Fuld aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
Nr. 104.
tierantiuoniict) lür de» itoanionelltn Teil: Karl Schürte, - für bk Anzeigen: I. l<crjtiier-guioa. 2 tRotafionsbrud u. Verlag bet gulbaet Xlctienbrjtferei in Fulda, rtermpiedier Nr. 9. Teleqr.-Adresse: Fuldaer Zeitung
Samstag, 7. Mai 1921»
Bezugspreis; l/ionatlid) 3,00 Mit. oonr ZaireUgebühr. In Fu.bo bei uns abgeholr 3,15 ZRL Anzeigenpreis: Die Kleinzeile CoionelmaB) 60 ptg„ u. 10° • Zuschlag, die Reklamezeit« (lepbrehei 1.80 Alk., u. 10e-e Zutchiag. Del Wiederboi. Rabatt.
48. Zahrg.
Unpolitische Zeltlanfe.
Bon Fritz Aienkemper.
Berlin, 4. Mai 1921.
Da beben wir die Bescherung.
Bogel, friß oder stirbt Bis zum 12. Mak, also Darmersiag vor Pfingsten, sollen wir den Schulü- sch-in von 132 Milliarden Goldmark nebst allen Schikanen unterschreiben, sonst rücken di« Franzosen in das Ruhrgebiet — aus gerechnet an den hohen Pfingsttagen „
In Oberschlesien sind die berooffncten Banden des polnischen Räuberhauptmanns Korfanty bereits einxedrungen, um mit Zwangsstreik Plünderung und Mord zu erobern, was sie in der Abstimmung «ich! erreichen konnten.
Deutschland in der Klemme. Wehrlos und hllf.os.
Wo bleibt Amerika, der angerufens Vermittler'. Der Nachfolger von Wilson hat uns lange warten lassen, und jetzt sagt er, unser Angebot sei nicht geeignet als Grundlage für Verhandlungen, wir möchten weitere Vorschläge direkt an die Entente richten und er habe Len aufrichtigen Wunsch für di« Erledigung der vitalen Frage. Das heißt auf deutsch: Laßt mich in Ruhe, ich will euertwegen mir die Finger nicht verbrennen!
Keinen Freund, keine Gönner: t:inen Schiedsrichter, keinen Vermittlerl Keine Hilfe auf der ganzen Welt.
Kinder, denkt an den H i m m e l in diesen Tagen; denn aus der Erde ist es schrußlich. Wenn von droben kein Heil kommt, dann wäre es besser, der liebe Golt riefe alle Deutschen, die großen und die kleinen, ldie Fahrt in das bessere Jenseits anzutreten.
Aber wir werden wohl Las Feoj.uer hier auf Erden noch weiter durchmachen müssen.
Denkt ihr noch an das Schlagwort rom „Himmel auf Erden?" Es gibt mich heute noch Schwindler und Narren, die von der Wieterherst.llung des Para- dieses schwätzen. In Wirklichkeit hat die Hölle aus Erden sich eingenistet. Der einzige Trost ist, daß diese irdischen Höllenqualen nicht ewig dauern können. Glücklicherweise ist alles vergänglich auf dieser Welt, Mich das Unglück,
Sonderbare Verschiebungen.
Wie verlautet, will die EnteMe erklären, daß sie Truppen nach Oberschlesien schicken werde, sobald Deutschland das Ultimatum unterzeichne, wodurch die für die Besetzung des Ruhrgebiets vorgesehenen Truppen frei würden. 2m Westen wollten die ver- büiroeien Feinde eine glorreich: Ofsensive ergrsifen und setzt sehen sie sich im Osten zu einer Defensive gezwungen, die nach dem Gegenteil einer Glorie aus« sieht. Sogar die interalliierte Kommission in Oppeln ist höchstselbst von den Polen bedroht. Die Herren, die voriges 2ahr die Abstimmungspolizei von den Deutschen „gesäubert" haben, müssen jetzt deutsche Frei- willige zu ihrem eigenen Schutz anwerben.
Diese 2ronie des Schicksals hindert freilich die Machthaber im Westen nicht, ihre alte Forderung von der „Entwaffnung" des ohnmächtigen Deutschland im grimmigsten Ton zu wiederholen. Das schlicht auch die Schleifung unserer Ostfestungen ein, obschon es jetzt klar vor aller Augen liegt, daß nicht bloß für Deutschlands Sicherheit, sondern auch für die Ehre der En- lenteiruppen solche Stützpunkte unentbehrlich sein werden, wenn die Kriegswut des verwöhnten Polen- Volkes weiter tobt.
Auch im Betriebe unserer eigenen Politik gibt es eine sonderbare Verschiebung. Eigentlich soll die Regierung bei schicksalsschweren Entscheidungen die Führung haben, da sie volle Kenntnis der Sachlage hat, und die volle Verantwortung auf ihren Schultern ruht. 2etzt aber haben wir vorläufig nur noch ein Geschäftsmini st erium, das die lausenden Sachen zu erledigen hat, und die Einsetzung der neuen Regierung, die so ungeheuer dringlich ist, wird dadurch verzögert, daß erst die Volksvertretung über den künftigen Kurs der Politik sich schlüssig werden soll. Die Auswahl der neuen Reichsminister hängt davon ab, ob s!ch im Reichstage eine Mehrheit für die Annahme oder eine Mehrheit für die Ablehnung des Ultimatums ausbildet. Diese Entwicklung der parlamentarischen Willensmeinung, die an sich schon schwierig genug ist, wird nun noch weiter erschwert durch das langsame und stückweise Eingehen der umfangreichen Zuschriften der Entente, durch die Mühseligkeit der Uebersetzung der verklausulierten und ineinander verschachtelten Paragraphen, sowie durch das hohe Maß von diplomatischen, finanztechnischen und Volks- wirtschaftlichen Kenntnissen, des zum richtigen Per- ständnis der verzwickten Forderungen und der beige- fügten Drohungen notwendig ist.
Bis zu diesem Augenblick wird sich niemand rühmen können, daß er volle Klarheit habe über die volle Tragweite der Forderungen und Drohungen. Wer mühsam nach richtigem Verständnis gestrebt hat, stößt schließlich auf bedenkliche Vorbehalte, daß b:i jeder weiteren Versäumnis in den deutschen Leistungen die angedrohlen Sanktionen und noch weitere dazu Loch in Kraft treten sollen. Die kampflustigen Franzosen werde» leicht einen Vorwand finden können, um die Zwangsvollstreckung einlreten zu lassen. ...
So ist es verzweifelt schwer, zu sagen, ob die Un- lerwersung zur Rettung sichren oder nur eine kurze Galgenfrist erzielen würde. Die Volksvertreter sollen sich aber in größter Eile darüber klar und schlüssig werden, da hiervon die 23ilöuxg der neuen Regierung abhängig gemacht wird.
Am besten wäre es gewesen, wenn das Kabinett Fehrenbach-Simons trotz der Mißerfolge die Führung hätte in der Hand behalten können, um für seine Willensmeinung die Entscheidung des Reichstages herbei- zuführen. Die Stimmungen und die Berhältniffe haben jedoch zu dem Ruf nach neuen Männern und zum Interregnum geführt, und das lückenbüßerische Eeschäftskabinett soll nun abgelöst werden durch ein Ministerium mit gebundener Marschroute.
Wird in Deutschland die Entschlußkraft und Tatkraft sich wieder so weit aufschwingen, wie es im gcg- nerischen Lager trotz aller Verschiedenheit der Meinungen mcd der 2nteresfen immer wieder der Fall ist?
Zur Kabinettsbildung
schreibt man uns aus Berlin: Die Kabinettsbildung wird entscheidend beeinflußt von der Frage: Wie stellt sich die Mehrheit des Reichstages zum Ultimatum der Entente? Bereits am Freitag morgen zeigte sich, daß die Kabinettsbildung überhaupt ein Ding der Un- Möglichkeit ist, solange nicht die Frage ihre Bcont, wortung gefunden hat: Ist das Ultimatum für Deutschland erträglich ober nicht. Diese Frage aber konnte am Freitag noch nicht beantwortet werden, weil der weseMlichste TeU des Entente-Ultimatums, die Forderungen der llieparationskomm i ssion, in ihrem Wortlaut erst am Freitag abend bekannt wurde. Was man inzwischen von dem Inhalt weiß, ist zum Teil derart, daß man in ter Tat sehr ernstlich prüfen muß, ob die Forderungen nicht im einzelnen über das erträgliche Maß hinausgehen. Diese Frage beschäftigt zurzeit die Fraktionen des Reichstags und von dem Ergebnis dieser Prüfungen wird die Kabincttsbildung abhängig. In fämtlichen Fraktionen der Koalition sind die Ansichten über die Armahms oder Ablehnung noch völlig geteilt. Auch die in der Note geforderte weitere Entwaffnung, d. h. die Auflösung der bayeri- schen Einwohnerwehr, bat das ganze Problem überaus kompliziert. Angesichts der ernsten Sachlage hat sich Herr o. Kahr, der bayerische Ministerpräfident, nach Berlin begeben. Die Parteien sind vor allem vor die Frage gestellt, ob sie sich dem finanziellen Verlangen der Entente in der Voraussicht unterwerfen sollen, daß es auf die Dauer doch nicht erfüllbar sei.
Zum andern wird die Kabinettsbildung entschei- dend beeinflußt von der Entwicklung in Oberschlesien. Nach vorliegenden Nachrichten muß mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß Polen mobilisiert und allem Recht zum Hohn Oberschlesien gewaltsam an sich reißen will. Was Las für Folgen hat, kann sich jeder, die die Gef-nntlage aufmerksam zu betrachten gewohnt ist, ohne Mühe ausmalen. Eins liegt jedoch offen zutage, daß der wefenllichste Faktor in der weiteren Entwicklung ter Ostfragen und der mit ihr verknüpften folgenschweren Ereignisse in ihrem Schwerpunkt bei ter Entente, ihren Entschlüssen und ihrem Verhalten liegt. Das gilt vor allem für Frankreich, das bekanntlich in einem militärischen Schutz, und Trutzbündttis mit Polen steht und durch den polnischen Gewaltakt ter schlimmsten Brüskierung ausgesetzt ist, die überhaupt ein selbstbewußter Staat erleiden kann.
Der Ernst der augenblicklichen Lage ist von derartiger Schwere, daß man ohne Uebertreibung behaupten barf es hMtelt sich jetzt um die entscheidungsschwersten Tage in ter ganzen Geschichte des deutschen Volkes.
Die Zahlungsvorschrlften.
Mit dem in seinem Wortlaut bereits von uns veröffentlichten Ultimatum des Obersten Rates ist ter Reichsregierung gestern eilt von ter Reparations- kommifsion ausgestellter Zahlungsplan über die Reparationsschuld übermittelt worben, der die Zeit und die Art und Weise vorschreibt, um die gesamte Reparationsverpslichtung Deutschlands sicherzustellen und zu erledigen. Das Protokoll ist in englischer Sprache abgcsaßt und ziemlich umfangreich.
Der Gesamtbetrag ber Schuld wirb auf 132 Milliarden Goldmark feftgestellt abzüglich ter bereits auf Nepamtionskonto bezahlten Beträge und derjenigen Summen, welche DeutschlanÄ sonst gutgebracht werden können, zuzüglich ter Schuld an Belgien. Es wird Deutschland vorgeschrieben, sofort Bons über 12 Milliarden Goldmark auszufolgen, am 15. November bs. 2s.
Was wir bis jetzt erreicht haben, ist nur die kleine EÄgenfrist zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Kann uns das Unterschreiben retten? Das müssen die oer- anttvortlichen Minister und die berufenen Volksvertreter entscheiden. Wir anderen sitzen mit gebeugten Köpfen und erkämpften Armen da. „Was die Schik- kung schickt, ertragen."
In. diesem Schicksalsliete heißt es weiter: „Wer ausharrt, wird gekrönt." Ja, wir möchten ja gern ausharren, aber werden wir die Wendung zum Bessern noch erleben?
Das ist die peinliche Frage. Ein echter Christ und richtiger Deutscher soll sich auch davon nicht erdrücken lafjen. Denn erstens: Was heißt erleben? Auch nach dem Tote gibt es noch ein Leben. Die Himmelfahrt darf kein Schrecken fein, sondern muß umsomehr als Erlösung begrüßt werden, je schlechter es im Diesseits ausfleht. Und zweitens: Wir hinterlaflen Nachkommen, die noch eine längere Ruhe von Jahren vor sich haben und eine zähere Widerstandskraft in sich haben. Wenn mir selbst die Wendung zum Bessern nur von oben her betrachten können, so werden unsere Erben doch noch mit Leib und Seele daran teilhaten. Und sie werden ihren Eltern und Großeltern dankbar dafür fein, daß sie in Schweiß tmb Schmerzen unser- drosien gearbeitet Haden, um für eine bessere Zukunft zu retten, was überhaupt noch zu retten war.
Verzagen? Verzweifeln? Nein, am wenigsten Mischen Himmelfahrt und Pfingsten. Denn diese Festtage wecken die Zuversicht, daß das erhabene Werk ter Erlösung trotz dfetem seiner Vollendung entgegen- gebt. Langsamer freilich wie es uns kurzlebigen Menschen lieb wäre, aber doch sicher gemäß ter« $klt- plane des Ewigen, vor tem die Jahrhunderte nur ein Tag sind.
Was können die übermächtigen Räuber uns entreißen und vernichten? Wir wißen es aus trätet Erfahrung, daß heutzutage kein irdisches Gut gesichert ist. Aber inmitten oll der Trümmer stehen noch zwei Kulturgüter von unschätzbarem Werte da: die Kirche und die Familie. Und diese Grundsteine einer besseren Zukunft werten die Pforten der Hölle nicht überwältigen.
Das christliche Volk kann verarmen am Leibe, ater es bleibt doch reich im Geiste, solange « seinen @lau»
sollen Bons über 38 5RiHiarben Goldmark übergeben werden. Zu einem später noch zu bestimmenden Zeitpunkte sollen noch 82 Milliarden Goldmark gezahlt werten.
Die Höhe der Iahreszahlungen ist mit 2 Milliarden Goldmark festgesetzt. Außer diesen 2 Milliarden muß Deutschland eine 2Sprozentige A u ssu h r a d ga b e leisten, doch wird es — und davon war bisher nicht die Rede — ter deutschen Regierung anheimgestellt, diese 25prvzeni!ge Ausfuhrabgabe durch einen jähil chen Pauschalbetrag o b $ u 1 ö | e n, der auf Grund eines wirtschaftlichen Indez von ter deutschen Regierung vorgeschla- gen werden kann und von ter Reporationskommission ge- nehmigt ist. Außer der 25prozentigen Ausfuhrabgabe wirb noch eine weitere einprozentige Ausfuhrabgabe vorgeschrieben, von ter es nicht ganz klar ist, ob sie zu den 25 Prozent zugeschlagen werden oder nur unter gewissen Voraussetzungen erhoben werten soll. Schließlich muß Deutschland innerhalb 25 Tagen eine Milliarde in Gold ober anerkannte Devisen oder in deutschen Schatzonweisungen zahlen.
Der größte TeU tes Protokolls ist ten Garantie, bestimmungen gewidmet. Es wird di« Einsetzung einer Garantiekommission vorgesehen, für die außer- ordentliche Vollmachten in Anspruch genommen werden, und es geht aus dem Text der Note nicht ganz klar her- vor, ob diese Garantiekommisiion nicht auch die Befugnis erhalten soll, in die Finanzverwaltung des Reiches ein* zugreifen. Sn ter Kommission wird ein Amerikaner ver- treten sein, ebenso bis drei Vertreter solcher neutraler Staaten, deren Staatsangehörige im Besitze von Schuldverschreibungen sind. Der Ausschuß wird die Einnahmen ter See- und Landzölle überwachen, ebenso diejenigen der Ausfuhrabgabe und aller anderen Steuern und Einnahme- quellen, die von Deutschland vorgeschlagen und von ten Alliierten angenommen werden müsien. Auf Bedangen muß Deutschland Sachlieferungen und Arbeiter für die zerstörten Gebiete zur Verfügung stellen.
(Eine Rete Lloyd Georges.
Sm Unterhause gab Lloyd George eine Rete zum besten, worin er sich wieder einmal die Gedankengänge ter französischen Ueberpatrioten zu eigen machte. Zunächst streifte er die Entwaffnung, in der Deutschland teilweise „Hochbefriedigendes", anderseits aber auch Unbefriedigendes geleistet Hobe. Die in Deutschland bestehenden un- regulären militärischen Organisationen könnten ten Rem eines „furchtbaren Heeres" bilden. Es fei begreiflich, daß Frankreich deswegen Sorge habe und fortdauernd rüsten müßt«: auch Belgien fühle sich mit Recht dadurch bedroht. Nachdem ter englische Premierminister diesen Blödsinn verzapft hatte, behauptete er, Deutschland, auf- gefordert, ein Angebot auf die Reparation zu machen, habe teilten Schritt nach dieser Richtung hin unternommen. Sm nächsten Satz strafte dann Lloyd George diese Behauptung selbst Lügen, intern er ausführte, „Deutschland habe nur zögernd ein Angebot gemacht", das aber ungenügend gewesen sei und eine Herausforderung bedeutet habe. Lloyd George führte dann ungezählte Millionen Pfund Eletting an, die Deutschland zahlen muffe und könne. Dabei stellte er die kühne Behauptung auf, die Derbünteton hätten stets „ungebührliche Härten" gegen Deutschland vermiedenl Daß sich angesichts dieser Dar- kgimgcn die Balken des Unterhauses nicht gebogen haben, ist gewiß verwunderlich.
Der Polen-Aufruhr.
Die Lage in Oberschtesien hat an Schärfe gestern noch unverkennbar zugenommen. Außer der größeren Städten befindet sich fast das ganze Abstimmungsgebiet in den Händen der polnischen Banden. In den Städten iammeln sich zunehmend größere Scharen von Flüchtlingen. In der Siadt Beuchen waren gestern übet 8000 Flüchtlinge zusammenpekommen. Etwas günstiger Hai sich die Lage im Laufe des TageS nur in der Gegend von Ratibor gestaltet. Tort haben deutsche Selbstschutziriippen zum Teil Hand
den bewahrt und im Gebete sich ten stärkenden Ausflug in die himmlische Weit gestatten kann. Und die Hoffnung auf eine Besserung ter Ertemoett bleibt frisch und triebkräftig, solange wir noch am häuslichen Herde Kinder erziehen können im Geiste jenes Spruches, daß man nur Gott fürchten muß, aber sonst ikichts in bet äßelt.
Das Unglück wurzelt In ter Materie; das Unheil ter Zeit ist ter Materialismus. Wer das stoffliche Elend übrrwinten will, muß sich vorn Idealismus em« porhebrn lasten. Sind das Fremdwörter, die der gewöhnliche Mensch nicht verficht? O nein, tret Christ bat Bildung genug aus feinem kleinen Katechismus geschöpft, um feine Selbe mit den erhabensten Ideen zu erfüllen, um Idealist in des Wortes bester Dedeu- tung zu werden. Er geht in die Kirche, um in ter Gemeinschaft ter Gleichgesinnten sein göttliches Ideal zu verehr-:n. Er betet im stillen Kämmerlein oder im trauten häuslichen Kreise, um in Verbindung zu Weiten mit dem höchsten Geiste, der alles schuf und alles erhält. Er erzicht feine Kinder in derselben Idee, die feinen Trost und ftim Stärkung ausmacht. Er kennt und pflegt die Sache, wenn auch das Fremdwort nicht auf feiner Zunge liegt. Er hat ten rechten Geist in sich und er weiß, daß ter Geist lebendig macht, wenn auch das Fleifch leitet und dahinfchrclzen will.
Wenn zu Pfingsten die Botschaft vom Heiligen Geiste verkündet wird, so sind ihm das keine hohlen Worte, sondern er fühlt in seinem braven Herzen das Wehen und Wirken di:ses Geistes. Er spürt in seinem Gemüt, daß wirklich ein Tröster gekommen ist, ter auch in ter schwersten Zeit die Herzen beruhigt und stärkt — ein Tröster, ter alle Tage bis an das Ende ter W:lt bei denen bleibt, die ihm das Tor ter Seele offen holten.
Lerne leiten, ohne zu klagen, hat seinerzeit ein gekrönter Dulder gesagt. Alle Klageruse kann ter schwache Mensch nicht immer unterdrücken, wenn es ihm oar zu schlecht geht. Aber die Klag« darf nicht nach Vorwurf Hingen, sondern muß als Ditte gefaßt (ein mit tem Zusatz vom Gründonnerstag: Dein Wille geschehe! Fassen wir den Spruch so: Christ, lerne leiten, ohne zu verzagen, denn die Hoffnung auf Himm Isohrt und die Tröstung durch ten Psingstgeist geben dir die Kraft, alle Ertennot zu überwinden.
in Hand mit den Besatzungtztruppen erfolgreich gegen, die poln'ichen Banden gefämpit y/j auch einige Heinere Orte auf dem Lande von oer Gelvaltherr-, schäft ensetzen können. Dagegen hat sich in dec. Gegend von Oppeln der Machtbereich der Polens noch weiter ausgedehnt. Bon überall her lommen Nachlich en von Brandstiftungen, Amchlägen aus Eifenbahnlinien, Mmden an wehrlo en Deutschen, vor ollem an einflußreichen P riönlichkeiien. Eine besondere Verschärfung der Gesamttage jnufj darin geiehen werden, daß in allen größeren Städten die Lebensmittel beginnen knapp zu weiden. Die Aufrechterhaltung der Notstandsarbeiien in den ®niben und den anderen lebenswichtigen Betrieben wird in dem völligen Anarchismus immer zweifelhafter. !
Es sind inzwischen auch polnische akiive Soldaten, Offnere und Mannschaften aU Teilnehmer an dem Aufstand festgcstellt. Em Gefangener hat auSgesagtz daß ein ganzes Grenzschutzbataillo« sich an dem Aufstand beteiligt. Munitions» und Waffennachschübe finden nach wie vor statt.
In Warschau eröffnete die nationale Arbeiterpartei ein Werbebüro für Freiwillige nach Ober*, fchlesien. Ter Zufluß von Freiwilligen ist groß,! wobei die Universitäten erheblich beteiligt sind. Anter den polnischen Parteien herrscht Einmütigkeit in der Zustimmung zu dem Putsch.
Aus »cm besetzten Gebiet.
Eine «nerhörte Aushebung. In ber Pfalz traut, riert gegenwärtig, wie bet ,Frkf. Ztg/ von zuverlässiger Seite mitneteilt wird, die französische Militärverwat. tung nicht bloß die deutschen Kraftwagen, sondern sie übersendet auch den Krastwagensührern Stellungsbefehles Diese erhalten in der Regel den Befehl, sich innerhalb weniger Stunden zur Verfügung zu stellen un» für dreißig Taae Proviant mitzubringen. Bon anderer Seite wird berichtet, daß auch Kraftwagenbe» sitzer, die den Führerschein hoben, und sogar Inhaber des Führerscheins, die keinen Kraftwagen mehr besitzen, ans diese Weise auSgehoben werden. Deutsche Männer^ sollen also mit Gewalt gezwun.en werden, an ber beabsichtigte» französischen Militäraktion gegen da* deutsche Jnbustrierevie.r teilzunehmen? Betrachten die Franzosen die Annexion ber Rheinlands und ber Pfalz bereits als vollzogene Tatsache? Auch ein anständiger Franzose müßte diese AuShebun, Deutscher zu militärischer Aktion aegen Deutschland alS unerhörte Gewalttat empfinden.
* Mi-rokkanlsche Mörder. Der kaufmännische Ange, stellte itiuiamann von den Höchster Farbwerken wurde auf dem Weg nach Sindlingen, unweit deS Waisertu ml angefallen und beraubt. Burgmann to'irbe später von einem Fabrikwächter mit durchschnittenem Hal» tot aufp.efunben. ES wurden zwei Marokkaner feftge» nommen, welche die Tat eingestanden haben.
Deutscher Reichstag.
Der furchtbare Ernst nnserer Tage, der gekennzeichnet wird durch das Zusammentreffen der Hiobsbollchas« ten aus Oberschlesien, mit den diktatorischen Reparations- forderungen der Entente, und bie zugleich durch den Rücktritt des Kabinetts geschaffene kritische Sage wirken zurück auf alle Gemüter bie nur ein ganz klein wenig zu ermeßen verstehen, was auf dem Spiele steht, unt was für Entscheidungen es sich handelt und was bie Zukunft in ihrem Schoße bergen tarnt. Am Vormittag des Freitag wechseln in fast ununterbrochener Aufeinanderfolge Fraktionssitzungen der einzelnen Par. feien und interfraktionelle Besprechungen. 21« begreifliche Erregung teilt sich allen denen mit, bie sich in den Wandelgängen des Reichstages mit dem Schick'al des deutschen Volkes, mit seinem Wohl und Wehe befassen. Der Reichsigg soll um 2 Uhr beginnen. Wird er tatsächlich in dieser furchtbar schweren Sa-re des deutschen Volkes den Mut dazu finden, gesetzgeberische Kleinkram zu erledigen? Bis zur letzten Mmute bleibt es ungewiß, ob das Parlament zu einer Plenarsitzung zulammentreten wird und was erledigt werden soll. Der Keiner der Nhr zeigt die zweite Nachmitta»sftunde an. Richt» läßt daraus schließen, was in der nächsten Stund« geschehen wird. '
Da, um 3 Uhr erschallen bie Glocken des Hauses. die Spannung löst sich, man weift, baß es zur Sitzung kommt. Der Reichskanzler will fpred)en! Oberschle- f i en wird der Inhalt seiner Ausführ,mgen sein. Ober- schiesien, das deutsche Land, wohin sich unsere Blick« schmerzerfüllt wenden, wenn wir ansehen müsien, wie polnische Gewalttat und polnischer Ausruhr selbst unter den Augen der Interalliierten Kommission es wagt, mit den Mitteln gemeiner Gewalt dieses deutsche Land aus dem Herzen seiner Mutter zu reiften. D«r Reichskanzler nimmt sofort das Wort. Er spricht von den N o t en, die die Entente an uns gesandt hat und bie im Augenblick den in Frage kommenden Rellorts zur Pru- sung vorliegen. Das Kabinett wird alle Jsorafatt darauf verwenden, die sachlichen Unterlagen für die Entmei« düng varzuberelten. die dem neuen Kabinett obliegt Weiter führte der Kanzle- aus: Die Durberer » u n- aen der volnischen Erhebung sind, worauf wir bei den alliierten Regierungen immer ratter llngemie. sen hgben. so nffen vor sich gegangen, daft über ihre aufrührerischen Absichten u"d Kw-cke längst kein Zme fei meh- bestehen konnte. lZusiimm"n-ff. Der Aufstand hat sich bereits bis ip He K"rsg-tn-Lmie ausgedehnt und darüber hinausgegriffen. (Hört! Hörtlf Ucber die pol. nisch- Grenze sind Wallen und Ausrüstungen -ach Ober, ich'esien gelangt und die Inlurai-nlen sind alänzend be- maffnet <D--meauna.> Die Leitung der Bewegung ist militärisch Offenbar besteht der V'an, vollendet- Tat- fachen im Interesse Palens zu schaffen ,md tem:t den alliierten Regierungen b:» Hände zu binden. Auch Anzeichen für valnische MabilmachungsMne liegen vor. Bon allen Seiten bringen Hilferufe zu uns. Unserer oberschlesischen Dolks-i-'noss-n versichern wir. daß mit alles was in unserer Macht ficht, tun, um sie in ihren .Rechten "Nd in ihrem Leben zu schützen. lLebdaf-'r Bei- fall.f Wir bitf-n sie auszuharr-n und d-n Gegnern durch irgendwelche Akte der Unbelennenheit ober _ bet Verzweiflung das Spiel nicht zu erleichtern. T*e- Reichs knnzler verkifft dann di- Rat r. di» am 5 Mai an die VHatzungsmächte gerichtet worden ist. nachdem wir bereits am Tage zuvor nachdrücklichst Einspruch eingelegt und Abhilfe gefordert tetten. D'e de-tlld» Regierung er. sucht ber'n um fine Erklärung der Al!ii"rten ob sie gesonnen sind, alsbald die zur Herstellung der Ruhe erforderliche» militärischen Kräfte einzufetzen. Sie bedarf einer solchen Erklärung, um entscheiden zu können. öS von deutscher Selle Maßnahmen zum Schutze b'r ober, schlesischen Bevölkerung zu treffen sind, bie vom deut»