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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

/ Nr. IlS.

Berontwottlich iflr den rtoautoncHcn Teil: Dr. Kromer, - für dir Anzeigen: I. Parzeller-gulda. u Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, f-'ernlprecher Nr. 9. Telegr.-Ldreffe: Fuldaer Zeitung.

Montag, 23. Mai $921.

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48. Zahrg.

Mr Wik Sieget?

Briand hofft Lloyd Georgeherumzukriegen".

Komini Zeit, kommt Rat." jagen sich die Fran­zosen und haben ihre Kammerdebaue über die Politik Brianbs, die ohnehin schon in die Länge gezogen wurde, auf drai Tage unterbrochen.

Sn dieser Verzögerung kann man allenfalls ein Anzeichen fiiLcn, daß auch die hitzigsten Rationalisten noch zurückschrccken vor einem offenen Vruch mit England. Doch andererseits läßt die zähe Taktik der Verschleppung erkennen, daß die Franzosen trotz aller scharfen Mahnungen aus England und trotz der freundlichen Begrüßungsreden bei der Ankunft des amerikanischen Botschafters noch immer hoffen, ihre Gewaltpolitik in der Entente durchzufetzen, und zwar zunächst in der Zuschanzung von Oderschlesien an Wien.

Lloyd George soll wieder einmalhrnrmgekriegt" werden, um einen Ausdruck aus der Volksdiplomatic zu gebrauchen. Die Franzosen glauben schon hinrei­chend erprobt zu haben, daß in Lloyd George die ver­nünftigen Aufwallungen keinen taugen Bestand Haden, wenn er ans nachhaltigen Widerstand stößt und die erste Hitze in seinem Kopf und Herzen sich allmählich abkuhlt. Daher forderte Briand die Vertagung der entscheidenden Konferenz bis nach den Verhand­lungen in der französischen Kammer, und diese Verhandlungen zieht er jetzt absichtlich in die Länge, um Zeit zu gewinnen. Höchstens wird er zu einer vorbereitenden Besprechung mit Lloyd Ge­orge sich stellen, da solche Verhandlungen unter vier Augen sich schon öfter als wirksam erwiesen haben, um den englischen Premier sachte auf ein anderes Gleise zu locken.

Sie Derschleppungstaktiker in Paris glauben noch über eine ganze Reihe von Hilfsmitteln Ku verfügen. Durch den Grafen Sforza haben Ke schon einen Vermittlungsvorschlag auf- stellen lassen, der den französisch-polnischen Legehrlich- keiten weit entgegenkommt. Sie rechnen ferner dar­auf, daß Nordamerika nach wie vor den glatten Bmch zwischen England und Frankreich zu verhüten suchen wird, schon aus dem einfachen Grunde, um selbst zu einer endgültigen Festlegung aus der einen oder anderen Seite gezwungen zu werden. Und dann schieben die Franzosen plötzlich die Ansicht vor, die oberschlesische Frage sei eigentlich mehr wirtschaftl. als politischer Natur und müsse von Sachverständigen nach gründlicher Prüfung entschieden werden. Das würde einen weiteren Zeit­verlust bedeuten, aber das paßt den Franzosen und den Polen, weil sie im Besitze des streitigen Gebietes sind und darauf rechnen, daß sich die Welt (mit Einschluß Lloyd Georges) an die vollendete Tatsache allmählich gewöhnt.

Der schlimmste Hintergedanke bei dieser Verschlep­pungstaktik ist schließlich die Spekulation auf einen Ausbruch der deutschen Entrü­stung. Die Herrschaften wünschen nichts sehnlicher, als daß der deutsche Geduldsfaden endlich reißen möge und von deutscher Seite ein Gegenvorschlag zur Ver­teidigung erfolge, der sich als Rechtsbruch und Frie­densstörung ausdeuten und den Vorwand für einen Vormarsch ins Ruhrgebiet geben könnte.

Sollte Lloyd George schließlich doch wieder Um­fallen, so kann er sich wenigstens nicht darauf berufen, daß er Liese Hinterlist feiner schlauen Verbündeten nicht gekannt habe. Demi gerade in der englischen ZeitimgDaily Ehronicle", die Herrn Lloyd Georges Leibblatt ist, wird die ganze Taktik der Fran­zosen und Polen mit voller Klarheit beleuchtet. Die Franzosen, so heißt es da, seien für die Aufrecht­erhaltung der Ordnung und für ein ehrliches Spiel in Oberschlesien verantwortlich und hätten i^e Pflicht nicht erfüllt. Die Ordnung sei vollkommen umgestürzt, und die Franzosen hätten nicht versucht, sic zu reiten. Sie hätten auch nicht dir erste Gelegenheit ergriffen, um sich durch eine interalliierte Konferenz wieder in

Der Bing der Nuramsja.

Roman von Käte van Becker.

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Schwer vergaß er das Bild, nach dem eine unruhige Sehnsucht in ihm blieb. Oft packte ihn der leiden- schaftliche Wunsch, es aus dem dumpfen, modrigen Raume, in dem es hing, fortzuholen und in feine Woh­nung zu bringen, in golden flutenden Sonnenschein, in dem diese Augen wieder leben, dieser blühende Mund wieder lächeln würde. Ein geschickter Meister sollte es in die Hände nehmen, die Flecke und Riffe, mit denen die Zeit ihren Stempel darauf gedrückt hatte, tilgen, die fast bis zur Unkenntlichkeit nachgedunkelten Farben auffrischen und die stümperhafte Technik verbeffern. Rur an Mund und Augen dürfte er nicht rühren, der Kopf mußte ganz so bleiben, wie sein Bildner, der an ihm zum Meister wurde, ihn geschaffen hatte. Aber freilich, daran war nicht zu denken, solange die Ahne lebte. Mit ihrem Willen würde er niemals das Bild von seinem Platze entfernen dürfen, das sagte er sich selbst. Es ging der alten Dame merkwürdigerweise wieder ganz gut. Sie hatte eigenhändig an ihn ge­schrieben und ihm für seinen Besuch gedankt, aber hin- zugcfügt. daß sie ihn bitte, diesen nicht eher zu wieder­holen, bis eine Aufforderung dazu an ihn erginge.

Das war so klar und deutlich, daß er unmöglich da­gegen handeln konnte, und so blieb seine Sehnsucht nach dem Bilde ungestillt. Hans Heinrich war keine schnell empfängliche und zugängliche Natur, aber gerade deshalb hafteten starke Eindrücke besonders tief und lange in ihm. Ms einziger Sohn einer temperament­vollen und zärtllch, fast eifersüchtig llebenden Mutter hatte er in seiner Kindheit und ersten Jugend wenig Gelegenheit gehabt, sich an Altersgenoffen anzuschlie- ßen. Die auf alle seine Empfindungen und Ideen sorg, sam eingehende Mutter, hatte ihm alles ersetzt, war ihm Fsreund und Gespielin gewesen und sogar im Atter leicht entflammter Jugendschwärmerei leine erst- Siebe Ud sein Jd-or. .

das Recht zu fttzrn. Sie vertuschten den Gegenstand des Streiks und schüfen das große Risiko deutscher Gegmschlüge gegen den polnischen Schlag. Ein Teil der Franzosen würde eine solche Aktion von feiten Deutschlands begrüßen, um eine Entschuldigung für eine Erneuerung des Vormarsches an der Ruhr zu haben. Das wäre eine voraus berechnete Er­widerung auf einen deutschen Gegenschlag in Ober­schlesien, der zu diesem Zweck provoziert worden.

Deutlicher kamt man die Tucken der ftanzösi schott GewÄtpolitik nicht darstellen. Wenn Lloyd George trotzdem diesen geschworenen Feinden des Friedens und der Weltwohlfahrt wieder ins Garn läuft, so kann man ihm beit' Vorwurf nicht ersparen, daß er die Selbstverleugnung bis zur Gewissenlosigkeit getrieben habe.

Vielleicht werden die Amerikaner, wenn sie dieses hinlerlistigr Spiel derVerbündeten" von Europa sich näher ansehen, mit dem Kanadier in der Fabel sagen: Scht, wir Wilden sind doch bessere Menschen!" Nach dem Verschwinden von Wilson ist es allerdings mög­lich, daß die Staatsmänner der neuert Welt mehr Ver­nunft und Ehrlichkeit zeigen, wie gewisse Staatskünst­ler in Europa. 2lbcr die schönen Worte in London beweisen noch nichts. Die Amerikaner können jetzt durch Taten ihre Ueberlegenheit beweisen, zum Vorteil der ganzen Welt.

Neue Kämpfe in Oberschlefien.

Auch im Laufe des Sonntags war es, wie schon in den letzten lagen, unmöglich, mit den bedrohten Städten des oberschlesischen Jndusttiereviers irgend­welche Verbindung zu erhalten. 2üt5 Öen Kreisen Kreustmrg und Rosenberg wird übereinstim­mend von starken Truppenansammlungm jenseits der Grenze berichtet. In der Gegend von Rosenberg kam es zu schweren Kämpfen. Bei Gogolin (Kreis Groß- Strehlitz), wo ein Angriff der Insurgenten erfolglos blieb, wurden grauenhaft zugerichtete Leichen deittscher Sipobeamten aufgefunden.

Die ausbleibenden oderschlesischev Sohlen.

Eine ÖeuischeNotean dieEntente stellt fest, daß die Kohlenlieferungen aus Oberschlesien mit dem Beginn des Ausstandes ausgeblieben sind und da­mit eine außerordentlich Schädigung Ost­deutschlands verbunden ist.

Eine Berliner Kundgebung.

Angehörige sämtlicher Streife der Bevölkerung ohne Unterschied der Partei hatten sich am Soimtag in der Philharmonie zu Tausenden zu einer Kund­gebung gegen bie Gewalttätigkeiten berKorfantyschenBandeninOberschle- fien vereinigt. Oberschlcsische Bergleute in Knappen­tracht versahen den Ordnungsdienst. Reichstagspräsi- dent Lobe leitete die Versammlung. Es sprachen ferner Landtagspräsident Leinert, Vertreter der freien und der christlichen Gewerkschaften, Handekskmnmerpräsident F. v. Mendelsohn und Walter Rathenau.

Die Entschließung, die am Schtufle zur Annahme gelangte, fordert von den alliiertem Mächten, daß sie den Gewalttaten ein sofortiges Ende bereiten und bie Entscheidung über das Schicksal Oberschlesiens nach dem Ergebnis der Volksabstimmung durch feine ungeteilte Uebergabe an Deutschland herbei­führen. Den Freistaatgedanken weist das deutsche Volk als einen Bruch des Friedens- vertrages mit Entschiedenheit zurück.

Unsere Derpfllchtungen nach dem Ultimatum.

Die Maßnahmen, bie sich aus der A n- nahme des Ultimatums als notwendig er­geben, werden zurzeit von der Reichsregierung vor­bereitet. Bei den großen technischen Schwierigkeiten, die namentlich hinsichtlich der die A u s f u h r b e t r e f- maasaiiriMWM'ii im»nmammimi iwsani

Dadurch war nach ihrem frühen Tode eine gewisse Dereinsamung und Neigung zum Zurückziehen in sich selbst über ihn gekommen. Zwar halte er, ihrem und des verstorbenen Vaters Wunsche folgend, seine ftaat- llche Laufbahn beim Militär begonnen und voll Pietät, da alle Eesenburg lange Jahre Soldat gewesen waren, ehe sie sich zur Landwirtschaft zurückzogen, drei Jahre in dem Kavallerieregiment gestanden, in dem vor ihm eine Reihe seiner Vorfahren gedient hatten. Aber diese Jahre schienen ihm, besonders im Rückblick als für fein Leben ohne Einfluß. Er war ein guter Retter, aber damit endete auch die Liste feiner militärischen Be­gabungen; als Soldat leistete er nur Mittelmäßiges. 2hm fehlte das Interesse am Beruf. Seine Neigungen, von der Mutter ganz auf bas Feingeistige, Künstlerische und Wiffenschaftliche hingewiesen und gepflegt, fanden weder im Verkehr mit dm schneidigen, flotten Kame­raden, noch am Dienst, soweit er in einer rein körper­lichen und mechanischen Beschäftigung bestand, irgend- wetche Befriedigung. Obgleich seine Regimentsgenoffen ihn als liebenswürbigm, immer hilfsbereiten Kameraden fchützten, ttat er doch zu keinem von ihnen in ein nähe­res Verhältnis, weil er keine ihrer Liebhabereien tcitte und nirgends mit Wärme mithielt. Er schieb aus dem Regiment und dem Militärdienst, um sich dem juri. flifchen Studium zu widmen, das ihm behufs späteren (Eintritts in die diplomatische Laufbahn am geeignetsten erschien.

Mit einundzwanzig Jahren bezog er die Universität; aber trotz dieses jugmdlichen Alters fühtte er sich den ihm gleichstehenden Kommilitonen gegenüber schon be­deutend älter, überlegener und lebensknndiger, so daß er mich während der Jahre dieses Studiums, bie ihm auf verschiedenen Universitäten sehr angenehm und ge­nußreich vergingen, keinerlei feften Anschluß suchte und nirgends eine wirkliche Freundschaft schloß. Seine sehr bedeutenden Mittel ermöglichten ihm überall eine Son­derstellung, die Ihm in Verbindung mit altem, gutem ! Namen schr gewinnender Erscheinung und geistvoller Liebenswürdigkeit alle Türen öffnete und alle Wege ebnete. Besonders tic Psorten der Frauenherzen öff-

fenden Fragen zu überwinden sind, ist es ver­ständlich, daß endgültige Entschließungen noch nicht ge­faßt werden konnten. Mt einer gewissen Unsicherheit wirb deshalb der Außenhandel vorher leider rechnen müssen. Als sicher tonn jedoch gesagt werden, daß diejenigen Be t r L g e, die ht Zukunft von ein­zelnen Entente st aatcn vom Ausfuhrgegenwcrt ber deuischenAusfuhr erhoben werben, ben Ex­porteuren durch bas Reich in Papiermark erstattet werden. Die technische Durchführung der Auszahlung voraus, nach deren Abschluß mit der Auszahlung be­gonnen werden wirb.

Der Wiederaufbau Rordsrankreichs.

Der stanzöstsche Wiederatrfbmiminister Loucheur Hai sich zu Verhandlungen über die Lieferung von 25000 Dauerhäusern für die zerstörten französischen Ge­biete durch Deutschland bereit erklärt. Deutsche Sachverständige reisen in den nächsten Tagen nach Paris ab. _ _______________

Die englische Streikwelle.

Am heutigen Montag wird bie Arbeiterschaft der Lonboner Straßenbahnen über bie Notwendigkeit eines Sympathiestreiks mit den Maschinisten d«s Elektrizitätswerks von Greenwich abstimmen. Die Maschinisten dieses Werks, das Strom für die Londoner Straßenbahnen liefert, sind durch Arbeitswillige ersetzt worden.

Aus der katholischen Welt.

* Prälat Kempe, der Chicagoer Generalvikar, der kürzlich auch in Fulda Werlte, ist jetzt in Rom ein» getroffen. Er bat bekanntlich die Aufgabe, int Auftrage der amerikanischen Bischöfe die in den verschiedenen Diözesen der Vereinigten Staaten gesammelte stattliche Summe von 500000 Dollar unter den deutschen und österreichischen Episkopaten zugunsten der hilfs­bedürftigen Kinder z» verteilen. Prälat Ncmpe hat bei allen Bischöfen Deutschlands und Oesterrctchs persönlich vorgesprochen, und hat von vielen Organi­sationen, namentlich von der Jugendfürsorge, Caritas- pflege ufto., in einzelnen Diözesen eingehend Kenntnis genommen. In einer Privataudienz hat Prälat Rempe dem Papst von keiner Mission ausführlich Bericht erstattet. Nach dem Vertetlungsplan für die Spende entfallen auf die Diözese Fulda 2680 Dollar.

* Dar päpstliche Konfiftotinm am 13. 3u:ti. Zur Ernennung dreier neuer Kardinale hat der Papst das geheime Konsistorium auf den 13. Juni, und das öffentliche auf den darauffolgenden Donnerstag festge- setzt. JnS hl. Kollegium werden berufen werden: Msgr. Tacci, der Majordomus des Papstes, Msgr. Laurenti, Sekretär der Kongregation der Propaganda und der bekannte Warschauer Nunzius C. Ratti.

Aus Sem besetzten Gebiet.

1 Der gefährliche Schiller. Die französische BesatznugS- behürde hat die Ausgabe des neuen Notgeldes der Stadt Trier untersagt, da die Geldscheine die Umschrift trugen:AnS Vaterland, ans teure, schließ dich an, das halte fest mit deinem ganzen Herzen", Worte auS SchillersTell".

Rückverlegung der französischen kjauptqnartie». Wie der ,Matiw aus Mainz meldet, ist das französische Hauptquartier für die besetzten Gebiete, daS m Ei- toartung des Vormarsches ins Ruhrgebiet nach Düffel- darf verlegt worden war, nach Mainz zurückverlegt worden. Die Truppen werden jedoch ihre bisherigen Standorte behalten.

Staffelweiser Abbau der Getreidezwaugs- wirtschast.

Eine Rede des Reichsernährungsminifters Hermes.

Reichsernährungsminister Dr. Hermes sprach in einer öffentlichen Landwirlevcisammlunq in Trier. Er führte u. o. aus, daß, wenn man die Aushebung der Zwangswirtschaft auf seine Fahnen schreibe, man sich damit zu einer Freiheit auf der ganzen Linie bekenne. Das bedeute, daß dann auch die Zeit, der Industrie die Preise für Düngemittel icstzusetzen ein

neten sich ihm überall weit und einladend. Aber er schritt ungerührt unb oft sogar ahnungslos an ihnen vorüber, unb die Pforte feines eigenen Herzens blieb fest verschlossen.

Dox der stand nach wie vor das Bld der Mutter, das, je weiter die Jahre vorgeschritten, im Zauber der Er- innerung immer höher wuchs und reicher ausgestattet wurde, und an dessen Maß keine der reizvollen und schönen Frauen, die sich ihm huldvoll zuneigten, heran- reichen konnte. Die ersten Frauenaugen, die Unruhe über ihn brachten unb eine bestimmte Sehnsucht in ihm erweckten, waren bie jenes Bildes im alten Turmgemach seines Ahnenhauses.

Der Sommer zog ins Land und wandelte sich zum Herbst, und allmählich verblaßten die Erinnerung und bie Sehnsucht, bis sie vollkommen versanken vor einem neuen, starken Eindruck, den das Leben ihm in den Weg schob.

Es war auf einem Wohttätigkeitssest, als er zum ersten Male Karin von Klingenstur fah. Ihr wie von gesponnenem rötlichem Gold umftimmerter Kopf hob sich in überraschender Schönheit vom Hintergründe eines dunklen Samtvorhanges ab. Es war, als wenn Llchtsttahlen von ihm ausliefen, wenn der metallische Glanz dieses wunderbaren Haares auch ihr zartes, schö­nes Gesicht durchleuchtete» unb aus der Tiefe ihrer bern­steinfarbenen, anscheinend durchsichtig klaren Augen bräche. Man sah nicht oft ein so schönes und von so eigenartigem Reiz umflogenes Mädchen, rote diese junge Schwedin, deren hohe, schlanke Gestalt sich mit jener ruhigen Anmut und Sicherheit in der Gesellschaft be­wegte, die am besten bewies, wie sehr sie gewohnt war, hier in ihrem Element zu sein. Sie nahm die Huldigun­gen der Männerwelt als selbstverständlich entgegen, sehr kühl, sehr belanglos von oben herab, aber zwischendurch wußte sie durch diese gleichgültige Kühle einen Strahl so bezaubernder Liebenswürdigkeit, anmutiger Neckerei und heimlicher Glut aufleuchten zu kaffen, daß selbst die­jenigen, die sich eben von ihrer spöttischen, überlegenen Kälte abgestoßcn gefühlt hatten, wieder ihrem Reiz er. lagen unb ihr von neuem bulbiaten. (Forti, folat«

Ende gefunden habe. Wirklich helfen könne uns nur eine Politik des natürlichen Gleichgewichts, Von den Landwirten weide die Aufhebung bex Getreidczwangswirttchaft verlangt, von den $er< brauebern dagegen Beibehaltung der alten Zwangs­wirtschaft. Er könne kein en der beidenWün sch« erfüllen. Man müsse einen Mittelweg finden, ein Uebergangsstadium zu den Verhält­nissen der Vorkriegszeit und hier helfe allein die Umlage. Bereits in 8 bis 10 Tagen werde im Reichstag ein schwerer Kampf um den Umlage- gesehen lwurf entbrennen, besonders erschwert durch die Linksparteien, die für die alte Zwangs­wirtschaft eintreten. Das überschüffige Getreide würde den Landwirten zur freien Verfügung überlaffen werden. Für das Umlagegetreide werde ein beson­derer Preis festgesetzt/ der die Erzeugungskosten deckt. Verschiedene Verfahren für das besetzte und unbesetzte Gebiet einzuführcn, verbiete schon der Gedanke an die Freiheit des dcntschen Wirtschafts­lebens. Der Minister führte weiter aus, daß in der Frage der Zuckerwirtschast bereits Verhand­lungen mit bet Znckerindustrie begonnen hätten. Er hob ferner hervor, daß die Steigerung der Produktion in erster Linie auf wirksamer Düngung beruhe. Die deutschen Stickstoffabriken stellten jetzt das Doppelte der im Jahre 1913 ein­geführten Chilesalpetermengen her. Außerdem teilte Dr. Hermes mit, daß Tentschland demnächst große Mengen amerikanifchen Kraftfutters erhalten werde.

Die Gegner des Abbaues.

Tie Berliner freien Gewerkschaften nehmen ür einer Entschließung schärfste Stellung gegen den vorn Ernährungsminister Dr. Hermes in Aussicht gestellten Abbau der Getreidezwangswirtschaft. Die Gewerkschaften fordern die mehr hei t s sozialisti­sch en Minister auf, bet Durchführung dieser Absicht das Reichskabinett zu verlassen.

Soziale Bewegung.

* Der neue Heidjsmankltarifverfrag für bie Ge­meindearbeiter. Der zwischen dem Arbeitgeberverbande deutscher Gemeinde, und Kommunalverbände, dem Ver­bände der Gemeinde- und Staatsarbeiter und dem Zen- tralverbande der Gemeindearbeiter und Straßenbahner Deutschlands im Vorjahre abgeschlossene Mantel- tarifvertrag läuft bestimmungsgemäß am 30.Juni dieses Jahres ab. Um eine tariflose Zeit zu vermeiden, wurde bereits im April dieses Jahres zwischen den Par­teien unter Berücksichtigung der im Vertragsjahr ge. machten Erfahrungen über die' Erneuerung des Tarif­vertrags verhandelt. Die Verhandlungen fanden am 7. Mai ihren Abschluß. Nach Genehmigung des von den Verhandlungskommiffionen ausgestellten Vertrags durch die Mitgliederversammlungen beziehungsweise Gau-Konferenzen der Parteien ist mit dem pünktlichen Inkrafttreten des neuen Reichsmanteltarifver- trages zum 1. Juli dieses Jahres zu rechnen. i Der Reichsverbmid der Gasthausavgesiellren befaßte sich auf feinem 8. Verbandstage auch mit der so wichtigen Frage der Unfallversicherung im Gastwirts- ge werbe. Es wurden sofort die notwendigen Schritte eingeteitet, um die Anwendung der gesetzlichen Unfallver­sicherung auch auf das Gastwirtsgewerbe zu übertragen. Die gastwirtschaftlichen Betriebe worden in steigendem Maße mit maschinellen Einrichtungen versehen und die Unsallgcfahr wächst dadurch auch unter den Angestellten. Aber auch der Gebrauch anderer Gegenstände, der für die Ausübung des Berufes notwendig ist und üblich, hat zahl­reiche unfallartige Verletzungen zur Folge, bie ebenfalls die Ausdehnung der Unfallversicherung auf das Gaitwitts- gewcrbc stichhaltig begründen. Deshalb läßt diese Tat­sache cs unverständlich erscheinen, daß die Unfallverletzten Arbeitnehmer des Gaftwittsgeroerbes von einer sozialen Einrichtung, wie sic die Unfallversicherung darstcllt, aus- geschlossen sind. Der Reichsoerband der Gssthausangcstell- ten wird m ganz besonderem Maße triefe soziale Einrich­tung efftteben. Der obenbezeichnetc Verband ist die Jn- tereffenvcrtretmig aller chriftlich-naUonalon Gasthausange­stellten. Das Bezirksbüro befindet sich in Frankfurt c. M.. Dethmannfttaße 13.

Deutsches Reich.

* Berlin, 23. Mai. Reichspräsident Eber, wird am 26. d. Mts. einen dreiwöchigen Urlaub antreten, den er zum Teil in Mergenthal, zum Teil in Freudenstadt im Schwarzwald verbringen wird. Am Dienstag wird eine Sitzung sämtlicher Polizeipräsidenten Preußens stattfinden, die über allgemeine Fragen des Polizeiwesens beraten wird. Der Klempner-Obermeister Tuch, ReichstagSabgeordneler für den Wahlkreis Leipzig, Mitglied der deutschen Volkspartei, ist gestorben. Als sein Nach'olger wild Landgerichtsrat Wunderlich in den Reichstag einziehen. Die Reichsregierung hat die Beseitigung einer Reihe von paß tech­nischen Einschränkungen veranlaßt, die sich mit der fortschreitenden Entwicklung des Verkehrs nicht mehr in Einklang bringen ließen. Der preußische Staatsrat ist zum 27. Mai einbe­rufen worden. Der Staatsrat wird etwa eine Woche zusammenbleiben, um den neuen Etat, einige kleinere Gesetze und feine neue Geschäftsordnung zu beraten.

Schoiexpenmente im zrelstaat Hessen. Bei der Verhandlung tm hessischen Landtag über die Aus bau­sch ule wies Abg. Domkapitular Lenhart darauf hin, daß diese verkürzte höhere Schule vor allem den Zweck habe, den Abbau der Lehrersemtnare herbei- zusühren. Damit wird die Bestimmung der Rcichsver- faffung, nach der die Lebrerbildung für das Reich einheitlich zu regeln ist, umgangen und Heften regelt diese Frage auf eigene Faust. Abg. Lenhart wies mit Recht darauf hin, daß die Lehrerseminare dieses harte Schicksal nicht verdient haben und daß damit weder der Schule noch den Kindern gedient ist. Don großer Bedeutung wird e$ sein, welcher Platz dem Religionsunterricht in üemSchulptan cingeräumt wird, da die Anstalt doch praktisch die Mehrzahl der künftigen Lehrer heranbilden soll. Der Präsident des Amtes für Bildungswesen, Dr. Strecker, suchte zwar die Bedenken des Abg. Lenhart abzuschwächen, man wird aber doch der Entwickelung der Ausbaulcbule