Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
Nr. in.
Verantwortlich für Den cröauioneUen Teil: Dr. Kramer, n für die 'Anzeigen: I. Parzelier-Fulda. = Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Acliendruckerei in Fulda. Semipiedier Nr. 9. Tetegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung
Dienstag, 24. Mai 1921-
Bezugspreis: Monatlich Z,00 Mk. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns abgeholl 3,15 2RL Anzeigenpreis: Die Klein zelle iCoionelmak) 60 pfg„ u. 10°io Zuschlag, die Reklamezeile (lepbrene) 1.80 20t, u. 10"'» Zuschlag. Bel Wiederhol.Rabatt.
48. Zahrg.
ass Bingen nm flietlflleflen.
Roleuwechsel und Kumpfe.
Am 19. Mai hat der französische Botschafter in Berlin dem Reichskanzler eine Note zugehen taffen, diewegendesEindringensbewaffneter Kontingente von Deutschland nach Oberschlesien einen Dorwurf erhebt und die strenge Abschließung der Grenze sowie die Zufuhr von Lebensmitteln und Neichsbankgeldern nach Oberschlesien fordert. Am 23. ist dem Botschafter einedeut- fche Antwortnote zugestellt, die sich von den bisher üblichen Auslasiungen durch ihre Offenherzigkeit vnd Gründlichkeit auszeichnet. Sie beschränkt sich nicht auf allgemeine Einsprüche gegen die irrtümlichen Behauptungen, sondern gibt aktenmößig eine Reihe von Tatsachen an, die nur zu deutlich die verhängnisvolle Mißwirtschaft der Franzosen und Polen beleuchten.
Es ist wirklich erstaunlich, wie auf der Gegenseite mit dem Tatbestand umgesprungen wird. Der fron« höfische Botschafter behauptet, die Maßnahmen der deutschen Regierung gegen die freiwilligen Schützen von Oberschlesien seien „zu spät" getroffen worden. Er zählt die angMich in Oberschlesien bestehenden Freikorps auf, um die deutsche Regierung für deren Bildung verantwortlich zu machen. Bon den Banden Korfantys, die mit dem besten Waffenvorrat unter der offenbarsten Mitwirkung der polnischen Regierung von Kongreßpolen herübergekommen sind und noch herüberkommen, spricht er wohlweislich nicht. .Er behauptete kurzweg: „Die polnische Regierung hat bereits einer derartigen an sie ergangenen Aufforderung (zur Grenzsperre) entsprochen." Demgegenüber stellt unsere Regierung fest, daß die polnische Grenze nach wie vor „t a t s ä ch l i ch o s f e n st e h t vnd tagtäglich der Nachschub von Munition und Materialien jeder Art für die Insurgenten erfolgt." Das wird durch Vorgänge aus den letzten Tagen belegt.
Erstaunlich ist ferner die kühne Bemerkung des Botschafters, nach dem Buchstaben und Geist des Vertrages sei „die Regierungskommission als Vertreterin der alliierten Mächte ausschließlich verantwortlich für die Aufrechterhaltung der Ordnung." Das stimmt hinsichtlich der Verantwortlichkeit, die unsere Regierung auch der Kommission hat überlasien muffen, da sie nicht selber eingreifen durfte zur Rettung des deutschen Landes und der eigenen Mitbürger. Aber demgemäß fällt auch die S ch u l d an den schrecklichen Zuständen in Oberschlesien auf diese Kommission, die ihre Ausgabe nicht erfüllt hat. Es ist ein schwerer Schlag, der in erster Linie den General Le- rond trifft, wenn die deutsche Antwortnote mit erfrischender Deutlichkeit sagt:
„Die Anarchie, von der in der (französischen) Note die Rede ist, und die seit drei Wochen ht Oberschlesien herrscht, steht allerdings zurzeit in schärfstem Widerspruch zu den Verhältnissen, unter denen der Präsident der Interalliierten Kommission die Verwaltung des blühenden Landes im Februar vorigen Jah- xes übernommen hat."
' Der Vergleich zwischen den damaligen imd den gegenwärtigen Zuständen führt allerdings eine sehr eindringliche, erschreckende Sprache. In den fünfviertel Jahren istdasblühendeLandandcnRand des Berberbens gekommen, und zwar unter der Herrschaft der Interalliierten Kommission, die gesetzlich «md tatsächlich alle Macht hat, um dort die Ordnung imb die Arbeit aufrechtzuerhalten — wenn sic nur von ihrer Macht den rechten Gebrauch zum Wohle des ihr pnvertrauten Landes machen wollte. ■
[ Heute ist es so weit gekommen, daß unsere Regierung amtlich erklären kann: „Der Präsident der Instralliierten Kommission verfugt wenige Kilometer Hinstr Oppeln über keinerlei Machtbefugnisse mehr und ist nicht in der Lage, seine etwa gegebenen Garantien tn die Tat umzusetzen."
Der Bing der Nurumaja.
Roman oon Säte van Seeler.
13] --—-
Don all dem wußte Hans Heinrich nichts; er trank ur mit Entzücken ihre Schönheit in sich, aber trotzdem wgertc er, sich ihr yorstellen zu lassen. Ohne daß er sich selbst davon Rechenschaft gab, war da feit dem Besuche in Sesenburg eine dunkle Unterströmung in feinem Empfinden, die ihn von der blonden Frau zurückhielt, ssie brachte ihn auch vor dem Eindruck, den Karin auf Kn machte, in einen ihm selbst unverständlichen Zwle- ^alt des Wollens und Nichtwollens. Was war es nur, «äs ihn zu dem fo schönen, blonden Mädchen so seltsam pnzog und ebenso selffam zurückstieß?
War es der Einfluß, der von dem Range und der krzählung der Urahne ausging? Dagegen mußte er mkämpfen, einmal erkannt, mußte das liebet mit der Vurzcl ausgerottet werden, ehe es ihn ganz zu einem Karren und Abergläubischen machte! Ohne Besinnen ichrstt er der Gruppe zu, in der Karin stand, und ließ ßch ihr vorstellen.
Karin von Klingensturs Blick glitt kühl über Hans Heinrich von Sesenburg hin, und als er in den seinen £af. Überrieselte es ihn tast wie ein körperliches Unbehagen. bei dem sich unwillkürlich der Gedanke aufbrängte, #ay es vielleicht klüger gewesen märe, der warnenden in- . xeren Stimme zu folgen und dieser gefährlichen schönen Blonden sernzubleiben. Aber da lächeste Karin, und in hre kühlen, prüfenden Augen trat ein leuchtender Glanz, der das ganze zarte Gesicht durchsonnte.
„Sesenburg? Standen Sie einstmals bei den ler Ulanen? Waren Sie ein Kamerad Kurt von Sellins?* sturt von Seit in? Ja, natürlich; Hans Heinrich entsann sich seiner sehr genau, wenn auch nicht mit besonderer Hochachtung und Zuneigung. Kurt Seitin war der leichtsinnigste Leutnant des Regiments gewesen und hatte ihn stecht häufig angepumpt Die Erinnerung an ihn war Wirklich keine angenehme., Aber in diesem Augenblick, gor dem Lächeln und Blick des schönen Mädchens, kam <ine große Wandlung über diese mißliebigen Gedanken.
Wird diese grelle Beleuchtung der derartigen Miß- wirtschaft auf die Franzosen Eindruck machen? Schwerlich. Aber unsere ausführliche und gespickte Antwortnote wird doch da» ihrige beitragen zur weiteren Aufklärung in England, in Nordamerika und in den übrigen Ländern. Und das ist von realpolitischer Bedeutung, da die Entscheidung Über die künftige Grenze in den nächsten Tagen oder wenigstens in den nächsten Wochen bevorsteht.
Deutschland hat soeben seinen neuen Außenminister erhalten in der Person des diplomatischen Fachmanns Dr. Rosen. Man darf wohl annehmen, daß die letzte Note, die der Reichskanzler vor seinem Antritt als Verweser des auswärtigen Amtes erlassen hat, mit seinen Ansichten und Absichten im vollen Einklang steht und daß unsere Regierung auch künftig in ihrem Verkehr mit den fremden Mächten eine klare und kräftige Sprache führt, die sich auf überzeugende Tatsachen beruft. Wir können uns das um so eher erlauben, je mchr wir durch Erfüllung der übernommenen Verpflichtungen den guten Willen Deutschlands außer Zweifel stellen.
Die Lage im Aufruhrgebiet.
Auch am Montag war eS nicht möglich, telephonisch oder telegraphisch Nachrichten auS dem von den Insurgenten besetzten Gebiet zu erhallen. An der Nordgrenze des Kreises Kreuzburg gegenüber Reiners- dorf-Kostau wurden auf polnischem Gebiet starke polnische Bandensammlungen beobachtet. Die heftigen Zusammenstöße im Kreise Rosenberg dauern an. Im Kreise Ratibor gelang eS den Polen, anläßlich eines Vorstoßes Angehörige des örtlichen Selbstschutzes auf tschecho - slowakisches Gebiet zu drangen. Im Landkreis Beuchen nimmt die Lebensmittelnot erschreckende Formen an.
Polnische Tendenzmeldungen.
Die Tendenzmeldungen der Warschauer Zeitungen, wonach bei den schweren Zusammenstößen von Kandrzin-Annaberg die Teilnahme deuticher Reichswehrangehöriger sestgestellt sei, find ebenso unwahr wie alle früheren Meldungen gleicher Art, die fyste- matisch von den Aufrührern verbreitet worden sind.
Bor neuen Ueberrafchungerr?
B r i a n d hatte, einer Haoasmeldung zufolge, eine Besprechung mit dem deutschen Botschafter Mayer, in der, wie Havas erklärte, Briand Dr. Mayer ersucht haben soll, auf jeden Vers-uch eines Angriffs in Oberschlesien zu verzichten, wenn Deutschland sich nicht Vergeltungsmaßnahmen von feiten der Alliierten ausfetzen wolle. Die Agentur Havas glaubt zu wissen, daß dieser Schritt, um größere Bedeutung und größeres Gewicht zu haben, von einem ähnlichen Schritt in London bei dem deut- schenBotschasterSthamer unterstützt wurde. Später begab sich Briand in das Elysee, wo er mtt Millerand beriet. Der Mlnisterrat, der heute wie üblich tagen wird, wird sich jedenfalls nnt der ober- schlesischen Frage befaffen. Am Nachmittag wir- Brian- in der Kammer eine Erklärung abgeben, in -er er wahrscheinlich die Tragweste des unternommenen Schrittes erläutern wird.
3t. Hofen lelnsmWtt »es Wien.
Der Reichspräsident hat dm bisherigen Gesandten im Haag, Dr. Rosen, zum Reichsminister des Aeuhrrn ernanm und den Reichskanzler von der Wahrnehmung der Geschäfte dieses Ministeriums entbunden.
Seit Sonntag wellt Dr. Rosen bereits in Berlin. Zwischen dem Reichskanzler Dr. Wirth und dem neu* ernannten Außenminister haben bereits längere Besprechungen stattgeftmden. Dr. Friedrich Rosen, der und Hans Heinrich bekannte sich beinahe mit1 Wärme zu einer Kameradschaft, der er augenscheinlich ein besam beres wohlwollendes Entgegenkommen verdankte.
Karin nickte. „Oh, bann sind Sie mir fast ein alter Bekannter. Kurt ist mein Detter und hat mir damals — ich war noch ein halbes Backfischchen — so viel Liebes von Ihnen erzählt, daß ich Sie beinahe wie ein Stückchen Ideal ansehen lernte. Sie werden viel zu tun haben, Herr von Sesenburg, um mich in diesem hübschen Wahn durch ihre persönliche Bekanntschaft nicht gar zu arg zu enttäuschen." Dazu lachte sie mit einem Liebreiz und blickte mit so entzückender Schelmerei zu dem vor ihr Stehenden auf, daß diesem das Blut heiß zum Herzen schoß. Er fragte nun auch lächelnd, aber dabei bebte „ doch eine gewiße Erregung durch seinen Ton: „Wäre es. da nicht viel klüger gewesen, wenn die persönliche Bekanntschaft fortgefallen und der hübsche Wahn geblieben wäre? Das Leben ist im allgemeinen so arm an Illusionen, man soll sie nicht leichsinnig zerstören."
Der Blick Karins vertiefte sich, die Augen wurden dunkler, und es war, als wenn aus ihnen tausend sehnsüchtige Fragen auftauchten. „Ja, das Leben ist sehr arm an Illusionen, oder richtiger, es macht uns arm baran; am ärmsten die, welche am reichsten waren." — „Oh," fiel er in ihr nachdenkliches Zögern ein, „solch alte Weisheit sollte ein so junger Mund noch nicht aussprechen." — „Ach, über dem jungen Mund sitzen sehende Augen. Haden Sie die nicht auch?" — „Eigentlich nein: meine Augen haben keine richtige Deranla. gung, Enttäuschungen zu sehen, und ich sollte meinen, daß die Ihrigen noch viel weniger dazu geeignet wären."
Sie senkte vor feinem bewundernden Blick, der über ihre Augen wohl mehr und anderes sagte als feine Worte, langsam die Lider. Dann lachte sie leise auf. „Ich glaube, Sie haben recht. Aber Sie brauchen es sich trotzdem nicht so leicht vorzustellen, mir die Illusionen über Sie zu bewahren. Ich werde unbestechlich prüfen und haarscharf urteilen." Dazu blitzten die Augen ihn übermütig und doch seltsam lockend an. — „O weh, soll ich nicht doch lieber fliehen, ehe es zu spät wird?" — «Wenn Sie sich fürchten — ?
aus der Konsulatskarriere hervorgegangen ist, steht im 66. Lebensjahre. Den allergrößten Teil seines Lebens hat er im Auslände verbracht und gist als einer unserer erfahrensten Diplomaten. Eine Zeitlang war er Lehrer für Persisch und Hindostanisch am orientalischen Seminar in Berlin, bis er im Jahre 1890 in den Dienst des Auswärtigen Amtes einirat und zwar zunächst als Konsul in Beirut. Ehe er im- Lahre 190u ins Auswärtige Amt berufen wurde, befand er sich als erster Dolmetscher bei der Gesandtschaft in Teheran und war im Jahre 1899 Konsul in Jerusalem. Im Lahre 1905 erhielt er vom Aus- wünigen Amt den Auftrag, eine außerordentliche deutsche Gesandtschaft an den Hof Meneiiis nach Abessinien zu fuhren.
Nay Erledigung dieser Aufgabe ging er als Gesandter nach Tanger. Dort verblieb er 5 Lahre. 1910 wurde er als Nau olger des zum Staatsseireiär ernannten Kiderlen-^-achter Gesandter in Bukarest. Schließlich ging er im Lahre 1912 irr derselben Eigenschaft noch Portugal. Dort verblieb Dr. Rosen bis zum Eintritt Pormgals in den Krieg. Als nach der Ernennung Kuylmanns zum Slaaissekreiär 0er GesanÜlefiposten im Haag frei wurde, ging Dr. Rosen im Jahre 1916 nach der Hauptstadt Hollands.
Dem neuen Außenminister werden nicht unbedeutende dipGmatische Fähigteiten nachgerühmt. Seine Aufgabe, die ihm durch die Uebernahme des neuen Amtes nunmehr anvertraut ist, wird nicht leicht fein. Neben einer auf die Entgiftung der außenpolitischen Spannungen gerichteten Tätigkeit wird es ihm vor allem obliegen, die Reform des Auswärtigen Amtes energisch durchzuführen, eine Ausgabe, die schon vielfach gefordert worden ist und zu den dringlichsten gehört. Dies wird kein leichtes Stück Arbeit fein, wenn man bedenkt, daß bisher alle Anfangsstadien stecken blieben oder überhaupt nicht fruchteten. Wir sprechen die Hoffnung aus, daß nach dieser Richtung endlich etwas Durchgreifendes geschieht.
Von der Presse fast aller Parbelrichtungen wird Dr. Rosen in unvoreingenommener Beurteilung nicht unfreundlich begrüßt.
Der erste „Kriegsverbrecher"rProzetz.
Von «dem 2. Strafsenat des Reichsgerichts in Leipzig begann am Montag die erste Verhandlung in der langen Reihe der Prozesse gegen die angeb- lichen Kriegsverbrecher. Den Vorsitz in der Verhandlung, die sich gegen den Küfer meister Karl Heynen aus Barmen richtet, führt Senatspräsident Schmidt. Die Anklage vertritt Oberreichsanwalt Dr. Ebermoyer, als militärischer Sachverständiger ist General o. grau« secky anwesend. Der Angeklagte wird von den Rechtsanwälten Dr. Cuppers-Düsseldorf, Förster-Groß- -Lichterfelde und Dr. Dittenberg-Leipzig vertreten.
Als Vertreter der englischen Behörden nahm der Solicitor General (Generotstaats- anwalt) Sir Ernest Pollock selbst an den Verhandlungen teil, ferner Masor Shillis, Ellis Home Williams, Mitglieder des Unterhauses, Gattie und Woods. 32 Zeugen waren geladen und anwesend, davon 16 Deutsche und 16 Engländer.
Dem Angeklagten wird fortgesetzte Mißhandlung und unvorschriftsmäßige Behandlung der ihm a l s U n- teroffizier im Gefangenenlager Mün-' ft er unterstellten Gefangenen zur Last gelegt. Das Gericht begann dann mit der Vernehmung des Angeklagten, die sehr ins Einzelne ging. Der Angeklagte beantwortete korrekt alle Fragen und gab an, immer mir aus Grund der ihm zugegangenen Befehle gehan- dett zu haben. Mißhandlungen stellte er tn Abrede. Heynen wird beschuldigt, vom 13. Oktober bis 26. No-> vember durch 46 selbständige Handlungen Gefangene durch Stockschläge und Stöße mit dem Gewehrkolben, durch Fußtritte usw. mißhandelt zu haben, ferner Gefangene verhindert zu haben, sich krank zu meldeih
Ans dem besetzten Gebiet.
• Die verbotene deutsche Zahne. Ein Schiffer tu Kestert am Rhein hatte anläßlich der Feier der Korn, m enion ferner Tochter sein Haus mit Aushängen bet; deutschen Fahne geschmückt. Vom französischen Kriegsgericht wurde er deshalb zu hundert Mark Geldstrafe verurteilt. Das Gericht nahm als Milderung»« gründ an, daß der Schiffer täglich in seinem Beruf an das Aufziehen der Flagge gewöhnt sei.
* Verbotene Kundgebung für Oberschlesien. Eine otm sämtlichen politischen Parteien der Stadtverwaltung und den Bereinigten Verbänden heimattreuer Oberschlesier in Duisburg geplante Bolkskundgedung für Oberschiesten wurde von der Besatzungsbehörde nicht geneh. migt. Die genannten Körperschaften haben darauf in einem öffentlichen Aufruf erklärt, daß, wenn es der Duisburger Bevölkerung auch nicht möglich ist, gegen die unerhörten polnischen Angriffe in einer Form Pro. test einzulegen, die der allgemeinen Empörung des deut- scheu Balkes entspricht, sie doch die ungeheure Not der Oberschiester durch eine namhafte Geldspende zu linder« suchen werden. ?
Deutsches Reich.
* Die Richter gegen die Richterinnen. In Leipzig fand der vierte deutsche Richtertag statt. Er erörterte die Frage der Zulassung der Frauen zum Richteramt, wobei sich die überwiegende Mehrzahl der Versammlung gegen die Zulassung der Frauen oussprach und sich auf den Standpunkt stellte, daß die Frauen durchaus' ungeeignet seien, um als Stratrichter oder an sonstigen maßgebenden Stellen mitzuwirken. Dagegen" sollen die Frauen als Sachverständige im Strafverfahren mit weitgehenden Beiugniffen heran- gezogen werden. Als Begründung für den Standpunkt der Versammlung wurde in der sehr lebhaften Debatte unter anderem erwähnt, daß jetzt durchaus nicht die Zeit sei, um die dem Charakter der Frau entsprechende größere Milde im Strafgesetz herbeizuführen, da gegenwärtig der Richter mit seiner ganzen Person, sogar mit feinem Leben, für bie
Notwendige Eingriffe
in das Äotksvermögen.
Die Zentrums-Parlaments-Korrespondenz schreibt offenbar im Eitwemehmen mit der Reichsregierung folgendes:
Die Annahme des Ultimatums bedeutet, daß wir jiihr- Kch mindestens 3 Milliarden Goldmark aufbringen muffen. Was wir Darüber aufbringen, wird als Tilgung und Ver- zmsung der als Rest feststehenden 82 Goldmiltimdon gutgeschrieben. Hier liegt die immer noch bestehende Ge- fahr der Anwendung sogenannter Sanktionen, vorn denen wir uns soeben noch durch die Ulti- matumsannahme sreigehalten haben. Soll ein neuer Zusammenstoß auf diesem Gebiet mit den für uns stets traurigen Folgen ad gewandt, für immer unmöglich werden, so muffen wir eine PolitikauflarigeSicht treiben. Nach Leistung der geforderten ersten Goldmilliarde haben wir eine Atempause bis zum 1. November dieses Jahres. Es besteht wohl kaum noch ein Zweifel, daß diese Milliarde aufgebracht werben wird. Wir müssen aber gleichzeitig durch äußerste Kraftanspan- nung zu erreichen suchen, daß mir bis zu dem genannten Termin zwei bis drei Goldmilliarden aufbrin- gen. Letztere sollen den Fonds bilden, der bann angegriffen wird, wenn uns jede andere Möglichkeit fehlt, fällige Ratenzahlungen zu leisten. Hierzu ist ein scharfer Eingriff in unser Volksvermögen untr- läßlich. Noch haben wir fremde, neutrale Wertpapiere, die zu diesem Zweck vom Reich auf gerufen und gegen Entschädigung beschlagnahmt werden müssen. Wenn wir dazu das noch vorhandene Gold, Silber und Juwelen beschlagnahmen, dürften wir einige Resewegokdmillüirden für das Reich herausholen. Auf diese Weise sichern wir uns am heften vor neueren Gewaltmaßnahrnen der Gegner; denn wir bekommen so ein volles Jahr Zeit, ehe noch den Ser» tragsbefthmmmgen eine friedliche Aktion erfolgen kann. Damit ist bereits die weitere Frage gestreift, ob wir über-
Die Lockung in den golden schillernden Sternen würbe werbender, leidenschaftlicher; sie verwirrte ihm die Sinne, und auch seine Augen flammten auf. „3a. ich fürchte mich, aber ich werde bleiben." Nun nickte sie kurz, fast gedankenabwesend, und blickte wieder kühl prüfend über ihn hin. „Warum sind Sie nicht Offizier geblieben? Sie muffen doch eine gute Figur in der Uniform gemacht haben?"
Die Frage selbst und die Art, in der sie gestellt wurde, ärgerte ihn, ärgerte ihn doppelt, da ihre Bedeutungslosigkeit in gar keinem Verhältnis stand zu dem, was sie vorher gesprochen hatten. „Es kam mir nicht allen auf die Form, sondern auch auf den Inhatt meines Berufes an,“ antwortete er ziemlich schroff. Sie lächelte. »Ach so! Ihr Geist fand nicht genügend Befriedigung im flotten, frischen Reiterleben. Sie sind Denker, Dichter, Träumer. Richtig. Kurt deutete dergleichen damals an. Bielleicht war es gerade das, was meine Illusion über Sie weckte."
Ein leiser Spott schien um den Mund Karins und in den kühlen Augen zu zucken. Hans Heinrich ärgerte sich noch mehr. „Dann bedauere ich, den Kampf um diese Illusionen von vornherein aufgeben zu müssen; er ist aussichtslos. Ich war und bin weder Dichter noch Träumer, kaum einmal das, was man unter Denker versteht, wenngleich ich freilich manchmal zu denken pflege, und zwar anders als andere."
Nun lachte sie heff und luftig auf. „Alles falsch; gerade die geharnischte Abwehr bestärkt mich in meinem Glauben. Mein böser Herr von Sesenburg, so bequem kaufen Sie sich nicht von mir los, nachdem Sie einmal beteuert haben, sich nicht vor meiner haarscharfen Prüfung zu fürchten. Ich lege Hand auf Sie!" Die schlanke, schöne Hand hob sich ihm entgegen, er ergriff sie wortlos, um sie an seine Lippen zu ziehen. Nicht achtend dessen, was er wollte, hielt sie feine Hand in halber Höhe fest und blickte auf den Ring an feinem Finger. „Ach bitte, zeigen Sie mir ben Ring doch einmal. Er macht einen fo fremdartigen, seltsamen Eindruck."
, : kFortietzung folgt.)
Haupt jährlich zwei Goldmilliarden und 26 Prozent Ausfuhrabgabe leisten können. Niemand wird sie wohl mü einem absoluten Ja beantworten können und beantworte» wollen. Trotzdem muffen wir den Versuch machen und alle Kräfte einsetzen. Bezüglich der Jahresrate von zwei Goldmilli-arden ist es ganz klar, daß wir dieselbe nicht durch Erhöhung der Reichsschulden ausbringen können, indem wir neues Papiergeld ausgeben, sondern wir muff em dieselben durch Warenlieferungen af>tra» gen. Dabei ist ein Kampf um die Waren preisge» staltung unvermeidlich. Deutschland büßte bislang beispielsweise ungeheure Werte ein, indem es die nach dem Abkommen von Spaa zu liefernden Kohlenmengen zum Inlandspreis abgeben mußte. Entweder muß unsrer Forderung, für die ausgeführte Kohle den Weltmarktpreis zu zahlen, nachgegeben werden, oder wir muffen, fo wenig angenehm gewisse Folgen fein werden, zu einer gewaltigen Erhöhung der Kohlen steuer schreiten, um auf diese. Weise eine bessere Bezahlung unsrer Kohlen zu erzwingen. Die Lieferung von Farbstoffen und ähnlichen sowie von'Materialien für de« Wiederaufbau dürste dann die Summe von 2 Mll» liarden Goldmark ergeben. Wir müßten natürlich die deutschen Lieferanten abfinden, aber das ist eine rein innerpolitische, letzten Endes eine Steuerange« legenheit. Solange die Weltmarktpreise den heutigen Stand halten, das heißt die Goldmarrk nur die Hälfte des Vorkriegswerles darstellt, werden wir voraussichtlich dm 2 Milliarden Annuitäten auf bringen können. Weiterhin sollen wir 26 v. H. u n f e r e r A u s f u h r m die gesamte Welt als weitere Opferquote leisten. Der deutsche Lieferant wird dieselben tragen müssen, und das Reich muß sie ihm zurückoergüten. Diese Frage ist nur lösbar, wenn gleichzeitig eine großzügig angelegte Wirtschaftsorganisation ms Leben gerufen wird. Es gibt einzelne Zweige der deutschen Industrie, die in der Lage sind, die Quote zu zahlen, andre werden unter ihr zusammenbrechen. Deshalb muß innerhalb einet großen Industrieorganisation ein Ausgleichssonds errichtet werden.
„Um ein solches Riesenproblem sachgemäß zu lösen", schließt die Korrespondenz, „sind große A r b e i t s g e- m e i n s ch a s t e n für die einzelnen Branchen und freie Selbstverwaltungskörper nötig, die die Reglung der Ausfuhrabgaben und die Aufbringung der Steuer in die Hand nehmen."