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Gamstag, 81. Mar 1921.
* Fuldaer
Zeitung
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Druck der Fuldaer Aetieudruckerei in Fnlde
Zweites Blatt.
SMÄW.
Der Ruf nach einer Stabilisierung unserer Politik Lird immer lauter. So sehr der Wunsch nach einer Stetigkeit der Außen- und ÄmrnpolM allgemein als berechtigt anerkannt wird, so wenig kann man anscheinend die Formen finden, durch die sie garantiert würde. Das erfte und größte Hemmnis liegt un- Mtfechast in der Verzweigtheit unseres Parteiwesens. Mchr als ein Dutzend Parteien tietai der Wählerschaft Deutschlands ihre fein differen- fierten Programme dar. In Ermangelung genügender natürlicher Unterschiede müssen ost künstliche her- halten, um das Auftreten oder Weiterbestehen feder einzelnen der vielen Parteien zu rechtfertigen. Weite Kreise haben nun gehofft, daß die nähere Zukunft eine Verschmelzung benachbarter Parteien, oder wenigstens »ine innigere Arbettsgemeinschast derselben bringen werde. Doch mehr und mehr sehen wir diese Hoffnung schwinden. Neue Partesaebild« schießen pilzartig aus der Erde des politischen Lebens hervor. So gewinnt allmählich die Meinung Oberhand, daß die fehnsuchts- voll erwartete Vereinfachung unseres Porieilcbens wohl in der nächsten Zeit kaum zu erwarten ist und es werden bange Zweifel laut, ob nicht bis dahin das deutsche Staatslebm infolge der zerrissenen deutschen Polftik völlig zum Darniederliegen kommen wird.
Mehr begründet ist wohl die Hoffnung, daß die Mittelparteien allmählich zu einem großen Regierungsblock zusammengoscAeißt werden können. So sympathisch der Gedanke ist, so sehr man an seine Berwirklichung glauben möchte, es darf nicht übersehen werden, daß gerade bei den für diesen Block in Betracht kommend«! Parteien, zu denen unbedingt neben der Sozialdemokratie auch die Deutsche Dolkspartei gehören müßte, die sachlichen Differenzen ;— wenigstens vorläufig noch — unüberbrückbar sind. <Ss darf nicht vergessen werden, daß ein Zusammengehen Mischen der Deutschen Volkspartei und Mehrheftssozialdemokratie nichts anderes von den Beteiligten verlangt, als das Derleu-gnen von Gegensätzen, dis Jahrzehnte hindurch von beiden Seiten als unverrückbar betont worden sind. Und die Gegensätze haben in ter Tat bestanden, ja sie bestehen auch heute noch Der Liberalismus hat zwar den Sozialismus gezeugt, aber das nach Auffassung liberaler Kreise entartete sozia- listssche Kind wird den einmal aufgegebenen Wog zum Daterhause nicht so leicht zurückfinden können, ja nicht dürfen, weil in der lange Zell hindurch gepflegten Oppofltionsstellung die Macht und Zugkraft der Partei verankert lag. Das soeben von der Sozialdemokratie Gesagte gilt umgekehrt in demselben Maße von der Deutschen Dolkspartei.
Gewissermaßen mit Gewalt aber ein Zusammengehen erzwingen wollen, heißt unfruchtbare Politik treiben zu einer Zeit, da Ausnutzung aller für eine Sta- bflisisrung der deutschem Politik brauchbaren Faktoren unbedingt notwendig ist. Trotzdem stehen auch wir nach wie vor auf dem Boden derer, die eine Koalition von der Deutschen Dolkspartei bis zu der Sozialdemokratie als dringend erwünscht, ja notwendig ansehen. Es muß aber unter allen Umständen eine anders Plattform gesucht werden. Wenn es heute noch unmöglich ist, in den meisten prinzipiellen Fragen eine Einigung zwischen der Deutschen Volkspartei und der Sozialdemokratie zu erreichen, so ist es doch nicht unmöglich, die in einzelnen wichtigen Fragen schon bestehende Uebereinstimmung der Ansichten als Grundlage für ein Zusammenarbeiten onzusehen.
Wir haben uns in den vergangenen Jahrzehnten so sehr daran gewöhnt, das Trennende zu sehen, daß wir für das Gemeinsame beinahe keinen Blick mchr haben. Gerade das Gemeinsame muß heute mchr denn je in den Vordergrund treten. Dazu verpssich- tet uns unsere außen- wie innerpolitische Lage. Dazu , drangt der Wunsch noch der unbedingt notwendigen Stabilisierung unserer Politik. Wir stehen feit einigen Tagen vor einer völlig veränderten Situation. Die Annahme des Ullimatums durch die Reichstagsmehrheit kann nur dann als gerechtfertigt angesehen werden, wenn die Zusammenfassung aller an unserem Wirtschaftsleben Beteiligten als
Unpolitische Zettlärrfe.
Von Fritz Nienkemper.
Berlin, 17. Mai 1921.
Der Mensch ist ein zweibeiniger Laubfrosch. Das ist mir in diesen Feiertagen so vorgekommen. Set dem herrlichen Pfingstwetter war alles in gehobener Stimmung, wie ein Laubfrosch, der vergnügt auf der Spitze seines Lesterchens sitzt. An dem naßkalten Himmelfahrtstage Hattat sie verdrossen unten gesessen.
Schr schmeichelhaft ist es ja gerade nicht für uns Wamskinder, daß wir m unserer Stimmung vom Wetter abhängig sind. Der Geist sollte wett erhaben sein über die Schwankungen des Barometers und des Thermometers, und die unsterbliche Seele sollte nicht wie ein Kerzenlicht im jewelligen Windzug flackern. Aber dw Mensch ist zur Hälfte ein Erdemloß, vielfach sogar zur größeren Häl^. Der Körper spürt die wechselnden Eindrücke von Wind und Regen, von Kälte und Wärme, von Schatten und Sonnenschein. Die Nerven im Leibe sind wie Fernsprechdrähtr, die den Wetterbericht an die Zentralstelle im Gehirn übermitteln, vom Gehirn wird wieder die Stimmung im Herzen beeinflußt
In der Abschätzung des Wetters gehen freilich die menschlichen Laubfrösche auseinander. Bei uns zu Lande kann man zwei Klassen unterscheiden. Der Landmonn hält es mit der Nützlichkeit, der Städter sieht mehr auf die „Schönheit" des Wetters. Jeder setzt fern eigenes Interesse in den Vordergrund. Der Landmann freut sich, wenn nach dürren Wochen Regen kommt, mag er auch beim festtäglichen Kirchgänge naß werden. Der Stadtmensch will am Sonn« und Feiertag hinaus in die stische Luft und auf die grüne Flur: er ärgert sich, wenn ihm das schlechte Wetter die schönste Erholung verdirbt und wieder zum Stubenarrest verurteilt. Beides ist begreiflich. Manchmal sorgt der Wettermacher Petrus für einen Augleich d°." Interessen. Wenn an den gewöhnlichen Tagen für die Erquickung der Pflanzen und die Lockerung des Ackerbodens genügend gesorgt ist, so kann am Feiertage die Sonne mal kräftig vom wolkenlosen Himmel strahlen Dann gehen sie alle oergnüzt umher, indem der eine die kommende Frucht abschätzt und der andere die Schönheft von heute genießt.
Die Siadibewohner in ihrem Licht- und Lufthun- ser sind immer zahlreicher geworüsk ihrer Ehre
dringendstes Gebot der Stunde erkannt worden ist. Die durch das Ultimatum übernommenen Verpflichtungen Deutschlands stellen solch hohe Anforderungen an unser Volk, daß alle Kräfte nutzbar gemacht werden müssen. Der Ruf nach der Qualitätsware, die uns retten soll, hat nur dann Wert, wenn sich neben dem fleißigen deutschen Arbeiter auch der deutsche Unternehmer zu ihr bekennt.
Darum muß ein großes, wohldurchdachtes Wie- deraufbauprogramm zustande kommen, ein Programm auf lange Sicht. Was liegt da näher, als daß die Führer der Mittelparteien, angefangen bei der Deusschen Volkspartei bis hin zur Sozialdemokratie, ja, wenn möglich bis zur Unabhängigen Sozialdemokratie, sich auf dem Boden eines Aktionsprogramms zufam- menfindrn, das wenigstens-die Stabilisierung unserer Politik, soweit sie die wirtschaftliche Seite unseres Wie- dsraufbauprogramms betrifft, ermöglicht. Die Partei, die sich in heutiger Stunde einem Sammlungsrufe widersetzt, übernimmt die Verantwortung für die im Falle einer Nichteinigung unvermeidlichen Rückschläge und Erschütterungen. Eine große Zeit erfordert große Männer, großes Verstehen. Wer hat den Mut, die angebotenen Versöhnungshände zu ergreifen?
Tagungen.
DelegietfenüCrfamtnlung des Bundes der Kinder, reichen. Der Gesamtverband der Bunde der Kinderreichen in Deusschland versammelte in Köln seine in allen Städten Deutschlands in großen Ortsgruppen vereinigten Mitglieder zur 2. Delegiertenversammlung. Folgende Anträge wurden zu einstimmigem Beschluß erhoben: Möglichste Berücksichtigung kinderreicher Familienväter und Mütter bei allen Wahlen zu ösfentlichen Körperschaften, weiterhin Durchführung der völligen Lern, und Lehrmittelfreiheit für Kinder aus volkreichen Familien und Forderung der freien Hebammenwahl. Die Lösung der Existenzfrage kinderreicher Familien soll noch eine Kommission beschäftigen, ehe man zu ent- scheidenden Beschlüssen kommt. Auch bei den Quäker- speisunge-7 sog einer Resolution Dr. Schäffer-Frankfurt a. M. die Kinderzahl bei der Auswahl maßgebend sein. Die Bünde der Kinderreichen in Deutschland vertreten augenblicklich eine Kopfzahl von 80 000. mc.
Dritter Reichssiedlerkag. In Berlin fand der drllte Reichssiedlertag statt. Architekt B r S m e l. Friedenau sprach über „Billige Siedlungsmöglichkeiten" und schob die Hauptschuld an der Verteuerung und Erschwerung der Siedelungsbauten auf das Schneckentempo und die Knauserei der Behörden, die schon die Genehmigung der Baupläne und erst recht die Auszahlung der Bauzu- schösse in unverantwortlicher Weise verzögerten. Landgerichtspräsident D e h n s - Dessau verlangte die Schaffung einer Reichswohnkasie durch allgemeinen Spar- zwang für alle Erwachsenen, um jedem Deutschen ein eigenes Heim zu sichern. Die rechtlichen Grundlagen der Siedlungsarbeit erörterte der Vorsitzende der Freien Arbeitsgemeinschaft der Kriegersiedlungen, Kreisel. Dresden. In der Aussprache wurde bedauert, daß die preußische Regierung, trotzdem über eine Millian Heimstätten in Preußen fehlten, von den gemeinnützigen Siedlungsgcnrfsenschaften nichts wissen wolle. Lichtbilder und Filme zeigten Leistungen und Entwürfe auf dem Gebiete des Sicdlungswesens.
Die seminaristisch gebildeten Lehrer und Lehrerinnen höherer Schulen hielten in Kassel eine Pfingst- tagung ab. Dabei wurde il a. folgende Entschließung gefaßt: Wir bedauern aufs schmerzlichste das kränkende Unrecht, das uns bet der letzten Gehaltseinstufung zu- gefügt wurde und stellen vor der Oeffentlichkeit fest, daß gleichartige Lehrerkategorien an anderen Schularten gerechtere Behandlung erfahren haben. Wir klagen die entscheidenden Faktoren an, sich von größeren Berufs» verbänden unter Verkennung unserer schwierigen Siel, lung zu unseren Ungunsten haben beeinflussen zu lassen. Wir erwarten, daß die angekündigte Besoldungsnovelle das uns zugefügte Unrecht wieder gut macht und rechnen auf eine freundlichere Stellungnahme jener Verbände.
Aerbandskag der deutschen Philologen. Nach einer Pause von sieben Jahren traten in Jena etwa 150 Schulmänner aus allen Gauen Deutschlands zu einem Vertretertag des „Vereinsverbandes akademisch gebildeter Lehrer Deutschlands" zusammen. Die Verhandlungen begannen mit einem Bertretertag, der von dem Vorsitzenden des Dereinsvcr- banbes Geheimen Studienrat Dr. Me Hm ann-Berlin eröffnet wurde. An den Geschäfts» und Kassenbericht schloß sich die Beratung der neuen Satzungen, wobei beschlossen wurde, den Namen des Vereins in „Deutscher Philologenverband" zu ändern. Die Hauptversammlung brachte nach einer Begrüßungsansprache des Staatssekretärs Schulz vom Reichsministerium des Innern drei Referats Professor Dr. Diehl. Stuttgart besprach
kann man aber sesistellsn, daß sich dos Verständnis für die Landwirtschaft beträchtlich gehoben hat. Auch in den Asphaltstraßen blüht die Erkenntnis, daß wir auf Gedeih und Verderb von der Ernte abhängen und daß also dar Welter vor allem nach seiner Fruchtbarkeit beurteilt werden muß. Immer wieder hört man in der Straßenbahn oder in den Wirtshäusern: „Dieser stiegen iit gut, .... allzu frühe Wörme taugt nicht, .... wenn es nur keinen Nachtfrost gibt", usw. Dieser Sinn für die Früchte des Feldes erklärt sich zu einem Teile aus der Vermehrung der sogen. Laubenkolonien oder Schrebergärten. Der StMkrocchner, der selber ein Stückchen Land bearbeitet, lernt die Sorgen und Hoffmntgxn des Landmannes allmählich kennen und mitempfindkn. Dazu kommen die herben Erfahrungen in den Schicksalsjahren. Früher dachte mancher, die einheimische Ernte fei ja Nebensache, da wir alles Fehlende nus dem Auslande beziehen könnten. Jetzt wissen alle, daß eine Mißernte im Inland nichts anderes bedeuten winde wie Hungersnot und Zusammenbruch. Jetzt sagen alle verständigen Leute mit dem Dichter: „Der Bauer ist kein Spielzeug; da sei uns Gott davor."
Das wachsende Verständnis ff- die Landwirtschaft kann man nur mit Freude begrüßen. Es ist eures der wenigen günstigen Zeichen der Zeit unter so vielen ungünstigen. Es dient der Versöhnung der verschiedenen Klassen und Stände und Parteien, und eine solche beruhigende Annäherung brauchen wir bitternot- wendig. Damm mochten wir.auch besonders belone-i, daß an diesen Pimgsttagen nicht bloß die Sonne um Firmament geschienen hat, solchem auch die bildliche „Sonne des F r r e d e n s". Die Aufregungen und Zuckungen wahrend der kritischen Woche vor Pfingsten hatten sich wunderbar schnell gelegt. Als die Entscheidung in der Schicksalsfrage durch dm Beschluß des Reichstage und die lat der neuen Regierung gefallen war, trat eint schnelle Entspannung der Gemüter ein Alle faßten sich: „Nun, so muffen wir es auf diesem Wege versuchen; es wird hoffentlich gehen, wenn wir alle Kräfte zusammenfassen!" Das Vertrauen erwachte wieder. Nicht bloß.an der Börse, die auffallend feft geblieben ist, sondern im ganzen Denken und Irenen des deutschen Volkslebens. Als wunder Punkt blieb frerlich noch Oberschlesi en. wo unsere Brüdn in eurem sehr schweren Kampf stehen. Aber i)a wenigstens keine Verschlimmerung d-r Lage gemeldet wurde, |c dehnte sich die Hoffnung auch bis
die Ergebnisse der Reichsschulkonferenz und die Kasseler Beschlüsse. Studienrat Professor Dr. Wüst-München behändste das humanistische Gymnasium in der Schul- reform. Das Referat von Studienrat Dr. Behrend- Charlottsnburg umfaßte die schulpolitische Lage.
Deutscher Geographeuiag. Der 20. deutsche Geographentag trat in Leipzig zusammen. Die Fortschritte der Geographen in den letzten sieben Jahren standen zur Beratung. Von den 20 Vorträgen sind nicht weniger als elf den Arbeiten der Geographen an den Fronten, den europäischen, wie den außereuropäischen, gewidmet. Der geographischen Methodik und Theorie sind drei Vorträge Vorbehalten, der Schulgeogravhie ist eine besondere Sitzung eingeräumt. Es nahmen bisher ungefähr 700 Teilnehmer aus Deutschland und dem Auslände teil. Gleichzeitig mit der Tagung feierte die Leipziger Gesellschaft für Erdkunde, eine der ältesten und größten geographischen Gesellschaften Deutschlands, in deren Hand die Drganiation des Kongresses lag, ihr OOjätjriges Bestehen. Am Sonntag wurde die Kar. ten aus stell ung in der Deutschen Bücherei eröss- net, die seit dem Deutschen Geographentage im Jahre 1881 in Berlin zum ersten Male nicht nur lokales Kar- tenmaterial zeigt, sondern einen Ueberblick über die gesamte deutsche Kartographie im Lause der Jahrhunderte bietet. Aus den Verhandlungen, die von dem bekannten Afrikaforscher, Geheimrat Hans Meyer, Leipzig (Bibliographisches Institut) eröffnet wurde, ist von all- gemeinem Interesse die Bemerkung Professor Uhligs, der über die „Kartographie im Kriege" sprach. Danach hat es sich herausgestellt, daß unsere Gegner durch genaue und geheim gehaltene Kar. ten sich besser auf den Krieg vorbereitet hatten als Deutschland, dem sogar eine gute Karte von Belgien zu Kriegsbeginn fehlte — ein neuer Beweis, daß Deutschland den Krieg nicht gewollt hat und am aHerroeniaften zu der Zeit daran gedacht hat, zu der er ausbrach. i
vermischter.
• 3n zwei Zagen 24 000 Mark verjubelst In Könnern a. d. S. nahm die Polizei ein mit einem Automobil an gelangtes Pärchen fest, das dort im Gasthof durch feine große Verschwendung auffiel. Bei dem jungen Herrn fand man 60 000 Mark Bargeld. Als man ihn festnahm, warf er ziemlich unbemerkt ein weiteres Päckchen mit 70000 Mark in Tausendmarkscheinen hinter den Ofen der Gaststiche. Ermittlungen ergäben, daß es sich bei den Festgenommenen um den 26jährigen Koch Walter Heuer und seine Freundin Alma Bock aus Burg bei Magdeburg handelt. Die Bock gestand, daß ihr Verehrer am elften Pfingstseiertag in Oschersleben in einer Villa 164 000 M durch Einbruch gestohlen hafte, von benen das Pärchen in zwei Tagen 24 000 «M. verjubelt hatte.
* Eine Berliner Räubergeschichte. Nachdem die Berliner Kriminalpolizei am Mittwoch erfahren hatte, daß nachts ein Einbruch in die Wohnung eines Juweliers in der Wartenburgstraße geplant war, versteckten sich mehrere Beamte im Schlafzimmer des Juweliers. Als kurz vor Mitternacht ein M a n n mit einer Aethermaske auf den schlafenden Juwelier zutrat, sprangen die Kriminalbeamten auf den Eindringling zu, dem es jedoch gelang, zu entkommen. Da die Polizei weiter erfahren hatte, daß draußen feine Spießgesellen auf ein verabredetes Signal toaiteien, gab sie dieses, worauf ein zweiter Mann hereintrat, der beim Anblick der Beamten nach seinem Revolver griff und zu entfliehen versuchte. Einer der Beamten erschoß den Verbrecher. Zwei weitere Spießgesellen ergriffen darauf die Flucht. Bei dem Erschossenen fand man eine Morphiumspritze, eine Schlinge und ein Fläschchen Blausäure.
* Ein Mafsenwahn in Ostpreußen. Ein Massenwahn hat einen großen Teil der Bewohner der Gegend von Muschaken (Ostpreußen) betroffen. Durch die Träume eines blinden Greises aus dem Dorfe Jablonken ist der Glaube entstanden, daß sich in dem Haupthügel der Berge, die unweit von Muschaken liegen, eine vor 2000 Jahren verzauberte Stadt befinde, die durch Teufelsbeschwörung der Einwohner von Ostpreußen von ihrem Schlafe befreit werden könnte und die Betenden mit Goldschätzen überschütten werde. Aus diesem Anlaß strömen seit einigen Wochen aus der nahen und wetteren Umgegend allsonntäglich Tausende' von Masuren und Bewohner der anderen Prooinzteile hier zusammen, um die goldene Stadt aus ihrem Schlafe zu erwecken.
* Uebcr die kurzen Franenröcke sind mit Recht die Frauenvereine in Budapest empört. Sie
über die Ober aus. Jedenfalls war die Gesamtstimmung zu Pfingsten schon viel besser, als noch am Himmelfahrtstage.
Ist der rechte Geist in Deutschland schon durchge- drangen? So schnell geht es nicht mit dem Umschwung in Millionen Geistern. Man muß schon sroh sein, wenn sich einige Ansätze von Erkenntnis wtb Gutwilligkeit zeigen.
Die Festtage haben uns verschont mit neuen Zänkereien und Zerrereien. Die Parteipolitik machte eine Ruhepause. Man spürte etwas wie Gottes frieden, zugleich in dem menschlichen Getriebe wie in der Natur.
Schadenfroh soll man nicht fein; doch darf man wohl darauf Hinweisen, daß gegenwärtig bei unseren Gegnern mehr Zwistigkeiten herrschen, als bei uns. Zwischen den Engländern und den Franzosen nebst ihren polnischen Schützlingen werden so charfe Worte gewechscft, als wie sie sonst im deutschen Reichstag zwischen der Linken und der Rechten hin- und herflogen. Die Herrschaften werden sich wohl wieder vertragen, und die Entente wird schließlich von neuem gekirnt mtben. Inzwischen ist es aber doch ein kleines Labsal, wenn das arme gequälte Deutschland zu Pfingsten mehr Friede und Festfreude aufbringen kann, wie di« selbstbewußten Sieger.
Die Sonne scheint bekanntlich über Gerechte und Ungerechte. Die Pfingstsonne scheint auch über Arme und Reiche, über Schwache und Mächtige. In chrem Strahl gewinnen auch wir neues Gott vertrauen und neues Selbstvkrirauen. Zu den Armen und Schwachen gehören wir Deutsche heutzutage sicherlich. Surfen wir uns zu den Gerechten zählen? Rein, xhari- saisch wollen wir nicht auf treten, sondern lieber mit dem Zöllner an die Brust schlagen und demütig um Verzeihung unserer Sünden bitten. So machen wir wenigstens den Anlauf zur Besserung und Begnadi- gung. Möchte nur die friedliche und gutwillige Stimmung, die sich in den Pfingsttagen bemerklich machte, für die kommenden sauren Wochen und Monate vor- halten!
Der Himmel bleibt nicht andauernd wolkenlos; die Sonne sttahft nich alle Tage hell und klar vom Firmament. Das schadet-auch der Ernte nicht, wenn nur die nötige Warme bleibt in Verbindung mit dem erforderlichen Regen. Die festtägliche Stimmung will wieder sinken; der Vorsatz zur redlichen gemeinschaftlichen Arbeit muß fest und dauernd bestehen. Ge- fühle sind schön; der Wille ist die rechte Triebkraft, die sich aus den guten Gefitzten entwickÄn muß. _
verlangen, daß der Rock nicht höher als 25 Zentimeter vom Absatz entfernt fein darf und beantragten bei der Regierung, daß die Polizisten auf diese Angelegenheit achten und Widerspenstige Frauen und Mädchen zur Anzeige bringen.
• Das elektrisch betriebene Grotzkampsschlff. Der amerikanische Dreadnought „Tennessee", der mit elektrischen Maschinen betrieben wird, hat seine erste Probefahrt zurückgelegt und dabei eine Durch« schnittsgeschwindigkeit von 31 Knoten erreicht. Dft Maschinen entwickeln 31000 PS.
Literarisches.
♦ Die christlichen Gewerkschaften in der deutschen arbeitet» und Angestelltenbewegung. Von Gewerkschaft- sekretär LinuS Funke. Mitglieo deS (Politische Zeitfragen., 3. Jahrg. Heft 4. ) Preis Mk. 2. Verlag Dr. Franz A. Pfeiffer & Co. München, Maffeistr. 4 6. Mit einem mächtigen, viel zu wenig beachteten Teilgebiet, nämlich mit der wirtfchaftlichen Organisation der christlich-nationalen Arbeiterschaft Deutschlands macht die Schrift in kurz gedrängter Darstellungsform bekannt. Der Verfasser, selbst mitten in der Bewegung stehend, schildert die Entstehung und geschichtliche Entwicklung der christlichen Gewerkschaften und beleuchtet die Auswirkung des christlich-nationalen Prinzips in ihrer praktischen Tätigkeit und im Gegensatz zu den Grundsätzen der sozialistischen, freien Gewerkschaften. Ausgezeichnete Gewerks chaftliche OrtentierungStafeln illustieren den Text und orientieren über den Stand der deutschen Gewerkschaftsbewegung überhaupt.
Märkte.
--- Zulda, 21 Mai. Auf dem heutigen Schweine- markt standen 201 Ferkel und ein Läufer zu Verkauf. Gezahlt wurden für Ferkel 700 — 450 — 300 Mk„ für den Läufer 650 Mk. Der Handel war lebhaft.
mc. $r<m6f«rt a M. Der Jmmobilienmarkt lag im abgelaufenen Monat f ehr rnhtg. Bei größeren Verkaufsangeboten stand die Nachfrage in gegensätzlichem Verhältnis. Das einzige, was umgesetzt wird, sind Häuser mit unmittelbar freiwerdenden Wohnungen, Auf dem flachen Lande ist das Jmmobiliengeschäft eben- falls sehr flau, doch wurden in der Wetterau und tir Nassau einige Höfe verkauft.
Sottesdienstor-NLNg.
Katholischer Gottesdienst.
Sonntag, 22. Mai. (Dreifaltigkeitsfest.) Dom- DiözesanmonatSkollekte. V.6, 6, '/,7 u. 7 M., um 6 Gen.-Kom. d. christl. Müttervereins, 8 Pfarramt u. Pr., VilO Kathedralarnt u. Pr., 11 Ehr. f. d. Jüngl., V» 12 M. u. Pr., V,2 Qimtember-A., 2 Ehr. f. d. Jungfr., */«3 Vers. d. christl. Müttervereins, 4 Pr. u. A., 7 Mai-A. — Stadtpfartkirche. 5Vi Som., 5‘A u. «»/. M., 8 M. u. Pr. (L Schulgd.), 9V, Pfarramt u. Pr., 11 M. u. Pr. (2. Schulgd.), SV, Ehr. f. d. Jüngl. i. d. Severikirche, IV» Ehr. f. d. Jungfr.,' 2V, Quatember-Andacht, abends 8 Mai-Andacht. — Pfarrkirche zum hl. Geist. */«7 Kam., 7 Frühm., 8 Pr., Amt m. Korn., V,5 Ehr., 5 Mai- A. — Sodalität, VilO. — Severikirche. Sonntags V,7, werktags 6M M. — Nonnenkirche. Nachmittags 2 Herz- Jesu-Bruderschafts. Versammlung. — MtchaelSkirche, Bruderschaft bon den 7 Schmerzen Marias. — Herz- Jesu-Heim. 8 Hochamt, nachm. 2 Andacht. (Mittwoch abends 8 A.) — Frauenberg. 5 (m. Mai-A.), 6, 6V, u. 7 M., 8 Rosenkranz«, m. Pr., 9 Levitenamt m. Pr., nach«. 2 Kreuzweg-A. m. Pr. (auf d. Kalvarienberg)
Oberhessisches Missionsfest.
DreifaltigkeitSf onntag: V,10 vorm. Hochamt u. Missions-Pr. i. d. Pfarrkirche z. Marburg. V,8 abendS Missionsfeier i. d. Pfarrkirche^. Schröck.
Bei den einzelnen Feiern finden Kollekten für di» Missionen und die Diaspora statt.
Uatholikm Gbetheflrnr! Erscheint zahlreich! Spendet reichlich! Gott lohnt er!
Wickstadt. An allen Mai-Sonntagen ist in Maria- Steinbach mittags 4 Uhr Segensandacht mit Predigt; an den einfallenden Feiertagen ist zur selben Zeit nur SegenSandacht. — Der Pfarrgottesdienst während de» MaimonateS findet immer um 9 Uhr statt; von 6 Uh» ist Beichtgelegenheit.
Auf Maria Ehrenberg werden folgende Feste gefeiert: 1. Das Fest Maria Heimsuchung, Sonntag, am 3. Juli z 2. Das Fest der hl. Anna am 26. Juli;
3. Das Fest des hl. JakobuS am Sonntag, den 31. Julis 4. Das Feit der Himmelfahrt Mariä am 15. Augusts 5. Das Fest Maria Geburt am Sonntag, 11. September;
6. Das Fest des E rzengelsMichael amSonntag, 2. Oktober.
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Zu Pfingsten hat mancher gesagt und gesungen: Der Mai ist gekommen. Ja, es waren die ersten rech-, ten Maitage, und die „gestrengen Herren" scheinen überwundkn zu sein. Aber haltet fest, was di« Natur und die Gnade bescheren! Haltet fest am inneren Frieden, an der nationalen und sozialen Eintracht, an der gemeinsamen ArbottswMgkeit.
Rot ist die Festfarbe zu Pfingsten, Rot ist di« Liebe, die opferwillige Liebe.
Wenn gewisse Völker uns nicht lieben wollen, so können wir ihren Sinn nicht ändern. Aber wir Deutsche können und sollen uns doch untereinander lieben und brüderlich vereinigen in der national«» Werkstatt.___
Albrecht Dürer.
Zum 21. Mai 1921. Don 8l. R. S.
Aus der Blütezeit der deutschen Kunst im Anfänge des 16. Jahrhunderts tagen Geist erriefen empor, bie unser voll bis in die Gegenwart hinein beftamnenb beeinflussen. Nomen wie Grünewald, Dürer, Halbem bestätigen auf den erften Bück diese Behauptung. Es ist doch etwas Erhobenes um bie Kraft höchsten künstlerischen Schaffens. Was fit Kail V., in dessen Reich die Sonne näht unterging, für uns heute? Cm Stück Vergangenheit. Und diese feine Zeitgenossen? Sie sind lebendige Gegmwart, sie verkörpern noch heute ein Programm für die jetzige Generation. Man hat früher Mbrecht Dürer ohne Bedenken als den „Größten der Großen triefet Zeit", ja als den größten deutschen Malet überhaupt bezeichnet. Die jüngste Vergangenheit hat wohl Mrchtas SrünenxtO) mehr in den Vordergrund gerückt. Aber im Hinblick auf das Gestsntwerck der Meister wird wohl auch die Zukunft, trotz Grünewald und seines Jsenheimer Mares, Dürer den Rang nicht streitig machen können.
Es sst eine schöne Abstattung der Dankespflicht an längst verewigte Meister, an ihren JahresgedeEagen sich ihrer und ihrer Werke zu erinnern. So möge auch der heutig» Tag der 450. Wiederkehr Dürers Gebirr Steges (21. Mac 1471) ein Anlaß hierzu sein.
Es ist nicht nötig, die Erinnerung erst wach zu rufen. Es gibt kaum einen Deutschen, der nicht irgend eines der vielen Blätter Dürers kennt, ja sÄbst wenn er den Name» des Meisters auch noch nie gehört hätte. Seine 4 Evangelisten, sein Selbstbildnis und bet ^Hieronymus Holz» fchuher", seine „Melancholie" und das Watt „Rittet, Tod und Teufe!" gehören zu den bekanntesten Werken der Malerei. Wiedergaben seines „Gekreuzigten" haben 'm «ngtzäWen Reproduktion^ bis zmy bescheidensten De-