Huldaer Leitung
Druck der Fuldaer Aetiendruckerei i« Fulda
anwalts.
[en zum Nutz
Stürmischer, langanhaltender Beifall folgte den glan- »enfcen Ausführungen des Redners, dem nichts nur der Leiter der Derfammiung, Rektor Schiel, sondern auch der anwesende Bischof von Hildesheim in einer die Ziele der Schulorganisation warm empfehlenden Ansprache herzlichen Dank aussprach.
werden. (Er hat eine „hellklare Reihe", die wiederum 1 „ .
in eine Skala geteilt wird wie die Grauleiter. Sie dunkelklarstm Farben zeigt auch genau dieselben Gesetze. Ebenso hat jeder "”*'** 1 rc‘*
Farbton durch zunehmenden Echwarzgehalt seine dun- kelklare Reihe. Alle sonst möglichen Arten des gleichen Farbentons gehören zu den „trüben Farben". Sie haben Schwarz und Weißgehalt gleichzeitig. Ein einfaches Schema, daß allerdings dreidimensional gestal- tet wecken muß, ordnet jeden denkbaren Farbton an
£s veredelt das jffromcr, verbessert die f ärbe, erhöht die Ausgiebigkeit des Qetrankes
A/s alte, bewährte Würfelpackung, ist Meder überall zu habep.
Man särbe <i«hein> »ur mit echten Branus ,c*lcn Stoffarben und fordere die lehrreiche Gratisbroschüre No. Z von Wilhelm Brann«, Geselhdinlt m. besehr Haitung, Qnedlinburg a. H.
M 103.
Freitag, 6. Mai 1921.
• jlus Anlatz der Maifeier ist es in den Vereinigten Steinkohlen-Dergwerken Glückhilf - Friedenshoss. mma bei Rieder-Hermsdorf zu einem schweren Konflikt gekommen. Die Arbeiter hatten das Hissen einer roten Fahne verlangt, das von der Bergwerksverwaltung verweigert wurde. Hierüber erregt, zog die Arbiters-haft vor das Verwaltungsgebäude,' holte den Derawcrksdirektor heraus und zwang ihn, mit einer roten Schärpe und einer roten Fahne mehrere Malt um dos Aechengebäude herumzugehen.
Verzeichnis von Neuanschaffungen der Landesbibliothek zu Fulda ans dem Jahre 1920/21.
Xaffee wird billiger
durch Jugabe von Webers
B 1919.
Liutprands von Cremona Werke. Hrsg, voi J. Becker. Hann. u. L. 1915.
Maisch, K: «riech. Altertumskde. L. 19U».
Mann, Th.: Betrachtungen eines Unpolitischen
^Mayer, A.: Die Vogesen und ihre Kampfstätten
L. 1915.
(Fortsetzung.)
Erläuterungen u. Ergänzungen zu Janssens Gesch. d. deutsch. Volkes. Freiburg. — Bd 10, HL 1*20.
Erzberger, M.: Erlebnisse im Weltkrieg. Stuttg. n B 1920.
Falkenhayn, E. v.: Der Feldzug der 9. Arme* gegen die Rumänen. B. — Th. 1. 1921.
Felde, Im, unbesiegt Mch. 1921.
Fischart, I: Das alte u. das neue System. B. — 1—2. 1919—20.
Geschichte der europäischen Staaten. Gotha — Venedig 2. 1920. — Böhmen 1. 1920.
Geschichtsblätter für den Kreis Lauterbach Je & 1920.
e‘ Geschichtskalender, Schulthess’ Europäischer N. F. Mch. 33 für 1917, 1920.
Groener, W.: Der Weltkrieg und seine Probleme
Aus diesem Material hat sich nun schon eine An. zahl harmonischer Grundsätze ergeben. Z. D.: Damit zwei oder mehrere Farben harmonisch wirken, muß Gleichheit wesentlicher Elemente an ihnen bestehen, also entweder Gleichheit des Farbtones oder des Deiß- oder Schwarzgehaltes. Für die 24 Farbtöne drs Far- benkrrises — vergleichbar den 12 Halbtönen der DL tave — ist also eine harmonische Dar Wertung in 28
Die Farbenlehre Wilhelm Ostwalds und ihre Dcveutnng sür die Kunst.
Son A. R. S.
Gang im Gegensatz zu der straffen Ordnung, di« menschlicher Geist, zwecks künstlerischer Auswertung in das Reich der Töne brachte, herrscht bis auf den heutigen Tag im Reiche der Farben trostlose Unordnung. Das hat einen doppelten Grund. Einmal ist das Problem der Farbenharmonie zu sehr auf physi- kalischer Grundlage bearbeitet worden; dann glaubte man, irrgeführt durch die Tmihannonie, die Lösung in den Lichtwellenoorhältnissen suchen zu müssen.
Es ist das Verdienst Wilhelm Ostwalds, Licht in das Gebiet der Farbenhavmoni« gebracht zu haben. Es gelang chm, indem er diese Frage von der physikalischen Farbenlehre trennte und in dir psycholo- Sische Farbenlehre übernahm. Es ist gut, daß gerade ein Naturwissenschaftler, ein Faroenfach- mann von Wellruf, dies wagte. Ein Künstler hatte schwereren Widerstand zu überwinden gehabt. Nicht als ob Ostwald die Unsumme naturwissenlicher Ergebnisse der Farbenlehre über Bord würsr. Nein, in vier Bänden behandelt er zunächst die mathematische, die physikalische, die chemische und physiologische Farbenlehre. Erst im fünften Santo sein« Werk« behau- toK er dm psychologische Farbenlehre. Er geht von dem Grundsatz aus: die Farbe ist eine Empfindung, ein seelischer Vorgang. Der Stoff, der das Licht in einer bestimmten Art zmückwirft und uns nun rot, oder blau oder grün erscheint, ist noch nicht Farbe, nur Farbstoff. Er kann ja auch je nach Beleuchtung, Kontrastwirkung usw. ganz verschiedene Farbwirkungen in uns auslösen. Auch di« Lichtwelle bestimmter Schwingungszahl ist noch nicht Farbe. Es gibt ja auch Lichtwellen, tot ultraroten, die ultravioletten Strahlen, die naturwissenschaftlich genau nachweisbar sind, die aber keine Farbenempfindung auslösen, die wir nicht sehen können. Auch erschöpft das Sonnenspektrum (die Regenbogenfarben) die Reihe der reinen Farben nicht. Es ist schon von Physikern daraus hin- gewiesen morton, daß das Purpur fehll. Das Weiß, tmturwiffenschastlich die Summt aller Farben, das Schwarz, das Grau lösen eine Farbenempsinüung aus, wenn auch nicht die einer bunten Farbe. Sie müssen also als „unbunte Farben" mit einbezogen werden. Es ist nicht möglich, an dieser Stelle bei geistreichen
oen" Die Pflicht wird also in den Dortorgrund gestE. Artikel 149 hat in der letzten Zeit zu manchen harten Gegensätzen in der Auffassung geführt. Nach lhm ist der Religionsunterricht in der Schule als vollberech- tigtes Glied gleichberechtigt mit allen anderer- Unter- ricktsaeaenständen untergebracht und zu berücksichtigen. Der Religionsunterricht ist pftichtmäßiger Unt^rrchtsge- Instand. Der Reichstag hat in erfreulicher Welle en - ikbieden daß eine Erklärung nur notig 'st, wenn die Intern ihre Kinder vom Religionsunterricht befreit wis» A wolle". Mit großer F-eude kann festgestellt wer. den daß die weitaus überwiegende Mehrzahl der Dolfs- «ertretuna im Reichstage sich auf diesen unseren Stand- vÜntt tost-M HM Der wichtigste Artikel allerdings der fn ^raae kommt, ist Artikel 146 über die Einrichtung der Schulen. Er ist derjenige, der das größte gedenken im kathol. Dolksteil wachgerufen hat. D^.^'fnnltan- i-bule ist der Vorrang zuerkannt, die Gemeinschaftsschule wird in ihm als Hauptschule des Deutschen Ruches er- klärt. Kii Antrag der Erziehungsberechtigten sind kon. keMonelle oder weltliche Schulen emzurichten Künftig komm -s darauf an, daß der Willen der Erziehimgsbe- rSen nur dann erforderlich ist, wenn ente Kenterung ^ Schulwesen von der Gemeinte erstrebt wird. Wo setzt schon konfessionelle Schulen bestehen^ bleiben sie be- steten.^ Alle jedoch, di« eine weltliche Schule eingeführt wifsen wollen, muffen einen diesbezüglichen Antrag fte(- to unb von der Zahl der AnnMmngm, wndes eb« hängen, ob eine solche Schule eingerichtet mrd oter^mcht. Für ms alle heißt es jetzt, wachsam zu bleiten, für die kommenden Kämpfe gerüstet zu sem. Deshalb müssen wiruns zusammentzm in ter katholischen Schulorgamfation und mst den Lehrern zusammen über egen, was zu üm *t um ton Unterricht möglichst erfolgreich zu teilten und m die Seelen unserer Kinder möglichst viel Religiosi-
Theorien und Versuchen Ostwalds nachzugehen. Es soll nur versucht werten, einige seiner Ergebnisse kurz mitzuteilen.
Zunächst stellt Ostwall» tot sogenannte „Grauleiter auf, eine Skala vom reinsten Weiß zum tiefsten Schwarz. Diese Reihe ist „einfältig" und „stetig". Jedes Grau hat einen bestimmten Platz zwischen zwei anderen, einem helleren und einem dunkleren. Eine bunte Farbenreihe dieser Art kömcke man nicht aufstellen, z. D. ehre Blaureihe. Es würden hier nicht nur Helligkeitsunterschiede zu beachten sein, sondern auch verschiedene Farbtöne. Die Anzahl ter verschiedenen Graustufen zwischen Weiß und Schwarz ist theoretisch unendlich, praktisch aber durchaus nicht. Das Unterscheidungsoermögen des menschlichen Auges hat eine „Schwellt". Verschiedene graut Farben, deren Weiß- oder Schwarzgehalt als verschieden gemeßen werten kann, können durchaus gleiche Farbwirkung auslösen. Es genügt also eine begrenzte Anzahl Graustufen. Für die sogenannte „Schwelle" findet man ein Gesetz. Graustufen deren Weißgehalt eine geoane- irische Reihe bilden, erscheinen gleich viel verschieden. Auf Grund einer einfachen Rechnung gelangt man zu folgendem Ergebnis: Will man die Graustufen zwi- schen Weiß und Schwarz z. B. in 10 gleiche Stufen ein teilen, so sind es die grauen Tönt mit einem Weißgehalt von 89 — 56 — 35 — 22 — 14 — 8,9 — 5,6 — 3,5 — 2,2 — 1,4 — Prozent. Nicht wie man oberflächlich vermuten sollte 90, 80, 70, 60 Proz. usw. Dabei ist zu bemerken, daß die Stufe 89 blendend weiß wirkt, 35 noch sehr hellgrau. 1,4 dagegen schon vollkommen schwarz.
Die bunten Farben werten von Ostwald in eine Kreisordnung gebracht. Die Reihenfolge ist die der Regenbogenfarben, ergänzt durch Purpur, welches das Violett zum Rot.zurückführt. Es ergeben sich so acht Farben: Gelb, Orange, Rot, Veilchen, Utitamanin- Kau, Eisblau, Setgrün, Laubgrün. Es zeigt sich, daß die alle Annahme von sechs Farben nur annähernd gt- stimmt hat. Aus diesem Grunde zeigen die Dretfar- bendrucke Farbabweichungen, die nur dadurch wenig ftären, daß sie gerate in den dunklen Farbtönen liegen ' Nur tot Farben dieses Farbkreises sind voll- ständig bunte Farben: „Vollfarben". Die AnzaH dieser Farben ist theoretisch natürlich wieder unendlich. Doch auch hier ist die „Schwellt" vorhanden. Es genügt vollkommen eine Einteilung in 24 Farbtöne.
tarnt durch Weißgehalt erhellt verschiedentn Stufen tos ^Weiß-Schwarz-Grhaltes möglich, von den hellklarsten über die trübsten zu den — vergleichbar den Dur- und
Molltlmarten. Eint Unsimimt weiterer harmonischer Feinheiten bezüglich der Zweier-, Dreier und Biertr- gruppen, ter Gegenfarben usw. harrt tot Durchforschung. Die harmonischen Möglichkeiten übertreffet' die ter Tonkunst bei weitem.
Wilhelm Ostwald selbst kommt in seinem Werl immer und immer wieder darauf zurück, welche Per« speSttoen sich ter. ganzen sirrtemtötigenten Kunst eröffnen, wenn erst ein geordnetes farbenharmonisches System erstanden ist. 3a es scheint ost, als ob bi» Liede zur Kunst ihm die tiefste Triebfeder ßeroqen sei, in zäher Willensstärke das riesengroße Sebtet $u durcharbeiten. Es wirkt oft rührend aus den Zenen tos alternden Gelchrten stoch hoffnungsfrohe Begei- fterung in weitsichtigem und sprudelndem Vortrag zu
seinen Platz.
Nach eiiter einfachen Methode kann jeder Farbton nach Voüsarte, Schwarz- und Weißgehalt gemessen werten. So kann auch jede Farbe in einer Formel ausgedrückt werten, genau wie die Stoffe durch chemi- sthe Formel«, nur viel einfacher.
Nachdem nun Ordnung geschaffen ist, wird die Aus- wähl getroffen. Farbnormen werden aufgestellt. Be- reits ist ter „Farbenatlas" erschienen, ter jede Farbe genau auffinten läßt. Der „gekürzte Farbenatlas" läßt die harmonischen Farbverbindungen aufsuchen. Der „Farbmesser (Chromeier)" ist herausgekommen zur Bestimmung des Farbtons und Weiß- und Schwarzgehalles. Sa sogar die sogenannte „Farben- orgel" ist da. Sämtliche 24 Töne des Farbkreises in je 28 Schattierungen aus der hellklaren und dunkel- flaren Reihe, wie aus ton trüben Farben, zusammen also 672 Farben und 8 Farben ter Graureihe, alles in malfertigen Farbstoffen.
Diese ganze arbeit hat bis heute Wilh. Ostwald allein geleistet. So schreibt er im Vorwort seiner Einführung in die Farbenlehre: „So stand die ganze Arbeit auf zwei Augen und steht noch heute so. foroeil sie nicht durch die inzwischen erfolgten Deröffentlichun- gen ter Allgemeinhell mllgeteilt worden ist. Dies« Augen beginnen zu versagen, und das ist die wichtigste Veranlassung zu dem vorliegenden Werkchcn, das be- stimmt ist, die Kenntnis ter neuen Farbenlehre in weite Streife zu tragen."
Allerlei Weisheit. Die durchschnittliche Leben» dauer der zu den Kulturnationen gehörenden Menschen betrug im 16. Jahrhundert nur 21' - Jahre, jetzt aber 40'/, Jahre. — Zucker schmeckt man noch in einer Lösung von 1 zu 228, Kochsalz in einer wichen bon 1 zu 640. — Tas Alter der Steinkohle ist durch experimentelle Herstellung künstlicher Steinkohle aus Torf auf ca. 8 Millionen Jahre berechnet worden. — Tie höchste Höhe des Vogelfluges ist durch die neuesten Untersuchungen auf ca. 2000 Meter festge- stellt Worten. Interessant ist dabei, daß kein V-gel über die Wolken hinaus fliegt. Er bleibt stets unterhalb der Wo.ken, auch wenn diese Nur 800 bis 1000 Dieter hoch sind. — Die Pferdewettrennen sind jetzt etwas über 300 Jahre alt. Sie kamen während der Regierungszeit des Königs Jakob I. in England auf. — Die Zahl der mit bewaffnetem Auge sichtbaren Sterne wird auf rund 200 Millionen geschätzt, davon sind gegen 145000 bis jetzt genau registriert und mit Namen oder einer sonstigen Bezeichnung versehen. — Fast die Hälfte der gesamten Menschheit wohnt in Asien. — In Deutschland sind etwa 20 Prozent der Ehemänner jünger als ihre Frauen, mo
Die Schwächen unseres nationalen Bewußtsein- in ver Derganstenheit.
Aus der tiefsten Erniedrigung unseres Volkes ver- atnre letztlich nur die Macht des nationalen Besins emporzurichten. Aus diesem allein kann Über alle unsere parteipolitische und soziale Zcrsplii- taiutg die bezwingende Kraft kommen, die alle aus» einanterftnebenten Kräfte bändigt, die Herzen aller Guten in Bewegung bringt und die Stickluft vertreibt, We heute noch lähmend über unferm Volke liegt.
Wollen wir unser nationales Bewußtsein erneuern, dann müssen wir uns unerbittlich die alte Wahrheit üts Bewußtsein rufen, daß das deutsche Volk von Anfang an schwere Schwächen, alle Fehler seines nationalen Bewußtseins witschte^tte. Heute gilt es dieselben mit doppeltem Eifer fernzuhalten.
Dor dem Jahre 800, da der König ter Franken, Karl ter Große, vom Papste zum römischen Kaiser ge« krönt wurde, haben die deutschen Stämme es zu keiner nationalen Geschlossenheit gebracht. . Sie haderten stets miteinander, traten masienhast in die Dienste des allen Römerreiches, kämpften teilweise in testen Heeren gegen die deutschen Stämme. Die in ter Döl- fertnanterung in das alte Römerreich sich ergießenden Goten, Vandalen, Sueven, Burgunder gingen in den besiegten Völkern unter. Wohl hatten sie Rasten- unb Stammesbewußtsein, aber keine selbstbewußte Kraft zur Bildung eines nationalen Staates. Karl ter Große zwang die Alemanen, Thüringer, Bayern und Sachsen unter ter Oberhoheit ter Franken; ihre Sontortestrebungen nach Selbstherrlichkeit, die ganz unzulänglich blieb zur selbständigen Staatsbildung, konnte er aber nicht völlig überwinden. Unter seinen Nachfolgern zerfiel sein Reich in drei Teile.
Otto ter Große, der machtvolle sächsische König, konnte 962 ein gesamtdeutsches Reich gründen, das die römische Kaiserkrone erwarb. Damals war die stolze teutsche Kaiserzeit, deren Erinnerung im 19. Jahrhundert die Sehnsucht weckte nach ter Einigung der teutschen Stämme. Den säckffischen Herrschern auf dem Kaiserthrone folgten die stoischen und stausischsn. Sie alle hatten mit den Unabhängigkeit^- und Sonder- beftrebungen ber Fürsten zu kämpfen, welche sich zuerst und zuletzt als Dertreter ihrer Stämme fühlten. Sie ttachteterr danach, die Königs- und Kaisergewalt klein zu halten. Jede Königs wähl ward von ihnen benutzt, sich neue Sonderrechte zu erwerben.
Unter Friedrich H. brach die stau fische Macht zu- famtren, die unter dem Streben nach Weltmacht versäumt hatte, einen starken Nationalstaat auszubilden. 3m Jahre 1250 setzte die staatliche Zersplitterung Deutschlands in zahlreiche Landesgebiete ein; durch die Glauberrsspaltung und die Folgen des Dreißigjährigen Krieges ward sie vertieft und gefesttgt. Wohin das geführt hat, beweist die Tatsache, daß beim Untergange des längst ein Scheinleben führenden Römischen Reiches Deutscher Nation 1806 dieses 300 selbstherrliche Staaten unb Stätchen, wie zahlreiche Bistümer, Grafschaften, Markgrafschaften, ^Landgrafsch asten, einige Herzogtümer, Kurfürstentü- mer und Königreiche zählte. 1871 war diese Zersplitterung auf 25 Staaten zurückgegangen, die Bundesstaaten tos neuen Reiches trurbem
Eine ganz andere unb günstige nationale Entwick- stmg wiesen inzwischen die Nachbarstaaten auf. Seit 1300 war es den Königen Frankreichs, seit 1500 ton Königen Englands, feit 1700 den Herrschern Ruß- laute gelungen, die Macht ter Landes fürsten wie tos Atels zu brechen und die Macht des Nationalstaates nach innen und außen zu steigern. Das zersplitterte teutsche Volk dagegen verarmte, ward ein Spielball fremder politischer Einflüsse wie auch deutscher Klein- staatfürsten, die auf ihre eigenen Hausinteresten bedacht waren. (Einen großen Zug nationalen Willens, insbesondere auch gegenüber tem Auslaute, und auf» steigender staatsbildender Kraft bewies erst Brauten* kmrg-Preußen. Friedrich ter Große bannte feit Jahr- hunderten wieder einmal die Herzen jener, welche das nationale Elend fühlten. Die großen Dichter und Denker, welche feit tem 18. Jahrhundert Verkünder des deutschen Idealismus wurden, gaben den Deutschen das frohe Bewußtsein wieder, eine Kulturnation zu fein. Die Romantik ließ die Erinnerung an die glorreiche deutsche Kaiserzeit auf ter Höhe des Mittelatters wieder aufleben. Die Befreiungskriege riff en das Volk, vor allem die Jugend empor, führten ober auch die großen Richtungen tos Geisteslebens dem Staate wieder zu, dem sie entfremdet waren. Die Losung der
zum nationalen Bewußtsein erwachten Deutschen tat« I tete: Deutsche Einheit und deutsche innerpolttische Freiheit. Gegen beite Forderungen sperrten sich meta ober weniger die im Deutschen Bunde geeinigten I Fürsten. Die Führer ter Volksbewegung waren uneinig I und unklar darüber, unter welcher Führung die Eini- I gung geschehen solle, ob unter tot Oesterreichs ober Preußens.
Es zeigte sich in diesen langen Kämpfen um die deutsche Frage, wie verderblich es gewirkt hatte, daß im teutschen Volke seit Jahrhunderten kein kräftiges nationales Bewußtsein gelebt hatte. Die vielfach in ter Lust schwebenden, von Weltanschauungs- und I Parteiansichten ' geleiteten Erörterungen hätten nicht I zur nationalen Einigung geführt, wenn nicht z w i n - gende Lebenskräfte eingesetzt hätten. Das war einmal das austtretonte Wirtschafte ltbcri, das unter Preußens Führung 1834 zmn Deutschen Zoll- verein und Zollparlament sührte; das war zweitens die Staatskunst Bismarcks, die nach früherer Zurück- Haltung Preußens für die Lösung ter deutschen Frage gewann, die allein aber auch stark genug war, die einzig mögliche Einigung ter 25 Staaten in einem Bundesstaate durchzusetzen und das solchermaßen bun- tesstaatl. neue Reich zu regieren. Die von ton breite- sten Volksschichten als Lebensnottvendigkeiten em- pfuntene Reich s-W irtfchaft spolitik (Schutz ter nationalen Arbeit) u. die Reich s-S ozialpoli- t i k haben sich auch gegenüber ter Sozialdemokratie im Kriege und nach der Revolution als die stärksten Klammern des Reiches erwiesen. Die gcschlostene deutsche Arbeiterschaft ist darum heute eine so entschiedene Verteidigerin der Reichseinhett. Diese ist aber nicht unaefährtot von außen, und im Auslände hat man noch nicht alle Hoffnung aufgegeben, sie ließe sich von innen unterwühlen.
Die erst vor fünfzig Jahren gewonnene Reichseinheit, die Voraussetzung unserer Weltgeltung wie des wirtschaftlichen und sozialen Aufsttegs, können wir aus der Niederlage unb aus dem Zusammenbruche nur bann retten, sie kann zum Lebenszenttum eines sich wieder auftichtenten deutschen Volkes erst wieder werden, wenn wir stärkeren Staatssinn, kräftigeres nationales Bewußtsein, als wir bisher beite besaßen, in allen Völkskreisen uns zu eigen machen. Dann müssen wir aber auch gleichzeitig die parteipolitische, soziale und konfessionelle Habersucht, das alte deutsche Erbübel, gründlich zurückdrängen. Heute blüht es weithin unter uns noch kräftig, trotz unserer furchtbaren nationalen Erniedrigung.
Tagung der Kathol. Schulorgani'aiion.
Mit bet Tagung der Kathol. Schulorqanisation in Hildesheim war auch eine Elternversammlung verbunden. Landerichlsprasident Marx, der ver- die ristvolle Vorsitzende und ^Begrünter ter Kath. Schul- organisation, von ter Versamm'nna stürmisch begrüßt, sprach über „Die schulpolitische Laoe: Das katholische Volk erkannte aus dem Vorgehen Adolf Hoffmanns, daß es sich zusammenschließen und organisieren mußte. Aber schon fängt es wieder an, stiller _unb stiller zu werden, man glaubt, die Gefahr sei vorüber, das Interesse an der katholischen Schulorganisation beginnt wieder zu erlahmen. Die Elternbeiräte werden vielfach schon als sozialistische Einrichtung angesehen. Die Idee der Ellernbeiräte, das ist unsere Antwort darauf, mag noch so sozialistisch fein, wir müssen sie benutzen, weil sie uns den Weg weist, um die katholischen Eltern mit der Schule in lebendige Verbindung zu bringen. Mehr denn je haben die Eltern Anlaß, sich um das Schulwesen zu bekümmern. Unser Ziel muß es sein, unsere Ämter zu Charakteren zu machen. So lange nicht Gott Mittel- punkt unserer ganzen Erziehung geworden ist, wird all unsere Schulorganisatton vergeblich bleiben. Ohne Gott, pbne religiöse Erziehung gibt es kein Aufwärts mehr. Wir müßen alles daransetzen, daß der gesamte Schul, unterricht, das ganze Schulwesen von dem Geiste durch- drunen wird, wie er den Kindern im Religionsunter, richt eingegeben wird. Deshalb verlangen wir die k o n- fessionelle Schule. Da ist ein großer Trost für uns, daß wir wissen daß beinahe ausschließlich das ganze katholische Dolk auf dem Standpunkte stehl, alles daran zu setzen, um die konfessionelle Schule zu erhalten, daß es die größten Opfer daransetzt, um sie zu retten. Die Reichsverfassung enthält vieles in ihrer Grundlage, was uns vorn katholischen Standpunkt aus mißfällt. Auch das Zentrum hat nur mit außerordentlich schwerem Herzen vielen Bestimmungen seine Zustimmung gegeben. An- dererseits müssen wir aber auch zugeben, daß metes glücklich erreicht ist, ja daß es überhaupt gelungen ist, viele Dorschriften in die Verfassung hineinzubringen, vor allem den Artikel 120, der den Satz ausspricht: „E, .ist oberste Pflicht und natürliches Recht der Erziehungsbe- rcchtigten, für die Erziehung des Nachwuchses zu sor.
B. 1920. . - „
, Gross, K.: Bismarck im eigenen Urteil. Stuttg, Dcrtnild'fcs. 1 “• B'G1r9^,p G.: Kulturgeschichte des Mittelalters.
• Elektrischer Elsenbahnbstrieb auf ter Strecke Paderb Bd 3-4. 1912—14
Holle-Leipzig. Die UmroanHungsarteiten ter beut« I Heimat, Unsre. (Schlüchtern.) Schlüchtern, schen Eisenbahn in elfte elektrische Bahn, mtt tonen ! jg 12. 1920. , »
man ein Lalft vor tem Kriege begonnen hatte, bie Herthng, G. v.: Erinnerungen. - Mch. - Bd^ aber während des Krieges eingestellt warten sind, E. . Aus meinem Leben. L. 1920
wurden neuerdings Mieter rafgenommen Sns erste Jahresberichte der deutsch. Geschichte. Bresl Strecke wird die Sttccke Halle-Leipzig elektrfich_be» I jgM. .
trieben werben. Auf ter Teilstrecke Äitzschena-Schone- i^manuel, Fr.: Der Weltkrieg 1914 bis 1919 selb ist der elektrisch? Güterverkehr bereits aufgenom- I B 1920,
men wvrton. Sm Jahre 1922 sind die Arbeiten so Klack, A. v.: Der Marsch auf Pans u. die Marne- weit fortgeschritten, daß die gesamte Linie Halle-Leip- schlacht 1914. B.1920
zig elektrisch betrieben sein wird. 5°^’ J;'ffRKn'riGof? Dm Ende des ross. Kaiser
* Die G-rickstSiprache ist deutsch. General N ol- Komaroff-Kurloff. Das Ende
Iet batte al? Chef ter Ententekommission Strafan. tnmsICr°-(SS Ä • Die Ursachen unserer Niederlage trag gegen den Guttbesitzer b. Pagenski gestellt, uie
weil dieser den belgischen Chauffeur Smet durch bett I Krieg, Der, zur See 1914—18. B l. 1920.
Ausdruck „Cochon" beleidigt haben sollte, v. P. I Ladendorf, 0.: Histor. Schlagwörterbuch
hatte sich über das rasend schnelle Tempo geärgert, strassb. u. B. 1906.
in dem die Entenle-Chauffeure fuhren, und wodurch Landesgeschichten Deutsche, üotna.
er beinahe zu Schaden gekommen wäre. Er glaubte, Werk 12: Steiermark 1. 1920 Mch_ w B
daß Smet einer dieser Chauffeure fei und benamste iLe9nZ’iqrü-20 h 1
ihn vor dem Hotel Continental in nicht geradezu Bd i-ä Wartburg u. Weimar. 1920. S. A
verbindlicher Weise. Das Schöffengericht Berlin-Mitte l , jman v’on Sanders: Fünf Jahre Türkei hatte seinerzeit auf Freisprechung erkannt, > weil der Strafantrag tos Generals Rollet in französischer Sprache aböefaßt war, die Gerichtssprache aber teutjch sei. Gegen dieses Urteil legte der Staatsanwalt Berufung ein. Vor der Strafkammer bestritt der SBerteibiger die Vorgesetztenqualität des Generals Rollet gegenüber Smet unb bezeichnete es auch als bedauerlich, baß ter Staatsanwalt wegen Beleidigung eines Belgiers gegen tonen verdienten, im Kriege' verwundeten Offizier überhaupt ein Rechtsmittel ergriffen habe. Die Strafkammer kam wreterum gin: Freisprechung, ba sie den Nachweis vermißte, daß Rollet tatsächlich Vorgesetzter des Chauf-
st-urs sei. Jetzt bcschäftigte diese Mgelegenheü auf ^affeeaeWÜrZ.
Revision tos Oberstaatsanwalts Berlin I ten Straf. | (jariSDCtG&r •»»- vvu -4 senat tes Kammergerichts. Der Staatsanwalt beantragte Deweiserhebung darüber, baß General Rollet zur Stellwtg tes Strafantrages berechtigt war. Der Verteidiger führte aus, daß es darauf nicht mehr an- komme, da der Chauffeur iiterh>aupt nicht in Ausübung seines Berufes beleidigt worben fei; zu bemängeln fei auch, baß jetzt von ter Ententekommission ein Schreiben in englischer Sprache eingegangen sei, wo- ritt bescheinigt wird, daß General Rollet Seniorchef der Ententekommission sei. Das KaMmergertcht be-
| schloß, Beweiserhebung nach tem Anträge des Staats-