Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sfaöf Fulda.
48. Zahrg
Samstag, 30. April 1921.
hoben sie geglaubt, in den
Ein HavaS-Marchen?
Die Agentur Havas verbreitet eine Meldung, wonach der ehemalige deursche Kaiser die brasilianisch« Regierung um dre Ermächtigung ersucht h be, im Staute Mateo Grosso feinen Wohnsitz nehmen zu dürfen.
Aus dem befehlen Gebiet.
• vle Lvsmeliung der Reichrlrom > issarr für die de» setzten dediite. Dem Echo üe Poris lotib au8 Rout, aeaielbet, dag dre Interalliierte Rheinlanbkom. Mission die ÄriSweisuni d.S deutschen StcidiS'om» missar» für die besetzten (Sediere, v. Stark, zum 1. Mar beschlossen dabe.
• Verurteilung eines 8»'onir!fsldaten. An einem. Eisrnbahnüdcr ran, bei Bischossheiin m.ic Die 35 ?adr« alte Krau eines Eisenbahners von einem zur Bahnhofs, besatz.mg Bischofsheim «höriaen Kolonialsoldaten tätlich an egriffen worden Der Toter wurde zu einem-' Jahr Gesänznis verurieitt.
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Nr. 99
Bezugspreis: MonaUich 3,00 Mk. ohne Zustellgebühr. Jntzutbo bei uns abgeholt 3,15 Mk. Anzeigenpreis: DieKieinzeiie (Colonelmaß) 60 JJfg, u. 10'>, Zuschlag, die Reklomezelie (lejrtbreiie) 1.80 Mk., u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhol-Rabatt.
amerikanischen Gewerkschaften sind vor wenigen Wochen aus der Gewerkschaftsinternaticmale ausgetreten, tyrant. reich droht, unter Führung seines ehemals sozialistischen Ministerpräsidenten Briand, mit dem Gerichtsvollzieher und seinen Gendarmen. Die belgischen sozialistischen Minister haben bedenkenlos den unsinnigen Mill.ardenfor- derungen, die Deutschlands Arbeitnehmerschaft mit erat» beiten muß, zng-stimmt-
Das ist der Rahmen der Weltfeiern der deutschen So. zialisten/ am 1. Mai 1921. Ein groteskeres Bild ist nicht
Tie Zerstörung unseres Kriegsmaterials.
Wie Tr. SimonS in seiner ReichßtagSrede am Donnerslag dieser Woche mitteilte, sind an Kriegs- maieiial bis zum 1. April soigende Mengen von der Re i ckStreuhandge fe lischaft zerstört worden: Geschütze und Rohre 49 320, Lafetten 26 350, Mineniverfer und Rohre 22 037, Maschinengewehre 87 000, Maschinengewehrläufe 12389s, Handichul;» Waffen (Gewehre, Karabiner, Pistolen) 4767792, Jnfanteriegewehrlänfe 277 801, geladene Artilletie- ge choffe und Minen 28000 000, ungeladene Artillerie» geschosse und Minen 300 000, schar feZiinder 53 000 000, leere Kartuschen und Patronenhüllen 14 700, Handwaffenmunition 345 000 000, Hand», Gewehr« und Wurfgranaten 13450 000, Pulver 18700 1.
In den Depots der ReichSireuhandgeleü- fchafl befinden sich noch zur Zerstörung bereit: Geschütze und Rohre 840, Lafetten 510, Minenweifer und Rohre einschließlich Granatenwerfer 740, Gewehre und Karabiner 304 000, Maschinengewehre 4000, geladene Ar tilleriegeschosse i.nd Minen 8 600000, leer, Artilleriepeschosse, Minen und Handgranaten 18000, schai fe Zünder 2000000, Handwaffenmuvi- tion 42000000, scharfe Hand-, Gewehr» und Wurfgranaten 1 200 000, Pulver rund 2200 t.
Die Zerstörung wird dauernd fortgesetzt. An Liiflfahrzeugen sind abgeliefert worden: 27434 Motoren und 13987 Flugzeuge.
man, im die noch Ruhr sich schnenden Masten wiederum aufv'veitschen, den Teufel an die Wand, indem man gegen den Abbau der Löhne, des Achtstundentages und der Rechte der Betriebsräte demonstrieren will. Don einer vernünftigen Einsicht m die Tatsache des völligen Mißglürkens der Kommunaiisierimgs-, Derftaatlichungs- und anderer So- zialisienmgsformen ist nicht ein Hauch zu spüren. Wiederum werden, genau wie vor Jahrzehnten, die Fahnen mit dem Schlagwort Soz'akrsmus aufgerollt.
„Für den Weltfrieden"', das soll wohl die zugkräftigste Parole fein, die betont werden soll. Die ganze deutsche Volksgemeinschaft blickt mit besonderer Sorge auf die zum selben Zeitpunkt drohenden Gewaltmaßnahmen der fenchlichen Welt. Das deutsche Dolk hat nicht den Trost, diesen Schicksalstag völlig einmütig und geschloffen in gemeinsamer nationaler Selbstbehauptung zu begehen. Me Klassenkampfparteien haben es schier unheilbar zerrissen. Die Kreise, die am 1. Mai dem ein- gebtibeten Weltfrieden huldigen, haben den D o l k s f r i e- den beharrlich und bewußt zerstört. Sie sehen noch setzt nicht ein, daß Voraussetzung aller Wiedergesundung, der geistigen Erneuerung und des wirtschaftlichen Wiederaufbaues die Lebendigrnochung einer gefühlten, vollkommenen Volksgemeinschaft ist. So lst die De- monstration am 1. Mai nichts mehr und nichts weniger Äs eine Verhöhnung unserer Sehnsucht nach na!io» naker Einheit. Es ist ein strafbarer Versuch mit unzulänglichen Mitteln, den Weliirieden ohne vorher- gegangenen Frieden im eigenen Hause erstreben zu wollen.
Die soz'alistischen Parteien haben in sich längst nicht mehr die Kraft, das Proletariat zu gemeinsamen Frie. denskundgebungen aufzurufen. Sie schlügen sich am liebsten und je eher desto bester gegenseitig tot. Die aeschmahten bürgerlichen Gesetze und die verleumd-ten staatlichen Machtmittel erlauben es ihnen nicht Die Mai- feiern aber sind fast überall den roten Kartellen d r freien Gewerkschaften übertragen. Mr sind überzeugt, auch die Gewerkschattskartelle ro-rben bei einem bedeutenden Teil ihrer Mitgliedschaften wenig Anteilnahme und noch weniger Glauben finden. Schließlich ist auch der ärmste Proletarier bewußt ober instink- non brr Not der Seel» b-s <°-nnen Volkes, belast die Hinweise auf den deutschen Poniergeldkavi- tafismus verfangen nickst mehr. Znhl-n s^b lebendig geworden, die dem sozial'stllche-, Geiste widersprechen. Vor wenigen Tagen sind die Stärken der Armeen Europas durch die Preffe gega-nen. Wie unheimliche G'oen» ster lauern die Basonette Frankreichs, Polens, der Tlche- chosiowakel auf den Vorwand, In Deutsch'and einzubre- chen. Dafür bot Deutschland freilich seine gewerk- sch östliche Milstonenarmee. Eben ist man Im Be- griff, dm sozialistischen Teil dieser Gewerkschof'sarmee mit fci'rlichen Verbrüdenmqsgesängen zur Selbstent- mannung ;u erziehen, indessen das Hohnaelächter der ganzen Well uns antwortet. Keine Hille/ kein Gleichklang. kein« Harmonie im europäischen Konzert. G-rwß, der 1. Mai ist Staatsfeiertag geworden in her — Tschechoslowakei Das hat hie Vater dieses Gesetzes nicht ge. hindert, erprefl'rische Milliarb-nforderungen an hie Re. varationskrmm'ssion einzur ich'n Pol n ist bere t, all n demokratischen Grundsätzen zum Trotz, die deut'che Mchvdeit Oberfch'osten« tu tyrannisieren. S>» we^-n dabei n'cht nach d-m Sozialismus des dent'ch n Grub»n. und Metogarbeite-s fronen. In Engsand hat das Na- tionalgefiihl d-s Jndustrsearbeit-rdreibundes über das proletarische Kloffengefühl gesiegt. Die soziolistsche Weltpresse gibt die schwere Niederlage offen zu. Die
Antwort aus Amerika.
Nach einer Meldung aus Berlin, die allerdings «och unbestätigt ist, ist am Freitag nachmittag in Berlin eine Antwortnote der amerikanischen Negierung eingetroffen. Eie ist in ablehnendem Sinne gehalten. Das Reichskabinett hat zu einer Sitzung zusammen, um die nun zu ergreifenden weiteren Schritte zu beraten. Angeblich lassen sich auS dem Wortlaut der Note immer noch Ber- chanbl.ingsmögltchkeiten ableiten. Immerhin ergibt sich, daß die radikalen Aeutzerungen der französischen, rngliichcn und belgischen Staatsmänner über das -rutsche Angebot in Washington gewirkt Haden.
Es hat zur Stunde wenig Zweck, sich zu ereifern über dir Beweggründe, die namentlich Frankreich veranlassen, fortgesetzt unter Beugung der Wahrheit die deutschen Dorschläge als ungeeignete Berhand- kungsgrundlage zu bezeichnen. Jedermann bei uns in Deutschland weiß, daß die Reichsregierung mit ihren Vorschlägen weit über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des deutschen Volkes hinausgegangen ist und daß es lediglich politische Gründe waren, die die Reichsregierung reranlaßt haben, mit ihrm Vorschlägen bis an die imßerste Grenze zu gehen, ja sie sogar noch zu überschreiten. Niemand in i>er Welt, der sich noch ein selbständiges und gerechtes Urteil bewahrte, wird zu behaupten wagen, daß die deutschen Vorschläge keine geeignete Grundlage für 4ine Verständigung gewesen wären.
Doch genug davon. Die Lage ist außerordentlich ernst und die nächsten Tage werden entscheidend fein für dos weitere Schicksal des deutschen Volkes. Sm Zusammenhang mit den außenpolitischen Auswirkungen d:s deutschen Vorschlages stchen auch inner politische Erwägungen. Man wird sich darüber schlüssig werden muffen, was zu geschehen hat, wenn nun die angedrohte Erweiterung ber Satrftionen, d. h. die Gewallmaßnahmm der Entente und ihrer Verbündeten im vollsten Maße zur Anwendung gelangen. Es wirft sich die Frage auf, ob ein negatives Auslaufen der Aktion von entscheidender Rückwirkung auf die Zusammensetzung des gegenwärtigen Kabinetts sein muß oder nicht. Wir sind der Ausfaffung, daß das Kabinett nur seine Pflicht getan hat, wenn es nach einer erneuten Anknüpfung in der Reparationsfrage suchte. Nichts würde im gegenwartigett Augenblick verkehrter fein, als ihm aus dieser Pflicht heraus einen Vorwurf zu konstruieren.
Ein solches Verhalten könnte die augenblickliche Lage nur verschlimmern, man soll darum zunächst die weitere Entwicklung der Dinge mit Besonnen- h e i t abwarten und sich vor vorschnellen Urteilen hüten.
Rücktritt Dr. Simons?
Die „Baff. Zig." weiß von einem Rücktrittsgesuch des Außenministers Dr. Simons zu berichten, das dieser am vergangenen Sonntag vorAbgang der Note an die amerikanische Regierung dem Reichskanzler Fehrenbach überreicht habe. Dr. Simons habe den Wunsch geäußert, aus Gesundheitsrück- fichten von der schweren Bürde der Führung der außenpolitischen Geschäfte des Reiches entlastet zu werden. Der Reichskanzler habe Minister Dr. Simons jedoch ersucht, auf die Erledigung seines Rücktrstts- gefuchs solange zu warten, bis eine entscheidende Antwort aus Amerika eingetroffen fei. Da Dr. Simons diesem Ersuchen willfahren habe, sei bis zur Stunde das Rücktrittsgesuch des Außenministers dem Kabinett noch nicht vorgelegt worden. Me dos Blatt zu wiffen glaubt, fei aber damit zu rechnen, daß der R ü ck t r i t t D r. Simons von der Leitung des Auswärtigen Amts in den allem ach st en Tagen eine vollendete Tatsache werden würde. Da Reichskanz- ler Fehrenbach mit Dr. Simons sich solidarisch erklärt habe, sei, wie das Blatt aus informierten par- lamentarischen Kreisen erfahren haben will, die De-
Iahrzchntelang haben di« sozialistischen Parteien sich ausqdobt in billigem Gespött über die christliche Jenseits» religion. Ebenso lang Haden sie leidenschaftlich vorgegeben, für die Massen des Proletariats kulturelle und wirtschaftliche Gegenwa rtsarbelt leisten zu wollen. In verschärftem Maße haben sie geglaubt, in den letzten Jahren dieses Ziel durch Arbeitsruhe am 1. Mal imb möglichst noch am 9. November zu erreichen. Nicht in Rechnung gestellt war dabei die Mill'onensumme der in Verlust geratenen Arbeitsstunden. Ueberschen wurde gesliffentlich der Ausfall an Kickwr. und Lebensgütern auf allen Produktion», und Erwerbsgebieten.
Die Aufruf« zur Maifeier 1021 bekunden eine heillose Zerfahrenheit der Auffaffmrgen über den geistigen Inhalt, den man nun der Maifeier geben soll. Einerseits malt
Zum ersten Mai.
In der Zeitung »Der Deutsche", dem Organ beS preußischen Minister Präsidenten Etegerwald, schreibt Paul Feger unter der Ueberjchnfl „Der rote Michel" folgendes:
Deutscher Reichstag.
Nach bet großen Aussprache über bie auswärtige Politik und b:e Erklärungen bes Reichsaußenmimsters war am Freitag im Reichstage das Interesse stark abge. flaut. Das Haus umb b;e Tribünen wiesen nur eins schwache Besetzung auf.
Zunächst werden eine Anzahl von Anfragen erledigt. Bemerkenswert unter chncn ist die Anfrage des mchrh-itssozialiftischcn Abg. Braun wegen der bevor- stchmden Erhöhung der Monats- unb Wochen- tarten ber Reichseisenbahn, durch die die Ste» delung unmöglich gemacht werde. Die Reichsregierung betont in ihrer Erwiderung, daß bie Verwaltung dieses Mal nicht an den Monats- und Wochenkarten oorüber- gehen konnte unb sich zu einer einheitlichen Regelung für ganz Deutschland gezwungen seh. Um ober der Sieb» lungspolirik einen Ersatz für biefe Belastung zu grwäh- ren, sollen Monatskarten 4. Klasse erngeführt werden. '
Das Haus wendet sich darauf bem Gesetzentwurf über Me Ergänzung bes Gesetzes zur Verfolgung von Kriegsverbrechern zu, ber von allen Parteien mit Ausnahme der äußersten Linken eingebracht worden ist. Rach der Vorlage soll ber vberre'chsanwalt ermächtigt werben, auch dann eine Hauptverhandlung einzusctzen, wenn kein genügender Anlaß besteht, eine Anklageschrift einzureichen. Der Entwurf wird vom deutschen Dolks- parteilsr Leutheußer begründet. Er wird in 1. und 2. Lesung ohne Aussprache angenommen. Die sofortige Vornahme der 3. Lesung scheitert an dem Einspruch des tom* munWschen Abg. Bartz.
Sodann wendet sich dos Haus ber Beratung ber unabhängigen Anträge aus Aufhebung ber Ausnahmebestimmungen zu In Verbindung hiermit steht zur Debatte ber sozialdemokratische Antrag auf Abänderung der Ausnahmegerichte. Dies« Anträge sind für bie Kommunisten eine gefundene Gelegenheit, um sich des langen und breiten über bie mittelbeutsche Aufstanbsbewegung zu verbreiten. Drei Stirn» ben lang öffnet der Kommunist hälleln die Schleusen seiner BerSbtsamkeit unb schleudert gegen Regierung, Kapitalismus, Bürgertum und bie bestehende Ordnung einen Wortschwall von kommunistischer Aufschneiderei unb 8trf» Hetzerei. Das Ziel seines Angriffs ist natürlich ber e<>.« malige sozialistische preußische Innenmimster Seoeriug, ben er mit Schimpfworten überschüttet, wie sie nur bem kommunistischen Sprachlexikon eigen sind. Hörsing und Severinq sind für ihn die Kulis unb Kettenhunde bes Kapitalismus, bi« Sipo eine Spitzelkloake — und so sieht es fort und fort, drei Stunden lang im wüstesten Tone kommunistischen Jargons. Das Haus ist leer. Selbst den Kommunisten beliebt es nicht, ihren feuerspeienden Genoffen anzuhören. Ihm antwortet der Innenminister koch, unb rech fertigt in kurzen aber treffenden Ausführungen ben Standpunkt ber Regierung.
Nachdem Abg. Mchrhof lUnabh.) bie kommunfftischen Terroristen abzuschütteln verficht hatte, erklärte Abg. .fröhlich (Komm.): Wenn wir biesmal auch nicht gesiegt haben, so werden wir doch keine Gelegenheit vorüber»
mffsion des Außenministers gleichbedeutend mit der des Reichskanzlers. Di« „Dost. Ztg." berichtet bereit» von verbindlichen Besprechungen, die innerhalb der Regierungsparteien über die Umgestaltung des Rcichs- kabinetts gepflogen worden feien. Dabei fei der Wunsch nach umfaßenden Veränderungen im Reichskabinett, bk mindestens noch zwei andere Reichsmimsterien betreffen würden, geäußert worden. Diese Veränderungen würden sich aber nur auf die Personen, nicht auf die Zusammensetzung der Rogierung-kvalition begehst.
In Berlin eihätt sich oaS Geruchs, baß ein neues Reichskabinett ben Führer der Deutschen Volks- Partei, Dr. Stresemann, an seiner Lpitze sehen werde.
Der bayerische Bauernführer Dr. Heim kündigte in der Generalversammlung beS Christlichen Bauer n- Vereins einen Kan zlerwechsel unb einen Wech el des ReichsminißerS des Auswärtigen für die allernächsten Tage an.
Die VcsahunMlruppen bereifgeffeRL ’'p
Die zur Besetzung des Ruhrgebiets bestimmten schwarzen Truppen sind in Mainz bereit- ge ft eilt worden. Es handelt sich um etwa 24 000 Mann, die bereits im Rheinlande gestanden haben, und 25 000 Mcum aus Silizien. Außer diesen schwarzen Streitkräften soll das erste französische Korps aus Lille zusammen mit der 4. Kavallerie- Division zur Besetzung des Ruhrgebiets herangezogen werden. Die Besetzung selbst ist so geplant, daß eine Kolonne Solingen, Remscheid, Elberfeld-Barmen unb Ha Ken, die andere Esten, Bochum, Dortmund unb Hamm besetzen wird. Die ganz« Besetzung wird in der Hauptsache nur durch Franzosen wusgeführt und angeblich von General Weygand geleitet werden.
Verschiebung ber Londoner AllUerkenkonserenz?
Blättermeldungen zufolge verlautet, daß die Eröffnung der Londoner Allikrtenkonserenz vielleicht auf Sonntag oder Montag verschoben wird, da Graf Sforza nicht früher in London eintreffen wird.
tietantwonlid) iüi ben reoau. leit: 193.: Dr.Zoh.Kramer, - füt bü Anzeigen: I. ParzeUer-Fuwa. z Rwattonsbruck u. Verlag ber Fuldaer Hdienbnirferel in Fulba. Sermprediet 9tr. 9. Teleqr.-Äüresse: Fuldaer Zeiiu ng.
Der König der Dolomiten.
Soifer oman von Felix Nadvr.
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Aber dieser hörte bas Jauchzen nicht. Er lag droben «uf ben Höhen, niedergeworfen von einem Steinsplitter, und ein rotes Blutbrünnlein riefelte über seine Stirn hinab zu ben Wangen.
Als Gina aus ber Kirche trat unb Michael nirgends ^bückte, würbe sie von einer schrecklichen Angst erfaßt, bie stieg mit bem Richter hinauf zu ber Höhe unb rief ununterbrochen seinen Namen.
Hebe Stimme weckte ben Bewußtlosen. „Hier btn ich!" gab «r zur Antwort. „Wer ich kann nix seh'n — a roter Schleier ist vor meinen Augen."
Da war Gina auch schon an seiner Seite, wusch bie ffisunbe unb legte einen Verband an. So führten sie ihn hmab ms Tal, wo er von ber ganzen Bevölkerung mit laiittm Jubel empfangen wurde. Erhobenen Hauptes, die Pricsterbmbe seines Opferlebens um bie Stirne, stolz mje ein König auf bie Wunde, die er um ber Heimat tmucn trug, schritt er an Ginas Seite burch bas jauch- zenbe Dorf. »Hoch ber König ber Dolomiten!" tönte es Ulm entgegen — unb sie taten Recht, ihn fo zu nennen. Denn einem Könige gleich beherrschte unb beschützte er sein Neich.
Sein Ruhm brang ins Land hinaus. Alle beroun» bfrten ihn unb man erzählt« sich Wundermärchen über leme Heldentaten, seinen Mut, seine Liebe zur Heimat und seine Güte unb Hilfsbereitschaft für alle, bie in ben Sergen verunglückten Ein weiter Sagenkreis bilbete sich um ben feltfamen Einsiedler der Dolomiten, ein Glorienschein wob sich um sein Haupt. Seine gewälsige Erscheinung, fein ganzes Leben mit den dunklen Ge- heimniffen 'einer Liebe unb Ehe fesselte bie Menschen, bie in bas Tal tarnen, unb alle wollten ben Mann sehens der so Großes unb Bewunbernswertes vollbrachte.
koch dieses Glück war nur den Wenigsten vergönnt. Michael Pallanta lag noch immer an ber schweren zßunbe barnieber, bie er sich bet ber Sprengung bes
Teufelsfelsen geholt hatte. Sn b«r Sdjmiebe erklang kein Hamrnerschbag, berm er brauchte Ruhe für feine Nerven, für seinen Geist unb für sein Herz.
Zuweilen aber trat er, noch immer bie weiße Stabe um bie Stirn, an bas Fenster, um nach feinen geliebten Sergen miszublÄfen, we-m bann eine Schar Bergsteiger feiner ansichtig wurde, flogen bie Hüte von den Köpfen und mit freudigem Zuruf huldigten sie ihm: .Hoch lebe ber König ber Dolomiten! Heil und Gruß!"
Dann beugte sich ber ungekrönte König aus dem Fenster unb lächelte ben jubelnben Menschen zu: .Berg, heil! . . _ Unb Glück zur Fahrt!"
Wie einen Segenszruß nahmen sie diesen Gruß bann mit hinauf in die Berge und trugen Michael Pallanta» Ruhm hinaus in die Welt. Sein Name: »König der Dolomiten" wtrbe zu einem Ehrentitel im ganzen Land Tirol. , ,
Nur Gina konnte sich desselben nicht recht freuen; so oft sie ihn hörte, beschlich sie die heimliche Sorge, Michael könnte nach seiner Genesung seinen gefahrvollen Beruf roieber aufnehmen unb bobei ein Opfer ber Serge werben wie Hunderte vor ihm. Davor konnte ihn auch fein Ehrentitel nicht schützen. Denn auch Könige sind Menschen — unb baher ben Mächten ber Natur unterworfen; auch vor Königen macht ber Tob nicht Hakt, am wenigsten in den Bergen.
Je weiter seine Genesung voranschritt, umsomehr wuchs Ginas Angst, sodaß sie auch ber Richter gewahrte unb ihr hilfreich beisprang in ihrer Not. .Michael", sagte er eines Tages zu seinem Sohne, „roär'g nit bes- ser, wenn Du Dich wieder in Deine vier Pfähl' einrichten rätst? Schau, bös ewige Bergkraxeln ist a nix für unferoans. Mußt roieber seßhaft werben, mvanst nit? Mußt Dir a Hausfrau eintun — ober plagen Dich bie schwarzen Gespenster immer noch?"
.Naa, Vater," enoiberte er. „Seit ich met' Blut für b’ Heimat geben hob, feitbem ist ber Schatten verschwunden. Ich bin frei — und wenn es Gina recht Ist, wollen wir Hochzeit machen. Oder,," wandte er sich an Gina, bie vor Freud« errötete, „ober graut Dir vor meiner Hand?'»
-Aber Michael!" rief sie vorwurfsvoll und faßt« mit festem Druck seine Rechte, „ganz g'wiß nit. Du hast hunbertsach g'büßt, was Du g'fehlt hast. Deine Hanb ist rein unb schön —"
-Dann treten wir in vier Wochen vor den Altar," sagte Michael — „ber König der Dolomiten freit um die Braut!"
Sie legte ihr blonde» Köpfchen an feine Brust unb blickte voll Liebe unb Berounberung zu ihm empor. „Ich bin ja fo glücklich." hauchte st«, „benn Du bist mir bas Liebste auf der Welt. Bei Dir bin ich geborgen —"
Da nahm st« ber König ber Dolomiten in seine Anne unb brückte ihr ben Brautkuß auf den Mund.
-Nur bk oanzige Bebingung stell' ich," sagte barauf Michael, „baß ich, eh ich mei* Arbeit am Amboß roieber aufnehm', nur noch a oanzigmal hinaufftclg in meine Berge. Dort broben will ich Abschied nehmen vom Kreuz am Firn. Dort hinauf, wo Ich gesündigt — unb nachher büßt hob, zieht's mich wie mit taufenb Arm'. Jst's ber Bergzauber, was mich lockt, ober ist's a hocimsich's Ahnen von einer großen Tat, die md'm Leben bie Kron aufsetzt. Ich woaß es nit. Aber ich kann bem Innern Drang nit wibersteh'n — ich muß ... — Vielleicht ist's a höhere Fügung, a Befehl vom Himmel — roas weaß ich! Sch muh unb muh hinauf in bie Berg. Mir Ist's, als müht sich broben beim Firnkreuz am Paß mein imb all unser Schick'al erfüllen. Redet brum nit dagegen — «s muh fein. Es ist a Kreuzweg! . . . Ist a Kreuzfahrt! Wie vor taufenb Jahr bie Kreuzfahrer über d' Alpen 'zogen sinb, um 's Heilig Land zu erobern, fo muh a ich bort broben beim Kreuz Heilig ßanb suchen---
Drum will ich wie b* Kreuzfahrer beten unb rufen: „Gott rollfs---Gott will's!"
Da wagten Gina unb ber Richter keinen Einspruch mehr unb liehen ihn ziehen.
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Auf bem schmalen Pfade vom Totenkirchlein hinauf zur Pahhohe bewegte sich ein seltsamer Zug; vier Man- ner, wilbe, verwegene Gestakten, trugen an Stricken, bie sie um Racken unb Schultern geschlungen hatten, eine Bahre, nicht viel größer als ein Äinberfarg — —
Aber kein Kreuz schmückte ben rodßen Totenschrein, sondern eine lodernde Fackel, bas Zeichen ewigen Haffes, unb keine Gebete erklangen bei biefer büfteren Le-chen- feier, dafür umsomehr welsche Flüche unb Verwünsch un- gen über ben steilen, beschwerlichen Weg unb über die schauerliche Last, bie sie zu schleppen hatten. Denn in dem Sarge befanden sich bie Ueberrefle bes oermoberten Leibes ber schönen Rositta Belmont«, bie einst in Jugendprangen unb stolz wie eine Königin über bieseHöhe» geschritten war.
Die vier Italiener hatten bie Leiche mit Gmehmk- gung ber österreichischen Beworben auf bem Totenkirch- (ein Friebhof nusgegraben unb in bem Sarge geborgen, um ihn über ben Paß nach Italien zu bringen. Regina Betmonte wollte Ihre Tochter nicht ber verhaßten beut- scheu Erbe überlaffen — Italien, für bas Rosittas Herz fo heiß geschlagen, sollte sie auch im Tobe haben, unb unter Cypressen unb Lorbeer, von ber Sonne bes SÜ- bens behütet, sollte sie ruhen.
Die alte Irrebentistiu war, nachbem sie ein Mailänder Arzt geheilt hatte, selber gekommen, um die sterblichen Ueberreste ihrer Tochter in bie Heimat zu geleiten. Drüben bei ber Paßhöhe ftanben bie Saumtiere, bie sie hierher gebracht hotten. Aus ben verwitterten Zügen ber alten „Königin ber Berge" sprachen aber nicht allein Gram unb Schmerz unb Trauer, sondern fanatischer Hoß, ber sie bis ins Alter begleitete. Als bie Bahre niebergefetjt würbe, warf sie sich schluchzenb über sie anb rief den Namen ber Toten — unb als keine Antwort kam, streckte sie zornig bie Rechte zum Himmel, schwur den Deutschen ewige Roche unb verfluchte ben Mörder ihre Tochter.
Das Hang so schauerlich, daß sogar die wilden Gesellen, die sie begleiteten, ein Grauen packte, und zugleich kam von ben Höhen ein dumpfes Brausen, als zürne auch der Himmel ob diesem Frevel, als grolle er brm dämonischen Weibe, bas nur die Rache kannte, deflen Haß selbst an der Totenbahre nicht Halt macht«, säubern über Tob unb Grab hiuauszing bis zu den Pforten ber Ewigkeit.
WWna folgte