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Fuldaer Zeitung

Truck der Fnkbaer Aetteudrnckerei in Fnlb«

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*) Schort, Neues Historienbuch. Leipzig 1884, S. 5860.

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di, Jd«n auch ins Militär eindrangen und das Gr- füge der Armee sich lockerte. 3m übrigen hat der so originelle Schwabe viel zu wenig Kenntnis von der katholischen Kirche und war in Domrteilen befangen, als daß er das Dirken der katholischen Kirche hätte gerecht würdigen können.

wie die Kinder zu Nikolaus oder Weihnachtsabend. Ueberracht werden wir von der Bescherung: bald gibt es eine schlimmere Rute, wie wir geahnt halten, und bald gibt es mehr Aepfel und Kuchen, wie wir gehofft hatten.

Murren Hilst nicht. Genieße ftoh, was dir br- schieden; entbehre gern, was du nicht hast: ertrag geduldig deine Last.

Das Schicksal arbeitet mit lleberraschungen. Mit vielen sauren und einigen guten lleberraschuwgen. Wer klug ist, paßt sich dem jeweiligen Wetter an, weil er es doch nicht ändern kann. Er denkt mit Till Eulenspiegel: Gehts heut« bergan mit Schleichen und Keuchen, gehts morgen leicht und nmnlcr den Berg hinunter!

«Alles neu macht der Mar." Jawohl, in Feld und Wold gibt es neues, frisches Leben. Aber die Menschen werden die auch im Frühling neu? Ach nein. Die alten Leidenjchasten, die alten Vorurteile, die alten Laster, die alten Dummheiten gehen aus einer Jahreszeit in dir andere über. Die Menschen werden nur neu, msan f« M fetha im» MM er-

Literarisches.

Philosophie der Eatur. Bon Sochschukp-ofeffor ®t Jos. Schwert schlag er <Eichstätt). (Philosophiich, Handbibliothek. Band Ill/lV). PreiS: Band 111 petzest« 22 Mark, < ebunben 27 Mk.; Band IV »eheftet 20 s'lt., pcbunden 25 M. (VerlagSteuerungSznschlag «nbegriften.j Verlag Josef Kö,el & Friedrich Pustet, Kommandib geseüschaft, Derla,iradtei>ung Kempten.

ÄlS Naturpbrtosophie grlt die systematische auf anerkannten Prinzipien beruhende Erforschung und Darstellung des Wesens der Natur, des Wesent- liehen der Naturgegenstünoe und Naturvori änge. Die Naturwissenschait fu.rt die Tatsachen und Einzelcr» schemun^.en deS Raturaeschehen» festzustellen und in Systemen zu ordnen. Sie bedient sich dabei der sinn, liehen Beobachtung und ce6 Experimentes. Die Natur» ptzrlosophie petzt über die gesetzmätzige Verknüpfung oeS ErfatzrungsstoffeS hinaus und erstrebt eine tief» grundige Erkenntnis der letzten Dusammenhänge der Wektdinge, em wissenschaftliches einheitliches Weltbild, eie bedient sich dabei der gesicherten Resultate der Naturwisienschaft als Unterlage ihrer Spekulation. Der erste Band handelt von dem Körperlichen als solchem, von der körperlichen Natur im allnerneinen und boc dem materiellen Ganzen, dem Weltkörper lKosmoS). Der zweite Band bespricht tn echter tiefgründiger Wissenscha tlichkeit die anorganische und organische Äörperwe.t, untersucht vor allem daS Wesen, den Ur» sprung, die Aeutzerun en des Leben» der Pflanzeii und Li reu, die mannigfachen Syitemarten und ihre Ent» wickiung sEntstehun ). Ucberull offenbart der Verfasser seine Verirautheit mit den Theorien und Ergebnissen oer naturwissenschaftlichen Forschung, wie mit den Ge» dankengän^en der aristotelischen Pqilosoptzie und Ser Scholastik. DaS Studium und die Lektüre feines Buches ist so recht eet.inet, den denkenden Erdbewohner mH Bewunderung und Ehrfurcht zu erfüllen gegenüber der unfaßbaren Wiisheit, die sich rtzm im Weltall, wie in der Kütuwelt deS Pflanzen» uns TierrcichS offenbart. Ueberall begegn« ihm in Mah, Zahl, Gestalt, Richtung und Reihenfolge die berechnende, z,elfetzende Vernunft, und Ueberlegung. Indes .die Tiefe ihres Blickes, mit dem die Natur uns anschaut und verstummen machh ob unserer kindischen Torheit, rührt her von dcrWeiS» heit und Wissenschaft Gottes- (S. 269).

tot« HSst man vorträce? Heft 2 der Sammlung .Die katholische Ärbeiterbeivegung- 30 bi» 40. Tausend» 8° (21) M. Gladbach 1921, BolksvereinS-Veilag GmbH, M 2. -

An'angern in der Redekunst soll die Broschüre über die ersten Schwierigkeiten dinweghelien und ihnen über« Haupt die Wege zeigen, wie man Reden und Borträge hält, die Reichhaltigkeit deS InhaliS und schone Form zu leich aufweisen ES gibt heuizutage Leute, die reoen muffen, die aber keine Zeit und kein Geld haben oder gehabt haben, eigne .fturje in der Vortia S» oder Rede» fünft zu nehmen. Ihnen gibt die Broschüre pcaitische Anweisung.

Vit einfache vuchsühung Shis der Sammlung .Hilf bw selbst". Preis Mk. 2.50 Bonn. Verlag Wilh. Stollfuh.

Dieses handliche Düchlein aus der beTmtnten Gamm- lung .Hilf dir selbst", von einem alten Praktiker her» faßt, ist soeben in neuer Auflage erschienen. In ge­meinverständlicher Weiie ist dieses schmucke Bändchen verfaßt und kann allen denen empiohlen werden, welche, sich daS Mindestmaß der Buchführuni zulegen und sich vor allem selbst darin orientieren wollen. Richt nur Kaufleuten und Gewerbetreibenden, auch Handwerkern ui b jün eren Angestellten wird dieses Büchlein gute Dienste leisten.

Kleines Feuilleton.

DaS Abschneiden der Flügel der Hühner bringt den Tieien keinen Schaden, aber eS ist ver­kehrt, ihnen beide Flügel zu stutzen, denn auch mit zwei kurzen Flügeln können die Hühner noch ganz gut hoch resp. über den Zaun fliegen. Einzig richtig ist es, nur einen Flügel zu beschneiden, weil die Tiere dann umfallen, wenn sie versuchen, mit einem kurzen und einem langen Flügel hochzufliegen. lg.

Verluste in Obstanlage«. Selbst wenn man bei Anlage größerer Obstgärten auf die allersorg­samste Weise, durch tadellos Auswahl des Pflanzen» Materials, Anpassung desselben an den Boden, jach»' kundige Bearbeitung des Bodens ulw. Verfahren ist» wird man doch alle Jahre mit einem Ausfall an Bäumen zu rechnen haben, der die verschiedensten, oft nicht leicht erkennbaren Ursachen hat. Bei einer Rentabilitätsberechnung sollte man aber diese Ver­luste nicht unberücksichtigt lasten. Sie gleichen den Verlusten, wie sie jeder Hausbesitzer für Rcparn« luren u w. mit in Rechnung stellen muß. Für ab­gängige Bäume, Neuankauf, Neuanpflanzung usw. genügt aber ein Abstrich von 3 bis höchstens 5 Piozent. Größere Ausfälle sind nicht mehr normal. Die Schuld liegt dann am Klima, am Boden, an falscher Behandlnnasweise nfto. Ig.

Allerlei Weisheit. Der Nil in Aecvpten ist 7000 Kilometer lang, das ist fünfmal länger als der Rhein. Der erwach ene Mensch atmet binnen 24 Stunden e'wa 9 Kubikmeter Luft ein. Diese 9 Äubifmeirr haben ein Gewicht von 11,6 Kilogramm. Die Chinesen können fein R, tue Japaner kein L aussprechen. Das Volk der Eskimos, der Neger und der Indianer ist im Aussterben begriffen. Von wirklichen Indianern, die nach ihrer alten Weise leben, gibt eS nur nah rund 10000. Zu einem einzigen Pfund Honig bedarf es f r die Bienen riebt weniger als 60 000 Kleeblüte > und anderer Honigblumen, und rund 3/< Million n Besuche auf den Rektarsp nderinnen sind nötig, um ein B und Honig zmammenrmragen. In einigen Gebiet-» Japans ist es Sitte und zur Traunngszeremonie gehörig, daS ehemalige Spielzeug der Braut zu ver­brennen. In F ankreich waren 1906 von 100 Ehepaaren 15 gänzlich kinderlos, 1910 aber sogar 17! In einer Hohe von rund 2000 Fuß ist erst ^ie LttÜ.MlL.Kttrshe'iLrs, 4

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SrNtag, 89. April 1921.

Vermischtes.

* Ein Denkmal für einen Minnesänger. Von den wiffenschafilichen und literarischen Vereinigungen der Provinz Sachsen wurde die Errichtung eines Denkmal» für den Minnesänger Heinrich von Mor ungen, der Ende des 12. Jahrhunderts lebte, beschlossen. Las Monument soll auf den Ueberreiien der Moiungsburg bei Sangerhauien, in der nach neuesten Forschungen der Dichter geboren wuroe, erstehen.

* Zwei schwere ZirkuS-Unsälle. Im ZirkuS Busch in Berlin wurde der Stallmeister Philadelphia beim Betreten deS Elrp.,anten-SlalleS von einem ter Elrphanten gegen die Stallwand gediücki und erlitt tödliche Verlegungen. Während dec Vorstellung stürzte der Artist Max Sperling von einem 15 Meter hohen Gerüst, aus dem er da» Rad de- Schleifenfahrers hielt, in die Manege hinab. Er trug einen Schädelbruch davon und mußte josori nach einem Krankenhaus geschafft werden.

Die Garnison von heute. Das würtiembergische Städtchen Mergemqeim Halle früher ein Füsilier» baiaillon. Jetzt bekommt es wieder Garnison. Diese besteht aus einem Vizefeldwedel, einem Mann und zwanzig Brieftauben.

* Unangebrachte Begnadigungen. Ein vor einigen Tagen vorn Schwurgei icht in Stendal zum Tode bciuneiltet russlicher Kriegsgefangener, der in bestialischer Weise einen Kaufmann ermotöei und Dann betäubt hatte, wurde zu lebenslänglichem Znchkyausbegnadigt. Jetzt wurde ein Händler, oer auch einen scheußlichen Moid begangen Hal und

In der Mainacht sollen früher die Hexen ihr Jahrrss.st begangen Haden.

Die Leute glaubten, daß die Teufel unter den Men­schenkindern sich besondere Helfer auesuchten und mit ihnen ein Bündnis schlössen zur gemeinsamen Arbeit des Unheils.

Mir scheint, daß heutzutage die Höllengeister nicht erst auf Werbung auszugchen brauchen. Sie finden leider Freiwillige genug, die sich ohne weiteres heran­drängen zur Mitwirkung bei der sittlichen und leid­lichen Verderbnis der Menschheit.

Können wir verhindern, daß verirrte Menschen dem Teusel helfen? Rein, aber wir können dazu bei» tragen, daß auch die Schutzengel Helfer unter den Menschen finden.

Wo bleibt die Weiße Armee, die gegen die Rote Armee ter Höllenmacht aufmarschieren muß?

D, der Dienst in der Weißen Armee ist nicht schwer. Wer als Christ und Bürger redlich seine Pflicht tut und in Wort und Wandel ein gutes Bei- spiel gibt, ist schon ein braver Grenadier im Hilfs- Heer der Engel. Wer a(s Hausvater oder Familien- mu'tet tüchtig« Kinder erzicht, ist Offizier in dieser wahren Heilsarmee.

Helfet dm Schutzengeln: die Teufel haben leider Helfer genug!

neuem, und das tun die meisten nicht. Darum ist das Unglück in der Well so dauerhaft, weil die Men- schen sechst die Hauptfabrikanten des Unglücks find und ihren Betrieb nicht ändern wollen.

So erklärt es sich auch, daß dieses Jahr der kom­mende Mai nicht nach einem Wonnemonat, sondern eher nach einem Wehemonat aussieht. Schlechte Aus­sicht. Aber da klammert sich die Hoffturngsranke wieder an den schon erwähnten Spruch, daß es ost anders kommt, wie man denkt. Es find schon Leute begnadigt worden, als sie schon auf dem Schaffst standen.

Eine arme, besiegte Station muß schon zufrieden sein, wenn sie tn letzter Stunde das nackt« Leben rettet. 4 lange sie noch Atemlust und Waffer und Brot hat, kann sie immer noch abwarten, bis ein geistiger Mai amh die Mitmenschen neu macht.

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zum Tode verurteilt war, ebenfalls begnadigt. Beide Begnadigungen rufen wegen der Roheit beider Ver­brechen Entrüstung hervor.

Gefährliche Giftschlangen im Elsatz. Dr. Vogel» weid vom Straßburger Zoologischen Institut erben» tet« in der Nähe von Pfirt im elsäsischen Jura ein auf« fallend großes Exemplar der giftigen Vipera aspia, di«, noch gefährlicher als die Kreuzotter (Dipera beius), bisher auf dem Boden des Elsaß nicht beobachtet wor­den ist.

Alkohol ab Arznei. Seitdem Alkohol in den Vereinigten Staaten nur auf ärztliche An­ordnung verkauft werden darf, sind während des letz- ten Jahres nicht weniger als fast vierzehn Mil­lionen ärztlicher Sitte ft e eingereicht worden, di« für angebliche Patienten Befreiung von dem Alto» holverbot forderten. Es wurden 13 800 000 Atreste ausgestellt von 45 000 Aerzten, die sämtlich der Mei­nung sind, daß den von ihnen behandelten Kranken­der Genuß von Vier, Wein, Kognak oder Whisky zur Gesundheit durchaus unentbehrlich ist.

Girre bemerkenswerte Erinnerung.

/ Sn dem BuchDie Revolution des 16. Sahrhun- Jetts, verfaßt von Dr. Hohoff, dem namhaften kath. Sozialpolitik« und Geistlichen, der bekanntlich vor der fetzten Wahl von den Fuwaer Sozialistm fälschlich d» sozialdemokratischer Gesinnungsgenosse in Anspruch genommen wurde, finden wir ein Zitat aus einem Such des bekannten originellen Kultur- und Literar- Historikers Scherr, da» sich mit der Entwicklung In Deutschland dezw. Europa beschäftigt. Scherr starb im Vahre 1886; bas Zitat stammt aus den siebziger tzahren. 6» lautet:

.Alles aber erwogen, sagt Professor Scherr,muß bet Nihilismus als eine hochbedeuffame Erscheinung bet Kultur, unb Sittengeschichte bes neunzehnten Jahr- Hunderts bezeichnet werben. Er brieuchtet den Kuitur» chmakter ber zweite» Hätste tiefes Jahrhundert, »war sehr «riberroärtig und abstoßend, aber auch sehr wahr und ein- dringlich Er ist keineswegs mir eint Episode, keineswegs ent eine lokale Verirrung. Trotz feiner extrem-nMchen Gestalt hat er begründeten Anspruch auf tie Geltung einer europäischen Ericheimmg. Er ist tie logische Echlußsolge- Baus ber Voraussetzung vom KalangÄium (Mißbot-

, Gegensatz zu Evangelium Frohbotschaft) des Ma-

Ismus, weiche» tie Materialisten des neunzehnten Jahrhundert» den Materialisten des achtzehnten Jahr­hunderts nach ge plappert und mit wirklichen ober nermein*» Sichern Spezialüütswiffen neu eufgefüttert Hoden. Die rus­sischen NihÄfften waren nur frecher und schamloser, ober wenn «an will, mutig« und folgerichtiger, als es die Herren Materialisten auf Katheder« und m Bioisertonen, #» Kontoren und in Dürfen, in Pariamentrsölen und in .®«i<htsftuben im übrigen Europa sind. Da» ist ber ganze Unterschied. Also nur ein quantitativ«. Denn alle die an gedeuteten Sorten von .kolossal »ettganäb entwickelten Leuten arbeiten eifrig und ununterbrochen daran, den Mhllismus aus einem national-rusfffchen zu einem allge- wem-europöffchen zu machen. Ob wissentlich oder umviffmt. Lch das fft in Betreff des Ergebnisse» gong gleichgütig. Daß wenig ober nichts dawider zu machen, versteht sich non fefbft (!) Dos Unheil ist im Zug und mich seinen Lauf habe«. Denn wie es tn ber zweiten Hülste de, »origen Jahrhunderts geschah, so arbeit« nur viel umfas­sender, viel tiefer greifend und mit Dompftroft, in der zweiten Hälfte des unfrigen alles und alles daran, die Schleusen auszuziehen und die Dämme zu durchstechen, damit die europäische Simdstut ja wohl©ünöflut herein- rausche.*)

Am Schluffe seiner Geschichte des russischen Rihllis- mus sagt derselbe Autor:Spottet und lacht immer­hin des .Schwarzsehers. Ihr habt ja jetzt noch Zell und Stimmung dazu und er mag euch die Freude wohl gönnen. Der allgemeine europäische Um­sturz wird kommen, ihr mögt euere Kopse noch so tief in den Sandhaufen euerer Gedankenlosigkeit, Satthell und Leichtsertigkell stecken, federnlosr Strauße, bi« ihr seid!

Ser Geist der Revolution, d. h. die wahnwitzige VorstelUu^, mittels Vernichtung alles Be­stehenden ihr Los verbessern zu können, ist in dm Maffm wie noch nie, seit cs eine menschliche Gesellschaft gibt, und täglich, stündlich nimmt ein wil­der ZerstönmgstriÄ, an Ausdehnung, Vertiefung und Stärke zu.

Wer soll denn das Drohende beschwören oder abwenden?

Das Königtum? Ms ob es nicht das Gefühl bes Vogels auf dem Zweige hätte!

Die Aristokratie? Es gibt ja nur noch eine gemalte.*

Die sogenannte Dourgeosie? Eie Hilst mit khr« vom roilben Wirbelwind der Konkurrenz ent- fachten Ueberoroduktions- und Raffgier, mit ihrer moralischen Lässigkeit und ihrer politischen Feigheit den großen Gesellschaftskrach beschleunigen.

Die Wiffmschaft? Sie hat, obzwar selbstoer- stündlich gegen ihren Willen, zur Entgötterung und Vermalerialisierung des ganzen Daseins sehr viel beigetragen und folglich das Ueberhandnehmen roher Instinkte und das Sichbreittnachen brutaler Leiden­schaften mittelbar mitverschuidet. Dies« Instinkte und Leidenschaften gehören aber zu den wirksamsten He» beln des sozialen Um- und Gmndsiurzes. Außerdem ist die Wissenschaft dazu verdammt, dem Heere de» Sozialismus, Nihilismus und Anarchismus zahl- reich« Rekruten zu stellen, indem sie jahraus, jahrein studiertes Proletariat maffenhast schafft gerade tote der Kapitalismus dazu verdammt ist, mittels -ein«Förderung der Jtwustrie unstudiertes Prole- kreid massenhaft zu züchten.

Ein Fuhrmann fährt durch eine stockfinstere Nacht. Hai er noch wenigstens ein Lämpchen am Wagen? Dann sieht er ein oder zwei Schritte well. Mehr auch nicht. Das ist die menschliche Zukunflsweisheit.

Wenn der Mann einen regelrechten Weg mit ein­gefahrenen Gleisen vor sich hat, so kann cr von Glück sagen. Nun kommt aber ein Schneefall und belegt die ganze Gegend mit einer Decke von unheimlicher Eteichmaßigkell, die schon mehr als demokratisch ist. W:he dem, der dann vom festen Weg bes sicheren Pflichtbewußtseins abkommt! Dann kann ihm auch die Funzel am Wagen nicht mehr helfen und kein verbrauch von Streichhölzern. Wenn nur die dimkle Wolke endlich verschwände und der Mond aufgehen wollte! Dann konnte der Jrrsahrer sich doch wieder orienlitren und Richtungspuirkte gewinnen.

Don oben her muß das Licht kommen, wenn in schwierigen Zeiten der menschliche Sinn und Berstand versagt.

Der Christ ist kein wirklicher Christ, wenn er sich auf der Irrfahrt durch das Er? 'nieten nicht leichter zurechtsindct, als der Zweifler.

Unpolitische ZeitlLufe.

Bon Fritz «ienkemper.

BerU«, 26. April 1921.

Das wird uns ber 1. Mai bringen?

Ich weiß es nicht! Du auch nicht! Die Menschen halten sich gern für weise und wißen doch nichts. Nicht einmal das Wetter für morgen können sie mit Sich«heit erraten. Don übermorgen gar nicht zu reden.

.Dir tappen im Dunkeln und fahren ins Uitge» frufe- ®s kommt meistens ganz anders, wie man vE Da» ging mir wieder einmal durch den Kopf, ÜrJ? <un Sonntag bei der Zentrumsfraktion des oewfchen Reichstags Kasseler Rippespeer mit Erbsen tmb Sauerkohl atz zur Fei« des goldenen Jubi»

Dor 50 Jahren war ich auch schon großjährig luw halte schon recht nette Zeugniffe derReife auf geb^lgem Papier. (Nachher habe ich freilich all­mählich wieder eingesehen, daß man außerordentlich .?'nKr Lunge bleiben kann.) Wenn ich 1 .Vlv alsWahrsager wunderbar aufgetan HÄte, wie schlecht wäre ich dabei gefahren! Konnte man Damals djnen, daß die wunderbar aufblühende Katserherrlichkellnach 50 Jahren in Schutt und Trüm- mer liegen wurde und das deutsche Volk ine Klage- Keder des Jeremias singen müßte? Wer das pro» phezeit hatte, warr als Hochverräter ins Zuchthaus seschickt worden. Und aus der andern Selle: wir 'waren ja alle fest ubc^eud .daß die neue Zentrums- Partei trotz d« feindlichen ^rhöhmrng groß und stark werden wurde, aber wir hatten im kühnsten Traume nicht zu denken gewagt, daß im Jahre 1921 der Reichs- Ml« ein Zentrumsmann und der preußische Mini- sterprasident vberffaBs ein Zentrumsmann fein würde Der so rtwas prophezeit hätte, würde zur inneren Be­sichtigung des Irrenhauses eingeladen worden sein.

Dir sollen allzumal Mitarbeiten in der Schmiede der Zukunft. Millionen von Händen wirken und wursteln durcheinand«, wie di« Ameisen in ihren Haufen. Ich vermute ober, daß die Ameisen über do, Endergebnis bester im klaren sind, als die verworren« Menschheit. Was bei dem ganzen großen Getue schließlich h«auskommt, weiß mir der Meister da men. Die Menschen sagen w'.r der protzige Berliner w. (Machen wir!), aber sie sollten lieber sagen: w. wir warten! Abwarten müßen wir. 1

(Die verschiedenen protestantischen Kirchen? Die kranken ja samt und sonders an unaushallsamer Selbstzersetzung.Die griechische Kirche? Das hieße Trieb, Kraft und Wirkung erwarten von einem Petrefact (Stein?."

Der Staatssozialismus? Der legale Sozia- lismus wird nur dazu dienen, die Illusionen und Ge­lüste des illegalen zu steigern und zu stacheln.

Also gäbe es keinen der herandrohenden Sint­flut enlgegenzustellenden Damm mehr?

Doch, einen gibt es vorerst noch. Die deutsche Armee. Alles andere ringsum in Europa ist frag­würdig, unzuverlässig und haltlos. Solange das Gefüge, die Manneszucht und Gehorsam des deutschen Heeres standhalten, wird das Verderben aufzuhalten fein.

Nur f 0 lange? Nach menschlicher Voraus­sicht, ja, gerade nur so lange. Wir treiben dem Kommunismus zu. Daß alle bislang zeitweilig und örtlich angestellten Versuche kläglich und schmäh- lich mißlungen sind, Hal zwar nichts zu sagen. Die Menschheit hat daraus nichts gelernt Die tieute wol­len ja bekanntlich nicht belehrt und bekehrt, sondern belogen und betrogen sein. Är plumper der Schwin­del, desto mehr Gläubige. 2e toll« der Wahnwitz, desto allgemeiner die Abstimmung. Je gemeiner di« Post«, desto lauter der Beifall. Die Poste des K 0 m- munismus wird in Szene gehen, um zu dem furchtbarsten Trauerspiel auszuschla­gen, welches die Welt gesehen. Wird das- selbe die Gesellschaft batbarifkren oder wird es sie läutern wer weiß es? Die Mamte moderne Zi- vilisation arbeitet aber mit allen Kutteln und Krästen, mit ihrem Dünkel und Größenwahn, mit ihrer skru- pelfreien Erwerbshast und ihrer zügellosen Genuß- sucht auf dieses Trauerspiel hin. Schwn darum, weil sie des Industrialismus schlechterdings nicht mehr ent­behren kann, sondern viel mehr gezwungen ist, die Riefenglieder des Molochs, welcher den Menschen zum Sklaven der Maschine und zum Spielball der Speku­lation entwürdigt und uriersätttich die glühenden Erz- arm« nach üttyriaden von Opfern ausstreckt, so ins Maßlose zu dehnen, daß die Derzweislung zufftzt den Wutgedanken gebären muß, den Koloß von Götzen zu zenrümmern. Wer feheiLe Augen hat und damst sehen will, kann Vorhersagen, daß an des neunzehn­ten Jahrhunderts Neige ein Revolutionskrater sich auftun wird von einem Umfang, einer Tiefe und einer Ausbruchsgewalt, womit »«glichen die Eruption von 17891794 nur wie ein harmloses Feuerwerk er» scheint.

Hohoff macht dann folgende weitere Bemerkungen:

Auch die katholischeKirch«, meint Scherr, könne die Kalostrophe nicht oerijüten; denn sie habe ja selbst m denkothoch'chen" Ländern, wo siefrei war undherrschte, in Fnonkieich, Italien, Spanien, Oesterreich, Polen und Ir­land, den revolutionären Geist nicht zu bannen vermocht, ja, nicht einmal im Kirchenstaate.

Dazu bemerkt W. yohoff:

Allerdings sind auch wir ter Ansicht, daß nach mensch­licher Voraussicht unter ben gegebenen Verhält­nissen die katholische Kirche denDrachen ter Revo­lution nicht besiegen wird, bevor nicht di« Völker durch furchlbnre Schläge gestraft und belehrt worden sind. Ader nicht an der Kirche liegt es, bah sie nicht Helsen kann", [ontecn an ten Menschen, die sich nicht wollen helfen kiffen. Der tüchtigste Arzt, die heilkräftigst« Medi­zin, bi« test« und wirksamste Kur kann den Kranken nicht gesund machen, wenn er bie Arznei verschmäht oder eine Lebensweise führt, tie alle Erfolge ter Kur vereiteln muß. Die katholische Kirche war in ten letzten Jahrhunderten tn- gends völligfrei , sie hat nirgendsgehecc!

berat etwa im Kirchenstaat. Wenn sie auch diesen schließ­lichter Revolution hat überlassen muffen, so tft das be­greiflich und naliiriich genug. Denn, wenn in ganz Europa eine geistige Pest wütet, barm ist es unmöglich, ein ein- zeines Land vor der Ansteckung zu bewahren. Kein Haus­vater kann feine Wohnung gegen Feuersgeftchr und bas Leben seiner Angehörigen vor Verderben schützen, wenn die Stadt an allen Ecken brennt oder bie ganze Lust mit Ansteckungsstoff gefüllt Ist. Doch nicht den Hausvater trifft die Schuld, sondern diejenigen, welche den Brand entzün­deten, ihn ftiürten und ihn jotteos um sich greifen ließen, welche es veranlaßten oder doch nicht hinderten, daß gift« schwangerer Ansteüungrstoff sich entwickelte und ausbreitete, während rechtzeitig ergriffene Vorsichtsmaßregeln das Un­heil im Keime hätten unterdrücken timten. Der Lide, ralismus wird ernten, was er gefäet hat.

Scherr hat also vorausgefehen, was kommen mußte, wi« übrigens auch viele andere. Ater der schwäbische Demokrat wußte kein Mittel gegen diese Entwicklung und sein« Hossnung auf das deutsche Heer mußte sich natürlich als trügerisch erweisen, als

Hus dem Nachdargediel.

-x- Jaffa, Kr. Fulda. Am 27. April konnten btt Eheleute Christian und Agnes Rützel von hier in körperlicher und geistiger Frische ihre golden« Hochzeit feiern. Bei dem FestgoiLesdienfte, zu tem sich nicht bloß die Kinder, Enkel und Anverwand­ten des Jubelpaar«, sondern auch fast die ganze Gr- meinte eingesunden hatte, beglückwünschte der hochw. Herr Pfarrer Sienenmb mit herzlichen Worten das Lutelpaar und gab den Erfühlen des Dankes und der Freute Ausdruck, welche das Jubelpaar an feinem Ehrentage «füllten. Eure häusliche Feier schloß sich an bfe kirchliche. Don der großen Beliebtheit ter Ehe­leute zeugten die vielen Glückwünsche von Nah und gern. Auch ter Hochw. Herr Bischof hatte in einem Schreiben dem Jubelpaare Glückwunsch tmb Dischös- lichen ©egen gesandt. Möge dem Jubelpaar noch ein glücklicher ßebensabenb befchieden sein!

fpz. Frankfurt a. M. Ter mietnatienale Verband der Köche feierte gestern das Fest seines 25jahrigen Bestehens und verband damit Die Eröffnung einer Lehrküch« für Jugend, junge Frauen und für Aerzte zur Herstellung von Diät persen.

mc. Von ter Sah«. Allenthalben klagt man hier über die Elsterplage. Nicht nur, daß der räuberitche Vogel Singvögel vertreibt und die Jungen f'itzt, auch die Baumblüien reifet er ab und daS junge, kaum er 1 proffene Grün. Noch vor einem Jahrzehm gehörte dre Elner in hiesiger Gegend zu Den seltenen Vögeln, hat sich aber nun so :ehr stark vermehrt.

---- Jena. Noch einer! GÄegemlich einet Versammlung im großen Dolkshaussaale, dem Herr- lichm Werke tes Philantropen Ernst Atee, erklärte tet UnioetMsptoftffor Di. Preu fe-Ertangen, daß dieselben Mächte, die der Luther-Refotmation feind­lich gegenübcrstanden, auch heute noch am Werke seien. In Süddeutschland, woher er komme, könne man ein Lied davon singen. Rom und die listigen, verschlage- nen Jesuiten hatten es ihm besonders angetan. Der Dortrag des Herrn Universitätsprofeffors, der mit et- nom Sprachfehler behaftet ist, war fj monoton gehal­ten, daß viele Anwescnde schliefen oder lange vor Schluß den Saal oerli-ßen. Die Jubiläumsreücn scheine» sich, wenn man sich an den Kasseler Fall er­innert, ziemlich ähnlich zu sein.