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DamStag, 14. Mai 1921.
Zweites Blatt.
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Mm lärbe <bhe>m n«r mit «*ten Srauos'-cd-» Stoffarben end fordere die lebrreidie Gratie'aroediüre No. Z von Wilhelm Brenne, Geaalhchaft m. beachr Härtung, Qaedlinbnrga. H.
Um unsere Ernährung.
Mr find heute ein armer Sott, haben wichtige kSMiche Ueberschußgebiete verloren. Wir können heute weder beanspruchen noch bezahlen, uns nach dem Lebensstande der Vorkriegszeit zu ernähren. Wir müssen uns mich der Decke der einheimischen Erzen, guug strecken und darüber hinaus unsere Land- wirtschaft so entwickeln, daß wir landwirtschaftliche SrzeuMisse ausführen können. Die Frage steht, auf eine einfache Formel gebracht, so: können wir bei einer nntg durch unsere eigene Landwirtschaft nicht bloß den eigenen Bedarf, decken, sondern auch ohne die Zufuhr von 2—2% Tonnen Auslandsgetreide auskommen,
Wer an Hühneraugen leidet, hüte sich mit dem Messer zu schneiden.. Völlig, gefahrlos, dabei erstaunlich schnell wirkend ist das in allen Drogdrien und Apotheken erhältliche HtthneraUgen- Lebewohl, während Hornhaut auf d er So hie durch LebewOhl-Ballen-Soheibea verblüffend schnell entfernt wird. Die Mittel verrutschen nicht und bleiben nicht am Strumpfe kleben. Preis 3 Mark. A. Müller, Markt- Drogerie, A. Sohramtn, Kloster-Drogerie.361
Märkte.
a «Ma, 14. Mai. Auf dem Schweinemarki standen 250 geriet zum Verkauf, die mit 200, 275 und 350 Mark bezahlt wurden. Handel flott.
-- yenseid, 13. Mai. Der Auftrieb zum heutlge» Schweine taarkt war nur ein geringer und betrug 88 Ferkel und 2 Läufer. Der Rindviehmarkt hatte keinen Auftrieb zu verzeichnen. Die Preise betrugen für Ferkel 300—400 Mark, Läufer wurden nicht abgesetzt. Der Handel war flau.
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General vertreter I Robert Völker, Kassel, Fünffensterstr. *
vermischtes.
» Ein Maikäserjahr. Die Maikaserplage hat in der ganzen Bodenseegegend ein Ausmaß ange» nommen, wie es schon seit Jahren nicht mehr der Fall war. Die Baume sind von den gefräßigen Gesellen dicht besetzt. An den Straßen und Geh. wegen, die mit Laubbäumen eingesäumt sind, kann man die toten Käfer oft zu vielen Dutzenden an. treffen, die in der Frühe erstarrt zu Boden fielen.
• Eine Spielhölle aurgehobeu. In dem Orte HerrnS. kreischen bei Broensbach wurde eine Spielhölle aurge- hoben, in der Roulette und Bakkarat gespielt wurde. Don den 94 Spielern sind biS auf acht alle Reichsdeutsche, darunter auch Berliner, die thr ganzes Setmbsyt verfielt haben. Die Behörde hat festgestellt, datz falsch ae spielt wurde. Es wurden gleichzeitig Spielmarken für einige Millionen Mark vorgefunden. Für den Spiel- Hub, der sich „Club international" nannte, ist in ganz Deutschland agitiert worden.
* Großscuer im Lüneburger Stadttheater. Im Stadttheater in Lüneburg brach kurz nach Schluß der Vorstellung ein Brand aus, der das gesamte
Das „ZsatrnM".
Das Neichsgeneralsskretariat der Zen- trumsparwi gab bislang drei Zeitschriften heraus: Die Mitteilungen der Deutschen Zentrumsparter", di« „Windthorstbiätter" und die „Zentrumsakademiker, blätter". Diese drei Organe sind jetzt zu einem Zentralorgan zusammengelegt worden, das um eine Frauenrundschau vermehrt worden ist. Damit ist endlich die Verbindung zwischen der Gelamtpartei und ihren Untewerbänüen, sowie dieser untereinander geschaffen.
Es wurde lcnaft als ein dringendes Bedürfnis em- pfunden, dcß die Tagespresse nach dieser Richtung hin eine Ergänzung finden möchte. Das „Zentrum" wird es sich besonders angelegen sein kaffen, die Tätigkeit der Partei und ihrer Fraktionen im Reich, in den Ländern, den Provinzen und den Kommunen zu berücksichtigen. Auch der Presse sowie der gesamten Parteiliteratur wird größt? Beachtung geschenkt werden. Ohne Zweifel wird durch dieses Organ das gesamte Parteileben starke Antriebe erhalten. Das „Zentrum" erscheint vierzehntägig. Es kostet im Vierteljahr 5 M. Man bestellt es entweder durch das Reichsg-eneralsekretariat der deutschen Zentrurrsvartei, Berlin W. 8 Französi- schestraße 62 oder durch die Post unter Nachtrag 9 der Postzeitungsliste. Die erste Nummer enchölt fol-
Rurchschreiben Papst ß» XIII.
Schon vor feiner Wahl zum Oberhaupte der kath. Mltkirche hatte der tiefe Denker Joachim Pecci dem Studium der sozialen Fragen viel Zeit gewid- miet. Jahrelang vor Ausgabe der Arbeiter-Enzyklika holte Papst Leo XIII. mündliche und fchriMche Gut- achten hervorragender Fachmänner Ober einzelne Prob- ferne ein, studierte die Lehren der Geifteshelden der christlichen Vorzeit, zumal der großen Denker der Scho- lastik, kein Wunder, daß das Resultat dieser eingehen, den Studien nicht etwa aus abgeriffemn Anweisungen besteht, solchem in gewaltigen Zügen ein vollständiges soziales Programm darftelll.
Das Arbeiter-Rundschreiben Leo XIIL wurde i n allen Kultursprachen übersetzt, erschien allein in deutscher Sprache in Hunderten billiger, Ausgaben, wurde in Deutschland, Frankreich, Oesterreich, Spa. nien, Italien, Belgien, Holland usw. der Anlaß und die Norm für die Gründung und Betätigung vieler Tausende katholischer Arbeitervereine und Gewerkschaften und bietet noch heute die beste Richtschnur einerseits für positive soziale Ar. beit und anderseits für die Abwehr gefährlicher Schlag, warte. Wäre das soziale Wellrundschreiben Leo XIH. auch von unseren Staatsmännern und vom Unternehmertum mehr beachtet und befolgt morden, so wären uns heute viele Wirren und gefähr» 'ich- EntwicklwM» erspart. Wenn heute in Deutschland, Oesterreich, Italien usw. die sozialistische anb kommunistische Bewegung nicht dies über den Haufen werfen kamt, so verdanken wir dos jenen Man- lern, welche noch den Weisungen Leo XlII. Schutz- -Lmme gegen die verheerende Flut der Demagogie in jahrzehntelanger Arbeit aufführten und durch post- •ine Maßnahmen zeigten, wie man di« Kluft zwischen sozialem Elend einerseits und maßloser Raffgier des Großkapitalismus anderseits überbrücken kann und überbrücken muß.
Gerade heute, wo Sozialdemokratie und Komm», il-mus mit den letzten Rechtsbegriffen aüfräumen and uns dafür Schrecken der Proletarierdiktatur be- scheren wollen, sollte trie Arbeiter-Enzyklika Leo XIII. durch katholische Vereine, Gewerkschaften usw. plan- mäßig verbreit^ werden. Ein Arbeiter, der sich über das Wesen der sozialen Frage, über die notroenbigen Voraussetzungen für eine gedeihliche Lösung derselben, über sozialpolitische Phrasen und ökonomische Wirklich- feiten im klaren ist, der wird nicht so leicht den Irrlichtern der sumpfigen Klassenhaß-Politik naHaufen.
*t»e Aufsätze: Dr. Katzenberger, „Was ww wollen , Teulch, M. d. R. „Den Frauen", Dr. Hofle, M. d. P. „Beamtenpolitik", Dr. Buhla: „Begeisterung" (An die Zemrumsjugend). Profeffor D. Dmrkmann und Dr. von Martin: „Gemeinschaft und Geftllschaft", cand jur. Hofbauer: „Sur großdeutschen Frage" sowie einen Aufsatz über die Notlage der geistigen Strbettei (Prof. Dr Schreiber M. d. 9t). Außerdem enthält diese erste Nummer zahlreiche wertvolle Mittellungen aus der Partei sowie ihrer Bewegung in den Kreisen der Aka. demiker, der Frauen und der Jugend (der Wmüchorst» Kunde) _ , .
Zu dem bevorstehenden Iugendtag in Fulda, der mit einer Akademikertagung verbunden ist, und dem anschließenden Informationskurses wird gerade diese Nummer als eine Tat zur rechten Zeit erscheinen. Diese Tagung wie die Zeitschrift find ein neuer Beweis für die Tatsache, daß gerade angesichts der schweren Notlage unseres Volkes die Wertung der Partei und das Interesse cm ihr zunimmt
dagegen wieder auf die Höhe der Zuckerausfuhr der Vorkriegszeit und darüber hinaus noch zu einer Slus. ühr von Schweinefleisch kommen?
Schon vor dem Kriege war, ohne daß es gegenüber den berauschenden Ziffern der Großindustrie vor die Augen der Oeffentlichkeit trat, die Landwirt- schäft nach dem Sßcrte ihrer Erzeugung unser wichtigstes Gewerbe. Bei einem Gesamtwrrt unserer Ausfuhr von 10,9 Milliarden Goldmark betrug der Wert unserer landwirtschaftlichen Erzeugung ür 1913 12—15 Milliarden Goldmark. Heute hängt unser Dasein irr wortwörtlichster Bedeutung von unsr- rer Landwirtschaft ab. Die Frage aufwerfen heißt, das Ziel setzcn: Wir muffen!
Das verlangt zunächst eine bescheidener Le- bensweise. Wir müffen gegenüber der Bevor- zugung der teueren und verschwenderischen Fleisch- Nahrung in stärkerem Maße M Pflanzennahrung übergehen. Hatten wir als ein reiche» Volk ein Verhältnis von Fleisch zur Pflanzennahrung von 1 : 3, so müffen wir als armes Volk mit einem Verhältnis schon von 1 : 4 zufrieden fein, 6. V wir müffen in unserer Ffeischnahrung auf den Stand zu Anfang der neunziger Jahre zurückgehen, da wir 32 statt 52 Kg. Fleisch auf den Kopf und Jahr ver- zehrten. Du physiologische Mindestmenge von 2750 Kalorien ist aber durch unsere Landwirtschaft selbst in dem ungünstigen Jahr 1917=18 erzeugt worden. Wichtiger und wirtschaftlicher ist aber, neben Anpassung an unsere Armut durch Verringerung unseres Verbrauches, dir Steigerung des Ertrages unserer Land- wirtschcst durch Uebergang zu intensivstem Betrieb.
Unsere Landwirtschaft hatte vor dem Krieg euW hohen Sland erreicht. In den 25 Jahren von 1885 bis 1912 hatten sich die Erträgnisse bei Brotgetreide um 4G,9 Prozent, bei Kartoffeln um 48,9 Prozent «steiget. Im Krieg sind die Ernteerträgniffe und ebenso die Zohlen und Gewichte des Viehs stark zurückgegangen, teilweise fast um dieselben Prozentsätze. Der äußere und innere Zusammenbruch verstärkt die Mrkmmen des Krieoes in der Richtung einer Ertcn- ficieiung unserer Landwirtschaft. Haben wir im Krieg auch mit unserer Landwirtschaft und mit unserem Boden Raubbau treiben müffen, so ist sie auch weiterhin trotz hoher Papiereinkünfte kapitalschwächer geworden. Der Mangel an Arbeitern infolge Verringerung d-r Zahl der Wanderarbeiter, die Arbeitskämpfe als Fol- gen der sozialen und politischen Umwälzungen, die Un- sicherheifen und Schwankungen der Weltmarktlage im Verein mit der Bindung der Preise wirken gleichmäßig ?n bet Richtung, die Schwierigkeiten unb_©e- fahren des Betriebes durch Uebergang zu extensivem Betrieb zu verringern. ....... ,
Dir müssen unsere Landwirffchast allmählich wieder ausbauen, sie wieder in -den Stand und in die Bereitschaft setzen, intensiv tu wirtschaften, das ist nur durch eine Vielheit mannigfachster Maßnahmen schritt- weise möglich, ist abhängig von dem unbedingten Der- trauen um bet Mitarbeit der Landwirte. Nur mit ihnen, nicht ohne sie, noch weniger gegen sie, können wir unsere Landwirtschaft wieder zur Höhe führen.
5m Wiliirn Her MM-AMi.
Am 15. Mai sind 30 Jahre verflossen, daß Papst Leo XIII. das Weltrundschreiben über d« Strbeit er frage hinausgab, jenes bauermerttge Dokument, das gleich nach feinem Erscheinen von all«! im- voreingenommenen Geistesmännern als das wttyttgsie sozialwirtschaftliche und sozialpolitische Schriftstück der Neuzeit erkannt wurde. Sogar der „Vorwärts nannte das Rundschreiben „ein bedeutungsvoll« Soz'aipro- gramm'; Henry George, der bekannte amerikanische Bodeureformer, schrieb einen offenen Brief an Leo XIIL, in welchem er ihn al» den Dat er der Völker begrüßte, dem es zukomme, das erlösende Wort in den Wirren der Gegenwart zu formen. Unb Kardinal Manning, der Mann, an dessen Grabe bald- hernach 84 000 Arbeitervertreter trauernd stan- den behauptete in seinem Dankschreiben an ben Papst: Seitdem der hl. Paulus seinen Briefan Philemon
Der antibolfchewistisch"
Kommunist Dr. Greiuer.
Die Liga zum Schutze der deutschen Kultur «treibt uns:
In vielen Orten unseres Bezirks sprach im Auftrage her V. K. P. D. Herr Dr. Greiner über „Christentum und Kommunismus". (Auch in Fulda hat er, u. W. allerdings unter ziemlichem Ausschluß der Oeffentlichkeit, gesprochen. D. Red.) Seinem äußeren Auftreten nach hatte er den Anschein einer Idealisten, auch auf Gegner machte er dadurch Eindruck. Diese heuchlerische Maske wurde nun Herrn Dr. Greiner heruntergeriffen, und es erscheiM da. Bild eines gerissenen Geschäfts- m °Herr^Greiner gehört zu den Leuten, die während der Revolutionsjahre im Eiltempo von rechts nach link, hinüberwechselten, um ja den Anschluß zur Fut- tergrippe nicht zu versäumen. Dor dem Kriege in angenehmen Verbindungen mit kapitalkräftigen Kreisen, wurde Herr Dr. Greiner nach der Revolution M:hr- heitssozialist, und als solcher „überzeugter" Antibolsche. wist. Er trat in Verbindung zu der antibolschewistischen Liga für die er .Bortrüae hatten wollte. Dies zerschlug sich und nun verlangte Herr Greiner für verlorene Ar. beitszeft ein recht anständiges Entgelt».
Sein Verbleib bei bet U. S. P. war nicht non langer Dauer. Einigermaßen erstaunt waren seine früheren Setannten aber, ihn nun als .kommunistischen" Wanderredner auftauchen zu sehen. In einer kommunistischen Versammlung in Hanau am 21. April 1921 wurde er gestellt. Der früher mit der Liga ge- führte Briefwechsel wurde ihm vorgehalten und jeder Versammlungsteilnehmer aufgefordert, die Akten einzu- sehen. Der Idealist" Dr. Greiner konnte sich nicht verteidigen. Er bedauerte nur. nicht noch eine größere Entschädigung seinerzeit gefordert zu haben.
Nun, das wird ja jetzt nicht mehr notwendig sein, nachdem der „Sdeattst" Greiner vom rollenden Rubel aus Moskau auch feinen Anteil erwischt hat.
„Arbeiter, seht euch eure Führer an! (Bebel.) i
Aus Oberhvffen und de« Hess. Aeurtern.
# Ziegenhain. Auf dem jüdischen Friedhof in Fiielendors wurde eine Anzahl Grabdenkmäler zerstört. Die Israel. Gemeinde setzte auf die Er- Mittelung der Täter eine Belohnung von 1000 Mk. auS. ____________
Bühnenhaus «inafcherte. Der Schade» ist bedeutend. , „
•Brei Kinber verbrannt. In Düsseldorf sind bei einem Mansardenorande drei Kinder verbrannt. Zwei Kinder waren, als die Feuerwehr in den brennen- den Raum einbranp, bereits tot und vollständig verkohlt. DaS dritte Kind lebte noch, halte aber so schwere Brandwunden erlitten, daß es bald nach seiner Einlieferung inS Krankenhaus gestorben ist.
• Kostbarer „Steiget". Die umfangreichen Dieb- stähle auf dem Truppenübungsplatz Jüterbog beschäftigten die Strafkammern in Potsdam. Wegen Diebstahls und Hehlerei war eine Reihe von Althändos lern angeklagt, die vom Truppenübungsplatz gentneroj weise wertvolles HeereSgut fortj ch lepptew Die Angeklagten wurden freigesprochen, da der Adjutant des Kommandanten des Schießplatzes im KreiSblatt die Bevölkerung zum Absuchen des Geländes aufgefor- dert hatte und die Angeklagten das herumlwgende Metall als Freigut betrachtet hatten.
• Line 8alschmSn;erdande verhaftet. In Mägden Burg ist von der Kriminalpolizei eine Druckerei von falschen Banknoten ausgehoben worden. @8 waren hauptsächlich falsche Fünfzigmarkscheine berge- stellt worden. Fünf Falschmünzer wurden verhaftet.
• Die Unsicherheit in Berlin. In Berlin-Friedenau wurde die Witwe Luise Hirsch in ihrer Wohnung von, zwei jungen Burschen überfallen und gefesselt. Die Räuber entwendeten für über 100000 Mark Schmuck- fachen und entkamen unerkannt.
• Max Beger»<?eft verschoben. DaS auf Pfingsten angesetzte Max Reger-Fest in Breslau mutz leider wegen der durch den Polen-Einfall ge- fchaffenen Lage auf unbestimmte Zeit verschoben, werden. Nähere Nachrichten über Ort und Zeitpunkt de» bestes werden seinerzeit bekannt gegeben. ,
• Walchensee und «schelfer verbunden. In der Nacht zum Donnerstag ist der Stollendurchstich zwischen Walchensee und Kochelsee erfolgt und damit die Tunnelverbindung deS Walchenseekraftwerke», der größten Kraftanlage Deutschlands, hergestellt.
* Wanzen als Träger der Grippekrankheit. Die Grippe, die in ganz bösartiger Weise in zahlreichen Garnisonorten Frankreichs und Lothringens aufgetreten ist und viele Opfer gefordert hat, hat sich jetzt auch auf die französischen Garnisonen der Pfalz ausgedehnt. Die Aerzte haben festgestellt, daß Wanzen die Krankheilsträger sind, da sich die Seuche vor allem nach Wanzenstichen in steigender Weise bemerkbar machte.
• aurge-eichnete Verständigung durch dar Martzonk- Crlep’qon. Die Times melden, daß zwischen Southwark, einer Vorstadt von London, und Zandvoort an bet holländischen Küste durch das Markoni-Telephon ausgezeichnet gelungene Gespräche stattfanden, hei denen ein gewöhnliches Telephon benutzt wurde. Die Stimmen der beiden Mitarbeiter der Times tn Holland und Eng- land waren so klar, als ob sie sich im g eichen Zimmer befänden. Da» Telephonat dauerte 50 Minuten und wurde nicht ein einzrgeS Mal unterbrochen.
«eneralkapitel der Fran^-kaner.
Ben P. Provinzial Theophil Witze! (Frauenberg).
Pfingsten 1921 sind es 700 Jahre, da fah bas kleine Kirchlein „Maria von den Engeln", das zu den Füßen de» herrlich an den Monte Dubasio anyefchnüegten Assisi liegt, ein seltenes Schauspiel. Franziskus rum Assisi, der Sohn des reichen Kaufmanns Pietro Bemardome, hotte einige Jahre zuvor auf fein väterliches Vermögen und Erbe verzichtet, mch war aus Liebe zum armen Heiland arm geworden: arme Brüder gleicher Gesinnung hatten sich um ihn geschart, und nun hielt er dar erste große Kapitel, die erste große Heerschau, nm bester die Soldaten Christi auf der ganzen West verteilen zu Dirnen. 6000 Brüder fanden sich zusammen und lagerten um das Kirchlein auf freiem Felde («DtattentapiteE). Wie gleichzeitige Schriftsteller berichten und viele Maler in ben aßen Rieft ergangen es dargestellt haben, wetteiferte ganz AM und Umgegend, Arm und Reich, Hoch und Niedrig, Laien und GeMichkeit, diesen 5000 Armen Ehrst« alles zum Beben Notwendige reichlich zu bringen und Männer, die für Ehristu« alles verlosten hatten, fürstlich zu beträten. Damali wurde auch beschlossen, eine Anzahl Brüder nach Deutschland zu sanden; und wirklich sind damals, also vor 700 Jahren, die ersten Franziskaner nach Deutschland gekommen, wenn gleich dieser erste Versuch, in Devffchlaffd Fuß zu fasten, mißglückte, well die ersten Brüder die deutsche Sprache nicht verstanden und deshalb mancherorts derart üble Erfahrungen machten, daß sich bei den armen Franziskusbrüdem ein wahrer Schrecken t>or Deutschland verbreitete und man sogar in der LlleihMgenKtanei die Bitte hrnzufügte- SoT den Deutschen bewahre uns o Herr!
Da in diesem Jahre zugleich 700 Jahre verflossen sind, seitdem St. Franziskus ben 3. Orden (für Delttaute) gründete, hat der hochwürdigste Ordavsgoneral der Fnm- ziskaner, P. Serafin» Cimino, für Pfingsten dieses Jahres alle Provinz!Äe des ganzen Franziskanerordens nach Assisi berufen. Bis zum 6. Mai sollten alle SttmmbereeMgten emgetroffen fern; mrd e» ist zu verwundern, daß trotz der großen Reffesihwierigkriten nur zwei von 103 wegen Paßschwierigketten um einen Tag zu spät kamen. Wir deutschen ProomziAe, nämlich von Düsseldorf, München, Breslau und Fulda, trafen uns am Freitag den 22. April in München, wohin auch der Provinzial von Prag, sowie 6 Provmziäle aus den Bereinigten Staaten bezw. Brasilien gekommen waren, nämlich die deutschen bezw. deutschamerckanifchen ProvtaMe von Newyork (P. Mat- thia, Stadt aus vtatanLach), 6t Louis, (Bntimtati.
S. Barbara in Kalifornien und von Nord- und Sildbra- stlien. Mr sichren am Samstag den 23. Apri^über Kuf- stein nach Tirol (Innsbruck und Hall), um dann am Mon» tag mit dem dort auch emgotroffenen Provinziell von Wien (P. Mauritius Graf Bofsi-Fedrigotti, einem früheren öfter» reichischen Husewsn-Offizier) über den Brenner nach Bozen zu fahren, wo wir auf Einladung des dort weilenden Pro» vtazials von Nordtrrol eine gemeinsame Besprechung haben sollten. Als -rä aber am Monday den 25. April, vor» mittags in Hall an die Bahn kamen, hieß es: Der Brenner ist gesperrt! In Südttrol herrscht Streck! Was mm? Bier von uns, die bereite nach Innsbruck gefahren waren, sichren in der Hoffnung, doch irgendwie weiter zu komm«,, mit der Bohn bte zur letzten österreichischen Stottern Gries vor dem Brenner. Dir andern berieten, ob wir nicht über Feldkirch und di« Schweiz fahren sollten. Da aber in Innsbruck kein Schweizer Konsulat zur Besorgung der Restepässe war und hn Auskunftsamt versichert wurde, daß in ganz Dberitaßen Streik herrsche, gaben wir diesen Plan auf. Vielmehr entschlossen wir uns, am Dienstag bis zur österreichischen Grenze zu sichren und, wie die oi» andern, ein Weiterkommen zu verfuchen. Gesagt, getan. Dienstag ha» 1 Uhr führte uns der einzige Zug dem Brenner entgegen. In Gries vor dem Brenner hieß es: Wes aussteiyen! Nun suchten wir vergebens in dem kleinen Ort einen Wagen, ba ins 8 Mann samt wsterm Gepäck über trat Brenner bis Stsrzing gesahreein hätte; wir Hofston nämlich, dort eine Automoblloerbindung nach Bozen zu bekommen. Da kam, gerade wie gerufen, rin schönes, großes Stttto, das aus Meran nach dem Süden Reffende bis zur österrsichffchen Grenze brachte: das nahmen wir sofort für uns, und so konnten wir um halb 5 Uhr nachmittags noch Bozen fahren. Die herrliche Fahri über den Brenner mit der sehr langen Grenzkontrolle führte über Sossenfaß nach Sterzlng, wo wir erfuhren, bah die 4 andern Tag» zuvor von Grie» bis Sterzing (13 Stunden) durch Schnee und Ete zu Fuß gegangen und heute in einem Wagen nach Briten gefahren waren. Wetter ging es unter bfWjenben Kastanien, Akazien und Linden über Frmrzensseste und Drixen, bis wir halb 10 Uhr abends glücklich in Bozen ankmnen.
Die Weiterreise konnte wegen bee Streiks erst nach 5 lagen erfolgen; und auch do auf eigene» Risiko: rin «utobesitzer erbot sich, uns nach Venedig zu bringen; da er auf ausdrückliche Anfrage versicherte, Fahrterlaubnis außerhalb der Provmz von Trient zu haben, vertrauten wir 14 ProvinMe uns ihm an. Gegen 11 Uhr am Sonn, tag (1. Mai) ginge also wohlgemut gen Süden, zunächst
nach Trient, wo wir im FnmziskanerLoster eine kleine Rast machten.
Dann schlugen wir den Weg nach Südosten ein, durch die hrerliche SBafugana (Brentatal), botanmt durch die smchtbaren Kämpfe im Weltkrioge, vorbei am Städtchen und Soe von Santo und all den Orten, tue noch saft alle die Spuren der harten Beschießungen an sich tragen, im Halbkresse um das Ocbtet von Sarfreit und der 7 Gemeinden; wer diese himntelMstrebenden Felsen mit den eigens ausgehauenen Zickzackstmßen nicht gesehen hat, kann sich keinen Begriff machen rem der Schwere der Kämpfe, die sich hier abgefpieü haben, uni) vom Heldenmute der Verteidiger. So tarnen wir schließlich nach Gismon, das schon außerhalb des ehemals österreichischen Tirol» tag. Und hi« ereilte uns da» Geschick: Der Wagen wurde an» gehalten, und schon hatten zwei Soldaten dem Chauffeur die Papiere als tn Ordnung befunden jurüdgegeben, als noch rin Brigadier hinzutam, der nochmals die Papiere musterte und heraussanü, daß der Wagenlenker nur in der Provinz von Trieta sichren durste! Altes Bitten hals nichts: es wurde uns nur erlaubt, einige 100 Meter weiter Ws zum Bahnhose zu sichren, damit wir von dort aus Öen Zug nehmen könnten. Als aber der Stationsvorsteher erklärte, der nächste Zug fahre erst am Abende des nächsten Tages, sahen selbst die grimmigen Hüter der Ordnung rin, daß wir dort nicht bleiben konnten: Kaum rin Haus stand noch; die Bewohner wohnten in HolzHaracken; tntb die (wohl einzige) Wirtschaft, wo gerade eine johlende und betrunkene Rotte von soztalistffchen Arbeitern unter der roten Fahne dm 1. Mai feierten, war gewiß kein Quartier für uns 14 Patres. Nach langem Hm und Her, wobei sich fo ziemlich das ganze Städtchen um uns vevfammett hatte, crafarbten die Soldaten uns, 12 SLm. bis PrimUkano y ickzufahren; der dortige Unteroffizier könne uns rielteicht die Ertaubnis grtren, zum nächsten Leutnant (etwa 12 Klm. kfinter Gismon) zu sichren, der dann feinerfeite vielleicht die Ermächtigung geben könne, bis zum Ende der DÄswganabahn, Bassano, zu fahren.
So fuhren wir beim, mit 2 Soldaten auf Trittbrett, die 12 Klm. zurück nach Primulcmo: und richtig, der Unter« Offizier, dem man bei einem Härärimrck ein kleines Andenken hintertassen hatte, erlaubte un» schriftlich nunmehr «behelligt ungefähr 25 Klm. weiter zu fahren bi, zum nächsten Leutnant, mittlerweile wunde es schon dunkel; und auch der Leutnant hatte Einsicht; in sehr entgegenkommender Steife erlaubte er uns, noch weitere 15 Klm. bis Baffono zu fahren; auch dorthin folgten uns die 2 Soldaten, Es war bereite 10 Uhr, als wir ankamen, und regnete; überhaupt hatte et tat, wie uns d« Leute jagim, vom.
1. April bis 1. Mai täglich geregnet. Nach längeres» Suchen fanden wir noch ein Hotel, wo wir 14 Mann in 4 Zimm em Unterkommen könnten. Anders Tags 4 Uhr brachen wir auf, um den ersten Zug um 5.10 Uhr nach Venedig bezw. Padua zu benutzen und dort noch hl. Messe zu lesen. Da aber der 1. Mai-Streck nach den Plakaten am Bahnhof erst um 8 Uhr des 2. Mai endete, konnten wie erst um 6 Uhr ab fahren und hatte« fo noch reichlich Muße, vom Bahnhöfe aus das schneebedeckte Massiv des Monte Grappa zu betrachten, der, von ben Italienern zu einem neuen Gibraltar ausgebaut, f. Zi. dem Siegeslauf der Verbündeten einen Riegel vorschob. 5 Mann fuhren nach Venedig, die andern, darunter ich, nach Padua. Die Weiterreise von dort bot teure neuen Schwierigkeiten. Schließlich trafen wir uns alle in Florenz wieder, und da mitt- lerweife auch 6 jädcrmerikcmische (spanische) Prooinziäte emgetroffen waren, reisten wir 20 Franziskaner aus allen Gegenden am 5. Mai zusammen von Florenz nach Assisi, wo wir auf Christ! HimmÄfahri-Nachllmttag gegen 8 Uhr ein! rufen.
Und nun sind hier »etrintgt Provinziale aus Nord», Mittel-, SAntalien, Sizilien, Sardinien, Mräa, Kvrsita, Portugal, Spanien, Frankreich, England, Irland, Delgte»- Holland, Deutschland, Deussch-Oesterreich, Deuffch-Tirech Kram, Ddlmatien, Kroatien, Bosnien, Herzegowina, Kärnten, Siebenbürgen, Umgarn, Polen, Palüstina, Nord-, Mittel- und Südamerika, im ganzen aus 96 Provinzen, die zusmmnen 1639 Klöster und 16 251 Mitglieder zahlen, darunter 8738 Priester, 2021 Kleriker (Studierende), 472 Lteriker-Nooizen und 5029 Laienbrüder. Sett dem letzt« Kapitel vor 6 Jahren hat der Orden durch den Tod 1932 Mitglieder verloren, ein furchtbarer Beitrag ynn Weltkrieg!
Dm Vorsitz bei den Verhandlungen führt der hoch- würdigste Protektor des Ordens, Orestes Kardinal Giorgt, ein überaus liebenswüringer Mann, unter dessen Leitung die Beratungen in bester Harmonie verlausen, lieber« Haupt ist das ein tröstliches Merkmal unseres Kapitel« Nichts, kein Wort, tem Blick, feine Miene läßt darauf schließen, daß die Obern der verschiedenen Provmzen Nationen ongchö. n, die sich in so erbitterter Weise bekämpft haben. Uns Söhne des hl. Franziskus h<tt der Krieg nickst getrennt; mir lieben einander, als hätte es keinen Welte krieg gegeben. Möchte dieser Geist von Assisi übergehen auf die ganze Weit, und wieder Siebe und Friede und Eintracht einziehen in die öde, fieblofe, friedensleere WM Drum rufen wir in diesen lagen: „Sende aus Demen Geist, und alles wird neugeschaffen."
Porülyckulg—Ajsisi, den 10. Mai 192L