Fuld a er Z eitun g
Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.
Nr. 109.
Verantwortlich für den redauionelleu Teil: Karl Schütte, - für die Anzeigen: A Parzeller-Fuldo. ~ RotaUonsdnick u. Verlag der Kuidaer Actiendnnkerei in Fulda. Fernsprecher Nr. S. Telegr.-Adresie: FuldaerZeitung,
Freitag, 13. Mai 1921.
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48. Zahrg.
gelacht und geantwortet: geht Dich nichts an. Das was es glaubt, ist feine Nacht und sein Blut edel das genügt mir und hat
„Brüderlein, Drüderlein, das Weib ist meine Sache und Sache. Es ist schön wie dir wie das eines Araberrosses; auch Dir zu genügen.*
Kein Vertrag mit Korfanty.
General Lerond Dementiert
Mt starker, gewaltiger Hand ergriff er sogleich die Herrscherzügel, und Franz Bernhard, der jüngere Vru. Der, sah sich mit einem Schlage aller Befugnis und Macht beraubt. Da er aber sanft und stiller Gemütsart war und von großer, strenggläubiger Christlichkeit, räumte er ohne Widerstand den bisherigen Platz und begab sich in ein naheliegendes Kloster, sich dem geistlichen Stande widmend, zu dem Herz und Sinn ihn schon lange gezogen hatten.
Vorher aber hielt er es für seine Pflicht, den Bruder über sein Verhältnis zu dem fremden Weibe und über dessen Glauben und Sippschaft zu befragen. Da hat bet älteste Sesenburger laut ' '
ihre Gemächer, die Gemächer, die Hans Heinrich ihr und ihrem Diener im großen, grauen Turm hatte cinräu. men lassen.
Mehr ist von ihm nicht zu erfragen gewesen, und Franz Bernhard ist mit schwerer Sorge um das Seelen- heil seines Bruders und dessen Genossin baoongegangen. Ob das junge fremdländische Weib durch eine kirchliche Weihe mit Hans Heinrich verbunden gewesen, hat nie. mand erfahren. Er hat mit ihr gelebt wie mit einem angetrauten Gemahl, und nach Jahresfrist Ist im Turm, gemach des otten Schlosses ein Mägdelein geboren mürben. Als Bruder Dominikus, wie Franz Bernhard als Mönch genannt wurde, das erfahren hat, ist er zum ersten Male wieder auf das Schloß gekommen und hat verlangt, das Kindlein zu sehen.
Der Vater hatte die Stirne gerunzelt, aber ihn doch in das Turmgemach geführt, und da ist ihm die junge Mutter entgegengetreten; sie war wirklich schön wie die Nacht, und hat ihm demütig di« Hand geküßt und mit ihm In seiner Sprache gesprochen, zwar in fremdländischem Ton und wunderlicher Art, aber klar und verständlich und ihn gebeten, an ihrem Töchterlein die hl. Tause zu Wllzieheu unbe» zu segnen. (Forts, f.)
Der RUg der Ruramaja.
Roman von Kate van Beeker.
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$)a«g Heinrich sprang auf, eg schnürte ihm die Kehle tzu, und das Wort „Fluch* schwirrte mit Fledermaus- flügeln grauenhaft und doch unglaubhaft durch seine Gedanken. „Fluch, Du sprichst immer von Fluch, Ahne, und wenn nicht daneben so schreekensoolles Schick- sal schritte, möchte auch ich lachen, wie Ihr alle gelacht habt. Es gibt keinen Fluch; er wird nur dadurch, daß „215 solchen nimmt und fürchtet, wirksam und unheilvoll.
, »Das sagten wir alle, bis uns der Glaube mit tau- fenb Schmerzen ins eigene Fleisch geschnitten wurde. Aber ich will darüber nicht mit Dir streiten, ich ließ Dich nur rufen, um als Letzte, die von dem Schicksal unserer Familie weih und sagen kann, zu Dir zu sprechen. Es gibt feine Aufzeichnungen für die Geschichte derer von Sesenburg. D,e alte Chronik, die frühere Geschlechter geführt hatten, ist in den Franzosenjahren bei einem Sranbe, den sieg re. und roeintrunfene Kosaken im alten Schloß entzündeten, in den Flammen untergegangen. Das ich weiß, ist allez mündliche Ueberlieferung * — „Und voraussichtlich durch diese entstellt und ins Sagen- Wt gewachsen. Ahne. Frühere Geschlechter ließen ihrer abergläubischen Phantasie ziemlich wild dir Zügel schießen*, unterbrach der Hörer, unwillkürlich auf- atmend, die langsam fließend« Siebe.
Die alte Frau lächelte schattenhaft. „Ich würde Dir recht geben, wenn nicht greifbare Beweise vorlägen für das, was geschah, und roemt nicht die Erlebnisse ihr bestöttgendcs Siegel darauf gedrückt hätten. Aber Du hast Rechte und Pflichten Deines Geschlechtes, und beide verlangen, daß Du feine Geschichte kennst. Bor langen Jahren, als ich noch jung war, und ehe das Leid mich selbst traf, habe ich nach den Erzählungen jener Ahne Sesenburg, die noch selbst alles in der Chronik gelesen hat, aufgeschrieben, was Du jetzt erfahren sollst. Ich gebe Dir tue Blätter. Es ist nichts darin zu den Begebenheiten hinzuoejetzt, nur das was Pater Dominikus 1
berichtete, in eine zeitgemäße Form gebracht; ich war Immer im Schreiben geschickt. Lies, und wenn Du fertig bist, habe ich Dir nur noch kurze Ergänzungen und Bestätigungen zu geben.*
Gehorsam setzte Hans Heinrich sich wieder auf seinen ®‘ubl, die Greisin lehnte sich in den ihren zurück, und während durch das Zimmer die Frühsingssonnensttahlen in luftigem Spiel huschten und vor dem halb offenen üenfter die Amsel ihren kurzen, trotzigen Ruf hören ließ, entfaltete der letzte Sesenburg die vergilbten Blätter und ließ die Schicksale seines Geschlechtes an feinen äugen und seinem Herzen oorüberziehen: ।
»Die Sefenburger waren seßhafte, ernste «Rittersleute, ! sich bis ins sechzehnte Jahrhundert, soweit sich ihre Lebensläufe verfolgen lassen, durch nichts von den Ge. wohnheiten und Eigenschaften ihrer ebenbürtigen Zeitgenossen unterschieden. Der erste, dessen Sinn über tie vererbte Scholle hinausdrängte, war Hans Heinrich von Sesenburg, geboren im Jahre 1680. Von ihm meldet die Chronik, daß fein Gemüt unruhig und wild gewesen und er schon in jungen Jahren die Heimat verlassen habe, um in fremden, unchrsstlichen Ländern umherzu- schweifen und Abenteuer zu suchen.
Im Jahr« 1721 soll er endlich heimgekehrt fein und fein Erbe, um dessen Schicksal er sich em Jahrzehnt lang nii^t gekümmert hatte, angetreten haben. In diesen zehn Jahren waren di« Eltern und seine einzige Schwester einer schrecklichen Seuche erlegen, und nur der jüngere Bruder war geblieben und hatte Herrenrechte über Land und Leute ausgeübt.
Hans Heinrichs Widerkehr weckte in ihm Schreck und zugleich ein großes Verwundern; denn der älteste Se- fenburg kam nicht allein, sondern brachte ein junge, Weib und einen braunen, zu diesem Weibe gehörigen fremdländischen Diener mit Das junge Weid trug einen Schleier um das Gesicht, au» dem ein Paar nacht- dunkle Augen blickten, und fein Haar fiel in schweren, dunklen Locken über den schlanken Rücken. Ihre zierliche Gestalt war in weiße, faltige Gewänder gehüllt, und sie schritt leicht wie eine Gazelle. Sie war auch scheu wie diese "nd v-rlchloß sich vor «ttv» Stufen in .
Besorgnisse, di« durch die Begünstigung des Aufruhr«' durch die Franzosen hervorgerufen sind.
fiampfmübigteü der polnischen Insurgenten.
We tie „Voss. Ztg.* meldet, beginnt sich in den Reihen der polnischen Insurgenten m Oberschlesien Kampfmüdigkeit bemerkbar zu machen, da es Kor- fanty nicht gelingt, die notwendigen Löhnungs«, gelber auszubringen. Einer lveiteren Meldung des Blattes zufolge beabsichtigt Korfanty, die Unabhängigkeit Oberschlesiens zu proklamieren.
Reichskanzler Dr. Wirth über
die Annahme des UttimalnmS.
In der «estrigen Sitzung des Reichsrats I stellte sich der neue Reichskanzler Dr. Wirch dem
Reichsnü vor. Er führte u. a. aus:
Sie wissen, baß die Loge außerordentlich gewesen ist, und es sich darum gehandelt hat daß die Volksoertredmg in der letzten Minute ihr Jo für dos Ultimatum geben sollte ober nicht. Die Mehrheit des Parlaments hat sich dafür entschieden und die Regierung wird eine Politik treiben, um dieses Ja durch Leistungen zu verwirklichen. Ein Programm, wie diese ßerftungen vollbracht wer- den sollen, kann ich natürlich in wenigen Stunden nicht vorlegen. Es ist die größte Aufgabe, tie je einem Volk« gestellt worden ist. Wir wollen aufrichtig tiefes Ja verwirkliche. Ohne jeden Dorbehall wollen wir tie Seb in-
I gimgen des UlttmvÄims mit allen unseren Kräften erfüllen. I Wir erwarten aber auch, daß tie Gegenseite tiefen guten | Willen anerkennen wird und erwarten insbesondere, daß in der oberfchlesischen Frag« ein „fair plag* von allen auf der Gegenseite gespielt wild. Nur wenn die oberschlesische Frage ebenso gelöst wird, wie wir glauben mit unserem guten Willen tie große Reparationsfrage lösen zu wollen, nur dann kann überhaupt Europa und mit ihm das deutsche Volk noch gerettet werden. Wir appellieren an die Einsicht und Klugheit der Vertreter der Länder, uns bei dem kommenden Werk und im entschei- denden Augenblick nicht im Stich zu lassen. Es handelt sich jetzt darum, tie Folgen unseres Ja-Wortes zu tragen und allmählich mchere Wirtschaft danach einzustellen. Dieses Ja darf von keiner Seit« sabotiert werden. Ich glaube kmnehmen zu können, daß das deutsche Volk gern bereit ist, auf friedlich.schiedNchem Wege dem I«. Wort zu entsprechen.
Der neue Minister des Innern, Dr. Grad- nauer, stellte sich dann dem Reichsrat vor. Namens des Reichsrats sprach der preußische Ministerialdirektor Nobis dem Reichskanzler und dem Minister des Innern Len Dank aus und versicherte, daß die Ser- freier der Länder alles tun würden, um der Reichs- regierung ihre schwere Aufgabe zu erleichtern.
Dir unbesetzte« ReichSministerie«.
Nach einer Korrespondenzmeldung dürfte die endgültige Besetzung der drei »och unbesetzten Reichs- nunrftenen unmittelbar nach den Psingst- fei er tag en stailfinden. BiS dahin wird die sozial- demokralische Partei zusammen mit den Gewerkschaften eine Entscheidung getroffen haben über den Kandidaten für das von ihr zu besetzende Wiederaufbau- Ministerium. Für daS Reichsfinanzministerium soll voraussichtlich ein Fachmann herangezogen werden.
Aushebung der Zollgrenze.
Nach dem „Temps* reifte der Vertreter Englands m der Rheinlandkommsssitm nach London, um tie Aufhebung der Zollgrenze am Rhein sowie die Räu- mung von Düsseldorf, Duisburg und R u h r o r t zu besprechen. Ferner soll dahin gewirkt werden, daß die deutsche Regierung den alliierten Ee- schäststeuten in den Rheinlaichen die von der Rhein- llmdkommission bewilligten Lizenzen garantiere.
Die von polnischer Seite verbreitete, aber auch von ber englischen Presse bestätigte alarmierende Nachricht über die Anerkennung der sogenannten Korfantyllnie Äs Demarkakionslnrie und über den Abschluß eines Waffenst'.llstandes mit den polnischen Insurgenten wird Äso jetzt von der interalliierten Kommission' erfreulicher Weise dementiert, ebenso wie die Meldung, daß mit den Aufrührern überhaupt Verhandlungen gepflogen würden. Damit entfallen natürlich keineswegs tie
SlMMS nnö Sorgen
Vor dem Pfingstfeste ist es noch gelungen, von den ^rennenden Fragen eine zur vorläufigen Lösung zu bringen. Durch die Annahme des Ultimatum« ist der Dornarsch ms Ruhr gebiet, der n«h alten Regeln der Eroberungskunst vorbereitet war, dis auf weiteres verhütet worden.
Das ist eine Erleichterung des Druckes, der ouf der Pfingstfeier lastete, aber es ist noch feine Beseitigung der quälenden Gefahren und Sorgen. Einerseits drückt uns die furchtbare Gefahr, in der das ungeheuer wertvolle Oberschlesien schwebt, und andererseits tie Sorge, ob wir so viel jtrafie aufbieten und zusammenhalten können, um die schweren Verpflichtungen zu erfüllen.
. S“’- diese Belastung der Feststimmung darf man ^lcht etwa die Regienma oder die Mehrheit 6er Voltsvertretung verantwortlich machen wollen. 5m Gegen- reu werden auch diejenigen, die zur Ablehnung des Ultimatums neigten, anerkeimen müssen, daß wir beim Neinsagen ein Pfingstfest in ToLesgrauen hätten begehen müssen. Denn alsdann wäre der umstrittene Schatz in Oberfchlesten sicherlich auf Nimmerwiedersehen verloren gewesen und alle unsere Bestrebungen l>ur wirtfd>uftti(f)en und politischen Auferstehung Leutschlands wären vernichtet worden unter der fremdländischen Sklaoenpeitsche.
Die letzten Nachrichten aus Oberschlesten sind sehr tiunruhigend, da das Einverständnis der französischen Gewalthaber mit den polnischen Raubtruppen immer r£r riu trtrt- Was hat demgegenüber das Mahnschreiben des Obersten Rates an die Warschauer Regierung noch zu bedeuten? Unsere einzige Hoffnung ist, daß die besseren Elemente in der Entente den pol- nisch-französischm Kriegstreibern schließlich doch noch Halt gebieten. Auf das Erwachen der Vernunft und Gerechtigkeit müssen wir rechnen, und in dieser Hin- ' - wir ja unsererseits soeben getan, was mogllch war, nämlich durch die glatte Annahme der j Londoner Forderungen den Gewaltpolitikern den -L'nd aus ihren Segeln genommen und in allen Krei- I fen, wo noch Besonnenheit zu finden ist, den Widerspruch gegen die weitere Mißhandlung Deutschlands neu belebt.
Quälend ist ja die Ohnmacht, in der wir uns gegenüber den Drangsalen unserer oberschlesischen Brüder befinden. Wir können ihnen keine tatsächliche Hllte bringen, und wenn wir doch den Versuch wagen wollten, so würde das nach aller menschlicher Berechnung die Lage nicht verbessern, sondern vollends ver- XÄ ?.qs Etige Abwarten ist eine schmerzliche Gednidprobe, aber sie wird uns leider nicht erspart.
Nicht so qualvoll ist die zweste Sorge um die Kraftenftaltung zur Erfüllung der alten und neuen Verpflichtungen. Eine riesig schwere Last, aber doch wir nicht in fatalistischer Nn- behilft ichkeit rat- und tatlos dazusitzen brauchen, son- dem unsere Gehirn- und Muskelkräfte an- ' ssssff fl£n können, um uns selber aus den Schwierig» I Jetten herauszuretten. Was wir vor allem brauchen, ist eine Befestigung der Ordnung, eine Neubelebung des Arbeitseifers, ein 3ufamnienfchlu ß aller schaffenden und I staatserhaltenden Kräfte, eine tüchtige Regi-rung und eme recht brei te Koali ti on. Weun ncht alles tauscht, so geht doch die Entwicklung m tiefer Richtung. Nachdem die Zweifels- und Streit- J“* S" & und Nei nausgeschaftet ist, darf h°ffen,daßsich auf dem geretteten Boden der Arbeitsfreiheit sich alle gutwilligen Klassen und Dar- leien zusammenfinden werden. Die Ablehnung des Ultimatums hatte einen Riß in der Nation Herberge-
Die Annahme wirkt offenbar günstiger auf die Fracht. Wer durch eine gewisse Zersahrenhett bei der Abstimmung im Reichstage erschreckt worden war ^nn schon erkennen, daß sowohl bei den halbierten ^emokraten^als auch bei der versagenden Deutschen I
Aus dem besetzten Gebiet.
• vie farbigen Trrwpen im Rheinland. Im englischen Unterhause erhärte Worthinglon Evans in Erwiverung auf eine Anfrage, di« Gesamtzahl der augenblicklich von Frankreich im Rheinland verwandten farbigen Truppen betrage etwa 23000. Von diesen seien 18500 Eingeborene Rordafritas und der übrige Teil Eingeborene Madagaskars und anderer Kolonien. Neger würden nicht verwendet. In anderen Teilen des deutschen besetzten Gebietes ständen keine farbigen Truppen.
• Zurückgenommeve Nobilmachungsmatznahmen. Dor wenigen Zagen hatten die französischen Streisbete- gierten eine bis ins Einzelne genau ausgearbeitete Ausnahme aller Zugtiere und Fahrzeuge angeordnet und eine Vorstellung ber Tiere und Fahrzeuge durch den Eigentümer selber ober bevollmächtig, ten Vertreter verlangt. Diese Bestimmung ist nunmehr ganz plötzlich von französischer Seite wieder auf- gehoben worden. Eie unterbleibt auf unbestimmte Zeit. — Wegen ber Requirierung brutschen Autos und Autnlührer aus Anlaß des Vormarsches der 21[liierten im Westen hat die Reichsregierung eine Protestnote in Paris, London und Brüssel überreichen lassen.
Der Vertreter der deutschen Bevollmächtigten in Oppeln, Graf Praschrrm, gibt folgendes bekannt: Der General Lerond hat mir soeben auf meine Anfrage in Anwesenheit der anderen Mitglieder der Interalliierten Kommission auf das B e st i m m t e st e erklärt, daß der Ä verbreitete Funkspruch, es wären zwi- nalliierten Kommission und den Insur- gmten Abmachungen getroffen worden, von Anfang bis zu Ende, im Ganzen und in einzelnen Punkten erlogen sei. Es seien weder über einen Waffen- stillstand, noch über eine Demarkationslinie, noch über einen llebergang der Regierungsgetvalt an di« Insurgenten oder eine Amnestie usw. irgendwelche Derhcmd- lungen gepflogen, geschweige denn Abmachungen getroffen worden.
Deutscher Reichstag.
Tetlagung bis jnm 31. Mai.
8m Reichstage wiederholt sich an den Tagen vor I größeren Ferien immer wieder dasselbe Lied. Ist e<; I doch schon fast zu einer stehenden Gewohnheit geworden, daß zum mindesten eins von den beiden Parlamenten,, I die sich in ber Reichshauptstadt befinden — sei es nun1 I das Preußenhaus oder sei es der Reichstag — in Befchlußunfähigkeit seine Tore schließen muß. I Just so war es auch wieder im Reichstage am letzten I Sitzungstage vor Beginn ber Pfingstferien. Schon ber. Anfang war verheißungsvoll. Man will Beschluß fassen, I über die durch Schreiben des Reichsm'nisters des In. I nern nachgefuchte Genehmigung zur Strafoerfot, gut?g bjes Kommunisten Thomas. Unter-. I schlagung, Beleidigung und Meineid werden diesem | „Volksvertreter* zur Last gelegt Der Geschäftsord- I nungsausschuß hat sich veranlaßt gesehen, dem Haus: I die Ablehnung des Ersuchens um Strafverfolgung zu I empfehlen- Aber zur Abstimmung darüber kommt cs I nicht, denn der Abg. Emminger von der bayerischen I Volkspartei bezweifelt vor ber Abstimmung die Beschlußfähigkeit des Hauses. Darob großer Entrüstung^, sturm auf allen Bänken der Kommunisten! Der Präsident sieht sich angesichts des fast leeren Hauses — nur hier und da ist irgendwo im Saale die Gestalt eines Abgeordneten zu entdecken — gezwungen, dem Zweifel der Befchlußunfähigkeit Raum zu geben. Damit hat der erste Akt fein Ende erreicht
Der zweite Akt ist von etwas längerer Dauer. Ohne, Hindernis kann man — o Wunder — vier weitere Gegenstände ber Tagesordnung glatt erledigen. Eine Entschließung des Rechtsausfchusses über den Antrag Müller-Franken und Genoffen bezüglich ber Verordnung j des Reichspräsidenten über die Bildung von Sondergerichten wird einstimmig angenommen. Der Entwurf über ein neues Gebü hrengesetz für di« Auslandsbehörden wird dem Hauptausschuß über., wiesen, an den volkswirtschaftlichen Ausschuß geht ein, Entwurf über die Regelung des Verkehrs mit’ (Betreibe. Schließlich findet ein Antrag des Mus-' fchusses für soziale Angelegenheiten über die Ausge. ! ftaltung ber Leistungen In ber Wochenhilfe | Annahme. Der Antrag ersucht tie Reichsregierung um so schleunige Vorlage eines Gesetzentwurfs, daß noch im Laufe Des Frühjahres eine Vorlage betreffend die' Ausgestaltung der Leistungen in ber Wochenhilfe erfolgt Die Fragen der örroerbslofenfürforg« sollen dem Ausschuß für Volkswirtschaft überwiesen werden. Aber nun kommt die neue Klippe, ein Gesetzentwurf über eine erhöhte Anrechnung ber während bes Krieges zurückgelegt en Dienstzeit Hier glaubt Adolf Hoffmann seines Zeit wieder einmal für gekommen, um zu zeigen, daß er überhaupt noch da ist Mit ber Pose eines Siegers, betritt er bas Pobiurn und bezweifelt vor Beginn der Abstimmung die Beschlußfähigkeft des Hauses, ßufttg quittiert em Spaßmacher diese Hoffmannsche Großim mit dem Zuruf: Haust du meinen Juden, hau ich bet», nen Juden! Wie oft will sich bas muntere Spiel noch wiederholenl Das Haus fliegt zum zweitenrnale auf. Dieses war der zweite Streich, doch ber brüte folgt sogleich. Die britte Sitzung beginnt. Nur Petitionen stehen nunmehr noch auf ber Tagesordnung. Ohne größere Debatte werden sie alle an die in Frage tonu wenden Ausschüsse verwiesen ober auch genehmigt.
Doch ba naht sich bas Malheur. Es erhebt sich am Ende ber Sitzung heftiger Streit nicht nur über ben Termin des Wiederzufammentritts. fon». dem auch über bie Tagesorbnung ber 1. Sitzung nach dm Pfingstferien. Schultz-Bromberg, ßebebour,, Bartz von den Kommunisten find die Kämpen, die es nicht lassen können, den neuen Fehdehandschuh ins Haus, zu werfen. Die einen wollen in Permanenz weiter tagen — es ist die Linke, ihnen scheint ber Zeitpunkt der Vertagung auf längere Zeit im Augenblicke schlecht gewählt. Die Rechte ist nicht ganz so schlimm. Sie. will acht Tage früher zusammentreten, als wie es ber. Präsident vorgeschlagen hat. So kämpft man hin und wieder. Schließlich kommt es zur Abstimmung. Es bleibt beim Beschluß des Aeltestenrats. am 31. Mal' zu sammenzutreten und dem Präsidenten bas Recht zu geben, einen früheren Termin zu wählen, wenn es nötig sei. Man atmet auf, an tiefer Klippe ist das Haus vorüber. Doch schon droht eine neue. Die Linke und die Rechte verlangen stürmisch, daß auf die Tagesordnung der ersten Sitzung nach Pfingsten die offizielle Erklärung ber Regierung über das von ihr innezuhaltende Programm gesetzt werde. Man spricht dafür, man widerspricht. Es bleibt nichts übrig, als von neuem abzustimmen. Die Rechte und bie Linke wollen durchaus eine IReglerungsertlärnng am ersten Sitzungstage nach den Ferien hören, bie Mitte ist bagegen. Wer hat tie Mehrheit? Das hohe Präsidium sieht ratlos in ben Saal. Schließlich lautet ber weile ^-Tuch — man weiß es nicht. So muß denn
Bolkspartei ernfte Wünsche und laute Rufe nach Sammlung und Anschluß sich geltend machen.
Das Unglück der Welt würzest darin, daß der rechte Pfingstgcist der Wahrheit, des Rechtes und der Brü- tirlichteit von den größten Teilen der Menschheit ver- kamst und verleugnet wurde. Es dauert lange, bis der gute Geist fich wieder Bahn bricht auf Erden: doch trctz aller zeitlichen Rückschläge scheint der gute Geist Fortschritte zu machen. Auf jeden Fall dürfen wir uns sagen, daß Deutschland durch das neue Opfer, das es auf den Altar der Völkerversöhnung gebracht hrrt, sich ein neues Anrecht auf eine bessere Zukunft erworben Hal.
So wollen wir die oerbkekbenden Lasten mit Fas- Sig auf uns nehmen und bei der politischen Psingst- rachtung uns erbauen an dem Bewußtsein, daß un- ierkrseits das mögliche getan ist, um den rechten Geist der Eintracht und des Friedens den Weg offen zu Hal- ten, sowohl im Inland« als in der Wettpolitik.
von ' schm
Deutschland solle durch Uebergangsmaßnahmen die GAtigkeü der Verträge und der Ausfuhrerlaubnis sicherstellen.
Im englkschen Unterhaus« erklärte Lloyd George, daß das Gesetz für die deutsche Einfuhrabgabe auch weiterhin in Kraft bleiben werde, trotz der Annahme der Bedingungen für die Bezahlung ber Enffchüdigungen durch Deutschland. Lloyd George teilte ferner mit, daß an den Kämpfen in Oberschlesien keine englischen Truppen teilgenom» men haben.___
Dank an Aehrenbach.
Dem Reichskanzler Fehrenbach hat anläßlich einer Sitzung derZentrumsfraktion des Reichs- tags deren Vorsitzender, der Abg. Geheimrat T r i m - b o r n in warmen herzlichen Worten den Dank der Zentrumsfraktion und der Zen- trumspartei ausgesprochen für das große Opfer, welches Fehrenbach dem Vaterland und im besonderen der Partei durch die Annahme der Kanzlerschaft seinerzeft auf sich genommen hat. Die Zen- trnmsfraktion habe das Bedürfnis, diesen Dank jetzt beim Ausscheiden mll besonderer Herzlichkeit zu betonen und mit Nachdruck darauf hinzuweisen, daß die Rrichskanzlerschaft Fehrenbachs eine segensreiche für das Vaterland gewesen sei, denn die inneren Verhält- nisse im Reich hätten sich wesentlich gebessert und zur Festigung der innerpolitischen Verhältnisse habe die Kanzlerschaft Fehronbachs erheblich beigetragen. Dafür werd« ihm die Zentrumsfraktion unermeßlichen Dank wissen.
Der lebhafte Beifall, welcher die Fraktion ihrem Vorsitzenden spendete, war ein Beweis dafür, daß die anerkennenden Worte des Dankes aus dem Herzen aller ^sprochen waren. Der Abg. Fehrenbach dankte kurz für die ihm während seiner Kanzlerschaft bewiesene Treue und Unterstützung. Er werde dcr Frattien auch weiterhin seine Mitarbeit widmen. Wenn er nicht alte die hochgespannten Erwartungen, die man auf ihn gesetzt habe, erfüllt hab«, so sei das nicht seine Schuld. _______
Dokumente zur Schuldfrag«.
Unter tim Titel „Diplomatische Aktenstücke zur Geschichte der Ententepolitik der VorkriegSjahre" toll der ehemalige Sekreiär der kaiserlich russischen Botschaft in London, von Siebert, in deutscher Sprache Akten auS dem russischen Archiv heranSge- geben haben, bie einen wertvollen Beitrag zur Lösung der Frage der Schuld am Weltkrieg bilden.