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Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Aulda.

Nr. 112.

Leromwortlich für btn ceOaulonellen Teil: Dr. Kramer, 2 für bk Anzeigen: I. Parzellor-Fulda. z Rotationsdruck u. Berly der gulbaer Acttenbruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung.

Mittwoch, lS. Mai |92L

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48. Zahrg

Vliii SiilWl« MW MS.

Polnischer Rückzug in Obrrschleflen.

Der polnische Exekutio-Aus schuß, an dessen Spitze Korfaräy steht, hat an die interalliierte Kommission in Oppeln ein Telegramm folgenden Inhalts gerichtet: „Obcrschlesien bat sich 12 Tage im Ausstand befunden. Das poht Volk hat nie­mals Anspruch erhoben durch Gewalt zu triumphieren, aber cs hat sein Leben für seine heiligen Rechte hinge­geben. Der Ausschuß gibt zu, daß in der Leidenschaft des. Aufstandes die Grenzeir der Klugheit überschritten worden find; aber unsere begeisterten Streitkräfte sind nunmehr bereit, den Rückzug anzutreten, groß genug, um zuzusicherit, daß dir Feindselig­keiten mit den Deutschen sofort auf- hören. Aorausgcsetzt wird, daß dos G'blet, da- die Polen räumen, von interalliierten Truppen und nicht von demschen Truppen besetzt wird. Wir würden keinen Zoll Boden an die Dcm- schcn übrrlaffen. Bei der Urberlüssung an die alliierten Truppen aber haben wir dir Gewißheit, daß die pol­nische Bevölkerung nicht unter Vergeltungsmaßregelii <tj leiden haben wird, wie sie bereits vorgekommen sind."

Korfamy macht in diesem großspurigen Erlaß wertvolle Zugeständnisse. Er räumt zunächst ein, daß er zwölf Tage lang in Oberschlesien „feinen Krieg' grsiihrt Hot. Wenn er dabei auch nur von einem „Auf­stande" spricht, so betont er doch damit, daß ein unver» grih'.icher Pcrsloß gegen Ruhe und Ordnung stattge­funden Hot. Korfanty gehl aber noch weiter; er be­kennt sich cu(ij dazu, daß fein Raubzugs-Ausschuß „bie Grenzen der Klugheit überschrit­ten" habe. 6. h. auf gut deutsch: daß er sich rückhaltlos über die Bestimmungen des Versailler Vertrags und über die A-ordimngen der Interalliierten Kommission hinwegzesetzt hat. Wenn sich Korfanty jetzt dazu enl- fchlcfsen hat, das eroberte Gebiet zugunsten der Alliler- iien zu räumen, so beginnt er damit endlich wieder sich <vuf die Bestimmungen des Versailler Vertrags zu be­sinnen. Denn so lange über die zukünftige Zugehörig­keit Oberschlestrns nichts entschieden ist, hat ja die 5n« terallücrte Kommission die Pflicht überracmereii, durch ümtsprcchende Besetzung für Ruhe und Ordnung zu sorgen

Die Erklärung des polnischen Exekutio-Mrsjchusses kommt überroschend. Sie ist zweifellos nicht aus freien Stücken abgegeben worden, sondern unter der starken Einwirkung von außen, für welche die Rede von Lloyd George das äußere Symptom war tmd zum Teil vteileicht auch infolge der zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die sich für die Auf­ständischen in Bezug auf die Ernährung und die Lohn­zahlungen ergeben hatten. Man weiß, nicht, was alles hinter den Kulissen vor sich gegangen ist, wieweit die englisch französischen Aus-einondersetzunHM gediehen sind; ober sicherlich hat der durch die englische Rote ausg:üdte Truck die Hauptwirkung ausgeiibt, imd die Polen bieten nun ein Nachgeben an, um. damit schär­feren Zwangsmaßnahmen und der Gestattung der deutschen Aba-ehr vorzubeugen.

Alle bisherigen Erfahrungen nötigen dazu, auch die jetzigen Erklärung des Exekutiv-Ausschuffes mit aller Vorsicht aufzunehmen. Sie ist kein« glatte Unter- werstmg, sondern nur eine teilweise Gcbietsräumung Dos ist fein Abblasen des Aufruhrs, fein völliger Ver­zicht auf die Gewalt, sondern nur die Einschränkung auf ein kleineres Gebiet, gewissermaßen das Angebot einer engeren Demarkationslinie, ohne daß auch nur gejagt wird, welches Gebiet überhaupt geräumt werden ivll. Daß die inlrraHiterten Truppen bas geräumte Gebiet besitzen mch nicht deutsche Truppen, ist eine Selbstver­ständlichkeit, und von deutscher Seite ist auch mch:s anderes verlangt worden. Aber man muß nun auch fordern, daß die interalliierten Truppen ganz anders als bisher für die Erhaltung d?r Sicherbe't und Ordnung sorgen, wozu eine wesentlich andere Zusammensetzung notwendig sein wird, und ran muß zweitens fordern, daß strenge uu- pürtciifdie Gerechtigkeit geübt wird. Schließlich er« ijebt sich di: Frage wie wird nun d ie Lösung des oberschlestschrn Problems vorgmwmmen werden? Es ist Zeit, daß der Ungewißheit endlich ein Ende bereitet und damit für eine wirkliche Be­ruhigung gesorgt wird.

Die Lage in Lbcrschlcsien.

Die Lage ist im wesentlichen unverändert. In Kattowitz wurden von Insurgenten auf dem von Franzosen besetzten Bahnhof 14 Lokomotiven pestohlen. Kleinere Zusammenstöße werden aus Ratibor gemeldet. Im Kreise Koset konzentrieren sich die polnischen Aufrührer in der Gegend von Loichirrtz-Annaberg. lieber den Rückzug der Auf» rubrer liegen bisher keine Meldungen vor. In deutschen Kreisen betrachtet man da» Korfanty» Telegramm cfs einen Schachzug.

6in Ausruf.an die Insurgenten.

Wie die „Dossische Zeitung" meldet, hat Korsarnn gleichzeitig mit der Absendung des Telegramms an die interalliierte Kommission einen Aufruf a u die Insurgenten gerichtet, in dem 'n die selbständige Demobilisierung der Mannschaften mit der Aufforde­rung sanktioniert, daß alle die, die nicht erforderlich seien, möglichst bald zur Arbeit zurückkehren sollten. Zur Wiederherstellung des Wirtschaftslebens sei es notwerrdig, daß man die Beamten wieder in ihre Funktionen einsetze. Wenn noch einige, lo wird in dem Aufruf gesagt, unter ihnen der persönlichen Freiheit beraubt sind, so sollen sie unverzüglich in Frei­heit gesetzt werden. Ein Tagesbefehl des .obersten Feldherr» der Aufständischen", Doliwa, befiehlt die strikte Befolgung des Aufrufs. .

Gegen jede Teilung Oberschlesiens.

Gestern fanden in Berlin drei großeKund» gedungen statt, bei denen von bekommen Paria- mentariern gegen den Versuch einer Teilung Ober­schlesiens protestiert wurde. In einer Entschließung wird gefordert, daß die Entente für hie Sicherheit

in Oberschlesien sorgen solle. Nur wenn Ober» schlesien bei Deutschland verbleibe, könne es an der europäischen Aufbauarbeit teilnehmen.

Zurück zu Pflug und Amdotz!

Der Reichskanzler Tr. Wirth äußerte sich in einer Unterredung mit dem Chefredakteur des Berliner ZkntrumsblatteS .Germania", Dr. Hommerich, über die Ausführung bet von uni angenommenen Lon­doner Beschlüsse u. a. wie folgt:

„Also wir- haben Ja gesagt. ES war «in au frich- tiger. ehrliches Ja. Wir knüpfen daran keine Bedingung im Sinn« von formalen Konstruktionen, die die Aufrichtigkeit de» Ja einschränken könnte». Ich spreche also nicht von Bedingungen. Ich werde auch, was in meinen Kräften steht, dahin wirken, daß Ent- waffnung und Leistungen an Sachgütern wie anGeld alsbald getätigt werden, und hoffe, das; bereits in der nächsten Woche Weisungen ergehen können, he den Alliierten zeigen, daß wir nicht mit Worten spielen, sondern daß wir zu Taten, was in unseren Kräften steht, bereit sind. Unser Ja hat, so glaube ich, zu einer großen Entspannung der internationalen Lage geführt. Ich hoffe, daß baldige Leistungen auch auf dem Gebiet der Entwaffnung diese Spannung vollenden werden. So Gott will, wirb man bald sagen können in der Welt: Legt die Flinte weg und kehrt zum Pflug und zum Amboß zurück."

Weiter betonte der Reichikanzler in dem Gespräch, auf Oderschlesien übergehend, daß sich das deutsche Volk niemals den Diktaten der polnischen Insurgenten beugen werde. „Wir verlangen unter allen Umständen", fuhr er fort, »daß bezüglich der oberschlesischen Frage mit Deutschland ein faires Spiel getrieben wird."

Hine neue Entwaffnrrrrgönote.

General Rollet als Vorsitzender der Interalliier­ten Militärkommission hot unter dem 12. Mai dem Direktor der Friedensabtcilung des Auswärtigen Am­tes eine Note zugehen lassen, in der die Ausfiihruirgs- bestimmmigen zu der Not- vom 5. Mai. soweit sie die Entwaffnung betreffen, enthalten sind. Sei den Bestimmungen dieser Entwafftmngsnote handest er sich größtenteils um Dinge, die schon durch früheren Notenwechsel bekannt und geregelt sind. Manche der neuen Forderungen fitd) bereits durchgeführt worden. Nachdem mir »ns dem Ultimatum! nun einmal gefügt haben, bleibt uns, auch noch der Auffassung der Reichs­regierung, mchts anderes übrig, al, uns auch den Ausführung-:destimmuiigen zu unterwerfen, in fcv.rcn übrigens nichts gefordert wird, was nach Lage der Dinge sachlich unmöglich wäre, wenngleich bereits frü­here deutsche Einwände niemals berücksichtigt worden find Was General Rollet fordert, beruht teilweise auch auf Mißverständnissen und auf Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse in Deutschland und cs bedarf zur Erfüllung dieser Forderungen teilweise nur for­maler Bestimmungen. Die Ablieferung des Kriegs­materials, die in der Note gefordert wird, ist zum großen Teil bereits erfolgt. Dagegen ist die Verab­schiedung des Gesetzes über die Selbstschutzor» ganisationen eilig, da diese Bestimmungen h i s zum 19. Juni durchgeführt fein müssen. Das Ge­setz liegt dem Reichstag, der Ende Mai wieder zufam- mentritt, bereits vor.

Eine besondere Not« regelt di« Ablieferung des Luftfahrtmaterials. 2n dieser Hinsicht ist zu befürchten, daß bk deutsche Luftfahrtindustrie schwere Schädigungen erleidet und daß uns vielleicht auch die rem ziviteN Luftschiffe, wiB „Nordstern" und „Bodensee", verloren gehen können. Es wäre sehr zu wünschen, daß der Rest von verborgen gehaltenem Flugzeugmvteriai endlich abgeliefert wird, weil die deutsche Lustfahrirkdustete nicht eher wieder die Arbeit aufnehmen kann und durch jede Verzögerung schwere Schädigungen entstehen.

Dke Zahlung der Goldmilliardr.

In Ziffer 5 des Ultimatums hat sich die deutsche Regierang verpflichtet, innerhalb von 25 Tagen eine Mil liarbe Goldmark in Gold oder an­erkannten Devisen, ober in deutschen Schatzanwei­sungen mit dreimonatiger Laufzeit zu bezahlen. In Ausführung dieser Verpflichtung hat die deutsche Regiermkg — entsprechend ihrem Vorschlag in dem BermittlungSänirage an die amerikanische Regie­rung — bet Reparationskommissiou zunächst eine sofortige Zahlung von 150 Millionen Goldmark fast ® in ausländischen Devisen angeboten. So« die Reparationskommission die Empfangsstelle benannt hm, werden die 150 Millionen Goldmark überwiesen werden. Vor Ablauf der 25tägigen Frist, also Ende Mai, wird der ReparationSkommnsion rme weitere Zahlung in bar, der Rest in deutschen Schatzanweisungen geleistet werden. Wie wir hören, sind Dispositionell getroffen, welche die Einlösung dieser Schatzanweisungen innerhalb deS vorgeschriebenen Zeitraumes sicherstellen.

«hrlstliche Sozialpolitik.

„ „ = *"« llnerkemnm. Mit Berufsbranhbefttn als Betriebs,nfäl«. Zu dieser für die Arbeiterschaft und für ihre Famrlien hochbedeutsamen Frage forderte die 9. Generalversammlung de« Christlichen M etallarbeiterverbandeS imAuguitv.J. erneut, daß „he Berufskran kbeften der gesundheitschädlichsten Berufe, der Eisen-, Metall« auch chemischen Industrie alS Betriebsunfälle behandelt und entsprechend ihrer Wirkung nach den üblichen Leistungen der Unsallder- icherung entschädigt werden." Im Anschluß daran forderte der 10. Kongreß der christlichen Ge­werkschaften im November de« Vorjahre« allgemein, „daß die Berufskrankheiten, sofern die Entstehung de» Leiden« durch Betriebsarbeit hervorgerufen ist, baldigst der Unfallversicherung unterstellt werden." Zu diesen Anträgen der christlichen Arbeiterschaft teilt nunmehr dar ReichSarbertsministerium nachdem neuesten .Zentralblatt der christlichen Gewerkschaften" mit, daß die Vorbereitungen für eine Ausdehnung der Unfallversicherung auf gewerbliche

BcrufSkrankheiten im Gange wären. Dieser Schritt des RcichSministeriumS ist zu begrüßen und ist zu hoffen, daß diese gewiß schwierige, aber auch sehr wichtige und berechtigte Frage, möglichst bald zu einem guten Abschluß kommt.

Eine wichtige Entschließung

in der Schulsrage.

Der Landesausschuß Preußen der Ka­tholischen Schulorganisation Deutschlands hat auf der Tagung am 30. April, 1. und 2. Mai 1921 in Hildes- Heim folgende Entschließung gefaßt:

a) Allgemeines.

1. Wir betauten uns zu den seit langem erprobten katholischen Schick idealen. Wir machen die Forderungen bet Hochw. Herren Bischöfe, di« diese am 20. November 1920 der Regierung übermittelt haben, zu unserer eigenen, von Regierung und Volksvertretung erwarten wir eine voll- ständige Berücksichtigung unserer Grundsätze. •

2. Wir sprechen den kath. Abgeordneten, die namentlich bei Beratung der neuen deutschen Reichsoer- fasfrmg zur Erhalt:mg der Konfessionsschule beigetragen haben, nicht minder der kath. Lehrerschaf t, bte in ihrer weitaus überwiegenden Mehrheit auf dem Boden der Konfessionsschule stehl, wie auch dem Bokksveretn für das kath. Deutschland, der seit 30 Iahten m Wort und Schrift für die katholische Schute eingetreten ist, den Dank aus. Freudig erkennen mit an, daß auch die kath. Presse sich große Verdienst« um die Er- Haltung der katholischen Schute erworben hat.

3. An die kreolischen Eltern, an die katholischen Leh­rer und an die Geistlichen, sowie an sonstige Freunde der Schule richten rotr den Ruf, allüberall Ortsausschüsse der kath. Schulorganisation zu bilden und in der Zett, in der das deutsche Volk so tief dorntederttegt, durch die Erhaltung und Förderung der christlichen Schirle und Erziehung zum Wiederaufstieg Deutschlands beizu- trogen. (Das neue Statut gibt nähere Anweisung. EvL Anfragen sind an die Vorsitzenden der Diözesanausfchüfse, oder an bte Zentrale in Düsseldorf, Mlkerstr. 36, zu richten.)

b) Zu dem vorliegenden Entwurf de» Rcichsschalgesehes hoben wir folgendes zu bemerken:

1. Wie in der Vergangenheit, soll auch in der Zukunst die Schule nicht mir Wissen vermitteln, sondern in erster Linie Erziehungsarbeit leisten. Erziehmrg ohne Grundlage eines bestimmten reQgwfen Bekenntnisses ober einer bestimmten Weltanschauung ist nicht denkbar. Danun verlangen wir im Sinne der gläubigen katholischen Eltern für kath. Kinder kath. Schulen, ein Verlangen, dos dem ia der Reichsversasiung ausgesprochenen Recht der Erziehungsberechtigten entspricht. Die Konfessions­schule darf in keiner Werse der sog. Gemeftrschastsschute ge­genüber benachteiligt oder znrückgesetzl weiden.

2. Do nicht nur die äußere Zugehörigkeit der Schuler und Lehrer zu einem Detamtniffe allein der Schule den Charakter einer Konfessionsschule verleiht, sondern dieser Charakter in heroormgender Weise von dem Geiste abhimgi, in dem der Unterricht erteilt wird, so verlangen wir für unfere katholischen Schulen gläubige Lehrer und im Geiste der kath. Religion verfaßte Lehrbücher. Die in § 3 Nr. 2 und 3 des Entwurfs hierauf Bezug nehmen- den Sähe geben in der vorliegenden Form feine genügende Sicherheit.

Bei Besetzung der Schulaufsichtsstellen verlan­gen wir icke Berücksichtigung des konfessionellen Charakters der unterstellten Schuten. Wir verwahren uns dagegen, daß einem Gegner der Konfessionsschule bi« Schulaufsicht über kath. Schicken übertragen wird.

3. Nachdem in Artikel 146 der Reichsverfafsung di« Einrichtung der Konfessivnsschtcke zum Teil abhängig ge­macht worden ist von einer näheren Bestimmung der „ge­ordneten Schulbetriebes", andererseits oben mich ausdrücklich bestimmt ist, daß „der Wille der Erziehungs­berechtigten möglichst zu berücksichtigen ist", erwarten wir, daß di« Volksvertretung jede unberechtigte Be- einträchtigung der Rechte gläubiger El­tern hindern und in § 9 Satz 2 entsprechende Siche­rungen aufstellen wird.

4. Von der Landesgesetzgebung erwarten wir eine die Rechte der gläubigen Eltern in vollem Umfange wahrende Auslegung des Reichsschulgesetzes. Di« Bedin­gungen für Rechtswirksamtett der ätn träge ,muffen weit- herzig aufgestellt werden. 3m Hinblick auf die Rot so vieler teb. Erziehungsanstaven in der Diaspora verlangen wir die Möglichkeit, konfessionell« Anstaltsschulen als öffent. iiche Schulen zu errichten.

5. Was § 15 angeht, so erwarten wir auf das be­stimmteste, daß die Amvendimg des Gesetzes auf u U e Teile Preußens, auch aus Nassau ausgesprochen wird.

c) Unsere Stellung zur weltliche« Schul«.

Der weltlichen Schule gegenüber nehmen wir folgende Stellung em:

Die weltliche Schicke ist durch die Verfassung zugestan- drn. GrrmdsWich find wir als katholische Christen ent- schiebens Gegner dieser Schule und verlangen, wie schon oben ausgesprochen, für katholische Kinder katholische Schu- len. Wir Satlyoliten werden, unbeschadet des Rechtsstand- punktes der Aersosiwig und der Reichsschulgesetzgebung, unermüdlich sein in der Aufklärung über die verderblichen Folgen der weltlichen Schule für Familie, Gesellschaft und Staat und im Kamps zum Schutz der Konfessionsschule.

Dir verlangen, daß gläubige Lehrer rächt gezwungen werden, sich an weltlichen Schulen anstellen zu lassen.

d) Fortbildungsschule».

Dir begrüßen und wünschen die Einrichtung von Forl- bildungs-(Berufs->schulen und werden beftrebt sein, sie nach jeder Richtung zu fördern, verlangen aber, daß neben der sachlichen Ausbildung auch die erziehliche Seite zu vollem Rechte kommt. Wir beantragen eine dieses er­ziehliche Ziel grundlegende und fördernde religiöse Unter- weffung auf konfessioneller Grundlage als ordentliches Lehr­fach.

e) Privalfchuleu.

Mr erkennen in Dankbarkeit an die opferfreudige Tä­tigkeit unterer katholischen privaten Schulen, insbesondere auch die Erziehungsarbeit unserer Ordens- genosfenfchaften. Wir verlangen von Staat und Gemeinden eine hinreichende Unterstützung dieser Schulen, wobei Ordensschulen in keiner Weise eine ungerechtfertigte Zurücksetzung erfahren dürfen.

f) Notlage katholischer Schalamtsbewerber nah

• > -bew er herinnen.

Don der Notlage fo vieler katholischer Schulamtsbewer. brr und Bewerberinnen nimmt der Landesausschuß mH Bedauern Kenntnis. Er erwartet von den Gemeinden die opferfreudig« BereitoiCigtat, bie an vielen Orten zu hohe Klassenfrequenz herabzusetzen und neue Stellen zu errichten, um so di« Möglichkeit für eine Mehranstel- lung kath. Junglehrer und 3ungl«hrerin- neu zu schaffen, aber auch die Erfolge des Unterrichts i möglichst zu steigern, - T - ---------

g) Schulreform.

Die Wiederaufrichtung unseres ®erneuttoaftaktens er­fordert dringend einen zeitgemäßen Um- und Ausbau un­seres Schulwesens. Darum unterstützen mrd füttern wir alle Bestrebungen zur Hebung der Schule nach de» Grund» sätzen der kath. Weltanschauung. ,

Eines der wichtigsten Probleme der Schulreform ist di« Lehrerbildung. Auch die Schulorganisation wird her Lösung dieses Problems fete Förderung angedeihen lassen.

Jede ontichrMche Schulreform lehnen wir entschieden ab.

h) Schulpsteg«.

Die durch die Einrichtung van E l t e r n b « i i n bet» Eltern zugewiesene Mitarbeit an ter Förderung L.r Schul­erziehung soll praktisch betätigt werten durch liebevoll« vusgeftowmg ter Schulpflsge gemeinsam mit Leh­rerschaft und Geistliichkeit. Für Lehrer und Geistliche verlangen wir deshalb Sitz und Stimme im <N- ternteirat. Diese Tätigkeit muh dadurch befruchtet roerbat, daß die Eltern in Verbindung mit Lehrern und Geistlichen ihre Weltanschauung in den Fragen des Ertiehungswssenr vertiefen und sich die Förderung einer chrfftlichen F» mSienerztehung angelegen fern lassen.

Dir liberale Lehrerschaft gegen daS ReichSschnlgesetz.

Der deutsche Lehrerverein, der bekanntlich stark linksgerichtet ist, hat am Beginn seiner diesjähriger Tagung in Stuttgart am 16. Mai dem vorliegender Entrnurf eines ReichsschulgefetzentwnrfS (ReichSver« faffung Artikel 140, Abf. 2) in schärfster Form ein t Absage erteilt. In der ausführlichen Entschließung wird besonders betont, daß der Entwurf unter der harmlosen Benennung „Bekenntnisschule" ein« völlige Verkirchlichung des VolkSschul« Unterrichts herbeiführe und die Einheit.deck deutschen BolkSschnlwesenS und damit die Einheit und Freiheit des Lehrerstandes vernichten würde. Sie weltliche und WeltanschauungS schule in dem Entwurf sei ein bloßes Schaugericht, um die Der» kirchlichungsbestrebungen zu verdecken. Der Plan richte sich gegen die gemeinsame (Simultan») Schule und damit gegen diejenige Schule, die berufen er­scheint, eine große Volks« und Staatserziehung auf gemeinsamer Grundlage zu schaffen. Der gegenwärtige Entwurf hebe die Wirkungen deS Grundschulgesetzes auf und schaffe grundsätzlich verschiedenes Recht für die Grund- und Volksschulen einerseits und die mittleren und höheren Schulen andererseits. — Eine völlige Verkirchlichung deS BolkSschulunterrichtS! O, wie schröcklich ist der bloße Gedanke für et» liberales Lehrerherz.

Dke kathol. Jugendvcreinc in Düsseldorf.

35 000 Teilnehmer.

Einen hoffnungsvollen Lichtblick in der barten Not un­teres so schwer leitenden Datettandes bot die machwoll« Kundgebung der kath. Jugend Deutsch­lands, die in den Pfmgstiagen in Düsseldorf statt- fand. Zeigte sie doch eine lebensfrohe, sittlich starke Jugend, bie treu an den Idealen der Religion seschält. Eine durch heilige BrgMerung für diese Ideal« verbundene Jung- mamffchast bätet ober bie erste Voraussetzung für eine sitt­liche Wiedergeburt unseres Bo«rlarides, sie allein ist be­fähigt, erfolgreich« Wieteraufimuarbeit zu leisten. Das gab auch ber6ilberfeiertes Verbautes der kach. 3ugente und Jungmännervereine Deutschlands, mit ter ine Drei- Hundertfeier der ältesten Vereine tes Derbantes verbunden war, ihre gewaltige Dcteutuirg.

Die Begrüßungsfeier am ersten Pfmgsttagabend kn Kaisersaal der Tonhalle gestaltete sich zu einem er- hetenden Auftakt des großen katholischen Jugend tage«. Mtt Heller Begeisterung wurden dir Vertreter aus Schleswig, Danzig, Ratibor, aus Böhmen und dem Tirvlerland, ®s Boyern, und Holland und dem Saargebiet, von den Set* sammelten begrüßt, unb ihr Bekenntnis zum brut­schen Vaterland, ihr Gelöbnis, festzuhalten an bei kakholffchen Jugendbewegung wurde mit stürmischem Bei­fall ausgenommen. GenerÄfekretär ÜRusmann bankt« nach seiner Begrüßung ter herbeigoeilten Serbanbsbrüter, der Ehrengäste, bet Vertreter der anderen Orgonisationen, der State und der Bürgerschost. Der Dorsitzend« des Ge» fomtoerbanbes, Msgr. Mosten», der feit 13 Iahrm ar der Spitze ter katholffchen Jugendbewegung steht, wies h seiner Begrüßungsmffprache besonders darauf hin. daß mar zufammengeklmnnen sei zur Ablegung tes Bekemrtmff« unentwegter Treue zum Jugenteiund und feinen herrlich« ■ Zielen, itm zu sogen, bah man ein Sott und «in Reich fee f und Weiten wolle, eine JugerL mrd em Daterümd. Dat Vertreter tes Evangelischen 3ugenb6nnbe» Westdeutschland betonte, bah man sich über alle» Snmnenbe hinweg bie Hand zur gemeinsamen He­be tt für bte Jugend reiche.

Am Festtag selbst brachte bie Eisenbahn schon in den frühen MorgmfNmden ungezählt« Scharen nach Düs» feDors. In allen Straßen begegnete man ben große» Jugendscharen, dir mit ihren Sannern der Marienkirche auf tränten, wo, nm Gottes Segen herabzustehen, ete feierlicher Gottesdienst ftattfanb. Der Köln« Erzbischof, Kardinal Dr. Ioseph Schult«, tief gegai 9 Uhr an der Marienkirche im Automobil von Köln ein und zog durch etwa 400 spalierbildend« Bonner, bi« bem hohen Kkrcheniürsten ihren ehrfurchtsvollen Gruß entboten, in feierlicher Weise in bte Kirche eht Unvergeßlich nri* dien Teilnehmern biete heilig« Stunde fein, in derbi« ka­tholischen Iungnumnen mit über 400 Dannern die große Kirche bis auf den letzten Platz unb in der malerischsten Weise füllten.

Der kirchlicher Feier schloh sich her Festakt in dem bis auf den letzten Plag besetzten Kaisersaal« bet Städti­schen Tontelle an. Wirkungsvoll grüßten von allen Wan­ten des Saales, sogar von ben Galerien, die unzählige» SBeneinsbottner. Einen harmonischen Abschluß boten bie auf der Bühne ausgestellten Fahnendeputationen der Gäste aus Dorarlberg, Tirol und Oesterreich, aus Holland und Lmembmg, von der Saar unb aus bem so schwer heim­gesuchten Oberschlesien. Lebhaft begrüßt erschien Kardinal Dr. Joseph Schulte, ter inmitten der zahlreichen Ehrengäste Platz nahm. Rach ter Festouvertüre aus bem Freischütz hielt der Geveralpröses Msgr. M o st « r t s bie Jubiläums, rode. In meisterhafter Weise, oft von Beifall unterbrochen, zeigte er, daß trotz der schweren Zeit dies Fest b e r 3 u- gend berechtigt fei. Ehrfurchtsvollen Gruß entbot er bann bem Herrn Kardinal, der stets ein tiefes Verständnis für bte Jugend gehabt habe, der immer ein flirt der Jugend habe fein wollen und jetzt zur Heerschau über bie katho- lisch« Jugend erschienen sei. Dann gedachte der Redner in herzlichen Worten bes verdienstvollen Gründer» bei Serbanbes, Msgr. Dr. Gramme (Aachen), bem er bte von Kmrsklerhomd entworfen» Omcrmmgsurfuntte zum Ehrenvorsitzenden bes Verbandes überreichte unb begrüßte ben Vertreter des Metropolitankapitel» Dorntapikular Dr