Mittwoch, 4. Mal 1921
Nr. 102
Gina!
„Safrr! —
— Vergeht mich —
für das deutsche Do'k fo Was wird nun w-rden? was wird die R-aierung in den vielen Gelichtern sich in der Wandelhalle
diese drei zufommen'allenden, imheilvcllen Ereian'sse nach. Was wird der Reichstag tun, tun, diele Frage konnte man lesen. Hier vnd da bildeten
nicht! »D Gott!---“
Er war sein letztes Wort. Zwischen den beiden treuen Herzen ruhend, senkte er plötzlich das Haupt; ein Blutstrem ergötz sich über seine Lippen — und seine Seele flog himmelwärts, der ewigen Heimat zu.--
Er war erlöst von Schuld uiid Qual. —
Da sanken alle in die Knie und falteten die Hände zum Gebet. .
Der lag will finken. Die Sonne leuchtet über bat Bergen wie ein feuriges Auge mid wirst purpurne Strahlen über die Welt. Die Gipfel der Dolomiten er- glühen im Abendrot, als wäre auf ihnen ein Steer von Alpenrosen erblüht. Auf den Firnen stiegen lodernd Flommen empor — und all die Bergriesen ringsum trugen goldene Kronen und schienen fich zu neigen vor dem Gewalliaen der ai" bU{et Welt geschieden war
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»einen oufrechlerhaften. Auch die telephonische V:r- lintung tr.it dem Industriegebiet ist vielfach gestört.. Bewaffne!« reculäre und irreguläre polnische Truppen baden die ©ren;e bisher nicht überschritten, aber die Sokols sind mit Waffen versehen, und auch die streikenden Arbeiter sind an der Grenz« mit Waffen versorgt worden. <
Es wäre falsch, wollte man von einer Volksbewegung etwa d'r polnischen Bevölkerung sprechen. Es ind vielmehr immer wieder dieselben organisierten Banden junger polnischer Leute, Stoßtrupps, die planmäßig auf Unruhen gedrillt morden ind und die nun den Befehl zum.Vorschlägen bekam, men haben.
Die oberschlesischen Städte sind setzt von den «Polen frei. In Kattowitz wurde versucht, das Lirertionsgebäude der Eisrnbayndirektion zu stürmen; i;cr Angriff wurde aber abgewicsen. UnbctümTert um die aufgestellten Tanks hatten die Insurgenten eine böse Schießerei in der ganzen Stadt eröffnet. Ei- enbahn- und Straßenbahnverkehr mußten eingestellt werden, deutsche Zeitungsdruckereien wurden zerstört. Auch in Aeuthen hat eine hesiige Schießerei statt, gefunden. Die Erregung unter der Bevölkerung ist groß und die Anzahl der Flüchtlinoe in den Städten wächst stündlich. Die deutschen Behörden mahnen zur Besonnenheit. Ueber die Lage auf dem Lande liegen sichere Nachrichten nicht vor, koch hat die Interalliierte Kommission Truppen entsandt und über das ganze ©ebiet den Belagerungszustand verhängt.
Der deuische Vertreter bei der Inter aliierten Kommission hat ernste Vorstellungen erhoben, und die deutsche Negierung hat sich direkt au die Mächte getränt!. General de Marinis, der Vertreter Italiens in ter Interalliierten Kommission, der in Abwesenheit des französischen und englischen Vertreters zur Zeit allein die Verantwortung trägt, hat den verantwortlichen keu schen Stellen erklärt, daß er mit allen Mitteln durchgreisrn werke und zuversichtlich hoffe, in spätestens drei Taaen die Ordnung wieder hergestellt zu haben. Tatsächlich haben auch die Truppen vielfach energisch einbegriffen und Italienische Truppen dabei blutige Verluste gehabt. Di» Franzosen allerdings entwaffnen zwar, nehmen aber die entwaffneten Polen nicht fest, sondern lassen sie wieder laufen.
Die Londoner Erpressung.
Die verbündeten haben fich dahin geeinigt, daß Deutschland bis zum Abend des 12. Mai Z:it Hai, das Ultimatum der Alliierten zu unterschreiben, aber nur vorbehaltlos und bedingungslos.
Nach einer Londoner Meldung vom Dienstag wurde das Ultimatum beschlossen. Der Wortlaut wird erst heute festgesetzt.
Weigert fich Deutschland, das Ultimatum der Verbündeten zu unterschreiben, so rücken am 13. Ma, die inzwischen bercilgestellten französischen Truppen i n s Ruhrgebiet ein, um dort so lange zu bleiben, bis Deutschland vorbehalllos unterschrieben hat.
Die Höhe der Gesamtschulb Deutsch» lanbs wird mit 132 Milliarden Goldmark Gegenwartswert beziffert werden. Man beachte, daß wir demgegenüber eine Summe von 50 Milliarden Eoid- mart Ietztwert angeboten hatten. Die Entente will die errechnete Summe von 132 Milliarden Mark auf einen 36jährigen Zeitraum Deutschland auferlegen. Durchschnittlich würde Deutschland in den nächsten 33 Jahren einschließlich Zinsen und Tilgungsquoten jähr- lich sechs einhalb Milliarden Golkmark, also etwa 63 bis 70 Milliarden Papiermark jährlich zu entrichten haben. Nach dem Dauerwert berechnet, würde sich damit diese Schuld noch höher stellen, als die 226 Milliarden der Pariser Forderungen ausmachten, nämlich auf 232 bis 235 Milliarden Mark!
Die Abtragung der Schuld soll gefchehen durch Ia h- reszahlung von zwei Milliarden, wozu noch eine Ausfuhrabgabe von 25 Prozent käme. Auf diese Zahlungen sollen Goldbons ausgegeben werden. Die erste Nate dieser Bons in Höhe von 12 Milliarden Goldmark ist sofort fällig, 50 sollen im November ausgegeben werden, der Rest später nach besonderer Anweisung der Reparationskommission. Als Zinsfuß sind 5 Prozent in Aussicht genommen.
Wer hält denn im Ernste für möglich, daß derartige Verpflichtungen von Deutschland erfüllt werden könnten. Schon jetzt erscheint die Finanzkontrolle Deutschlands durch die Entente nicht mehr abwendbar. Sie würde noch schlimmer wirken und vor allem für uns noch demütigender sein, als die türk sche Finanzkontrolle war, weil ein hochentwickeltes Wirtschaftssystem fit schwerste Fesseln geschlagen würde. Die Enischttdung, vor welche die Führer unseres politischen Geschickes' in diesen Tagen gestellt werben, ist von einer solchen Schwere, wie sie noch selten seit den furchtbaren Tagen hes Zufammenbruchs auf uns lastete.
Amerikas Ablehnung.
Die amerikanische Antwortnote auf das deutsche Memorandum, die der amerikanische Geschäftsträger in Berlin am Dienstag um 12 Uhr dem Minister Simons überreicht hat, lautet:
Die Ne ierun r der Vereinigten Staaten hat das Memorandum der deutschen Ne iierung betreffend die Neparationssrage erhalten, das Dr. Simons dem Kommissar der Vereinigten Staaten am 24. April übergeben hat.
Zur Antwort erklärt die Negierung, daß sie sich außeritande sieht, zu dem Schluß zu gelangen, daß diese Vorschläge eine für die alliierten Re nerungen annehmbare Grundlage für die Erörterungen bilden.
Indem die amerikanische Regierung ' wiederholt Ihren ernsten Wunsch nach einer raschen Regelung dieser Lebensfragen ausdrückk, legt fte bet deutschen Regie- rung dringend nahe, sofort den aliierten Regierungen unmittelbar klare, bestimmte und zweckentsprechende Vorschläge zu machen, die in jeder Beziehung ihrer angemeffenen Verpflichtung gerecht werden.
Die Antwort bietet keine U-brrraschnna, da bereits bekannt war, daß Amerika zu einer Vermittlung zwischen den Alliierten und Deutschland seine Hand nicht bieten weide. Harding und der Staatssekretär Hughes haben ein paar Tage lang versucht, in Un-
Lerantwontikh lut den iroauioneUtn leil: Karl Schütte, - tüt dir Anzeigen: I. Patzeiiet-Fulda. - Rotationsdruck u. Vertag der Fuldaer Xlctienbrutferei in Fulda. Serntpi edier ‘Pt. 9. Teleqr.-Adreise: Fu tdaer Zeitung
9" ent? fier Reichstag.
Das Interesse an den Verhandlungen des Reichstages war zu Beginn der Dienstagssitznng außerordentlich gerinn. Denn die auf das deutsche Volk mit Hammer, schlügen niederstürzenden Ercigniffe ließen keinen Na'nn den im Verhältnis zu den großen autzenpolttischen Be- gebcnbeiten nur neringweriigen Gesetzesarbcit der kleinen Vorlagen mit Interesse nachzugehen. Die Ablehnung der Vermittlung Amerikas in der Reparations. frage, das Ultimatum der Entente, das uns aebicM in- nerhalb 12 Tanen ms zu enffcheiden über die Lebens, frage des deuifchen Volkes, der Einfall nolnilcher B m- den in oberschlelilches deutsches Land, alle diele Dinge riefen in der Wandelhalle des Reichstages. Erreonna, Bitterkeit und Bewegung hervor. Im Harzen i'des, mochte er dieser oder jener Partei angehören, z'tterten
Gesicht. „Gina — meine Braut!" kam es rote ein Hauch aus seinem Munde. 1
Sie schlang die Arme um seinen Hals und küßte ihn. „3a — Deine Braut — und bald Dein Weib vor Gott und aller Welt. Heute noch soll uns der Segen des Priesters verbinden."
Sein Blick flog empor zu den himmlischen Höhen, die in Gold und Purpur wie die Pforten des Paradieses strahlten. „Dort — droben, Gina!---Sei meinem
Buben — eine — Mutter!"
„Ja. Michael, so wahr mir Gott helfe!---Das
will ich!---Und lieb haben will ich ihn, wie eine
leibliche Mutter!---Und erziehen werde ich ihn
in Gottesfurcht und'Treue. Er soll ein Mann werden wie Tu, Michael — treu und stark — ein echter Tiroler!" ,
„Tank Dir, (Sina!---“
Sein Gesicht leuchtete wie verklärt, fein Blick, schon im Erlöschen begriffen, flammte noch einmal auf. Denn er sah seinen Tater, der eben zu dem Kreuze trat und den Sohn in die Arme schloß.
„O Michael, mein lieber Sohn!"
Tie Tränen rannen ihm übers Gesicht, als er fein müdes Haupt an seine Brust bettete.
Grupnen von Abgeordneten, die mit bewegten oder ernsten Mienen die furchtbar schwere Lane des deutschen Volkes zum Gegenstand ihrer Aussprache machten.
Das Kabinett war sofort nach Eintreffen der amerikanischen Note, die vom Präsidenten Löve dem Reichstage kundgetan wurde, zu einer Sitzung zulam. mengetreten. Niemand kann es zweifelhaft fein, daß die künftigen Stunden für das Kabinett die Frage von Sein oder Nichtsein bedeuten. Die politisch» Atmosvbäre bat ich zu einer undurchdringlichen Schwüle verdachtet In larlomentarilchen Kreisen neiat man der Auffasiung zu, »atz die Stellung des Kabinetts schwerer ist als wie es emols in bat letzten Wochen nud Tagen war.
Sm Reichstag selbst findet die politilche Spannung erst im zweiten Teil her Sitzung offenen Ausdruck. D-r Außenminister Dr. Simons erscheint im Gefolge b*e ge. samten Kabinetts im Sitzungssaal, um zu den Dor- fällen in Oberschlesien Stellung^ zu nehmen. Häufig unterbrochen van Rufen her Entrüstu.ng teilt er mit. daß po'nilch" Insurgenten in Oberschlesien einge- fallen sind, daß Telephon und Telegrewhmn-rkehr un. terbrochen ist. daß der Eisenbahnverkehr stttlgelegt ist, daß die Polen d'-rch zahlreiche Brückenspr-ngunn-n Oberschlesi-n vom Mutterland« abgeschnittev haben Die Deutsch» 'Regierung Hot sich sofort an di» Interalliierte KommiMon gewandt, sie hat soiort Protest erhoben ne. gen diese Dergewaltiguno der Ichuldlosen deutschm De- völ'eruno, sie hat energische Maßnahmen der alliierten Besatzungsbehördr verlangt, damit Ruhe und Ordnung wieder hwgestellt werden. Wir wollen hassen, daß die deutsche Regierung mit dieser gerechten Forderung Erfolg bat, denn wir müßen fordern unb verlangen, daß bkje’-iqen. die den Schutz von Gut und Eigentum der oberschlesischen Einwohner übernemmen haben, auch alles einletzen, um diesen Schutz unvarteii'ck und gerecht durckzusühren; oder will die Entente, daß fir sich selbst des Ansehens in der ganzen Welt beraubt wenn sie solchen 3"ltänben polnischen Terrors und polnischer Ge. wolttat nicht mit der nötigen Entschiedenheit entgegen- tritt?
Kommunisten und Unabhängige wetteifern darin, eine sofortige Besprechung über diese Vorgänge im Reichstage herbeizuführen. Mit Recht werden diese Anträge abgelehnt, da die Situation noch nicht klar genug ist, um alles einwandfrei übersehen zu können.
Mtttwoch' Kleine Borlaaen
(Schluß.)
Niemand vermag es zu sagen. Denn dieses Weib war in ihrem Hasse wie in ihrer Liebe ein unergründliches Rätsel. Aber eines war gewiß: sie bewunderte den Heldenmut und die Opferkraft des deutschen Man. nes, ber um ihretwillen in ben Tod gegangen war. Ein heiliger Funke glühte wie ein schönes, helles Sternlein in ihrer Seele auf und wurde zur 6 tilgen Flamme, die den Haß verzehrte, die Liebe zu neuem Leben weckte und zum Frieden führte.
Dom Tvtcnkirchlein auf der Tiroler Seite her stieg Ju gleicher Zeit eine eilige Schar den Berg empor, Männer und Frauen, an ihrer Spitze Gina Sarner in der kleidsamen Tiroler Tracht, die sie mit der zum Berg- steigen ungeeigneten Schwesterntracht vertauscht hatte. Nun sah sie in derselben so frisch und schön aus wie in den Tagen ihrer Jugend, als sie den Frühling im Herzen trug. Aber heute hatte sie nicht Freude, sondern bittere Sorge in der Brust.---Wie im Fieber
hastete sie den Berg empor und die anderen mit ihr, um die Potzhöhe, wo die Lawine niedergegangen war, zu erreichen.
Gina war allen voraus und erreichte zuerst die Höhe. Beim Anblicks des Kreuzes und des Mannes an feinem Stamme sank' sie in die Knie und stieß einen jammernden Schrei aus: „Michael — o Michael!"
Und raffte sich auf_ und flog auf dgs Kreuz zu, erklomm den Lawinenhügel und ritz mit beiden Händen die Steine weg. die Michaels Brust beschwerten und ihm ben Atem raubten. „Michael, o Michael, erwache!"
Da waren auch die anderen bei ihr und halfen bei dem Werke Bald lagen Michaels Schultern frei und bann auch die Brust.---
Gina preßte das Ohr auf feine Blust und lauschte. — „Gott fei Dank — er atmet, er lebt!---"
Ein tiefer Seufzer fern aus ber Brust des Verschütteten; die schweren Lider hoben sich, fein Blick traf Ginas
Aus vem besetzten Gebiet. •
„Dl? friedliche Gröberem den Rheinländer.- Nach Meldungen aus Köln veranstalten die Franzosen zurzeit eine ftattftifdje Erhebrmg über ben Geburtsort der 'Beamten des befttztrn Gebietes. Man bringt diese Maßnahme in Zusammenhang mit der Absicht Frankreichs, im Falls roeit-rer Zwangsmaßnahmen zur Ausweisung aller nicht im Rheinland geborenen Beamten zu schreiten.
Ein deutsch?-; Weißbuch über das , Saarqibk«. Ein deutsches Weißbuch über das Saarrebiet wird in einer Antwort des Auswärtigen Amtes auf eine volksparteiliche Anfrage aneekimdiat. Es wird auch die widerrechtliche und planmäßige Derfoloung und Ausweisung von Beamten und anderen Personen behandeln.
Fuldaer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Aulda.
terrednng mit den alliierten Botschaftern eine Grundlage für Verhandlungen zu schaffen. Als sie das Vergebliche dieser Bemühungen einiafjen, Haden sie nur noch die Lo tonet Entscheidung abgewanek, um sich off ziell zutückjuziehen und ihre ablehnende Antwort zu veröffentlichen. Dabei schieben sie in Rück- sicyl auf thte Enlentegenossen bie Schuld für das Scheitern des Versuches den deutsche» Borichlägen zu, die feine Grundlage für ßröiteiungeit geboten hauen. Auf die in der deutschen Note ausgesprochenen Bereitwilligf.it, alle anderen Vorichlage ju diskutieren, wird überhaupt nicht eingegange».
Frankreichs Machtstellung.
Seit Frankreich die deutschen Vorschläge so schroff abg.lehnt hatte, war es klar, daß die Washingtoner Aktion keinen Erfolg haben würde.
Die Amerikaner wollen es nicht mit Frankreich verderben. Frankreich hatte sein Unannehmbar aus- gesprochen, und die Vereinigten tstaatrn wollen Frank- rezch sich warm halten für ihren Wettbewerb mit Em land.
tute englische Regierung hat Im Obersten Rat zu London wieder anfänglich Opposition gemacht gegen nie französischen Maßlosigkeit,i, aber fich schließ.«- doch wieder zu einem Kompromiß bequeat, bei dem für Deutschland rorläusig nur eine Galgenfrist von 12 Tagen herauskommt. Trotz seiner ernsten Bedenken gegen die wirtschaftlichen und politischen Folgen der Ruhrbesetzung wagt England keinen entscheidenden Einspruch gegen die Pariser Kriegs plane, weil es mit Frankreich nicht brechen will. Cs sürchtet eine Ministerkrists in Paris, die eine entschieden antieng- tische und amerikafreundlichr Regierung ans Ruder bringen könnte.
Und woher -nimmt K o r s a n t y den Mut, fetzt wieder den gewat.samen Versuch zur Eroberung von Oberschlrsien zu machen? Er und die polnische Regierung hoffen, daß Frankre ich an seinem Plan festhalten wird, das rechte Oderuser den geliebten Polen zuzuschanzen, und daß also mit französischer Hilfe die „vollendete Tatfache" zur Annahme durch die En- tonte gelangen würde.
Frankreich ist unser unerbittlicher Gegner im Osten wie im Westen, und Frankreich hat zur Zeit eine Machtstellung, die über seine natürlichen Hitfsmittei weit hinausgeht. Es wird gleichzeitig umworben von den zwei größten Weltmächten, die sich auf ihren Ringkamps oorbereiten: ton Nordamerika und von England. ' "
In der außerordentlichen Macht des unversöhnlichen Frankreich liegt das schlimme Hindernis für den Frieden und den Wiederaufschwung der geknickten Weltkuitur.
Tie kritische Lage.
Nmhdem Amerika die Vermittlung abgelehnt hat, bleibt der deutschen Regierung, ohne weitere Hoffnung auf diplomatische Hilfe von dritter Seit«, nichts übrig, als sich entschlossen mit den in London von den Alliierten gefaßten Beschlüffen auseinanderzusttzen. Das Kabinett versammelte sich gestern nachmittag zur Beratung. Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages tritt heute zusammen.
Dem f»genannten Kompromiß in London hat Frankreich nur zugestimmt in der Berechnung, daß Deutschland das Ultimatum nicht annehmen werde, daß also nach Ablauf der Galgenftist der ersehnte und wohl vorbereitete Marsch an die Ruhr doch angetreten werden könne. Andererseits hält man m England an der Hoffnung fest, daß Deutschland schließlich doch den Zumutungen sich fügen werde, so daß der Vorwand für neue Gewalttaten in Wegfall tarne.
Wer wird richtig gerechnet haben? Das läßt sich angenblicklich noch nicht sagen, da die letzten Zu- nmtungen noch nicht endgültig formuliert sind. Für Deutschland kommt in Frage, ob man die schwere Be-
Der König -er Dolomiten
Dolksrornan von Felix Nabor. 4S] ---------
laftung für die Gegenwart und die nächsten Jahre riskieren darf, um die weitere 3u tu n^t der Nation cor unwiderbringlichen Schäden zu bewahren. Demgegenüber steht nun aber die andere Frage: wird die höchste Opferwilligteit von unserer Seite überhaupt genügen, um di« französische Gewaltpolitik cufzuhai- ten? Oder muffen wir nicht darauf gefaßt sein, daß «ruf jeden Fall in absehbarer Zeit das Spiel wiederholt, das wir schon so oft erlebt haben: daß nämlich die Franzosen aus kleinen Stockungen in den Zah- langen oder in der Entwaffnung oder in dem gerichtlichen Verfahren oder aus irgend einem anderen Zwischenfall wieder einen Vorwand machen für weitere Gewalttaten?
Wird uns die anyedrvhte Kontrolle über die ganze deuffch« Finanz- und Steuerpolitik auf den Hals ge- etzi, jo bietet eine solche Bevormundung des pol'tti- Hen, wirtschaftlichen und sozialen Lebens in Deulsch- rmd eine unerschöpfliche' Fundgrube zu Deanstandun- pen und „Sanktionen", so daß wir das Damoklesschwert des französischen Vormarsches stets über uns hätten, — trotz aller Unterwerfung.
Jetzt wird uns eine Galgenfrist von 12 Tagen geboten. Wenn wir unterschreibrn, so gewinnen w'r etwas mehr Zelt. Doch so lang« in Frankreich di- Foch und Poincare den Ton ang-e-ben, sieht auch dieser Zeitgewinn cerzweifelt nach einer Galgenfrist aus. Der Hofsmmgsselige sagt freilttf), Zeit gewonnen sei viel gewonnen, da sich auch in kurzer Frist die materiellen und moralischen Derhältnlffe zu Gunsten der Gerechtigkeit und Menschlichkeft ändern könnten. Auch eine solche Möglichkeit muß in Betracht gezogen werden, aber nur mit gebührender Vorsicht.
Für die verantwortlichen Manner ist die verzwickte Aufgabe eine sehr harte Nuß.
Rückkehr Amerikas in bin Obersten Rai?
Neutor meldet: Der Oberste Not hat den Text eines Telegramms nn die Negicruni der Vereinioten Staaten gebilligt, in dem diese cingeladcn wird, einen Vertreter zu cntfenDen, nm wieder an den Beratnnacn des Obersten Rates der Alliierten.derBotschattetkonferenz und der Neparationstommlssion teilzunchmcn.
Amerika gegen Teutschlauds Vernichtung.
E ner Meldung auS Wash in g to n zufolge wird dort bestätigt, daß Staatssekretär Hughes dem französischen Botschafter Infferand mitqeteilt habe, die Bereinigten Staaten widersetzten sich Maßnahmen, bie zur Vernichtung Deutschlands führen würden.
Nach der,Daily News^ hat der englische Vol» schasier in Washing on vom Staats ekreiär Hughes die Mitteilung erhalten, daß sich die amerikanische Regierung einer Blockade gegen Teuftchland widersetzen werde.
Der Ausstand in Obcrschlesien.
Korfarttys Helfer arbeiten planmäßig und leider auch mit Erfolg. Die Streiklage in Oberschlesien hat sich ganz erheblich verschärft. Der Streik ist aber cs- fenkundia nur der Veginn des Ausstandes, der in polnischen Blättern schon längst für den Fall angekündigt ist, daß Lberschlesien Polen nicht zugesprochen werden sollte. Der Streik ist den meisten Arbeitern ganz überraschend gekommen, ober von der polnischen Leitung anbefohlen worden und er findet seine Fortsetzung in allerlei Gewalttaten gegen Leben und Eigentum. Die Aufstandsbewegung erstreckt sich über das gesamte Abstimmungsgebiet bis zur sogenannten Korfcntylime und darüber hinaus. Gesprengt worden ist eine Brücke auf der Strecke Oppeln-Karlsmark, zwei Brücken auf der Strecke Oppeln-Brieg, eine Brücke auf der Strecke Neu- stadt-Deutschrasseiwttz, ferner sind Brücken im Kreise Ratibvr bei Schwechowitz und Kreuzort gesprengt wor- bett. Der Verkehr hat aus allm diesen Strecken ein« gestellt werden müssen, wirb aber teilweise durch Um-
um durch bie buntle Pforte des Todes zu treten. — — In all ihrer prangenden Fürstmherrlichkrit umftanbyi st« den toten König der Borge: ber fiatemar unb ber Rosengarten, ber Schiern unb die königliche Marrno- lala, bie auf ihrem Haupte ein weißes, strahlendes Diadem trug, mit dem sie ben toten König, wie mit einer silbernen Himmelsfackel, ben Weg ins bessere Land zeigte.--- —
So starb Michael Pallanta, selbst im Tode noch groß unb gewaltig — ja noch größer unb erhabener als er im Leben gewesen war.
Born Totenkirchlein herauf schwang sich ber Klang einer Glocke; bas Mang fo hell unb rein wie Himmels- getaute, wie ber frohe Cngelsgruß: Friede auf Erben!
Nun hatte auch Michael PatÜnta, ber müde Wal- ler, ber stolze Kämpfer, ber reuige Büßer, feinen Frle- ben gefunben. t
Unb immer noch klang bie Glocke unb trug bie Kunde hinaus ins Toi.
Da ging ein Trauern durchs Dorf unb durchs Tal und durchs ganze Land, denn der Besten einer im heil' gen Land Tirol war von ihnen gegangen: der Hcld von Solan, ber Schützer ber Heimat, ber König ber Dolomiten I
Michael Pallanta ist tot, aber fein Name klingt durch bie Zeiten.---
Unb wenn bis Almen grünen unb bie Herbenglocken klingen, wenn bie Lawinen bonnern unb wenn ber rote Wein aus ber Kelter quillt, wenn bie Leut« von Solan bei ber Arbeit fmb ober in stürmischer Winter- nacht am Herbfeuer sitzen unb ihre Lieber singen — bann erzählt man immer unb immer von den Talen des Schmiedes von Satan, unb bie Kinber tauschen mit ungehaltenem Atem unb großen verwunderten Augen ber wundersamen Mär vom König ber Dolo- miten.--—
So oft aber $ur Maienzeit bie Täler blühen unb bie Berge sich schmücken mtt jungem Grün, unb fo oft bas I Volk von Salon zur Almwcihe zieht, steigen bie Ge. treuen unb Gina, feine ewige Braut, hinauf zur Paßhöhe. um für Michael Pallanta, den König der Berge, den Retter des Tales, ein Baterunler zu beten droben beim Kreuz am Firn. —