Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadl Fulda.
I
Nr. 96.
Lerantworttich für den ceoait. Teil: i. V.: Dr.Ioh.Kramer, - für die Anzeigen: I. Parzei>er-Fuioa. u gtotafton66rud u. Verlag der Fuldaer Artienbruckerei in Fulda, skerniprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitu ng.
Mittwoch, 27. April 1921.
Bezugspreis: Monaniq 3,00 2Ht. ohneZustellgebühr. In Fu.do bet uns abgeholt 3,15 Mit Anzeigenpreis : Sie St i e i n je i le iColonelmag) öS Pfg, u. 10-„ ZuMag, di« Steklamezeile (Textbrettel 1.80 2HL, u. 10°-» Zujchlag. Bet Wiederhol.Rabolt.
48. Zahrg.
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T, t\
„herein mit ihnen!--Laß sie herein!--*
Und herein strömte in wildem Gestrudel eine fana. tische Schar, in deren Augen der gleiche Haß loderte wie in den Blicken ihrer Herrin, Bürger und Bettler, Kavaliere und Banditen, alle bezahlte Agenten und Spione im Dienste der Jrredenia, umringten Regina Belmonte wie hungrige, beutelüsterne Wölfe, die ent. schlossen waren, sich auf ihre Opfer zu stürzen, sobald die Herrin nur mit dem Finger winkte.
Mit dumpfer, von Wut und Trauer zitternder Stimme berichtete sie ihren Getreuen, was im Tale zu Salan geschehen war, verdrehte die Tatsachen, schob all Schuld den Tirolern zu, stellte ihre Tochter o!s Heilige und die drei Ornello als Märtyrer dar und machte ihre Zuhörer glauben, daß der Mord an Rositta und an den drei anderen Opfern eine längst geplante Tat der Rache an den Italienern gewesen sei, für die ganz Salan den Tod verdient habe. Und nachdem sie in ihren fanatischen, heißblütigen Landsleuten den Blutrausch des Hasses entfacht hatte, warf sie die Arme empor und rief mit gellender Stimme: „Rache für mein Kind! — Rache für die Märtyrer von Salan! —> Fluch und Verderben über Tirol!"
Und „Rache, Rache!" schrien ihre Getreuen wie be. seflen, sprangen wie Wahnsinnige durch den Saal, tanz, ten wie Verrückte um ihre Königin und erhoben ununterbrochen den wllden Ruf: .Rache an Salan! Rache an Tirol!"
Mit den glühendsten Worten des Hasses pöitschte Re- gina Blmonte die Erregten immer wieder aufs neu« zur Rache auf „Ziehet durchs ganze Land", rief sie mit wutheiserer Stimme, „erzählet allen von den Greueln zu SalanI Ruft zur Rache und predigt den Haß gegen die Barbaren. Sie sind unwürdig, das Land Tirol zu besitzen, denn sie knechten und verfolgen unsere Brüder und Schwestern, die dort unter ihnen wohnen. Unser sei dies Land! — Wir wollen die Der- folgten erlösen von der Tyrannei der Barbaren. Ganz Italien soll sich erheben und den Deutschen alle« Land entreißen von der Etsch bis zum Brenner."
Stürmischer Jubel umbrauste sie, die sich ganz be. nryM^ er, ihrem Haffen. .Roche kür mein Kindl —
Rache an Salan!" schrie sie, bis ihre Sfmm? versagte bis sie crmattet_ zusammensank. Und auch da noch war ihre letzte Gebärde eine Drohung und ihr letztes Wort ein Fluch auf die Barbaren.
Die Irredentisten aber, die draußen ihren klingenden Lohn empfingen, trugen die Saat des Hasses und den Racheruf gegen Deutschland hinaus ins ganze welsche Land.
Und die Drachensaat des Hasse, reifte heran. — Re gina Belmonte aber saß wie eine düstere Rorne am Rocken und spann den schwarzen, unheilvollen Schick, salsfaden, netzte ihn mit dem Geifer ihres Hasses, weihte ihn mit ihren Flüch:n, schwang und drehte ihn in ihren zornigen Händen, bis er glühte und wie ein brennende» Kabel durchs Land, durch ganz Italien lief und allent- halben den Funken in Millionen Gemüter, in Millionen Herzen und Köpfe hineinfunkte: .Rache an den Dav baren!" . i -.... y
An einem schönen Herbsttage kehrte Michael Pal. lanta nach Salon zurück: dic Gefangenschaft hatte dem freien Sohn der Berge hart zugcsetzt — er war bloß und fein Gang müde, fein Rücken gebeugt. Doch beim Anblick der geliebten Berge atmete er auf. Die Heimat grüßte ihn mit ihrem hellsten Sonnenschein und die Luft der Berge umwehte ihn wie Lebensodem aus den Gärten Gottes. Da hob er das Haupt und straffte die Glieder und mit hellem Jauchzen schwang er den Hut: „Grüß Gott, mein schönes Tal!--Grüß Gott, mein
Heimatland, mein liebes Land Tirol!"
Sein Vater kam ihm entgegen und die Freude Ober das Wiedersehen strahlte aus seinen Augen. Lange hielten sie sich bei den Händen, sahen sich in die Augen und erkannten, daß sie die alten geblieben waren — die alten in neuer Siebe und Treue. Seite an Seite g'ngen sie durchs Dorf, damit alle sahen: Wir s.nd eins im Leben und im Tod.
Hundert Hönde streckten sich dem Hetmkehrenden ent. gegen und es gab ein herrliches Willkommen, aber trotz- dem konnte Michael nicht froh werden. Ein Schalten verfolgte ihn — der Schatten seines gemordet? Weibe»
(Fortsetzung lolgt.)
im einzelnen den Standpunkt der Regierung sowohl zu der Frage der Aktion selbst als auch zu den einzelnen Vorschlägen.
Eiskalt überlief es jeden, der dieser denkwürdigen Reichstagssitzung beiwohnte, als der Reichsaußenmüti» ster den Inhalt der Rote an Amerika mitteilte. Lange Zeit verwendet der Reichsaußenminister darauf, den Inhalt der Note zu erläutern. Dabei wird es erst klar, was Ungeheuerliches dem deutschen Volke für die nächste Zukunft aufgebürdet werden soll. Und dennoch glaubt der Reichsaußenminister diese ganze Angelegen, beit vielmehr als eine politische denn als eine technische Frage betrachten zu sollen. Das politische Erdziel ist: Loskauf vom Versailler Frieden!■ • Die Einzelheiten der geplanten internationalen Anleihe werden lang und breit dargestellt, um noch alle dem in das Resultat zu münden: Die schönsten Pläne Hessen nichts, wenn die alliierten großen Geldgeber nichts davon wissen wollen! Greifbarer ist schon der Dor'chlag, den Deusschland hinsichtlich der Uebernadme der Schul, den der Alliierten an Amerika macht. Freilich ist diese Idle nicht allenthalben in ffntentetänbern und auch nicht überall in Amerika beliebt. Aber die Idee, die diesem Plane zugrunde liegt, wird nach der Erklärung des Reichsaußenministers von sehr bedeutsamer Seite verfochten.
Was Simons über den Inhalt der Rote hinaus noch sagt, hat kein allzu großes pottti'ch-s Gewicht mehr. Er rechtfertigt sein Handeln in Farmen und Tönen, die man bisher nicht an ihm gewöhnt war. Die Worte sprudeln ihm nur so von den Lippen, er ist sichtlich aufgeregt und wehrt sich gegen feine Widersacher trotz der Trockenheit de« Formal-Juristen mit einer inneren Bewegung. Das Wort von der „Ohrfeige", das er damals geprägt hat, um dem Reichstage und dem deusschen Volke zu sagen, man werde nicht wieder die Verhandlungen aufnehmen, deutet er heute so, daß er auf die Vorlage neuer Vorschläge niemals verzichten wollte; nur hätte das nicht sofort geschhen kön. nen. Richt allein die Kluft zwsschen dem Standpunkt der Sinterten und ber deutschen Auffassung, sondern auch das schlagfertige Einsetzen der „Sanktionen" hätte die Wiederanknüpfung der Beziehungen erschwert. Run aber hätte eine veränderte Basis gefunden werden müssen.
Der Reichstag nahm di« Ausführung Simons zu. nächst mit einer begreiflichen Zurückhaltung auf; weder Beifallskundgebungen, noch solche des Mißfallens wur- den laut, nur hier und da hörte man vereinzelte Zu. fteimmung, die sich aber nicht so sehr auf die Mittel, lungen des Ministers Simons o's Ganzes als auf e’n« zelne Mitteilungen bezogen. Diese Zurückhaltung d.» Parlaments ist begreiflich, denn niemand ist in her Lage, die deutschen Vorschläge in Ihrer Gcsamtwirkung im Augenblick zu erm-’flen. Dazu wird es notwendig sein, daß die einzelnen Fraktionen des Reichstags Gelegenheit haben, sich in den Inhalt der deusschen Rote und über die Auswirkung ihrer einzelnen Vorschläge zu vertiefen, um eine Stellungnahme zu finden.
Aus diesem Grunde trat das Haus dem Wunsch meh. rerer Parteien entsprechend nach der Rede Simons nicht in die Aussprache ein, sondern vertagte sich auf Mittwoch. Inzwischen werden die Fraktionen Gelegenheit haben, zu den deutschen Dorschlägen Stellung zu nehmen. < ।
Die Parteien und die Amerikanote.
Im Anschluß an die gestrige ReichstagSsitznng fand eine gemeinsame Besprechung der Re. gierungSparleien statt, in der beschlossen wurde, heute, Mittwoch, eine gemein same Erklärung zu der Rede des Reickisministers Dr. SimonS ab- zugeben. In der Erklärung werde, dem ,Bei l. Lok.« Anz.' zufolge, zum Ausdruck gebracht werden, daß die Regierung sich bei ihrer Aktion auch weiter auf die Koalitionsparteien stützen fonne. Auf die beiden sozialistischen Parteien hat nach den Aeußerunaen der Berliner Blätter die Rede des Außenministers einen günstigen Eindruck gemacht, während sich die Deutsch»Nationalen ihr gegenüber völlig ablehnend verhallen.
Die Ausnahme bei den Alliierten.
Briand über die Konserenz von hylhe.
Briand gab der französtschen Kammer Aufssärung übvr die Besprechungen m Hythe. Er sagte, er sei noch
Risiko gibt es nur ein Ventil, nämlich die Bedingung, daß die fortlaufenden Leistungen Deutschlands dem jeweiligen Stande seiner Finanz- und Wirtschaftslage angepaßt und eine Kommission von anerkannten Sach- verständigen zur wesentlichen Mitwirkung herangezogen werden sollen.
Das deutsche AttgAot kommt bei der Umrechnung in Jahresleistungen der Pariser Gesamtforderung von 226 Milliarden bis zur Höhe von 200 Milliarden, also bis auf 90 Prozent entgegen. Wegen der Differenz von 10 Prozent kann man doch vernünftiger und anständiger Weise keinen verhängnisvollen Krach machen. Um so werriger, als Deutschland sich auf das äußerste bemühen will, den Gegnern die Zahlungen in der er» wünschten Schnelligkeit zu bieten.
Sn dieser Beziehung wird angeboten: 1. eine internationale Anleihe: 2. die Steigerung der Amortisation der Rcstsumme bei Besserung unserer Lage; 3. dir kräftige Beteiligung Deutschlands an dem Wiederauf, bau durch Arbeit und Lieferung von Material und sonstigen Hilfsmitteln: 4. dir sofortige Zahlung von 1 Milliarde Goldmark. Dazu kommt noch der Vor- schlag, den Haushalt der Gegner mittelbar zu entlasten durch die Uedernahme ihrer Verbindlichkeiten gegen Amerika auf die deutschen Schultem. Mehr kann man doch wirklich nicht verlangen, weder für die Anfangs-, noch für die Dauerleistungen.
Ob die Regierung Hardingr bei der Vorprüfung, zu der sie berufen ist, noch Abänderungen ober Ergänzungen der deutschen Vorschläge angeregt hat, ist noch nicht bekannt. Verbesserungen In Einzelheiten des Planes find ja nicht ausgeschlossen. Es müssen nur die Grund- und die Ecksteine gewahrt werden.
Dazu gehör! auch die wichtige Voraussetzung, die sich in den deutschen Vorschlägen findet. Es sind dcs im wesentlichen dieselben Vorbedingungen, die wir schon bei der Konferenz der Sachverständigen in Brüssel gestellt hatten. Das deutsche Wirtschaftsleben muß geschont und erhalten werden, wenn wir über- Haupt leistungsfähig sein und bleiben sollen. Also keinen Raubzug in Deutschland hinein; keine weitere Beschneidung der deutschen Wirtschaftsbasis (Ober- schlesien!); keine Fesseln im Welthandelsverkrhr: Entlastung von unproduktiven Ausgaben (Beschränkung der Besatzungskosten usw.).
Die schwebende Frage wird durch die deutschen Vorschläge auf ein klares Entweder — ober gestellt, bei dem sich die wahren Absichten der Gegner zeigen müssen.
Wenn die Herren Geld haben wollen, irro dir Kriegsschäden ouszugleichen, so muffen sie auf dks-n Boden freien; denn es wird ihnen alle Entschädigung geboten, die sie vernünftigerweise erwarten konnten.
Wenn sie die Verhandlung ablehnen, so wollen sie nicht das Geld, sondern wie Shylock das Pfund Fleisch aus dem Leibe des Gegners. Dann ist ihr Ziel die Vernichtung Drusschlands.
Wir wollen noch nicht glauben, daß die französi» sch- Dernichiungspolitik die Oberhand behalten könnte im Obersten Rai der Sieger. Das wäre ein Unglück für die ganze Welt.
Auf jeden Fall können wir uns sagen, daß Deutsch- land das alleräußerst e, das menschenmögliche getan hat, um bas Verderben in der zwölften Stunde noch abzuwehren.
Das Angebot vor dem Reichstag.
Die deusschen Vorschläge, dir zu treuen Händen des Präsidenten Harding gegeben sind, hat der Außenminister Simons nach mehrmaligem Aufschub dem deutschen Reichstag inderSitzungamDienstag nachmittag unterbreitet. Die Einzelhssten der deusschen Vorschläge in ihrer Gesamtmirkung haben im Reichstag eine allzu große Ueberraschung nicht beroorgerufen, weil man in großen Zügen über sie bereits unterrichtet war. Der Außen- Minister Simons, der nicht das ist, was man einen Schönredner nennt, brachte die deutschen Vorschläge in ftiner etwas kühl und nüchtern anmutenden Weise dem Parlament zur Kenntnis u. begründete im Anschluß daran
Schmerze „Gemordet von dem Sohne des Verhaßten, den ich ins Herz treffen, dem ich alles entreißen wallte, den Sohn und feinen Besitz und feine Ehre. Und nun ift er der Sieger!--— O Himmel, wo sind deine
Blitze — — — O Hölle, wo deine Teufel!---
Herbei, ihr Dämonen der Tiefe, herbe, die ganze Höllen- bruf — und zerreißt mir diesen Todfeind, zerfleischt mir d'ese Barbaren, stürzt Euch auf das Tal von Salan und verwüstet es mit Schwefel und Pech!--0 mein f)err=
!id)es Kind, o meine süße Rositta — am Kreuze gestorben! Am Kreuze, das ich hasse wie der Satan den Gekreuzigten!--Und tot auch die anderen, Lorenzo,
Filippo und Angelo, meine besten Späher?--Zu-
sammengebrochcn der stolze Bau in der Stunde, wo ich dem Ziele so nahe war! — — Leichen, Leichen — und darunter mein eigenes Kind! O Rositta, Rositia! — Furchtbarer ist nie eine Mutter ins Herz getroffen worden. — — Aber noch bin ich nicht zerschmettert — noch lebe ich! — — Und solange ich atme, will ich hassen und eil meine Gedanken nur auf das Eine rief), ten: meine Feinde, die Pallontas, »u vernichten__*
Sie erhob langsam das totblaffe Gesicht, in dem die Augen wie zwei heiße Flammen loderten. Die Hand zum Schwure gen Himmel reckend, schrie sie mit gellender Stimme: „Rache!--Rache für mein ge-
mordetcs Kind!--Mein ganzes Leben fei der Rache
geweiht!--Rache an Pallanta!--Rache an den
Deutschen!--Rache, Rache!--
Wie rasend schlug sie auf das Gong, daß es wie der tiefe, dumpfe Klang einer Totenglocke durch das Haus dröhnte. „Herbei, meine Getreuen!--Herbei, meine
Rächer!--Herbei, herbei!--*
Mit lautem Kreischen stürzte die alte Susette herein. „Bei der Madonna, was ist geschehen, Domina?" rief sie bestürzt.
„Renne die Himmlischen nie mehr in diesen: Hause!" rief sie wütend. „Den Dämonen sei rg geweiht, den Furien. Rache, Rache für mein totes Kind! — Herbei, meine Freunde! Herbei, ihr Rächer! — Wo sind Sie. Susette?"
„Draußen, Domina!" erwidert« zitternd die alte Dieneri
Die deutschen Vorschläge.
Am Dienstag mittag Ist der Wortlaut der an Amerika gerichteten Note mit den deutschen Dorschlä- Jtn brfannt gegeben worden. 3n einem großen Teil «rrserer gestrigen Auflage tonnten wir die wesentlichsten Punkte der Vorschläge schon d:n Lesern unterbreiten, tie Note, die durch Vermittlung des amerikanischen tz-schäffsträgers am 24. April nach Washington ab« gegangen ist, bringt in der Hauptsache folgendes: * Deutschland erklärt sich bereit, zum Zwecke ber Reparation em, Gestmifverpslichtung von 50 Milliarden Aoldmark GeKnwarlsmevt anzuerkennen. Deusschland ist lud) bereit, beit Wert dieser Summe in Jahresraten, die einer Leistungsfähigkeit angepaßt sind, im Gesamtbetrag ton 200 Milliarden Goldmark zu zahlen, /eusschlard will seine Zahlungsverpflichtungen in nach- ffchender Form mobil:fieren:
Deusschland legt sofort eine internationale Arief he auf. Es rotrb sich an dieser Anleihe beteiligen. gittrag ber Anleihe wird den Alliierten zur Ber- gestellt. Den Betrog der zu zahlenden Summen, rch die mfermitronate Anleihe nicht gedeckt ist, wird »fand nach Maßgabe feiner Leiftunosföh'gkeit »er« jmssn und amortisieren. Deuifchland hä't hierfür zur Zeit tur ebne Verzinsung von 4 Prozent söhrtch für möglich.
Deutschland ist bereit, die beteiligten Mächte an einer Desswmig seiner Finanz, und Wirtschaftslage teilnehmen zu lassen. Um bi« Restsumme möglichst rasch adzuiragen, will Deutschland sich mit aller Kraft an dem Wiederaufbau ber zerstörten Gebiete beteiligen.
Zum gleichen Zwecke ist Deutschland bereit, noch tönern möglichst rein kaufmännischen Verfahren Sach« fei st un gen für die geschädigten 6 tasten zu über« txfjmen.
Deutsch'anb ist ferner bereit, bar Reporationskommss- ron alsbald den Betrau von eiire-r Mlllfarde Goldmark ht folgender Form zur Derfliguna zu stellen:
a) 150 Millionen Goldmark in Form von Gold, Silber tmd Devisen.
b) 850 Millionen Goldmark in Rtichssck>atzwechs?ln, die länostens innerhalb brd Monaten in Devisen und vus'ändischeri Werkpavieren emaeföst werden.
Geaebcn'enfalls würde Deutschland mittens fein, nach Maßaobe feiner Leistungsfähigkeit Derpslichtemoen der Alliierten aus ihrem Schuldverhältniszuden Ber- eüs'aten Staaten auf sich zu nehmen.
Deutschland ichläat cor, daß über btej- Art wtö Weise, ote die deutschen Leistungen zu Reporassonszweck-n auf die deutsche Gesamsschuld anzurechnen sind, insbesondere über,die Festsetzung der Preise und Marte unter Hin« zuziehuna von Sachverständigen verhandelt w'rd. Deutschs«-- mürbe bereit fein, den Geldgebern aus allen!sichen Einkünsten icbe e'-forterfi<f>e Garantie zu gehen. Mit der Annahme dieser VvrMäa» ettösch-n sämtliche anderen V-npff-chtunaen Deutschlands zu Reparationszwecken. Auch wird dadurch das deussche Privatoer» mönen im Ausl-mde frei.
Deutschland hält seine Vorschläge nur*- für durchführbar, wenn das System der Sanktionen alsbald auf- hort, die genenroertire Dosis der basischen Rroduktion nxbt noch weiter üerrinrerf, bk- deutsche Wirtschaft tum TTKcn Weltverkehr ^gelassen und von unproduktiven Aus- gaben entlastet wird.
.^.^lschland verpflkchtot sich, tue gutachtliche Ent- Wreöung einer internationalen Sachnciftändigen-Kommis- pon übet ferne Leistungsfähigkeit als bindend onzu- errc-tt-en.
Die deutsche Neuerung erklärt sich bereit, Aende- ,afle<. 0>JT °ndere Vorschläge der amen« ^l-hen Regierung bercitwilfigft entgegen zu nehmen.
<7- e
Wenn die Gegner diese Vorschläge unserer Re« pserung nicht rvenicstens als GruMage von weiteren Verhandlungen gelten lassen wollet so würden wir «nü die ganze unparteiische Welt ifjwen mit Recht vorwerfen können, was sie uns zu Unrecht nach gesagt haben: daß es ihnen an dem guten Willen fehle
Auf dieser Grundlage ist ein vernünftiger Ausgleich wohl möglich, und zwar wird er für die Gegner leichter zu tragen fein, wie für uns, %emt was Deutsch, land zur Vermeidung von größerem Uebeln jetzt an- btetet, kann vielleicht über das Maß. unserer Leistungsfähigkeit, so weil sie bisher sich abschätzen läßt, in bedenklicher Weise hinausgehen. Gegenüber diesem
Hylhe gegangen, um mit Lloyd George die Bedingungen der dcmi-achiligcn tnterdliierien Konferenz sestzulegen und ihm Aufklärungen zu geben über die Dorbereitungen und Maßnahmen, die in militärischer, wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht für notwendig erachtet worden feien. Die Unterhaltungen hatten befriedigende Ergebnisse ge- zeitigt. Die Lage Drusschmch gegenüber fei klar. Deutschland sei hinsichtlich seiner Verpflichtungen, bie ihm aus -rm Pertrage c«i Versailles obliegen, m Verzüge. Briand zäh: die Versäumnisse auf. dte sich Deutschland habe zu Schulden femtner. lassen. Deutschland habe sich an dte Tschccho-Sloivakei, die Schweiz und nach Rom gewandt, fsi aber zuiückgewiesen worben; schließlich habe es die Vereinigten Staaten angemrfen. Briand hat Vertrauen in bie Loyalität und den Scharfblick Amerikas und hofft, daß die amerikarnsche Regierung nur eine Initiative ergreifen wird, d e konform mit den französisch-» Interessen geizt. Der Ministerpräsident bespricht dann bie neuen Maßnahmen und sagt, für den Verfalltag (wen alle Dispositionen getroffen. Der französisch» Stand- punkt werde von der englischen Regievrmg geteilt, bie sich auch on den Operationen beteiligen werde, lieber die deutschen Lorsch'äpe sagt Briand, wenn Deutschlcmd sie vorlege m ber Absicht, eine Auseimmersetzung anzuknüp- fen, so werde man antworten: Rein! Zuerst müsse es heißon: Sicherheiten! Darauf habe Frankreich m hr al« feder andere Anrecht, denn Frmckreich habe mit Deutsch land em- gemeinsame Grenze. Briand sprach dann da» von, daß Deutschlmrd keine Maßnahme« getroffen habe um die fälligen Zohlunoen ,zu leisten und bie Eittwaffnun« burchzulühren. Alles das müsse Ende April in Betracht gezogen werden und er fei sicher, bah er bei den Alliierten nicht d-s geringsten Schwankungen frslftcll-n werbe, wenn es sich darum handele, den Franzosen die Mfliel zu geben, bie sich bezahlt machen und ihnen Sicherheiten zu gewährleisten. Er sei überzeugt, baß man nicht nur Zustimmung finden, sondern auch die Unterstützung ber Alliierten erlangen werde.
In ber anschließenden Debatte fern es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Adg. Tardieu, der die Regierung zu mterpcllieren verlangte, und Briand, ber sich einer liflv.tigon Besprechung ber Interpellation nüber« setzte. Tardieu verharrte aber auf ber sofortigen Debatte, worauf bie Regierung die Vertagung auf einen späteren Zeitpunkt verlangte und die Vertrauensfrage stellte. Der verlangte Aufschub wurde mit 424 g:cen 29 Stimmen angenommen.
Ter Einbr -k ln Washington.
Tie Neuler aus Washington melket, sind die deutschen Vorschläge in der Rlparationsfrage beim Staatsdepartement eingegangen un\ wie bet lautet, den« Kabinett vorgelegt worden. Obnwhl noch teilt offizieller Kommentar bekannt gegeben ist, glaubt1 man doch, daß die Vorschläge einen günstige» Eindruck gemacht haben.
Hughes hatte die Botschafter der alliier«z ten Mächte nach Empfang der deusschen Vor»» schlage eingeladen, mit ihm im Staatsdepartement zuiammenzukommcn. Es wurde eil ärt, da es bet? Zweck b?r Konferenz eine unformelke Besprechung der deufichen Note war, aber in keiner Weise bie diplomatische Ucbermiitekntig des deniichcn Angebots durch die Regierung der Vereinigten Staaten.
Eine Antwort aus Amerika auf die deussche Neparaiionsnoie ist nach den Jufoimalioncn der Blälier im Lause des gestrigen Abends bet den Berliner amtlichen Stellen noch nicht ein- ^elroffen.
Wie Franer» wählen.
Wie Frauen wählen, zeigen Teilergebnisse ter Reichs- tagswshl vom 6. Juni 1920 aus 18 Wahlkreisen, m denen für einzelne Bezirke die Stimmzettel nach dem Geschlecht der Wähler geschieden worden waren. 2nsgesamt war dte Sche^img für 849 762 Wahlberechtigte vorgesehen ge» meien: 67ch o. H. beteiligten sich jedoch nur an der Wahl, davon wählen die Männer saigende!maßen: 2 2 Pro;, deusschualiorwl, 6,5 Proz. teussche Dollsxarlei. 10 Proz. öcnlrum, 3,5 Proz. demokratisch, 12,7 Proz. mchrhettsloz. 11,2 Proz. unabhängig, 1,2 Proz. kommumflisch. Die Fnmon wählen aber: 2,8 Proz. deusschnatlonal, 6,6 Proz. »cuische^ Dalkspartei, 14,4 Pro;. Zcmrrm, 3,1 Proz. be« mokratisch, 9,6 Proz. mehrheüssoz., 7,9 unabhängig, 0,7 Proz. kommunistisch.
Der König der D-olomiten.
Dolksroman von Felix' Nabor.
42s ---------
Äbcr schwer war diese Strafe immerhin für den Hefen Sinn der Berge. Ein ganzps Jahr hinter Ster« ler mauern! ,
Michael Pallanta senkte den KHpf, als hätte ihn der Hammerschlaz des Schicksals aufs Haupt getroffen.--
Aber dann schaute er auf und •ffeine Augen begannen Ju leuchten, bekamen Glanz und Wärme — — — Seine Heimatgenossen, alle, die gekommxv waren, für ihn zu gtugen, umringten ihn und brückten, ihm die Hände. „Aus Wiedersehen — in der Heimat, in» Tale von Galan! —•"
Alle Liebe der Heimat sprach <ms ihren Worten, aus ihren Tränen--— und eg tat ihm so unendlich
wohl, von diesen treuen Herzen geliebt zu werden.
Zuletzt kam sein 93ater und umarmte ihn „Mut, Michael, sagt, er. „21 Jahr ist bald um. Dann bist wieder der Unfrei"
„Ja — der Eure! Mit Heyz und Hand, mit Leib €>ed ! Siebt s wohl---und vergeßt mich
nil!" — !
Dann gingen sie, die Leute t*r Salan---und
hinter dem Verurteilten schlossen sich die Pforten des Gefängnisses.
19. • *
Drunten In Wesschland saß Repina Belmonte an dem rebenoerhangenen Fenster ihres „Palazzos" und starrte «ruf ein Blatt, das ihr die Eretßnisse im Salaner Tal berichtete.
Ihre Augäpfel schienen aus Höhlen springen zu wollen, als sie die kleinen, schwarzen, feindlichen Reiter, lein betrachtete, die wie wilde KiOclde vor ihren Blicken tanzten und ihre dünnen, spitzen Lanzen gegen sie zückten. Mit einem durchdringenden Schrei warf sie 'sich über den Tisch, druckte ihr Gesickjt auf die Arme, krallte ihre Finger in das Papier und begann wild , j schluch- ten---
„Tat — mein Liebling, wein Sonnenklnd, meine schöne Rositta tot--* schrie, sie wie in wahnsinnigem