Fuld aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
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Samstag. 2|. Mal 1921.
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48. Zahrg,
Wie als Mellet.
Der amerikanische Botschafter Harvey er» klärte in einer Rede in London im Pilgrim-Club, daß Amerika in den Krieg eirogetreten fei, nicht um Frankreich, Italien und England, sondern um die Vereinigten Staaten zu retten. Der Beschluß der amerikanischen Regierung, neuerdings bei den interalliierten Beratungen vertreten zu fein, ergebe den Beweis, daß die Regierung von Washington die feierliche Verpflichtung erfüllen wolle, die sie emyegmtgen war und du dahin lautete, daß sie freundschaftlich mit den Alliierten in allen Fingen Zusammengehen wolle, die nicht eigentlich Ine amerikanisch« Politik betreffen. In eindringlichen Worten erklärte der Botschaft«, daß die Ver- emigten Staaten mit dem Völkerbund nichts zu tun haben wollten. Unter lebhaftem Beifall teilte er beim mit, daß er vom Präsidenten der Vereinigten Staaten ermächtigt sei, dir Bereinigten Staaten bei den künftigen Verhandlungen der Obersten Rates, die sich mit der ober« schlesischen Frage beschäftigen, zu vertreten.
Zn seiner Erwcherung erklärte Lloyd George, daß er glücklich sei zu ersahrsn, daß Botschafter Harvey bei der nächsten interalliierten Konferenz Amerika vertreten wolle. Dir europäische Diplo- matie arbeite nach besten Kräften, um frühere Konflikte zu regeln. Die letzte Friedenskonferenz war notwendig, damit ich mir über alle Konflikte, in« entstanden waren, Rechenschaft ablegen konnte. Aber mrnwehr muß ich erklären, daß sie neuerdings in großer Zahl austauchen. Erschütterungen folgten auf Erschütterungen, und jeder Erschütterung folgte ein Gegenschlag von großer Hes- tigksit. Wenn der Krieg, der beende wurde, nicht der letzte war und man an einen nächsten Krieg glauben müßt«, darm würde Europa zerfallen. England wünsche für sein eigenes Heil, daß Amerika ihm helfe, den Haß in der Welt zu beseitigen. Die Zusammenarbeit zwischen England und den Vereinigten Staaten ist die sicherste Garantie für den Weltfrieden.
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Soeben hatten noch die Amerikaner den Polen gesagt, daß sie sich in die europäischen GrenzftaMt nicht Einmischen wölken. Und jetzt sind in London Tischreden gewechselt, die auf ein inniges Zusammenarbeiten von Amerika und England gestimmt find.
Bjsher xxchrrM. man darauf, daß die Vereinigten (Etatffflf f"*lyWnr' Handels- und machtpolitischen Wettkamps mit dem britischen Weltreich sich hinter die französische Gewaltpolitik gestellt hätten. Aber die Reden in Landon erwecken die Vermutung, daß zwischen London und Washington sich doch eine Verständigung angebechnt hat, die sür die Franzosen eine Enttäuschung bedeuten könnte.
Klar ist die realpolirische Bedeutung der Londoner Tischreden noch nicht. Es bleibt sogar noch zweifelhaft, ob der neue amerikanische Botschafter an der bevor- stehenden Verhandlung des Obersten Rates über Ober- fchlesiLn nur als Zuhörer, oder auch als MUfprecher und als Mitbestimmer sich beteiligen wird. Wir hören nur, daß der Vertreter Amerikas „herzliche Mitwirkung" verspricht bei den Bestrebungen, Frieden und Wohlstand in der ganzen Welt wiederhcrzustellen, allerdings mit der Klauftl, daß die fraglichen Wege nicht unvereinbar feien mit der „anerkannten Politik" Amerikas. Und von der anderen Seite hören wir, daß Lloyd George diese Mitwirkmmg Anterikas als einen ungeheuren wertvollen Fortschritt begrüßt, die Zusammenarbeit von England und Amerika als die allerwichtigste Dordedin- gung für die Wohlfahrt der Welt bezeich- tret und geradezu den Amerikanern zurust, sie müßten Europa aus den schlimmen Streitigkeiten herauehelfen.
Drr Bing der Nuramaja.
Roman von Käte van Beeke r.
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..Nur ich wußte nichts davon und war doch der Nächstbeteiligte", dachte Hans Heinrich und runzelte die Sttrn: dann lächelte er wieder. Natürlich, feine finge, klar blickende Mutter hatte ihm die Kindheit nicht mit quälenden Phantastereien bcfchweren wollen. Trotzdem steckte er nun mitten darin, zwar mit gereiftem Geist und ruhiger Ueberlegenbcit, aber im Empfinden merkwürdigerweise doch nickst ganz unbeeinflußt von dem, was fein Verstand belächelte und verwarf. Die Augen dort auf dem Bilde redeten eine so seltsam überzeugende Sprache.
Er wendete sich zu ihnen zurück. Aber die Sonne war jetzt hinter einen der vor dem Fenster wehenden Lindenzweige geschlupft und die Augen blickten aus dem Schatten heraus nun auch schattenhaft dunkel und leer. Lhr sprechender Zauber schien mit der Sonne ent. schwunden zu sein. Enttäuscht glitt der Blick des jungen Mannes nun über die verschleierte Unterpartie des Ge. sichte. Sie schimmerte nur sehr undeutlich durch den leichten Schleierstoff. Die Kunst des Malers hatte auch hier versagt, oder war es vielleicht fein Wille und seine Bestimmung gewesen, das Verhüllte nicht erkennen zu lasten? Nur der Mund leuchtete in seltsamer Frische unter dem dünnen Stoff hervor, feine schmale Sippen von einem so warmen Rot, als wenn sie atmeten und sich zum Kusse wölbten.
Und eben hatte trie Sonne zwischen den grünen Ginbenblätiern wieder einen Spalt entdeckt und glitt mit goldenem Gruß noch einmal über das Gesicht des jungen Weibes. Da war es, als trenn der rote, schmale Mtmd plötzlich lächelte, und in den Augen wachte wieder die heiße Sehnsucht, die süße Gewalt und Zärtlich- feit auf und glühte hernieder in das Herz des reglos Staunenden.
Nur eines Atemzuges Länge — bann krachte, vom frischen, neckischen Frühlingswind getrieben, der ausgestoßene Fensterladen polternd zu und das ganze runde Gemach lag plötzlich in tiefem, unheimlichem Dunkel. Zugleich zog es wie 'leises Seufzen und Stöhnen durch den Raum, und wenngleich Hans Heinrich sich mit kla-
Der Grundlon dieser Reden war gut, wenn auch die praktische Verwertung noch unklar bleibt. Sie zeugten nämlich von der Erkenntnis, daß das Heil der Wett in der Solidarität der Völker wurzelt, so daß dis Vernichtung des einen Volkes kein Vorteil für die anderen ist, sondern verderblich znrückwrrkt auf das ichermächtige Land. Das ist ter Gesichtspunkt „Leben und Leben lassen", auf den wir Im Interesse unseres gequälten Vaterlandes fett Jahren Hinweisen mußten. Die kulturelle und polttische Wohlfahrt hängt schldetzlich vom wirtschaftlichen Gedeihe« ab, und das wirtschaftliche Gedeihen eines Landes hängt von der Gefanttproduktion und dem Güteraustausch in der Welt ab. Darum sagt Lloyd George mit Recht, daß nicht bloß die europäischen Staaten unter sich auf einander angewiesen seien, sondern auch ebenso Amerika und Europa, sowie die anderen Erdteile.
Es zeigt sich da ein Aufschwung zu einer vernünftigen Weltpolitik auf wirtschaftlich-sozialer Grundlage, im schärfsten Gegensatz zu der französischen Säbel- und Vernichtungspolitik, die in dem Verderben des Nachbarvolkes ihr höchstes Ziel erblickt.
Es ist wohl zu begreifen, wenn die gefchäftstüchü- gen Amerikaner und Engländer di« wirtschaftliche Solidarität der Völker eher wieder erkennen, als die Fran- zofen, die in der Geographie irnd Rechenkunst von alters fyer schwach sind. Sic angelsächsischen Geschäftsleute wissen, welt^ Bedeutung für den Absatz ihrer Rohprodukte und die sonstige Emwick- lung des Weitmarktes ein kauffähiges und warenlie- femdes Deutschland hat. Wenn diese geschäftliche Erkenntnis über die Schlackenreste de» Weltkriege» die Oberhand erhält, so müssen folgerichtig sowohl Amerika wie England sich der Amputation von ObersOesten widersetzen, den« der Verlust dieses großen Ärdustrie» godiets würde Deutschland loisttmgsunfähig machen und die künftige polnische Wirtschaft in den Gruben und Hütten von Oberschlesien wird kein verständiger Kaufmann als einen brauchbaren Ersatz auf dem Weltmarkt betrachten.
Lloyd George Hot neulich mit überraschender Deut- iichkeit den Franzosen zu bedenken gegeben, daß unter Umständen an die Stelle der aßet Bündnisse auch neue BündniM treten könnten. Ob er damit die Möglichkeit im Auge hatte, daß sich England trotz aller Rivalitäten mit N o r d a me r i ka verständigen könnte, ist noch zweifelhaft. Wir müssen uns zunächst begnügen mit dem Eindruck, daß Lloyd George annimmt, die Nordamerikaner feien noch nicht an die fran- zöstsche Gewaltpolitik gekettet und könnte noch Mitwirken für eine Verständigung u. Beruhigung in Europa.
Die entschiedene Absage an den sogenamtten Völkerbund, die von dem amerikanischen Botschafter wie« verholt wurde, stört uns durchaus nicht. Der jetzige Völkerbund i t nur ein Werkzeug in tert Händen der Franzosen. Wenn Nordamerika ehrlich Mitwirken will an dem Wiederaufbau der Welt, so können wir den Wiedereintritt in den Hohen Rat der Sieger nur begrüßen, wül wir die Amerikaner zwar nicht für Ide- alisten hallen, aber ihnen doch mehr Vernunft zutrauen, wie dm Franzosen.
Der Oberste Rat tagt in Boutogue.
Nach einer Havasmeldung aus London hat die französische Regierung der ei^lischen bestä- tigt, daß sie das Datum der nächsten in ter- alliierten Zusammenkunft nicht vor Been- digung der Debatte über Oberschlesien in der Deputier- tenkamrner festfetzm könne. Die französische Regierung hat indessen, um dem Wunsche der englischen Regierung Rechnung zu tragen, zugestimmt, daß die nächste Zusammenkunft des Obersten Rates in Boutogne stattsinden soll.
Ans Oberschlesie«.
Das „Berk. Tagebk." berichstet über eine Reihe von empörenden Mißhandlungen Deut-
rem Verstände sagte, daß es der Wind fei, her, sich zwischen bett Wänden fangend, in diesen geisterhaften Tönen spräche, riesette ihm doch ein kalter Schauer über den Rucken und seine Stimme klang belegt, als er ausrief: „Stoßen Sie den Laden wieder auf, Jo. bannt Maa findet sich ja sonst in dieser Pechfinsternis nicht vor-, nicht rückwärts!"
Gleich darauf flammte Johanns Kerze auf und be- leuchtete besten blasses, verstörtes Gesicht. Der Alte schritt eilig, dle Flamme mit ber Hand schirmend, so baß sie nur ben knappesten Umkreis erhellte und kaum den Rahmen des Bildes streifte, an dem Baron vorüber, der Türe zu. „Aber, Johann, Sie sollen doch den Laden öffnen!" wollte dieser ihn aufhalten. „Ich kann nicht, Herr Baron", war die heisere Antwort. „Mir zittern die Hände. Herr Baron wollm verzeihen. Ich bin ein alter Mann, ich kann so etwas nicht durchsetzen. Herr Baron mögen mich gütigst freilassen."
Er zitterte wirklich an allen ©Hebern, bas Licht in seinen Händen schwankte und seine Augen bsickten ver- stört. Der arme Alte. Wie verderblich doch der Aber- glauben wirkte! Hans Heinrich fühlte ein wirkliches Mitleid, in dem alles andere, sogar feine Begier, das Bild noch einmal zu sehen, restlos unterging. ' Jetzt war bi« Hauptsache, den alten, erschreckten Mann zu beruhigen. Er legte seine Hand sanft auf die zusam- mrngesunkenen Schultern des Dieners und sagte freundlich: „Ruhe, Ruhe, Johann! Natürlich gehen wir zusammen. Ich habe gesehen, was ich sehen wollte. Es tut mir leid, daß ©ie_ sich so aufgeregt haben, aber es war wirklich nicht nötig."
Dabei hatten sie beide das Zimmer verkästen. Hin- ter ihnen flog dir Türe krachend ins Schloß. Johann uhr wie unter einem Schlage zusammen und strebte mit eilenden Schritten der zweiten Türe zu. Erst als diese von seinen noch immer bebenden Händen mit dem großen Schlüssel fest verschlosien war, atmete er auf, lehnte sich schwach gegen die Mauer de, Ganges und sah feinen jungen Herrn mit angstvoll fragenden Augen an.
„Glauben der Herr Baron nun, daß es Dinge gibt, die man nicht erklären kann, die aber doch vorhanden sind? Das war nicht der Wind, der den Laden zuschlug, j <£• rod) nach Blut, nach fündigem Mut. Nein, Herr 1
scher durch die polnischen Aufrührer, die sich unter den Augen der französischen Besotzungstruppen, ja sogar unter Mithilfe französischer Soldaten zugetragen haben. Auf dem Wege von Bogotschütz nach Kattowitz wurde der Gewerkschaftssekrelär Bomba von den Insurgenten verhaftet, auf einen Tisch geschnallt und auf furchtbare Weise geschlagen. Es gelang ihm später, gu entfliehen, er wurde aber von französischen Soldaten festgehalten und den Polen wieder ausgeliefert.
In Kattowitz haben französische Soldaten untätig zugeschen, wie aus einem von ihnen besetzten Hause zwei Personen von polnischen Aufrührern verschlepp wurden. Auf die Vorstellungen zweier deut- scher Gewerkschaftssekretäre über die ernste Lage in Kattowitz, hat General Lerond den Höchstkommandierenden der ftanzösischen Truppen in Oberschlesien, General ©rotier, nach Kattowitz zur Untersuchung der Lage entfanbt.
Protest gegen die Beibehaltung der Zollgrenze.
Einer Bläüermeldung aus K ö l n zufolge haben die im Wirtschaftsausschuß des besetzten Gebiets vereinig- len Handelskammern und wirtschaftlichen Verbände, die Ausschüße der Landwirtschaft und die der Handwerker eine Entschließung angenommen, in der die sofortige Aufhebung der Zolkinie am Rhein gefordert wird, da di« als Zwangsmaßregel gegen Deutschland zm Erzwingung der Pariser Forderungen gedachte Zollerhebung durch die Annahme des Ultimatums seitens DeutsOands nicht mehr aufrecht erhalten werden könne.
Der Ersah der zerstörten Zeppeline.
Auf Grund des Londoner Ultimatums hat die interalliierte Luftfahrtkontrollkommission dem Auswärtigen Amt unter dem 18. Mai 1921 eine Note zugehen lassen, die sich mit der Frage der Entschädigung für die im Sommer 1919 zerstörten sieben Marinelustschiffe befaßt. Es wird danach, entsprechend der von der Botschafterkonferenz bereits im vorigen Jahre getroffenen und in das Ultimatum aufgenommene Entjckeidung, die Auslieferung der beiden Zivilluftschiffe „Nordstern" und „Bodensee" verlangt, und zwar soll der „Nordstern" noch vor dem 20. Juni 1921 an Frankreich abgeliefert werden, während sich die Kontrollkommission wegen der Zeitpunktes der Uebergabe des Italien zugewiesenen .Bodensee" eine weitere Mitteilung Vorbehalten hat. Was die Ent- schädigung für die übrigen fünf Luftschiffe anlangt, so kann diese nach der Entscheidung der Botschafterkonferenz in Getd oder aber auch in Ersatz, bauten yeleistet werden. Das Nähere hierüber soll durch einen besonderen Vertrag geregelt werden, den die Kontrollkommiffion dem Auswärtigen Amte demnächst übermitteln wird.
Rußland und die europäischen Staaten.
Die letzten Wochen, die die Beschäftigung mit dem Reparationsproblem mifnötigten, haben wenig Neues aus Rußland zu uns bringen lassen. Lloyd George hat in feiner programmatischen Rede vom 13. Mai Frankreich daran erinnern zu muffen geglaubt, daß Rußland mit seinen 120 Millionen Einwohnern immer noch eine Gefahr bedeuten kann. England hat sich gleichzeitig gegenüber der Sowjetregierung auf einen sachlichen Standpunkt gestellt, unneue Handelsbeziehungen mit dem heutigen Rußland angeknüpst. Auch Italien hat auf derfelben Linie ziemlich weitgehende Schritte unternommen, ebenso skandinavische Länder.
Am 6. d. M. hat auch Deutschland eine Der- einbanrng mit den Sowjets getroffen, die den tatsäch-
Baron, das war nichts Natürliches! Das ist uns auch noch nie passiert, so ost und so lange ich mit der alten Gnädigen auch dort gewesen bin. Da war's immer bloß ein Bild, aber heute — Gott steh' mir bei, heute war's, als lebe die Heidin!" — „Wart Ihr denn schon jemals im Sonnenschein dort?" — „Nein, die Gnädige geht immer erst abends. Aber trotzdem — so unheimlich war's noch nie!" — „Aber, Johann, bar ist's ja eben, das Sonnenlicht schuf ben Schein bes Lebens." — „Stein, nein, Herr Baron, unsereins ist damit aufge. wachsen; das ist und war immer Spuk und Zauber."
Es war verlorene Liebesmühe, dem Alten vernünfttg erklären zu wollen, was er unter allen Verhältnissen unvernünftig ansah. Hans Heinrich schwieg und stol- perte hinter dem hastig Vorwärtsstrebenden her. Ohne daß er es sich selbst zugestand, schwebte auch über seinem Empfinden ein angreifbares und unbegreifliches Etwas, das ihm keife durch die Adern schauderte, seinen sonst so Haren Sinn verwirrte und ihn mit geisterhaften Fä- den umspann.
Cs verflog auch nicht vollkommen, als er schon in der alten, schweren Staatskarosse saß und die alten, fetten Gäule ihn langsam wieder fortzogen vom sagen- und fluchumwobenen Stammschloß seiner Ahnen, der kühlen, nüchternen Gegenwart und deren jedem Spuk und jeder verttäumten Poesie spottenden lärmenden Kinde, der Eisenbahn, entgegen.
Es war allerlei Beunruhigendes in ihm, auch daß er die Ahne, zu der nun doch ein Gefühl tiefer, innerer Zusammengehörigkeit erwacht war, nicht noch einmal wledergefehen hatte. Ihre Erzählungen wirkten leise in ihm nach. Er versuchte fteilich, sie nach wie vor zu belächeln, aber der Ring, der an seinem Finger saß, und das Bild, besten Augen einen so verwirrenben Eindruck auf ihn gemacht hatten, standen als greifbare Beweise hinter den märchenhaften Unfaßbarkeiten ihrer Mitteilungen und erweckten In ihm manchmal eine heimliche Unruhe und flüchtig auftretenbe Schwermut, gegen bte er zwar mit heftig aufwallendem Aerger und blank gezogener Vernunft kämpfte und die er bann auch besiegte, die aber doch einen zeitweiligen Schatten über kein Leben warf, den er früher nicht gekannt hatte.
(Fortsetzung folgt.)
sichen Verhältnissen Rechnung trägt und dem wirtschaftlichen Aufbau eine gewiße sichere Grundlage gibt. Amerika verhält sich offiziell zwar noch fern von Rußland, hat sich aber privatim bereits einen guten Platz gesichert. Neuerdings hat die rufsische Regierung eine ihrer westeuropäischen Missionen beauftragt, durch eine Schweizer Mittelsperson mit dem Bundesrat in unverbindliche Besprechungen zu treten über Zulassung einer russischen Handelsmission in der Schweiz. Solange diese Frage nicht in befriedigender Weise gelöst wird, werde die russische Regierung ihren westeuropäischen Hanbelsdelegationen keinerlei Vollmachten geben, größere Geschäfte mit den Schweizerischen Firmen abzuschließen.
Aus alledem ersieht man, daß die Sowjetregierung mehrundmehrvondenbolschewistifchen Theorien sich ab- und altbewährten Ge, pflogenheiten zuwendet.
Aus dem besetzten Gebiet.
• Kngft vor dem Deutschen Lied! Nach Meldung des „Lokal-Anzeigers" aus Düsseldorf ist das in der städtischen Turnhalle angesagte Konzert der Berliner Lehrer-GefangvereinS, der sich auf einer Rheinlandfahrt befindet, von der BefatzungSbebörde ohne Angabe von Gründen untersagt worden. — Nach einer späteren Meldung wurde das Konzert freigegeben, da das Konzert mit Politik nichts zu tun habe. Na afftet
Zum 75. Geburtstag des Rbg. Dr. Spahn.
Am 22. Mai begeht einer der bewährtesten und ort» gesehensten Führer des Zentrums, Staats» Minister Dr. jur h. c. Spohn, M. d. R., seinen 75. Geburtstag. An diesem seltenen Feste des greifen und doch noch so arbeitsfrohen und geistesfrischen parlamentarischen Kämpen nehmen die Mitglieder der Zen- trumspartei und die Katholiken Deutschlands wie auch der benachbarten und befreundeten Länder aufrichtige? Anteil.
Sie gedenken dabei dessen, was Exzellenz Spahn nunmehr vierzig Jahre in unablässigem Wirken und Schaffen für die religiösen, politischen und sozialen Ideen und Ideale unseres Volkes erstrebt und Meist« hat. Seit seinem Eintritt in das Zentrum fiir den ostpreußischen Wahlkreis Allenstein-Rössel im Oktober 1882 nahm er innerhalb feiner Partei, auch schon unter der Führung Wind 1 horsts, eine so angesehene und in vielen Fragen maßgebende Stellung: ein, daß seine Persönlichkeit seitdem mit der Geschichte der Partei unrnittetbar verknüpft ist und feine eigene. Lebensgeschicht« in vieler Hinsicht zugleich die der Partei ist.
Möge Exzellenz Spahn, das ist der Wunsch aller Anhänger des Zentrums zu seinem 75. Geburtstage, mit seinem klugen Rate und seiner langen und reichsn' Erfahrung der Partei noch manches Jahr erhalten bleiben. Sie bedarf feiner Mitrwrkung im Sinne ter alten Zentrumsideale noch mehr? als ehedem. Trat er doch jederzeit, besonders aber, wenn die Partei vor neue,, schwere Aufgaben gestellt war, mit Wort und Tat em für bie Einheitund Einigkeit de» Zentrums, und was er bei seinem 70. Geburtstage in seiner Antwort auf die zahlreichen Glückwünsche sagte, bas gilt auch heute, ja heute erst recht für die gesamte Partei: „Bleiben Sie, meine lieben Freunde, vor allem einig!"
Einigkeit in Kampf gegen die Trunksucht.
Abgeordnete aller Parteien haben folgende Anfrage im Reichstage eingebracht: „Die Zahl der Likörftuben, Dielen, Bars und ähnlicher Schankstätten, m denen namentlich hochprozentige alkoholische Getränke verabfolgt werden, wächst rapid. Der durch die Kriegsverhältnisse zurückgedrängte und fast verschwundene Alkoholismus greift neu um sich. Was Hai die Reichsregierung getan und was gedenkt sie zu tun, um dieser wachsenden Gefahr besonders auch durch scharfe Besteuerung dieser Schcmkstätten zu begegnen? Wann wird sie endlich das fest langem versprochene Gesetz zur Bekämpfung der Trunksucht vorlegen?
Für die Vereinigung von Vaden, Württemberg u. Hoheuzollerrr.
Wie die Badische Zentrumskorrespondenz mitteilt, beteiligten sich an der katholischen Pfingst- konferenz, die während der Pfingsttage in Ron« stanz abgehalten wurde, führende katholische Männer und Frauen auS Baden, Württemberg, Hohenzollern, Bayern, ans der Pfalz, aus Vorarlberg und der Schweiz. Der erste Tag war insbesondere reichs- deutschen und einzelstaatlichen Fragen gewidmet. Am zweiten Tag wurden allgemein katholische Fragen behandelt. DaS Referat über innerpolitische Frage« erstattete der württembergische Abg. Andree. Er befürwortete warm dieVereinigung von Baden, Württemberg und Hohenzollern.
Aus der katholische« Welt.
48. Verirekerversammlung des Verbandes der kakhol Sfubenfenoereine Deutschlands (fi. D.). Vergangene. Woche sand in München die 48 Vertreterversammlung statt. Fast sämtliche 70 Derbandsvereine hatten hiezu Vertreter gesandt- Am Dienstag begannen die Vorverhandlungen, die rein geschäfllichen Dingen gewidmet waren. Zum Leiter ter V. V. wurde cher Senior des vorbereitenden und festgebendcn Vereins Otto» nia, cand. jur. Peter Pfeiffer, gewählt. Am Mitt- woch fand vormittags %9 Uhr im Dom ein Pontiftkal- amt statt, das Se. Eminenz H. H. Kardinal Dr. von Faulhaber (A. H. der Normannia. Alemannia. Ka- rolingia) selbst zelebrierte unter Assistenz von Ange- hörigen des Verbandes Rach dem Eröffnungsgottes- bienftr begannen die Hauptverhanblimgen. Hier er» stattete zuerst ber Dorortsoorsitzende, Dipl.-Jng. Menke, ben Bericht tes Vororts. Dann wurde über Neuaufnahmen beraten; neue Vereine konnten ausgenommen werden Starfenburg (Darmstadt), Isaria (Freising), Lusatia (Dresden), Eheruscia (Braunschweig), ein Ve. weis für die Zugkraft und Lebenssäbi-ckett A. B.