rätselhaften, schönen Augen, zieht an und stößt ab, wird aber meisterhaft beherrscht von dem kalten, eifemen Willen dieser jungen und schon so alten, lebensklugen Frau. Sie läßt nicht in sich hineinsehen, sie wird stets ein verschlossenes Buch bleiben, auch für den Mann, der sie einmal gewinnt und sich dabei einbildet, sie zu bejigen. Vielleicht litt sie schon einmal Schiffbruch und
Der Wiederaufbau Nordfrankreichs.
Freitag fand in Paris eine Zusammenkunft deutscher Sachverständigen und Vertreter der technischen Abteilung des Ministeriums der befreiten Gebiete statt. Die französischen Sachverständigen gaben den deutschen Delegietten nähere Einzelheiten über die Art und Qualität der Materialien, die zur Konstruktion d e r 25 000 Häuser dienen sollen, deren Sie» ferung der Reichsregierung vorgeschlagen wurde. Die deutschen Delegierten werden in der Lage fein, Lou- chcur ein endgültiges Angebot zu unterbreiten, der dann das Wettere veranlassen wird.
Bayern und die Entwaffnung.
Wie die „Deutsche Allgemeine Zeitung" txm unterrichteter Seite erfährt, bieten die zwischen dem Reich und Bayern in der Entwaffnungsfrage geführten Verhandlungen nicht mehr das frühere ernste Bild. Bei der praktischen Durchführung der zu treffenden Maß- nahmen könnten allerdings Einzelheiten noch Schwierigkeiten bereiten.
Sein französischer Protest gegen Dr. Rosen.
Von amtlicher Berliner Stelle wird mitgeteilt, daß die Behauptung des „Motin", die französische Regie- nmg habe der deutschen Regierung ihr Erstaunen über die Ernennung Dr. Rosens zum Minister des Aeußern ausgedrückt, falsch ist. Ein solcher Schritt sei nicht erfolgt.
Neue bolschewistische Rüstungen?
Nach einer Meldung aus Königsberg rüsten, wie aus aufgefangenen Funksprüchen hervorgeht, die dort über Litauen ein trafen', die Russen fieberhaft andrer We st grenze. Die von Petersburg und Moskau nach der Düna und Ukraine führenden Bahnen sollen nach dieser Meldung mit gut ausgerüsteten und be- waffneten Truppentransporten überfüllt fein. Es handelt sich angeblich um die Ncuaufstellung der 15. und 16. bolschewistischen Armee im Raume Smolensk- Witebsk-Morilow, ferner der 12. Armee hinter den Dniepr und der 14. und 3. mit mehreren Kavalleriekorps m der Gegend von Smerinka-Verditschow, Die ganze russische Westfront soll auf 500 000 Mann gebracht werden. All diese Maßnahmen sollen getroffen werden, um bei kommenden europäischen Verwicklungen zur Stelle fein zu können.
Ausstandsbeweguug in Südrutzland.
HaraS berichtet, aus Konstantinopel daß die Au f* standSbewegung im Süden Rußland noch immer andauere. Budjonny, der mit der Unter« drickung der Unruhen beauftragt sei, müsse gleichzeitig auf sech§ Fronten kämpfen. Die Aus- ständischen seinen besonders stark in der Umgegend von Kiew und Jekaterinoslaw.
hat dabei auch ihr Herz zerbrochen-, vielleicht besaß sie nie eins."
Hans Heinrich war seltsam erregt. Genau wie der Erzähler gesagt hatte, zog es auch ihn an und stieß ihn zugleich ab, brachte Unruhe und Zwiespalt in ihn und beherrschte ihn so wunderlich, daß er bald darauf bas Herankommen eines beiderseitigen Bekannten als will- kommene Gelegenheit ergriff, um sich von dem Assessor zu verabschieden und das Fest schneller zu verlassen, als es in feiner Absicht gelegen hatte. Er wollte ein weiteres Zusammentreffen mit diesem Mädchen, bas einen fo starken und nicht zu ergrünbenben Eindruck auf ihn gemacht hatte, für heute vermeiden, und als er bann in fast flüchtender Eile in seinem Heim anlangte, packte ihn wieder heftiger Merger über die Torheit und Feigheit seines Tuns.
Hans Heinrich war, nachdem der erste Aufruhr feL ner Empfindungen sich etwas gelegt hatte, entschlossen, zu einem Wiedersehen mit Karin nichts Besonderes bei- zutragen, cs aber auch nicht zu vermeiden, sondern ruhig abzuwarten, wie das Schicksal ihn leiten wollte. Aber trotz dieses Ensschlusses empfand er bei jedem Feste, das er miimachte, eine heftige Spannung, die sich zu peinigenden Enttäuschungen wandelte, wenn er wieder und wieder das schöne Mädchen dort nicht fand. War sie vielleicht schon a&gereift?
Den Assessor wagte er nicht zu fragen. Es war feit jenem Nachmittage eine leise Entfremdung zwischen die beiden Freunde getreten; sie gingen sich unmerklich aus dem Wege, und wenn ein Zusammentreffen nicht zu vermeiden war, hatte dieses einen anderen Ton als sonst. Es stand stets unter dem Schatten einer beiderseitigen heimlichen Verlegenheit.
Dann traf Hans Heinrich die lang Erwartete einmal ganz unerwartet in einem Wohltätigkeitskonzert. Sein Platz lag fo, daß er gerade ihr feines Profil und eine Welle ihres goldenen Haares unter dem breitschattenden Hut sehen konnte, und der Reiz ihrer lichten Schönheit bezaubette ihn wieder fo stark, daß er kaum einen Blick son ihr lassen konnte.
(Fortsetzung folgt.)
Die LeipzigerKrkegsbeschnldrgten-Prozeffe.
Der Prozeß gegen den Hauptmann der Res. Rechtsanwalt Müller fand am Freitag vor dem Reichsgericht feine Fortsetzung. Es wurden zahlreiche deutsche und englische Zeugen vernommen. Im Verlaufe der Zeugenaussagen stellte sich heraus, daß das vom Angeklagten kommandierte Lager Flavy le Martell sich bereits in einem sehr schlechten Zustande befunden hat, als es rwch englisches Durchgangslager war. In dieser Zeit sind in dem Lager viele deutsche Kriegsgefangenen an Ruhr gestorben.
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Wie im englischen Unterhause ein nationalistischer Heißsporn seine Meinung über das seiner Ansicht nach ungenügende Urteil im Heynenprozeß mit dem Ausruf „Schande" kundgab, so scheint auch die eng-
lischePressevondenrAusgangdesPro- zessesnichibesriedigtzu fein. „Daily Ehra- nicle" schreibt: Der Heynn-nprozeß sei fair geführt worden, aber die Strafe sei ganz ungenügend. Der interessantere, für die Probe entscheidende Fall werde der des A-Boot-Kapitäns sein. An ihm werde das Leipziger Einsicht gemessen werden, das bis jetzt ungenügend strafe^
Gegen innendeuHche Zwistigkeiten.
Der Reichsminister des,.'Innern Dr. Gradnauer hat an die FraktionsvorsitMiden der im Reichstag vertretenen Parteien ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt:
„Nach Avttkel 18 und 1ÖS7 der Reichsverfassung werden vom 14. August 1921 an die zum Reichstag wahlberechtigten Einwohner .<has Recht haben, Wstlmnum- gegen über die Slenberitng des Gebietes von Ländern und die N e u f> i 1 b ® n g von Ländern innerhalb des Reiches zu verlangen. Sofern solche Bestrebungen dahin gehen, die kleinsten der deutschen Länder mit andern Ländern zu rktzreh.rigen ober Exklaven, die keinen räumlichen Zusammel-chang mtt dem Hauptgebiet ihres Landes l>aben, an dos sie umgebende Land an» zugliedem, mögen bei der gegenwärtigen Lage Deutschlands erhebliche Bedenken k> agegen nicht bestehen. Anders liegt es, wenn Bestrebungen zur Abtrennung größerer Gebietsteile von eil yeinen Ländern hervortreten sollten und dadurch Anlaß zu erregten parteipolitischen Auseinandersetzungen gegeben würde. Der furcht- bare Ernst der innerpolitifchen und wirtschaftlichen Verhältnisse Deutschlands und (bie Rücksicht auf das Ausland, dem jede Spaltung der Kräfte in Deutschland willkommen wäre, erheischt gebieterisch, vorerst solche Neu- gliederungswlinsche größerer liltt z n r ii ck z u st e l l e n und jede vermeidbare Veunruhisrung von der Bevölkerung fernzuhalten."
Die Aeuderung der GctreivewirLschaft.
Die kommende große Nroödcbrille im Reichstag.
Uns wird geschrieben:
Sobald wie möglich n, a d) dem Wiederzu - fammentritt des deutschen Reichstages in der nächsten Woche, dessen Sitzungen mtt der Programmerklärung des Äeichskanzlers Dr. Wirth beginnen werden, soll auch.die Entscheidung über die neue Getreiden) irtschast fallen. Die Anschauungen in der VolkstLrtretung stehen sich ziemlich schroff gegenüber. Die, Mehrheit der bürgerlichen Abgeordneten ist für die fwip Getreidewirtschaft, während die Sozialisten an der Avangswirtschaft fefthalten wellen. Der Reichsernährwulgsminister Dr. Hermes schlägt als Mittelweg das Umlageverfahren vor, das voll den Landwirten bekämpf wird, weil es weder die Verwaltungsschikanen, noch ithe Praktiken des Schleichhandels beseitige. Die Erfalzrungen, die bei dem Umlageverfahren für Kartoffeln gemacht worden sind, wir- ken gerade nicht verlockend, ubroohl es sich damals nur um eine einmalige Maßrnchrne gehandelt hat.
Es dürfte bei den verschißenen Vorschlägen in der Broiwirlschaft vor allem au.f die Preise ankom- men, denn jede Möglichkeit bedeutender Preissteigerungen muß entschieden abg-ewehrt werden. Dazu reicht in vielen Tausenden na g deutschen Haushaltungen das Geld nicht. Hierfür muß Garantie gegeben werden. Die Erfahrungen, die mit Gst'rn und anderen feit langer Zeit freigegebenen Lebsrsmitteln gemacht worden sind, geben leine Bürgschaft dafür, daß innerhalb einer längeren Frist die Preise bc.e selbst sinken, und wenn man darüber bisher noch fortgah, so ist die Sache beim täglichen Brot doch zu ernst.
Es kommen ja auch noch unbegrenzte und unvor- herzusehende Möglichkeiten in Betracht, die den Mehl- und Brotpreis sehr wesentlich beeinflussen können. Die Valuta ist durch die Annttchme des Ultimatums noch nicht gesichert worden. In Amerika, auf das wir mit dem Mehleinkauf ganz besonders angewiesen sind, iw- tierte die deutsche Mark schon wieder unter 7 Psg., und daß damit keine Seide zu schirmen ist, ist ganz selbstverständlich. Die dernsche Landwirtschaft kann d t e Kornproduktion gewiß noch ganz bedeutend steigern, alxit die Berechnungen darüber dürfen nicht auf Verblutungen angewiesen bleiben, sondern müssen auf Mer Grundlage beruhen. Daß wir unser Geld für Mehl lieber in Deutschland behalten, als es nach Amerika zu schicken, wenn wir dabei ebensogut oder noch betz'er forlkommen, ist selbstverständlich. ' Die Rechnung im Reichstage muß klar fein, die Ding: müssen auch beim rechten Namen genannt werden. Dann wird, auch ein Resultat heraus- tommetr
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Veränderungen in Scr SeutfchenDiplomatie
In nächster Zeit werden in verschiedenen maßgebenden diplomatischen Auslandsposten Veränderungen, teilweise aber auch WicdelLesetzungcn vorgenommen werden. Soweit es sich um Letzteres handelt, werden Positionen in Frage kommen, die infolge des Krieges bislang vakant waren.
Es kommt hierfür in erster Linie der Boischafter- poften in Washington, sodann aber auch der in Peking in Frage. Die formelle Beendigung des Kriegszustandes steht in Bürde bevor, und soeben ist ein wirtschaftlicher Vertrag mit China geschlossen worden, Las ja in gleicher Weife wie Amerika den Frie- densoertrag von Versailles nicht unterzeichnet hatte.
Für den Wafhingtoner Posten wird der bisherige Staatefetretär dec Reichskanzlei Albert als Kandidat genannt. Aber auch der gegenwärtig in Tokio weilende und dort das Deutsche Reich vertretende ehemalige Kolomal-StaatssekvÄär Dr. S o l f gilt als ernster Anwärter für Washington.
Infolge der Wtederausrvatzme der Beziehungen zu Sowjet-Rußland wird auch h; Moskau alsbald ein deutscher Vertreter wieder residieret« muffen. Auf diesen Posten legen die Sozialdemokraten Wert, die Dr. Köster, den stüheren Außeruuinister dafür nominieren. Den freigewordenen Posten tzn Haag wird Voraussicht- sich der bisherige SiattssekrKär im Auswärtigen Amt, Hsnieh übertragen bekonMsv