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Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.
Nr. 95.
Dienstag, 26. April 1921
Verantwortlich für den reöait. Teil: i. Dr.Ioh.Kramer. - für Vie Anzeigen: 2- Parzeiler-Fuloa. z Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Artiendruckerei in Fulda. Stermpredjet Nr. 9. Telegr.-Ldresse: Fuldaer Zeitung
Bezugspreis: Monatlich Z»o0Mk. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns abgeholt 3,15 Mk. Anzeigenpreis: Die Älein zelle lCoionrlmag) 60 psg, u. 10°i« Zuschlag, die Reklomezeile (Ie$tbreite) 1.80 Hit., u. 10% Zuschlag. Set Wiederhol.Rabatt.
48. Zahrg.
Entspannung und Ausschub.
Diese beiden Dinge hängen zusammen. Wenn das Damoklesschwert der Ruhrbesetzung noch -an dem alten spinmvebendünnen Faden hinge, so brauchten wir uns in den Reichstagstebatten keine Schranken zu ziehen. Wenn aber Regierung und Reichstag sich zu weiteren Leistungen in Geduld entschließen, so ist Las ein Zeichen, daß man immer noch auf eine erlösende Wendung in letzter Stunde hofft.
Es wäre mehr als leichtsinnig, wenn man in heißem Tatendrang die letzte Möglichkeit des Ausgleichs gefährden oder gar vereiteln wollte. Der Versuch, den wir mit der Anrufung Amerikas gemacht haben, muß fetzt regelretfjt bis zu Ende durch- geführt werden. Demgemäß müssen auch diejenigen handeln, die an diesem Versuch aus dem einen oder cmderen Grunde kein Wohlgefallen finden konnten. Die deutsche Fahne ist nach dieser Richtung hin voran» getragen worden, und alle braven Patrioten folgen shr, bis die Entscheidung in dieser Aktion gefallen ist.
Cs ist offenbar kein schlechtes Zeichen, wenn die amerikanische Regierung Zeit zur ruhigen Prüfung verlangt. Sie erachtet die neuen teutschrn Vorschläge nicht als unbrauchbar, sondern hofft darin eine geeignete Grundlage für weitere Verhandlungen Bu finden. Die Regierung Hardings faßt offenbar die tßemr.ütlung, zu der sie sich erboten, ernst auf. So nötigt sie nicht allein Deutschland zum Warten, sondern veranlaßt auch die alliierten Machthaber zum Verschieben ihrer letzten Entschlüsse.
lleberdies hat die deutsche Regierung durch den kühnen Entschluß, sich unbedingt einem amerikanischen Schiedsspruch zu unterwerfen, in der öffentlichen Meinung bet Welt eine moralische Erobe - e u n g von großem Werte gemacht. Es gibt bekanntlich in Frankreich sehr mächtige und rührige Leute, dir in ter Entschädigungsfrage nur das Mittel sehen, um ihre Polttik der Gewalt durchzuführen. Das streitige Geld ist ihnen Nebensache und den Wiederaufbau ihrer zerstörten Gebiete wollen sie lieber verhindern als fördern. Ihr Ziel ist di« Vernichtung Deutschlands durch weitere Okkupation und heillose Störung seines Wirtschaftslebens. Um btefe Kriegspolttrk durchsetzen zu können, brauchen sie den allgemeinen Glauben, Deutschland sei böswillig und wolle sich arglistig den übernommenen Verpflich- tungen entziehen. Diese Unwahrheit ist mit der üblichen Geschicklichkeit irr der ganzen Welt zielbcwußt verbreitet worden. Wir Deutschen verstehen uns leider immer noch sehr schlecht auf die Widerlegung solcher Welllügen. Was wir sagen, wird nicht geglaubt, und was wir schreiben, wird mißdeutet mid verspottet. Aufklärung konnte nur ungebahnt werden durch eine Tat, die sich nicht bestreiten oder entwerten läßt. Eine solche eindrucksvolle Handlung war die Unter- werfung unter den Schiedsspruch einer Macht, die uns selbst bekämpft hatte als Genosse ter Elttente. Das hat offenbar in teh weitesten Kreffen zum Nachdenken angeregt und den Glauben an die Pariser Le- ßoite von der Böswilligkeit erschüttert.
Insbesondere auch in England, wo bisher die französischen Hetzer bis in die höchsten Kreise hinauf mel Anhang gefunden hatten, jetzt aber sich bis über die Schichten ter Liberalen und der Arbeiter hinaus sich so viel Zweifel und Bedenken regen, daß sogar Lloyd George in feiner Franzofenfreundlichkeit wieder einmal stutzig geworden ist. Ob er nicht schließlich wieder umfallen wird, ist freilich noch keineswegs sicher: aber vorläufig macht er doch so viel Vorbehalte und Bedingungen, daß er das letzte Wort nicht vor dem 1. Mai zu sprechen braucht.
So nsird Briand nebst seinen Hintermännern sich wenigstens bis zum 30. April gvdulden müssen. Viel- leicht noch etwas länger. Denn es gilt nicht nur, den Amerikanern Spielraum zu lassen für ihre Ver- mittlung, sondern auch den Italienern Gelegen- heit zur Mitwirkung zu gewähren. In Italien (und in gewissem Maße sogar in Belgien) regen sich neue Bedenken wegen der französischen Kriegspolitik. Die MMWMniraxmuMMkiijrTn-miiTinir w»
Der König -er Dolomiten.
Volksroman von Felix Nobor. -
„Na nie — mehr kann Ich froh werden", sagte er mit gepreßter Stimme, „meine Schuld drückt mich all- iuschwer. Am besten wär's, n*nn ich mein Leben wegwerfen tat, 's hat |o doch kein' Zweck mehr —"
»Um Gott nitl" rief ffiirta entsetzt. „Zur alten Schuld noch a neue auf Dich laden? Na — dös darfst nit Du bist a Mann — und» bist a Christ. Trag dös Kreuz, tuo Dir aufg'laden tjrft, mit Geduld und Mut — dös ist Christenpflicht, ist edel und männlich.
Da senkte der kranke Manin ergeben dos Haupt und sagte: „3a, Du hast recht, Gjna — und ich will all's tun, was Du verlangst. Aber dafür mußt Du mir auch eine Bitt' erfüllen —*
.Gern, Michael, roenn’s äi meiner Macht steht."
„Schau, Alna", fuhr er fort, „für mich werden jetzt schwere Tage kommen. Ich muß zu G'richt — und dann wer weiß wie lange ins Gefängnis Ich werd' kosg'risien von mein' Kind und der arme Bub ist ailoan und verlassen aus der Welt. ■ Mein Bote: svrgl je frei» lich für ihn, aber was fang» a alter Mann für so a kloans Bürschel tun? De, vraucht a Mutter, Mutter- lieb und Mutterhänd'. die ihn pflegen. O Gino, Du tätest mir a große Last ovw Herzen nehmen, wenn Du Dich um des Buben annetzmen wolltest, daß er nit Schaden nunmt an feiner Verlassenheit. Willst dös tun, Gina'?" i
„3a, Michael", versprach sie, „ich will den Buben hüten wie meinen Augapfel, und ihn so lieb haben, als ■ob er mein eigenes Kind wär."
Da küßte ei ihr voll btifier Dankbarkeit die Hände. „D Du Engel," rief er tief ergriffen, „Du Treueste der Treuen! Gott vergelt Dir ein Deine Lieb und alle ®üte.' Sie errötete und begab sich rasch zum Dettchen des Kleinen, bet leise ju meinen anfing. Liebevoll nahm sie ihn in die Arme und sang lhn in Schlaf wie eine sorgende, liebende Mutter. —
Sachlage hat sich so verschoben, daß die beiten Machthaber Lloyd George und Briand auf ihrer engeren Konferenz in Hythc-Lympney die alleinige Ent- scheidung des Welllaufs nicht mehr wagen konnten, sondern Rücksicht nehmen mußten auf die anderen Alliierten, <ruf die amerikanischen Assoziierten, auf die Strömungen im eigenen Lcmte und auf die öffentliche Meinung in der Welt. Auf die kleine Konferenz muß noch eine große folgm, die vielleicht nicht so glatt verlaufen wird, wie die Londoner Konferenz, bei ter Lloyd George einfach titrierte, was er mit Briand auf Kosten von Deutschland vereinbart hatte.
Das alles ist noch keine Lösung und für unser ar» nies Vaterland noch feilte Erlösung aus der schweren Gffahr. Aber die Spannung hat doch nachgelassen, am düsteren Himmel zeigt sich wenigstens ein Lichtblick.
Ein feindliches Blatt sagt, die Verwirrung in Paris fei sehr groß, fast so arg, wie die Verwirrung in Berlin. Van dieser Verwirrung in Berlin ist nichts ernstes zu bemerken. Wie wenig Str- wirrung oder Verzagtheit in den weiten Volkskreisen Deutschlands herrscht, sieht mark aus dem tatkräftigen Angebot der Gewerkschaften ziw Mitarbett bei dem Wiederaufbau von Nordfrankreich.
Wenn in Paris die Verwirrung groß ist, so wird es sich um die enttäuschten Kriegstreiber han- teln. Hoffentlich bleiben diese verwirrt.
Hebet den Inhalt des deutschen Vorschlages, der inzwischen in Washington angekommen ist und dort eine hoffnungsfrohe Stimmung für die Ver» sländigung erregt haben soll, werden allerlei Vermutungen angestellt. Nach dem .Berl. Lok.-Anzeiger' soll folgendes in der Note vorgeschlagen sein: Erstens würde eine die Londoner weit übersteigende S u m m e angeboren, zweitens eineinternationale Anleihe in Vorschlag gebracht, drittens bie lieber- nähme der Feindbundschulden an Amerika durch Deutschkand und viertens eine Gewinnbeteiligung des Feindbundes an der deutschen Industrie. — Die Gerüchte über eine Krise in der Reichsregierung sind in den letzten 24 Stunden stark verstummt.
Nachklänge zur Konferenz in hyihe-
Die „Times" meldet, daß gegen die Annahme des Planes ter militärischen Besetzung und der wirtschaftlichen Kontrolle eines großen Teiles des Ruhrgebiets durch Lloyd George verschiedene Einflüsse kämpften. Sogar die Franzosen geben zu, daß Lloyd George in England bei der Durchführung auf größeren Widerstand stoße als Briand in Frankreich. Lloyd George ringe zwischen seinen Entschlüssen, mit den Franzosen zu marschieren und ter Drohung, die in dem von Asquith, Cecil und Clynes unterzeichnetm Schreiben enthalten sei, in dem diese für Mäßigung eintreten und die Besetzung des Ruhrgebiets verwerfen. Wie die „Times" außerdem meldet, hat man in Hythe die deutschen Vorschläge über den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete Frankreichs beraten.
Der Griff nach dem deutschen Gold.
Die Agentur Havas verbreitet eine 91 o t e ter Re- paratianskommission an die KriegÄastenkommiflion, worin von der deutschen Weigerung, den Metallbestand der Reichsbank nach Koblenz ober Köln überführen zu lassen, bedauernd Kenntnis genommen wird. Das Ersuchen, den Goldbestand in das besetzte Gebiet zu bringen, fei von dem Wunsch diktiert, die Bestimmungen des Vertrages von Versailles mit den Erfordernissen des deutschen Wechselkurses in Einklang zu bringen.. In Anbetracht ter Haltung, die die deutsche Regierung in dieser Angelegenheit einnehmen zu muffen glaubte, und in An- betracht ihrer „Verfehlungen" gegenüber den Verpflichtungen des Vertrages, die aus dem Artikel 235 Herrichten, sehe sich die Reparationskommiffion gezwungen, die Vollmacht auszmiben, die ihr ter Vertrag gibt und die A b l i e f e r u n g eines Betragesvon einer
Da faltete Michael in stummem Dank die Hände: er wußte, daß sein Kind geborgen war — ein Engel wachte über ihm.
3m Herbste, als die Blätter welkten und der Junge Wein blutrot aus der Kelter quoll, stellte sich Michael dem Gerichte Die halbe Dorfbevölkerung von Eatan war geladen, um für ihn Zeugnis abzulegen. Wenn es auf sie angckommen wäre, hätten ihn die Richter freisprechen muffen, denn sie alle wollten für ihn eintreten.
D was war das ein anderer Weg als in den Tagen des Glückes an der Seite feines jungen Weibes! Damals nur Sonne ringsum und im Herzen lachende Lust — unb jetzt nur Not und Sorgen und im Herzen die bren« nenbe Qual, die verzehrende Reue. Wie rasch und leicht war einst fein Gang gewesen durch die Straßen und Gaffen von Bozen, durch die alte, liebe Stadt mit ihren schmucken Häusern und den rauschenden Brunnen! Aber jetzt, wo er von der schweren Schuld bedrückt einher, ging, ein müder Lebensftteiter, starrten ihn die dunklen £aubengimge und die tiefen Torwölbungen an wie Ungeheuer nte aufgesperrten Mäulern, die ihn verschlingen wollten.
Unb der rundliche, rebenumsponnene Erker der Wein- ftube dort, in dem er so manchesmal mit Rositta und guten Freunden gezecht, gelacht unb gejubelt hatte, glotzte ter ihn heute mit seinen grünen Butzenscheiben nicht an wie ein Raubtiergesicht mit funkelnden, blutgierigen Augen? >
Welch ein Tor war er gewesen. Sus den grünen Römern, gefüllt mit rotem larminer, und aus Rosittas schwarzen Augen hatte er das welsche Gift in sich hin- eingetrunken, dos ihm nun zum Fluche wurde.
Wie ein Epottgesang der Hölle klang ihm Rositta, Lied vom „Tradimento" dem süßen Beträtet, jetzt in, Ohr! — sie mar der Verräter gewesen — unb er war darüber zum Mörder geworden und mutzte jetzt seine Schuld büßen.
Wie haßte er nun das welsche Gift und die Tücke des falschen Weibes, die List des Südens! — und wie liebte er seine Heimat und die deuffcke Treu.'
Milliarde Goldmark an bie Reparations- kommission bis zum 30. April spätestens an bie Bank von Frankreich zu verlangen.
Die Volksabstimmung in Tirol die sich, wie gemeldet, in einem ganz unerwartet hohen Maße zu Gun st en des Anschlusses an Deutschland ausgesprochen hat, wirb, praktisch genommen, zunächst keine Folgen haben. Die Abstimmung bedeutet nicht den sofortigen Anschluß Tirols an Deutschland. Die Entente an ihrer Spitze Frankreich, verbietet gegen alles Recht den Anschluß des lebensunfähigen Deutsch-Oesterreichs an das beutfdx Reich, obwohl sie angeblich für bie Freiheit ter Völker und ihr Selbstdestimmungsrecht den Krieg geführt har. Praktisch arbeitet Frankreich im Gegenteil mit allen seinen Kräften daran, den Anschluß Deutsch-Oester- reichs an Deuffchland zu hintertreiben. Es geht sogar so weit, daß es die deutsch-österreichische Regierung unter Drohungen mit Gewalt an ter Maß- nahnie ter Abstimmung hat Hintern wollen. Aber alles das hat den Anschlußwillen in Deutsch-Oesterreich nicht zu ersticken vermocht.
Das hat die Abstimnuurg in Deutsch-Tirol gezeigt, geren Ergebnis zweifellos anfpornend wirken wird auf die übrigen Länder Deutsch-Oesterreichs, die ebenfalls in nächster Zett eine Abstimmung vornehmen wollen. Das Ergebnis der Abstimmung wird in ter Welt ihren Eindruck nicht verfehlen. Es wird sich zeigen muffen, ob Frankreich auf die Dauer ter einmütigen Willenskundgebung Deutsch- Oesterreichs zum Trotz den Anschluß verhindern kann. Der Dolkswille, ter in Deutsch-Tirol so kraftvoll zum Ausdruck gekommen fft, wird sich durch keine Maßnahme auf die Dotter bewältigen lasten. Insofern ist die Abstimmung m Deutsch-Tirol von uiffchätzbarem Wert.
Der deutsche Reichstag hat an bie Landesversammlung in Innsbruck folgendes Telegramm gerichtet: „Erfreut und begeistert von dem glänzenden Ergebnis ter Volksabstimmung sendet ter deutsche Reichstag ter Lantesversammlung in Tirol brüderlichen Gruß und die Versicherung herzlichsten Gemeinschaftsgefühls. Der Gedanke der Volksgemeinschaft findet in unseren Herzen lebhaften WÄrerhall. (gez.) Löte, Präsident des Reichstages."
Die Vorfälle in Bozen.
Der italienische Konsul in Innsbruck hat beim Tiroler Landeshauptmann Schroffl wegen her Kundgebungen vor dem italienischen Konsulat Beschwerde geführt. Der Landeshauptmann verwies auf die ungeheure Erregung der Bevölkerung wegen deS blutigen UeberfallS in Bozen unb auf die zum Schuhe der Italiener in Innsbruck getroffenen Vorkehrungen. Die Ruhe wurde nicht weiter gestört.
Erzberger zu den Vorgängen im Jnli 1917.
Reichsminffter a. D. Erzberger veröffentlicht zu ten and) hier wietergegetenen neueren Darstellungen über bie päpstliche Frietensvermittlung 1917, die auf Auf. sätze und Reden des Paters Leiter zurückgehen sollten, einen längeren Aufsatz, dem folgendes zu entnehmen ist:
In ben Artikeln, welche ch sinn Anschluste an Aussätze oder Reden des Sefuifenpaters Leiter über „neue catrfa» nffche Dokumente über die Friedensmögtichkeil vor 1917" verbreiteten, wurde bie Sache so bargefteBt, als ob die päpstliche Friedensoermittlung infolge der Friedens- r e f o l u t i o n des Reichstags und des Rücktritts Beth. marm Hollwegs gescheitert fei. Pater Leiber stützt sich in feinen Darlegungen im wesentlichen auf Auslassungen Deihmmm Hollwegs über den ersten Besuch tes Nun. tius Pacelii in Bcrfm am 24. Dunj 1917 und stellte tot Anschluß baren bie Behauptung auf: „Da trat etwa, ein, was das päpstliche Frietenswerk im Lebenskeim treffen mußte. Die tatteren Vorgänge im Deutschen Reich vom 19. b's 20. Juli 1917 verschoben die Grundlage, auf der Dmobckt^XV^sÄne^^mttMmg aufpebaut hätte." Die.
Noch einmal grüßte er mit wchem Blick dieschöne Stadt, bie geliebten Berge und bie ganze Heimat — dann betrat er das Gerichtshaus und die Tore der Welt fielen wie Kerkertüren hinter ihm zu.
Einen ganzen langen Tag dauerten die Verhandlungen vor den Aflisen.
Hundert Zeugen wurden vernommen — unb alle sprachen für Michael Pallantas Rechtlichkeit und Treue, und alle zeugten gegen Rositta Belmonts, bie Schlange im Paradies von Salon, die allen verhaßt war durch ihre Faffchhett und ihren Verrat. Alle Derbrechen und alle Wühlereien der Welschen unb all die geheimen Minengänge der Srrebenta wurden aufgedeckt unb kamen ans Tageslicht. Richter unb Geschworene wurden milder gestimmt für den Angeklagten, aber die furcht- bare Tat selbst, bas Verbrechen am Firnkreuz, bas blieb bestehen, bas löschte kein Engel aus — Es war unb blieb ein Mord — Nur das war die Frage: ein vorbedachter — oder aber ein im Wahnsinn, In der Wut der Eifersucht, im Zorn über den Verrat seines Weibes an feiner Ehre verübter Mord, . .
Die letzte schwerwiegende Frage wurde an den An- geklagten gerichtet: ob er die Verräterin auf frischer Tat ertappt habe?
„3a," erwiderte er, „ja — auf frischer Tat "
Ob er Zeugen dafür habe? . . .
Nein, Zeugen hatte er nicht. —
Cs begann schon zu dunkeln und bie Lichter braun, ten bereits in bem Saale unb auf dem Richter tische, als endlich das Urteil verkündet wurde.
Totenstille herrschte in dem dichtgefüllten Raume. Ernst und feierlich wie Hammerfchläge der Ewigkeit fielen die Worte des Präsidenten in bie Stille hinein.--
„Der Angeklagte Michael Pallanta von Salan ist unter Annahme mildernder Umstände schuldig der Gesähr- düng des Lebens mit erfolgtem Tode unb wird mit einem Jahr Gefängnis bestraft.---'
Durch ben Saal ging es wie ein befreiendes Auf. atmen. Gott fei’s gedankt — kein Todesurteil! Das Leben blieb dem jungen Pallanta erhalten.
(Fortsetzung foigt) .
sen Behauptungen des Paters Leider stellt Erzberger tüe Erklärung gegenüber, daß der Rücktritt Dethmann Hollwegs letzten Endes veranlaßt und hervorgerusen motte» sei durch das Rücktrittsgesuch der Oberste» Heeresleitung, das heißt Hindenburgs und Luden» dorffs, die sich mit dem Demissionsgesuch des damalige, Kriegsmmisters v. Stein solidarisch erklärt haben. Angesichts der bamatiflen Verhältnisse fei es erklärlich gewesen, bah man eher Bechmann Hollweg ziehen ließ, als Gen- oaffeldmarschall v. Hindenburg. Ueber den Besuch bes Münchener Nuntius Pacelli in Berlin wird gesagt: Am 24. Juni 1917 kam Paclli in Derita an mit dem Auftrage, vertrauliche Friedensvorschläge des Heiligen Stuyles zu überreichen. Man rechnete im Vatikan mit der Möglichkeit, daß, wenn Deuffchland diese Vorschläge annehme, sofort die Friedensverhandlungen ausgenommen werden könnten- Unter diesen Vorschlägen war der wichtigste: gegenseitige unb gleichzeitige Einschränkung der Kriegsbereitschaft. Die Vorschläge des Heiligen Stuhles decken sich in allen Punkten mit der vom Reichstag in der vorhergehenden Woche angenommenen Resolution. Der Vatikan glaubte also, annehmen zu dürfen, daß Reichskanzler Michaelis ohne weiteres feinen Vorschlägen zustimmen werde. In ben damaligen Unterredungen mit dem Reichskanzler wurde die Wichtigkeit dieses Schrittes des Helligen Stuhles scharf betont. Er wurde als d-r Meinungsaus. tausch einer neutralen Macht behufs Herbeiführung des Friedens bezeichnet. Bisher habe der Heilige Stuhl abgelehnt, einen solchen Schritt mit ganz konkreten Vorschlägen zu unternehmen, weil er die Voraussetzung hierfür für nicht gegeben angesehen habe. Wann dagegen der Heilige Stuhl nun nach Annahme der Frie- densresolution nach dem Rückttitt Dethmann Hollwegs seine Bedenken zurückgestellt habe, so müsse man anneh men, daß er fest davon überzeugt war, daß dieser Schritt zum Frieden führe. Zum Schluß saßt Erzberger feine Erklärungen folgendermaßen zusammen: Die päpstliche Friedensvermittlung mußte scheitern an der vollständig ungenügenden und zu späten Antwort der deutschen Regierung.
Neue kommunistische Umtriebe
in Mitteldeutschland
Nach dem „Berl. -Tageblatt" ist es der Halle, scheu Polizei in ter Samstag Nacht gelungen, die Zentrale einer neuen kommunistischen Organisation aufzuheben. Der Leiter dieser Organisation war ein gewisser Evert aus Per- lin, ter sich auch Blohm nannte. Es gelang, Evert zu verhaften. Gleichzeitig konnte ein großer Reise- köffer mtt wertvollem Aktenmaterial beschlagnahmt werten.
Seine Aufhebung der Sondergerichte.
Auf persönlich; Vorstellung einer Abordnung mitteldeutscher Arbeiter hat ter Reichs- Präsident Anweisung gegeben, daß die Sondergerichte das Recht des Strafaufschubs ha- ten, besonders unter Berücksichtigung ter zahlreiches jugendlichen Angeklagten. Ohne die Sontergerichts auszukommen erklärte ter Reichspräsident ter Arbei- teraterdmmg für unmöglich, da die ordentlichen Gerichte durch laufente Strafsachen so überlastet seien, daß die Angeklagten monatelang in UlüersuchungshaK auf ihre Aburteilung warten müßten.
Aus dem besetzten Gebiet.
• Die Zollgrenze am Rheim lieber ben Dcrrenver. kehr zwischen bem besetzten unb dem unbesetzten Gebiet gibt bie Düsseldorfer Handelskammer fol- genbes bekannt: Mit der Anwendung ter Verordnung der Rheinlandkommisfion über bie Regelung des Zoll- ' wesens ist gleichzeitig auch die Verordnung über die Sonderreglung der Ein- und Ausfuhr für das besetzte Gebiet am 20. April 1921 in Kraft getreten. Die letzte Verordnung ist aber so aufzufaffen, daß Ein- unb Ausfuhrbewilligungen im Derkebr zwischen dem besetzten unb dem unbesetzten Deutschland erst vom 10. Mai an für diejenigen Waren, bie deutschen Ein- und Ausftlhrverdoten unterliegen, erforderlich sind. Dis zu diesem Zeitpunkt unterliegt also ter Warenverkehr zwischen dem besetzten und dem unbesetzten Gebiet lediglich der Zollkontrolle.
* Aervrlellllng deutscher Zolloeamlen. Bor bem sran- zöfischen Polizeigericht in Speyer wurden drei höhere Soll brennte, die sich geweigert hatten, unter dem leitenden usschuß ter Alliierten Zölle in Koblenz Dienst zu tan unb bas besetzte Gebiet verlassen hatten, zu 8 bis 5 Monaten Gefängnis und hohen Geldstrafen verurteilt.
Deutscher Reichstag.
Auch am Montag sah sich bie Regierung nid) t in ter Lage, den Inhalt der deutschen Gegenvorschläge zu veröffentlichen und im Reichstage über die eingeleitete Aktion eingehende Erklärungen abzuge« ben. Der ursprüngliche Plan, daß Dr. Simons tem Reichstage die deutschen Gegenvorschläge mitteilen unb sie begründen solle, mußte also fallen gelaffen werden. Es ist durchaus verständlich, daß man den Gang der Aktion nicht durch eine vorzeitige Veröffentlichung der Gegenvorschläge stören will. (
Es standen also nur noch die beiden Interpellationen, eine des unabhängigen Abg. A d e r h o l d, die andere des deutschnationalen Abg. Arnstadt, beide betreffend die auswärtige Politik, zur Derhand. lang. i
Bevor jedoch das Haus in die Tagesordnung eintritt, nimmt der Präsident des Reichstages, Löte, die A b. ftimmung in Tirol zum Anlaß einer warmen Sympathiekundgebung für die wackeren Tiroler, die ein fo glänzendes Zeugnis für das deutsche Zusammengehörigkeitsgefühl abgelegt hoben. Er send« den Tirolern den Gruß des deutschen Reichstages. Das Haus nimmt feine Erklärungen zum größten Teil stehend entgegen, nur die Herren Unabhängigen unb Kommunisten halten es nicht für notwendig, von der treudeutschen Gesinnung des Landes Andreas Hofers Notiz zu nehmen-
Die Interpellation der Unabhängigen begründet der Abg. Dißmann. Er hält eine der von dieser Seite des Hauses fo beliebten Brandreden gegen die kapitalistische Wirtschaftsform, er arbeitet mit Schlagworten und Plattheiten, die den linksradikalen Agitatoren eigen sind. Er appelliert an die englische, französische und belgische Arbeiterschaft. Diese Leute werben cs nie lernen, daß sie dort drüben unter ihren Arbeitskollegen nur ^verschlossene Ohren finden. Zur Vermittlung des Präsidenten Harding hat er kein Vertrauen, denn Harding fej auch nur ein Vertreter der nationalistischen und kapitalistischen Herrenklassen, wie überhaupt