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Nr. 94
Montag, 25. April 1921
Verantwortlich für den reoarr. Teil: L B.: Dr.Joh.Kramer, 5 für die Anzeigen: I. Parze»ler-Fulda. n Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Lcliendruckerei in Fulda. Fernlprecher Nr. 9. Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung
Bezugspreis: Monatlich 3,00 Nk. ohne Zustellgebühr. In Fuida
bei uns adgeholt 3,15 Ak. rlnzeigenpreis: Die Klein zeilr AO Inhrn iToionrlmak) 60 pfg^ u. Zuichlag, die Reklamezeile ™Ve JwU*y (Textbreite) 1.80 21L, u. 10% Zuschlag. Bei Wiederhoi. Rabalt.
Preußischer Landtag.
8.
gegen
Noch Parteien
* Lehrerschaft und freie Schule. Die „Germania", schreibt:
Ein Rundblick zu Beginn des neuen Schuljahre« zeigt, wie sich hie und da — besonders im rheinisch, westfälischen. Industriegebiet — die Stadt und Amts. Verwaltungen mit den Anträgen der .Freien Schulge. meinde" um Einführung der »vcltlichen — religionslosen — Schule zu befassen hatten. Wenn sich auch meisten» die OrtSverwaltungSkörpcrschasten darin einig waren, daß die Einrichtung der religionslosen Schule der Familie, der Gemeinde und dem Staate z um Ver. derben gereicht, weil sie den Geist der Nächstenliebe zerstört, die Rechte der menschlichen Gesellschaft verletzt und die Fundamente der Gerechtigkeit und 'Autorität untergräbt, so sahen sie sich vielfach schweren Herzen» doch dazu genötigt, die Einrichtung zu beschrieben, um eben auch dem Drängen einer Minderheit Rechnung zu tragen, Vielerorts scheiterte die Einrichtung der religionslosen Schule an dem Verhalten der Lehrerschaft. Mrt Freude und Dank stellen wir fest, daß die Lehrerschaft mit wenigen Ausnahmen sich ihres hohen Erziehungsideals und Be» rufe» bewußt ist und die Arbeit an der freien — religionslosen — Schule abgelehnt hat. Die gesunde Einsicht der Lehrerschaft erweckt in den Herzen der christ.s lichcn Eltern volle» Vertrauen.
* Vtk«nlt!mrschule und staatliche Schnlaufstcht. Da») Zentrum hat in der preußischen LanüeSversammlung) eine Anfrage eingebracht, wonach in letzter Zeit für; solche Bezirke, in denen die große Mehrheit der Be. Votierung an der Bekenntnisschule sestyält, mehrfach! Persönlichkeiten mit dec Schulaufsicht betraut woidens sind, die kein Hehl daraus machen, daß sie auf dem^ Boden der weltlichen Schule stehen und entschiedene Gegner der Bekenntnisschule sind. In mehr als' einem der fraglichen Fälle hatte man sogar den Ein»? druck, als ob dieser grundsätzliche Standpunkt für die Berufung von ausschlaggebenoer Bedeutung sei. Dieses Vorgehen der Unterrichtsverwailung hat in den betreffenden Lezirlen starke Beunruhigung hervor. gerufen und zu lebhaften Einfpruchen der Bevölterunz tote namentlich auch der Lehrerschaft geführt. Man ist nicht gewillt, die Bekenntnisschule einer Aufsicht unterstellen zu taffen, von der eine verständnisvolle und wohlwollende Pflege dieser Schulart nicht erwartet werden kann, vielmehr eine Zersetzung befürchtet werden must. Sind dem Staatsministerium diese Dinge bekannt? Ist e» bereit, daraus hinzuwirken, daß bei der Auswahl der KretSschulräte sowie Ser Regierungs. und Schulräte bei den BezirtSschulen auf die Anschauungen und den Willen der Mehrheit der Bevölkerung Rücksicht genommen wird?
* 4732 neue Zlnanzbeamle gefordert Der neue Nachtrag zum Reichshaushalt für 1920 fordert 4732 neue Beamte für die Reichsfi nanzoerwal- tung mit der Begründung, daß bei Ausstellung des Etats nicht übersehen werden konnte, welchen Umfang die Arbeiten bei der Reichsfinanzoerwallmig annehmen würden.
* Der preußische Staatsrat. Der amtliche preu- ßische Pressedienst verbreitet das amtliche Ergebnis der Wahlen zum Staatsrat. Die fünf Mitglieder für Oberfckstesien sind noch nicht gewählt. Der Staatsrat. zählt zurzeit 74 Mitglieder. Von ihnen gehören an: der Deutschen demokratischen Partei 3, der Deutsch, nationalen Volkspartei 11, der Deutschen Volkspartei 10, ferner der Wiederaufbaupartei 2, der Arbeits- getneinschost 3, dem Zentrum 18 (dazu ein Deutsch. Hannoveraner), den Sozialdemokraten 19, den Unabhängigen 4, den Kommunisten 3.
"Der Abbau derllnegrgesellschaften. Im Ausschuß zur Ueverwachung der Kriegsgesellschaften teilte die Regierung mit, daß feit der letzten Sitzung die dort beschäftigten Personen um 1450 Köpfe verringert worden seien. Sodann wurde eine vom Reich», rat angenommene Verordnung beraten, die die Re» gierung ermächtigt, Krteg»gesellschaften'für aufgelöst zu erklären und deren Vermögen zu übernehmen. Dabei wurde der Hoffnung AuSoruck gegeben, daß die Regierung rücksichtslos von dem Gesetz Gebrauch machen solle, um die Kriegsgesellschaften schnellstens zu beseitigen.
* Deikstar. Um dl« Derhältnifle bei der S t a a ts. Polizei Thüringens zu untersuchen, eilte ein» Kommission aus dem Reichsministerium des 3rmern nach Weimar. Als Resultat dieser plötzlichen Unter, suchung ist die von der Landesregierung veröffentlichte Urlaubserteilung an den Leiter der Staatspolizei Gendarmerie-llttajor Mülle r-Brandenburg zu betrachten, gegen dessen Persönlichkeit von seilen der Rechtsparteien des Landtages schwere Bedenken er- hoben werbgn warm. £
einmal lassen die Redner der verschiedenen do» neue Kabinett Revue paffieren. Eine Rednergarnitur kehrt mühsam das
Aus Airche und Schule.
* Innsbruck. Die Entscheidung in der Diözesan» frage des Bistums Drixen ist vom Hl. Stuhle gefällt wordm. Das Bistum bleibt ungeteilt. Nach zwei Ährys M Rvnoten daMrrrder Sedisychkgrp hat bat:
zweite Rednergarnitur kehrt mühsam das Material für und gegen die neue Regierung zusammen, das am Freitag vermeintlich übergangen wurde. Daß
Observer meldet, daß Lloyd George ein von As- yuith, Lord Robert Cecil und Barnes unterzeichnete» Memorandum überreicht worden ist, in dem er auf- gefordert wird ,feinen Einfluß nicht ht der Richtung der Anwendung neuer Zwangsmaßnahmen Deutschland geltend zu machen.
gebung des Landtages erhalten. Hierauf vertagte sich der Landtag auf Donnerstag, Mai. -
Deutscher Reich.
• Berlin, 25. April. Der deutsch« Botschaft« Dr. Mayer in Pari» ist an Lungenentzündung erkrankt. Nach den letzten Nachrichten soll sich sein Befinden aber bereits gebesiert haben. — 3n sämtlichen preußischen Staats- und Kommunaloerwaltungen findet gegenwärtig eine Vereidigung der Beamten auf die preußisch« Verfassung statt.
* Die deutschen Flaggen. Im Reichs-Anzeiger und Reichs-Gesetzblatt wird die Verordnung über die deutschen Flaggen veröffentlicht. Diese Verordnung bringt ein« einheitliche Regelung des Land» und See- flaggenwesens. In einer besonderen Flaggentafel werden die Flaggen bildlich dargestellt.
* Deutschland und der Vat.kan. Die Verhand- lungen für die Schaffung eines Konkordats zwischen dem deutschen Reich und dem Vatikan nehmen, wie der Bayerische Kurier' er. fährt, trotz außerordentlicher rechtlicher und tatsäch- licherSchwierigkeiten einen durchaus befriedigenden Verlauf. Die eigentliche Führung dieser Verhandlungen ist von der Reichsregierung der bayerischen Re- ! aierung übertragen worden. Die Tätigkeit des
"irden Nuntius Pacelli verdiene dabei besondere : keunung.
• Sflr die Einheit des deutschen Industriegebiets. 5m Reichswirffchaftsministerium fand eine Sitzung statt, zu der neben amtlichen Wirtschaftsrefforts die Vertreter der großen Spitzenverbände der Industrie, des Großhandels, der Handelskammern, der Genossen, schäften, de» Handwerk» und des Dankgewerbes, ins. lxsondere auch aus dem besetzten Gebiete erschienen waren. Al» Zweck der Zusammenkunft be- zeichnete Reichswirtschaftsminister Dr. Scholz die Erwägung aller Maßnahmen, durch die die Einheit des rheinisch-westfälischen und de» ge- samtdeutschen W i r t s ch a s t s g e d i rtez Lotz .Mr Bedrängnis gewahrt werden konm. -
Deutscher Reichstag.
Die schweren Schicksalsstunden, die abermals auf dem deutschen Volke lasten, fpieselten sich begreiflicherweise auch rein äußerlich am SamStag im Reichstag wider. Wie am Freitag, so sind auch am Samstag alle Nurschußverhandlungen abgesagt. Die Fraktionen beraten über die gegenwärtige Lage. Die am Freitag in den ersten Abendstunden abgehaltene Besprechung zwischen Fraktionsführern und der ReichSregierung hat zu einem eigentlichen Ergebnis nicht geführt, da die Regierung nicht in der Lage war, sachliche Mitteilungen zu machen. Das Kabinett steht mit Recht auf dem Slandpunkt, wie et in der kurzen Sitzung de» Reichstages vom Reichs» kanzlet Zehrenbsch vertreten wurde, daß sie nicht früher ihre Antwort an den Präsidenten Harüing im Reichs, tag und damit der deutschen Oeffcntlichkeit bekannt geben könne, bi» sie in die Hände des Empfängers gelangt fei. Die Oppositionsparteien von links und recht» erhoben zwar Einspruch dagegen, aber die Mehr- beit des HanseS entschied sich für den Standpunkt der ReickSregierung. Die Mitteilungen der Reich», tegierung werden am Montag erfolgen. Für das Zentrum wird der Abg. Dr. Spahn sprechen.
Die der Botschafterkonserenz übergeben« Rote über die Kriegsbeschuldlgten führt Mo- terlal zur Widerlegung der Behauptung englischer Mi- nister an, daß Deutschland mtt der Erfüllung seiner Verpflichtungen in der Kriegs beschuldigtenfrag« im Rückstand« fei. Di« deutschen Kriegsbeschuldigten feien, so wurde behauptet, trotz des Vertrags von Ver- faill-es und der in Spaa übernommenen Verpflichtun- gen noch nicht vor Gericht gestellt worben, obwohl sich dir Unterlagen seit Monaten in der Hand der deut, scheu Regierung befänden. Dieses letzter« wird in der Note an der Hand eingehender juristisch« Dartegungen bestritten.
Briarrd und Lloyd George in Hyche.
Samstag und Sonntag waren der französische und der englische Minist«präsident in Hythe in Eng> land zu einer Besprechung über die weiter« Taktik gegen Deutschland zusammen. Ueber den Verlauf der Besprechung, die natürllch vertraulich war, läßt sich nichts sicheres sagen. Beschloffen wurde, den Obersten Rat auf kommenden SamStag nach Pari- zusammenzuderufen. Sollte Lloyd George durch die Stretklage verhindert sein, sich noch Paris zu begeben, dann wird die Sitzung in London stattfinden.
Rach einer weiter«! Nbuter-Meldung befinden sich beide Parteien in llrbereinstimmung. Dir französischen Vorschläge wurden «instimmig geb!!- ligt. W«m das Ruhrgebiet befctzt wird, was bei nickt befriedigenden Vorschlägen Deutschlands im» vermeidlich sei, wird sich die britische Beteiligung daran auf einige Abteilungen Kavallerie und einige Tanks beschränken. (Es wird betont, daß da» Pariser Uebeveinkcmrmen sich noch in Geltung befindet. Der britische Botschafter Hut aus Bersin telegraphiert, daß die deutsche Not« an die Vereinigten Staaten dem amerikanischen Botschafter ht Bersin Sonntag mittag
man sich habet ab und zu mit etwas anderem beschäftigt, al» wa» auf der Tagesordnung steht, wird offenbar nicht tragisch empfunden. Man ist doch mit dem guten Willen nach Berlin gefahren, Jungfernreden und mög. lichst wichtige Parteireden zu halten Der Vorsatz muß ausgeführt werden und gerade die Besprechung der Er» fiärunq des Staatsministeriums bietet eine so günstige Gelegenheit, die Parteigrundsätze in der schönsten Form leuchten zu lassen. Zum Glück kommen vor. nehmsich gute Sprecher zum Wort, sodaß man nicht jegliches Interesse verliert.
Zunächst hat der Abg. Oes« die ehrenvolle Aufgabe, dem neuen Kabinett den Glückwunsch der demokratischen Partei mit auf den Weg zu geben. Cr bginnt feinen Spruch mit ein« gründlichen Darlegung der Vorgänge, die der Regierungsbildung vorausgingen. Die schwere Krisis der Regierungsbildung führt er mit feinem Kollegen von der Rechten auf den Umstand zu- rtzck, daß wir in Preußen keinen Staatspräsidenten haben. Nicht ganz einverstanden ist er mit der Behandlung der Schulfragen in der Regierungserklärung. Er fürchtet sicher von dem „schwarzen" Ministerpräsidenten einige unliebsame Ueberraschungen. Sonst aber sieht er keinen Grund, weder für feine Partei, noch auch für die den Regierungsparteien benachbarten Gruppen, die Ar. beit be» neuen Kabinetts zu sabotieren.
Nach ihm spricht der Mehrheitssozialist Llmberh. Die Mehrheitssozialdemokratie scheint, nachdem sie einmal nach dem großen Ereignis wieder hat ruhig schlafen dürfen, wesentlich ruhigere Nerven bekommen zu haben. Der Ton ist schon erheblich versöhnlicher, abgesehen von den paar Mltztönen, die er doch nicht ganz unterdrücken konnte. !
Der Zentrumsabg. Dr. Heß ist ein schlagfertiger Herr. Das wissen feine Freunde und di« Gegner müffen» manchmal fühlen. Scharf in der Sache, besonders in der Zurückweisung der beleidigenden Angriffe des Abg. Sie- ringg zeigt er andererseits volles Verständnis für die Lage der Regierung wie unseres gesamten Volkes.
Die Vertreter der Rechtsparteien, der deutschnationale Abg. Rippet und der Dolksparteiler v. fiatborff begrüßen den wirksamen nationalen Appell, den der Mini, sterpräsident Stegerwald in den Abendstunden be» Dor- tage» an sämtliche Parteien des Hauses gerichtet hat. Der Kommunist Busch faselt dann noch einiges von der Unfähigkeit de» Parlamentarismus und di» Erlösung durch die Weltrevolution.
Dann setzte eine zuweilen erregte Viertelstunde der persönlichen Bemerkungen ein und nun folgt die Abstimmung über den Antrag Porsch und Genossen, der der neuen
Regierung da» Vertrauen de» Hauses ausspricht. Don 348 abgegebenen Stimmen lauteten 215 auf ja und 130 auf nein. Damit hat da» Kabinett Stegerwald die erste Dertrauen»kund.
Nisters verzichten zu wollen. Gerade fetzt heißt es: Nerven behalten.
Diederaufbav Frankreichs, Goldfrage und Sriegsbefchuldigte.
Die deutsche Regierung hat am Samstag der Re» paralionskommifsion bezw. der B o t» schafterkonferenz drei Noten zugehen las» sen, die sich mit den Fragen des Wiederauf, baues, des Goldoorrats der Reichsbank und der Kriegsbeschuldigten befassen. Dir Ver» öffentlichung der Hauptnote, in der Vorschläge für die Reparation an Amerika übermittelt werden, wird erst heute, Montag, «folgen, da di« Fertigstellung des Textes sich bis zum Sonntag nmHnittchz hingezogcn hat.
In der Not« an öle Reparationskommffflon bringt die Regierung erneut ihren bestimmten Willen zum Ausdruck, am Wiederaufbau in Frankreich mit allen verfügbaren Kräften mitzuwirken, und erörtert in Form positiver Vorschläge di« für triefen Zweck geeignetsten Mittel. Deutsche Gewerkschaften haben beschloffen, folgende Leistungen zur Förderung des Wiederaufbaues anzubieten: Donnchme von Auf- räumungs- und Auffvrstungsarbeiten; Instandsetzung von Ziegeleien, Erbauung von Kalk-, Gips- und Zementwerken, Lieferung von Maschinen zur Gewinnung von Baustoffen: Heranführung fehlender Maschinen für Bauzwecke aus Deutschland; sofortige Anfertigung von Behelfsbauten, mindestens von 25 000 Holzhäusern zu Wohnzwecken; Ausstattung dies« Bauten mit Möbeln, Oefen, Kochherden usw.; Ausführung von Hoch- und Tiefbauten jeder Art nach Planen der franzöfl- fchen Behörden. Die Wiedera.ndau-Arbriten könnte Deutschland unter Uebernahm« sämtlicher Ko st en in eigener Regie ob« durch Vermittlung eines internationalen Siedlungsunternehmens übernehmen.
Die Note, die von d« Forderung nach Ueber- führung des Goldbestandes der Reichsbank nach Koblenz hatckell, weist darauf hin, daß diefe Ford«ung unzweifelhaft ihren Grund in der Befürchtung habe, dieses Gold könnte zmn Nachteil der Entente den vertragsmäßigen Reparationszwecken entzogen w«den. Die deutsche Regi«img erklärt sich bereit, sofort gesetzliche Maßnahmen zu treffen, durch die diese Befürchtungen gegenstandslos würden.
Ausland.
* Wieder ein Austritt aus dem Völkerbund. Wie d« .Chicago Tribuns aus Managua gekabelt wird, hat Nicaragua seinen Austritt aus dem Völkerbund erklärt, angeblich weil die Kosten zu hoch sind, wahrscheinlich aber weil es seine Politik mit dev von Washington in Einklang bringen will.
• Ein amerikanischer Lriegsgeneralskob. Nach einer Havasmeldung aus Washington hat der ameri- konische Kriegssekretär die Bildung eines Kriegs» generalstabes bekannt gegeben. Ches dieses Generalstabes wird General Preshing, der im Kriegsfall« di« militärischen Operationen leiten würde. Zu Begründung dieser Maßnahmen gab der Kriegssekretär an, der Fall könne eintreten, daß die Vereinigten Staaten im Frieden zu einer schleunigen Vorbereitung für militärisch« Operationen genötigt sein würden.
* Schlappe der EngranSer m Indien. Nach einer amtlichen Meldung wurden englische Grenz- schutztruppen am 24. März in Ladha an der indischen Grenze angegriffen und verloren 16 Tote und 74 Verwundete. Zur Vergeltung wurde die Stadt Makin von Fliegern heftig bombardiert. Seither sind gegen engliiche Transporte mehrere indische Angriffe erfolgt. Die britischen Truppen verloren vom 5.—10. April 34 Tote und 76 Verwundete.
Tage größter Not.
Wir haben seit den Tagen des Krieges, besonders ;<t6et seit Friedensschluß wiederholt das Wort von Deutschlands Not gebraucht und hören müssen. Es find Tage größter Not über unS gekommen, von ibenen wir annahmen, daß sie in Bezug auf Demüli» ifiung, Knechtung und Drangsal kaum noch überboten werden könnten. Es ist unnötig, sie einzeln auszuführen; denn die Erinnerung an sie lebt im deut- Men Volke täglich wieder auf, zumal wir immer «och unter den Folgen zu leiden haben.
Wenn jedoch nicht alles trügt, gehen wir neuen schweren Krisenlagen von höchster außen» •tote innerpolitischer Bedeutung entgegen. Heute ist nur noch eine schwache Hoffnung auf eine friedliche Losung der Reparationsfrage vorhanden. Der e r st e Mai steht vor der Tür. Was uns Frankreich nach Ablauf dieses Fristtages zumutet, darüber lehrt uns em Blick in die französisch« Preffe, das sagen uns die Arohreden führender Ententepolitiker. Inwieweit letz, zur Tat erhoben werden, steht noch dahin. Eines je» .doch muß man heute schon unserem Volke zurufen: Dtögetl die kommenden Schicksalsfragen ein einiges gwßes deutsches Volk finden.
Niemand wird der deutschen Regierung mit Recht nachsagen können, daß sie die Zeit vom Abbruch der London« Verhandlungen bis zur Gegenwart habe untätig verstreichen lassen. Neue Vorschläge sind von ihr ausgearbeitet worden, die inzwischen der amerika» fiischm Negierung übermittell wurden. Am Freitag Pat Reichsminister Dr. Simons das seit vielen Tagen an maßgebend« Stelle beobachtete Schweigen gebrochen und dem Reichstag eine, wenn auch vorläufig Sur dürftige Darstellung über die deutschen Pläne und ie Absichten der Regierung gegeben. Was schon seit Wochen als Gerücht in der Luft schwirrte, fand seine Bestätigung. Demschland hat den amerikanischen Präsidenten gebeten, mit Rücksicht auf das kritische Stadium, in das der Reparationssrag« eingetreten ist, das Schtedsrichteramt zu übernehmen.
Wie immer man über diesen Schritt der Regie- nung denken mag, nichts konnte mehr den ernsten Wil- len unserer Regierung, eine friedliche Lösung herbeizuführen, dokumentieren, als bedingungslose Unterwerfung unter den Schiedsspruch eines Präsidenten Harbing. Deutlicher aber forrrtte auch nicht die Not unseres 60 Millionen» oolkes offenbar werden. Wir, das ehedem mächtige, beneidete deutsch« Volk fühlen uns alchängig von dem Macht- und Schiedsspruch des amerikanischen Präsi» dsnten. Holding hat die Schiedsrichterrolle abgelehnt. Weit« Kreise unseres Volkes werden diese Ablehnung mit Freuden begrüßt haben, sie als ein Glück im Un» Mck ansehen. Die Erfahrung, die unser idealgesinntes, vertrauensvolles Volk mit dem ftüheren Präsidenten , Nordamerikas machen mußte, sind zu trübe und in ihren Folgen zu traurig gewesen, als daß der Glaube an btc wirkliche Neutralität und Objektivität in der Brust eines jeden einzelnen weiterleben konnte. Die Erkenntnis dies« Zusammenhänge mag für den Präsidenten Harding mitbestimmend für die Ablehnung des Schiedsrichteramtes gewesen sein. Anderseits aber zeigt er sich bereit, unter gcwiffen Loraussetzun- gen vermittelnd einzugreifen.
So braucht man Holdings Antwort, so wenig Positives sie auch enthalten mag, nicht gerade als ungünstiges Zeichen anzusehen. Zweifellos geht aus ihr hervor, daß die amerikanische Regierung zur schleunigen Wiederaufnahme der V-rhandlurrgrn beizutragen bereit ist. Sie Ist willens „In einer sür sie" — die Alliierten — „annehmbaren Form" neue deutsche Vorschläge entweder weiterzugeben oder an ihrer Erörterung trilzunehmett. Alles hängt also, mit bisher, von unseren Vorschlägen ab. Sie, dir nun am Sonntag nachmittag entgültig fertig g e st e l l t worden sind, um an die amerikanische Regierung abzugehen, werden äußer st weitgehend sein müssen, sollen sie dm Tatendrang der Pariser Imperialisten hemmen.
Dies fest,zustellen, heißt gleichzeitig die inner» politischen Schwirrt gleiten Ins Auge iftlffen, die aus einem Angebot, das bis an die äußerste grenze der Leistungsmöglichkeit geht, erwachfen miis- jen. Kaum ist denn amh die Nachricht über Ne neue»
Schritte der Relchsregtenmg auf dem Wege über c16 Presse ins Volk gedrungen, da schwirren die un» *c‘J.D°llften Gerüchte über eine Kabl- roe>tj 8 ‘ fe umh«. Nicht nur irie Stellung des ^chsaußenmimsters, sondern auch diejenige des Retchskonzlerg, der beiden Männer also, die das Bitt» 6^7 an Hardmg um feine Vermittlung unterzeichnet tyänn, soll aufs schwerste erschüttert {ein. Ferner d'E- Deutsche Volkspartei cmfs schärsste , mr-mißbillig«, weil sie der nattona- len Wurdedes•deutschen Volkes nicht entspreche.
®3J-L •lftVur die deutsche Politik, daß in einem Augenblicke, m dem Zusammenraffen aller Kräfte, die m V ? ® Einheitsfront dringendstes
solche Krisengerüchte in der Lksfeuibchkeit, diskutiert werden können. Man sollte sich doch endlich in allen Kreisen der großen Verantwortung aber auch der unendlich schwierigen Lage, in Der wtr uns beftndm, bewußt werden. Nur noch we- mge Derhandlwrgslage sind uns geblieben. Wenn die deutsche Regierung nach reiflicher Ueberlegung, die wan bestimmt voraussetzen darf, den immerhin «wag- ten Schritt neuer Verhandlungen unternommen bat so ist das Pflicht all« politisch interessierten Kreise 'dahinzuwirken, daß zarte Hoffnungen nicht ohne tiefen Grund zunichte gemacht werden.
Fast aber scheint es, al» wenn unser Volk an feiner inneren Z«klüftung, an seinem ungesunden Partellebm, zugrunde gehen soll. Möchte man doch endlich das Baterlanb über die Parteien stellen! Wie • immer man auch über die Fehler der vergangenen iMonate in der Behandlung der Entschädigungsfrage tftetrfen mag, es wäre der schlimmste und stmilosestr Dehl«, in diesem für die Zukunft unseres Volkes so Wichtigen Augenblick eine Kabinettskrise veranstalten Wh M dir MitychNt des, bisherige« BMraußWwi'
Tirol für Dttttschland.
In Tirol hat am gestrigen Sonntag ein: Abstimmung über öen Anschluß an Deutschland stattgefunden, bi« zwar vorerst keine entscheidenbe Seteutung hat, wohl aber We Stimmung in Tirol zum Ausbruck bringt. Von etwa 150 000 Stimmberechtigten haben ungefähr 90 Prozent ihre Stimm« abgegeben, von denen mindestens 1 20 bis 125000fürben2ln- schluß an Deutschland gestimmt haben. Nn Innsbruck sanden große patriotische Kundgebungen fi.-.t:
Zusammenstöße.
Nach Nachrichten aus D a z e n hat dort ein Zusammenstoß zwischen Facisten tmö deutschen Bauern, die zur Meffe nach Bozen gekommen waren, stattgeftm- Öen. Dabei wurde eine Person getötet und 43 verwundet, darunter acht schwer. In b« Stadt herrscht große Unruhe. In Innsbruck würben nach dieser Nachricht die Abendkonzerte in den Kaffeehäusern unterbrochen und bie Versammlungen, die anläßlich der Volksabstimmung statffanden, aufgelöst. Es fanben auch Demonstrationen vordem Italieni» f d) e n Konsulat statt, bei denen nationale Lied« Bgtn wurden, ohne daß ep zu ernsten Zwilchen.
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Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stabf Fulda.