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48. Zahrg

Zreitag, 20. Mai 1921

Nr. 114

ca

ist bereits ange-

DieGermania

vor kurzem ein

worden ist. Die im Anschluß an solche Entdeckungen

.Aber, Johann,

seit bald zweihundert Jahren/

1

Unsere Ledensmrttelversorgunfl.

NeichsemährunMMtwster Dr. Hermes stellte tn einer Besprechung mit Vertretern der Landwirtfchaft und der Christlichen Gewerkschaften in K ö l n fest, daß eine Verbesserung der Lebensmittelversorgung

im Verhältnis zum Vorjahre eingetreten und daß die BrotvcrsoiMng für das gegenwärtige Wirtschaftsjahr gesichert sei. Eine ErhöhungderMehlvreise hisse sich jedoch nicht vermeiden.

nötigen Lehrmittel nach Frankreich ordnet worden.

* Immer wieder Quertreiber.

schreibt:

Bezugspreis: Monatlich 3,00 Mk. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns abgeholt 3,15 Mk. Anzeigenpreis: Die Kleinzeile (Colonelmatz) 60 pfg u. IO0)» Zuschlag, die Reklamezeile (Tertbreite) 1.80 Mk., u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.

die, vom Sonnenlicht vergoldet, in voller Helle auf­glänzte.

Und da hing das BUd. Zärtlich glitten die Sonnen, strahlen über eine schlanke, in weite, weiße Gewänder gehüllte mittelgroße Frauengestalt, die halb sitzend, halb liegend auf einem purpurroten Lager ruhte Der Saum des von der Zeit mit Flecken und Rissen bedeckten Gewandes ließ einen der kleinen, in goldenen San­dalen steckenden Füße frei, die rechte Hand hielt eine gelbe Tulpe, die linke ruhte lässig im Schoße, und ihren Ringfinger umspannte derselbe breite, rubtngeschmückte Steif,1 den Hans Heinrich an seiner Hand trug. Mit lei. denfchaftltch gespanntem Interesse sah er zu dem Kopf der dunklen, fremben Frau auf.

Bon dem fielen unter einem weißen, dünnen Schleier schwarze, leicht gelockte Haare über Nacken und Schultern. Sie waren, wie das ganze Bild, ungeschickt und flüchtig gemalt. Es schien, als hätte der Künstler alles nebensächlich und ohne Interesse gemalt und fein ganzes Können, seine ganze Kunst oufgespart und ver­schwendet für die Wiedergabe des zart bräunlichen Frauengesichts, das diese dunklen, langen Haare um­rahmten. Und doch sah man von diesem nur wenig, denn der dünne, weiße Schleier, der sich um ihr Haar schlang, legte sich auch eng um die schmale, schön ge- wölbte Stirn, lieh nur die Augen frei und schmiegte sich dann verhüllend um den ganzen unteren Teil des Gesichts. In Wirklichkeit sah man nur die Augen, dunkle, in bläulichem Weiß schimmernde Sterne, die mit seltsam lebendigem, zwingendem Blick, halb traurig, halb lächelnd, zu dem Beschauer herniederfahen, Augen voll wundersam rätselhafter Tiefe, in denen eine leiden- schaftliche Frage, eine heiße Sehnsucht ruhte, die ge. fangen nahmen und nicht mehr losließen, die in die Seele drangen und diese an sich zogen mit süßer (Bemalt und Zärtlichkeit. 1

Hans Heinrich stand vor diese« Augen wie ein Welt, entrückter: ihm war, als flösie die heiße Sehnsucht, die aus ihnen sprach, in fein Herz hinüber, als rege sich darin dieselbe leidenschaftliche Frage, die in ihnen brannte, als durchrieselte ihn warm wonnig und doch mit leiiem (Brauen die süße Gewalt und Zärtlichkeit

11m Oberschlesten.

Bevorstehende Abberufung des Generals Lerond?

Wie derBerl. Lokalanz." aus Oppeln meldet, brin­gen dieOppelner Nachrichten" folgende Meldung: Es tritt immer stärker die Annahme auf, daß durch die letzten Vorgänge die Stellung Leronds un­haltbar ist und daß seine Abberufung bevorsteht.

Tas preußische Kabinett.

Wie dec Ministerpräsident Stegerwald einem Mitarbeiter des.Tageblattes' mitteilte, unternimmt er zur Neubildung der preußischen Regierung nicht eher Schritte, als bis die Reichsregierung vollständig gebildet ist. Es werde damit gerechnet, daß eine Neubildung der preußischen Regierung nicht vor Ende Mai erfolge.

Die Kriegsdeschuldigten-

Prozesse itt Leipzig.

Das Leipziger Reichsgericht wird nach einer Brüs­seler Meldung am 3. Juni 2deutscheOffiziere übzuurteilen haben, die während der Besetzung Belgiens Gewalttätigkeiten gegen Kinder in Grammont verübt haben sollen. Die Kinder standen bei den deutschen Be- Hörden in dem Verdacht, Telegraphenlinien ourchschnit- ten zu haben. 17 belgische Zeugen, darunter 3 Aerzte, werden sich nach Leipzig begeben, um vor dem Gericht ihre Aussagen zu machen. Ein deutscher Unteroffizier soll, wieHaoas" dazu meldet, flüchtig fein. ,

Deutsches Reich.

* Berlin, 20. Mai. Der deutsche Gesandte in Riga, Weber, bat einen Urlaub angetreten, von dem er nicht mehr auf seinen Posten zurückkebren wird. DieB. Z.' erfährt, daß Ministerialdirektor Dr. Beufch als Ministerialdirektor anstelle des auSgeschiedenen v. Stockharnmern für die Bearbei­tung der R?parationsfraae in Aussicht genommen ist.

* Preußische Verkehrvinleressen. Zur Wahrung der preußischen Verkehrsinteresien hat der Landtag einen 29gliedrigen Ausschuß eingesetzt, dessen Vorsitzender der frühere Eisenbahnminister O e s e r ist. Der Ausschuß wird in ständiger Verbindung mit dem Reichsoerkehrs- ministerium stehen und die Tarifpolitik zu überwachen haben.

* Ein unberechtigter Eingriff. Eine Sonderkom­mission der Interalliierten Rheinlanorommission Hal vor einigen Tagen die in der Darmstädte» Technischen Hochschule zu Lehrzwecken aufge­stellten und nur für Lehrzwecke zu verwendenden Modelle und Teile von Flugzeuomotoren, sowie Flugzeugzubehör beschlagnahmen lassen. Ter Ab­transport dieser für das Studium der Luftfahrt

Kaiser Karl stedelt nach Spanien über.

Exkönig Karl von Ungarn, der frühere Kaiser von Oesterreich, hat am 14. Mai dem Bundesrat in Bern di« Mitteilung zugehen lasten, daß er im Laufe des Monats August die Schweiz endgültig zu verlassen gedenke. Er hat damtt das Ersuchen ver­bunden, es möchte ihm bis zu diesem Zeitpunkt der weitere Aufenthalt in der Schweiz gestattet.werden. Der Bundesrat hat von dieser Eröffnung Kenntnis ge­nommen und dem gestellten Ersuchen entsprochen, nachdem der König den an diesen Aufenthalt geknüpf­ten Bedingungen zugestimmt hatte. Der König hat insbesondere im formeller Weife erklärt, daß fowohl er als auch die bet ihm weilenden Personen sich während des Ausenthalts in der Schweiz jeglicher politstcher Tä­tigkeit enthalten werden. Man nimmt an, daß Karl nach Spanien iLersiedeln wird.

Irgendwo in Westfalen hat sich

Häuflein Mißvergnügter zusammengefunden, um auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Wege eines Bundes bas Zentrum an Haupt unb ©Hebern zu reformieren. Auf bieferTagung" hat einer der geistigen Väter bieder Bewegung" gemeint:Das Zentrum kann keinen An- fpruch mehr barauf erheben, bie legitime Ver­tretung b er deutschen Katholiken zu sein. Auch in der Politik heißt es, zuerst katholisch sein." Wenn uns die Sache der Mühe wert wäre, würde uns der Nachweis nicht schwer fallen, daß im Laufe der fünfzigjährigen Geschichte der Zentrumspartei dieser einige Dutzenbmale der Anspruch, bielegitime Vertretung ber deutschen Katholiken zu fein", bestritten

bie in ihren Tiefen glühte.Ja, die Augen! Die Augen haben es jedem angetan, ber sie einmal sah", sagte neben ihm bie Stimme des alten Johann.Das sind sündige Hexenaugen, junger Herr, gefährliche Augen! Es tut nicht gut, sie so lange anzuschauon."

Hans Heinrich war beim Klang der Sttmme wie aus einem Traum erwacht: er hörte kaum, was Johann gesagt hatte, er sah ihn mit leerem, verständnislosem Blick an. Der alte Mann schüttelte den Kopf unb schlug heimlich ein Kreuz.Gott bewahre jeden in Gnaden", murmelte er, unb fuhr bann lauter fort:Hier auf diesem Fleck hat die Heidin ihr sündhaftes Blut oer- spritzt, unb hier muß sie umgehen unb Unheil bringen

glauben Sie boch nicht solchen Unsinn!" fuhr ber Baron auf, unb jetzt lächelte er.Umgehen unb Unheil bringen können bie Toten nicht, bas tun nur die Lebenden, unb roenn nicht anders, bann tun sie es damit, baß sie sol­chen Unsinn glauben."

Der Alte bekam einen o erschlossen en, feindseligen Ausdruck in fein faltiges Gesicht.Das ist fein Un­sinn, mit $ erlaub zu sagen, Herr Baron. Das sind Dinge, bie sich nicht wegleugnen lasten, wenn man sie auch nicht erklären kann. Jedes Kind im Dorfe weiß es." Durch Hans Heinrichs Kopf flogen allerlei Ge. bauten unb Fragen. Die vorherrfchenbe sprach er aus: Ist denn bas Grab noch zu finden, in dem bie Fremde ruht?"

Hm ja man sagt, es sei droben im Walde auf einem kleinen Hügel, man sagt, aber niemand weiß es", antwortete der Alte zögernd unb anscheinend widerwillig.Aber wollen ber Herr Baron jetzt nicht ben Rückweg antreten? Ich denke, ber Imbiß wirb fer­tig fein."

Hans Heinrich achtete nicht ber Mahnung.Unb jebes Kind im Dorfe kennt bie alte Sage, bie sich an ben Turm unb an bas Grab knüpft?" fragte er weiter.

Hm ja das wandert von Geschlecht zu Ge­schlecht. Wir sind hier viel Alteingesessene, ba erzählt es ber Vater dem Sohne."

4§or*v-hunp folnD

Ein Erlaß des Fürstbischofs Bertram.

Fürstbischof Kardinal Bertram von Breslau hat für das besetzte oberschlesische Diözesangebiet einen Erlaß veröffentlicht, indem er die Geistlichen auffordert, beruhigend auf die Bevölkerung ein­zuwirken und besonders auf das Verbreche­rische der Angriffe auf Leben und Habe der Mit­menschen mit allem Freimut und Nachdruck hinzu- weisen. Der Kardinal wiederholt seine Ermah­nungen zu gleicher Gerechtigkeit, gleicher Rücksicht unb gleicher Liebe gegen dir Parochianen beider Sprachen und Richtungen. Ferner weist er darauf hin, daß sich die Geistlichen jedwedem Politisieren in der Kirche und in der Seelsorge enthalten und in der Ausübung politischer Rechte ein würdiges Maß einhalien sollen.

Ein Aufruf der Heimattreuen.

Die Vereinigten Verbände heimat- treuer Oberschlesier erlaßen einen Aufruf an das deutsche Volk, der in wirksamen Worten darauf hinweift, daß Oberschlesien ein untrennbares Stück Deutschlands sei und um Hilfe in höchster Not bittet. Zum Schluß heißt es:

Die Ihr Oberschlesien mitfchützen wollt, laßt Euch alle in die Liste unserer Ortsgruppen eintragen, setzt Euch nur cuf Abruf hin in Marsch, damit un- bedingt die Ordnung gewahrtbleibt.

Ihr anderen alle beteiligt Euch an dem großen Lie- beswerke für Oderschiefien, fpenbet Lebensmittel für die Notleidenden an mtfere Ortsgruppen! Gebt Geld auf das KontoOberfchlesierhüfe der Vereinigten Ver­bände heimattreuer Oberschlesier" bei der Bank für Han­del und Industrie, Breslau, Ring 30."

Es ist besonders darauf hinzuweisen, daß auch die­ser Aufruf die Notwendigkeit betont, daß unbedingt die Ordnung gewahrt bleibe, und daß deshalb auch davor gewarnt wird, die Fahrt nach Oberfchlesien auf eigene Faust cmzutreten. Das deutsche Volk muß in der Tat gerade jetzt seine Treue zu Oberschlesien durch Wahrung strengster Disziplin be­kunden, um die Isolierung, in die stch Polen durch sei­nen Friedensbruch versetzt hat, zu vollenden.

Regimentsappell.

Fahnen, Fahnen überall! Von Häusern und Balkonen, von Türmen unb aus Dcuhferrsterchen wollt unb weht es herab, bläht unb flattert es leuchtend in den alten Rcichs- farben schwarz-weiß-rvt. Unb darüber wölbt sich strahlend blauer MMngshimmel, spannt feinen hohen Bogen über (Bartengrün, weißen Säulenhallen, mastigen Kasiainien- bäirmen, bie ihre Frühlingskerzen brennen lassen, weiß imb rot, Maut über murmelnden Heilbnnrnen, über Dächer- gützem der kleinen, vornehmen Stabt Homburg, in die heute Leben unb festlich froh« Bewegung einzogen. Das ehemalige Füsilierregiment von Gersborfs (Kurhessisches) 3tr. 8 0 rief zum Appell, hat zum ersten Male seine (Betreuen wieder versammelt, seit ihm ber (Bcaxtftfriebe von Versailles die Waffe aus der Hand geschlagen hat.

Eine Zaiwerwirkung muß in bem Rufe gelegen haben. Von allen Seiten strömen die ehemaligen Achtziger in bie frühere Gamisonstadt ihres 3. Bataillons zusammen. Von weit her, aus ber Reichshauptstabt, aus dem fernen Ost­preußen, aus Kurhessens Fluren, aus bem besetz­ten Nassauer Lande waren die alten Kameraden gekommen, um bas einst geschloffene Band treuer Waffenbrüderschaft, das sie für vier lange Kriegsiahre zusammenschmiedete, zu erneuern. Unter klingendem Spiel ziehen die Scharen, bie dank bem Entgegenkommen der Estenbahn durch Extrazuge befördert worden waren, heran, um sich aus dem Kasernen­hose zu Mchier, erfrebenber Gedenkfeier zu vereinigen. Rasch formieren sich die Bataillone, freudig und bewegt be­grüßen sich da bie alten Waffengefährten, Führer wie Mann; ein weiter Ring von Bürgern und Frauen umzieht bie im offenen Viereck ausgestellten Kämpfer, nm der ein­drucksvollen Rede des einstigen Garnisongeisttichen zu lau­schen, welche den oitlen, vielen Gefallenen galt, bie jetzt m fremder Erde ruhen, in Belgien, an ber Maas, vor Verdun, an der Aisne, in Rußland, in ber Somme- Oede, an der Schelde.....Mag bie kostbare Saat,

die nrit mit unseren Toten in fremder Erde bargen, nicht umsonst gesät fei«, sie muß und wirb einst köstliche Frucht Irapyr" flcn/> die tiefempfundene au» stimmt

Erzberger über die politische Lage.

In mehreren ungemein zahlreich besuchten Zen­trum Sversammlungen deS badischen Ober­landes machte während der Pfingsttage Reichs­minister a. D. Erzberger beachtenswerte Ausführungen über die politische Lage.

Als Grundlage jeder deutschen Politik forderte er die loyale Ausführung des Versailler Friedensvertrages, eine Politik, die unter keinen Umständen für unser Volk eine Verschlechterung gegenüber dem Friedensvertrag bringt, und die Aus­nutzung jeder Gelegenheit, um die absolut notwen­digen Erleichterungen herbeizufähren. Diese drei Grundlinien rnüffen für Jahre lang unveräußerlicher Bestandteil der akuven deutschen Außen- und Innen­politik bleiben. Denn daS Ziel der deutschen Politik muß sein: kein zollbreit deutschen Landes darf mehr verloren gehen; keine Ausdehnung der Besetzung deutschen Gebietes ober eine Verlänge­rung der bestehenden Besetzung darf eintreten; wirt­schaftliche Zwangsmaßnahmen find mit allen Kräften zu verhindern. Dieses dreifache Ziel kann aber nur erreicht werden, wenn die Einheit des Reiches als höchstes nationales Gut und als Preis für Unterzeichnung des Friedens von Versailles aufrecht erhalten bleibt.

Diese Grundlinien und dieses Ziel müssen in allen Situationen unverrückbar festgehalten werden; bann ist Deutschlanb nicht verloren, auch wenn ihm schwerste Zeiten bevorstehen.

Nachdem Erzberger die Politik der letzten Monate scharf kritisiert, befaßte er sich mit den Aufgaben der neuen Regierung; die neugebildete Regie- rung möchte ich als das Kabinett ber loyalen Ausführung deS Versailler Vertrages und der neuübernommenen Verpflichtungen bezeichnen. Das neue Kabinett muß den Kampf aufnehmen gegen alle Saboteure des FriedenLVertrages. Es gibt solche auch in amtlichen Stellen in Berlin. Es muß weiter den rücksichtslosen Kampf aufnehmen gegen alle Reichszertrümmerer, gegen die offenkundigen wie gegen die versteckten. Auf ber Basis der natio­nalen Einheit muß die notwendige Sammlung voll­zogen werden. Das neue Kabinett muß aktive Politik treiben. Der Zeitpunkt ist gekommen, wo wir die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund herbeiführen möchten.

Bezüglich der Reparationsleistungen führte Redner u. a. aus:Solange die Weltmarktpreise ben heutigen Stand hallen, d. h. die Goldmark nur bie Hälfte oes Wertes von 1913 darstellt, sind tetr in der Sage, die zwei Milliarden Annuitäten aufzu­bringen. Daneben aber rnüffen wir 26 Proz. unterer Ausfuhr in die gesamte Welt als weitere Opferquote leisten. Deutschland muß bie deutschen Lieferanten entschädigen. Diese Frage kann nicht geregelt werden ohne eine großzügig durchgeführte organisierte Wirt­schaft. Wir brauchen große Arbeitsgemein­schaften für die einzeln en Branchen, freie Selbstverwaltungskörper, welche die Regelung dieser Ausfuhrobgabe unb die Aufbringung der Steuern in die Hand nehmen.*

Aus dem besetzten Gebiet.

* Reue Musterungen durch die Franzosen. Auf An. ordnung der interalliierten Kommission findet am 6. unb 7. Juni für bie französische Rheinarmee eine aber­malige Prüfung der Pferbe unb Maulesel, ber bespannten ober unbespannten Wagen, ber Ver­gnügungswagen mit Bespannung, ber Kraftwagen, Motorräber unb Fahrräder in den Gemeinden des be­setzten Gebietes statt.'

* (Eine verhängnisvolle Ohrfeige. Vom 5. Kriegs­gericht ber französischen Rheinarmee würbe ber Fabrik­arbeiter Emil Schäfer aus Pirmasens in Abwesenheit zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, weil er einem ber Interalliierten Rheinlanbkommiffion znge- teilten Dolmetscher eine Ohrfeige versetzte, an bereu Folgen ber Geschlagene ftarb.

Die katholische Volkspartei Italiens an das deutsche Zentrum.

Sus Rom wirb gemeldet, daß der Sekretär der italienischen katholischen VolkSpartei, der Populeri, die mit 107 Sitz« gegen 100 im alten Parlament au8 der jetzigen italienischen Wahl hervor­gegangen ist, dem Reichskanzler Dr. W i r t h die Grüße der 'pariei und Wünsche für den Erfolg der neuen Regierung übermittelte. Gleichzeitig hat er ihn der Solidarität mit dem sozialen Programm versichert, das die ruhmreiche deutsche Zentrums­partei in der schwierigen Zeit des moralischen und wirtschaftlichen Wiederaufbaues Europas sich gesetzt hat.

Verantwortlich für ben cedattionelle» Seil: Dr. Kramer, für bie Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. - Rotationsdruck n. Verlag bei Fuldaer Slctknbratfaxi in Fulda, tremfptediet Nr. 9. Teiegt.-Abreffe: Fuldaer Zeitung.

WIM M MIM.

Trotzdem die Parffer Preffe am Donnerstag noch von einer Klärung derMißverständnisse" zu berich. tat wußte, scheint die Verstimmung und Msmunqsver- schiedenhett zwischen England und Frankreich eine wei­tere Verschärfung erfahren zu haben.

Lloyd George hat den englischen Botschafter in Paris angewiesen, bie Haltung Frankreichs für den Kill zu erkunden, daß organisierte deutscheTrup- penabteilu'ngen in das oberschlesische mNbst immungsgebiet einrücken würden. Nach g^ner werteren Meldung Hai die britische Regierung (jfrne Note an Brian- gerichtet, in der von einer Aus- r N-dbung der im März beschlossenen Sanktionen ar®e Rede ist und zwar dergestalt, daß die damals be­setzten Häfen von Düsseldorf, Duisburg und Ruhrorl geräumt und daß die Zollinie am Rhein aufgehoben werden soll.

Demgegenüber nimmt die französische Preffe eine äußerst ablehnende Haltung ein. Da man sich in Paris darüber klar geworden ist. daß Lloyd George in der obevschlesischen Frage an seiner einmal gefaßten Mei­nung festzuhalten gewillt ist, hat man eine Hetze gegen den englischen Premierminister begonnen. Einzelne französische Presseorgane suchen ehren Keil zwischen Lloyd George und das englische Volk zu treiben, wobei die Absicht, Lloyd George zu stürzen, unverkennbar ist.

Wir tun gut, diesem gewiß nicht ganz unwichtigen Zwist nicht allzuviel Bedeutung beizumeffen. Die Er­fahrungen haben uns gezeigt, daß man solches Frage- und Antwortspiel, auch wenn es ht gereizter Form statt- findet, nicht immer zu unseren (Sanften deuten darf. Sollte es nicht zu einer baldigen Versöhnung zwischen Lloyd George u. Briand kommen, so ist, wenn ber Bruch der Entente in Frage kommt, mit dem Rücktritt einer der beiden Ministerpräsidenten, wahrscheinlich Driands, zu rechnen.

Deutschlands Reparattonsleistungen.

L8ie das ,Berl. Tagebl/ erfährt, hat im Wieder- ausbauminlsterium unter Teilnahme von Vertretern deS Auswärtigen Amtes sowie aller intereffierten Berufsverbände eine Besprechung über die Lieferung von Holzhäusern für die zer­störten Gebiete in Nordfrankreich stattge- funden. Im Laufe ber nächsten Woche wird sich et« Vertreter deS WiederaufbaiiministeriumS nach Paris begebe», um mit dem französischen Wieder» ausbauminifter Loucheur direkt izu verhandeln über bie in Frage kommenden Typen der Häuser. Nach Abschluß bie er Besprechungen wirb dann sofort mit der Lieferung begonnen werden.

In einer Sitzung bet Fachreferenten über die Reparationsfrage wurden auch die bamft zu­sammenhängenden Steurrfragen angeschnitten. Da bet bisherige Steuertrag nur das innere Budget deS Reiches deckt, muß für die übernommenen Reparations- Verpflichtungen nach Deckung durch neue Steuern gesucht werden.

Bayern und die EnttvaffnungSsrage.

Dem ,Detl. Tagebl.' zufolge begibl sich Reichs­kommissar für die Entwafs nungDr. Peters in den nächsten Tagen nach München, zwecks Rücksprache mit der bayerischen Negierung in der Entwaffnungsfrage.

Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladk Fulda.

Der Hing der Nuranwja.

Roman von Käte van Beeker.

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Verzeihung! Ich hätte das früher tun sollen. Wer ben Weg zum ersten Male geht, finbet sich schlecht zu­recht, jawohl. Ich habe bie (Bnäbige so oft hinführen müssen, baß wir kaum ein Licht mehr brauchten: wir kennen jebes Loch unb jeden Stein."Die Ahne besuchte ben Turm so oft? Immer ober erst seit kur­zem?"Wohl immer, aber seit kurzem täglich." Warum denn? Was wollte sie benn bort?"Ich weiß nicht: td) glaube, bas Bild ansehen." Ah, richttg, bas Bild! Das war wohl wert, angesehen zu werben, bas hatte ihn wohl unwillkürlich auch dorthin gezogen.

Da endet« ber Gang vor einer schweren, eisenbe. schlagenen Tür. Johann stieß einen Schlüffe! ins Schloß, drehte ihn unb langsam, aber glatt, öffnete sich bie Türe. Sie führte auf einen kleinen, dumpfigen Vor­raum, durch dessen offene Luken bas Tageslicht schien. Unb nun öffnete Johann eine kleinere, unverschlossene Türe und das Licht feiner Kerze fiel in ein rundes, gewölbtes Gemach, dessen Weite unb Höhe bie dünne, unruhig flackernde Kerze kaum im Anfänge erhellen konnte.

Zögernd blieb Hans Heinrich auf der Schwelle stehen. Irgend etwas von außen ober aus feinem Inneren Kommendes verschlug ihm den Aiem, «s kroch kalt unb unheimlich an ihn heran, es rieselte an ihm hernieder, es umschlang ihn, es würgte ihn in ber Kehle wie Grauen unb Schrecken. Gewaltsam mußt« er sich zu. sammenraffen unb alle seine Vernunft aufbieten, um sich nicht umzubrehen unb sortzulaufen. Indem stieß der ooranschreitenbe Johann einen Fensterladen auf; bas schwache Kerzenlicht erlosch im hereinströmenden Luftzug, aber statt seiner flutete ein Meer von Sonnen­licht unb Frühlingsduft in bas dunkle, unheimliche Rund. Der Druck von Hans Heinrichs Brust fiel ab. Hcchaufatmenb trat er näher, zwei Schritte vor, und »u von einer geheimen, zwingenden Mach! gelenkt, drehte er den Sapf noch ber Wcyrd zu teiltet Linken,