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T-»n«rSta«, 28. April 1921.
Fuldaer Zeitung
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Die päpstliche Friedensattion 1917.
Das Interesse weiter Kreise wird dauernd durch diese Aktion oom Juli 1917 gefesselt, weil ja auch tat. fichlich damals dir letzte G-tegeicheit für die Rettung Deutschlands aus dem Zusammenbruch geboten worden ist . Jetzt hat Philipp Scheidemann in einer Broschüre „Papst, Kaiser und Sozialdemokratie in ihren Friedensbemühungen im Jahre 1917" (Verlag für Sozialwissenschaften) neues Material zu. samnrengelragen, das uns von gutürformierter Seite als absolut authentisch bezeichnet wird.
Danach hat der damalige Reichskanzler Michaelis ausdrücklich erklärt, daß er die päpstliche Frie- densaktion „dilatorisch" behandeln wolle, d. h. die Sache zu verschleppen trachte, um sie nicht zu erfolg« reich werden zu lassen. Daneben war der Vatikan über die vom Ihm verlangte Erkläräung bezüglich B e l- »lens fortdauernd hingehalten worden lnü schließlich wurde eine Erklärung abgegeben, mit der der La- tikan nichts anfangen konnte, sodaß er seine Friedens» iktion als gescheilert betrachten mußte.
Aus dem Material ergibt sich, daß di« Feststcllun- gen, die vor kurzsm Erzberger in Erwiderung aus einen Aufsatz des Jesuitenpaters Leiber in den „Stimmen der Zeit" gemacht halte, durch diese neuen Dokumente vollkommen bestätigt werden. Erst nach b:r Friedensrcsolutwn des Reichstages HÄ diese päpstliche Friedensbemühung richtig eingesetzt. Leiber aber, der nur von dem ersten Schritt des Vatikans wußte, glaubt das Scheitern auf die damaligen innerpoliti- schen Vorgänge des Juli 1917 zurückführen zu sollen. Rach den Dokumenten sind aber erst im August und September die entscheidenden Schritte des Vatikans erfolgt, und noch am 21. September machte der Papst einen jetzt en Versuch.
Wir können hinzufügen, daß auch dieses Material immer noch nicht vollständig ist. Scheidemann er» Aärt, daß schon die damaligen dürftigen Mitteilungen Erzbergers in Weimar wie eine Sensation gewirkt hätten. Das von Scheidcmann beigrbrachte Material ergänzt das Bild nun in wesentlichen Punkten. Wir wissen aber, daß noch weiteres, aufsrhenarr^rndes Material über diese Ding« vorliegt, das nur aus bestimmten politischen Rücksichten, wie vor allem auch mit Rücksicht auf noch lebende und damals beteiligte Per- iönlichkeiten im gegenwärtigen Augenblick noch nicht der OessenttichkeU übergeben werden kann.
Hus -em Nachbargebiet.
— Aus dem Vogelsberg schreibt der „Schl. Bote": Eine alte Einrichtung unserer Gegend, das sog. E r st. geburtsrecht, wonach der älteste Sohn das ganze väterliche Gut erbt, die übrigen Kinder aber mit Geldsummen abgefertigt werden, scheint durch den neuen Geist, der gleiches Recht sür all« fordert, stark ins Wanken geraten zu sein, zumal das Geld einen sehr ^ringen Wert hat, Gebäude, Vieh, Ackergeräte und Land ungeheuer im Werte gestiegen sind. In un- serer Gegend ist es deshalb in neuerer Zeit schon hier und da vorgekommen, daß die jüngeren Geschwister ihr Anrecht am väterlichen Gut verlangten und eine gleiche Teilung forderten, wie man es in den tiefer gelegenen Kreisen unserer Provinz schon immer hatte. Da manche Eltern nicht gutwillig darauf ein« gingen, nahmen die Kinder mehrfach das Gericht in Anspruch.
----- Aus der bayerischen Rhön. Mchrere Rhön- gemeinden hatten im vorigen Winter großen Wildschaden zu beklagen. Di« Forstabteilung des Finanzministeriums beantwortete die Vorstellun- gen des Abg. Dr. Probst u. a. dcchin, daß die int letzten Winter in Unterfranken in größtem Maßstabe durchgeführtcn Vekämpfungsmaßimhmen einen Ko- stenaufwaild von rund 330 000 M verursachten, was das große Interesse der Staatotforstverwaltung für den Schutz der Landwirtschaft beweist. Im Forst, bezirk H a s s e n b a ch wurden im abgelaufenen Win- ter 4 Polizeijagden abgehalten, wobei mchrere Sauen und ein Hochwild zur Strecke kamen. Die Schwarz- wildbekämpsung erforderte in diesem Bezirk allein 17 300 M Kosten. In Nüdlingen wurden seit 1. Oktober 1920 auf der forstlichen Eigenjagd 2 Sauen und auf der Gemeindejagd eine erlegt. Seit Beginn der planmäßigen Schwarzwiidbekämpsung im Sommer vorigen Jahres wurden auf der Gemeindejagd Nüdlingen 6 Sauen abgeschossrn. Di« Forstabteilung versichert, daß die weitere Bekämpfung des Schwarzwildes mit allem Nachdruck fortgeführt wird.
Der König der Dolomiten.
Bolksroman von Felix Rabor.
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Erst als er am Brüchen feines Kindes in dessen un. schuldsoollen Himmelsaugen sah, al« Gina ihn mit hcl- fern Lächeln grüßte, wich der Schatten und er hatte einen festen Händedruck für Gina und einen freudigen Kuß für den Knaben.
„Mein Leben und all meine Kraft gehört fortan meinem Sohn", sagte er und es klang feierlich wie ein Schwur.
„So ist's gut," erwiderte Gina. „Sei ein Ueberwin- der!" Vergiß, was hinter Dir liegt und fang ein neues Leben an — ein Leben in Arbeit für die Heimat und in Liebe für Dein Kind. Das walte Goll."
Dann ging sie, denn es zieme sich nicht, daß sie un. ter einem Dach mit ihm wohne. Er fühlte, als sie fort war, sich einsamer als je — und der Schatten verfolgte ihn wieder auf Schritt und Tritt Um ihn zu vcr- treiben, stürzte er sich mit aller Macht auf die Arbeit. Ader auch sie machte ihn nicht froh: cs fehlte die liebe Hand, die ihm die Sorgen von der Stirne strich und ihm den Balsam des Trostes ins Herz träufelte.
Als der Winter kam und der Schnee einen Wall um Haus und Dorf baute, vermehrte sich seine Qual noch — ex baute auch eine Mauer um sein Leben und die grauen Wölfe der Sorge fuhren ihm an die Kehle. Er verlor alle Freude am Leben und wurde in jungen Jahren zum müden Greis.
Doll Kummer sah sein Vater diesen Verfall; ihm bangte um Michaels Zukunft und er suchte ihn von feinen Qualen zu erlösen, wollte ihm helfen, ein neues Glück zu bauen.
Eine, Tages, als der kleine Franze! leicht erkrankt war, holte der Richter Schwester Gina in die Schmiede. Wie durch gütige Zauberei wurde der Knabe gesund — und Michael freute sich herzlich darüber, hatte zum er. ften Mal ein frohes Lächeln. Und als sie am schnurrenden Kachelofen traulich beisammen saßen, sagte der Richter: „Geht's Kinder und quält Euch nicht unnötig. Dös muß ja a Blinder sehen, daß ös zwoa einander gut seid. Da ist's G'scheiteste, Ihr gebt Euch d' Händ and werdet a Paar. Man muß im Leben über manchen Stein steigen, gell, Gina, und d-vm mein' ich. Du solltest alles vergessen, war Dir der Bna früher 'tau
Rechensch aftsbericht
des
Vorstandes der Fuldaer Actiendruckerei
über das
Geschäftsjahr 1920.
Die schwierigen Verhältnisse, die die Kriegsund Nachkriegszeit im Buchdruck- und vorab im Zeitungsgewerbe geschaffen haben, blieben auch im Geschäftsjahr 1920 noch stark fühlbar.
Unser Betrieb war im ersten Halbjahr gut beschäftigt. Im Spätsommer hatten auch wir voi übergehend unter der rückläufigen Wirtschaftslage zu leiden. Dagegen gestaltete sich der Geschäftsgang ab Mitte November wieder sehr rege.
Die Fuldaer Zeitung hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen festen Bezieherstand von 15—16000 Stück. Herstellung und Versand konnten sich unter normaleren Verhältnissen vollziehen. Wir waren in der Lage, unseren Lesern wieder „mehr Papier" liefern zu können. Der Bezugspreis (Mk. 9.— für das Vierteljahr) ohne Bestellgeld ist seit Juli 1920 nicht erhöht worden. Es darf gesagt werden, dass die Fuldaer Zeitung als die billigste Tageszeitung im weiten Umkreis anzusprechen ist. Die jetzt (April 1921), nach dem Urteil von Fachleuten ganz unberechtigte Erhöhung des Preises für Zeitungspapier von 3 auf 3,60 Mk. und Fortfall der seitherigen Rückvergütung von 87 Pfg. p. kg. (Gesamterhöhung also p. kg. 1,47 Mk.), bringt das Zeitungsgewerbe in eine überaus schwierige Lage. Der Zeitungsleser darf sich deshalb nicht wundem, wenn demnächst eine allgemeine Bezugspreiserhöhung Platz greifen wird. — Die ab 1. Januar 1920 neu erscheinende Wochenbeilage „Buchenblätter“, die sich die Pflege der Heimatliebe zum Ziel gesetzt hat, fand den ungeteilten Beifall unserer Leser in Stadt und Land.
Der Bonifatiusbote erfreute sich im Berichtsjahre einer gleichbleibenden Bezieherzahl von 22—23000. Auch ihm konnte mehr Papier, vornehmlich für seine wieder aufgelebten Beilagen „Ratgeber für Landwirtschaft“ und „Volksfreund“ zur Verfügung gestellt werden. Für die katholischen Pfarreien Cassels erscheint der Bonifatiusbote als Gemeindeblatt unter dem Titel „Elisabethblatt“ in einer Auflage von 3000 Stück.
Unsere Akzidenzdruckerei war im Durchschnitt gut beschäftigt und auch die Verlagsabteilung hatte normalen Geschäftsgang, insbesondere vollzog sich das Kalendergeschäft in glatten Bahnen, wenn auch bei unlohnenden Preisen.
Die hohen Preise für Papier usw. verlangten ungewöhnliche Barmittel und wir mussten durch Aufnahme einer Hypothek von 150000 Mark weitere Betriebsmittel beschaffen. Daneben mussten wir noch erheblichen Bankkredit in Anspruch nehmen.
Im Personalbestand sind wesentliche Veränderungen nicht eingetreten; der Gesundheitszustand war erfreulicherweise recht gut Den teueren Zeiten Rechnung tragend, wurden Löhne und Gehälter wiederholt wesentlich erhöht
Für den Rechnungsabschluss schlägt der Vorstand der Generalversammlung vor, neben den üblichen Abschreibungen eine Extraabschrift in Höhe von zusammen 8158 Mk. vorzunehmen und eine 5%ige Dividende (600 Mk. von 12000 Mk. Aktienkapital) zu genehmigen. Für dringend notwendige Umbauten (Schaffung von Räumen für die Geschäftsstelle) sollen als anteilige Kosten 23500 Mk. in Reserve gestellt und 10 000 Mk. dem Unterstützungskonto zugeführt werden. Der verbleibende Gewinnrest von 112,79 Mk. soll auf neue Rechnung vorgetragen werden.
hat, drum laß ihn wieder z' Gnaden kommen. Drin schönen Beruf in allen Ehren, aber 's Ist halt doch a oanschichtiges Leben als Schwester, besonders wenn oanz so a heiße Liebe im Herzen hat wie Du. Der Michael braucht a liebe Hausfrau — und der fioane Bub a Mutter — und die beste Frau und Mutter bös wärst halt Du, Gina . . .**
Gina errötete und warf einen scheuen Blick auf Mi. chael, dessen Gesicht sich verfinsterte . . . „Die Sache ist nicht so einfach, wie Ihr denkt," erwiderte sie. „Der Michael hat mich schon einmal sitzen lassen — vielleicht," fügte sie mit heimlicher Schelmerei hinzu, „tut er'» ein zweites Mal."
„Aber gewiß nit, Gina," rief Michael eifrig. „Verzeih mir den Dummenjungen-Streich. Dös war'« Dümm. ste, was ich mein' Leben ’tan hab. Ich Esel hab damals nit g'wußt, was für a Perle ich weggeworfen hab."
„Geh," lächelte sie schalkhaft, „tu mich nur nit gar zu arg loben, sonst werd ich noch übermütig — und dann wird der Haken noch viel größer —"
„So ist's," nickte er ihr zu. „Du stehst z' hoch über mir, und ich bin Deiner nit wert."
„0, so hab jch's nit g'meint," rief sie hastig, „g'witz nit —"
„Aber ich mein's so," bekräftgte er. „Meine Schuld ist z' groß, ich bin Deiner nit würdig —"
„Geh," rief der Richter unmutig, „was setzt Du Dir jetzt für Raupen in den Kopf. A Weib, bös an Mann von Herzen gern hat, verzeiht a von Herzen. Ist's nit a so, Gina? Da, schau Dir's Möbel an, wie's glüht. Ich glaub, die spricht'- Absoloe schneller als Du denkst." Gina lächelte versonnen, aber Michael schüttelte den Kopf „Es steht halt noch was anderes zwischen uns, Vater", sagte er, „der Schatten von mein' toten Weid. Eh der nit verjagt ist, hob ich koa Ruh nit--Seht'»
an den zwoa Händ' Li klebt Blut, die hoben an Mord begangen — eh die nit reingewaschen sind, kann ich sie nit einem reinen Weib reichen. Ich mutz dös Blut abwaschen durch a gute Tot. Ich muß meine Schuld büßen nit bloß vor den Menschen, sondern a vor Gott und mein' G'misscn. All' habens meine Sund g'sehen, all' müsien's a mein' Buß seb'n —"
„Aber Michael," rief der Richter erschrocken über diese Zweifel und dieses Grübeln, „Du hast doch dei' Straf abg'kesien und bei' Vergehen büßt — was willst denn noch mehr?* — '
Verzeichnis von Neuanschaffungen der Landesbibliothek za Fulda
ans dem Jahre 1920 21.
L Allgemeine Wissenschaft sku >. Buchwesen.
Arens, B.: Das Bach, kreid. 1920.
Bibliographie der deutschen Zeitschriften- Literatnr. L. - Bd 44—45 für 1919, 1920-21.
Biitter für Volksbibliotheken. L — Jg L 1920.
Centralblatt für Bibliothekswesen. L. — Jg 37. 1920 und Beih. 48. 1920.
Centralblatt, Literarisches, für Deutschland. L - Jg 71. 1920.
Erman, W.: Weltbibliographie u. Einheitskatalog. Bonn n. L. H19.
Forschnngsberichte, Wissenschaftliche. — Gotha. 5. 1921.
Gardthausen, V.: Wissenschaft!. Bibliothekskunde. I* — Bd 1—2. 1920.
Hinrichs Halbjahrkatalog der erschienen.Bücher. L — 243-44 für 1919, II u. 1920, L
Hochland . . . hrsg von Muth, Mch. u. Kempten. Jg 18, 1. Halbj. 1920—21.
Jahrbücher, Preussische. B. — Bd 178—181. 1919-20.
Katalog der Büchersammlung Leopold Hirschberg.
B. 1920.
Krieek, E.: Die Revolution der Wissenschaft. Jena 1920.
Kunstwart und Kulturwart Mch. — Jg 32—34, 1. Vj. 1918-20.
Literatur, Die schöne. L — Jg 21, 1920.
Minerva- Jahrbuch der gelehrten Welt Strassb. - Jg 24. 1920.
Monatshefte, Süddeutsche. L. u. Mch. Jg 17, 7—12 und Jg 18, 1—4.
Monatshefte, Velhagen u. Klasings. B. Jg 84, 4. Vj. u. 85, 1 -2. Vj. 1920-21.
Rundschau, Deutsche. B. — Bd 183—186. 1920-21.
II. Geschichte. Kulturgeschichte. Biographien.
Appens. W : Die Nationalversammlung zu Frankfurt a. M. 1848—49. Jena 1920.
Archiv, Neues.... für filtere deutsche Geschichte. — Hann. L. - Bd 43, 1921.
Auslandsdeutschtum. Ein Wegweiser durch die über das Deutschtum im Ausland erschien. Drucksachen. B. 1920. —
Avenarius, F.: Das Bild als Narr. Mch. o. J.
Benary, F.: Zur Geschichte der Stadt und der Universität Erfurt Gotha 1919.
Bericht über die Fortschritte der Röm.-Genn&n.
Forschung. Frank?. — 11 für 1918 — 19, 1920.
Bloch, L.: Röm. Altertumskde. L. 1906.
Braun. 0.: Aus nachgelassenen Schriften eines Früh vollendeten. B. 1920.
Burckhardt. J.r Geschichte der Renaissance in Italien. Essig. 1920.
Caspar, E.: Pippin u. die röm. Kirche. B. 1914.
Dietfenbacher, J.: Deutsch. Leben im 12. u. 13. Jh. L 1-2. 1918—19.
Eckard stein, H. F. v.: Lebenserinnerungen. L — Bd 1-2. (1919-20.)
Egelhaaf: Politische Jahresübersicht Stuitg. — Für 1918 n. 1919. 1920.
Amtliche Anzeigen.
Verordnung
zur Dar-führavg des Artikels 238 bei Friedens- Vertrages oem 6. April 1921.
Huf Grund der Vorschriften des Gesetzes über Enteignungen und Entschädigungen aus Anlaß des Friedensvertrages zwischen Deutschland und dm alliierten und assoziierten Machten vom 31. August 1919 (Reichs-Gesetzbl. S. 1527) und de» Gesetzes Mir Durchführung der Artikel 169, 192, 202 und 238 des Fmedensoertrages vom 26. März 1921 (Reichs^Ssfetzbl. 6. 448) wird von der Roichsregie» nmg folgende, verordnet:
§ 1. Gegenstände aller Art, insbesondere Tier«, Ma- schinenleüe, industrielle und landwirtschaftliche Gerät«, Zu- bchövleike dieser Geräte, ruhenbes Eisenbahnmatenal, Fürßschrfsahrlsmatsriat, Transportmaterial, Rohstoff«, Mö. del und sonstige Einrichtungsgegenstände, Teppiche (Gobelins), Ktmstgegenstönde, Silberzeug, Gemälde, Schmuck, Bücher, Dormnente, Korrespondenzen, Wertpapiere usw., die in den von den Truppen der Zeutratmöchtr besetzt ge- tDefenen Gebieten Frankreichs, Betgien», Polens, Rumä-
„Ia, Vater, vor'm G'setz bin ich reing'waschen, aber nit vor mein' «'wissen. Dös ruft mit Tag und Nacht zu: Mörder! , . . Und eh die Stimme in meiner Brust da drinnen nit schweigt, eh sie nit verstummt vor einer großen guten Tat, kann ich tonne Ruh nit finden. Oes zwoa habt'» mir verzieh'n, dös woatz ich; aber andere denken ander» — und wenn da oaner kommen tat und sagt zu mein' Weib: er ist halt doch a Mörder — schau, dö» könnt ich nit vertragen. Und darum nehm ich die schwerste Buh auf mich — um Ginos und um meine» Buben willen. Die zwoa soll kein» mit scheelen Augen ansehn, die zwoa soll koaner verachten — bös wär a Schotten in uns'rer Eh', wär a Flecken auf meiner Ehr. Ich kenn koa größere» Glück, al» mit Dir in der Eh' zu leben, Gina, aber ich bitt dich, laß mir Zeit, bi» ich mich selber wiedergefunden hab, bis ich a gute Tat verrichten kann, die mich rein wäscht vor mein' G'wiffen und vor mein' Herrgott. Wenn ich 's soweit 'bracht hab, nach- her will ich Dir mit Freud'n mei’ Hand geben sür's Le. den. Ist dir'» recht so,"
„3a, ja", rief Gina, überwältigt von seiner Größe, und drückte, ehe er es zu hindern vermochte, ihre Lippen auf seine Hand. „D Michael," fuhr sie begeistert fort, „was bist Du gut und edel. In meinen Augen bist Du rein, ich seh kein Blut an Deiner Hand. Aber ich ehr' Deinen Willen, und so soll's sein, wie Du sagst."
Sie drückten sich fest die Hände und fühlten sich eins im Herzen. Auch ohne daß sie sich öffentlich verlobten, schlossen ihre Seelen den heiligen Bund: den Bund der Treuel —
Der Winter ging und der Frühling kam. Im lauen Winde schmolz der Schnee und die Sonne leckte an den Gletschern und an den eisgepanzerten Gipfeln. Da ging ein Donnern durch die Berge und die schlimmste Zeit Hub an: im Lawinenbonner ging der Tob durch die Dolomiten.
Da litt es Michael Pallanta nicht mehr in der Schmiede und am Amboß. Er stellte einen Gehilfen ein und trat vor seinen Vater. „Ich halt'» nit mehr aus in der Schmiede," sagte er. „Der Geselle mag die Arbeit tun, führ Du die Aufsicht. Gina mag den Buben be- treuen — ich aber geh <n die Berge. Dort drohen jetzt den Bergsteigern hundert ®«fahren, und manches Men- schenleben kommt in Todesnot. Drum will ich hinauf zum ®reu5 am Firn hort werb' ich Erlösung finden von
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niens, Serbiens und Italiens während der Defetzemg de» Berechtigten durch behördlichen Zwang entzogen oder rechtswidrig sortgenommen oder gefunden worden und bis nach Deutschland verbracht worden sind, sind vom Inhaber bis zmn 1. Juni 1921 bei der Reichs rücklieferungskommss. sion, Berlin W 9, Potsdamerstr. 10-11, unter Benutzung ber von letzterer herausgeaobenen Vordrucke anzumelden.
Zur Meldung verpflichtet ist ferner, wer derartig» Gegenstände innegehabt und sie anderen überlass m, zerstört oder ins Ausland gebracht hat.
Für Gegenstände, die bereits auf Grund der Beroch- nung über die Rückgabe der aus Belgien und Frankreich entfernten Maschinen vom 28. Mürz 1919 (Reichsgesetzblch S. 349) oder der Bekanntmachung vom 6. September 1919 über di« Rückgabe von Gegenständen, bk aus den von deutschen Truppen besetzt gewesenen Gebieten stamm en (Deutscher Reichsanzeiger Nr. 275 vom 1. 12. 1919), schriftlich gemeldet worden sind, ist keine neue MeDung zu erstatten.
§ 2. Die noch § 1 der Anzeigepflicht unterfiegenben Gegenstände werden hierdurch beschlagnahmt.
Die Beschlagnahme hat die Wirkung, daß ohne Zu- sthnmung der Reichsrücklieferungskommission die Dor- nähme von Veränderungen an den von der Beschlagnahme betroffenen Gegenständen, auch von Ortsveränderungen, verboten ist und rechtsgeschäfttiche Verfügungen über sie verboten und nichtig sind. Den rechtsgeschäftl^chen Verfügungen stehen Verfügungen gleich, die im Wege bet Zwangsvollstreckung oder Arrestvoltziehuna erfolgen.. Di« Beschlagnahme endet mit dem freihändigen Eigentums- erwerb durch dos Reich, mit der Enteignung oder mit bei Freigabe.
Die Inhaber der beschlagnahmten Gegenstände sind verpflichtet, sie oufzubewahren und pfleglich zu behandeln insbesondre alles zu unterlassen, was die Minderung ihres Gebrauchswertes zur Folge haben könnte; die Reichsrück- lieferungskommission kann die Benutzung der OegenftäntM verbieten.
§ 3. Die Beisitzer ber in § 1 bezeichneten Gegenstände, sowie die Inhaber von Urkunden und sonstigen Schriftstücken über die Eigentums- und Desitzoerhältnisse an diesen Sachen sind verpflichtet, sie herous^ugeben, Insbesondere sie nach Maßoabe näherer Vorschriften ber Reichsrück- lieferungskommission zu überbringen oder zu übersenden. Wich die Herausgabe oder die Uebsrfendung verweigert, so sind auf Ersuchen der Reichrrückliefsrungskommifsion die Sachen und Urkunden dem Besitzer oder Jichaber im Wege des Derwaitrmgszwanges nach Maßgabe ber ton» desrechtsichen Vorschriften fortzunehmen und bec Reichs- rückliefenmoskommission zu übergeben.
§ 4. Wer vorsätzlich den Vorschriften dieser Perord- mmg zuwiderhandelt, wich mit Gefängnis bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu ein hunderttausend Mark oder inst einer dieser Strafen bestraft, sofern nicht nach allgemeinen Strafgesetzen eine höhere Strafe verwirkt ist. Richten sich die Zuwiderhandlungen gegen bie auf Tiere, Kunstgegenstände, Silberzeug. Gemälde, Teppiche (Sobelins) ober Wertpapiere bezüglichen Vorschriften, so tritt Gefängnisstrafe nicht unter einer Woche und Geldstrafe nicht unter eintausend Mark ober eine dieser Strafen ein.
Ist die Tat durch Fahrlässigkeit begangen, so tritt Geldstrafe bis zu zehntausend Mark ein.
§ 8. Die Verordnung tritt am 15. April 1921 tn Knast. Berlin, dm 6. April 1921.
Dl« Reichsregierung. Dr. Heinz«.
Oeffentliche Bekanntmachung
betreffenb Rückgabe von Gegenständen auf Grund bet Verordnung zur Durchführung des Arsikels 238 des Arie, deusveclrages oom 6. April 1921 (Relchs-Gesehbll Nr. 444
§ 1. Die Anmeldung ist für jeden Gegenftanb ach «nMchen Vordrucken zu bewirken: Anweisung über die Art der Meldung ist jedem Mekdesormular beigefügt. Die benötigten Vordruck« liefert die Reichsrückliefeningskommis» sion (Meldestelle) unentgeltlich auf Anforderung. Auch solche sind von den Stadt-, Gemeinde» und Kreisbehörden zu beziehen. Stodtschloß, Zimmer Nr. 1.
§ 2. Für alle Gegenstände ber hn § 1 ber Dervrd, mmg genannten Art, die durch kvregswirtfchaftlich« Organs, sation verteilt worden sind, gelten zunächst die bei ber ReichsentschLdiffungskommrssion gesammelten Aufnahme- bogen als Anmeldung. Es bleibt aber Vorbehalten, besonder« Meldung zu verlangen.
8 3. Die Polizeiorgane sind verpflichtet, Personen, di« sich im Besitze rückrabepflichtiger Gegenstände befinden utlb ber angeordneten MestiepsAcht nicht Nachkommen, zur ton» zeige zu bringen.
§ 4. Führt die Beschlagnahme zur Enteignung, so rott' eine Entschädigung nach Maßgabe der „Richtlinien flir die Festsetzung von EntschMgungen aus Anlaß ber Durch, siihrung ber Bestimmungen der Artikel usw. 238 de» Fr» bensvertrages" vom 27. Mm 1920 (RED!. 6. 1111) uni ber Bekanntmachung zur Ergänzung der Bekanntmachung über die Anforderung von Tieren zur Erfüllung des Friedensvertrages vom 2. 12. 1919 (RGBl. S. 1938) oom 5. 8. 1920 (RGBl. S. 1551) gewährt.
Wird die Beschlagnahme aufgehoben, so kann eine an* gemessene Entschädigung gewährt werd«:.
Berlin, den 8. April 1921.
Äelchsrllcklleferuugskommlsflon.
Der Präsident. Dr. Guggenheimer.
Am andern Morgen war er verschwunden und nch ihm ber eiserne Herrgott, ben er in qualzerrissenen ©tun. ben geschmiebet hatte.
20.
Die Höhm donnerten und di« Berge erzitterten unter dem Sturz ber Lawinen, die in biefem Jahre häufig«! als je das Tal bedrohten. Aber trotz der Lawinengefahr wuchs ber Strom ber Touristen, benn Hunderte kamen, um die eigenartige, wilde Schönheit ber Dolomiten kennen zu lernen, bie erst „entdeckt" worden war. '
Der Wetteifer war im Norden wie im Süden gleich groß. Die Italiener aber setzten einen besonderen Ehrgeiz darin, bie aussichtsreichsten Gipfel zu erklimmen und das schöne Land Tirol von hoher Warte aus zu betrachten, bas wie ein blühender Garten Gotte» zu ihre« Füßen lag. Vielleicht dachte dabei mancher an das Wort des Herrn, das dieser auf dem Berge Nedo zu Mose» sprach: „Siehe, das ist das Land der Verheißung. Du hast es nun mit Augen gesehen, aber hineinkommen sollst Du nicht." i
Die Lawinengefahr wuchs mit ber steigenden Son. nenroärme. Michael Pallanta sah manchen, der im Morgensonnenschein die Derge mit hellem Jauchzen begrüßt hatte, am Abend mit zerschmetterten Gliedern im Abgrund liegen. Manchen Verschütteten grub er mit Le. bensgefahr aus hohem Schneewall und brachte ihn in seine Blockhütte, die er am Paß, nahe beim Firnkreuz, errichtet hatte. Dort labte er ihn, wärmte ihm bie er- starrten Glieder und brachte ihn, sobald er sich erholt», in ein sicheres Asyl.
Sein Name wurde viel genannt, und bie geretteten Touristen trugen ihn hinaus in die weite Welt. Doch davon wußte er selber nichts, da er nur selten in» Tal niederstieg, meistens nur bann, roe" -. er sich Nahrung und Hellmittel holte. Aber Gino hörte den geliebten Namen oft In Freude und Begeisterung nennen — dann leuchteten ihre Augen, und wie heimlicher Stolz flog w über ihr schönes Gesicht.
Eines Morgens stieg eine vornehme Gesellschaft, bk am Abend zuvor noch in der „Alpenrose" gelacht und getanzt und luftige Stanzeri gesungen hatte, hinauf tn Mi Berge. Droben auf ben Höhen gerieten sie in einen Wirbelsturm und wurden von einer Lawine verschüttet.
(Fortsetzung {ol^J