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M 118.

MUtw«a, 25. Mai 1921.

ein M öet NMenmren.

Zum Fronlrichnamslage.

Die Seelenkunde, dir Psychologie, hat in unfern tLagen eine außerordentliche Bedeutung erlangt. Nicht nur das Seelenleben des Einzelnen, sondern das ge­samte Menschenleben, die Geschichte iinb die Religion IDerben vom psychologischen Standpunkt betrachtet und erforM. Der Rcckigionspsychologie, diesem Migsten Zweig der Religionswissenschaft, stehen gläubige Christen meist ablehnend und mit einem gewissen Mißtrauen gegenüber. Solches Mißtrauen ist inso­fern durchaus berechtigt, als diese neue Wissenschaft säst vollständig im Fahrwasser des Eoolu» tionismus ist, und alle Religion, auch die christ. siche, als bloßes Produkt des schaffenden Dtenscyeu- veistrs darstellt. Aber der gläubige Christ braucht vor dieser Wissenschaft so wenig Angst zu haben, wie vor den vielen anderen, die im Lause des letzten Jahr­hunderts der Offenbarungsreligion den Fehdehand­schuh hingeworfen haben. Zudem ist die psychologische Betrachtung der Religion durchaus nicht neu. Schon die hl. Baier und die Scholastiker sind den psycho- gischen Zusammenhängen liebevoll nachgegangen. Eine besonnene und ehrliche psychologische Pqtwchtung unserer Religion offenbart uns ungeahnte Dezichun- gen und verborgene Schönheiten der Geheimnisse un­seres Glaubens und die tiefsinnige Bedeutung der Feste des Kirchenjahres. Bei keinem Fest tritt dieses so deutlich hervor wie beim Fronleichnamsfest. Dom psychologischen Standpunkte erscheint es als ein wahres Fest des Menschen Herzens, das zugleich zeigt, wie unsere heilige Religion den tiefsten Bedürfnissen und dem innigsten Sehnen der Menschen- jeele in wunderbarer Weise entgegenkommt.

Das Sehnen der Menschheit geht nach Gott, nach Gottesnähe. Ob es auch nur dunkel und unbe» stimmt, nur einFühlen und Tasten" (Apastelg. 17, 27) nach der Gottheit war, ob es in furchtbarer Ber» irrung Gott in feinen Werken anbetete, in den Gestir­nen des Himmels, den Geschöpfen der Erde oder den Gebilden der eigenen Hand immer und überall finden wir das Sehnen, die Gottheit nahe zu haben und mit ihr in engen Deykehr zu treten. In wun­derbarer Weiss kam Gott diesem Herzensverlangen der Menfchhett nach in der Menschenwertung seines Sohnes, der in sichtbarer Gestatt aus Erden wan­delte und wirkte. Aber bleibt nicht auch nach der Himmelfahrt Christi dieses Verlangen des Christen- herzens nach der Nähe Gottes? Ist es durch die tiefere Kenntnis, die das Christentum uns von Gott gegeben hat, und besonders durch die liebenswürdige Erscheinung des Heilandes selbst nicht gewattig ge- steigert worden? Um diesem Verlangen entgegen zu kommen, setzte der Herr dieses wunderbare Sakrament ein, daß sein Trostwort im vollkommensten Sinne erfüllt werde:Siehe ich bin bei Euch alle Tage bis cns Ende der Welt."

Das Menschenherz strebt nach Glück. Und wenn Wir diesen angeborenen unauslöschlichen Drang, die- sen Hunger nach Glück, schärfer und genauer unter­suchen, wenn wir dis in die Tiefen und Abgründe des Herzens hinabsteigen, so finden wir, daß es vor allem ein Sehnen nach Liebe, nach Glück in und durch Liebe ist. Und war nicht die Menschwerdung des Sohnes Gottes die großartige Antwort auf diesen Herzensdrang und Herzensruf? Aus Liebe warb er Mensch: Liebe gab er in verschwenderischem Maße in seinem Eröemeden; durch Liebe gewann und beseligte er feine Jünger. Und als die Stunde des Scheidens gekommen war, gab er ihnen ein Andenken, wie es der Verstand nicht denken, das Gefühl nicht ahnen, das Herz nicht erhoffen konnte. Ein Geschenk der Groß- mm chie ja mehr gibt als erforderlich ist, mehr als man erbittert, mehr als man erwarten kann. Ein wahrhaft göttliches Andenken; ein Geschenk, dos nur göttliche Weisheit erfinden, göttliche Liebe diktieren, und göttliche Allmacht ausführen konnte. Wahrhaftig, Liebe, vor allem die göttliche, ist erfinderisch, ist großmütig, ist großarttg!

Das Menschenherz will seine Liebe durch Gaden beweisen. In der Tat finden wir bei allen Völkern in irgend einer Weise die Idee des Opfers: die Dar­bringung eines sinnfälligen Gegenstandes, sei es als Zeichen der Anbetung, ober Beweis des Dankes, oder zum Zwecke der Bitte ober Sühne. Wir können nicht annehmen, daß in ter vollkommenen Religion dieser schöne und natürliche Drang keinen Ausdruck findet.

Der Ring der Nuramaja.

Roman von Käte van Beeter.

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Sie war ganz nahe an ihn herangetreten; das ver. wirrte ihn noch mehr, als er schon war. Die rötlich gol. den flimmernden.Heicht gelockten Haare schienen ihm auf einmal wie ein feines Netz, das sich mit unzerreißbaren Maschen um ihn legte.Ich kann ihn leider nicht vom Ringer ziehen, er sitzt zu fest." Sie lächelte ungläubig, und die kühlen, weißen Finger tippten krittsch auf den Reifen.Bitte, probieren Sie es selbst, wenn Sie mir nicht glauben," sagte er nervös gereizt. Sie schüttette den Stopf.Nein, nein, es bringt Unglück, wenn man sich einen Ring von anderen abstreifen läßt; das soll man nicht tun."Sind Sie abergläubisch," versuchte er zu spotten.Ja, ich glaube an vieles, woran moderne Menschen nicht glauben. Meine Großmutter war so sellsam; von ihr habe ich den Glauben an Uebernatür- liches und Geheimnisvolles geerbt. Sind Sie gar nicht abergläubisch?"

Er antwortet« nicht gleich. Dar er abergläubisch oder war er es nicht? Dor ein paar Monaten wäre ihm ein lachendes Verneinen noch glatt über die Lippen geglit­ten. jetzt war er seiner nicht mehr ganz sicher. ..Wenn ich es wäre, dann müßte ich Ihnen jetzt eine Derben- gung machen, ^adgehen und niemals wieder in Ihre Nähe kommen," sagte er in einem Tone, der zwischen Ernst und Scherz so bedenklich schwankte, daß Karin sich nicht gleich in seiner Bedeutung zurechtfand.Nie mehr in meine Nähe? Warum bemf? Bin ich irgendwie ge­zeichnet, daß von mir Verderben ausgeht?"Das könnte vielleicht ich allgemeinen stimmen: mein Fall ist aber ein besonderer," lächelte er und ließ seine Augen auf den goldenen Haarwellen ruhen. ,,Ejn« Prophezei, unz warnt mich vor den blonden Frauen. Sie bringen mir und meinem Geschlecht Unglück und frühen Tod." Ah, wie interessant! Sie Armer, da sitzen Sie aber in lauter Fallstricken Ihres Glückes, wenn Sie um sich schauen," lachte sie belustigt.Wandern Sie und ziehen Sie in den südlichsten Süden, wohin das verderbliche Blond sich niemals getraut. Das heißt, wenn es Ihr Schicksal ist, daß eine blonde Frau Ihnen Unglück nnb frühen Tod bringt, dann würde eg Sie auch dorthin ver­folgen. Seinem Schicksal entgeht man nicht."

Ihr Gesicht mar wieder ganz ernst geworden und schimmerte jctzk, wie unter dem Druck einer starken Er. regung, weiß wie ein Lilienblatt. Er achtete besten nicht; kopfschüttelnd erwiderte er:Rein, gatu so ist

Fuldaer Zeitung

A* Druck der Fuldaer Aetieadr «Serri i« Fulda

Die christliche Opferibee hat sich nicht, wie moberne Religionspsychologen meinen, aus ber heidnischen ent­wickelt. Nein, dir heidnischen Opfer waren ein trüber und oft entstellter Ausdruck des richtigen Bewußtseins von der Schicklichkeit, ja von ber Pflicht des Opferns. Hier wie in anderen Erscheinungen des religiösen He­bens haben wir einen Beweis von der Berechtigung des tieferen Wortes Tertullians:Die Seele ist von Natur christlich." Sein Wunder darum, daß wir im Christentum das vollkommenste Opfer, das kostbarste Geschenk haben, das wir Gott anbieten können: die unblutige Erneuerung des einem großen Opfers, das die Well mit Gott versöhnt hat.

reinsten Seelenfteube. Kein Wunder, daß an diesem Tage diese Freude und dieses Glück überströmen und sich in dankbarem Jubel kundgeben.

Das aüerheiligste Sakrament hat auch eine Ant­wort auf den Notschrei der Menschheit. Der eucha­ristische Heiland erfüllt auch eine hervorragende s o - ziale Mission. Die kranke Menschheit seufzt nach Heilung der materiellen und physischen Wun­den, viel mehr aber noch ber seelischen Gebre» ch en. Dor allem der furchtbaren Selbstsucht, die sich in einer unheimlichen Gier nach Simtengenuß zeigt. Wo ist da Hilfe und Rettung vor drohender sittlicher Verfaulung, vor sozialem und nationalem Untergang

Bonifatius ruft!

Hm 5. Juni

findet auf Anregung des Hochwürdigsten Herrn Bischofs in Fulda am Grabe unseres Glaubensvaters ein großer

Katholikentag

erneuern und festigen. Er soll eine eindrucksvolle

Wir brauchen Männer ohne Furcht und Zagen, Die glaubenstteu die Schlachten Gottes schlagen Für Kirche, Volk und Vaterland."

In dieser Gesinnung will der Katholikentag uns Kundgebung katholischen Glaubenslebens werden.

Wir brauchen Männer heut in ttüben Tagen Die hoch des Kreuzes heilig Banner tragen Trotz Haß und Hohn in starker, kühner Hand.

statt. Im Wirrwarr der Zeit kann nur das Christentum uns retten, feine Grundsätze leuchten wie die ewige Sterne in die soziale Not unserer Zett. Dem wilden Ruf:Los von Gott, los von Christus" muffen wir machtvoll entgegensetzen den Ruf:

in zu Christus, hin zur Kirche, treu und folgsam ihren Lehren.-

Darum Kommt alle am 5. Juni nach Zulda.

Kommt vor allem ihr kakholischen Männer, ihr Laienapostel im Dienste der Kirche, kommt ihr katholischen Jünglinge, ihr Streiter und Führer ber Zukunft. Ihr seid die Hoffnung unseres Dolles, laßt diese Hoffnung nicht zuschanden werden.

Kommt in Massen

und laßt euch erwärmen und begeistern für die herrlichen Ideale unseres heiligen katholischen Glaubens.

Für den Katholikentag ist folgendes Programm ausgestellt:

8 Uhr Prozejston der Sradt Fulda und der bereits eingetroffenen auswärtigen Teilnehmer von ber Stadtpfarrkirche aus zum Grabe des hl. Bonifatius, Ponttfikalamt und Feftpredtzt int Dom.

2 Uhr Festzug aller katholische» MSuner »ad Jünglinge und Huldigung vor dem Hochw. Herrn Bischof.

Danach Maflenversammluugen in mehreren Sälen, In denen hervorragende Redner sprechen werde«.

Anmeldungen werden umgehend durch die Pfarrämter erbeten.

Fulda, Mai 1921.

Das Kafl)oiifcenkomUee»

Es ist ein Merkmal ber wahren und vollkommenen Religion, daß sie, und sie allein, allen edlen unb berechtigten seelischen Bestre­bungen entgegen ko mm t. Das hat ein moderner akatholischer Religionspsycholog (von ber Pfordten) treffend ausgesprochen. Nachdem er von den verschie­denen Elementen der einzelnen Religionen Meta­physik, Ethik, Mystik gesprochen hat, bemerkt er: Jllbcr nirgends findet sich die Bereinigung des Verschiedenen, noch die Möglichkeit, allen religiösen Bedürfnissen und Stimmungen einen Zugang zu öff­nen wie hier . . . Ueberakl fehtt etwas Wichtiges; nur bas Christentum faßt alles zusammen." Aber wir muffen zufügen: Nur daskatholischeChri- stentum. Denn im Protestantismus fehtt etwas Wichtiges: es fehlt bas, wonach bas Menschenherz verlangt, es fehll die wirkliche Gegenwart, die wahre Gottesnähe. Es fehlt ber erhabendste Ausdruck der Gottesverehrung, der Anbetu-ng: bas Opfer. Das ka­tholische Volk weiß, was es am allerheiligsten Sa- krament hat: einen Quell ber reichsten Gnade und ber meine Prophezeiung nicht. Ich muß nicht durch eine blonde Frau unglücklich werden, ich kann es nur, wenn mich nicht eine dunkle Frau davor bewahrt."Ah, wie bequem! Ihnen blieb die Wahl Wenn noch Deu- tungen und Möglichkeiten offen bleiben, ist es keine richtige Prophezeiung".Nein, die ist es auch nicht; es ist nur eine Warnung."Ah so!" In ihre spät, tisch blitzenden Augen trat eine entzückende Schelmerei, in die sich ganz leise eine kleine herausfordernde Ko. tetterie mischte.Dann freilich wäre eine Flucht vor den bösen, gefährlichen Blonden durchaus nutzbringend. Mein Herr von Sesenburg, machen Sie Ihre Serben» gung und fliehen Sie. ehe das blonde Verderben Sie mit Haut und Haaren packt!"

Diesmal küßte er die Hand, die sie. zur Flucht wei- send, neckisch gegen ihn hob, sah sehr tief in die rätsel­haften goldklaren Augen und fagte, auf ihren Ton ein­gehend:Das verträgt sich nicht mit meiner Ehre als Edelmann und gewesener Offizier. Als solcher kennt man keine Furcht; man bekämpft die Gefahr ober man geht in ihr unter. Und wenn jedes einzelne dieser gold­blonden Haare ein auf mein Herz gezücktes Schwert wäre, ich bleibe! Was würde sonst Kurt Lettin von seinem ehemaligen Kameraden sagen?"Richtig, was würbe Kurt Delti» und was würden meine Illusionen jagen-?" lachte sie und in ihr weißes Gesicht trat wieder die feine Röte, die es sonst schmückte.Ja, natürlich, die Illusionen"

Ein hinzutretender Offizier, der Karin für den ihm zugesagten Tanz holen wollte, unterbrach die erneute Neckerei.Aus Wiedersehen!" nickte sie chm lächelnd zu und ganz in Bewunderung ihrer dahinschreitenden Ge. statt versunken, angeregt und entzückt von dem freien und doch fo kühl sicheren Reiz ihres Verkehrs, stand er und blickte ihr nach.

Weid erstarrte zur Salzsäule, als sie rückwärts schaute. Es ist aber manchmal auch nicht gut, allzu stark vorwärts zu schauen." sagte eine spöttisch gefärbte Stimme neben ihm, und als er hastig herumfuhr, stand Afsestor Mmdgereit neben ihm, ein älterer Kollege, des­sen kluger Kops und unterhaltendes, mit Geist und zeit- weise seiner Bosheit gewürztes Plaudern in Hans Heinrich, seit er ihn kannte, eine gewiße Sympathie er­weckt hatte. Da diese gegenfettig zu fein schien, war trotz de« erheblichen Altersunterschiedes der Asiessor stand dicki vor der Ernennung zum Negierungsrat im Laufe der oerslofsenen Winters eine Art Freundschafts­verhältnis zwischen den beiden Männern entstanden, und Hans Heinrich, der fremd in die Gesellschaft trat, hatte sich sogar oft der Führung des Heiteren überleiten und

zu finden? Nur in ber Erneuerung und Vertiefung des christlichen Sittenlebens, in ber Pflege ber Ent- sagung, ber Selbstbeherrschung, kurz, bes Opfer- geistes. Wie könnte aber Opfergeist besser gepflegt und genährt werben als am Fuße bes Kreuzes und in ber Teilnahme am gnabenbringenben und stärken- ben eucharistischen Opfer? Die Menschheü ruft nach Frieben und wahrer Völkerversöh- nung. Noch schleicht ber unhellvolle finster« Dämon bes Haffes uni) ber Zwietracht durch die Wett. Wie kann endlich Frieden und Eintracht zustande kommen? Nur dadurch, daß die Einzelnen und die Völker sich vor demFrtedensfürsten" beugen und seinen Geist zu dem ihrigen machen. Und welch herrliches Heilmittel und Friedensrnstrument besitzt bte Well in ber hl. Eu­charistie! Wenn doch die Christenheü, wenigstens die ganze kath. Christercheit, fo recht verstände, baß bie hl. Messe wahrhaft ein Versöhnungsopser ist, bas Verföhnung predigt und stiften soll nicht nur zwischen Gott urti> den Menschen, sondern auch unter bett Men­schen und Völkern! Fünf ober sechsmal fleht ber

war feinen Winken und Ratschlägen meistenteils und zu seinem Vorteile gefolgt.

Jetzt schoß ihm eine schnelle, verlegene Röte in das Gesicht.Ah, Sie, Mindgereit! Verzeihung, ich sah Sie nicht früher!"Nein, das merkte ich, und daher erlaubte ich mir den biblisihen Bergleich. Es ist zwar kein Sodom und Gomorrha, dem Sie nachblickten, aber ein gefährlicher Feuerbrand könnte es vielleicht doch fein."Ich lernte die Dame eben erst kennen." So, so! Dafür waren Sie aber schon reichlich weit in ihrer Gnade vorgeschritten. Sie pflegt sonst nicht so leicht vielsagende Handküsse zu gestatten, und ihre Augen leuchten nicht immer fo golden warm, wie eben bei dem Abschied von Ihnen. Freilich" er hielt ein und lä­chelte sonderbar vor sich hin.Der Handkuß war sehr harmlos, eine Art Entschuldigung. Solchen Handkuß kann jede Dame gestatten," verteidigte sich Sesenburg, während sein Gestchter fühlte es zu feinem Merger sich wieder rötete.Und von dem Blick habe ich nichts gemerkt. Wie gesagt, ich kenne die junge Dame erst seit kaum einer Viertelstunde. Kennen Sie sie genauer?*

Mmdgereit pfiff durch die Zähne. Kennen!Wer kennt eine Frau genau? Besonders eine Frau wie diese, die die Rätselhaftigkeit einer Sphinx, die Kühle einer Nixe und die Klugheit eines reifen Weibes mit ber an. mutigen Schelmerei eines Backfisches und der verführe, rischen Schönheit einer Circe vereint! Kommen Sie nun mit mir? Im Sektzelt verkauft eine alte Freundin von mir; damit sie mich nicht allzu sckxrf rupft, habe ich versprochen, ihr einen fetteren Bissen, als ich bin, heranzuschleppen. Niemand kann dazu geeigneter fein als Sie, junger Krösus. Knöpfen Sie Ihre Taschen auf."Mit Vergnügen," antwortete Hans Heinrich und fchrttt neben dem Assessor vorwärts.Dazu bin ich ja nur hier. Aber, Assessor, ehrlich währt am längsten, knöpfen Sie mm auch Ihr Bister auf und erzähle» Sie mir etwas über die junge Dame."

Die Damen sind erst vor kurzem hier aufgrmucht, und niemand außer dem russischen Gesandten kennt sie. Der hat sie auch in die Gesellschaft eingeführt. Man merkt es ihnen auch ohne Gesellschaftsgarantte an, daß sie vollkommene Damen mit einwandfreiem Auftreten sind. Also darüber können Sie beruhigt sein: eine Aben­teurerin ist die blonde Schönheit nicht. Sie ist wasch­echt. Die Mutier der jungen Dame ist eine Baronin Lebcmoff. Sie hat zum zwctten Male geheiratet, aber auch schon zum zweiten Male ihren Mann verloren. Ihr erster, der Schwede Klingenstur, hinterließ ihr drei Kinder, emo» Sohn und zwei Töchter, wettet nichts,

Priester im Kanon ber Messe um Frieden, um Fcte bentote oibe tenaium" Frieden auf der ganzen WM

Friede kann aber nur dadurch geschaffen werden, daß die christliche Liebe wieder in dir Herzen der Menschen einzieht. Die ersten Christen waren ein Herz und eine Seele", und mit der Feier der hl. Eucharistie verbanden sie ein Liebesmahl (Agape). Daß doch dieser Geist wieder zum Leben käme! Daß doch die Christenheit verstände, daßKommunion" Gemeinschaft, innige Lebensgemeinschaft heißt, nicht nur mft Gott, sondern mich mit allen Kindem der großen Familie Gottes, mit allen Gliedern des my­stischen Leibes Christi! Wenn sie die Worte bes Apostels beherzigten und danach banbetten:Eitt Leib, ein Brot fmb wir viele, wir alle, bte wir teilnehmen an bem einen Brot" (1 Chor. 10, 17.) Darm würbe bald ein wahrer, gerechter unb dauernder Friede zu­stande kommen. Und daun könnte bte gesamte Mensch­heit einen glorreichen unb beseligenden Wettftonletch- nam feierte Wann wirb er komme«? R. S.

DaS deutsche Saargediet.

Mit bem läge ber Rakifikation bes Friedens- Vertrages von Versailles endigt in ber Wirt­schaftsgeschichte bes deutschen Saargebieis eine Epoche glänzenden Ausstiegs unter Führung deutschen Geistes und deutscher Tatkraft. Btt formeller Ein­haltung des Paragraphenirchalts bes Friedensvertra­ges beginnt mit diesem Tage der Berjuch, das Volk und bte Wirtschaft des Saargebiets aus feiner natür­lichen Wrbinöung mit dem östtichen Hirtterlanb zu lösen und nach bem Westen umzustellen.

Das ist von neuam bas Unterfangen, die alte« Wünsche zu verwllllichen, bte schon Ludwig XIV., bie Revolutionszeit und Napoleon in. verleiteten, bas rein deutsche Saargebiet für Frankreich zu fordern. Der diesmal in bem Friedensvertrag von Versailles er­hobene Anspruch entspringt dem Bedarf an Koh­len, der gerade in Höhe der Saarproduktion durch die Attglieüerung Elsaß-Lothlingens entstanden ist. Den neuesten Schritt aus bem Wege zur Verwischung bes Saargebiets stellt der Beschluß dar, im Saar- gebiet die Frankenwährung einzuführen. Damit wirb neben ber bereits bestehenden Zollgrenze eine weitere nur schwer übersteigbare Stauer zwischen bem Saargebiet unb bem übrigen Deutschland ge­zogen. Die Folgen werden die auf den Bezug aus Deutschland fast ganz angewiesenen, ungefähr 700 000 Einwohner bes Saargebiets und seine nur durch die Absatzmöglichkeit im Osten blühende Industrie bald und schwer zu erfahren haben.

Denn nur für bie Eisenindustrie besteht eine we­sentliche Abhängigkeit bes Saargebiets von bem neuen Frankreich. Dm übrigen ist Deutschland bas Hauptabsatzgebiet bes Sa arlanbes unb sein Erhalter. Daran haben auch bte bisherigen Maß­nahmen der Franzosen nicht viel änbern können. Auf ber kleinen Fläche bes Saargebiets von 182 132 Hektar leben z. Zt. ungesähr 700 000 Menschen, bas sind mehr als 384 auf einen Quadratkilometer. Bon den Einwohnern sprachen am 1. Dezember 1910 nur 342 Französislv als Muttersprache.

Ein Verlust dieses reichen Industriebezirki würde für bas durch ben Friedensvertrag von Ver­sailles schon stark verkleinerte Deuischlanb von größ­ter Bedeutung sein. Auf bem Gebiete des Bergbaues, Hütten- und Salinenwejen würde Deutschland, nach­dem es bereits durch die bisherigen Abtretungen 5,5 v. H. seiner Arbeiterschaft verloren hat, nochmals 7,3 o. H. verlieren. Deutschland würbe über 13 Millio­nen Tonnen Kohlen und fast 5 Millionen Tonnen Eisen verlieren. Eine Wegnahme des Saargebiets würde also zum Teil wesentlich einschneidender auf bte gefeinte Wirtschaft Deutschlands einwirken, als ber bisherige Verlust an Gebiet unb Bevölkerung.

Die Bedeutung bes Saargebiets beruht Hauptfach- lich in feinen KoKenschätzen und seiner blühenden 3». dustrie. Rach ihnen, die einer rein deutschen Vcvülle rung, deutschem Geroerbefteiß und deutscher Unterneh­mungslust ihre ganze Entwicklung verdanken, geht bas welsche Verlangen. Das Bewußtsein ber Zu- sammengehörigkeit mit bem deutschen Mutterlande wirb jeboch bie fremden Hoffnun­gen ,wenn es nach Ablauf ber 15 Jahre zur Abstim- mung kommt, allen Bestrebungen zum Trotz, zu schan- ben machen.

aber auch gar nichts. Den letzten Groschen von seinem und seiner Gattin bedeutendem Vermögen hatte er wahrscheinlich für den Revolver verbraucht, mit dem er sich den Weg in die Ewigkeit erschloß ober erschoß, wie mans nehmen will. Frau von Klingenstur war ebenso schön, wie jetzt ihre Tochter ist, man kann sie noch eine schöne Frau nennen. Sie soll auch redlich mitgeholfen haben, das Vermöge» durchzubringen; als es aber weg war unb sie mit ihren brei Ätnbern vor dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Untergang staub, da hat sie doch wohl neben ihrer Schönheit auch noch eine gute Portion Mut unb Klugheit besessen."

Irgendwie unb irgendwo", fuhr Assessor Miubgerei' in seinen Mitteilungen fort,ist es ihr gelungen, ent­weder neue Mittel tber neuen Krebit aufzutrerbe.i, sich bamit nicht nur schlecht unb recht über Wasser zu hasten, sondern sogar ihren Platz in ber Gesellschaft fo zu be­haupten. baß sie nach wohlanständiger Witwcntrau-r zum zweiten Male in ben Hafen einer standesgemäßen Ehe, unb biesmal in sehr wohlgeordnete, glänzenbe Ver­hältnisse, eintief. Wie ber Stiefvater sich zu den Km- bem erster Ehe gestellt hat, ist mir nicht bekannt. Sef» liebevoll unb sympathisch ist kaum anzunehmen, beim das heißt, erst muß ich sagen, baß Frau von Le- banaff ihrem zweiten Mann auch eine» Sohn schenkte, ein zartes, schwächliches Kind, bas völlige Gegenstück zu ben schönen, blühend frischen unb gesunden Sprösslingen ihrer ersten Ehe: unb wenn btefer ihm täglich vor Augen stehenbe Gegensatz ben nicht mehr ganz jungen Vater Leb an off manchmal mit heimsichem Grimm er­füllte, kann man ihm bas wohl nachfühlen. Zumal ba fein Junge im sechste» Lebensjahre von einer Art Läh- mung in ben Deinen befallen würbe. Vielleicht war es auch nur eine Schwäche, aber {ebenfalls etwas, bas sich über bie gesamte Entwicklung bes armen Kindes legt« unb gegen bas kein Arzt ein burchgreifenbes Mittel wußte. Um biefe Zett begann ber Vater Sebanoff auch allerlei körperliche Mahnungen an bas Ende aller Dinge in sich zu fühlen, unb es bauerte nicht lange, so legte er kick- bin und statt,. Da er kein so üh=rri3 liedrno. würdiger Charakter gewesen sein soll, war Mn Abgang für feine Witwe kein maßloser Verlust. Sie unb die Sttekkinber, sagt man, haben aufgeatmet, besonders ber älteste Sohn, ber damals gerade preußischer Offizier wurde und die schönste Anlage dazu zeigte, in seines Vaters elegante, mit allerlei Liebhabereien gepflasterte Fußtapfen zu treten.

(Fortsetzung folgt)'