Einzelbild herunterladen
 

48. Zahrg.

Dienstag, 3. ITiai 192)

Nr. 101

eß und Rybmk auf dem dazu hatte ein Hetz­

er b e i t e r in den Kn Fuße gefolgt. Das (

Kurland.

* Tie Ernährung Oesterreichs ist, rvie die Tele­graphen. Union offiziell mitteilt, für die nächste« drei Monaie gesickert, wenn die Unsicherheit in Tsuisch» land nicht eine Verzögerung in der Nahrungsmittel- zufuhr herbeisüdrt.

* Der Kampf gegen die Crunseiner. NaS einer Meldung auS Dublin haben die englischen Streit- fräste wieder drei Häuser von Sinnsrinern zur Ver* geltung für dar Nieder brennen zweier Häuser von »loyalen- Irländern eingrö chert. Tie Militärbe­hörden teilen mit, daß diese Repressalien fortgesetzt und verstärkt werden sollen.

Bezugspreis- Wionailitt)3,00 Bit.ohne3uftellg«bül)t. InFu.do bet unsabqeholt3,15 Bit Anzeigenpreis: DieKle'nzeile (Soioneimaß) 60 Pfg„ u. 10« . Zuschlag, die Reklamezeile (Tenbreite' 1.80 BIU u. 10e-. Zufchlaq. Bei Wiederhol.Rabatt.

artikel Korfantys gegeben, worin er von einer Versammlung der deutschen oberschlestschen Itchri- striellen unter dem Vorsitz des deutschen Hlebifzitkom- miffars Dr. Urbanek berichtet, die angeblich beschlossen habe, falls das Land an Polen falle, die dort («sind- lichen industriellen Werke zu vernichten und die Schuld auf die polnischen Arbeiter zu schieben. Dr. Urbanek hat diese Behauptung bereits als von Anfang bis zu Ende erlogen gekennzeichnet tmb festgestellt, was zweifellos auch zutrifft, daß es sich um einen Akt der Verzweiflung Korfantys handelt, der ine polnische Be­völkerung aufpulfchen und am 3. Mai, dem polnischen Nationalfeiertage, neue Tumulte Hervorrufen wollte. Diesen polnischen Arbeitern ist, wie sie setbst erklärt haben, von Korfanty oorgeredet worden, daß Minz Oberschlesien ungeteilt an Polen fallen werde und

Die Dorschläge über Oberschlesien.

Ein polnischer Korrespondent meldet aus Beuthen, daß die Interalliierte Kommission in Oppeln an, Donnerstag ihren Bericht über das Abstimmungser­gebnis in Oberschlesien fertiggestellt und diesen Bericht am Freitag nach London an den Obersten Rat gesandt bat. Der Korrespondent berichtet, daß nach seinen Informationen sich wahrscheinlich die Meldung eines Berliner Blattes bestätige, wonach Deutschland fast ganz Oberschlesien zusammen mit dem zentralen Industriegebiet erhalten soll. Die Interatli- irrte Kommission rät, Polen nur die Kreise Ry b» nik und Pleß zuzuteilen, sowie eine Grenzregulie­rung im Kreise K a t t o w i tz östlich von Kattowitz vorzunehmen. (Es handelt sich dabei anscheinend um das umnittrlbar an den Kreis Pleß und an Polen angrenzende Gebiet von Myslowitz).

Für die Bevölkerung der abzutretenden G-bietr würde die Ablrennung eine Wirtschaftskatastrophe be­deuten, da Pleß und Rybnik mit der Grsamtprvving eine untrennbare Einheit bilden.

Politischer Streik in Oberschlesten.

Der' angeblichen EntscheLung der Interalliierten Kommiffion in Oppeln, daß die oberschlesischen Kreise Pleß und Rybnik und ein kleines Gebiet östlich von Kattowitz an Polen kommen, im übrigen aber das oberschlesische Industrierevier bei Deutschland bleiben solle, ist ein Streik der polnischen Berg­

Derttsches Reich.

% Berlin, 2. Mai. Der in Berlin weilende päpstliche NniitinS Monsignore Paccelli stattete am Samstag dem preußitchen Ministetpiäsibenle« einen Bewch ab. — Am 3. Mai begeht der ehemalige Kanzler Fürst Bülow in Rom leinen 72. Ge» burtstaa.

* Deukschkands Dank sllr die amerikanische Lebeas- mktteMfe. Der Reichspräsident hat an den Vorsitzen-

den der American Relief Administration European Children Fund, Robert Hoover, ein Dankschreiben gerichtet, in dem er sagt:

Mit Bedauern habe ich vernommen, daß die Ameri­can Relief Administration beschloffcn hat, dm Verkauf der Lebensmittelgutscheine mit Ende April und die Ab. lieferung von Nahrungrmitielpaketen mit Ende Juli d. 3. einzustellen. Damit geht ein Werk aufrichtigster Men. schcnliebe seinem Abschluß entgegen. Es ist mir ein Herzensbedürfnis, Ihnen bei dieser Gelegenheit den a u f r i ch t i g st e n Dank des deutschen Volkes für die Hilfe auszusprechen, die Sie zahlreichen notleidenden Familien, Müttern und Kindern in Deutschland geleistet haben. Das deutsche Volk wird das groß« unter Ihrem Namm in der Welt bekanntaewordme Lieberwerk nicht vergessen. Dar Band der Menschlichkeit, das aus den Li-'bestaten der Völker in Zeiten ' schwerster Not ge- knüpft worden ist, wird sich immer fester schlingen und dazu beitragen, das aegenseitige Verständnis der Völker zu fördern und der Welt die Genesung und Gesundung zu bringen. ___________

Freie Milch- und Butterwirlschaft.

Laut einer Mitteilung im „Deutschen Reichsan« zeigen" wird vom 1. Juni ob die ZwangSbe'« wirtschaftung von Butter und Käse auf» gehoben werden und auch die Milch arundsätz> lich von allen Erfaffungsmaßnahmen befreit. Vom 1. Juni an findet weder eine Erfassung noch eine Verteilung von Butter statt, alle NattonierunqS- und Preisbestimmungen kommen in Wegfall. Zur Sicherheit der Belieferung der Verbrauchergebiete baif Magermilch und Sahne in gewerblichen Be­trieben nur für die Herstellung von Butter und Käse verwendet werden. Gast« und Schaukwirischaf. ton dürfen feine Vollmilch verabfolgen und auch öaB Schlagsahnenderbot bleibt nach wie vor bestehen.

Ten Kommunalveibänden und den einzelnen Gemeinden bleibt es alleldingS nach wie vor über« lassen, ob sie eine kommunale Regelung der Milchverieilung vornehmen wollen, indessen joll diesen die Milch nicht mehr wie bisher auf dem Zwangs« Wege zngeführt werden, sondern sie sollen aus die Zufuhr im Wege des freien Verkehrs ange­wiesen sein. Den Gemeinden bleibt jedoch auch immer noch die Möglichkeit anzuordnen, daß di« Milch, die sie erhalten können, für bestimmte biifS« bedürftige Schichten ter Bevölkerung rationiert werden soll. Die Molkereien und Käsereien weiden von jedem Znwnge in der E rarbeitung und Ver­wendung der Milch frei. Es wird ihnen anheimge« stellt, ob sie die Milch in ihren eigenen Betrieben verwenden und zu Bntter oder Köse verarbeiten, oder wie sie sich dazu stellen wollen. Für die Auf­rechterhaltung der bikheiigen Lieieiungsbestirnmungen sind allerdings gleichzeitig einige L.eserungSsicherhei« ten genossen worden, demnach können wiche Mol­kereien uns Betriebe, die täglich mehr als 100 Stier Milch zur Perm Heilung erhal'en, ve>anlaßt werden, die Vilich an ihien bisherigen Ewpsangsort zu liefern.

Weiter ist in Aussicht genommen, in einiger Zeit die Einfuhr von auSlä nbiidjer Butter allge­mein sreizu geben und auch die Fieigabe der

tieranroortltd) füt den ceoauionellen Teil: Kort Schütte, - für 6k Anzeigen: I. Parzeiler-Fulda.

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. iVemiptedxt Nr. U. Tetegr.-Ädreise: Fuldaer Zeitung

sie deshalb ohne Ausnahme für Polen stimmen muß- ten. Das haben di« polnffchen Arbeiter denn auch ge- tan und sind nun unangenehm überrascht, daß die Ab- stimmung in Oberschlesien im ganzen eine deutsche Mehrheit ergeben hat und sie nun von dem eigentlichen Industriegebiet getrennt werden sollen. Sie wis- fen sehr gut, daß das Industriegebiet eine wirtschaft- licht Einheit ist, die man nicht willkürlich zerreißen darf und daß die Grundlage seines Gedeihens nur bei einem Verbleiben im Verband des Deutschen Reichs erhalten werden kann.

Rach den bisher vorliegenden Nachrichten befanden sich qeftern etwa 80 Prozent sämtlicher Gruben des oberschlestschen Industriebezirks im Streik. Von 240 000 Arbeitern streiken etwa 190 000. Im gesam­ten Gebiet beobachtet man hier und da Ansammlungen größeren Umfange», doch ist es bisher nicht zu Aus­schreitungen gekommen.______________________

Gegen die EntchrrsMchung der Volksschule.

Zu dem neuen Reichvschulgesetzentwurf nahm der Larckesausfchuß der Katholischen Schukorganisation in Bayern, in deren Rahmen sämtliche katholffche Elternvereinigungen Bayerns zufammengeschlossen sind, in folgender Reso­lution Stellung:

.Der neu« Reichsschulgesetzeniwurf will auf Grund der neuen deutschen Reichsverfassung di« sogen. Gemein­schaftsschule zur gesetzlichen Regel machen. Die neue Gemeinschaftsschule soll grundsätzlich Schillern wie Lehrern obre Unterschied des Bekenntnisses offen stehen, ganz gleich -»3 qo 'qtiij tzjigns «go h)j!,uv,j»;out »qo tzwMw, >;J co tauft oder ungetauft, ad gläubig oder ungläubig. Die neue Gemeinschaftsschule will nicht und darf nicht im Geiste eines religiösen Bekenntnisses erziehen; sie bedeutet des- halb in aller Form eine Absage an Christentum und chrrstlich-gerimmischen Geist; an dieser Tatsache wird nichts geärgert durch einige Religionsstunben, die mit den weltlichen Fächern in keinem Zusaimnenhanoe stehen und von denen sedes Kind ohne Angabe einer Grundes abge- meldet werden kann. Die christliche Bekenntnisschule, seit mehr als tausend Jahren di« Grimdlage unserer nationalen Kultur, soll aus ihrem bisherigen gesetzlichen Besitzstand« verdrängt werden zugunsten der neuen unchristlichen Ee- meinschaftsschul«, die nach den Grundsätzen der Erztchungs- wtssenschast keine Existenzberechtigung hat.

Die Kathokischen Elternvereinigüngen Bayerns sehen S dieser Regelung der Schukfrage ein Unglück für esellschaft und Staat. W'r können nur mit Entrüstung und Empörung daran denken, daß die un. christliche and vom Standpunkt der Crziehungswisien- schäft au» unberechtigte Gemeinschaftsschule vor der christlichen Bekenntnisschule eine Bevorzugung erhalten und daß die christliche Bekenntnisschule als Ausnahme- schule behandelt und auf eine Stufe gestellt werden soll mit der bekenntnlrfreien, b. h. retiaionslsfen bejto. reit, gionsfelndlichen Schule. SB i r sind nicht geIon - n en, diesen Zustand z u ertragen. Wie wer- den alles daransetzeu. um in diesem Betreff auch eine Aenderung der deutschen Retchsversassung vom 11 Aug. 1819 herbeizuführen, und sind entschlossen, gegen fede un- berechtigte Hemmung in der Einrichtung christlicher Be­kenntnisschulen mit allen erlaubten Mitteln den Kampf aufzunehrnen. Wir halten fest an dem christlichen Bildunasideal der deutschen Vorzeit und stellen uns einmütig hinter unsere Bischöfe, deren Denkschrift vom 20. November 1920 die Mindestforderungen des katholischen Volkes In der Schulfrage enthält Von un­teren Abgeordneten aber verlangen und erwarten wir. daß sie diese Forderungen mit allem Nachdruck vertreten und auch nicht eine einzige davon preisgeben."

Auch Polen zum Einmarsch bereit?

Wie au8 Polen gemeldet wird, treffen die Polen im Einvernehmen mit Frankreich alle Maßnahmen, um sich an den Zwangsmaßnahmen gegen Deutsch- land aktiv zu beteiligen. Unter den polnischen Truppen, die an unserer Ostgrenze im Aufmarsch begriffen sind, befinden sich auch Russenformationen. So sollen bei Troppau Wrangeltruppen stehen und bei Czenstochau eine Abteilung Donkosaken und mehre-e Bataillone Infanterie bereit fein. ES ist polnischerseitS deabsichiigr, auS diesen Russenfor- maticnen eine in sich geschlossene polnisch-russische Division zusammenzusteileir.

Das„Selbsldestimmungsrechl“.

Das holländische Blatt „Nieuwe Courant" sagt, weder bei der Abstimmung in Ob erschienen noch bei der in Tirol gebe cs ein Sclbstbestimmungsrccht. Das Ergebnis in Tirol sei fo„ daß, wenn irgendwann, so jetzt Gelegenheit zur Anwendung bcs Setbftbtftim- mungsrechts fei. Aber diejenige firfegspartei, welche am findigsten in dem Entdecken schöner Lösungen gewe­sen sei, wolle nun von der Anwendung des Sclbftbe- stimmungsrechtes nichts hören Die schönen Prinzipien würden nur angewandt, wo sie Vorteil oder dem Gegner Nachteil brächten. Sie hielten kein Mittel für zu ver­werflich. um ihren Willen durchzusetzen, und so werde den Predigern des Selbstbestimmungsrechtes die mora­lische Maske abgerissen. Auch vom Völkerbund sei für Tirol nichts zu erwarten, da er wohl eine Menge schöner Rechte, aber keine Macht besitze.

Vor dem Ultimatum.

Die Meinungsverschiedenheiten zwischen England dnd Frankreich über die Frage, was Deutschland gegen­über geschehen soll, sind noch nicht endgültig beigelegt, die Einigung wird aber zweifellos aus Kosten Deutsch- lands bald erreicht sein. Die für Montag ange- setzte Sitzung des Obersten Rates Hal nicht stattgefunben. Die Sachverständigen konnten dis dahin ihre Arbeit nicht beendigen. Sie hat- ten erst zwei Punkte von vierzehn, die sie zu erledigen hatten, besprochen. Um 4¥* Uhr trat der Oberste Rat wieder zusammen, doch rertagte er sich sofort auf Dienstag. Es ist mit dem Abschluß eines Kompro­misses auf folgender Grundlage zu rechnen:

Die Alliierten werden ein Ultimatum an Deutschland richten, inzwischen wird Frankreich mo­bilisieren. Der militärische Einmarsch wird als­dann erfolgen, falls die in dem Ultimatum gestellte Frist fruchtlos verstreicht. Das Ultimatum würde nicht darauf abzielen, neue deutsche Vorschläge zu erhalten, sondern es würde den Zweck verfolgen, Deutschland die Annahme der von den Alliierten gefaßten Beschlüsse aufzuzwingen. Diese firä> allerdings in den Einzelheiten noch nicht festgelest, aber voraussichtlich werden die Alliierten die von der Repararnnsromniis- sion festgesetzte (Gesamtsumme von 13 2 Miltiar- i> e n b i 11 i g e n. In dieser Summe wäre die belgi{d?e Schuld nicht enthalten, dafür wären aber die bisherigen deutschen Leistungen eingeschlossen, was bisher nicht zugebilligt wurde. Die Zeitdauer füt die deutschen Schuidzahlungen soll auf 30 Jahre bemessen werden. Dabei ist es ausgesprochene englische Absicht, gemäß den Bestimmungen des Friedensvertrages die Zah­lung von der jeweiligen Leistungsfähigkeit abhängig zu machen, gegebenenfalls später sogar eine Kürzung vorzunehmen. Ein Ausschuß, in dem Mi and vertreten ist, berät die Garantien, die Deutschland für die Durchführung der Beschlüsse leisten soll. In Betracht kommt eine interalliierte Kontrollkom­mission für Zölle und Kohlen, die Ausgabe von GolLbonds und eine Exportabgabe.

Wie „Evening Standard" erfährt, sollen Deutsch- ,'and 12 Tage zugestanden werden, rmck anderen Mel­dungen 7 Tage, innerhalb deren es sich zu entscheiden Hut, ob es die Bedingungen brr Alliierten ablehnen oder annehmen will. Wenn Deutschland ablehnt, rbrr- fctn die Alliierten sofort handeln. Für diesen Fall trifft Fach bereits seine Vorbereitungen. Die sranzösi- sch- Qahrestlasse 1919 bleibt bestehen. Von Lyon geht alsbald em gemischtes Kavallerieregiment mit 12 Butenen nach Landau ab.

Das Ultimatum ist eine englische Idee, es bedeutet ein Entgegenkommen an die sranzösi- sch> n militärischen Dränger und Stür­mer. Gewiß ist jeder Zeitgewinn zu begrüßen, aber wer von den Alliierten wird es schließlich vermögen» die französischen Militärs, die sich schon in neuem Er­oberungsruhme sonnen, und alles daransetzen, ihre Soldaten mit immer weiteren lockenden Versprechungen bei guter Laune zu halten, im gegebenen Moment zu- rückzuhalten?

Für die Entscheide Bersins mag es beachtenswert fein, daß selbst sehr wesentliche Kreis- bett phantasti- schen Milliardenziffern lediglich zustimmen, weil sie die polilische Sage beruhigen wollen, wobei man klar einsieht, daß diese die deutsche Z a h l u n g s - kraft weit über (teigen. Man begegnet im­mer wieder der Auffassung, daß in ruhigerer Zeit eine nüchternere Behandlung der Fragen sicher fei.

Em erweitertes deutschen Angebot.

Wie her „Sokalanz" hört, !oll von deutscher Seite am Samstag eine erweiterte Auslegung bet deuifchen Vorschläge nach Wa chingion abgegangcn sein, die sich auf die Höhe der angebo enen Summe, die Jahres» zÄhlung und die Art der Diskontierung beziehen.

Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Der König der Dolomiten.

Volks;-man von Felix Nabor.

»7s ----------

Sie wollte den Worten die Tat folgen lassen, aber foum hatte sie den Fuß erhoben, so faßte sie ein neuer Wirbel und riß sie fort, trug sie wie eine Feder hinüber zum Abgrund. Sie stieß einen entsetzlichen Schrei aus unt> klammerte sich mit beiden Händen an die Felsen, um nicht in die schauerliche Tiefe hinabgerissen zu wer- den. Aber der Sturm ließ nicht von ihr; er zerrte und 3°9 an ihren Kleidern und sie rollte auf dem von dem Regen glitscherigen Felsen dcm Abgrund zu. Sie verlor allen Halt und mußte im nächsten Augenblicke in die unergründlich« Schlucht hinabstürzen.

erfaßte sie aufs neue Todesangst. Sie schlug ihre Finger wie Krallen in das Gestein und schrie mit er­stickter Stimme: „Rette mich, Michael---Rette

— die Mutter — Deines Weibes! — — — Dann soll Dir — oerge----

Michael Pallania hörte nicht diesen Schrei in höchster Todesnot, er joh nur das verängstigte Weib, bas mit dem Tode rang. Mitgefühl und Menschenliebe trieben ihn au, ihr beizuspringen Ohne Besinnen erhob er sich und tastete sich hinüber zu dem Abgrund.

Schon glitten ihre Füße hinab über die Felsplatte — da umfaßte Michael mit starkem Arm die Sinkende und zog sie langsam empor aus den festen Grund, wobei er jede Sekunde in Gefahr war, samt seiner Bürde vorn Sturme in die Tiefe gefchleudcrt zu werden.

Der Schweiß stand ihm auf der Stirne, ober die Ret­tung gelang. Er nahm die Halvohnrnächiige auf feine Arme und trug sie, sich mit Aufbietung all feiner Kraft durch Sturm und Regen kämpfend, hinüber zu seiner Blockhütte, die im Schutz der hohen Felsenwand jedem Inwetter trotzte.

Regina Belmont« war gerettet. —

Zitternd saß sie auf der mit Fellen bedeckten Bank and schlug die Hände vors Gesicht. „Ach, Michael", stöhnte sie, „es war gräßlich! Der Gedanke, schon im nächsten Augenblick über den Felsen geschleudert und an

seinen Wänden zerschmettert zu werden, hat etwas Ent. sctzliches Aber nun atme ich auf---Ich bin in

Sicherheit — bin gerettet---*

Es fiel ihr nicht ein, ihrem Retter ein Wort des Dankes zu sagen. Das war nach Ihrer Meinung seine Pflicht gewesen — wozu da noch danken? — — Schon die einfachen Worte der Anerkennung für sein» Ret­tungstat mußt« sie mit Gewalt ihrem Stolze abringen — mehr gab eine Belmonts nicht. „Leben um Leben — wir sind quitt!" sagte sie stolz „Einmal hast Du mir ein junges, blühendes Menschenleben genommen — heute hast Du mir dafür ein Leben geschenkt. Die Rech- nung ist ausgeglichen. Aber —"

Da brach sie mitten in ihrer Rede ab und zeigte hin- aus in den strömenden Regen. „Aber dort der Sarg — was soll aus ihm werden?" fuhr sie fort Sieh, die wilden Woffer reißen ihn zum Abgrund. Aus, Michael, rette ihn!"

Michael stand zögernd unter der Türe der Blockhütte. Ein Wolkenbruch war niebergegangen. die zischenden Wasser wälzten ihre Sturzwellen fn wildem Gewirbel über das Plateau und trieben den Sarg dem Abgrund zu. Es war mehr als tollkühn, war DermesicnhrU, sich in diese Sintflut hinauszuwagen. Es ging um das Leden . . .

' Noch Schlimmeres drohte von der Höhe. Ein Zittern durchlief den Berg. Michael kannte diesen Vorboten drohender Gefahr Es mußte droben auf den höchsten Höhen ein Felsstück ins Rollen gekommen fein, und nun wuchs es, alles mit sich fortreißend, zur Lawine an. Da hieß es Gott versuchen, wenn einer hinaustrat auf die freie, unbefchützte Hochfläche, da wurde jeder Schritt zum Todesweg.

Michael stellte dies der G-retteren vor. aber st« ließ es nicht gelten „(Eine Tote überläßt man nicht dem Wasser", entgegnete sie. „Dos wäre ein verbrechen. Auf, rette den Sorg und bte Leiche, daß ich Rositta fn Italiens heiliger Erde begraben kann. Das ist Deine Pflicht. Bedenke, es ist Dein Weib, das dort den w'f- den Wassern preisgegeben ist! Dein Weib, das Du einst in Lieb- umfangen host. Nun nimm auch d'e Tote an Deine Stuft und rrtu fi» »•« P&ta."

Michael schaute sie mit ernsten Blicken an. „Habe ich noch nicht genug getan»* fragte er. „Ich habe meine Pflicht erfüllt und Dir das Leben gerettet. Dir — meiner grimmigsten Feindin! Mehr zu tun geht über meine Kraft. Aber ich will gleichwohl mein Leben noch einmal einfetzen, damit Du siehst, daß ich guten Willens bin und daß ich meine Schuld bis zum letzten Heller bezahle. Regina Belmonte — ich gehe hinaus in den Lawinen, donner — ich bring« Dir Deine Tochter zurück — ober erleid« um ihretwillen den Tod. Leb wohl, Regina Bel- montef

Die Zähne aufcinanderbeitzend, schritt er h'.naus in das tobende Wetter, während der Regen rauschte und die Berge unter den Donnetschlägen des Gewitters und dem Brausen des Sturmes erbebten.--—

Der Sarg trieb stoßweise auf den Wellen fort; eine Springwelle schleuderte ihn hinüber zum Kreuze, wo er sich in den weichen Grund bohrte und liegen blieb.

Michael watete langsam durch die strudelnden, schäu­menden Wasser, umfaßte mit dem einen Arm den Stamm de» Kreuzes wie einen Anker Im Sturm, mit dem andern umschlang er den Sarg, um ihn hinüberzu- tragen ans sichere Land.

„Halte fest!" ries ihm Regina Belmonte zu, die unter der Türe der Blockhütte stand und feine kühn« Tot mit weit geöffneten Augen verfolgte. „Halte fest und wanke nicht!"

„Ich harr« aus“, gab er zurück.

Kaum hatte er aber bas Wort gesprochen, so ging ein Donnern durch die Berge, als ob alle Gipfel ringsum etngestürzt wären und ihren Weg in die Tiefe suchten.

„Und die Höhen werden sich beugen und die Täler sich beugen, wenn der Allmächtige —"

Wie «in Gebet — oder eine Beschwörungsformel rief Michael Kiese Worte in da» Donnern und Tosen hin- ein. Raum waren sie gesprochen, so erstarb ihm jeder Laut auf den Sippen. Die Sawin« stürzt» sich mit un­geheurer Wucht und donnerähnlichem Getöse von den Höhen, übersprang wir ein zorn-ges Tier die Schlucht und tri»b ihre steinernen Wellen bis zu b'm Kreuz» vor, um tos sich ein Berg von Erde und Sterntrümmern tiirralt — — —

Unter diesem Berge lagen Michael Pallanta und fein Weib begraben. i

Michael hatte sich im letzten Augenblick, als er die Lawine wie ein schwarzes, fauchendes Ungetüm gegen ihn anfpringen sah. am Kreuze emporgeridjtet, um sich auf die Querbalken zu schwingen — aber es war zu spät gewesen, seine Kraft erlahmte. So stand er nun auf­recht am Kreuze, von der Lawine bedeckt bis zum Halse. Nur fein Kopf regte aus dem Berg von Eis, Schnee und Felstrümmern hervor. Er war lebendig begraben — und kein Engel kam, ihn zu retten. >

Die auf ihm liegenden Erd. unb Steinmassen preßten ihm die Brust zulammen, daß sich jein Atem mühsam und keuchend aus der Kehle rang; bei jedem Alemstoß sprang eine rote Dlutwelle über seine Sippen.--—

Seine Augen richteten sich zum Himmel, sein Blick sieg empor zum Bilde des Heilandes am Kreuze.

„Erlöst!“ hauchte er — dann neigte er sein Haupt und die Sinne schwanden ihm. —

Der Abend kam. Die Sonne siegte über das M.er von Dunst und Rebe! und überflammte im Scheiden bte Welt mit purpurner Glut.

Aus der Blockhütte beim Firn kreuz trat eine hohe Frauengcstatt. Ihr Gesicht war weiß wie Marmor, ihre Züge ichienen vor Entsetzen zu Stein erstarrt zu sein. Sie verschwand in dem engen, von her Sonne rot um- brandeten Schlund« de- Passes wie hinter der dunklen Pforte des Totenreiches. ,

„Tot!“ sagte sie und blickte noch einmal zurück zu zu dem Kreuze,, unter dem Michael Pallanta uno sein Weib begraben lagen. .

Und dann zog Regina Belmonte hinab nach I'akien, um dort ihren Schmerz zu begraben und um ihr oer- lorenes Kind zu trauern.

Begrub sie auch ihren Haß und ihre Rache, di, un- zerlrennllchen Begleiter ihres Sebens? . . .

Zog sie hinab ins welsche Sand, versöhnt mit ihrem Gotte und ihren Feinden? . . . Iruj sie, die aus der Sintflut (Errettete, den Oclzwe.g de» Friedens hinc^ 'n ihre lonniae Heimat?---

(Schttch loiM