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Fuld aer Zeitung

Ärmlicher Anzeiger für den Kreis und die Lkadk Fulda. _______

Montag, 2. Mai 1921

Nr. 100

Erschütterungen führten.

mehr Verständnis für den

des Friedens, aber

Aus der» besetzten Gebiet.

chkn Ml

verschwinden müssen, und daß im Frie.

tung zu gelegte

Endziffern, deren Richtigkeit nicht nachgr prüft werden konnte und aus denen di« ganze Dtethote der Feft- stellung der Entschädigungssummen nicht Ur ersehen war. Außerdem hat man der deutschen Delegation nicht Msröchendr Zeit für die volle Bearbeitung des Materials gelassen. In einer beträchtlicher! Zahl von

Verantwortlich (ihr den reüauionellen Seil: Kart Schütte, - für bt< Anzeigen: I. Parzetier-Juida. z Rotationsdruck u. Vertag der Fuldaer Acliendruckerei in Fulda, ^emlpredjer Rr. 9. Telegr.-Adreiie: Fuldaer Zeitung.

Das der deutschen Deisgvmon vor- war lückenhaft, enthielt vielfach nur

Schatensersatzposten zu Unrecht eingesetzt oder zu hoch bewertet oder mehrfach m Rechnung gestellt worden sind. Die deutsche Regierung hat sich daher am 29. Avril bei den Verhandlungen des Ausschusses über den Zahlungsplan nicht vertreten lasten. Sie will

es hat sich nach leeren Worten stets als ohnmächtig zum Handeln erwiesen.

Die einzige Macht, die für die Erhaltung des Frie­dens noch etwas ernstliches tun kann, ist Nord­amerika.

Roch keine Anl-vorl Amerikas.

Die von der Telegraphen-Union verbreitete Nach­richt, von Amerika fei eine Antwort eingetroffen, ist unzutreffend; auch bis Sonntag aiond war noch keine Antwort aus Amerika auf di« deutschen Vorschläge eingetwffen und auch von Berlin aus ist nichts weiter geschehen. Man hat nur dem englischen Botschafter Lord y 216 er non- vor seiner Abreise nach London auf seinen Wunsch nähere Aufklärungen über den In- hatt des deutschen Angebots gegeben. Diese Aufklä­rungen beziehen sich namentlich auf den § 1 der Rote, in der sich Deutschland bereit erklärt, 50 Milliarden Gegenwartswert oder auch den Wert dieser Summe in Lahreszahlungen, die Deutschlands Jahresleistungen angepaßt sind, bis zum Gesamtbetrags von 200 Mil­liarden zu bezahlen. Die Annahme auf feindlicher Seite, wir dächten unser Angebot so, daß wir die Ge- samtsumme auf 60 bis 80 Jahre verteilt avzahlen woll-

Jn der Schwede.

Der Oberste Rat ist am Samstag nachmittag »n neuem in London zufammengetretenzur Dera- Ung der Lage", wie die offiziöse Mitteilung lautet, »die dadurch entstanden ist, daß Deutschland nach An­sicht der Alliierten seinen Berpflichungen nicht nach­gekommen ist, und zur Erwägung der weiteren Schritte, die die Alliierten unternehmen wollen, um Deutsch­land zu zwingen, ihren Forderungen ftattzugrben". Auf dieser neuen Alliiertenkonferenz erklärten die Ver­treter Frankreichs, daß ihre Regierung auf dem Plan des sofortigen militärischen Ein­schreitens im Ruhrgebiet beharre, während England die Verwirklichung dieses Planes zum min­desten aufschieben möchte. Die englische Regie-

Zwei deutsche Note«.

Die deutsche Stegterung hat dem Wiedergut- machungsausfchuß abermals zwei Noten übersandt, die sich diesmal gegen die von dem Ausschuss- beliebte Art der Schadensfestfetzung und gegen die Forderung der Uederweisung von einer Milliarde Gsldmark an die Bank von Frankreich wenden.

In der erstell Note wird dagegen Einspruch er­hoben, daß die von den Entente-Rasterungen dem Aus­schüsse eingereichten Schadenrechnungen in einer Weise ausgestellt worden sind, die es der deut­schen Regierung unmöglich machte, zu einer klaren Erkenntnis der berechneten Schäden und ihrer Bewer­

ben nur ein friedenmäßiges sparsames Verfahren cm Platze sei". Es wäre dringend zu wünschen, daß der französische Kriegsminkster seiner Anschauung auch im besetzten rheinischen Gebiet Geltung verschaffte. Er würbe dort ein reiches Feld der Betätigung finden, denn hort stehen die im Kriege üblichen Methoden noch in üppig- ster Blüte, wie fÄaenter Vorfall zeivt: Auf Anordnung der französischen Wohnungskommission in Wiesba­den wurde seinerzeit für den französischen General Payot die hochherrschafllich? Villa Parkftraße 18 be- fchlagnahmt und nach den besonderen Wünschen des Ge­nerals und auf Anordnung der französischen Wohnungs­kommission durch die städtische Besatzungsstelle Wiesba­den mit einem Kostenaufwand von rund 460000 Mark ausge stattet. Obwohl der General selbst in einzelnen Geschäften der eotadt die verlangten Ein- richtungSFegenstände ausgesucht hatte, gehet ' ihm die

sprechung des Etats des Kriegsministeriums von den Behörden gefordert, daß sie sich mit dergebieterischen Notwendigkeit vertraut machten, daß die Im Kriege übli-

Wohnung nach Fertigstellung der Inneneinrichtung nicht mehr Er zog nicht ein, sondern blreb im HotelNas­sauer fiof" wohnen, wo er zunächst fünf, spater v ter Q;mmer mit Bad und Salon bewohnte, für iw im Jahre 1920 Kosten in flöhe von 136000 Wiarf entstanden sind. ..V

Deutsches Keich.

Berlin, 1. Mai. Der preußische Staatsrat wurde aus Freitag zusammenberufen. Die Auf- hebun der Zwangswirtschaft fordert eine In­terpellation, die die deurschnationole Volksparte: sonne Vertreter der Laichwirtschaft der Rechtsparteien tm Reichstage eingebracht haben.

(*) Abbrnifung Mgöor Kopps? Wre derDor- märte" meldet, soll der bisherige Vertreter der Sompet- regierung Wigdor Kopp von seinem Derliner Posten abberttfen sein. K r a s s i n, der bekannte Wirtschaft-- fachmann der Sowjetregierung, der früher Obennge- nieur bei Siemens in Berlin war, gilt als aussichts­reichster Kandidat für den freiwerdenden Posten.

AM ErzbdrFers Sleuercmgelegeuheii befaßt sich imVerl. Tagebl." der demokratische Reichstagsabge­ordnete Landgerichtsdirektor Brodaus. Er schreibt daxu u. a.;

'Wer ten dieser Tage erschienenen schriMichen Aus- schußbettcht mit dem darin enthaltenen reichen ukten- material nicht mit der Voreingenommenheit des fanatische^ politischen Gegners lieft, kann diesen Antrag, den em« gewisse Presse schon als ein Verdikt über Erzberger hm- stellt, rar höchst befremMtf) finden. Wan mag fick) zq Erzberser als Polmker stellen, wie man , will, in de, Stouerangeiegenheit ist gegen ihn ein Derfahren beliebt worben, bas ganz unbegreiflich erfchemt, un» Erzbrrger hat nicht unrecht, wenn er in einem Schreiben an den Reichstag von einem ganz unerhörten po- litifchen Skandal gesprochen hat. Die ganze An- gelegenheit läßt einmal erkennen, wie man auch in der freiheitlichen Republik noch Männer zu schikanieren und zu verfolgen weiß, die sich bei her Reaktion ganz beson­ders vergißt gemacht haben: sie zeigt wieder, wie blind manchr Minister der freiheitlichen Republik gegen reak­tionäres Treiben in ihren Ressorts sind."

Broda-uf wendet sich dagegen, daß der Reichstag die Genehmigung zur Strafverfolgung Erzbergers er­teilte:

Der Reichstag sollte soviel Recht für sich in Anspruch nehmen, bah er sich, soweit möglich, selbst ein Urteil bildet, und er müßte seine Zustimmung zu einer gerichtlichen Verfolgung jedenfalls bann versagen, wenn schon aus dem ihm vorgäcgten Material zu entnehmen ist, daß es zu einer solchen Verfolgung an tatsächlichen Unterlagen fehlt; er sollte unbekümmert um das Geschrei der reaktionären Presse erst recht seine Zustimmung verweigern, wenn, wie hier, klar zutage liegt, daß ein Abgeordneter das Opfer einer wüsten Hetze fanatischer oolitischrr Gegner weiche« soll."

c. Eia parlamentarisches Aadlaettsstückänrn erregte nt diesen Tagen im Reichsrng große Ijeiterteit. Der be­kannte Kommunist Adolf Hofsmann fuhr mit dem Fahrstuhl in das Obergeschoß ix5 Reichstages und de- merkte dabei zum Fahrstuhlführer:Ra, wie geht's denn, wir haben doch bcebe bet selbe Handwerk", worauf die erstaunte Frage des Fahrstuhlführers:Na, wikfo denn?" Darauf Wolf Hoffmann:Na, wir ziehen doch beede die Leute auf, nur mit dem Unterschied, bet Sie davor bezahlt werden, während mich die Leute bet Fell versohlen wol­len." Das kleine Gefch'chichen ist nicht etwa erdacht, sondern es hat den Vorzug der vollen Wahrheit. Adolf Hoffmann hat sich anscheinend doch noch die klare Er­kenntnis feines Tuns bewahrt. Ob aber bei ihm die Er­kenntnis der erste Schritt zur Besserung ist, bas möchten wir bis zmn Beweise des Gegenteils noch bezweifeln.

* Dic Kommunistische Partei mir noch eins Sette. Aus Rache für feine Ausschließung aus der Kommuni­stischen Partei veröffentlicht der Magdeburger Land» tagsabg. B ö t t o e r einen Aufsatz, in dem er als Ein­geweihter mitteill, daß die Kommunistische Partei in Deutschland beute nur mehr als eine Sekte zu betrach­ten sei. Selbst in Anhalt, wo die Partei stärker sei, als in fast allen anderen Gebietsteilen, seien Massen- aus tritte erfolgt. Es lägen Abmeldungen gan­zer Ortsvereine vor.

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setzung. Die Franzosen haben sich allmählich in eine Geistesverfassung hineingesteigert, die eine ruhige Ile- berlegung ausschließt und man befürchtet ernsthaft ein alleinig« Vorgehen Frankreichs. Wie verrückt die französischett Pläne sind, zeigt sich in der neuerlichen Meldung, daß man die gewaltsame Ausbeutung der Bergwerke und der Industrien nicht bloß auf das Ruhrgebiet beschränken, sondern über ganz Deutschland eine internationale Schuldenverwal­tungskommission cmsetzen will, dir ähnlich wie früher in der Türkei die Kontrolle der ganzen deutschen Gttd- verwaltung zu führen hätte. Die Okkupation sollte demgemäß wirklich auf das Ganze gehen!

England, so berichtet man, habe schon wirt­schaftliche Bedenken wegen der Besteuerung der 3n» oustrren im Ruhrgebiet, abgesehen von der Kohlcn- fteirer. Die Bedenken gegen die allgemeine Ausbeu­tung der ganzen deutschen Einkünfte müssen natürlich noch größer sein. Doch was helfen alle Bedenken der Sachverständigen, wenn Lloyd George aus hochpoli­tischen Rücksichten und in den Fesseln von Geheimver- trägen sich schließlich dem Pariser Diktat unterwirft! Belgien tut natürlich, was Paris will, und wenn es gilt, Deutschland zu quälen und zu vernichten, so sind die belgischen Minister mit Freuden dabei. Sie lassen sich mehr von Haß und Rache, als von Rück­sicht auf ihre eigene Wirtschaft leiten. Italien hat

ten, ist ein Mißverständnis. In Erläuterungen der Presse war diese Verteilung auf 60 dis 80 Jahre als mathematisches Berechnungs-Beispiel verwandt wor­den, um den Einfluß des Zinsfußes auf die Tilgungs- Möglichkeiten zu verdeutlichen. Eine amtliche Erklä­rung über Zinsfuß und Tilgung in genauer Form ist noch nicht ergangen.

Annahme der Resolution Knox.

Der amerikanische Senat hat die Resolution Knox mit 49 gegen 23 Stimmen unverändert ange­nommen. Die Rcfolu ion besteht aus der einfachen Erklärung, daß der Kriegszustand beendet sei. Ein der Resolution angefügter Zusatz enthält beit Widerruf der Kriegserklärung und die Bestimmung, daß die Vereinigten Staaten sich alle ihre Rechte an dem deutschen und dem österreichischen Eigentum, bas sich gegenwärtig in der Berwalmng des Treuhänders für Feindesgut befindet, fo kmge Vorbehalten, dis durch einen Beschluß des Kongreßes oder einen Dertrag eine endgülligs Verfügung darüber getroffen Ist. Vor der Abstimmung über bk Resolution führte Senator Lodge aus, die Union Habs das Recht, auf eigene Vercmt- Wortung über einen Friedensvertrag mit Deutschland zu verhandeln. Dies werde die voraussichtliche Folge der Annahme der Resolution Knox sein.

Diese Ankündigung eines Sonderfriedens mit Deutschland wird in Amerika als eine Warnung an Frankreich aufgefaßt, dem damit klargemacht werben soll, daß die wirtschaftliche Zermürbung Deutschlands die amerikanischen Interessen verletzen würde. Andererseits ist zu beachten, daß in der Senats­sitzung der Präsident mid 6er Vertreter des Staats­departements erklärten, die Vereinigten Staaten hät­ten nicht die Absicht, die Alliierten im Stiche zu lassen.

Ernfke Einwendungen Amerikas.

Nach einem Telegramm derChicago Tribüne" aus Washington soll die Regierung der Bereinigten Staaten dem Obersten Rat ernste Einwendungen gegen die beabsichtigten neuen wirtschaftlichen Zwangsmaß­nahmen übermittelt haben. Nach eurer offiziösen Nach, richt Hai die Bundesregierung erklärt, daß sie ihr« ver- mittelnbe Tätigkeit auch dann nicht aufgeben wevbe, wenn die Besetzung durchgefuhrt werde.

Englischer Widerstand gegen die Zumngsmaßnahmev.

Eine Abordnung der Londoner Bankiers hat Lloyd George ausgesucht und gegen alle weiteren Zwangs- Maßnahmen Protest erhoben, da diese mtr zu neuen

eine weitere Fr,st van einer Woche zu ge­ben, eine Art Ultimatum an die deutsche Regie­rung zu richten und sie aufzusordern, innerhalb dieser Zeit entweder die Pariser Beschlüsse onzimchmen, ober ein annehmbares Angebot einzureichen.

Noch sind sich die Verbündeten nicht einig; mög­lich, daß die Besetzung noch zu vermeiden ist; ebenso möglich aber auch, daß die Verbündeten wieder einig urerden zum Schaden Deutschlands. Frankreich

es zunächst dem Wietergutniachungsausschuffe über­lassen, ihrerseits einen Zahlungsplan aufzustellen, hin­sichtlich helfen fk jedoch alle Vorbehalte macht.

Die zweite Note, die sich mit ter Uetenccifung ber Goldmilliarde an die Bank von Frankreich beschäftigt, wiederholl die schon vor einigen Tagen im Hinblick "aus diese Fo " erung r ^gebrachten Einwände und erklärt, daß die.s Verlangen rechtlich unbsgrün- det und tatsächlich undurchführbar sei. Die Note nimmt Staug auf die der amerikanischen Regierung unter- breiteten Vorschläge zur Lösung des gesamren Mieter- aiLmachungspröblerns. Diese Vorschläge enthalten ü. a. folgendes Angebot: Deutschland will dem Wieder- gulmachungsausschuß eine Milliarde Goldmark sofort in ter Form zur Verfügung stellen, daß 150 Millio­nen Goldmark in Gold, Silber und Devisen, die rest­lichen &50 Millionen in Reich sschatzwechfeln geliefert werten, die tängstens innerhalb drei Monatm in De­visen und misländischen Wertpapieren efnzulLfeir wären. Schließlich weist dir Note ata das vom Reichs­tag beschlossene Gesetz hin, wonach die Verfügung über das deutsche Gold auch weiterhin, und zwar bis zum 1. Oktober 1921, in dem gleichen Umfange verboten und strafbar bleibt, wie es im FriedensvortrE vor­gesehen ist. Dieses Verbot soll, wie schon mügeteilt, die Ententeregirrungen darüber beruhigen, daß eine Verschleppung oder sonstige vertragswidrige Verwen- düng tes deutschen (Softes nicht stattfinden kann.

Die Lrisengerüchtr.

Von zuständiger Seite wird zu den Nachrichten über eine angSdüche Krise im Kabinet erklärt,

es sei richtig, baß der Minister des Aeußern Dr. Si­mons vor einiger Zeit dem Reichspräsidenten fein Rück- triitsgefud) vovgelegt habe. Maßgebend für diesen Ertt- sHertz des Ministers sei sein Eindruck über die Stellung­nahme ter deutschen öffentlichen Meinung zu seiner Po­litik gewesen. Mit Rücksicht auf die von ihm eingeleiteten Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten habe sich der Mirüster bereit erklärt, die Geschäft« vorläufig weiierzu- führen. Der Reichspräsident habe tes Gesuch abgelrhnt, da nickt nur das Kabinett geschlossen die Fortführung der durch den Rrichsinürister des Aeußern begonnenen Der- Handlungen mit Amerika billige, sondern auch die Reichslagstebatte gezergl habe, daß die Dottsverirekmg in ihrer großen Mehrheit deren Fortführung w ü n f ch e.

Letzteres ist zweifellos richtig und dieser Gesichts­punkt der Notwendigkeit einer Anbahnung neuer Ver­handlungen zum Zweck einer gerne! tffmnen und fried­lichen Lösung ter EittsckMigungsfroge hat die Par­teien auch dazu geführt, den Gesamt schritt der Regie­rung zu billigen und mit kluger Einsicht angesichts der furchtbar schweren Lage des Reiches und ter Regie- rung äußerste Zurückhaltung in der Beurteilung der Vnzriphafen des Schrittes der Regierung zu üben.

Der König der Dolomiten.

Volksroman von Felix Nabor.

46] ----------

Der strahlend« Himmel verdüsterte sich und die Windsbraut warf den Berggipfeln jchwarzgrauc Trauer. Mäntel um dis Schultern. Feurige Reiter auf fahlen Rossen jagten über den Himmel und die Blumen am uerghang, Edelweiß und Alpenrosen, die die Tote mit Hellem Leuchten gegrüßt hatten, schlossen erschauernd ihre Strahlenaugen.

Regina Belmonte achtete der leuchtenden Blumen, der Boten des Friedens und der Liebe nicht; sie lebte nur dem Hasse und schleuderte einen neuen entsetzlichen Fluch gegen ihr« Feinde . . .

Da erdröhnte die Erde unter einem furchtbaren Don­nerschlag, daß die Serge zu wanken schienen. Der Sarg wurde gehoben und wie von einer geheimen Kraft ge- gen die üe'|cn geschleudert, daß die vergoldete Fackel absprang und von dem Sturme wie eine Feder davon, getragen wurde.

Die abergläubischen Welschen glaubten, die Tote stche aus ihrem Sarge auf; unter entsetzlichem Geschrei füüjen sie nach tem Paßeingange zu ihren Saumtieren, wo die Fclfenmauern einigen Schutz gewährten.

Regina Belmonte stand allein bei dem Sarge, der Sturm zerrte an ihr und riß sie zu Boden. Sie um- schlang mit dem einen Arm den weißen Sara, mit dem andern klammerte sie sich an das Gestein, um'nicht vom Sturme mit sortgerissen zu werten. Aber ihr« Kraft reichte nicht aus, den wilden Nattwgewaltrn Zu trotzen; «in neuerSloß schleuderte sie abermals nieder und drehte sie nn Wirbel um sich selbst. Mit entsetzten Blicken sah sie sich nach Hilfe um.

Aber die Gemalten der Luft waren mächtiger als ihr Dille und ihr Haß; sie faßten sie im Wirbel und droh, ten sie in den Abgrund zu schleudern. Da erfaßte st« Todesangst und in gellenden Tönen rief sie:Zu Hilfe! , -. Rettet mich zu Hilfe!" ,

Drei., viermal wiederholte sie den Ruf, ohne daß ihre Staliener, die sich in dem Engpaß geborgen hatiea, es

roagten, ihr Hilfe zu bringen. Ihr« Sage wurde immer bedrohlicher; schon der nächste Windstoß konnte fie in die Tiefe schleudern, ba sie jeden Hali verloren hatte. In ihrer wahnsinnigen Angst rief sie immer lauter, immer dringender um Hilfe.

Da zuckte durch die Finsternis ein feuriger Blitz nieder und in einer Wolke von Feuer sah sie eine Gestalt auf sich zukommen. Wars ein Engel, der vom Himmel nieberftieg und ihr Rettung bracht« ober wars ein Satan, den die Hölle auegesandt hatte?

Sie zittert« am ganzen Leibe unb stieß einen ver­zweifelten Schrei aus. Als sie aber eine menschliche Stimme vernahm, atmete sie auf und schöpfte neue Hoffnung.

-Wer ruft hier um Hilfe?" klang es an ihr Ohr.

Der Klang dieser Stimme machte fk erbeben.Wer bist Du?" stammelte sie.

Es kam keine Antwort, aber beim Scheine eines flam, wenden Blitzes sahen sich beide ins Gesicht und ertann. ten sich-

Regina Belmonte?--"

'Michael Pallanta Du?"

Ja ich., Mich hat Gott hierher geführt Nun standen' sie sich wieher in einem Meer von Fin­sternis gegenüber und Abgründe logen zwischen ihnen, daß sie nicht zusammen kommen konnten. Unb doch war es nur ein schmaler weißer Sarg, der zwischen ihnen stand unb sie trennte. Aber er leuchtete In der Dunkel­heit töte ein weißes Totengerippe, das sich aus dem Grabe erhoben hatte.

Regina Belmonte", sagte Mchael,was soll dieser Sarg?---Wen schließt er ein?"

Dein Weib, das Du gemordet hast", klang es ihm zornig entgegen.Das Land der Barbaren soll diesen süßen Leib nicht haben; in Italiens goldenen Auen soll er ruhen."

D Regina Belmonte", erwiderte Michael,was redest Du von einem süßen Leib? Stenn Du ihn sehen tonn- test in feiner Verwesung, von Würmern zerfressen, Dir würde grausen beim Anbück Deiner sündigen Tochter. So häßlich wie ihre Seel« ist, so ist jetzt auch ihr Leih."

Moder, Staub unb Knochen. Denn alles ist eitet und vergänglich- Warum also den Haß nähern urte Höllen­feuer? -- Regina Belmonte, auch unsere Herzen

werden über kurz ober lang im Sarge ruhen unb von Würmern verzehrt werben. Darum lösche bte Fackel Deines Haffes!---Laß uns Frieden schließen an

der Leiche Deiner Tochter! . . . Vergiß und vergib! ---Laß uns nach dieser Sintflut den Oelzweig des Friedens an dieser Bahr« niebertegen

Die kann ich dem vergeben, der mir mein Liebstes, mein einziges Kind gemordet hat?" schrie sie auf.Ro< sittas Blut schreit um Rache. '

Auch meine Ehre schreit um Rache! . . . Rositta war eine Sünderin, eine Verräterin an meiner Heimat und cm meinem Volke. Die heiligste Liebe, bas treueste Herz hat sie verraten. Wenn'» Sünde mar, was ich getan hab', so ist's gebüßt Mein ganzes Leben nach der Tat war eine Sühne.---Mit meinem Blut

hab' ich meine Schuld abgewaschen nun bin ich rein. Gott hat mir vergeben unb di« Menschen auch Kein Richter darf mich tnehr anklagen willst Du allein in Deinem Haffe verharren unb mir fluchen tm Angesichte des Todes?"

Wenn Regina Belmonte haßt, fo haßt sie bis in den lob."

Da warf sich Michael Pallanla bei der Bahre seines Weibes auf die Stnte unb legte dis Hände auf den weißen Totenschrein.Verzeih Du mir, Rositta Bel. monie!" rief er in brennender Qual, .und Gott mag zwischen uns richten."

Unb er beugte In Demut und Reue sein Haupt.

Da der Sturm einige Augenblicke schwieg, richtete sich Regina Belmonte stolz empor und maß ihren zer­knirschten unb gebemütigten Feind mit triumphierenden Blicken.Endlich ist für Regina Belmonte die Stunde der Rache gekommen", rief sie.Der verhaßte Feind liegt wimmernd und winselnd vor mir im Staube. Ich aber bin Siegerin, bin Königin rote ehedem. Ich, Re­gina Belmont«, setze Dir den Fuß auf den Nacken"

(Fortsettunp folg:.; "" '

Das Werden einer neuen Knnft.

(Schluß.)

Daß dieabfolute Malerei", richtig gesagt, die farbercharmonischen Versuche mit der modernen Ma­lerei, soweit sie diesen Namen mit Recht führt, nichts Knnein hat, geht auch aus den Schriften ter Kunst­kritiker hervor, wenn auch eine scharfe Trennung noch »ich! ausgesprvchm wird. So verwirft zum Beispiel Prof. Landsberger in feiner SchriftImpressionis­mus und Expressionismus, eine Einführung in das Wesen der neuen Kunst", die absolute Malerei, da­gegen wird der Expressionismus durchaus anerkannt. Prof. Zkfchä dagegen, der in seiner SchriftDom Expressionismus, eine Gewiffenserforschung", am Expressionismus scharfe, strenge Kritik übt, schreibt über die farbrnhavnonischen Versuche wörtlich:Auch hinter den bloßen Farben und Formen liegt das gleiche Unfaßbare wie hinter den bloßen Tönen. Dort gäbe es Reiche eines Bach und Beethoven zu erobern." Das ist sehr bezeichnmd; man kann die Naturabwei­chungen des Expressionismus ablehnen, aber die reft» lose "Naturferne reiner Farbenkunst anerkennen.

Woran liegt es nun, daß alle diese Versuche uns nickst ein Tausendstel von dem sagen können, was ein besseres tonmusikalisches Werk uns sagt? Die Ant­wort ist einfach. Erstens: Wir haben in der Ton­musik ein« streng durchgeführte Harmonie. Von bei an unb für sich möglichen Unmenge von Tönen sind nur eine kleine Auswahl in Verwendung. Es hat uns aber bis vor kurzem noch die Kenntttis einer Farbenharmonie gefehlt. Es werden noch alle die unzähliaen möglichen Farben verwendet. Es ist noch keine Auslese getroffen. Aus die Tonhannonie sind wir alle von Kindheit auf eingestellt und eingeschult, und viele Generationen vor uns auch schon. Das Ver­ständnis wirb uns größtenteils schon vererbt. In den Farben herrscht heute noch restlose Verwilderung. Zweitens: Die Werke der absoluten Malerei sind nur Einzelakkorde. Haben sie auch Harmonie, so fehlt Huw* der Rb-ckbmus, die zeitlich aufrinanderfolaende.