Einzelbild herunterladen
 

Nr. 1l,

Dienstag, 17. Mai 1921

mit

alle

gekannt.

Ge-

Die

Mügierzeichen nixmcnb er.

Sier endeten die Aufzeichnungen. Hans Heinrich, um dessen Lippen während des Lesens ab und zu ein leises, halb staunendes, halb mitleidiges Lächeln geflo­gen war, blickte nun mit einem verwirrten Blick zu der alten Dame auf.

„Das ist höchst sonderbar. Cs klingt wie ein Mär­chen oder wie eine Schicksalstragöüie, und wie bei die-

fer habe ich auch hier die Empfindung, daß es die Angst vor einer dunklen Prophezeiung fit, die zu ihrer Er­füllung treibt. Wenn man von vornherein mit einem Schicksal belastet nM, arbeitet man ihm unwillkürlich entgegen. Der Gedanke, fluchbeladen ins Leben zu tre. tert, nimmt sogleich Lebensfreude und Lebensmut, das heißt, wenn man daran glaubt! Verzeihung, Ahns aber ich meine, daß es vielleicht gütiger und klüger ge^ wesen wäre und das Geschlecht dex Sefenburger befler erhalten hätte, wenn man sie in segensvoller Unwissen­heit gelassen h.tte über das, was ihr Fluch und ihr Schicksal fein soll.'

Denn nun lag es doch wie ein Druck auf ihm, und indem er derjenigen zürnte, die diesen Druck auf ihn gelegt hatte, bemühte er sich zugleich, ihn von flch ab. zustreifsn. ,

Die alte Dame blickte Ihn nachdenklich an. JJd, verstehe: Du machst mir einen Dorwurf, den Deine Mutter mir auch einstmals machte, und es klingt fast als wenn Du recht hättest, «der Du irrft. Mein Gatte und ich waren die letzten, die schon zum Anfänge ihrer Ehe in die alte, unheilvolle Geschichte der Sefenburger eingeweiht wurden. Mein Mund hat seitdem geschwie­gen, wiewohl es mir stets in der Seele gebrannt hat, wenn eine junge blonde Frau in unsere Familie trat und ich mich gescholten habe, die Warnung vor ihren blonden Haaren und blauen Augen versäumt zu haben. Aber ich wußte freiüch auch, daß Liebe sich nicht vor Worten und Zeichen beugt, daß Re ihren Weg ebenso fest und sicher geht, wie das Schicksal. Und das ist immer hinter ihr hergefchritten, tmb wenn es seinen Weg vollendet hatte, dann habe ich gesprochen, um der, die es l.raf, den Trost zu geben, daß vor ihr schon andere ihres Geschlechtes gleich ihr gelitten und am gleichen Fluche getragen haben. Ein trauriger Trost mar es, aber doch ein Trost. Nur Deine Mutter bat ihn nicht als solchen genommen. Trotzig und stolz Hot sie ihn von sich gewiesen unö an keinen Fluch und fein Famil^nschicksal glauben wollen. Sie war eben nie eine echre Sesenburg. Dropdem hätte ich ihrer Forde, rung, Dich nie in jenes alte Mächen, wie sie es normte, einzmveihen, Folge geleistet; denn ein langes Leben 1 und langes Nachdenken haben mich -«lehrt, daß Schwei-

meinschaftkn Md Bewegungen, die sich allein herleiten aus Beweggründen rein materieller Natur. D-nu die Not der Zeit wird nicht aus­schließlich überwunden werden durch die erstrebte Stei- gerung aller der Quellen, aus denen das Wirtschafts­leben mannigfach sprudelt, sondern sie wird überwun­den werden vielleicht noch mehr durch dir innere sittliche Erneuerung des Volkes, die auf» gebaut fein muß auf der Erkenntnis und Durchdrm- guirg von den inneren Werten des menschlichen St« dens und von der Notwendigkeit der praktischen Le- bensführung nach diesen Werten. Noch niemals ist gegenüber dein modernen Heidentum mit seinen ma­terialistischen Auswüchsen und egoistischen Triebfedern die christliche Kultur und ihre Beto- n u n g notwendiger gewesen als eben setzt, da aus ihr die Prinzipien hervorquellen, die geistige Fundamente eines Volkes sind. Sittlicher Ernst, sozial« Gerechtigkeit, unentwegte Arbeit an dem Plaste, wo feder steht, Vertrauen auf die eigene Kraft und Die dem Luxus und dem Tand abgeneigte Lebensführung sind die geistigen Aufbauwerre, die erst in einem recht verstandenen, recht gewerteten und cudj geliebten Christentum zur Wahrheit werden.

Eine Lugend, die noch soviel Mui aufbringt, 'm einer solchen Zeit mich geiftigrn Zielen und Idealen ernsthaft nachzugehen, um sie wirksam machen zu hei» fen, soweit dies im menschlichen Leben und im staat­lichen Gesellschastsvelbande überhaupt nur möglich ist, eine solche Lugend läßt noch mit Recht der Hoffnung Raum, daß dem deutschen Volk die Zukunft noch nicht verloren ist, wenn auch die Geoen- wart Gewinn ihm kaum mehr bringen kann.

Wir grüßen dämm die Jugend unfeier Partei, wenn sie im ganzen Drang der jugendlichen Begsiste- mng vor allem die Idee des Zentrums in den Vorder- gmnd stellt. Wir freuen uns mit ihr und flechten in diesen Willkommengmß den Wunsch hinein, daß aus dieser Lugend der Zentrumssache Kämpen erstehen mögen, die imstande fein werben, sirr den Sieg de« im Zentrum verkörperten Gedankens vom christlichen Le- den im Staat rmd allen den damit verbundenen Funk­tionen der staatlichen Gemeinschaft eiuzutreten mit der gartzen Schärfe, die gefordert wird, wenn in den Käm­pfen der Zeit sich der Sieg an feine Fahnen heften soll.

meisten hoben gemeint, daß es indische ein könnten, aber ihren Sinn konnte

gründen."

Gortsetzmig folgt.)

vm Sesenburg, getreulich 'befolgt hat, obwohl sie nur mit Grauen ihre Hand nach dem Vermächtnis gehoben hat und viel lieber gewillt gewesen wäre, es in den Burggraben zu schleudern, wo er am tiefsten war.

_ Sans Heinrichs einziger Sohn, Franz Bernhard von Sesenburg, hat vom Ring und von dem, was sich an ibn knüpfte, erst erfahren, als er fünfundzwanzig Jahre Zahlte und ein junges, blondes Weib, Ulrike von Gan. derbach, freite. Da hat ihm die Mutter erzählt, was sie wußte, und ihm den Ring übergeben. Ulrike von Ganderbach hat daneben gestanden, und beide jungen, gluckssicheren Menschenkinder haben darüber hingelächelr und gemeint, daß vor ihren reinen Herzen und ihrer starken Liebe kein böser Zauber standhalten könne, daß sie nicht an ihn glauben und, roerm er sich doch an sie heranwagen wolle, sie ihm mit christlichem Glauben und Verwauen auf alle guten Geister siegreich ent­gegen treten würden.

Ulrike von Sesenburg ist eine kühne, starkgeistige orau gewesen, die keiner Sorge und Unruhe Raum ^sonders nicht, nachdem zweimal der —Sefenburger Dach geklappert und zwei ln.che blonde Knaben in die Wiege gelegt hat. Da trugen sie ihr eines Tages den von Wilderern erschosse­nen Gatten ins Haus: und als fein verzweifeltes Weid öen Unglücksring von der Hand des Toten nahm, hat sie zu fünften begonnen. Bald darauf ertrank der eine ber Knaben im alten Ziehbrunnen.

oo hatte sich der Fluch zum zweiten Male erfüll! und ist seitdem getreulich mit dem Geschlecht der Sesen­burg gegangen, deren Frauen alle Leid tragen mußten, denen nie eine liebende Tochter zur Seite stand und deren Männer stets als einzige ihres Stammes standen und vom Tode getroffen wurden in der Blüte ihrer Jahre."

»Wundervoll! Das ist ja eine Seltenheit und Kost- barteit ersten Ranges!" rief Hans Heinrich, alles andere vergessend, in hellem Entzücken aus und wollte nach dem Ringe greifen. Aber die alten Finger hielten ihn fest und wiesen auf die breite Goldsassung des Steines. .Siehst Du die Zeichen, die in ihn hineingegraben sind? Niemand kann sie enträtseln. Deine Mutter rt dem Ringe bei berühmten Gelehrten gewesen. ? __ und neue Sprachen zu ihrem Studium mad; ,.i und von allen Zeichen wußten, mit denen vergangene schlechter schrieben, aber diese hat keiner

W flbewen.

Der Gegensatz Zwischen England unö Aroukrrich.

Sic Rede, die Lloyd George, wie am Samstag be­richtet wurde, im Unterhaus gehalten hat, war k r ä f - * i,®-,, nicht bloß den Polen ihr Unrecht vor­gehalten, sondern auch den „verbündeten" Franzosen gesagt, daß fte kein ehrliches Spiel treiben. Sogar Deutschlands Recht auf Selbstschutz er- ‘ kr an. Das klingt so, als ob England ent­schlossen wäre, den Raub an Oberschlesien unter allen llmstanden zu verhindern. Aber wir willen aus bil- teren Enttäuschungen, daß Lloyd George im Reden kräftiger ist, als im Handeln. Er fällt im entscheidenden Augenblick leicht um. Wenn von England uns Ge­rechtigkeit und ehrliches Spiel versprochen werden, so dürfen wir niemals oergeffen, daß die Engländer sich nicht von Idealen und sdlcn Gefühlen leiten lassen, sondern W e l t p o l i k gemäß ihrer eigenen Interessen treiben. Augenblicklich steht die englische Weltpolitik im Gegensatz zu der französischen Machtpolitik. Es fragt sich nur, ob der Ringkampf wirklich durchgeführt wird, oder ob die Herrschaften wieder ein Kompromiß schließen aus unsere Unkosten.

Briand hat im Verein mit der nationalistischen Pn-Ise Frankreichs die Rede Lloyd Georges überws pEl-ch empfunden und ein Wehegefchrei erhoben. Wie die französische Presie zugeben muß, war dis Re^e Lloyd Georges vom 13. keineswegs der Aus-

rrld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Fulda.

Serantwortlid; für den reOauioneCen Teil: Dr. Kramer, - für die Anzeigen: I. Parze!ler-FuIda. u gtotationsbrud u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, sterniprecher Rr. 9. Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung.

reich werde auf keinen Fall den Einmarsch der deut­schen Armee in Oberschlesten zulasten. Briand sprach aber die Hoffnung aus, daß die polnische Regierung ihre Neutralitätspolitik aufrecht erhcüte, damit die Auf- gäbe der interalliierten Kommission nicht er- schwert werde. Fürst Sapbcha, der Paris wieder ver­ließ, um nach Warschau zurückzukchren, will am Don­nerstag im polnischen Parlament als Antwort auf die Rede Lloyd Georges Erklärungen abgeben, die nach Ansicht des „Statin" sehr energisch gehalten sein sollen, denn der Minister werde zum ersten Male vor dem Lande und Parlament die antioolnische Politik der eng­lischen Regierung auseinandersetzen.

(Ein Hilferuf.

Die deutschen Parte ienundGew erkschaf- ten Oberschlesiens richten an die Kulturnatio» nen der Wett einen Funkspruch, worin gegen das Ver­halten der französischen Truppen protestiert wird. Fran­zösischer und polnischer Chauvinismus und Imperia- sismus vereinigten sich in Oberschlesien, um das Recht zu beugen. Nie wurde eine hohe Mission schnöder mißbraucht, nie ist ein stärkerer Versuch in die Erschei­nung getreten, der Gewaltzum Sieg über das Recht M verhelfen. „Wiederholt riefen wir die Hilfe ber_ interalliierten Kommission an. Am 3. Mai hat sie öffentlich und feierlich versichert, sie werde vor keinem Mittel zurückschrecken, die gesetzmäßigen Zustände wie­derherzustellen. Don dieser Zusage wurde nichts ein­gelöst. Der Aufstand hat weitere, bis dahin unberührt gebliebene Gebiete erfaßt! Ohne jvden Schutz sind wir von der durch den Friedensoertrag damü beauftragten interalliierten Kommission der Gewalt der Rebellen ausgeliefert. In dieser Stunde der höchsten Not und Verzweiflung wenden wir uns mit dem ganzen sitt- sichen Ernst eines vergewaltigen Volkes an die Kultur- nationen des Erdballes mit dem Rufe: Tretet ein für unseren sofortigen Schutz.' Helft unszuunserem Rechte!"

Gewerkschaftsführer bei den alliierlen Bokschafienr.

Di« Verhältnisse in Oberschlesien und die bevorstehende Entscheidung über die Zugchörig- keit dieses Landes haben den deutschen Gewerk­schaften Veranlassung gegeben, bei dm Botschaftern von England, Frankreich und Italien v o r st e l l i g zu w e r d e n. um ihnen die Auffassung ber deutschen Sir- beiter in der oberschlesischen Frage persönlich vorzutra­gen. Als Vertreter des Allgemeinen deutschen Ge- Werkschaftsbundes, des Deutschen Gewerkschaftslmndes (München), des Gewerkschastsringes (Hirsch-Dunker) wid des Allgemeinen freien Angestelltenverbandes v“fä) wurden die Herren Daltrusch, Sassenbach und Wistel von den drei Botschaftern empfangen. In der Aussprache wurden die verschiedenen Seiten der ober- schlesischen Frage berührt, vor allem wurde auf die dringende Notwendigkeit hingewiesen, die deutsche De- Dolferung gegen dir drohenden und zum Teil schon ein- gete^en Plünderungen und gegen die verübten G«valtmaßnahmen der Polen zu schützen. Es er-

sich die übereinstimmende Sluffastung, daß der Okrste Rat m seiner Beschlußfassung über die Zuge- Hörigkeit Oberschlestens sich nicht durch den Aufstand der Polen beeinflussen taffen werde.

veurhen in Gefahr?

Auf Deranlastung deS MilsiärdefehlShaberS sind wegen der umlauf ent en Gerüchte über einen anqeb- Uch geplanten Ueberfall auf die Stadl Aeuthen Verfügungen erlaflen worden, nach denen die Lokale, Theater und Kinos am zweiten Pfinast- seiertag bereits um 8 Uhr schließen mußten und der Verkehr auf den Straßen nur bis 9 Uyr abends gestattet war.

Amerika «nd Oberschlesten.

Havas meloet aus Washington, daß di. amerikanische Regierung die oberschlesische Frage für eine Angelegenheit von nur europäischem gen stets bester ist als Sieben, und was Du vorhin von dem Segen des Nichttvistens sprachst, ist auch mir oft nachdenklich durch die Seele gezogen. Aber ich konnte den Ring nicht vernichten, ich konnte und wollte nicht da ich an die letzten Worte des sterbenden Hans Hein­rich ebenso glaube, wie ich an die Erfüllung des Fluches fcabe glauben lernen müssen. An dem Ringe, den ich einst vorn Finger meines toten Gatten zog, und den seitdem, kein Sesenburg mehr trug, hängt die Erlösung unseres Geschlechtes, und er mußte in dessen Besitz bleiben. Ohne seine Bedeutung zu kennen, hättest Du. ihn vielleicht verschleudert.' f

.(Er ist noch vorhanden?' Hans Heinrich fragte es erregt und sah mit wunderlicher Spannung auf den kleinen, allen Kasten, besten Deckel die Greisin jetzt lang- sam, fast andächtig öffnete.

»5a, er ist noch vorhanden.' Die knöchernen Finger lösten sich aus der liefe des Kastens und hoben einen mattglänzendem breiten Goldreif heraus, in besten SJiiÖe ein großer prachtvoller Rubin ausfunkelte, um- spannt von einer aus kleinen länglichen Per,en zusam. mengt festen Schlange, aus deren feinem Äoldköpich-n Zwei aus goldig schimmerndem Topas geschnittene Augen tückisch und geheimnisooll ausleuchteten. Dazu schillerte der weiße Perlenleib so wunderlich, daß es den Ein- druck machte, als ringele sich eine lebende winzig« Schlange in steter Bewegung um den wie Blut leuch, tenben Stein. .

Set ZenlMMM M Mk« I» sniöii.

Zur Tagung am 18. und 19. Zitat.

5ti schwerster Zeit und bitterster Drangsal des veutschen Volkes rüstet sich die Rutsche Zentrmris- jugend, um am 18. und 19. Mai in Fulda ihren Ju­gendtag zum elften Male nach dem mederschnnttertt- den Erleben des Zusammenbruchs im Zeitraum der vergangenen Jahre zu begehen. Nicht in Festesfreu­den, sondern in dem ganzen sittlichen Ernst, der sich tief und nachhaltig auch schon in jugendlich.' Seelen emnistet ob der seelischen und materiellen Rot eines von seiner stolzen Höhe herabgestürzten Volkes, dem 'man Sklavenketten anlegt und die Bewegungsfreiheit raubt, tritt dieser erste Bundestag der deutschen Zen­trumsfugend zufammen.

Windthorftbunde und Jungakademi­kerverbände vereinigen sich in dieser Woche nach Pfingsten in der alten Bischofsstadt, um in vrrstänb- nisoollem Zusammenwirken tmd in brüderlicher Ein- mütigkett kmidzuinnk daß die 'Zeintrumsideale noch fortwirken und fortleben in einer begeisterten Zcn» tnimsjug^nd. Daß sie zu einer festgefügten Ideen gemoin- ttchaft unter den Jungmannen sichren, die weil sie sich mit Bewußtsein dazu erziehen. S a n d e s Vorurteile !z u überwinden, zu den schönsten Hoffnungen be- irechtigten und die schließlich in ihrem Endziel danach jftreben, daß sitz die deutschen Volksgenossen über alle die verderbenbringenden Zwistigkeiten und kleinlichen Havereien hinweg doch wieder einmal die Hande rei­chen mögen zu bundegenössischer Arbeit. Diese Tagung muß zu einem Bekenntnis werden der Liebe für Volk und Heim und zu einem Ge­löbnis der Treue für eine Partei, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, im politischen Leben diese Beweggründe in erster Linie zur Triebfeder ihrer ! Entschlüsse und ihres Handels zu machen, zum Trost !fiir eine Partei, die ausersehen ist, die Geschicke des deutschen Volkes wesentlich zu beeinflussen und dem Volke um feines Gesamtwohles willen zu dienen.

Damit bedeutet diese Ftüdaer Tagung der deutschen ZentrwrsjugenL weiterhin einen nicht unerheblichen Schritt vorwärts auf dem Wege zum Ausbau, zur Erhaltung und zur weiteren Festi­gung der deutschen Zentrumspartei überhaupt. Im gegnerischen Lager hat man von ihr gern, allzugern schon sich selbst und anderen glauben machen wollen — so entsprach es den im Innersten gehegten Wünschen der Widersacher — daß die Stunde des Zentrums ge­schlagen habe. Mit Nichten — dem, nun tritt auch die fjunge Mannschaft hervor, um Zeugnis davon abzulegen und Gewähr dafür zu bieten, daß di-e Ideen des Zentrums einen fruchtbaren Boden gefunden ha­ben, auf dem ein künftiges Gedeihen auch in ferne Zu- - kunst hinaus gesichert ift. Und hoffentlich Wange ge- sichert ist, wie im politischen Leben überhaupt noch politische Parteien ihren Einfluß aus die Geschicke des Staates bewahren. Ist doch die Unentbehrlich­keit der Zentrumsidee nie flarcr hervorge- !treten, als gerade setzt in bat Zeiten revolutionärer ;3rrung und Wirrung, wo Bruder gegen Bruder steht und Volksgenosse gegen Volksgenosse. Die grmrdta- tagende Zentrumsidee aber will nichts anderes als die politische Verwirklichung des vereinigten Wil- lens zu gemeinschaftlicher Arbeit im BHb am Staate mit ihrem staatserhaltsuden Trieb im Denken und Handeln ohne den Unterton eines Nutzprinzips oder eines egoistischen Zweckzieles, son- tonaue dem Gedanken von Verantwortung und Pslichtbewuptsem.

Und dieser Gedanke allein schon ist es Wert daß er in einer Jugend Fuß saßt und fortfebt, die sich im gegenwärtigen Lauf der Zeiten von links und rechts umgeben sieht von vielerlei Arten der Interefsenge- i

Bezugspreis: Monatlich 3,00 AU. ebne Zustellgebühr. In Fulda

bei unsabgeboti3,15 Ult. Anzeigenpreis: DieSleinzeile JO (Lottmeimab) Sdpfg, u. 10«,.Zuschlag, die R-klam.zeile 70. Mysg (Textbrette, IBP Mtt, u. 10«/. Zuschlag. Sei Wiederhol. Rabatt.

druck einer augenblicklichen Mißstimmung, sie hatte vielmehr den wohlbedachten Zweck, einer vorher im Namen der englischen Regierung von Lord Curzon nach Paris gesandten Note besonde­ren Nachdruck zu verleihen. In dieser Note war die französische Regierung um ihre Zustimmung zur sofortigen Abhaltung einer neuen Eukente- konferenz gebeten worden zur dringenden Löstmg der oberschlesischen Frage. Die Note Lord Curzons betonte im Sinne der späteren Rede Lloyd Georgis die Notwendigkeit, dem polnischen Skandal ein schnelles Ende zu machen, und die Rede Lloyd Ge­orges hatte den Zweck, die Verschleppungstaktik der mit Polen alliierten französischen Regierung zu durch­kreuzen.

Natürlich ist es gang falsch, aus der zurzeit offen- sichtlichen Spannung zwischen England und Frankreich aus eine Krisis Inder Allianz schließen zu wol­len. Nach Londoner Meldungen kommt eine Krisis schon deshalb nicht in Betracht, weil Briand ausdrück, sich anerkennt, daß Lloyd George durchaus nicht Deutschtand aufgefordert oder ermuntert hat, zur Selbsthilfe zu greifen. Die Rede Lloyd Georges war vorwiegend an Frankreich gerichtet und hätte nicht diesen Sturm erregt, wenn sie nicht erklärt hätte, daß man in London französische Stellen für mitschuldig hall. Deutschland würde natürlich durch eine unauto­risierte Selbsthilfe jede llnterstüKrng Londons gegen Korfanty verlieren. Ue&rigens darf die Haltung Eng. lands nicht in dem Sinne verstanden werden, daß Deutschland etwa ein ungeteiltes Oberschlesien behalten solle. Der Kamps betrifft lediglich das Indu- ftrtebreied, welches Polen entgegen dem Ab­stimmungsergebnis für sich einstacken will.

Deutschlands Antwort ans Briands Note.

In Beantwortung bet Note Briands an die deutsche Regierung über den Aufruhr in Oberschlesien ist der französischen Regierung folgende Note übergeben worden:

D» Herr «Dliinfteirpräfibent glaubt in seiner Not«

7. d M. dm Ursprung des Aufstandes einer fal- taten deutschen Zeltungsmewung zuschreiben zu sollm. Demgegenüber mutz festgestellt werben, batz es sich um die »Oberschlesische Grenzzeitung', das Organ des bis. herigen polnischen PMiszitkommisiars Korfantv handelt. Diese absichtlich gefälschte Vsröffmt- lichung sollte offenbar als Alarmsignal für die seit langem vorbereitete polnische »ufftandsbewemma dimm. Die Note geht mithin von einer falschen Aoransfetzung aus, was übrigens auch Herr ®»ceral Le Rond dem deutschm Bevollmächttaten in Oppeln gegenüber ausdrücklich aneirtannt har. ;

...5n der Note wird ferner gesagt, daß dke aas deut­schen Quellen stammenden Meldungen über bi« Lage in Oberschlesien tenbenziös gefärbt seien Dem- gqjenuber mutz die deutsche Regierung mit Nachdruck feststellen, daß die tatsächlichen Zustände in Oberschle­sien einen viel ernsteren Chajrakter tragm, als sie in der Note vom 7. d. M dargestellt sind. Trotz Wieder. Mitnahme der Arbeit an manchen Sellen ist irgendeine Besserung der Lage nicht festzustellen. Der Insurgenten- fuhrer Korfanty ist nach wie vor absoluter Herr der Lage und es gelingt ihm tatsächlich, seinen Macht­bereich weiter auszudehnen. So ist am 10 Mal sogar der wichtige Eisenbahnknotenpunkt Kandrzin durch einen mit modernen Kampfmitteln und unter Ser« wendung von Artillerie durchgeführten Angriff in feine Hande gefallen. Die Interalliierte Äommifiion verfügt tn den größten Teilen von Oberschlesien über keiner- lei Macht.

Die in der Note erhobenen schweren Anschuldigungen sind demnach, rote dies auch bereits von Hearn General Le Rond ausdrücklich anerkannt roorden ist durch­aus unbegründet. ' ;

Franzosen nnd Polen.

Bei bem Empfang des polnischen Mnistrrs für auswärtige Angelegenheiten- Sapieha, der am ersten Pfingstfeiertag in Paris stattfond, erklärte, nach dem Matin, Minffterpräsibent B r l a n d, Fratck-

Der Bing der Nuramaja.

Roman von Käte van Beeker.

71 -----------

Don dem Tage an hielten Tränen und Klage,, nicht mehr allein im allen Turm um Mitternacht ihren Schmerzenszug; im neuen Hause jammerte eine ver­zweifelte Mutter, und ein von Grauen geschüttelter Vater dachte an den Ring, dessen tückischer Zauber seine erste Wirkung tat.

Unb bann war ber Burgherr plötzlich über Nacht »erschwimben, Pater Dominikus die Bitte hinterlassend, daß er feiner Frau berichten solle, was sich einst in fei­nem Beisein oben im allen Schlosse zugetragen habe, und wie der Fluch ihn hinaustreibe in die Welt, hin nach Rom zum Heiligen Vater, damit dieser den furcht­baren Zauber des Ringes löse und sein Geschlecht von ihm befreie. Der Pilger ist niemals wiedergekehrt. Drei Jahre, nachdem er Heimat und Familie verlassen, hot ein fahrender Scholar der im Witroenkleide trauern, öen Fran Berta von Sesenburg, die nun wieder auf Bodenheim lebte, einen legten Gruß ihres Eheherrn gebracht und den Ring Nuramajas, den er dem Ster­benden, ber von Räubern überfallen und tödlich ver­wundet am Wiesenrain gelegen, vom Finger gezogen und gelobt hatte, ihn nach Sesenburg zu tragen.

Er berichtete, daß Hans Heinrich von Sesenburg — ein grauer, alter Mann, wie er ihn schilderte — feine Frau beschwören lasse, den Ning aufzubewahren und dem Erben, sobald dieser in das Atter des Scrftünb-iffcs träte, zu überliefern mit ber Weisung, baß er ihn sorg­sam hüte und halte und ihn dereinst weitergebe an seine Nachkommen mit bem gleichen Befehl. Denn an bem Ringe hänge bas Schicksal bes Geschlechtes, bas in Not zugrunbe gehen unb erlöschen würbe, sobald der Ring verloren ginge. Der Fluch bliebe an ihm hosten; aber einst würde eine dunkelhaarige Fron ihn lösen, eine Frau, die sich in Siebe einem Sefenburger verbinden unb mit ihm fein Geschlecht roieber zu reicher Blüte bringen würbe. <

Also hot Hans Heinrich von Scsenblirgs letzt« wun- derliche Botschaft gelautet, bic fein Weib, Frau Berta