Fuldaer Leitung
Druck der Fuldaer Artieudruckerei in ~-aibe
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Die Frauen im Zentrum.
Sim 1.Maid.I.errichtete das Reichsgeneral- sekretariat der deutschen Zen trumspartei en »sprechend den Fordern n gen der Zeit ein D e z e r n a t für Zentrumswählerinnen unter Leitung einer Frau. Diese Einrichtung ist umsomehr zu begrüßen, als sie nicht nur dem Wunsche entsprang, der Pariei in der Frauenwelt eine große Wählermasse zu sichern, sondern vielmehr ein Ausfluß der Ueberzeugung war, daß die Frau ein Recht hat auf gesicherte Vertretung ihrer Interessen und daß auf manchen Gebieten erst durch Zusammenarbeit mit der Frau hochwertige Leistungen erzielt werden.
Tatsache jft leider, daß viel zu wenig geschulte weibliche Kräfte in der Oeffentlichkeit stehen und daß dieserhalb wichtige Frauenfragen gar oft zurücktreten müssen. Das soll und muß anders werdeni Wie bereits in Köln und Münster Frauenbeiräte innerhalb der betreffenden Parteiverbände gebildet wurden zwecks Schulung aller der christlichen Frauen, die bisher der Politik fremd gegenüberstanden, so soll auch in anderen Teilen Deutschlands eine Organi- sation geschaffen werden, die die staatsbürgerliche Schulung bei mittfit, Führerinnen heranbildet und so eine geschloffene Vertretung der Fraueninteressen ermöglicht.
* Ein Berliner Mörder in der Fremdenlegion. Der 24 Jahre alte Stellmacher Walter Liesegang hatte vor einem halben Lahre den 70 Jahre alten Geldverleiher Engelmann in seiner Wohnung in der Linienstraße zu Berlin ermordet und beraubt.
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Freitag, 13. Mai 192L
Aus der katholische« Wett.
• ver Nürnberger Katholikentag. Unter äußerst starker Beteiligung, besonders auch aus den lotijohfctjen Landgegenden, wurde am Sonntag der Katholikentag in Nürnberg abgehalten, dem am Samstag abend eine besondere Begrüßungsfeier im Herkulesvelodrom, wo auch Erzbischof Dr. Hauck (Bamberg) ein« Ansprache hielt, vorauSging. Am Festtage selbst sand im Lmtpold. Hain FesigotteSdienst statt, bei weichem der Guardian de» KapuzrnerklosterS Eichstätt Pater Dionh» dte.Fest. predigt hielt. Im geschloffenen Zuge wurden die Teilnehmer sodann nach dem Kulturvereinssaale und dem Herkulessaalbau geführt, wo Festakte stattfanden. AIS Redner sprachen Universitätsprofeffor Geheimrat Dr. Beyer le (München), Direktor Dr. Sonnenschein (Berlin, und Studienprofeffor Stang (Würzburg) über „Der Katholik und das moderne Staatsleben'. In den Nachmittagsoersammlungen wurden von Frau Stadttat Ullrich (Nürnberg), Frh. v. Frankenstein, Sludien- proseffor Dr. Herrmann (Bamberg) und Schulrat Weigel (Amberg) die Themata behandelt: .Der Katholik und das Familienleben' und .Die Schulfrage der Gegenwart'. Abends fand noch eine Festvorstellung im Stadttheater statt.
-? Aus der kakhoNschea Skudenlenschaft. In Heidelberg tagt in der Pfingstwoche (18.—21. Mai) die 59. Generalversammlung des Verbandes der wissenschaftlichen tatf). Studentenoereine llnitc5 (U. V.). Zur Verhandlung stehen befonbers die Aufnahme von vielen neuen Vereinen, der innewer- baMiche Ausbau, die Auseinandersetzung mit hochschul- polstischen und studentischen Gegenwartsfragen. die Arbeitsgemeinschaft der kath. StudentenverbäNde, der Gedankenaustausch mit der internationalen Union kath. Studenten (Freiburg i. Schweiz) und die Mitarbest beim Wiederaufbau der Heimat und des Vaterlandes. Da der U. V. neben mehr konservativ gerichteten Vereinen auch viele ganz neu fühlende und arbeitend- Vereine in sich schließt, beide unlöslich verbunden durch die stark ausgeprägte katholische Weltanschauung, dürfte di« Tagung in ihren Anregungen und Veschlüffen auch für die größer« Oeffentlichkeit von Dcdcutung werden, die so vierfach noch nach Wegen sucht, die auseinanderdrängenden Erscheinungen der Zeit zu einer lebensvollen Einheit zu führen.
vermischtes.
* Die Geheimbündelei. Nach Meldung der ,Halleschen Nachrichten" deckte die Hallesche Kriminalpolizei eine kommunistische Organisation auf, die sich über ganz Deutschland erstreckt. Die Organisation, die den Namen „Rote Hilfe" trägt, hat den Zweck, Ausweispapiere und Unterkunftsmöglichkeiten für politische Flüchtlinge zu beschaffen, d-es wenn erforderlich, über die Grenze meist nach Sowjet» rußland zu schicken. Der Sekretär der »Roien Hilfe" konnte verhaftet werden.
Unpolitische Zeitläufe.
Von Fritz Nienkemper.
Berlin, 10. Mai 1921.
Was ist Pfingsten?
Ein sehr vielseitiges Fest.
Wenn man vom äußerlichen anfängt, kann man «s zunächst das hohe M a i f e st nennen. Cs ist der christliche Maitag, dem echten und rechten sozialen Ge- Lanken gewidmet, denn es ist der Geist der Liebe und Brüderlichkeit, der zu Pfingsten sich aus Menschen aller Klaffen und Raffen ergießt.
Pfingsten ist uns das schönste Frühlingsfest. 8n unseren Breiten pflegt Ostern schon in den Anlauf -um Frühling zu fallen und bringt über dir zarten Kein« ost noch rauh« Wetter. Fünfzig Tage später ist die Macht des Frühlings erwacht. Wir spüren Neues Leben und Blichen rings umher und im eigenen Gebein.
turns betrachten hn Dienste höherer Ziele — so ost ist das von Kirchenvätern ausgefprrxym worden, nur schade, daß man es vergessen bat. Die Urgemeinschaft, auf der sich das staatliche Zusamvwnleben gründet, ist d« Familie. Aus der Familie strömt dem übrigat Zusammenleben die Kraft der Gesundung zu. Die Der. wirklichimg des Ideals des FamilienSebens fordert auch di« Schaffung guter Wohnungen, In der an dieses Referat anschließekwm Aussprache ergreift erstmalig ttrf einem kath. Arbeiterkongreß eine Frau, nämlich die Abg. Eberle-München das Wort, um die Frau für di« Familie zurückzusordern aus der Welt der Industriearbeit.
Am zweiten Tage sprach der Derbandspräses der west, deuffchen Arbeitervereirve, Dr. Otto Mülle r-M. Gladbach, über „Unsere Kulturarbeit", dessen Ausführungen die Der- fammlung mA größtem Ir.iereffe folgte. Nach der Diskussion verbreitete sich Redakteur W. Elfes, der als Schrrriedelehrling in einer Dorfschmiede gelernt hat, in geistvollen Vorführungen über das Thema „Unsere Ar- beit m Wirtschaft und Staat".
Das für sämtliche angeschloffenen Dereme als verbindlich geltende katholische Arbeiterprogramm würde am Nachmittag des Ivetten Tages besprochen und iestgestellt. Semen Wortlaut werden wir gelegentlich wie- berget» en.
Am Schlußtag des Kongresses, am Sonntag, fand eine imposante- Wallfahrt der Teilnehmer zur Gnaden- kapelle auf dem Kappel« statt. Am Nachmittag war eine Festversammlung, in der anstelle des durch die Regierungs- bildumg verhinderten Reichspostministers Giesberts der Kol- ner Diözesimpriises Klein e-Nathan über das Thema: 30 Jahre Enzyklika „Rerumwwvarum" sprach, durch di« Leo XIII. für die Arbeiter sm größerer und besserer Füh. rar gemutet fft als Bebel, Lassalle und Marx. Mil herzerquickenden Watten des Prälaten Walterbach. München, der rückblickend auf den Verlauf des Kongreffes aufforderte zum Opfergeist für das Programm der kath. Arbeitervereine und einem donnernden Hoch auf die christ- siche katholische Arbeiter bewegung schloß die gewaltige Kundgebung.
feine Helfershelfer nach längerer Jagd hinter Schloß und Riegel gesetzt wurden, war seine Festnahme nicht geglückt. Er hatte außer diesem Morde noch eine Reihe anderer Verbrechen begangen, die erst im Laufe der Zett aufgedeckt werden tonnten. Durch Zeugenaussagen kam man dahinter, daß Liesegang in Köln Papiere aus falschen Namen gekauft und über die Grenze nach Frankreich geflüchtet war. Jetzt hat der Mörder aus der Fremdenlegion an den Berliner Kriminalkommissar Trettin einen Brief gerichtet, also lautet: „Le Craisser, 30. April 1921. Bin wohl geborgen, ich bin nämlich in der Fremdenlegion. Er ist ja schade, daß ich aus dem schönen Deutschland weglaufen mußt«, aber ich mußte eben, denn aus Mord !sibt es allerhand Knast. Ich habe zunächst meinen Namen gewechselt und marsch in die Legion. Damit Sie mich nicht mehr zu suchen brauchen, fd) reifte ich meine Adresse. Hier kriegt Ihr mich doch nicht. Ich bin nun schon verschiedene Monate hier. Gefällt mir bester wie in Sonnenburg. Da habt Ihr wohl alle Augen gemacht, als ich das Ding drehte und solch einen bösen Ausgang nahm. Totschlägen wollte ich eigentlich nicht, aber hrls er sich. Es war eben passiert. Die Belohnung geht jetzt flöten. Ihr P. Lunow. Ja, wenn Ihr den richtigen Namen wüßtet."
* Der erst« Ehrenbrief an eine Turnerin. Zum ersten Male ist von der Deutschen Turnerschaft einer Turnerin der Ehrenbrief verliehen worden. Er setzt voraus mindestens 50 Lebensjahre und mindestens 25jährige treue Arbeit in Vorturner- oder Vorstandsämtern Die für Turnertreue Geehrte ist Studienrat Fräulein E. Maske in Lüneburg.
spricht. Das Kind selbst gibt dann gewöhnlich auch seinerseits einer gewissen Enttäuschung, wenn nicht gar Empörung Ausdruck. Das alles ist nicht recht getan. Man darf niemals Lehrer und Schule als etwas Fremdes betrachten, das in unser Haus, in unfern Familienkreis eindringt, das sich Rechte anmaßt, die ihm nicht zukommen, sondern man muß stets im Auge behalten, daß zwischen Schule und Haus ein inniges Verhältnis bestehen soll, daß die Lehrer die freund» lüchen Vertreter der Eltern sind, daß sie es nicht leicht haben, einer ganzen Menge sittlich und geistig völlig verschieden gearteter Menschlein nicht nur das Jahres» penfffin beizubringen, sondern auch erziehllch auf ste einmirfen, ihren Fleiß und Ehrgeiz anzuspornen, ihnen Ordnung und Konzentration beizubringen, ihren Cha» ratter zu stählen, sie zu fleißigen, tüchtigen Menschen heranzubilden. Jeder Lehrer freut sich über von ihm erzielte Fortschritte und über eine Anerkennung und Dankbarkeit für seine Mühen. Aber statt besten beobachtet man seine kleinen Schwächen, sein vielleicht allzu pedantisches Wesen, seine wohlgemeinte Streng«, • entdeckt auch wohl gar so etwas wie Ungerechtigkeit usw. Run, auch Lehrer sind Menschen und haben ihre Ägenheiten, eben deshalb aber sollte man niemals in Gegenwart der Kinder seine Ansichten über Schule und Lehrer Austauschen. Das führt entschieden zu Nachteilen für das eigene Kind, es macht es anmaßend und fieMos, unaufmerksam und träge. Das Kind soll wiffen, daß jeder Mensch anders fft, also auch jeder Lehrer, aber es muß auch den eigentlichen Zweck der Schule begreifen lernen. Tut es nur seine Pflicht, dann wird gewiß auch jeder Lehrer chm ein Freund fein und bleiben; deshalb sollte man nicht nörgelig sondern die Kinder zur unbedingten Achtung und Ehrerbietung ermahnen,' «f.
— Allerlei Weisheit. Ein englisckier Arzt hat festgestellt, daß ein dreizehnjähriger Aunge mehr Nahrung braucht als ein erwachsener Mann. — In den Bereinigten Staaten gibt es in den verschiedenen Sekten'3000 weibliche Geistliche. — Es rft statistisch feftoeftellt, daß in Frankreich von toter Kindern eins ftii6t, ehe es das erste Lebensjahr vollendet Hot. — Die Zahl der Ehetchließungen mit Männern, die über 35 Jahre alt sind, nimmt beständig zu. — Manche Fische sind bester imstande als die wlenjchen, eure Austeruschale ju öffnen.
der sichtbaren Zeichen von der fortdauernden Fürsorge des Nährvaters der Welt.
Die Freude an der Natur, ja die innige Freundschaft mit der sogenannten leblosen Natur ist recht christlich und kommt z. D. in der ergreifendsten Weise zum Ausdruck bei dem seraphischen Franziskus von Assisi, der in dem Chor seiner Lieder die mächtige Sonne und den bescheidensten Käfer mitsingen ließ.
Osterspaziergang und Pfingstspaziergang, — di« find sehr am Platze. Zu Ostern empfiehlt es sich be- sonders, am FrieUof Halt zu machen, um der Auf. erstehung zu gedenken. Zu Pfingsten empfehle ich, sinnend an der Schule vorüber zu wandeln. Denn das ist die brennendste Sorge der Zeit, daß der Nach- wuchs erzogen wird im rechten Geiste von Pfingsten.
Literarisches.
De profandis. Der Pariser Friede vom Standpunkte der Kultur und Geschichte. Ein Appell an das christliche Gewissen von Dr. I. Eberle. 216 Seiten. 8°. 15 Mk. Verlagsanstalt Tyrolta, Innsbruck-Wien, München-Bozen.
Schon die Aufsätze, die der unerschrockene Herausgeber der in ganz Mitteleuropa verbreiteten und angesehenen Wochenschrift .Das neue Reich' über die kulturmörderischen FrieSensdiktate der Entente der- öffentlichte, haben weit über die Grenzen Deutschland- unü Oesterreichs hinaus Aufsehen erregt und sind in der AuSlandspreffe auszugsweise wiedergegeben und lebhaft besprochen worden. Die jetzt in Buchiorm zu. sammengefatzten, vielfach ergänzten und vertieften Ausführungen werden allenthalben stärksten Widerhall finden. Dr. Eberles Buch behandelt systematisch ditz Fragen der Weltkriegsschuld und WelttriegSsühne bis zur allerjüngsten Gegenwart, die Londoner Konferenz einbegriffen. Es will die Erkenntnis vom Anteile alle« Völker an den tieferen WellkriegSursachen wecken, will von dieser Erkenntnis aus zum allgemeinen „mea culpa“ anregen, von der Erkenntnis der Tatsache der allge, meinen Schuld zu der Notwendigkeit der allgemeinen Sühne führen und von hier zu deren natürlicher Frucht« zur wahren Versöhnlichkeit, zum wahren Frieden.
8 e r kntöljrt sich ein weltlicher Spruch url) ein Dort der Schrift. „Alles neu, macht der Mai", heißt es im Volksmunde, und geschrieben steht: „Sende aus deinen Geist, und sie werden geschaffen werden, und du erneuerst das Angesicht der Erde/ — Erneuerung draußen und Erneuerung drmnen, das ist des Zeichen des Festes.
Pfingsten ist das Fest des Friedens, — der Versöhnung und Bereinigung der Völker. Das Spra- chamvunder am Pfingsttag deutet schon an, daß die babylonische Sprachenverwirrung und Völkerscheidung rückgängig gemacht werden solüe. E, kam der Geist feer Gerechtigkeit und der Liebe in die verworrene Welt. Wenn er sich nicht voll aurwirken konnte auf Erdens so liegt das nicht an der Gnade des Himmels, sondern an der Unvernunft der Menschen.
Pfingsten ist das Fest des Völkerbundes. Von dem hoben die weltlichen Staatsmänner niet gt. Ktet und on ihn herumgekünstelt bis ein verkünsteltes 'Strrufo entstand und die Völker werden zu einer Aten und fruchtbaren Verbrüderung erst dann gelan- gen, wenn sie olle beseelt sind von dem Pfingstgeist.
Das V^rb.ld und sozusagen den einen Flügel des Völkerbundgeläudes sehen wir in der einen yei.igen allgemeinen Kirche, und Pfingsten ist der Geburts- iss der Kirche — der katholischen, allumfassenden,
Zum Wiegenfest der Kirche noch einen Vergleich
Das wir schaudernd erleben mußten, sieht der Sinl- fbtt sehr ähnlich, von der die Bibel berichtet. Sogar eine blutige Sintflut ist über die Welt gekommen. Wo ist die Arche des Heils? Die Kirche ist heil geblieben in den Stürmen und hoch geblieben über ben Fluten. Von der Arche der Kirche aus sind die Frie- denstaulren wiederholt aufgelaffen worden. Wie da- mals kehrten auch jetzt nicht all« Tauben roteber, und man muß schon froh sein, wenn ste nun endlich «in Hoffmmgsblatt heimbrachte. Aber von der geretteten Arche wird neues Leben ausgehen über die verwüstete Erde. Wohl denen, die m dem Rettungsboot der Kirche sich bergen konnten.
Die stolzesten und stärksten Schiffe der Welt sind zugrunde gegangen. Das „Schifflein Pein", das manche Spötter für brüchig und manche Zweifler für winzig erklärten, schwimmt stark und ruhmvoll auf den Gewässern. ______________
— haus und Schule. Wohl zu keiner Zett im ganzen Jahre bietet die Schule einen derartigen Gesprächsstoff im Elternhause, wie zu Ostern. Und wie von der Schule spricht man natürlich auch von den Lehrern. Nicht immer fft di« Meinung gut. Ist ein Kind nicht versetzt worden, dann findet man gewiß allerhand auszusetzen an den Herren Pädagogen, und ist der Fall nicht so schlimm, handelt es sich nur um die Zensur, so glaubt man, auch hierbei das oder jenes bemängeln zu müffen, wett die oder jene Not« E d«N Erwariungtz«. HM dem «Ml«« UttG «ut-
Im Zusammenhang mit her Tagung veranstaltete bi« Leo-Filmgesellschaft-München eine Sonder- vorstrllung, um die kulturelle Bedeutung des Lichtspiels den Teilnehmern des Kongresses öarzuttm. Dazu waren auch bis Hochw. Herren Erzbischof v. Hauck und der Bischof von Würzkmrg ovschienen. Zur Vorführung kam der Mm: Das Leben des hl. Franziskus, der ehren starken Eindruck hinterließ. Der Vertreter der Leo-Filmgesellschaft hatte vorher m seiner Begrüßungsansprache zahlenmäßig auf bte Macht des Kinos m unserem Volksleben und auch auf feine wichtige Stellung im Wirtschaftsleben hingewiesen. 20 Milliarden Mark Kapital sind in den Kinos angelegt. Die Mm-Pwduktton des letzten Jahres in Deutschland betrug. das övfache der Iahreserzeugimg ganz Europas vor dem Krieg. Zu bedauern ist nur, daß"noch nicht 52 einwandfreie Films auf gesunden werden tomrnn. Wahr muß der Satz fein, den der Redner aussprach: Nichts ist so beschmutzt worden wie die weiße Leinwand des Kinos. Beim größten Schund reißen sich die Leute um die Plätze und bei guten Vorführungen sind bte Kinos teer. Dem muß COTtgegengetmrft werden durch Verdrängung des schlechten Films und Hebung des Geschmacks des Publikums. Dagegen fft es unmöglich, durch Todschweigen des Kinos oder Schimpfen die Gefahr der Lichtspiel-Ent- Wicklung aus der Welt zu schaffen. Auch für die katholische ArbefterbevLlkenmg erwächst Ne Pflicht, an der Veredlung des Kinos mifjumirten.
^^r^nllichr^Staalei^n^Stämm^ich^rstleckmÄrn Weltkirche.
So ist Pfingsten auch das hohe Fest der K u l t u r. Nicht 'bloß her religiösen Kullur auf Erden, sondern der gesamten Kuttmentwicklung; denn aller Fortschritt im Wahren, Guten und Schönen fußt auf den geistigen Kräften, di« zu Pfingsten geweckt sind. Die Entwicklung vollzieht sich, wie aller auf Erden, in Reibungen und Memungskämpfen, auch bis zum heu- tigen Tage noch. Es gibt Störungen und Rückschläge, wie wir sie in den Schicksalsjahre« erlebt haben vnd jetzt noch weiter befürchten müffen. Aber die Grundrichtung wird doch wieder eingeschlagen werden, und das ist der allmähliche Triumph des Geistes über die Materie, der ewigen Ideale über den vergänglichen Stoff, der stttlichen Triebe über die niederen Instinkt- ber Körperlichkeit. Der Geist fft es, der schafft und lebendig macht und das Angesicht der Erde erneuert. Diese Botschaft von Pfingsten ist das Evangelium der Kultur.
Der Kongretz ver katholische« Arbelter- n«d Arbetterin«e«verei«e.
Bon einem Teilnehmer.
Der 2. Kongreß des Verbandes deutscher katholischer Arbeiter, und Arbeiterinnenvereine tagte vom 5. bis 8. Mai ds. 3s. in Würzburg.
Das war ein Bild katholischer Einigkeit, freimütigen Glaubensbekenntnisses, christlicher Weltanschauung und treubeutscher Gesinnung. Während die sozialistische Ar- beiter cf) aft immer mehr durch Spaltung auseinander- fällt, sahen wir in Würzburg zum ersten Mal die in letzter Zeit zu einem maßen Kartellverband zusammen- geschlossenen Verbünde der katholischen Arbeiter- und Arbeiterinnenvereine West- (M.-Gladbach), Sud- (München- und Ostdeutschland (Sitz Berlin), vereinigt, um gemeinsam über die großen Ziele und Wege der katho. tischen Arbeiterbewegung zu beraten. Und nicht nur diese Verbände waren vertreten, erschienen waren auch die Vorsitzenden der kathol. Arbeitervereine von Hol- land und Salzburg, Vertreter von Tirol, der Geaeralpräses der kath. Iünglingsvereine Msgr. Mo- sterts, der Vorsitzende der christlichen Gewerkschaften und Vertreter des Dolksvereins für das kathol. Deutschland. Da mußte schon der Degrüßungrabend alle Teil- nehme» von nah und fern mit Freude erfüllen.
Und wie erhebend war es nun, als am Morgen des ersten Derhanbümgstages nach der Pontifikalmsffe bei der feierlichen Eröffnung des Kongresses, die Vertreter von Staat und Kirche ihr Interesse und ihre besten Dünsche für die katholische Arbeiterbewegung bekun- ibeten. Regierungspräsident v. Henle begrüßte den «Kongreß namens der Kreisregierung und bezeichnete es als vordringliche Aufgabe, daß feder soviel als möglich zum raschen Wiederaufbau msthelfe. Dazu sei die ^Pflegx des Staatsgedankens unerläßlich. Erzbischof 'Jakobus Hauck legte dann in einer längeren Ansprache die setzigen vom Verlust des Wellkrieges erzeugten Zu- stände dar, die durch die Revolution vollends unhaltbar geworden feien, besprach die Aufgaben der kacholischen Arbeiter zur Beseitigung dieser Zustände und verwies die Arbeiter eindringlich darauf, daß sie mit der großen errungenen Macht auch eine große Verantwortung auf sich genommen hätten. Leider sei sich ein Teil der Arbeiter dieser Verantwortung nicht bewußt. Der Radi- kallsmue könne unserem Volke nie zum Heile gereichen. Recht und Gerechtigkeit müffen sich durchsetzen, bann fei auch ber wirtschaftliche Stiebe da. Die katholischen Bischöfe verfolgten den Kongreß mit regstem Interesse und erwarteten das Beste von ihm. Telegramme und Schreiben waren eingelaufen vom gesamten Episkopate Deuffchlands, in besten Namen Erzbischof von Hauck gesprochen hatte. Es wurde auch ein Schreiben an dm hl. Vater verlesen und das Antwortschreiben, tn dem der Papst seine Freude ausfpricht über das Ge. löbnis der Treue der katholischen Arbeiter on den hl. Vater; er erteilte von ganzem Herzen den katholischen Arbeitern den päpstlichen Segen, damit die Arbeit des Kongrestes erfolgreich fei. Pfarrer Nabor - Berlin be. gründete bann den Anschluß des Berliner Verbandes, der bekanntlich früher andere Wegs gegangen war, an den Gesamtverband, der freudig geschehe, und bittet, die Vergangenheit ruhen zu taffen, da ja das Ziel jetzt ein gemeinsames fei. ।
Die einzelnen Referate, bte tm Saufe tter dreitägigen Veranstaltung erstattet würben, ausführlich wtederzugeben, ,ist ans räumlichen Gründen unmöglich. Es fpiachm Der- banDsfetretär Schwarze r-Münchm über dasdeutfchs Vaterland, feine Not und seine Hoffnungen. Auf bte christliche Grundlage des beuffchen Volkes fetzm wir ttnfere Hoffnung. Es gibt keinen Haß zwischen SA» und Nord im deutschen Vaterland, und die 10 Millionen Deui- schen, die außerhalb des Reiches wohnen, müffen eines Tages doch zu uns kommen. (Bravo!) Redakteur Betz- Innsbruck überbracht«, stürmisch begrüßt, bte Grüße T i> rols, bas deutsch sei und deutsch bleiben wolle in Ewig» fett. (Stürm. Beifall.) Sehnlichen Eindruck machtm die Ausführungen des Vertreters der Arbeitervereine Salzburgs, bas nach dem Beispiel Tirols noch hn Mat cm bte Abstimmung über den Anschluß an Deutschland heran, treten roiH. Urbeiterfefretör Isenrat h-Hamm (Wests.) i sprach in großangelegtem Vortrag über „Unsere 0 e- sellschaftsibeale". Die beste innere Bindung des Menschm an ine Autorität wird durch das Bewußtsein geschaffen, daß der Herrgott selbst sie gewollt hat. Deshalb ist die Rückkehr zum Gottesglauben auch bte Festigung von Ruhe und Ordnung, des staatlichen Zusammenlebens überhaupt. Cs müffen Männer an der Spitze der menschlichen Gesellschaft stehen, die nur das Wohl des Volkes kennen, die nicht das eigne oder das Interesse ihrer Freunde suchen. Es müffen zugleich Männer fein, die an höhere Ideale glauben als an bte I »tedern materiellen Güter der Erde. Unser Volk mich I wissen, daß Demokratie ohne Ehrfurcht vor der Autorität I nicht bestehen kann. Ja. die Demokratie bedarf der be- I wußten Pflege des Autorttätsgefühls noch mehr als eine I andere Staatsform. Sn der Anhäufung des Eigentums in I wenige Hände liegt, so sagte der Redner weiterhin, stän- I feiger Anreiz, bte Macht des Kapitalismus zum I Schaden der Gefamthest zu mißbrauchen. Der Mensch soll I sich aber nach göttlichem Willen als Derwalter des eigen. I
Em so vielseitiges Fest wollen wir in Freude begehen. In Freude? Steht die nicht in schreiendem Widerspruch mit der schauerlichen Last und Not der Zeil? Allerdings sind die jetzigen Tag« nicht zum rubeln und Jauchzen angebracht; aber die inner- siche Freude kann uns niemand verwehren oder rauben. Aus dem lebendigen Glauben kommt die tröstliche Hoffnung, und wer den Geist der Liebe in sich aufnimmt, der spürt jenen Frieden, den di« Welt nicht geben kann: den ftiedlichen Einklang mtt Gott und mit dm Brüdern, sowohl mtt den Dorausgeaairgenen wie mit den Lebenden, di« wir alle wiederfinden werden in jenem Reiche, wo nur der gute Geist ohne alle Störung di« Geschöpfe und den Schöpfer vereint. Da« gibt Trost und Stärke; bas weckt Freude im Herzen, wenn auch draußen die Stürme toben.
Es ist auch kein Widerspruch, wenn wir an diesem Fest des Geistes an der austolühenden Natur unseren Blick weiden. Das Natürliche tritt nur dort in Gegensatz zum Geiste, wo der Mensch mit seinen unedim Trieben die Natur schändet und verdirbt. Was da draußen sprießt und blütfi und reift unter Gottes Sonne, das ist nicht von der Sünde befleckt. Es ist eine Schöpfung der gütigen Vorsehung, die unsere Seele erbaut und unsere leiblichen Sorten Wjtft cmgeficht-
* Die rühmlichst »zurückeroberkm" Geschütz«. Ditz „Straßburger Neuesten Nachrichten" melden: Auf dem Broglie-Platz in Straßburg, unmittelbar vor dem Offiziervkasiiw, sind 26 Steinsockel errichtet worden, auf denen die aus dem Berliner Zeughaus „entnommenen" alten französischen Geschütze von 1870 ausgestellt werden. Dorthin also werden di« auf so heldenmütige Weise „zurückeroberten" französi* schm Geschütze von 1870 verschleppt werden. Es fehlt dann nur noch der Orden der Ehrenlegion für die tapferen französischen Offiziere, die diesen le* bensgeföhrlichm Eroberungszug nach der deutschen Reichs Hauptstadt geführt haben. Vielleicht meißelt man auch die Namen der Tapferen, die an diesem Werke mitgearbeitet haben, auf den Sandsteinsockei am Broglie-Piatz ein zum ewigen Angedenken.
Handel «nd Wirtschaft.
-- Ultimatum und Valuta. Der Kursstand bei deutschen Reichsmark hat in der letzten Schicksals. Woche außerordentliche Schwankungen erfahren. ES war bemerkenswert, daß alle Nachrichten au» dem Auslände über die geplanten hohen Forderungen an Deutsch.' land den verhältnismäßig günstigen Stand der Reichs, mark an auswärtigen Börsen nickt erschüttern tonnten, AIS dann das Ultimatum eingetroffen war, hielt zunächst die Börse immer noch stand. Als dann aber die Tage der Ungewißheit nach dem Rücktritt des Reichskabinetts kamen und als dann die Erörterungen über die Ännahn« oder die Ablehnung des Ultimatums hin und her schwankten, da fiel der Kursstand der Mark ganz außerordentlich. Demgemäh bewegten sich die Kurse der au8. ländischen Banknoten. Der amerikanische Dollar, der schon auf 59 gefallen war, stieg am 6. Mai auf 65, am 9. Mai auf 67 und am Tage nach der Annahme beS Ultimatums fiel er wieder auf 62. Noch stärker war die Kursbewegung beim Franken, der einen rapiden Aufschwung in den ersten Mai-Tagen genommen hatte und am 6. Mai auf 6,50 Mark stand. Am 11. Mai, also nach Annahme deS Ultimatums, fiel er wieder auf 5,20 Mark. In derselben Weise gestalteten sich die Kursschwankungen bet den Übrigen Werten. Daraus eraidt sich, daß die Börse, die immer in der Zusammenfassung der wirtschaftlichen Faktoren ein Gradmesser für die Beurteilung der .Stimmung' war, die Annahme deS Ultimatums vom deutschen wirtschaftlichen Stand- punkte aus nicht aI8 katastrophal betrachtete. Tie gleiche Üluffaffung herrschte, und das ist für unS das wichtigste, auch an den ausländischen Börsen, bet denen nach Bekanntgabe der Reichsta sentschlietzung die Bewertung der Mark auffallend in Sie Höhe ging. '